20111020 Deutschlandausgabe Basis



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Brüssel – Die EU-Kommissionwirft meh- rereneuropäischenGroßbankenunlaute- re Geschäftspraktikenvor. Bei einer Raz- zia durchsuchten Ermittler die Büros von Geldhäusern in mehreren Staaten. Die Kommission teilte am Mittwoch mit, es bestehe der Verdacht, dass die Institu- te Zinssätze manipuliert haben. Mögli- cherweise hättensie versucht, denso gen- nanntenEuribor-Zinssatz zuihrenGuns- ten zu beeinflussen. Die Namen der be- troffenen Banken wollte die EU-Kom- mission nicht nennen. Finanzkreisen zu- folge wurde unter anderemdie Londoner Niederlassung der Deutschen Bank durchsucht. (Wirtschaft) Reuters B r ü s s e l / B e r l i n – Die Euro-Staa- ten wollen die Wirkung des Rettungs- schirms EFSF deutlich steigern, um die Turbulenzen an den Finanzmärk- tenendlichzubeenden. Dazusollendie bereits zur Verfügung stehenden Milli- arden so eingesetzt werden, dass insge- samt mehr als eine Billion Euro an Ka- pital mobilisiert werden kann. Das Geld soll ausreichen, um auch Italien und Spanien endgültig aus dem Visier der Spekulanten zunehmen. Das Bürg- schaftsrisiko, das Deutschland über- nommen hat, steigt dadurch nicht. Statt Kredite zu vergeben, könnte der EFSF in Zukunft als eine Art Versiche- rung auftreten, die den privaten Geldge- bernder Euro-Länder, also Banken, Ver- sicherungen, Investmentfonds und Klein- anlegern, einenTeil des Ausfallrisikos ab- nimmt. Im Gespräch ist, dass der Fonds bei neuzumVerkauf stehendenStaatsan- leihen die ersten 20 bis 30 Prozent eines möglichen späteren Verlusts übernimmt. So könnte das gesamte Anleihe-Volu- men, das über den EFSF abgedeckt wird, von derzeit 440 Milliarden auf mehr als eine Billion Euro erhöht werden. Die An- leger würden so motiviert, beispielsweise spanische oder italienische Anleihen zu kaufen. Die Regierungen in Madrid oder Rom wiederum könnten mit dem einge- nommenenGeld fällig werdende Schuld- verschreibungen zurückzahlen. Über dieses Modell wollen die Finanz- minister sowie die Staats- und Regie- rungschefs der 17 Euro-Länder bei ih- rem am Freitag beginnenden Gipfeltref- fen in Brüssel beraten. Welcher Teil der 440 Milliarden Euro genau für Anleihe- versicherungen bereitgestellt wird, soll nicht genau festgelegt werden. Schließ- lichmüsse der Fonds auch Mittel zurück- halten, umseine anderenAufgabenerfül- len zu können, hieß es in Brüssel. Dazu zählen unter anderem mögliche Kapital- spritzen für in Not geratene Banken. Au- ßerdem diskutieren die Euro-Staaten über ein Hilfsangebot führender Indus- trie- und Schwellenländer aus demKreis der G20, darunter Brasilien, China, Indi- en, Indonesien undKorea. Sie sindoffen- bar bereit, Anleihenschwächelnder Euro- Staaten zu kaufen. Ob es am Ende dazu kommen wird, ist allerdings noch unge- wiss, da die Südamerikaner und Asiaten imGegenzug für ihre Hilfe mehr Einfluss in Institutionen wie demInternationalen Währungsfonds (IWF) verlangen. Zur Vorbereitung des Gipfels wollten sich Frankreichs Präsident Nicolas Sar- kozy und Bundeskanzlerin Angela Mer- kel amMittwochabendinFrankfurt tref- fen. An dem Gespräch sollten auch IWF- Chefin Christine Lagarde und EU-Kom- missionspräsident José Manuel Barroso teilnehmen. Sie alle warenzur Abschieds- feier des Chefs der EuropäischenZentral- bank, Jean-Claude Trichet, geladen. Die FDP signalisierte am Mittwoch, dass sie eine Versicherungslösung mittra- genkönne. Dagegenwarf die SPDder Re- gierung vor, das Parlament und die Öf- fentlichkeit Ende September über das wahre Ausmaß des Rettungsfonds ge- täuscht zu haben. Führende Koalitions- vertreter hätten vor der Abstimmung über den Rettungsschirm Mutmaßungen über eine Ausweitung widersprochen, sagte Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann. Der SPD-Haushaltsexperte Carsten Schneider rügte, dass Finanzmi- nister Wolfgang Schäuble (CDU) die nun geplanten Änderungen am Rettungs- fonds erneut imEiltempo durchdenBun- destag boxen wolle. Das sei unzumutbar, sagte Schneider der Süddeutschen Zei- tung. Er verlangte zudem, dass die SPD als größte Oppositionsfraktion den Vor- sitz in dem neuen Vertrauensgremium des Haushaltsausschusses erhält, das im- mer dann tagen soll, wenn der Bundestag raschundunter Geheimhaltung seine Zu- stimmung zu EFSF-Operationen geben muss. (Seiten 2, 4, Wirtschaft) SZ Athen – Die Proteste gegen das Sparpro- gramm der griechischen Regierung sind am Mittwoch in Gewalt umgeschlagen. Vermummte Jugendliche bewarfen Poli- zisten mit Steinen und Brandsätzen, die Beamten reagierten mit Tränengas. Rund umdas Parlament sah es amNach- mittag aus wie auf einem Schlachtfeld. Zuvor hatten im Zentrum Athens und in anderen Städten insgesamt mehr als 125 000 Menschen friedlich gegen das drastische Sparprogramm protestiert. Darüber will das Parlament amDonners- tag entscheiden. Am Mittwoch war das öffentliche Leben in weiten Teilen des Landes durch einen Generalstreik lahm- gelegt, zu dem die beiden größten Ge- werkschaftsverbände aufgerufen hatten. Erstmals beteiligtensichauchprivate La- deninhaber an den Protesten und ließen ihre Geschäfte geschlossen. Nur die Flug- lotsen brachen ihren Protest schon im Lauf des Mittwochs wieder ab, um die Tourismusbranche nicht weiter zu schä- digen. Museen und der Zugang zur Akro- polis, dem Wahrzeichen Athens, blieben aber geschlossen. (Seiten 4 und 9) SZ Düsseldorf – Die Preise für Briefe der DeutschenPost werdenauchimkommen- den Jahr stabil bleiben. „Wir werden für das Jahr 2012 keinen Antrag auf Preiser- höhungen beim Briefporto stellen“, sag- te ein Post-Sprecher am Mittwoch. Dies gelte sowohl für Sendungen im Inland als auch für Briefe ins Ausland. Die Post reagierte damit auf neue Festlegungen der Bundesnetzagentur. NachdenVorga- ben der Behörde wäre der Deutschen Post nur ein kleiner Spielraumfür Preis- anhebungen geblieben. (Wirtschaft) SZ Razzia bei Großbanken München – Zunächst im äußersten Sü- den letzte Schnee- und Regenwolken. Sonst etwas Sonnenschein im Wechsel mit einigen Wolkenfeldern, dabei gele- gentlich auch ein paar Schauer. Höchst- temperaturen zwischen sechs und elf Grad. (Seite 36) Brüssel – Die EU-Kommission will den Ausbau von Straßen, Stromtrassen und Datenleitungen mit bis zu 50 Milliarden Euro fördern. Kommissionspräsident Jo- sé Manuel Barroso präsentierte amMitt- woch einen entsprechenden Vorschlag. Mit dem zusätzlichen Geld könnte unter anderem der Donauausbau in Nieder- bayern, die Bahnstrecke von München nach Prag oder die Zufahrt für den neu- en Brenner-Basistunnel gefördert wer- den. (Seite 9 und Bayern) SZ Berlin – Auf Computern in ganz Europa ist eine Art „kleiner Bruder“ des berüch- tigten Computerwurms Stuxnet ent- deckt worden. Der neue Wurm namens „Duqu“ sei ein Trojaner, der gezielt Ent- wickler von Industrieanlagen und Kon- zerne ausspähen sollte, berichtete die IT- Sicherheitsfirma Symantec. Duqu ent- hält nach Angaben der Experten Teile des Software-Codes von Stuxnet, des be- rüchtigten Programms, mit dem wahr- scheinlich das iranische Atomprogramm sabotiert wurde. (Seite 5) SZ Straßenschlacht in Athen Friedliche Demonstration schlägt in Gewalt um Post verzichtet auf Porto-Erhöhung Von Kai Stri ttmatter Istanbul – Die türkische Armee hat am Mittwoch auf der Jagd nach kurdischen Rebellen die Grenze zum benachbarten Nordirak überschritten. Kampfflieger, Hubschrauber und Bodentruppen waren auf irakischem Territorium im Einsatz gegen die kurdische Arbeiterpartei PKK, deren Kämpfer wenige Stunden zuvor bei Angriffen auf türkische Grenzposten in der Provinz Hakkari 26 türkische Sol- daten getötet und 16 verwundet hatten. Es war der blutigste Angriff der PKKauf die türkische Armee seit fast zwanzig Jahren. Staatspräsident Abdullah Gül kündigte „gewaltige Rache“ für den An- schlag an. Premierminister Recep Tayyip Erdogan sagte, die Türkei werde sich „nie einemAngriff voninnerhalboder au- ßerhalb des Landes beugen“. Der türki- sche Premier verteidigte den Einsatz der Elitetruppen auf irakischem Territori- um: Die Verfolgung von Angreifern sei „nach dem Völkerrecht gestattet“. NachAngabendes türkischenTV-Sen- ders NTVbrachtenHubschrauber Boden- truppen bis zu vier Kilometer hinter die Grenze. Berichten zufolge scheint es sich um eine begrenzte Aktion von mehreren hundert Soldaten zu handeln. Zuletzt war die türkische Armee Anfang 2008 mit mehreren tausend Soldaten in die Kandil-Berge in Nordirak vorgedrun- gen, um PKK-Lager zu zerstören. Die tödlichen Angriffe der PKK am frühen Mittwochmorgen lösten in der Türkei Entsetzen aus. Der Dogan-Nachrichten- agentur zufolge hatten etwa 200 PKK- Rebellen gleichzeitig Polizeiwachen und Grenzposten des Militärs bei den Orten Cukurca und Yüksekova angegriffen. PKK und Militär liefern sich seit 1984 einenKrieg, bei dembislang 50 000 Men- schen starben. Die PKK sagt, sie kämpfe für „demokratische Autonomie“ in der Türkei. USA und EU führen die PKK als Terrororganisation. Erdogans Regierung begannindenvergangenenJahrenRefor- menund erlaubte erstmals kurdischspra- chige TV-Sender. Auch führte sie Ge- heimgespräche mit PKK-Führern. Doch gab es schwere Rückschläge. Seit dem Sommer häufen sich die PKK-Angriffe. Zugleichsieht sichdie legale Kurdenpar- tei BDP, die der PKK nahesteht, poli- tisch verfolgt. Ihren Parlamentsboykott hat die BDPmittlerweile aufgegeben, zu- gleichaber beklagt sie neue Verhaftungs- wellen. Der BDPzufolge wurden5000 ih- rer Funktionäre festgenommen. Die Staatsanwälte berufensich dabei auf das türkische Antiterrorgesetz, die Regie- rung verteidigt die Festnahmen. DenPKK-Anschlag vomMittwochver- urteilte die BDP. „Es reicht!“, hieß es in einer Erklärung der Partei. „Die Türkei braucht nun Frieden.“ Erdogan sagte, die Arbeit aneiner neuen demokratische- ren Verfassung müsse weitergehen: „Das Gegengift zu Terror sind Menschenrech- te und Demokratie.“ Gleichzeitig atta- ckierte er nicht näher benannte „dunkle Kräfte“ hinter der PKK – eine Anspie- lung auf angebliche ausländische PKK- Unterstützer. Zuletzt hatte Erdogan An- fang des Monats deutsche Stiftungen be- zichtigt, die PKKzufinanzieren, ein Vor- wurf ohne Belege, der in Deutschland große Irritation ausgelöst hatte. Zudem griff Erdogan die Kurdenpartei BDP scharf an: „Sie sollen das Wort Frieden nicht in den Mund nehmen.“ (Seite 4) T heodor Heuss hat mal gesagt: „Mit Po- litik kann man keine Kultur machen, aber vielleicht kannmanmit Kultur Poli- tik machen.“ Der Satz passt auf einen Machtkampf, der derzeit bei der Unesco in Paris abläuft. Normalerweise soll sich diese Sonderorganisation der Vereinten Nationen um schöne und gute Dinge wie die Weltkultur und die Bildung küm- mern. In diesen Tagen aber wird sie zum Brennpunkt eines politischen Großkon- flikts: die Anerkennung Palästinas. Eigentlichist mit dieser Frage der UN- Sicherheitsrat in NewYork befasst. Dort wollen sich die USA und europäische Staaten wie Deutschland Zeit lassen. Sie finden, zunächst sollten sich Palästinen- ser und Israelis in direkten Verhandlun- geneinigen. Danachbekämendie Palästi- nenser ihren Staat. Die Palästinenser wollen jedoch nicht noch länger warten. Daher haben sie sich die Unesco als Kampfplatz gesucht. Sie fordern dort nun die Vollmitgliedschaft, zur Entrüs- tung Israels und der USA. Die Sache ist weit gediehen. Anfang Oktober sprachen sich 40 der 58 Staaten des Unesco-Exekutivrats dafür aus, Pa- lästina die Vollmitgliedschaft zu gewäh- ren. „Eine neue Zeit bricht an“, jubelte der palästinensische Botschafter Elias Sanbar. Die letzte Entscheidung liegt jetzt bei der Generalversammlung der Unesco, in der alle 193 Mitgliedsstaaten versammelt sind. Sie beginnt kommende Woche zu tagen. Die Aussichten der Pa- lästinenser erscheinen gut, dort eine Zweidrittelmehrheit zu erhalten. Es wä- re ein gewaltiger Propagandaerfolg. Israels Regierung versichert, sie werde alles unternehmen, um die Aufnahme zu verhindern. Die USA– der wichtigste Bei- tragszahler der Unesco – drohen, ihre Zahlungen einzustellen und auszutreten. Washington verweist auf Gesetze, wo- nach die USA keine Organisation unter- stützen dürfen, die die Palästinensische Befreiungsorganisation als Mitglied auf- nimmt. Die Europäer sindgespalten. Spa- nien will für die Aufnahme Palästinas stimmen, Frankreichmöchte sichenthal- ten, Deutschland wird dagegen votieren. Die Bundesrepublik freue sich darauf, Palästina als Mitglied zu begrüßen, sagte die deutsche Unesco-Botschafterin Mar- tina Nibbeling-Wrießnig. Doch das müs- se „zu einem geeigneten Zeitpunkt und unter den richtigen Umständen“ erfol- gen. Daher stimme Berlin mit Nein. In Paris versuchen die Diplomaten, nocheinen Kompromiss zufinden. Denk- bar wäre es, die Abstimmung zuvertagen oder eine Aufnahme an die Bedingung zu knüpfen, dass zuvor die UNPalästina als Staat anerkennen. Möglich wäre es auch, Palästinazum„Beobachter-Staat“ zuer- nennen oder zu beschließen, dass es zu- nächst nur einigen Konventionen bei- tritt, über die die Unesco wacht. Die Republikaner im US-Kongress dürftendie Obama-Regierung jedochun- ter Druck setzen, Härte zu zeigen. Auch die Palästinenser wirken wenig kompro- missbereit. Ihr Botschafter, der Histori- ker und Poet Sanbar, stammt aus Haifa. Als er 15 Monate alt war, musste seine Fa- milie ins Exil gehen. Für Sanbar geht es nicht nur um Politik, sondern auch um Emotionen. Dies mache eine Lösung nicht leichter, heißt es in Paris. Falls die Palästinenser jetzt Vollmit- glied werden, möchten sie als nächstes die Geburtskirche in Bethlehem zum Weltkulturerbe erklären lassen. Zudem wollen sie in anderen Weltorganisatio- nen genauso wie in der Unesco vorgehen. „Es ist Zeit, dass die kulturelle Identität unseres Volkes anerkannt wird“, sagt Sanbar. Er verweist auf die Kultur und macht damit Weltpolitik. Stefan Ulrich Sozialismus minus Stasi Die Linke will das Wirtschaftssystemra- dikal verändern – und nicht regieren. Leitartikel von Daniel Brössler . . . . . . . . . . 4 „Stoppt die Apathie“ Der tragische Unfall eines Kleinkindes verstört die Chinesen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 Sapperlot! Der beste deutsche Hip-Hop entsteht im Münchner Glockenbachviertel. Ein Be- such bei Sepalot. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13 Erstaunlich einstellig Wie Sat 1 versucht, mit Kerner, Pocher undSchmidt vonseinenProblemenabzu- lenken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 Spritze mit großer Hoffnung Ein neuer Impfstoff schützt Kinder bes- ser vor der Malaria. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 Datenkrake Finanzamt Die Steuerbehörden sammeln immer mehr Informationen über die Bürger, oft erfahren diese nichts davon. . . . . . . . . . . . . . 27 Kleine Wunder Beim1:1 inNeapel schafft es der FCBay- ern, sich auch das zweite Saison-Gegen- tor selbst ins Netz zu legen. . . . . . . . . . . . . . . . . 45 TV- und Radioprogramm . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48 München · Bayern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34, 35 Reise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37 - 41 Forum /Leserbriefe, Rätsel . . . . . . . . . . . 36, 19 Familienanzeigen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18 Bully Herbig – ein Rätsel für Millionen / Seite Drei (SZ) Indiesen Tagenhäufensich die Mel- dungen über Diebe, die uns weniger durch die Unverfrorenheit ihrer Misse- taten empören, als dass sie uns durch ei- ne gewisse menschliche Note anrühren. Da ist zumBeispiel dieser Schiedsrichter aus Bayern, der vor einem Spiel aus den Kabinenbeider Fußballmannschaftenei- nen dreistelligen Geldbetrag entwendet hat – unddemmanzumindest zugutehal- ten muss, dass er auch als Dieb unpartei- ischgebliebenist. Undgeradezugroßher- zig wirkt die Geste der Täter, die Monate nach ihrem Einbruch in das Haus von Hans-DietrichGenscher offenbar so sehr das schlechte Gewissen plagte, dass sie Genscher nun den gestohlenen Füller zurückgaben, mit dem er 1992 den EU- Vertrag von Maastricht unterzeichnet hatte und der darumeinen besonders ho- hen sentimentalen Wert für den Ex-Poli- tiker besitzt. Zartgefühl, Korrektheit undeingewis- ser Anstand sind nicht gerade Tugenden jener Metalldiebe, die in Hamburg Or- pheus und Eurydike gewaltsam getrennt haben, wo sie in Bronze gegossen seit fünfzig Jahren in trauter Zweisamkeit am Alsterufer standen. Und doch ist das erste, was einemzu dieser hirnverbrann- ten Idee einfällt, dass es eine Schweine- Arbeit gewesen sein muss, die lebensgro- ße Plastik von ihrem Fundament zu lö- sen. Vielleicht waren die Diebe die elen- de Schinderei bald leid und haben sich aus diesem Grund mit der Statue der Eurydike begnügt undOrpheus einengu- ten Mann sein lassen. Es könnte auch sein, dass sie nicht mehr dazukamen, Or- pheus ebenfalls loszuflexen. Oder sie planten, später noch mal wiederzukom- men, wurden aber in der U-Bahn überführt, weil sie für Eurydike keinen Fahrschein gelöst hatten. Unwahrscheinlich ist dagegen, dass sie das Paar absichtlich entzweien woll- ten. Jeder Schrottdieb kennt doch die Schote, dass Orpheus seine Frau Eury- dike für immer verlor, als er versuchte, sie aus dem Totenreich zu befreien. Auf der Flucht vor einem Vergewaltiger war sie an einem Schlangenbiss gestorben. Aber sie war ein Star, und Orpheus holte sie da raus. Nur verstieß er dabei gegen die einzige Bedingung, die der Gott der Unterwelt ihmgestellt hatte: dass er vor- angehen müsse und nicht zurückblicken dürfe. Da er jedoch Eurydikes Schritte im dunklen Gang nicht hören konnte, drehte Orpheus sich nach ihr um, und sie sank zurück zu den Toten. Orpheus soll aus Frust darüber schwul geworden sein. Die Schritte seiner Eurydike wird er aber auch bei seiner zweiten Chance in Hamburg wieder nicht gehört haben, da ihr die Füße abgesägt wurden, um sie wegschleifen zu können. Womöglich be- herzigen wenigstens die Diebe die Lehre aus der Orpheus-Sage. Der österreichi- sche Sänger Falco hat sie ja eigens für ih- re Gilde in folgenden Vers gefasst: Drah di net um, der Kommissar geht um. A, B, E, F, GR, I, L, NL, P (Cont.), SLO, SK: Q 2,70; CY: Q 3,60; M: Q 3,10; dkr. 20; £2,70; kn25; sfr. 4,80; czk80; TL16,75; Ft 690 Plan für den Krisengipfel der EU Eine Billion zur Rettung des Euro Europa will Anlegern einen Teil des Risikos abnehmen, wenn diese Anleihen überschuldeter Staaten kaufen Türkische Armee marschiert in Nordirak ein Ankara reagiert auf schwerste Attacken der PKK seit 20 Jahren / Kampfflieger und Hunderte Soldaten im Einsatz Umweg über die Unesco Palästinenser wollen mit Hilfe der Kulturbehörde ein Staat werden Das Wetter Milliarden für Straßen und Stromnetze Neuer Computerwurm soll Industrie ausspähen Süddeutsche Zeitung GmbH Hultschiner Straße 8 81677 München;Telefon 089/21 83-0, Telefax -9777; [email protected] Anzeigen: Telefon 089/21 83-10 10 (Immobilien- und Mietmarkt), 089/21 83-10 20 (Motormarkt), 089/21 83-10 30 (Stellenmarkt, weitere Märkte). Abo-Service: Telefon 089/21 83-80 80, www.sueddeutsche.de/abo Dax i Xetra Schluss 5914 Punkte + 0,61 % Dow i N.Y. 18 Uhr 11 622 Punkte + 0,38 % Euro i 18 Uhr 1,3788 US-$ + 0,0030 DEFGH NEUESTE NACHRICHTEN AUS POLITIK, KULTUR, WIRTSCHAFT UND SPORT DEUTSCHLAND-AUSGABE 67. Jahrgang / 42. Woche / Nr. 242 / 2,00 Euro München, Donnerstag, 20. Oktober 2011 HF2 HK2 HS2 HH2 Heute in der SZ Generalstreik und Gewalt: Ein Mann wirft einen Molotowcocktail auf Polizisten, die den Platz vor dem Parlament verteidigen. Foto: S. Pantzartzi/ANA-MPA/dpa TÜRKEI IRAK Kandil- Berge SYRIEN IRAN Cukurca HAKKARI Yüksekova Mosul T i g r i s SZ-Karte 50 km 4 190655 802008 4 1 0 4 2 Von Cl aus Hul verschei dt D ie meisten Menschen stellen sich unter einem Hebel ein Stück Holz oder Metall vor, mit dem man das Autogetriebe einen Gang höher schalten, das Fenster öffnen oder die Notbremse in der Straßenbahn betätigen kann. In der Finanzindustrie hingegen, jenemgeheim- nisvollenUniversum, das parallel zur Le- benswelt der gewöhnlichen Bürger ent- standen ist, versteht man darunter etwas ganz anderes: Ein Hebel ist hier ein Ins- trument, mit dem man über Nacht aus viel Geld noch mehr Geld machen kann. Investiert mandenBetrag dannineinGe- schäft, steigt die Renditechance beträcht- lich – das Verlustrisiko allerdings auch. Beispiel: EinBankmenschsoll eine Mil- lion Euro anlegen. Sein Auge fällt auf ein bestimmtes Wertpapier, eine Aktie etwa, von der er sicher glaubt, dass sie imWert steigen wird. Zusätzlich zu seiner Milli- on nimmt er deshalb noch vier Millionen Euro an Kredit auf, sodass ihm insge- samt fünf Millionen Euro zur Verfügung stehen. Damit hat er sein Kapital um dem Faktor Fünf „gehebelt“. Steigt nun der Kurs des gekauften Wertpapiers um 20 Prozent, streicht der clevere Banker nicht etwa 200 000 Euro als Gewinn ein, sondern eine satte Million. Anschließend gibt er das geliehene Geld zurück. Solche Geschäfte wareninder Finanz- wirtschaft lange Zeit gang und gäbe – bis es vor einigen Jahren immer häufiger da- zu kam, dass aus einemGewinn- ein Ver- lusthebel wurde. Verliert nämlichdie Ak- tie jene 20 Prozent, die sie eigentlich ge- winnensollte, wirdauchaus einemScha- denvon200 000 Euro plötzlich einMinus voneiner Million. NachRückgabe des ge- liehenenGeldes entsteht demHändler al- so ein Totalverlust. Nahezu alle Exper- ten sind sich heute einig, dass Hebel- geschäfte die Finanzkrise von 2008 zwar nicht ausgelöst, ihr Ausmaß aber um ein Vielfaches verschlimmert haben. Es mutet deshalb zunächst wie ein schlechter Witz an, dass die Euro-Staa- ten ihre nicht enden wollende Schulden- krise nun ausgerechnet über eine „He- belung“ des Rettungsfonds EFSF lösen wollen. Hinter der Idee der „Hebelung“ – ein Wort, das es im Übrigen laut Duden gar nicht gibt – steckt der Gedanke, dass die Turbulenzen an den Finanzmärkten so lange anhalten werden, wie die Anle- ger bezweifeln, dass Europa zur Rettung der Währungsunion im Notfall wirklich jede erdenkliche Summe mobilisieren wird. Die 440 Milliarden Euro, die bisher für Kredite an Krisenstaaten zur Verfü- gung stehen, reichenjedenfalls nicht – zu- mindest dannnicht, wennnachGriechen- land, IrlandundPortugal auchgroße EU- Länder wie Italien oder Spanien ins Tru- deln geraten sollten. Eine direkte Erhöhung der Kreditsum- me kam für die EU-Regierungschefs nie in Betracht, weil einigen der Länder, die für die Rückzahlung der Kredite an den EFSF bürgen müssen, selbst das Wasser bis zum Hals steht, und weil sie den Wi- derstand ihrer Parlamente fürchteten. So verfiel man auf die „Hebelung“, im Englischen leveraging. Die erste Idee war, die Mittel des Rettungsschirms ein- fach über Mittel der Europäischen Zen- tralbank (EZB) zu „hebeln“. Dazu hätte der EFSFdie Anleihen, die er vonKrisen- ländern kauft, als Sicherheiten bei der EZB hinterlegt und dafür neues Geld in letztlich unbegrenzter Höhe erhalten. Die Idee scheiterte amerbittertenWider- stand insbesondere von EZB-Chef Jean- Claude Trichet und Bundesbankpräsi- dent Jens Weidmann, die fürchteten, dass die Euro-Notenbank amEnde zu ei- nem Selbstbedienungsladen für spar- unwillige Regierungen degeneriert wäre. Stattdessensteht nuneine Hebel-Vari- ante imFokus, die auf eine Idee von Alli- anz-Vorstand Paul Achleitner zurück- geht. Demnach würde aus dem EFSF ei- ne Art Teilkaskoversicherung, bei der sichprivate Geldgeber, also Banken, Ver- sicherungen, Investmentfonds undKlein- anleger, gegen den Zahlungsausfall eines Landes versichern können. Beispiel: Die spanische Regierung muss zur Finanzie- rung ihres Haushalts Staatsanleihenaus- geben, findet aber nicht genügend Käu- fer, weil diesen das Ausfallrisiko zu hoch ist. Nun springt der EFSF ein und versi- chert die ersten20Prozent dieses Ausfall- risikos. KannSpanienalso die Anleihe ei- nes Tages nicht zurückzahlen und erhält einen Teilschuldenerlass von 40 Prozent, müssen die Gläubiger die Verluste nicht allein, sondern nur zur Hälfte tragen. Das Modell hätte gleich fünf positive Effekte. Erstens würdenspanische Anlei- hen für private Geldgeber wieder attrak- tiv. Zweitens müsste die Regierung inMa- dridgeringere Zinsen zahlen. Drittens er- hielte der EFSFvondenprivatenGläubi- gern eine Versicherungsprämie. Viertens müsste Spanien – anders etwa als heute Griechenland – dem Kapitalmarkt nicht den Rücken kehren, vielmehr würden al- le Anleihen weiter von privaten Finanz- häusern gekauft. Und fünftens der Clou: Der EFSF könnte künftig ein viel größe- res Anleihevolumenabdecken. Netto ste- hen dem Fonds nach Abzug der bereits zugesagten Mittel für Griechenland, Ir- land und Portugal sowie möglicher Fi- nanzspritzen für schwächelnde Banken vielleicht noch 200 Milliarden Euro zur Verfügung. Wird dieser Wert jedoch mit Hilfe einer 20-Prozent-Teilkasko-Police gehebelt, ergäbe sich eine Bruttosumme von einer Billion Euro. Oder anders aus- gedrückt: Indem der EFSF 20 Prozent des Risikos übernimmt, stellt er sicher, dass Privatinvestoren insgesamt fünf Mal so viel Geld zur Verfügung stellen. Allerdings würde der Kaskosatz je nachLandvariieren, weshalbsichdie He- belwirkung am Ende nicht genau bezif- fern lässt. Bräuchte etwa – rein theore- tisch– Frankreich Hilfe, würde vielleicht eine Absicherung von zehn Prozent rei- chen. Dadurch würde das gesamte abge- deckte Volumen – ebenso theoretisch – auf zwei Billionen Euro verzehnfacht. Im Falle Griechenlands hingegen wäre si- cher eine Absicherung von 40 Prozent er- forderlich. Der Hebel brächte rein rech- nerischalsonur eine Erhöhungdes EFSF- Volumens auf 500 Milliarden Euro. Auch hätte eine Versicherungslösung nicht nur Vorteile. So könnte das Risiko, dass Bürgschaften der Euro-Staaten tat- sächlich fällig werden, steigen, weil der EFSF bei Forderungsausfällen ja immer als Erster zur Kasse gebeten wird. Ob al- so der Achleitner-Hebel die „Big Bazoo- ka“ ist, jene „Riesen-Panzerfaust“ also, die nach Ansicht von Experten notwen- digist, umdie Finanzmärkte zubeeindru- cken, werden die Euro-Staaten einmal mehr erst dann wissen, wenn die neue Verteidigungslinie tatsächlich steht. Das Bundesamt für Strahlenschutz teilt Laser in vier Klassen ein: von den Lasern zum Scannen der Ware an der Super- marktkasse („unter vorhersehbaren Be- dingungen sicher“) bis zu Showlasern für die Bühne („immer gefährlich für das Auge und die Haut“). Laserpointer fallen zumeist in die zweite Kategorie: „Der di- rekte Blickin denStrahl muss vermieden werden.“ Anders als bei Lichtquellen wie der Glühbirne streut der Laserpoin- ter sein Licht nicht, sondern bündelt es ineinemStrahl. Trifft dieser auf die Netz- haut, kann er im schlimmsten Fall ein Loch in die Sehsinneszellen brennen, was zur Erblindung führen kann. Ur- sprünglich war eine Warnung vor Laser- pointern nicht nötig: Sie dienten Vortra- genden als Unterstützung, wenn sie mit dem Lichtpunkt auf Details ihrer an die Wand geworfenen Präsentation hinwei- sen wollten. Doch es häufen sich Nach- richten, wie die kugelschreibergroßen Pointer zweckentfremdet wurden. Ver- gangenes Jahr meldeten 388 Piloten, sie seien während ihres Fluges von Lasern geblendet worden – eine Verdoppelung gegenüber 2009. AuchFußballspieler kla- gen häufiger über Laser-Attacken, so wie beim Champions-League-Spiel am Dienstagabend in Neapel: Als Mario Go- mez zum Elfmeter antrat, flackerten über sein Gesicht grüne Farben. Mög- lich, dass in Stadien Laserpointer jen- seits der Klasse zwei benutzt werden. De- ren Handel ist europaweit illegal. stk Immer abenteuerlicher wirken die Summen, die Europa aufbietet, um die gemeinsame Währung zu retten. Gerade erst hat der Bundestag einer Aufstockung des Rettungsschirms EFSF auf 440 Milliarden Euro zugestimmt, nun wird bekannt: Der Fonds soll dank eines sogenannten Hebels mindestens 1 000 000 000 000 Euro mobilisieren können – eine Billion als Botschaft für Finanzmärk- te, dass Europa in der Schuldenkrise zusammen- steht und sich die Spekulation gegen den Euro nicht lohnt. Beim Krisengipfel in Brüssel soll der Plan verabschiedet werden, verbunden mit der Hoffnung, dass diese Billion auch wirklich reicht. Von Cersti n Gammel i n W ennzwei Staatensichetwas ausden- ken, heißt das noch lange nicht, dass die 15 anderenzustimmen. Diese Re- gel gilt für den Klub der 17 Länder, die den Euro als Währung führen, schon im- mer. In die Praxis übersetzt bedeutet sie, dass es nicht reicht, wenn sich die beiden Schwergewichte in der Währungsunion, Frankreich und Deutschland, auf einen Kompromiss einigen. „Das ist eine not- wendige, aber keine hinreichende Vor- aussetzung“, sagt einVertreter eines klei- nen Euro-Landes. Natürlich müssen sich Paris und Berlin verständigen, damit überhaupt Beschlüsse im Kreise der 17 Länder gefasst werden können. Aber da- nach „müssen 15 kleinere Länder davon überzeugt werden, dass der deutsch-fran- zösische Weg die richtige Richtung vor- gibt“, sagt ein langjähriger Unter- händler. Die Dramatik der Krise hat nun auch dazu geführt, dass immer mehr kleinere Länder auf ihre – in der Theorie glei- chen – Verhandlungsrechte pochen. Ge- rade in den letzten Monaten sei es immer schwieriger geworden, die anderen 15 von den Ideen des deutsch-französischen Duos zuüberzeugen, sagt einUnterhänd- ler inBrüssel. „Wennmannicht die Sensi- bilitätender anderenLänder berücksich- tigt, gerät man schnell in Schwierigkei- ten“, fügt er hinzu. Wie etwa bei denVer- handlungen um das Kleingedruckte beim erweiterten Euro-Rettungsfonds EFSF. Da hatten sich Paris und Berlin längst grundsätzlich darauf geeinigt, die auf 440 Milliarden Euro Kreditvolumen begrenzten Mittel des Fonds effizienter einsetzen zu wollen, konnten aber ihre Partner zunächst nicht überzeugen mit ihrer Idee zur Umsetzung. Einige Länder plädierten dafür, dem Fonds eine Banklizenz zu geben, andere wollten ihn zu einer Art Versicherungs- agentur ausbauen, wieder andere bevor- zugteneine „kleine Lösung“, wonach der Fonds nur die Differenz zwischen „er- träglichen Risikoaufschlägen“ für neu auszugebende Staatsanleihen und den tatsächlichen Marktzinsen übernehme. Inzwischen läuft es darauf hinaus, dass sichdie Finanzminister der Euro-Länder bei ihrenBeratungen amFreitag inBrüs- sel auf die Versicherungslösung einigen, die dann amSonntag auch die Chefs per- sönlichauf ihremGipfel abnicken sollen. Aber, das betonen die Unterhändler im- mer wieder, „sicher ist nichts, bevor alle 17 unterschrieben haben“. Selbst Länder, die nicht mit demEuro zahlen, verfolgen misstrauisch die Ver- handlungen im Klub der 17. Sie fürch- ten, dass der Klub Beschlüsse fassen könnte, die sichauf dengemeinsameneu- ropäischen Binnenmarkt auswirken – und dass ihnen dann keine andere Wahl bleibt, als den Vorgaben zu folgen. Groß- britannien versucht daher, sich in den Verhandlungen über die Euro-Rettung undeine engere wirtschaftspolitische Ko- operation eine Art Vetorecht zu sichern; manwill imNotfall Beschlüsse der 17blo- ckieren, die sich auf den Binnenmarkt der 27 auswirken, aber nicht im Sinne der Briten sind. Länder wie Polen, die den Euro in den nächsten Jahren einfüh- ren wollen, verlangen schon jetzt mehr Mitsprache im Klub der 17. Beschlüsse wie der Euro-Rettungsfonds EFSF wirk- ten sich schließlich über Jahre hinweg auf nationale Haushalte aus, argumentie- rendie Polen: „Wennwir indas gemeinsa- me Haus Währungsunion einziehen sol- len, müssen wir auch an der Innenarchi- tektur mitarbeiten können.“ Wundersame Geldvermehrung Eine Versicherung für den Euro: Wie der neue Kredithebel die Wirkung des Rettungsfonds verstärkt Von Stefan Braun und Cl aus Hul verschei dt D ie Spitze der Unionsfraktion ist ge- kommen, um endlich mehr zu erfah- ren. Sie will Details im Kampf gegen die Euro-Krise. Also sitzt der Vorstand der Fraktion am Dienstagmittag mit Wolf- gangSchäuble zusammen. Wie ist die La- ge? Was hat es mit den Hebel-Ideen zur größeren Wirkung des Euro-Rettungs- schirms auf sich? Überhaupt: Was muss manvon den Leitlinienfür denRettungs- schirm erwarten, die diese Woche von der EU-Kommission vorgelegt werden? Fragen sind das, die imParlament und in der schwarz-gelben Koalition alle brennend interessieren. Und was macht der Finanzminister? Er erklärt allge- mein, dass alle Banken „hebeln“ wür- den, umGewinne zu machen. So gesehen sei das Hebeln etwas ganz Normales. Dann erläutert er, dass die Pläne, mit zu- sätzlichem Geld der EZB zu hebeln, vom Tisch seien. Schließlich deutet er noch an, dass es aber natürlich Modelle gebe, die man zum Hebeln anwenden könnte. Auf Fragen von Abgeordneten, welche das sein könnten, hüllt sich Schäuble in Schweigen. Der Minister, wie er leibt undlebt. Er redet leise über mögliche Va- rianten. Aber er nennt keine Fakten – und bleibt so unkonkret, dass niemand behaupten könnte, er wisse, was kommt und was Schäuble genau vorhat. Warum er das macht? Das ist gerade jetzt wieder die große Frage. Und jene, die es gut meinen mit dem Erfahrensten im Kabinett von Angela Merkel, nennen vor allem ein Motiv, das dem zugrunde liegen würde: Schäuble wolle absolut al- les vermeiden, was den Bundestag, die Partner in Europa oder die Finanzmärk- te verunsichern, verärgern, aufputschen könnte. Also verwendet er selbst in den inneren Zirkeln der Regierung nur Wor- te, die ungefährlich bleiben. Sollte von Schäubles Worten dennoch eines nach außen dringen, dürfe das weder im Bun- destag noch bei denPartnern oder an den Finanzmärktenheftige Reaktionenauslö- sen. Schäubles Leben ist ein Leben im Glashaus. Deshalbmager nicht einenein- zigen Stein in die Hand nehmen. Das ist die Interpretation der Wohl- gesonnenen, die Schäubles verzwickte Lage als Erklärung heranziehen. Kriti- ker sehen das anders; Kritiker, die auch in der CSU oder der FDP sitzen, also der eigenen Koalition angehören. Sie ärgern sich über Schäubles besondere Speziali- tät – seine Andeutungspolitik. Sie halten das für intransparent und gefährlich. Und sie fühlen sich ausgeschlossen – was sie ammeistenärgert. So ist inder zentra- len Aufgabe der Regierung eine Vertrau- enskrise entstanden. Und das auch noch, ohne dass Schäubles Kampf gegen Spe- kulationen wirklich erfolgreich wäre. Denn obwohl (oder weil) er auch am Dienstag nur Andeutungen macht, ent- stehen im Strudel der Interpretations- möglichkeiten wilde Spekulationen. So meldet eine Zeitung prompt, Schäuble habe einer Hebelung des Ret- tungsschirms bis zu einer Höhe von einer Billion Euro das Wort geredet. Eine Mel- dung, die von der Unionsfraktion sofort dementiert wird. Die Zahl aber ist in der Welt, die Fraktionsführung fragt bei al- len Abgeordneten nach, ob Schäuble so etwas in einem Zwiegespräch am Rande gesagt haben könnte – und in der Öffent- lichkeit wird spekuliert, für welche Not- fälle (Italien, gar Frankreich?) hinter den Kulissen ein Schirm gebastelt werde. Schäubles Vorsicht ist so verständlich wie gefährlich: Schon der kleinste Feh- ler, die kleinste Andeutung zumfalschen Zeitpunkt kann dramatische Folgen ha- ben. Gleichzeitig könnten klare Sätze manchmal mehr Sicherheit geben. Schäuble hat’s schwer in diesen Zeiten. Und Schäuble ist schwer zu verstehen für seine eigenen Leute. Das aktuellste Problem in diesem Zu- sammenhang – die Spekulationen um ei- ne Hebelung des Euro-Rettungs- schirms – hat seinen Anfang in der US- Hauptstadt Washington genommen. Am Nachmittag des 24. Septembers, einem Samstag, sitzt Wolfgang Schäuble in ei- nemSaal des InternationalenWährungs- fonds und müht sich, mit möglichst vie- lenWortenmöglichst wenig zusagen. Ne- benihmhat Jens WeidmannPlatz genom- men, jener jugendlich wirkende Top- Beamte, der noch vor kurzem Angela Merkel als Wirtschaftsberater diente, nun aber als Bundesbankpräsident gleichberechtigt auf Fragen der Journa- listen antwortet. Schäuble macht das zu schaffen – vor allem auch deshalb, weil Weidmann im Gegensatz zu ihm Klar- text redet: Jede Form der Hebelung, bei der die Europäische Zentralbankoder na- tionale Notenbanken die Zeche zahlen müssten, sei mit ihm nicht zu machen. Die Klarheit provoziert Nachfragen an den deutschen Minister. Alle wollen wissen, warum er nicht eingestehen wol- le, dass über eine Hebelung zumindest diskutiert werde – wo doch Weidmann, EU-Währungskommissar Olli Rehn, US- Finanzminister Timothy Geithner und dessen französischer Kollege François Baroin längst drüber reden würden? Schäuble windet sich, will schweigen und verschlossen bleiben. Schließlich sagt er auf die Frage, ob er eine Auswei- tung des Rettungsfonds EFSF auf Kos- ten der EZB für denkbar halte: „Es gibt andere Formen der Hebelung.“ Eigentlich ist das ein typischer Schäuble. Keine Bestätigung, kein kla- res Nein, aber einSpielraumfür Spekula- tionen. Und damit löst er aus, was er ver- meiden wollte: dass unmittelbar vor dem 29. September, demTag, andemder Bun- destag über die Erweiterung des Ret- tungsschirms abstimmt, eine heftige De- batte losbricht, ob der Rettungsschirm nicht schon längst wieder zu klein ist. Immerhin ist es diese Debatte, die Schäuble wenigstens einmal zwingt, kon- kret zu werden. Als er vor der Abstim- mung im Plenum redet, sagt er über den deutschenGarantierahmenvon211 Milli- arden Euro, dieser werde „nicht erhöht“ und stehe „nicht zur Debatte“. Sehr klar klingt das – und gilt dann doch nur einige Minuten. Denn wenige Sätze später sagt Schäuble den Satz der Sätze: „Niemand weiß, was die Zukunft bringt; das ist immer so gewesen.“ Es ist der Satz, der ihm alles wieder öffnet. Ein Hebel soll den Euro retten Aktuelles Lexikon Laserpointer Der Hebel gilt in der Finanzindustrie als Mittel, um aus viel Geld über Nacht noch viel mehr Geld zu machen. Nun greifen auch die Euro-Länder zu dem Instrument. Don Farrall/Getty Images Unruhe im Klub der 17 Berlin und Paris sind vielen zu stark Meister der Andeutung Keine Bestätigung, kein klares Nein, keine Fakten: Wolfgang Schäuble bleibt in diesen Wochen vage – und löst damit immer wieder Spekulationen aus Seite 2 / Süddeutsche Zeitung Nr. 242 HF2 Donnerstag, 20. Oktober 2011 THEMA DES TAGES SUEDDEUTSCHE ZEITUNG (USPS No. 0541550) is published daily except Sunday and holidays by Sueddeutsche Zeitung GmbH. Subscription price for USA is $ 590 per annum. K.O.P.: German Language Pub., 153 S Dean St, Englewood, NJ 07631. Periodicals postage is paid at Englewood, NJ 07631 and additional mailing offices. Postmaster: Send address changes to: SUEDDEUTSCHE ZEITUNG, GLP, POBox 9868, Englewood, NJ 07631. In der Euro-Krise hat es Finanzminister Wolfgang Schäuble schwer: Jedes Wort könnte die Finanzmärkte in Panik versetzen. Foto: Hans-Christian Plambeck/laif „Sicher ist nichts, bevor alle unterschrieben haben.“ Von Hol ger Gertz München – Einen Kosenamen kriegt man nicht geschenkt, man muss die Zuneigung der Leute erobern, erst dann nennen sie einen beim Kosenamen. Etwas muss sich behaglich anfühlen, warm. Cosy, sagen die Engländer. Kein vernünftiger Mensch würde Jörg Pilawa einen Kosenamen geben. Hans-Joachim Kuhlenkampff dagegen nannten alle Kuli, Fuchsberger ist Blacky, es gab Schimmi und Loki. Wem sich der Deut- sche nahe fühlt, den adelt er mit einem i. Oder mit einem y. Michael Herbig wird nur noch von seiner Mutter Michael ge- nannt. Alle anderen sagen Bully. Der Bully. Es klingt, als würde man sich schon ewig kennen. Man hat etwas gewonnen, wenn die ganze Welt Bully zu einemsagt. Aber so- bald man etwas gewonnen hat, hat man immer auch etwas zu verlieren. Michael Bully Herbig sitzt in seinem Büro in den Bavaria-Filmstudios drau- ßen in Grünwald, Jeans, schwarzes Shirt, die übliche unauffällige Bully- Kluft. Er ist ein ziemlich kleiner Mann, auch wenn er imMittelpunkt steht, sieht es immer so aus, als wäre er zufällig vor- beigekommen. Es ist ein warmer Tag im September, gerade haben sie seinen neu- en Film, „Hotel Lux“, zum ersten Mal halböffentlich gezeigt, vor einer Hand- voll Journalisten. Herbig, der Hauptdar- steller, hat selbst mit im Vorführraum gesessen, aber der Film war noch nicht perfekt gemischt, der Feinschliff fehlte. Es war wie Folter für ihn, „ich würde dann am liebsten reinrufen: Hier kommt das noch! Hier müsst ihr euch das vor- stellen! Ist gerade die falsche Musik übri- gens!“ Vor dem Abspann ist er raus, um die anderen beobachten zu können, wenn sie aus dem Film kommen. Wenn alle gleich zur Toilette rennen, bedeutet das: Sie haben es sich während der Vor- führung verkniffen, dann war es ein gu- ter Film, der einen Sog entwickelt hat. Was stand in den Gesichtern? Erstaunen, sagt Herbig. Erstaunen ist keinschlechtes Zeichen. „Das Schlimms- te ist ja, wenn sie rauskommen, und auf ihrem Gesicht steht: War ganz nett. Meine Frau sagt immer: Ganz nett ist der kleine Bruder von Scheiße.“ Michael Bully Herbig ist Regisseur, Autor, Schauspieler. Er hat kleine Sa- chen fürs Radio gemacht, größere fürs Fernsehen, noch größere fürs Kino. „Der Schuh des Manitu“, „(T)Raumschiff Surprise“, „Lissi und der wilde Kaiser“, „Wickie und die starken Männer“. Allei- ne „Schuh des Manitu“ – Herbig spielte darin einen heterosexuellen und einen homosexuellen Apachen – haben zwölf Millionen Menschen gesehen, es ist der erfolgreichste deutsche Film. Das (T)Raumschiff hatte fast zehn Millionen Zuschauer, in dem spielte Herbig einen homosexuellen Vulkanier, der Mr. Spuck heißt. Alles zusammengerechnet hat er 30 Millionen Menschen ins Kino geholt, die Zuschauer wollten die Filme sehen, aber vor allem: ihn. Nach dem „Schuh des Manitu“ gab es eine Zeit, in der er nur noch verkleidet aus dem Haus gehen konnte. Er hat zwi- schendurch wieder kleinere Sachen ge- macht, im „Brandner Kaspar“ von Vils- maier war er der Boandlkramer. Dafür bekam er den Bambi. Die Liste seiner Auszeichnungen bei Wikipedia ist so lang wie bei anderendie gesamte Biogra- phie nicht, zuletzt hat er den Karl-Valen- tin-Orden bekommen, den haben vor ihm Gottschalk und Adorf gekriegt, allerdings auch Möllemann und Kardi- nal Ratzinger. Was macht man eigentlich, wenn man längst fertig ist, aber da ist noch jede Menge Leben übrig? Für die Fans, die jeden Dialog in sei- nen Filmen mitsprechen können, ist das keine Frage. Bei YouTube stellen sie Ma- nitu-Schnipsel ein und schreiben „Bitte macht einen zweiten Teil!“ in die Kom- mentarspalte. Sie wollen mehr von dem, was sie kennen, wie einen Nachschlag in der Kantine. Sie schreiben nicht: Mach doch mal was anderes, Bully. Spiel einen deutschen Komiker und Stalin-Parodis- ten, der einen Hitler-Witz zu viel macht. Wer 30 Millionen ins Kino holt, ist einer für alle, aber in diesem Film hat Herbig nicht mitgespielt, um dem Wunsch der Masse zu folgen. Es war sein eigener Wunsch, diesmal ein anderer zu sein. Die Frage ist: Folgt ihm die Masse? Und wenn nicht, wird es dann wehtun? Herbig sucht manchmal nach der Nische zwischen Ja und Nein, er sagt: „Was du machst, machst du ja fürs Publikum, und da wird man doch lieber von diesem Publikum geliebt als in die Tonne gekloppt.“ Harald Schmidt könnte ein trauriges Lied davon singen. Der wollte stets von den Massen statt von den Kriti- kern geliebt werden – was nie klappte, und heute weniger klappt denn je. In „Hotel Lux“ ist Herbig nun Hans Zeisig, ein deutscher Komiker und Sta- lin-Parodist, der einen Hitler-Witz zu viel macht. Er muss abhauen, ins Hotel Lux. In der Wirklichkeit war dieses Haus in Moskau Zufluchtsort für exilier- te Kommunisten und Falle zugleich. Wehner, Ulbricht, Tito lebten vorüberge- hend hier. Wer im Lux gestrandet war, denunzierte oder wurde denunziert; lau- erte oder wurde belauert. Nachts kamen Stalins Säuberungskommandos. Der Film ist eine Verwechslungs- geschichte, ein Abenteuer. ImHotel Lux hält man Zeisig für den Leibastrologen Adolf Hitlers, und er lernt, was es heißt, um sein Leben zu spielen. Das erste Drehbuch las sich so, als sollte der Film ein reines Drama werden. Herbig rief bei Günter Rohrbach an, demProduzen- ten, um ihm abzusagen. Das war ihm alles zu duster. Rohrbach ist einer der wichtigen Männer bei der Constantin- Film, vor allem ist er Bully-Fan. Er ant- wortete: „Sie sagen nicht ab!“ Sie ran- gen miteinander, am Ende verfügte Rohrbach: „Einigen wir uns darauf, dass Sie nicht zusagen.“ Leander Haußmann, der Regisseur, schrieb das Drehbuch um, es ist jetzt leichter. Keine Tragödie. Keine Komö- die. Irgendwie auch keine Tragikomö- die. Vielleicht eine Tramödie, wenn es so was gibt. Ulbricht sitzt im Hotel Lux an einem Tisch, er bereitet sich auf die gro- ßen Aufgaben der Zukunft vor, aus Zuckerstückchen baut er eine Mauer. „Die Leute brauchen zehn Minuten, bis sie es begriffen haben, und dann lassen sie sich auchdrauf ein“, sagt Herbig. We- nigstens hofft er, dass das so sein wird. Irgendwo stand, dieser Film wäre seine größte Herausforderung. Er mag das Wort Herausforderung nicht, „weil das so ambitioniert klingt“. „Hotel Lux“ ist ein spannender Film, man taucht ein in diese Zeit, die Todes- nähe ist spürbar, aber auch dieser rätsel- hafte Hang der Menschen, in größter Ge- fahr zu kleinen Komödianten zu wer- den. Herbig spielt den Zeisig so, dass ge- legentlich Bully rausschaut, manchmal sieht man einfach einem talentierten Schauspieler zu, der einembekannt vor- kommt. Der Film ist eine Herausforde- rung für das Bully-Stammpublikum. Gagzähler, Schenkelklopfer, Männer im Podolski-Fantrikot, Fans von tuntigen Indianernkönnten imKino sitzen, so ver- loren, als würden sie einen alten Freund treffen, der plötzlich in einer fremden Sprache zu ihnen spricht. Bei den Dreharbeiten standen viele Komparsen rum, irgendwann sagte der Regieassistent zu Herbig: Schau dir den da hinten an, der hat den ganzen Tag noch nicht einmal gelacht, der hasst uns wahrscheinlich. „Da sage ich: Jede Wet- te, ich brauch keine zehn Sekunden. Und dann bin ich hin, und nach fünf Sekunden hatte ich ihn zum Lachen ge- bracht.“ Es ging irgendwie um Bärte, welcher den dickeren hat oder so, genau weiß Herbig es auch nicht mehr, der zu dem Zeitpunkt ein ausgesprochen dünnes Zirkusdirektorenbärtchen trug. Leicht schwüle Bartwitze funktionieren meistens. Aber im Film kommt die Sze- ne ja nicht vor. Bully Herbig hat mit der „Bullypara- de“ im Fernsehen aufgehört, als sie gra- de gut lief, er hat keine Fortsetzung vom „Schuh des Manitu“ gedreht, er hat aus Sissi einen Animationsfilm gemacht. Er kennt sich mit Bildern so gut aus, dass er weiß: Wenn nie was umgehängt wird, hat man sich am schönsten Gemälde irgendwann sattgesehen. Eine Rolle ist eine Rolle, aber eine Rol- le hat immer auch etwas zu tun mit dem, der sie spielt. In „Hotel Lux“ gibt es eine Szene, in der die schöne Widerstands- kämpferin Frida van Oorten, gespielt von Thekla Reuten, zu Hans Zeisig sagt: „Sie sind nur ein harmloser Clown.“ Es klingt, als spräche sie ein bisschen auch zu dem Mann, den alle Bully nennen. Er lacht jetzt leise. Kann man so ver- stehen, klar. „Es gab noch einen Satz, Zeisigs Antwort: „Harmlos ist in diesen Zeiten ein großer Luxus.“ Der ist gestri- chen worden, aber der Film ist ja noch nicht ganz fertig. Herbig will „mal se- hen, ob ich den wieder reinkriege“. Er muss noch rüber in sein Museum, ein Fernsehteam will da mit ihm einige Einstellungen fürs Nachmittagspro- gramm drehen. Das Bully-Museum auf dem Bavaria-Gelände hat vor kurzem eröffnet, da gibt es Themeninseln, viel Unterhaltungselektronik, die Zuschau- er können das Schlossgespenst Hui Buh befragen – das Schlossgespenst ist im- stande, tatsächlich zu antworten. Auch die Glaskästen für das Kleinzeug, das im Leben so hängenbleibt, waren schnell gefüllt, Herbig ist der Typ Mann, der nichts wegwerfen kann. Die Beipackzet- tel aus den Überraschungseiern nicht, auch nicht die Strahlenschutz-Unter- hose aus dem(T)Raumschiff und die Sta- lin-Autogrammkarten aus dem „Hotel Lux“. Bullyversum heißt dieser Ort, denn Bully ist zwar ein Kosename, aber auch ein Qualitätsbegriff, eine Marke. Da sind auch die Requisiten seines Lebens: Die Schlumpfsammlung. Die Schulhefte. Die Kinderfotos mit dem kleinen Jungen in der Badewanne, der sich einen Vollbart aus Schaum unters Kinn hält. Gefühlt müssten die Bilder aus der Schwarz-Weiß-Zeit sein, so lan- ge scheint es ihn zu geben, aber sie stam- men aus der Polaroid-Ära. Er ist erst 43 Jahre alt – und schon historisiert. Herbig ist bei seiner Mutter aufge- wachsen, sie sind ein paarmal umgezo- gen, er musste sich in neuen Schulen an neue Mitschüler gewöhnen. Wenn er an die Tafel gerufen wurde, schoss ihm das Blut in den Kopf. „Es machte Wupp“, dann war das Gesicht knallrot. Er hat ir- gendwann mitbekommen, dass man die Leute kriegt, wenn man sie zum Lachen bringt. Er ist an der Filmhochschule ab- gelehnt worden, also hat er weiter Filme gesehen, Filmbücher gelesen, vieles aus- probiert, vieles verworfen. Herbig war elf, als er mit seinemerstenZeichentrick- film anfing. Er zeichnete 23 Bilder, es dauerte fast zwei Wochen, aber für eine Sekunde Film braucht man 24 Bilder. Da hörte er auf. Die Filzstifte waren leer- gemalt. Seine Filmemacherkarriere war nicht beendet. Sie ruhte nur. Im Museum sieht man, warum er es so weit gebracht hat. Da ist der Klappstuhl aus dem „Schuh des Manitu“, die Scho- schonen haben ja keine Streitaxt, die sie ausgraben können. Also graben sie den Klappstuhl aus, er steht bald als Rauch- zeichen am Himmel. „Sie haben den Klappstuhl ausgegra- ben“, sagt Bully Herbig, als Abahachi, und Christian Tramitz als Ranger sagt: „Jetzt drehn’s völlig durch, oder?“ Man muss verrückt sein, um auf so was zu kommen. Man muss ein Gefühl für Menschen haben, um einen schmier- haarigen Schauspieler wie Sky du Mont zu recyceln. Man muss, mit echter Liebe, jede Figur entwickeln, jedes Kostüment- werfen, jeden Dialog so trimmen, dass das Timing stimmt. Was geht gerade noch, was tut schon weh? Man muss die- ses abgedrehte Zeug, das einem eigent- lich nur bekifft oder besoffen einfallen kann, nüchtern zum Buch werden las- sen, dann zum Film. Einen schwulen In- dianer erfinden, der Winnetouch heißt, Zither spielt und auf der zum Beauty- salon umgebauten Puder-Rosa-Ranch lebt? Man muss verrückt sein, um auf so was zu kommen, verrückt und, ja, auch ziemlich inspiriert. Ein Tag imOktober, es ist wieder ziem- lich warm, Bully Herbig sitzt draußen in Grünwald auf einer Bank vor den Ton- studios, Jeans, kariertes Hemd, er sieht etwas müde aus, seine Stimme ist rau. Regisseur Haußmann sitzt auf der Bank gegenüber, sein Haar ist zerstrubbelt, Augenringe hinter der Eulenbrille, seine Stimme ist rauer. Die Promotour für „Hotel Lux“ war ziemlich anstrengend. Sie haben die Pressevorführungen hin- ter sich und die Gespräche mit den Jour- nalisten. Seine Stimmung? Herbig über- legt, dann sagt er: „Ich nenn es mal er- leichtert. Jetzt nicht grad euphorisch, aber erleichtert.“ Er hat gegoogelt, was geschrieben worden ist: soweit okay. Einmal war es schwierig, es ging um Zeisig, den ja alle für einen Wahrsager halten. „Da fragt mich eine Journalistin: Können Sie selbst auch wahrsagen? Und ich hab mich dazu verleiten lassen zu sagen, dass wir früher mal, vor 20 Jahren im Radio, das Tageshoroskop auch ein-, zweimal selbst erfunden haben.“ Was aus seiner Antwort gemacht wur- de, hat ihn enttäuscht. Er ist nicht Regis- seur des Films, er ist der Hauptdarstel- ler, aber auch der Hauptdarsteller hat ein Verhältnis zu seinem Film, er vertei- digt ihn gegen die oberflächliche Sicht der Leute. „Es geht um das Hotel Lux, umGeschichte, umdie Frage: Kann man daraus eine Komödie machen? Und als Headline bleibt dann übrig: Bully war früher Wahrsager.“ In einer Woche startet „Hotel Lux“, von da an werden die Zuschauer ge- zählt, so und so viel amersten Wochenen- de. Wenn Herbig den zweiten Teil von Manitu gedreht hätte, würden sich die Leute das Wochenende jetzt schon frei- halten, bei „Hotel Lux“ kann das nie- mand garantieren. Die Unsicherheit ist ein Element jedes Wagnisses. „Sie sind nur ein harmloser Clown“, sagt die schöne Frau zu Zeisig, also zu Herbig. Die Antwort hat er tatsächlich wieder in den Film geschmuggelt, leicht abgewandelt: „Harmlos ist in dieser Zeit durchaus ein Kompliment.“ Bully Her- big grinst. Er zieht jungenhaft die Nase kraus, wenn ihm was Witziges eingefal- lenist. Da gibt es amEnde doch eine Ver- bindung zwischen Winnetouch und Mr. Spuck und dem Boandlkramer und Hans Zeisig. Ihre Liebenswürdigkeit. Die Wärme der Figuren, die natürlich die Wärme von Herbig ist. Er kriegt nochimmer hin, dass seine Professionali- tät sich angenehm unprofessionell anfühlt. Gerade war er bei „Wetten, dass . . . ?“, er hatte das Pech, dass die Sängerin Sarah Connor dicht bei ihm saß, die Sängerin Joss Stone dagegen ein Stückchen weit weg. Es war noch eine weitere Sängerin da, eine mit großen Zähnen. Und Peter Maffay. Und Mister Bean. Das Sofa ist riesig, aber Herbig schien immer weiter an den Rand ge- drückt zu werden. Nach demZeisig wird er den Reporter Zettl spielen, in der Fortsetzung von „Kir Royal“, der Film kommt im nächs- ten Jahr, Regie Helmut Dietl. Herbig wird der neue Baby Schimmerlos sein. Man formuliert einen Anspruch an sich selbst, allein durch die Wahl seiner Rol- len. Irgendwann sagt Bully Herbig, er sagt es eher beiläufig: „Natürlich ist es Quatsch zu sagen: Was im Feuilleton steht, ist egal. Natürlich interessiert es mich, was die schreiben, und es ist manchmal wie eine battle – ich will wissen, ob ich sie kriege.“ Im Bullyversum liegt hinter Glas ein Fußballtrikot, mit einem Werbeauf- druck des FC Bayern. „Wir sind die Bul- len“ war deren Slogan in den Achtzi- gern, er hat dieses Hemd getragen, und weil in Herbigs Fußballmannschaft vie- le Michaels unterwegs waren, brauchte jeder einen Spitznamen, so wurde Bully aus ihm. Es liegt noch ein anderes Trikot da, Paul Breitner hat es ihm geschenkt. Herbigs (T)Raumschiff ist ja im weite- ren Sinne eine Zeitreise, bei den Presse- konferenzen damals war er gefragt wor- den, wohin seine Lieblingszeitreise ihn führen würde, er hatte gesagt: zum Mit- telpunkt der Welt, ins Münchner Olym- piastadion, Fußball-WM 1974, Endspiel gegen Holland, der Schiedsrichter pfeift Elfmeter, und er, Bully Herbig, zieht sich Breitners Trikot an und setzt sich die schwarze Lockenperücke auf und haut den Ball rein. Ein Jugendtraum. Paul Breitner hatte es gehört, er fand es rührend, dass jemand davon träumte, er zu sein. Breitner rief bei Herbigs Managerin an: Er hätte da ein Geschenk, wohin er es schicken könne. Kommen Sie doch vorbei, sagte die Managerin, Herbig wusste nichts davon. Irgend- wann stand Breitner in seinemBüro, das Trikot in der Hand, Herbig spürte, wie ihm das Blut in den Kopf schoss, es war wie früher. Wupp! „Ich spring auf, renn auf ihn zu und sage: Hallo Herr Breitner, noch mal Glückwunsch zu ’74.“ Sie sind dann noch was trinken gegan- gen, und Breitner hat ihm die Geschich- te von dem Elfmeter damals erzählt. Ei- gentlichwar er als Schütze gar nicht vor- gesehen gewesen, er hatte sich den Ball einfach geschnappt, ihn auf den Kreide- punkt gelegt. Er hatte – fast wie jetzt Herbig – mehr zu verlieren als zu gewin- nen, aber das Gewicht des Augenblicks war ihm nicht bewusst, als er anlief, alles geschah wie in Trance. Paul Breitner schoss den Ball ins Tor im Sommer ’74. Erst am nächsten Tag, als er die Szene im Fernsehen sah, wur- de ihm kotzübel, der Schweiß glänzte auf der Stirn. Er war Weltmeister, genau- so gut hätte er ein Clown sein können. Was eben passieren kann mit einem Mann, der etwas wagt. Was bin ich? Michael „Bully“ Herbig ist der erfolgreichste Entertainer Deutschlands. In den Bavaria-Studios hat er sogar einen eigenen Themenpark. Dabei unterläuft der Münchner immer wieder die Erwartungen. Und jetzt werden seine Fans im Kino ihr blaues Wunder erleben. 30 Millionen sahen seine Filme: Und das ist am Ende die Währung, die zählt im Betrieb. Ein harmloser Clown? Im Film sagt er: „Harmlos ist in dieser Zeit durchaus ein Kompliment.“ Michael Herbig, 43. Sein Trick: Größte Genauigkeit bei der Arbeit, dabei wirken, als schaue man nur zufällig zur Tür rein. Foto: Dieter Mayr/herbX film Du musst dich entscheiden, wie Paul Breitner 1974: Bist du der Narr oder der Weltmeister? Donnerstag, 20. Oktober 2011 HF2 Süddeutsche Zeitung Nr. 242 / Seite 3 DIE SEITE DREI S ie kennen sich seit Studienzeiten, als sie in Amerika ein College-Zim- mer teilten: Der sozialistische Pre- mier Giorgos Papandreou und der kon- servative Oppositionsführer Antonis Sa- maras. Aber sie kommen einander nicht näher. AmDienstagabend trafen sich die ungleichen Zwillinge der griechischen Politik wieder einmal. Es soll laut zuge- gangen sein. Zuvor gab es Gerüchte, Pa- pandreou werde in seiner Not dem Riva- len eine Koalition anbieten – wie schon imJuni. Damals hatte der 60-jährige Sa- maras seinemehemaligen Studienfreund bereits einen Korb gegeben. Nun spotte- te er nach der Begegnung öffentlich über den Premier, dem bei der Abstimmung am Donnerstag über das aktuelle drasti- sche Sparpaket imParlament eine Zitter- partie droht: „Ich habe nichts zu bereden mit jemandem, der inPanikist undjeder- mann beleidigt.“ Antonis Samaras gibt sich selbstbe- wusst, seine Partei Nea Dimokratia (ND) fordert bereits Neuwahlen. Umfragenge- ben ihr einen immer deutlicheren Vor- sprung vor den Pasok-Sozialisten – aber keine Mehrheit für eine Alleinregierung. Samaras sieht sichdennochschonals Pre- mier. Der Mann mit demexakten Seiten- scheitel im leicht ergrauten Haar hatte nach seiner Wahl zum Parteichef im No- vember 2009 versprochen, das Profil der Konservativen zu schärfen. Kurz zuvor hatte die ND die Macht in Athen wieder einmal an die Pasok abgeben müssen. Griechenland war da schon von der Schuldenkrise gezeichnet, und Samaras- Vorgänger Kostas Karamanlis hatte we- nig Lust zum Weiterregieren gezeigt. Das war die Stunde für denWiederauf- stieg des Antonis Samaras. Der hatte sei- ne Partei vor 20 Jahren in eine heftige Krise gestürzt und sie 1992 sogar verlas- sen. Als Außenminister schürte er da- mals imStreit umden Namen Mazedoni- en für die benachbarte Balkan-Republik die nationale Hysterie. Als Samaras ver- langte, die Grenzen zum Nachbarn zu schließen, wurde er vom konservativen Regierungschef Konstantinos Mitsotakis als Minister entlassen. Die ND verlor bald darauf die Macht und brauchte ein Jahrzehnt, um sie wieder zu erlangen. Samaras gründete in der Zwischenzeit die nationalistische Partei „Politischer Frühling“, die nur einen kurzen Höhen- flug erlebte. Vor der Parlamentswahl 2004 bat er bei der ND wieder um Ein- lass, wurde Europaabgeordneter, 2007 zog er in Athen ins Parlament ein, 2009 war er zehn Monate lang Kultusminister. SeinAufstieg zumND-Chef überrasch- te undzeigte, dass inder griechischenPo- litik Familienfehden eine große Rolle spielen: Samaras fand seine Unterstüt- zer im rechten Lager der ND und setzte sichso in einer Kampfabstimmung gegen die liberale, deutlichprominentere Athe- ner Ex-Bürgermeisterin Dora Bakoyan- ni durch – die Tochter von Mitsotakis, dessen Sturz als Premier er einst mither- beigeführt hatte. Bakoyanni hat er inzwi- schen aus der ND ausschließen lassen. Samaras selbst stammt aus einer begü- terten Familie. Er war griechischer Ju- gend-Tennismeister, inden USAstudier- te er Ökonomie. Europäische christdemo- kratische Parteichefs haben zuletzt ver- sucht, Samaras zu mehr Kompromissbe- reitschaft zu bewegen. Sie blitzten ab – wie Papandreou. Christiane Schlötzer Fatale Entscheidung Den Gefangenenaustausch in Nahost beur- teilt die spanische Zeitung El Mundo (Ma- drid) skeptisch: „Die Freilassung des israelischen Sol- daten Gilad Schalit im Austausch gegen mehr als 1000 Palästinenser entfacht ei- ne neue Debatte über den Kampf gegen den Terrorismus. (. . .) Mit dem Gefange- nenaustausch verlieh Israel der Hamas den Status eines Verhandlungspartners. Vonnunanwird es schwerer sein, die Or- ganisationals eine terroristische Vereini- gung zu präsentieren. Es ist ein Fehler, Terroristenmit einemRechtsstaat auf ei- ne Stufe zu stellen.“ Die polnische Tageszeitung Gazeta Wyborc- za (Warschau) schreibt zum selben Thema: „Die radikalislamische Hamas hat den Palästinensern bewiesen, dass sie – an- ders als Präsident Mahmud Abbas – Wir- kung erzielt. (. . .) Gewonnenhat auchMi- nisterpräsident Netanjahu, der endlich einen Erfolg vermelden kann. Alle ande- ren, künftige Opfer des palästinensi- schen Terrors und der israelischen Reak- tionenauf die Terroranschläge, geschwei- ge denn die Anhänger der Gerechtigkeit, können bei diesem Gefangenenaus- tausch nur verlieren.“ Urteil gegen das Leben Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs, wonach menschliche embryonale Stammzel- len nicht für die Forschung patentiert und vermarktet werden dürfen, kritisiert die Frankfurter Rundschau: „Die Resultate dieser Grundlagenfor- schung in neue Medikamente und Thera- pien umzumünzen, dürfte nach dem Lu- xemburger Urteil in Europa schwierig werden. Patienten und Politiker fordern zu Recht, dass neue Erkenntnisse schnell den Kranken zugutekommen. Aber ohne Patentschutz, der die zeitlich begrenzte exklusive Verwertung sichert, wird kein Investor die hohen Entwicklungskosten auf sich nehmen wollen.“ Der Berliner Tagesspiegel hält die Entschei- dung für den Ausdruck einer regulierungs- wütigen Eurokratie: „Der Luxemburger Richterspruch ist keinUrteil für, sonderngegen das Leben. Er ist ein schwerer Schlag nicht nur für die medizinische Forschung in Europa, sondern auch für schwer kranke Patien- ten. Viele vonihnensetzenihre Hoffnung auf Therapien aus Stammzellen.“ Von Kai Stri ttmatter Die Zeit der Hoffnung scheint vorbei zwischen Türken und Kurden. Die Tür- kei wird von ihren Versäumnissen einge- holt. Warum der Anschlag vom Mitt- woch? Es wirdspekuliert über Fraktions- kämpfe innerhalbder KurdischenArbei- terpartei PKK. Vertreter des Rebellen- trupps hatten sich noch vor kurzem im- merhinzuGeheimgesprächenmit der Re- gierung getroffen. Der tödliche Anschlag aber ist nur der letzte blutige Beleg für ei- nen traurigen Verdacht: Am Steuer sit- zen wieder einmal diejenigen, die keinen Friedenwünschen. Die PKKmordet wie- der. Und die türkische Regierung? Sie spielt eben diesen Leuten in die Hand. Der Präsident schwört „gewaltige Ra- che“, der Premierminister äußert sich schon seit Monaten martialisch. Nun be- ruft er sich auf die „heiligen Seelen der gefallenen Märtyrer“ und schickt seine Soldaten zur PKK-Verfolgung über die Grenze ins Nachbarland Irak. Die Spra- che des Krieges und der Rache droht das Redenüber FriedenundReformenzuver- drängen. Und weil in der Türkei schnell vergessenwirdundnationalistische Emo- tionengerne hochkochen, mag die Rheto- rik innenpolitisch kurzfristig ankom- men. Tatsächlich aber verbirgt sich da- hinter Hilflosigkeit. Fast drei Jahrzehnte lang hält der Kampf zwischen PKK und Armee nun schon an, und heute – fünf Präsidenten, acht Premierminister und neun General- stabschefs später – droht die Türkei wie- der einmal dort hineinzugeraten, wo sie schon so oft war: in eine Spirale von Ge- walt und Gegengewalt. Die Schwüre von der „völligen Ver- nichtung“ der PKK sind ebenso alt wie die Versuche, der Organisation durch grenzüberschreitende Militäraktionen habhaft zuwerden. ZumletztenMal mar- schierten Anfang 2008 mehrere Tausend türkische Soldaten im Irak ein – und die PKK ist so lebendig wie eh und je. Die Kurdenfrage ist das wichtigste Problem, das die Türkei zu lösen hat. Es war die AKPunter Premier Tayyip Erdo- gan, die erstmals begriffen zu haben schien, dass die KurdenkeinSicherheits- problem darstellten. Vielmehr werden hier fundamentale Fragenüber die Rech- te einer unterdrücktenMinderheit aufge- worfen. Die PKKwurde dabei immer nur als Symptom bekämpft. Das eigentliche Problem liegt in der Unterstützung, die diese Kämpfer vongroßenTeilender kur- dischen Bürger in der Türkei erhalten – weil sie demtürkischen Staat nicht trau- en; weil vor alleminden1990er Jahrenih- re Dörfer verbrannt, ihre Kinder getötet, ihre Männer gefoltert wurden. Die Tür- kei erlebt nun großen Schmerz ange- sichts der 26 getöteten Soldaten. Was vie- le Kurden nicht verstehen, ist, dass der Staat bis heute ihrenSchmerz nicht aner- kennt: 50 000 Tote hat der Konflikt seit 1984gefordert – 40 000 davonwarenKur- den, und die Logik von Gewalt und Ge- gengewalt ist noch immer nicht durch- brochen. Die AKP, die zunächst ein paar mutige Reformen wagte, ähnelt inzwischen mehr und mehr den alten staatstragen- den Parteien. Sie ist verantwortlich für eine beispiellose Welle der Verhaftung von Repräsentanten der linken Kurden- partei BDP. Es scheint, als unterscheide die AKP zwischen guten (konservativen, frommen) und schlechten (linken, natio- nalistischen) Kurden, und als wäre ihr Ziel die Zerschlagung der nationalisti- schen kurdischen Bewegung. Das aber wäre eine große Dummheit: In manchen Städten des Südostens wäh- lenzwei vondrei Kurdendie BDP. Natür- lich steht die BDP der PKK nahe. Genau deshalb ist sie die politische Kraft, mit der Ankara sprechen muss. Nicht anders haben die Friedensgespräche in Nordir- land funktioniert. Nach der letzten gro- ßen Verhaftungswelle gegen BDP-Politi- kern kritisierte die Istanbuler Zeitung Hürriyet dies als Schlag gegen die mode- raten Kurden und prophezeite: „Die Ge- walt wird eskalieren.“ Das ist exakt zwei Wochen her. Von Marc Bei se Es ist noch kein Jahr her, da musste sichSpott gefallenlassen, wer wie selbst- verständlichimStil der Banker vom„He- beln“ der Finanzprodukte sprach. Heute kommt das Wort schon beiläufigen Fern- sehzuschauern locker von der Zunge. Man ist ja dankbar für eine klare Spra- che: Hebeln ist griffiger als EFSF oder ESM. „Euro-Staaten hebeln Finanzkrise aus“– das wäre die Schlagzeile, die indie- sen bangen Tagen Hoffnung bringen könnte. Oder aber Furcht einflößt. Ob nämlich der große Hebel gut oder schlecht ist, auf den sich die Staats- und Regierungschefs am Wochenende beim Gipfel der Gipfel verständigen wollen, das hängt sehr davon ab, was genau man unter demBanker-Begriff verstehen soll. In seiner einfachsten Form bedeutet He- beln in der Finanzbranche, mit wenig ei- genem Kapital viel größere Summen zu bewegen. Das inder Tat könnte aus deut- scher Sicht die Quadratur des Kreises er- möglichen. Hat nicht der Bundestag eine Ober- grenze für die Euro-Hilfe beschlossen? Und warnen nicht die Experten, dass die für Europa eingepreiste Rettungssumme von 440 Milliarden Euro nicht reichen würde, sollte außer den bekannten Sor- genländern womöglich auch Spanien oder Italien gestützt werden müssen? Mit wenig eigenemKapital viel größere Sum- men zu bewegen – das wäre dann die Lö- sung, einerseits. Andererseits kam das Hebeln zu Recht in Verruf, als Finanz- akrobaten komplizierteste Konstruktio- nenzueinemriesigenSchwindelgeschäft zusammenfügten, das 2008 donnernd zu- sammenbrach. Angela Merkel und ihre Kollegen ha- ben nun, beraten von wohlmeinenden Praktikern aus der Finanzwelt (die es durchaus auch gibt), eine Rettungskons- truktiongefunden, die noch bis indie De- tails geprüft werden muss, ehe ein ver- lässliches Urteil zulässig ist. Jedenfalls müssen am Ende zwei Gruppen zufrie- dengestellt werden, die gemeinhinals An- tipoden gesehen werden: Die Bürger, die das Recht habenzuverstehen, was mit ih- remSteuergeld geschieht. Und die Profis anden Finanzmärkten, die dann hoffent- lichdenKrisenländernSchonfrist gewäh- ren. Beide Gruppen haben ein feines Ge- spür dafür, was tragfähig ist oder nicht. Beiden muss die Politik eine Perspektive bieten. Derzeit reden die Krisenmanager nur über Wirtschaft, gar nur über Finanz- technik. Ausgeblendet wird der politi- sche Unterbau, auf dem das Konstrukt ruhen soll. Deshalb müssen die Regie- rungschefs so schnell wie möglich sagen, wohin der Hebel-Plan führen soll. Steht Europa noch zu Griechenland? Mit wem marschiert Deutschland? Wei- ter mit Frankreich, auch wenn das Land unter Druck gerät? Brauchen wir mehr Europa oder weniger? Politisch oder nur finanztechnisch? Es könnenaneinemWo- chenende nicht die europäischen Verträ- ge geändert werden. Aber die künftige Gestalt Europas muss sich abzeichnen, wenn wieder Ruhe einkehren soll an den Märkten und in den Wohnstuben. Das Abitur ist eine etablierte pädagogi- sche Marke. Es gehört zu Deutschland wie die Bratwurst und das Brandenbur- ger Tor. Doch eine bundesweit einheitli- che Reifeprüfunggibt es nicht, jedes Bun- desland hat eigene Regeln, und so war es immer schon. Im 19. Jahrhundert prüf- ten die Schulen in Preußen anders als in Sachsen oder Baden. Mehr als ein Mini- malkonsens ist historischnie zustande ge- kommen. Im Kampf um einen Studien- platz wird diese föderale Vielfalt zum Problem. Denn von den Noten hängt ab, ob einBewerber dengewünschten Studi- engang antreten kann. Die Universitäten unterstellen, dass das Abitur überall gleich schwer ist. Das ist es aber nicht. Die Experten des „Aktionsrats Bil- dung“ schlagen nun ein bundesweites Kernabitur in Deutsch, Mathematik und Englisch vor. Es soll die Reifeprüfung vergleichbarer und gerechter machen. Das mag gut klingen, macht die Sache aber sehr kompliziert. Es würde einen zentralen Test geben, mit demein gewal- tiger pädagogischer und administrativer Aufwandverbundenwäre. Dennochwür- dendaneben die herkömmlichenPrüfun- gen mit den Unterschieden zwischen den Ländern fortbestehen. De facto wären die Abiturienten mit zwei völlig unter- schiedlichen Prüfungsblöcken konfron- tiert – undder Zugang zumStudiumwür- de nur minimal gerechter werden. Der na- tionale Testtag soll nur über zehn Pro- zent der Abiturnote entscheiden. Statt ein ganz neues Abitur-Arrange- ment zu schaffen, sollten die Länder ei- nen gemeinsamen Pool an Abituraufga- ben bilden. Jeder erinnert sich daran, wie aufreibend und fehlerhaft die Um- stellung auf das achtjährige Gymnasium (G 8) war. Jede Reform des Abiturs muss jetzt sehr behutsam vorgehen. tvs Jetzt ist wieder vom goldenen Hand- schlag die Rede. Verteidigungsminister Thomas de Maizière will Berufssoldaten, die wegender Verkleinerung der Bundes- wehr nicht mehr gebraucht werden, den freiwilligen Abschied schmackhaft ma- chen. Wer jünger ist als 40 Jahre, soll ei- ne Abfindung von5000 Euro pro geleiste- tem Dienstjahr kassieren, maximal 100 000 Euro, und das Ganze steuerfrei. Wer im Alter zwischen 40 und 50 Jahren ausscheidet, soll sofort seine bis dahiner- dienten Altersbezüge und zusätzlich 5000 Euro pro Dienstjahr erhalten. Über 50-Jährige sollen sogar mit vollen Pensi- onsbezügen in den vorzeitigen Ruhe- stand gehen können. Das ist großzügig. Vor allemdie Steuer- freiheit der Abfindung wird den Neid manches Schicksalsgenossenaus der frei- enWirtschaft wecken. Andererseits mus- tert die Bundeswehr nun Menschen – oh- ne deren Verschulden – aus, denen einst lebenslange Arbeitsplatzsicherheit ver- sprochen worden war. Zwar müssen sich Beschäftigte in allen Bereichen der Ar- beitswelt darauf einstellen, dass Lebens- zeit-Garantien der Vergangenheit ange- hören. Doch Vertrag ist Vertrag, und ein Vertrag ist eben auch die Übernahme ins Berufssoldatentum. Die vorgesehene Regelung ist deshalb nicht überzogen. 100 000 Euro auf die Hand, das hört sich erst einmal toll an. Bei genaueremHinsehen sichern sie aber einer Familie nicht das Überleben. Der Ingenieur, der bei der Bundeswehr stu- diert hat, findet leicht einen Job. Für ihn ist das Geld einkräftiges Zubrot. Der Di- plomkaufmann oder der Pädagoge aber dürften, zumal in einer strukturschwa- chen Region, schwer zu vermitteln sein. Sie benötigen eine tragfähige Hilfe für den Übergang ins Zivilleben. ble Hat sich die ukrainische Führung selbst ausmanövriert? Oder plante sie vonAnfang an, sichmit Moskauzuarran- gieren? Pokert sie gar mit demKreml, um einen Rabatt für russisches Erdgas her- auszuschlagen, dann aber wieder einen Westschwenk vorzunehmen? Sicher ist bei dem Kräftemessen zwischen Kiew, Moskau und Brüssel eigentlich nur, dass es um die künftige Gestalt Osteuropas geht. Wird der Neoimperalist Wladimir Putin die ehemaligen Sowjetrepubliken unter den Schirm Moskaus zurückholen können? Oder bewahrt sich die Ukraine mit Hilfe der EUdochdie Chance, einde- mokratischer Staat zu werden? Eine Demokratisierung hat der ukrai- nische Präsident Viktor Janukowitsch, ein früherer Apparatschik, sicherlich nicht imSinn; doch wäre dies ein Neben- effekt, käme es zu einer Annäherung an die EU. Ein Teil der hinter Janukowitsch stehenden Industriemagnaten strebt die- se Nähe an – die Unternehmer sind auf westliche Technologie angewiesen und wollen sich auf gar keinen Fall von Pu- tin kontrollieren lassen. Allerdings spricht derzeit mehr dafür, dass die Kiewer Führung von der Ent- wicklung der Dinge getrieben wird als selbst einem Plan zu folgen. Letztlich zahlt sie so einenPreis für die kleingeisti- ge Rachsucht Janukowitschs – sie liegt wohl hauptsächlich dem Strafverfahren gegen seine innenpolitische Rivalin Julia Timoschenko zugrunde. Timoschenko hatte ihn nämlich vor sieben Jahren bei der „orangenen Revolution“gedemütigt. Janukowitsch hat nicht begriffen, dass ihneine Geste der Versöhnung innenpoli- tisch stärken würden. Gleichzeitig wäre er in einer viel besseren Position sowohl gegenüber Brüssel, als auch gegenüber Moskau. tu Gewohnt, an Widersprüchen zu lei- den, haben die Linken in den vergange- nen Jahren erleben müssen, dass zweier- lei prächtig zusammengeht: die Krise des Kapitalismus und die Krise ihrer Partei. Empörte ziehen vor die Frankfurter Bör- se, die Linke trottet hinterher. Unzufrie- dene sammelnsichunter einer neuenFah- ne. Es ist jene der Piraten. Das ist so ge- kommen, obwohl das Siechtum von Eu- ro, Banken und FDP alles zu bestätigen scheint, wovor Gregor Gysi und Oskar Lafontaine schon immer gewarnt haben. Ihren eigenen Niedergang in Umfra- gen und Wahlen deuten die Linken so, dass ihre guten „Inhalte“ einfach nicht richtig ankommen beim Bürger – sei es verschuldet vonder stumpfenParteispit- ze aus Gesine Lötzsch und Klaus Ernst oder, noch einfacher, wegen der Miss- gunst der Medien. Nun wollen sie gegen- steuern: An diesem Freitag kommt die Linke zusammen, um sich ein neues Pro- gramm zu geben. Es werden sich darin viele Deutungen finden für die Krisen in der Welt. Am Ende wird es aber vor al- lemeine Krise erklären: jene der Linken. Fast alle in der Partei wissen, dass die Linke eine neue Führung braucht. Doch darum wird es diesmal nicht gehen. Die- ser Parteitag führt durch Querelen zu den Quellen. Die Linke präsentiert ihren Wesenskern. Zum Geburtsort ihres ers- ten richtigen Programms hat sie Erfurt bestimmt. 120 Jahre nachdem die SPD dort die Befreiung des Proletariats postu- liert hat, will auch die Linke ein „Erfur- ter Programm“. Vom Proletariat wird darin keine Rede sein, wohl aber von der Überwindungdes Kapitalismus. Die Lin- ke strebt eine „andere, demokratische Wirtschaftsordnung“ an sowie eine Ver- gesellschaftung von vielem, was groß und wichtig ist in der Wirtschaft. Deutschland soll es, das wird die Bot- schaft vonErfurt sein, nocheinmal versu- chen mit dem Sozialismus. Eben jenem Sozialismus also, den sie seit demZusammenschluss von SED-Er- ben (Ost) und SPD-Flüchtigen (West) nicht mehr im Namen führen will. Als „die Linke“ besetzte sie bewusst vage und geschickt jenen politischen Ort, den Lafontaine zuvor als vakant ausgemacht hatte. Ihre Wahlerfolge 2005 und2009 fei- erte sie auch als Sprachrohr der Es-war- nicht-alles-schlecht-Klientel im Osten undder Uns-ging-es-nie-schlechter-Klä- ger im Westen. Von der Wiedereinfüh- rung des Sozialismus war zumindest auf Wahlplakaten keine Rede. Es trifft zu, dass Oskar Lafontaine denLinkssozialis- ten in sich entdeckt hat. Die Wähler aber stimmten überwiegend für den Mann, der einmal saarländischer Ministerpräsi- dent war und SPD-Chef und Finanzmi- nister. Nicht für einen Radikalen. Den Wählern der Piratenpartei wird heute nachgesagt, sie wüssten gar nicht genau, wem sie ihre Stimme gegeben ha- ben. Bis zu einem gewissen Grad trifft das auchauf die früherenWähler der Lin- ken zu. Ostdeutsche waren sich nicht un- bedingt im Klaren darüber, wie sehr die Fusion ihre alte Partei verändern würde. Und Anhänger im Westen glaubten wo- möglich, eine linkere SPD zu wählen. Es war dies ein Irrtum, auf den Gregor Gysi auf seine Weise aufmerksam machte – mit der notorischen Mahnung, die SPD müsse wieder sozialdemokratisch wer- den. Die Linken wollten Sozialdemokra- ten stets vor sich hertreiben, aber nicht selber welche sein. Mit der Rückkehr der SPDin die Opposition und der Verschär- fung der Finanzkrise ist diese Strategie des Treibens an ihre Grenzen gestoßen. Die Linkenmüssennunihre eigenenKar- ten auf den Tisch legen. Das Wanken der kapitalistischen Volkswirtschaften hat dabei als Kataly- sator gewirkt. Schneller und konsequen- ter als sie es vielleicht sonst gewagt hät- te, präsentiert die Linke der Öffentlich- keit eine kompromisslos sozialistische Weltdeutung. Die gegenwärtige Krise wird im geschichtlichen Teil des Pro- grammentwurfs zum geradezu zwangs- läufigen Ergebnis der kapitalistischen Entwicklung erklärt. Es gibt demnach keine Fehler im System, das System ist der Fehler. Die Linke attackiert den Ka- pitalismus, aber sie meint auch die Marktwirtschaft. Sie empfiehlt, verkürzt formuliert, einenSozialismus plus Mittel- stand minus Stasi. Die Neuauflage soll natürlich demokratisch funktionieren undohne die Auswüchse sturer Planwirt- schaft. So werden das die Linken in ih- remErfurter Programmbeschließen. Da- nach müssen sie nur noch Wähler finden, die daran glauben. So entpuppt sich die Krise, die für eine linke Partei eine Chance sein könnte, als Falle. Sie zwingt die Linke zu grundsätz- lichen Bekenntnissen, verleitet sie zu ra- dikalen Antworten und bestärkt sie im Selbstbildals Hüterinder einzigenWahr- heit. Die Abgrenzung von SPD und Grü- nen wird sie in Erfurt weiter zementie- ren. Die Linke hat sich für ihr Programm „Haltelinien“ausgedacht, die ihr eine Be- teiligung anRegierungennur unter stren- gen Voraussetzungen erlauben würden. Dabei wäre das – zumindest in der Bun- despolitik – gar nicht nötig gewesen. Für ein Bündnis mit Sozialdemokraten und Grünen steht die Partei nach dem Erfur- ter Parteitag nicht mehr ernsthaft zur Verfügung. Es ist stets das natürliche Be- streben der Sozialdemokraten gewesen, die neue Konkurrenz ins Abseits zudrän- gen. Das erübrigt sich. Die Linke stellt sich bereitwillig selbst hinein. Antonis Samaras Griechischer Oppositionschef ohne Kompromissbereitschaft Unkontrolliertes Wachstum SZ-Zeichnung: Pepsch Gottscheber Blick in die Pressse Auferstehung der Dämonen Die Türkei und die kurdische PKK stehen wieder im offenen Krieg – der alte Konflikt ist nicht gelöst Ein Hebel und seine Wirkung Die Schuldenkrise kann nur gelöst werden, wenn Bürger und Märkte verstehen, was geschieht Abitur schwer gemacht Gold, das nicht nur glänzt Falsches Kalkül in Kiew Sozialismus minus Stasi Von Dani el Brössl er DEFGH Herausgegeben vom Süddeutschen Verlag vertreten durch die Gesellschafterversammlung Chefredakteur: Kurt Kister Stellvertretender Chefredakteur: Wolfgang Krach Mitglied der Chefredaktion, Innenpolitik: Dr. Heribert Prantl Außenpolitik: Stefan Kornelius; Christiane Schlötzer; Innenpolitik (Stellvertreter): Dr. Alexandra Borchardt, Detlef Esslinger; Seite Drei: Alexander Gorkow; Inves- tigative Recherche: Hans Leyendecker; Nicolas Richter; Kultur: Andrian Kreye, Dr. Thomas Steinfeld; Wirt- schaft: Dr. Marc Beise, Hans-Jürgen Jakobs; Sport: Klaus Hoeltzenbein; Wissen: Dr. PatrickIllinger; Gesell- schaft und Panorama: Tanja Rest; Wochenende: Ger- hard Matzig; Mobiles Leben: Jörg Reichle; Beilagen: Werner Schmidt; München, Regionund Bayern: Christi- an Krügel, Ulrich Schäfer; Peter Fahrenholz, Christian Mayer, Annette Ramelsberger; Bild: Jörg Buschmann; Grafik: Daniel Braun Geschäftsführende Redakteure: Dr. Hendrik Munsberg, Robert Roßmann, Stefan Plöchinger (Online) Chef vom Dienst: Carsten Matthäus Chefkorrespondent: Stefan Klein Leitende Redakteure: Prof. Dr. Joachim Kaiser, Nikolaus Piper, Evelyn Roll Die für das jeweilige Ressort an erster Stelle Genannten sind verantwortliche Redakteure im Sinne des Gesetzes über die Presse vom 3. Oktober 1949. Anschrift der Redaktion: Hultschiner Straße 8, 81677 München, Tel.(089) 21 83-0; Nachtruf: 21 83-7708; Nachrichtenaufnahme: 21 83-481; Fax 21 83-97 77; E-Mail: [email protected] Berlin: Nico Fried; Claus Hulverscheidt (Wirtschaft), Französische Str. 47, 10117 Berlin, Tel. (0 30) 20386650; Erfurt: Christiane Kohl, Marktstr. 38 a, 99084 Erfurt, Tel. (03 61) 6 01 16 05; Düsseldorf: Bernd Dörries, Bä- ckerstr. 2, 40213 Düsseldorf, Tel. (02 11) 54 05 55-0; Frankfurt: Helga Einecke, Kleiner Hirschgraben 8, 60311 Frankfurt, Tel. (0 69) 2 99 92 70; Hamburg: Ralf Wiegand, Poststr. 25, 20354 Hamburg, Tel. (0 40) 46 88 31-0; Karlsruhe: Dr. Wolfgang Janisch, So- phienstr. 99, 76135 Karlsruhe, Tel. (07 21) 84 41 28; Stutt- gart: Dagmar Deckstein, Rotebühlplatz 33, 70178 Stutt- gart, Tel. (07 11) 24 75 93/94 Geschäftsführer: Dr. Detlef Haaks, Dr. Richard Rebmann, Dr. Karl Ulrich; Anzeigen: Jürgen Maukner (verantwortlich). Zurzeit ist die Anzeigenpreisliste Nr. 75 vom 1. 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Und erst kürzlich beklagte das Kollegiumeiner Neuköllner Schule in ei- nem Brief „zunehmende Respektlosig- keit“ wie Zerstörungswut und Gewalt auchgegenüber Lehrern. Die Zahl gemel- deter Delikte an Schulen ist laut Senat zuletzt aber um 13 Prozent gesunken. „Es gibt positive Befunde und nicht primär Kritisches und Negatives zu be- richten, etwa, dass Berlin am aller- schlimmsten sei“, sagt der Kriminologe ChristianPfeiffer, Direktor des Krimino- logischen Forschungsinstituts Nieder- sachsen (KFN). Dieses hat am Mittwoch eine repräsentative Studie zur Jugendge- walt im Auftrag des Senats vorgelegt. Die Autoren habendazuknapp3200 Ber- liner Jugendliche der neuntenKlasse um- fassend zu ihren Erfahrungen als Täter und Opfer befragt und die Ergebnisse in Bezug zu bundesweiten Daten gesetzt. Durch das Projekt könne die Polizeista- tistik erweitert werden, etwa um Taten, die nicht angezeigt werden. Die Statistik besagt: In Berlin wurden 2009 und 2010 im Schnitt zwölf Prozent aller 14- bis 18-Jährigen polizeilich er- fasst, darunter fallen Delikte aller Art, von Ladendiebstahl bis schweren Straf- taten. Ein großer Abstand zur bundes- deutschen Lage findet sich in der Rubrik körperlicher Gewalt – in Berlin wurden hier anteilsmäßig doppelt so viele Ju- gendliche registriert (2,2 zu 1,1 Prozent). Die Auswertung der Opfer- undTäter- schaft Berliner Schüler belegt dagegen keine höhere Gewaltbelastung als an- dernorts. Elf Prozent gaben an, mindes- tens eine Gewalttat begangen zu haben, 17,9 Prozent sagten, sie seien schon mal beraubt oder geschlagen worden. Bun- desweit liegen die Werte auf ähnlichem Niveau. Unterschiede zeigen sich den- noch: So waren die Berliner, die eine schwere Körperverletzung begangen ha- ben, beim ersten Mal im Durchschnitt 13,1 Jahre alt; bundesweit liegt das Alter bei 13,7 Jahren. Zudemereignet sich jede fünfte Tat in öffentlichen Verkehrsmit- teln oder an Haltestellen – andernorts deutlich seltener. Die Studie nennt eine „besondere Struktur der hier aufwach- sendenJugendlichen“: So seiendie Fami- lien jedes vierten Befragten von staatli- chen Transfers abhängig, 46 Prozent der Schüler haben Migrationshintergrund – bundesweit sind es deutlich weniger. Das lasse aber nicht grundsätzlichauf hö- here Gewaltprobleme schließen. Ent- scheidend seien „die Gegebenheiten, die Migranten im familialen und sozialen Umfeld vorfinden“: etwa Ressentiments gegenüber Deutschen oder Schwulen. Auch stimmten religiöse Muslime dop- pelt so oft „gewaltbejahenden Männlich- keitskonzepten“ zu wie nicht religiöse. Als Schlüssel sehen die KFN-Autoren Bildung: Jugendliche mit schlechteren Noten neigen häufiger zu Gewalt, und Schüler mit starker Bindung andie Schu- le haben ein geringeres Risiko. Ratsam seien daher verpflichtende Ganztags- schulen– nicht als „Kinderbewahranstal- ten“, sondernals Chance, „dass Jugendli- che ihre Freizeit nicht unstrukturiert ver- bringen“. Die Freizeit – etwa mit gewalt- verherrlichender Medien– nennt die Stu- die als Faktor für eine Gewalttäter-Kar- riere. Auch begrüßen die Autoren die Fu- sion von Haupt- und Realschulen in Ber- lin. Denn insgesamt gehe dort die Schere zwischen Schülern verschiedener Schul- arten weiter auseinander – eine „ausge- prägtere Winner-Looser-Kultur“, die da- zu führe, dass gerade Verlierer nicht be- reit seien, sich an die Normen zu halten. Bereits bei der Befragung hatte es Kri- tik an der Studie gegeben. Der Landesel- ternausschuss rügte mangelnden Daten- schutz und die psychische Belastung von Gewaltopfern. Das hatte sich aneiner ge- ringen Teilnahmebereitschaft bemerk- bar gemacht. Und der örtliche Migrati- onsrat teilte mit: Bemühungen an Schu- len, der Gruppenbildungentlang der Her- kunft entgegenzuwirken, würden durch die Befragung ad absurdum geführt. Ei- ne „überholte Identitätspolitik“, zumal in Bezug auf Kriminalität, verfestige „rassistische Denkstrukturen“. Dresden – Auch Sachsen hat nun einge- räumt, dass Ermittler des Landes ein Späh-Programmgenutzt haben, mit des- sen Hilfe sich private Kommunikation über das Internet überwachen lässt. Nach Angaben des sächsischen Justizmi- nisteriums handelt es sich zwar nicht um jenen „Staatstrojaner“, dessen Einsatz der Chaos Computer Clubkürzlichaufge- deckt hat. Die Ermittler haben aber eine Überwachungs-Software für die Kontrol- le „der mündlichen und schriftlichen Kommunikationmittels des Internettele- fonie-Dienstes Skype“ genutzt, bestätig- te Justizsprecher Till Pietzker. In drei Fällen haben sächsische Rich- ter auf Wunsch der Ermittlungsbehör- denbislang die sogenannte Quellen-Tele- kommunikations-Überwachung („Quel- len-TKÜ“) richterlich angeordnet, sagte Pietzker. Dabei sei es jedoch ausschließ- lich um die Überwachung von Internet- Telefonkommunikation gegangen. Über- dies sei die tatsächliche Überprüfung in zwei Fällen daran gescheitert, dass die Software aus technischen Gründen nicht auf den Computer der überwachten Per- sonen habe aufgespielt werden können. Und im dritten Fall habe sich die Maß- nahme erübrigt, da die Beschuldigtenzu- vor festgenommen worden seien. Gegen- stand der drei Verfahren, die in den Jah- ren 2006 und 2009 geführt worden wa- ren, sei jeweils die Aufklärung von Ver- stößen gegen das Betäubungsmittelge- setz gewesen. Das Justizministerium war nach einer Umfrage bei allen Staatsanwaltschaften imBundeslandauf diese drei Fälle gesto- ßen, in denen Behörden die umstrittene Software nutzen wollte. Das Landeskri- minalamt berichtete, dass man die für die Überwachungszwecke eingesetzte Software eigens von einer Firma habe konfigurieren lassen. Zu der Frage, ob es sich umdasselbe Unternehmen handelte, das auch die Staatstrojaner verkauft hat, wollte sichdie LKA-Sprecherinnicht äu- ßern. Mit demProgrammsei es jedenfalls nicht möglich, „gleich noch den Compu- ter zu durchsuchen“, auf den die Soft- ware aufgespielt werde, stellte sie klar. Welche technischen Probleme denEin- satz der Software in zwei Fällen letztlich verhindert haben, wollte sie Sprecherin ebenfalls nicht sagen. Der rechtspoliti- sche Sprecher der Grünen im Sächsi- schen Landtag, Johannes Lichdi, will nun von der Landesregierung wissen, um welche Software es sich imEinzelnen ge- handelt hat. Bei der Telekommunikati- ons-Überwachung, sagt der Abgeordne- te, werde „ein komplexes informations- technisches System auf den jeweiligen Computer infiltriert“. Damit sei „eine entscheidende Hürde genommen, umdas System insgesamt auszuspähen“. Die Überwachung von Internet-Telefonaten könne daher „ein Türöffner für Online- Durchsuchungen sein“. Christiane Kohl Von Susanne Höl l , Paul -Anton Krüger und Hel mut Marti n-Jung München – Auf Computern in Europa ist ein Schadprogramm aufgetaucht, das große Ähnlichkeiten zu dem Stuxnet- Wurm aufweist und offenbar gezielt In- formationen über Industrieanlagen aus- spionierensoll. Das habendie US-Sicher- heitsfirmen Symantec und McAffee in der Nacht zum Mittwoch bekanntgege- benunderste Analysender Software prä- sentiert. Stuxnet war mit großer Wahr- scheinlichkeit entwickelt worden, um die Computersteuerung einer Urananrei- cherungsanlage in Iran zu sabotieren, so dass die dort eingesetzten Zentrifugen Schaden nehmen. Dagegen schöpft Du- qu laut den bisherigen Erkenntnissen nur Informationen aus infizierten Netz- werken ab und schickt diese, getarnt als Bilddatei, an einen Server in Indien. ZudiesemZweck installiert der Troja- ner ein Programm das Tastatureingaben wie Passwörter, den Bildschirminhalt oder Informationen über das Netzwerk aufzeichnet. Laut Symantec hat es Duqu auf Daten von „Organisationen wie Her- steller vonIndustriesteuerungen“ abgese- hen, Konstruktionspläne etwa. Syman- tec mutmaßt, diese könnten dazu dienen, weitere AttackenimStil vonStuxnet vor- zubereiten. Andere Experten sind da zu- rückhaltender. Sandro Gaycken von der Freien Universität Berlin etwa sagt, man könne es auch „mit normaler Industrie- spionage“ zu tun haben. Fast alle großtechnischenAnlagen, sei- en es Chemiefabriken oder Kraftwerke, Fertigungsstraßen oder Pipelines, wer- den von speziellen Computern gesteuert, die eigens für ihren Einsatzzweck pro- grammiert werden. Umsolche Steuerun- gen angreifen zu können, braucht man Detail-Kenntnisse über deren Systemar- chitektur. Symantec wurde amvergange- nen Donnerstag von einer „Forschungs- einrichtung mit starken internationalen Verbindungen“ auf Duqu aufmerksam gemacht, diese habe die Software auf demNetzwerkeiner „OrganisationinEu- ropa“ gefunden. Zugleich erhielt McAf- fee eine Kopie. Die Firmen legten auf Wunschihrer Quelle nicht offen, umwel- che Forschungsorganisation es sich han- delt oder welche Unternehmen Opfer des Angriffs geworden sind. Das eigentliche Ziel einer späteren Attacke, spekulieren Experten, könne in anderen Gegenden liegen – etwa im Nahen Osten. Duquenthält anders als Stuxnet offen- bar keine Funktion, sich selbst weiterzu- verbreiten. Symantec geht von einemge- zielten Angriff auf eine „begrenzte Zahl von Organisationen“ aus. Nach Informa- tionen der Süddeutschen Zeitung ist bis- lang höchstens eine niedrige zweistellige Zahl von Organisationen oder Unterneh- men betroffenen. Duqu konnte aber über den inzwischen abgeschalteten Server, andendie Informationengingen, mit wei- teren Funktionen aufgerüstet werden. Wie schon Stuxnet enthält Duqu Vor- kehrungen, um sich gegen Entdeckung zu schützen. Dazu gehören Funktionen, die Aktivitäten auf dem infizierten Sys- temverschleiern, vor allem aber ein – ge- stohlenes – echtes digitales Zertifikat ei- ner Computerfirma in Taiwan. Solche Zertifikate weisen Software als legitim aus, fungieren also wie ein Sicherheits- aufkleber, der die Echtheit eines Produk- tes bestätigt. Laut McAffee habendie An- greifer es auch auf die Aussteller solcher Zertifikate abgesehen, und zwar in ei- nem Raum, der sich mit dem Verbrei- tungsgebiet des Goldschakals deckt – Tei- le Europas, Nordafrika, der Nahe Osten und Südasien. Damit stünde die Zuver- lässigkeit eines der wichtigsten digitalen Sicherheitsmechanismen infrage. Von einem „kleinen Bruder des Stux- net-Virus’“ ist die Rede, weil ganze Teile von Duqu mit dem Code von Stuxnet identisch sind oder ihm zumindest stark ähneln. Von 40 bis 50 Prozent ist die Re- de. Symantec undMcAffee schließendar- aus, dass die Programmierer Zugang zum Quellcode von Stuxnet hatten, der in verständlichen Programmiersprachen geschrieben ist. Die Vermutung liegt na- he, dass es die gleichen Autoren sind. Die Urheber von Stuxnet sind nie überführt worden, aufgrunddes Ziels undder Kom- plexität des Wurms wurden aber israeli- sche und US-Geheimdienste verdäch- tigt. Allerdings könnten Hacker zumin- dest Teile des Codes für die Programmie- rung von Duqu rekonstruiert haben. Deutsche Sicherheitsbehörden ken- nen Duqu und gehen davon aus, dass er zu politischen und nachrichtendienstli- chen Zwecken eingesetzt wird. „Stuxnet war ein reiner Sabotage-Virus. Duqu ist ein reines Spionagewerkzeug“, sagte ein Behördenvertreter der SZ. Nähere De- tails nannte er nicht, sagte aber, in Deutschland sei nach dem bisherigen Kenntnisstand kein Computer infiziert worden. Die Experten im deutschen Cy- ber-Abwehrzentrum seien informiert und beobachteten die Entwicklung. Die deutschenSicherheitsbehördenbe- obachten seit einigen Jahren mit Sorge verstärkt Cyber-Angriffe auf Computer staatlicher EinrichtungenundUnterneh- men. Allerdings haben die Experten kei- nen Überblick, wie oft und mit welchen Mittelndeutsche Unternehmenangegrif- fen werden. Klarer ist das Bild bei Bun- desbehörden. 2009 wurden 1511 Angrif- fe auf Rechner des Bundes registriert, 2010 waren es 2108. Für dieses Jahr wird mit einer ähnliche hohen Zahl gerechnet. Die Nachrichtendienste aller größeren Staaten arbeiten mit E-Spionage, China und Russland gelten als besonders aktiv. Allerdings geht man in Deutschland nicht davon aus, dass diese und andere Staaten Interesse an Sabotageakten in Deutschland oder Europa haben. Berlin – Führende Innenpolitiker von Union und SPD fordern im Bund Konse- quenzen aus der in Bayern ausgelösten Affäre um Späh-Software. Der Vorsit- zende des Bundesinnenausschusses, der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach, und der Innen-Experte der SPD-Bundestags- fraktion, Michael Hartmann, haben am Mittwoch dafür plädiert, dass der Bund die entsprechenden Programme künftig selbst entwickelt. Bislang erwerben die Behördenjene Software, die bei der Über- wachung von Internet-Kommunikation, der sogenannten Quellen-TKÜ, verwen- de wird, von der Firma Digitask. Bosbach und Hartmann reagierten mit ihrer Forderung auf Äußerungen des Chefs des Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke. Der hatte zuvor den Innen- ausschuss über die Praktiken bei Aus- späh-Aktionen informiert und nach An- gaben der beiden Abgeordneten erklärt, dass die Behördendie Digitask-Software zwar strikt kontrollierten, aber keinen Einblick in das komplette Computerpro- gramm hätten. Die sogenannten Quell- codes seien das Betriebsgeheimnis der Firma, wurde Ziercke zitiert. Für Online-DurchsuchungenvonCom- putern, die weit über das Abhörenlaufen- der Internetkommunikation herausgeht, setzen die Bundessicherheitsbehörden schon jetzt selbst entwickelte Program- me ein. Bosbach und Hartmann sagten, dann müsse es auch möglich sein, eigene Technik für Quellen-TKÜ zu erarbeiten. Das dürfe nicht an zusätzlichen Kosten scheitern, sagte Hartmann. „Der Rechts- staat ist manchmal teuer“, fügte er hin- zu. Auch Bundesinnenminister Hans-Pe- ter Friedrich(CSU) würde eine solche Lö- sung befürworten, hieß es aus demMinis- terium. Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass Bundesbehörden bei Ver- dacht auf Straftaten oder Terror Späh- Programme eingesetzt haben, die mehr Funktionen haben, als Recht und Gesetz erlauben. Bei demjüngst entschlüsselten Programmbayerischer Sicherheitsbehör- den ist das allerdings anders. Auch die FDP ist dafür, die Computerprogramme in staatlicher Verantwortung zu entwi- ckeln, ebenso Grüne und Linkspartei. Bosbach und Hartmann verlangen zu- dem bundesweit einheitliche Vorschrif- ten für die Überwachung von Internet- Kommunikation. Dazumüsstenklare Re- geln in der Strafprozessordnung festge- legt werden, sagten sie auch mit Blick auf Bayern. Dort hatten Sicherheitsbe- hörden bei der Internet-Überwachung mit Hilfe des umstrittenen Trojaners auch Aufnahmen vom Computerbild- schirm gemacht. Das ist nach einem Ur- teil des Landgerichts Landshut und nach Meinung vieler Experten unzulässig. Das bayerische Innenministeriumist aber an- derer Ansicht und pocht auf ein höchst- richterliches Urteil in dieser Frage. Wegen des politischen Streits über die Späh-Aktionen wollen die Innenminis- ter von Bund und Ländern am Donners- tag in einer Telefonkonferenz über das weitere Vorgehen beraten. Entscheidun- gen sind nach Angaben aus Sicherheits- kreisen von Bund und Ländern aber noch nicht zu erwarten. Susanne Höll Von Tanj ev Schul tz München – Zumindest als Schlagwort ist die „Bildungsrepublik“ ein voller Erfolg. Vor drei Jahren beschwor Kanzlerin An- gela Merkel (CDU) die Vision einer Bil- dungsrepublik, seitdem hat sich der Be- griff zum geflügelten Wort entwickelt. Doch von jenemSchwung, mit demMer- kel damals in Dresden einen politischen Bildungsgipfel erklimmenunddie Minis- terpräsidenten mitnehmen wollte, um Kindergärten, Schulen und Universitä- ten zu verbessern, ist nicht viel geblie- ben. Damals verrannten sich Politiker im ewigen Streit zwischen Bund und Län- dern; es reichte deshalb nur für paar va- ge, langfristige Ziele. Und diesen Zielen ist man, wie der DGBamMittwochbilan- zierte, bisher kaum nähergekommen. „Die Bildungsrepublik wird zur Fata Morgana“, sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock. Der Gewerkschaftsbund beruft sich auf eine Studie des Essener Bildungsfor- schers Klaus Klemm. Demnach liegt das 2008 in Dresden vereinbarte Ziel, zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Bildung und Forschung auszugeben, noch immer in „weiter Ferne“. Auch beim Krippenausbau komme Deutsch- land nur langsam voran. Die angestrebte Halbierung der Schulabbrecher-Quote sei ebenfalls noch nicht zu erkennen. Die Quote lag zuletzt bei 7,0 Prozent, 2008 waren es 7,5 Prozent. Keinerlei Fortschritt sieht Klemm zu- dem bei jungen Erwachsenen (20- bis 29-Jährigen), die keinen Berufsab- schluss haben. Deren Anteil liegt nach wie vor bei mehr als 17 Prozent, darunter sind besonders viele Migranten. Einzig das auf demBildungsgipfel beschlossene Ziel, mehr Studienanfänger zu gewin- nen, sei erfüllt worden. Der DGB, der VerbandBildungundEr- ziehung sowie die OppositionimBundes- tag bekräftigtenamMittwochihre Forde- rung, mehr in Bildung zu investieren und das im Grundgesetz verankerte „Koope- rationsverbot“ abzuschaffen. Dieses Ver- bot untersagt es dem Bund weitgehend, sich finanziell und politisch in die Schul- politik einzumischen. Derzeit engagiert sich die Bundesregierung aber beispiels- weise stark beim Ausbau der Hochschu- len: Bis 2015 stellt der Bund etwa fünf Milliarden Euro für zusätzliche Studien- plätze bereit, dazukommenweitere Milli- ardenbeträge für die Forschung. Unions- Fraktionschef Volker Kauder hat gerade erst wieder betont, Bildung und For- schung würdenauchkünftig vonEinspa- rungen ausgenommen. Die SPDimBundestag verlangt gleich- wohl zusätzliche Investitionen; es müss- ten kurzfristig weitere 50 000 Studien- plätze finanziert werden. Bei den Kinder- gärten und Schulen liegt die finanzielle Hauptlast dagegen bei den Ländern und Kommunen. Beim Bildungsgipfel 2008 undden Treffen der folgenden Jahre hat- tendie Ministerpräsidentenzwar vonAn- gela Merkel gefordert, den Ländern für Bildungsausgaben einen höheren Anteil an der Mehrwertsteuer zu überlassen. Diesem Ansinnen hat sich die Kanzlerin jedoch verweigert. An diesemDonnerstag besucht Merkel eine Schule in Berlin und trifft die Kul- tusminister der Länder. Dass sie dort die Auszahlung großer Summen ankündigt, damit rechnet schon wegen der Finanz- krise niemand. Dem Vernehmen nach könnte aber verabredet werden, das föde- rale Durcheinander bei den sogenannten Sprachstandserhebungen vor der Ein- schulung zubegrenzen. Derzeit gibt es et- wa zwanzigverschiedene Verfahren, Kin- der vor der Einschulung auf ihre Sprach- kompetenzen in Deutsch zu testen. Neue Nahrung erhält zudemdie Debat- te über ein bundesweites Zentralabitur. Die Lehrerverbände reagierten am Mitt- woch skeptisch auf einen Vorschlag des „Aktionsrats Bildung“. Das Expertengre- mium plädiert für ein „Kernabitur“ in Deutsch, Mathematik und Englisch. Zu- sätzlich zu den herkömmlichen Länder- Prüfungen sollten alle Abiturienten zen- tral getestet werden. Der Philologenver- band kritisierte, Aufwand und Ertrag stündenbeimKernabitur nicht imrichti- gen Verhältnis. (Seite 4, Bayern) Durchschnittlich brutal In Berlin neigt jeder zehnte Jugendliche zu Gewalttaten – nicht mehr als anderswo Der kleine Bruder von Stuxnet Auf europäischen Rechnern kursiert ein neues Spionage-Programm, wohl um weitere Cyber-Attacken zu starten „Bildungsrepublik in weiter Ferne“ DGB erkennt keine Fortschritte bei Krippenausbau, Schulpolitik und Uni-Reform Schüler an der Eberhard-Klein- Oberschule in Ber- lin-Kreuzberg: Die „Oberschulen“ sind in der Haupt- stadt durch die Fusion von Haupt- und Realschulen 2010 entstanden. Experten zufolge können solche Re- formen das Kon- fliktpotential min- dern. Foto: dapd Stühle und Tische fürs Klassenzim- mer sowie das Ge- halt der Lehrer müssen die Bundes- länder und Kommu- nen zahlen. Dass es dem Bund weitge- hend untersagt ist, sich finanziell in die Schulpolitik einzumischen, möchten DBG und SPD ändern. Foto: dpa Sachsen spähte Drogendealer aus Richter erlaubt Überwachung von Internet-Telefonaten Trojaner lieber selbst entwickeln Innenpolitiker: Bund soll Software nicht mehr kaufen SPD und Gewerkschaften fordern mehr Geld vom Bund und Gesetzesänderungen. Donnerstag, 20. Oktober 2011 HF2 Süddeutsche Zeitung Nr. 242 / Seite 5 POLITIK Das Programm könne den Rechner nicht durchsuchen, heißt es beim LKA. O O O O O O O O O OOOO O O OO OO OO O OO OO OO OO O OO OO OO OO OO OO OO OO OO OO OO OO OO OO OO OO OO O O OOOO OO OOOO OO OO OO OO OO OO O O O OOOO OO OO OO OO OO OO OOOOO OO OO OOOO OO OOO O O O O O O O O O O OOO OO OOOO OO OO OO O O O O 1111 11111 1111 OOOOOOOOOOO OOO OO OOOOOO OOOOOOOO OOOOOO OO OOOOOO OO OOOOOOOO OOOOOOOO OOOOOOOOOO OO O 1 OO 11 OO 1 OO 11 11 OOO 11 OO 1 OO 1 OOOO 1 OOOO 1 OOOO 1 OOOO 1 O 1 OOOO 1 OOOO 1 OOOO 1 O 1 OOOO OOOO 1 O 1 11 11 O 1 11 OO 11 11 11 11 11 11 OO OO 1 OO OO OO OOOO 1 OOOOOOOOOO 1 OOOO 1 OO 1 OO 11 11 11 1 OOOO 1 OOOO 1 OOOO 1 OOOOO 1 OOOO 1 OOOO 1 OOOOO 1 OOOO 1 OOOO 1 OOOO 11 11 11 11 11 11 11 11 11 11 1 OO 1 OO 11 11 11 11 1 O 1 1 OO1 OO 1 OO 11 1 OOOO 1 OOOO 11 OOOO 1 OOOO 11 OOOO 1 OOOO 1 OO 1 OO 1 O 1 11 11 1 11 11 11 11 11 11 11 11 11 11 11 11 1 11 1 11 11 OOOOOOOOOO 1 111 OO OO OOO OO O 1 1 OO 1 OO 1 OOO 1 OOOOO 1 OOOO 1 OOOO 1 OOOO OOOO O 1 OOOO OOOO 11 1OOO 1OO 11 1 OOOO 1 OO 1 OOOO 1 OOOO OO OO OOOO OO OO OOOO OO OO OO OO OOOO OOO OO OO OO OOO O OOOO OOOOO OO OO OO OO OO OO OO OO OOOO OOOO OO OO OOOO OO O 11 1 OOOOO 1 OOOO 11 OOO 11 OOOO 11 OOOO 1 1 11 1 11 11 11 1 OOOOOO 1 OOOOOO 1 OO 1 OO 11 11 1 1 OOOOO 1 OOOO OOOO OO 11 11 1 11 1 1 1 1 1 1 1 OOOO OO 11 111 11 1 O 11 11 11 11 11 11 11 OOOO 1 OOOOOOOO 1 OO 1 OO 11 1 O 11 11 11 11 1111 11 11 111 11 1 11 1 OOOO 1 OOOO 11 11 1111 111111 11 Der infizierte Rechner schickt 54 x 54 Pixel große weiße Grafikflächen über das Internet an den Kontroll-Server. Daran ist ein verschlüsseltes Archiv mit den erbeuteten Informationen angehängt. Zugleich kann die von Duqu installierte Software auch Informationen über das Netzwerk sammeln, zu dem der infizierte Computer gehört. Nach den bisherigen Analysen befällt Duqu aber andere Rechner nicht von alleine. SZ-Graphik; Foto: Prisma Bildagentur; Quelle: eigene Recherchen Auf dem infizierten Rechner installiert Duqu ein Programm, dass etwa Tastatureingaben oder Bildschirminhalte speichert. infizierter Rechner Netzwerk eines Unternehmens Internet So funktioniert Duqu Über den sogenannten Command- und Control-Server kann der Angreifer mit Duqu kommunizieren. Dabei kann er sowohl die ausspionierten Informationen abrufen als auch dem Schadprogramm Befehle erteilen oder neue Software-Komponenten nachladen. Kontroll-Server des Angreifers 4 5 Duqu wird auf bislang unbekannte Weise gezielt auf einen ausgewählten Rechner geschmuggelt. Nach 36 Tagen entfernt sich das Programm automatisch. Duqu 1 2 3 In Deutschland sei bislang kein Netzwerk infiziert worden, sagt ein Behördenvertreter. Eröffnet seinen Online Store Entdecken Sie die unverwechselbare Welt von Ralph Lauren Eröffnet seinen Online Store Entdecken Sie die unverwechselbare Welt von Ralph Lauren Berlin – Die Grünen haben ein Verbot von Waffenlieferungen in Länder ver- langt, in denen massiv gegen Menschen- rechte verstoßen wird. Fraktionsge- schäftsführer Volker Beckbezeichnete es am Mittwoch als „Horrorvorstellung“, dass deutsche Waffen zur Niederschla- gung von friedlichen Protesten einge- setzt werden. Er reagierte damit auf ei- nen Bericht von Amnesty International, wonach Deutschland auch Staaten wie Ägypten, Libyenoder denJemenmit Rüs- tungsgütern beliefert hat. Beck forderte von der schwarz-gelben Koalition, Rüs- tungsexporte künftig genau zu erläu- tern. Es müsse auch deutlich mehr parla- mentarische Kontrolle geben. Hinter- grund ist auch die geplante Lieferung vonLeopard-2-KampfpanzernnachSau- di-Arabien, welcher der Bundessicher- heitsrat Ende Juni bereits zustimmte. Bis zum Ende des Jahres will das geheim ta- gende Gremium über das Geschäft er- neut beraten. Nach Angaben von Amnesty hatten Deutschlandund 16 weitere Staaten gro- ße Mengen Waffen in den Nahen Osten und nach Nordafrika geliefert. In einem Bericht werdenalleindeutsche Exportge- nehmigungen im Wert von 77 Millionen Euro aufgezählt, unter anderem für Kleinwaffen, Munition und Militärfahr- zeuge. Die Zahlen beziehen sich auf den Zeitraum 2005 bis 2009. „Diese Waffen- lieferungen sind genehmigt worden, ob- wohl schon damals ein erhebliches Risi- kos bestand, dass mit diesenWaffenMen- schenrechtsverletzungen begangen wer- den“, sagte Mathias John, der Rüstungs- experte der Organisation. In der hundertseitigen Studie unter- sucht Amnesty Rüstungslieferungen nach Ägypten, Bahrain, Jemen, Libyen und Syrien. Die wichtigsten Exportstaa- ten waren außer Deutschland Belgien, Bulgarien, Frankreich, Großbritannien, Italien, Österreich, Russland, Tschechien und die USA. Sie alle lieferten Waffen, Munitionundandere Ausrüstung, mit de- ren Hilfe Polizei und Militär friedliche Demonstranten womöglich getötet, ver- letzt oder willkürlich verfolgt haben. „Wenn jetzt Waffenembargos verhängt werden, dann kommt das zu spät und ist zu wenig“, sagte John. „Unsere Untersu- chung macht erneut deutlich, dass die be- stehendenExportkontrollennicht ausrei- chen. Wir brauchen dringendein wirksa- mes internationales Waffenhandelsab- kommen. Dabei muss gelten: Es dürfen keine Rüstungsgüter geliefert werden, wenn das Risiko besteht, dass der Emp- fänger damit schwere Menschenrechts- verletzungen begeht.“ dapd, dpa Von Bernd Dörri es Oberhausen – Wenn die Städte in Nord- rhein-Westfalenwollen, dann könnensie seit dieser Woche eine Art Doppelnamen führen – um darauf hinzuweisen, was denn besonders ist an ihrer Stadt. Köln ist nun per Landesgesetz berechtigt, sich den Zusatz Domstadt auf die Ortsschil- der zu schreiben, obwohl das eh jeder weiß, und Aachen darf sich die Kaiser- stadt nennen. Oberhausen wiederum könnte die Besucher am Bahnhof mit ei- nem Hinweis empfangen, dass man nun die am höchsten verschuldete Stadt Deutschlands betrete. Aber nicht einmal Geld für die Schilder wäre wohl vorhan- den in Oberhausen. Am Rathaus geht die Uhr im Turmum ein paar Minuten falsch und drinnen kannApostolos Tsalastras erklären, war- umes so nicht weiter gehenkanninOber- hausen. Er hat kurzes dunkles Stoppel- haar und ist seit dem Sommer der Käm- merer von Oberhausen. Am Anfang sagt er, fand er das noch witzig, die ganzen Wortspiele darüber, dass nun ausgerech- net ein Mann mit griechischem Namen die Rekordschuldenstadt Oberhausensa- nieren soll. „Mittlerweile kann ich das nicht mehr hören“, sagt Tsalastras. Andererseits ist es schon eininteressan- ter Vergleich, den man in diesen Tagen täglich irgendwo hört im Land: Die Fra- ge, obinNordrhein-Westfalenschongrie- chische Verhältnisse herrschen. Von den 430 Kommunen imLand haben nach An- gabendes Innenministeriums nur acht ei- nen ausgeglichenen Haushalt. Fast 140 Städte müssen dagegen mit einem Nothaushalt operieren, sind also so hoch verschuldet, dass ihnen die übergeordne- te Behörde einen Sparkommissar an die Seite stellt, der alle Ausgaben, Beförde- rungen und Einstellungen überwacht. Es ist eine Art Fremdherrschaft. Die ersten Banken haben angekün- digt, den NRW-Kommunen keine Kredi- te mehr zugeben. Bei anderen steigen die Zinsen. Oberhausen hat mit 1,8 Milliar- den Euro Schulden mittlerweile mehr Verbindlichkeiten als Vermögenswerte, ist mehr in den Miesen als die Gebäude und Infrastruktur der Stadt bewertet werden. Bei vielen Privatpersonen wäre das der Moment der Pfändung. Dennoch sei der Griechenland-Vergleich falsch, sagt Tsalastras. „Die Griechen haben über ihre Verhältnisse gelebt, wir im Ruhrgebiet haben ein Strukturpro- blem.“ Oberhausen hat in den vergange- nen Jahrzehnten 50 000 Arbeitsplätze in der Stahlindustrie verlorenundnur weni- ge dazugewonnen, die Arbeitslosigkeit liegt bei elf Prozent. Gegenüber demEin- kaufszentrum Centro, auf dem Gelände eines ehemaligen Stahlwerkes, wollten die Stadt ein Internationales Gesund- heitszentrum gründen, die Zuschüsse wurdennicht bewilligt. Jetzt sindimmer- hin ein paar Spielhallen dort hingezo- gen. ImFrühjahr wollte sie dann wenigs- tens die Marktstraße inder Innenstadt sa- nieren, für 100 000 Euro aus einem För- derprogrammdes Landes. Aber auch das klappte bisher nicht, weil Oberhausen den Eigenanteil von 20 000 Euro nicht aufbringen kann. „So sparen wir uns zu Tode“, sagt Tsalastras. Er trägt einen schwarzen Anzug mit rotemInnenfutter, was sichgut macht inseiner zweitenAuf- gabe als Kulturdezernent der Stadt. Er muss aber auch den Kulturleuten sagen, dass es weniger Zuschüsse geben wird. So wie für alle weniger Geld da ist: Für die Schulen, die Friedhöfe, die Busse, die von 21 Uhr an schon im Nachtfahrplan unterwegs sind. „Wenn wir immer nur weiter sparen und kürzen und alles dicht machen müssen, dann will hier auch nie- mand mehr leben“, sagt Tsalastras. Jah- relang hätten Bund und Land die Aufga- ben nach unten durchgereicht und die Städte dafür bezahlenlassen: Ganztages- betreuung, Sozialausgaben, die Program- me für Kinder ohne Schulabschluss – die Reparaturkosten an der Gesellschaft. Jetzt will zumindest das Land helfen und hat einen „Stärkungspakt Kommu- nalfinanzen“ entwickelt, der bald im Landtag beschlossen werden soll. Die 34 ärmstenKommunen erhalten vondiesem Jahr an 350 Millionen Euro jährlich aus dem Landeshaushalt. Von 2014 an gibt 320 Millionen Euro an weitere Kommu- nen, die von reichen Städten wie Düssel- dorf in einen Solidarfonds fließen sollen. Dafür verpflichten sich die Schulden- städte, bis 2020 einen ausgeglichenen Etat aufzustellen. Es ist die Frage, ob das realistisch ist. Oberhausen müsste 100 Millionen Euro pro Jahr sparen. Wenn man fast alle städtischen Angestellten entlassen würde, käme man in etwa auf diesen Betrag. Manche halten den Kom- munalfonds deshalbauchfür zuklein, ei- ne Art bessere Sterbehilfe. „Es ist einAn- fang, eine Motivation“, sagt Kämmerer Tsalastras. Bisher habe man in der Stadt eine Sparrunde nach der anderen aufge- legt und stand am Ende doch mit immer größeren Defiziten da. Andere halten die Hilfen für unge- recht, weil sie jene Kommunen belohnen würden, die schlecht gewirtschaftet ha- ben. Essens Finanzchef hat schon mal vorgeschlagen, Oberhausendoch mit sei- ner Stadt zusammenlegen. Düsseldorfs Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) will notfalls gegen den Sozialfonds kla- gen und nicht für die Fehler anderer be- zahlen. Es ist ein Kampf zwischen Arm und Reich. Das Ruhrgebiet bezeichnet sichgern als eine der größten Metropolen Europas, letztlich sind die Städte aber meistens nicht zur Zusammenarbeit be- reit, jeder will sein eigenes Theater und sein eigenes Schwimmbad behalten. Das kostet. Es gibt Gemeinden, die sich ganz gut eingerichtet haben in dieser Situati- on, die damit kalkulieren, dass immer je- mand kommt, der aushilft, die eine Sub- ventionsmentalität entwickelt haben, die von Generation zu Generation weiter gegeben wird. Die meisten Kommunen sparenundentlassen aber schonseit Jah- ren. Eine Ende ist nicht in Sicht. Auch Tsalastras arbeitet schon wieder an der nächsten Sparrunde für Oberhau- sen und steht vor der Aufgabe, so zu kür- zen, dass es die Menschen möglichst nicht merken. Sie merken es aber doch, wenn sie durch ihre Heimat fahren, die oft so aussieht, wie die DDR kurz nach der Wende. Man hört das überall, bei al- len Parteien in Nordrhein-Westfalen: Den Wunsch, dass die Solidarität nicht mehr nachHimmelsrichtung verteilt wer- den dürfe, sondern nach Bedürftigkeit. Oberhausen hat in den vergangenen 20 Jahren256 MillionenEuro inder Soli- darfonds Ost eingezahlt, finanziert durch Kredite, die die Stadt nun erdrü- cken. Man sieht es ihr an. Von Gui do Bohsem Berlin – Fritz Kuhn wirkt ziemlich gelas- sen, vielleicht sogar fröhlich. Letzteres kann täuschen. Gerade erst wurde er mit bescheidenemErgebnis zumVize-Frakti- onschef wiedergewählt. Was ihnnicht da- von abhält, das Programm der Grünen weiter umzukrempeln, und deshalb ist die Gelassenheit an diesem Mittwoch echt. Gemessen jedenfalls daran, dass er eine Überraschung zu verkünden hat: Seine Partei wolle nicht mehr für den Aufbau einer Kapitalreserve in der Pfle- ge plädieren und damit ein bislang zen- trales Anliegen fallen lassen. Die Frakti- onwerde nochberaten. „Ichgehe aber da- von aus, dass wir die demografische Re- serve aufgeben“, sagte Kuhn. Kuhn und auch die grüne Pflege-Ex- pertin Elisabeth Scharfenberg halten den Verzicht auf die jahrelang erhobene Forderung für wohlbegründet. Man habe für die demografische Reserve plädiert, umdie Nachhaltigkeit imSystemzustei- gern. Ein Gutachten des Pflege-Exper- ten Heinz Rothgang entlarve die aber als Schein-Nachhaltigkeit, argumentierte Kuhn, und Scharfenberg fügte hinzu: „Wenn man so klare Botschaften be- kommt, muss man sich dem stellen.“ Wie also sehen diese Botschaften aus? In seinem Gutachten führt Rothgang im Wesentlichen drei Argumente gegen ei- nen Kapitalstock ins Feld. Der in Bre- men lehrende Professor geht erstens da- von aus, dass der demografische Wandel auf Dauer für höherenKosteninder Pfle- geversicherung sorgen wird. Weil die Kosten aber nicht sinken, werde eine über dreißig Jahr aufgebaute Reserve den Beitragsanstieg nur anfangs verhin- dern. Bestenfalls funktioniere das zwei Jahrzehnte lang. Spätestens dann aber sei die Reserve aufgebraucht, undder Bei- trag steige sprunghaft an, ganz so, als ha- be es nie eine Reserve geben. Zweitens betrachtet Rothgangdie Pfle- geversicherung nicht alleine, sondern den Gesamtstaat. Mit diesem Blick, so der Pflegeexperte, stelle sich eine Kapi- talreserve als ineffizient heraus. Denn für denStaat – unddamit auchseine Bür- ger – sei es günstiger, die teuer verzinste Gesamtverschuldung abzubauen als auf die Renditen aus der demografischen Re- serve zu setzen. Denn die möglichen Ein- nahmen seien sicherlich niedriger als die Kosten der Zinszahlungen. Ein Kapital- stock sei deshalb ökonomisch unsinnig. Schließlich befürchtet Rothgang, dass die Pflege-Reserve von den regierenden Parteien angezapft werde, ehe sie über- haupt aufgebaut werden könnte. Es sam- melten sich in dem Kapitalstock mit der Zeit mehr als 230 MilliardenEuro an. An- gesichts der Größe wachse das Risiko, dass der Fonds zweckentfremdet werde. Interessant ist Rothgangs Expertise ne- benbei auch, weil CDU, CSU und FDP über dieses Thema seit Monaten streiten – und das vermutlich noch länger tun werden. Unter anderem deshalb hat Ge- sundheitsminister Daniel Bahr die Vorla- ge der von ihm und seinem Vorgänger, FDP-Chef Philipp Rösler, angekündigte Pflegereformmehrmals verschiebenmüs- sen. Weil auch Bahr befürchtet, dass die Pflege-Reserve missbraucht werden kann, will er sie über eine private Versi- cherung aufbauen. Das Kapital wäre so dem Zugriff des Staates entzogen. Für einen Kapitalstock spricht sich auchdie Unionaus, stärker die CDU, we- niger begeistert die CSU. Beide gemein- sam lehnen jedoch die FDP-Vorstellun- gen ab, wie er ausgestaltet werden soll. Stattdessenplädierensie für eine Vorsor- ge innerhalbder gesetzlichenPflegeversi- cherung. Am Freitag wollen die Partei- undFraktionsvorsitzendendarüber bera- ten. Auf Rothgangs Argumente werden sie wahrscheinlich nicht hören. V or einpaar Tagenbat Claudia Grau im Nürtinger Gemeinderat um das Wort. Sie hatte etwas klarzustellen: „Nach wie vor“, sagte sie, „stehe ich als OB-Kandidatin nicht zur Verfügung.“ Grau wehrt sich tapfer, aber alles Weh- ren könnte vergeblich sein. Ob sie zur Verfügung steht, ist vielen Nürtingern nämlich herzlich egal: Die 47-Jährige läuft ernste Gefahr, am Sonntag zur Oberbürgermeisterin der 40 000-Ein- wohner-Stadt gewählt zu werden. Dabei wird Claudia Grau nicht ein- mal auf dem Wahlzettel stehen. Die Bürger könnenkeinKreuz hinter ihrem Namen machen; sie müssten ihn auf den Stimmzettel schreiben. Und am Besten noch weitere Informationen, die es erlauben, sie klar zu identifizieren. ZumBeispiel ihr aktuelles Amt: Kultur- bürgermeisterin. Zu viel verlangt? Nicht wirklich. In der ersten Runde der OB-Wahl am 9. Oktober, bei der kein Bewerber eine absolute Mehrheit er- reichte, stand der Name Claudia Grau– klar identifizierbar – schon auf 709 Wahlzetteln. Das bedeutete 5,8 Pro- zent für die Nicht-Kandidatin. Schon das löste große Aufregung aus. Aber dann ging es ja erst richtig los. Viele Nürtinger waren ohnehin nicht recht glücklich mit den Kandidaten, die ihnen die Parteien präsentiert hat- ten. Der amtierende OB Otmar Heirich vonder SPDhatte umfassendenBürger- zorn auf sich gezogen, als er das Logis- tikzentrum eines Bekleidungsherstel- lers erst gegen erbitterten Widerstand durchsetzte und dann die Zusage des Unternehmens verlor. Der CDU-Bewer- ber hat mit noch umfassenderem Bür- gerspott zu kämpfen: Nicht für eine Doktorarbeit, aber immerhin für einen Leserbrief hat er großzügig von ande- ren abgeschrieben. Dann wurde auch noch bekannt, dass er eine private Ben- zinrechnung mit der Tankkarte seines Arbeitgebers bezahlt hatte. Ein Nürtinger Programmierer, „Durchschnittsbürger“ nennt er sich, beschloss also, die Sache selbst in die Hand zu nehmen: Wenn heutzutage an- derswo Revolutionen im Internet ge- wonnenwerden, sollte dochso eine klei- ne OB-Wahl zwanzig Kilometer südöst- lich von Stuttgart kein Problem sein. Der Rebell von Nürtingen und seine Mitstreiter wollten aber nicht nur ein Zeichen des Protests setzen. Sie über- legten, wem sie den OB-Job denn ei- gentlich zutrauten – und stießen auf die beliebte, parteilose Kulturbürgermeis- terin. Die Internet-Kampagne, die sie vor dem ersten Wahltermin lostraten, war noch so etwas wie ein Spiel. Doch jetzt ist das Spiel ernst geworden. Nicht nur auf Facebook und in anderen sozialen Netzwerken wird für Claudia Grau geworben, auch die gute alte Hauswurfsendung darf zur Online-Re- volutionbeitragen. Der Grünen-Kandi- dat, der im ersten Wahlgang gut zehn Prozent erreicht hatte, rief die Bürger auf, nun Grau zu wählen. Auch andere wichtige Figuren der Stadtgesellschaft erklärten ihre Unterstützung. Sie alle sehen eine echte Chance für die Kandidatin wider Willen: 4900 Stimmen, 40 Prozent, erhielt OB Hei- rich im ersten Wahlgang. Diese Marke sei für Grau dank der neuen Dynamik nicht unerreichbar, glaubt der Tübin- ger Politikwissenschaftler Hans-Georg Wehling, dessenWort viel gilt inBaden- Württemberg. Im zweiten Wahlgang dürfen alle Kandidaten des ersten wie- der antreten, für den Sieg reicht aber jetzt eine einfache Mehrheit. Grau be- tont, dass sie an „ihrem“ Wahlkampf in keiner Weise beteiligt sei, und ihr Ver- hältnis zu OBHeirich sei blendend. Zur Frage, ob sie die Wahl annehmen wür- de, wenn sie gewinnt, sagt Grau nichts. Ihre Anhänger schließen daraus, dass sie im Fall der Fälle am Sonntagabend Ja sagen würde. Roman Deininger Kritik an Waffenexport nach Nordafrika 1,8 Milliarden Euro Schulden Oberhausen ist die Stadt mit den höchsten Verbindlichkeiten in Deutschland – wie der Kämmerer die Kommune vor dem Ruin bewahren will Düsseldorf – Die IGMetall fordert sieben Prozent mehr Geld für die 75 000 Stahl- kocher in Nordrhein-Westfalen, Nieder- sachsen und Bremen. Auf diese Forde- rung in den anstehenden Tarifverhand- lungen habe sich die Tarifkommission der Gewerkschaft in Sprockhövel (Enne- pe-Ruhr-Kreis) geeinigt, teilte die IGMe- tall am Mittwoch in Düsseldorf mit. Die Beschäftigten hätten 2011 ordentliche Wertzuwächse geschaffen, begründete der IG Metall-Bezirksleiter NRW, Oliver Burkhard, die Forderung. Die Tarifver- handlungen beginnen an diesem Freitag in Düsseldorf. Für die Auszubildenden will die IG Metall die unbefristete Über- nahme nach der Ausbildung durchset- zen, für Ältere einen verbesserten An- spruch bei der Altersteilzeit. dpa Düsseldorf – Die Piratenpartei legt inder Wählergunst immer stärker zu. Wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten For- sa-Umfrage im Auftrag von Stern und RTLhervorgeht, würdenzehnProzent al- ler Deutschendie Partei wählen, die kürz- lich ins Berliner Abgeordnetenhaus ein- gezogen war. Damit legt die Partei in der wöchentlichen Befragung um zwei Pro- zentpunkte zu und erreicht erstmals ei- nen zweistelligen Wert. Die Union ver- harrt bei 31 Prozent. Die FDP rutscht ei- nen Prozentpunkt auf drei Prozent ab. SPD(26 Prozent) und Grüne (16 Prozent) büßten jeweils einen Prozentpunkt ein und kämen bei einem Bündnis zusam- men nur noch auf 42 Prozent. Für die Grünen war dies bei der Umfrage der niedrigste Wert seit der Atomkatastro- phe von Fukushima Mitte März. Reuters Berlin – FDP-Chef Philipp Rösler hat ein weiteres Mal angedeutet, dass die FDP dabei ist, sich vomGedanken einer spür- baren Steuerentlastung zu verabschie- den. In einem Beitrag für das Handels- blatt vomMittwoch schrieb Rösler, „zen- tral“ seienEntlastungenbei denverdeck- ten Steuererhöhungen, der sogenannten kalten Progression. Rösler schlug die Er- stellung regelmäßiger „Steuerberichte“ andenBundestagvor, auf derenGrundla- ge dannEntscheidungenüber denschritt- weisen Abbau solcher „leistungsfeindli- cher“ Elemente getroffen werden könn- ten. Auf die Frage, obdies nun„Steuerbe- richte statt Steuerentlastungen“ bedeu- te, sprach FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle von „einer sinnvollen innovati- venFormulierung“ Röslers. Steuerentlas- tungen ohne einen solchen Bericht seien denkbar, aber angesichts der Haushalts- zahlen wenig wahrscheinlich. Die vor- sichtigen Absetzbewegungen der FDP- Führung bleiben in der Partei nicht ohne Widerspruch. Einer der energischstenBe- fürworter kräftiger Steuersenkungen bis hin zur Abschaffung des Solidaritätszu- schlags ist der Parteivize und sächsische Landeschef Holger Zastrow. ble Wertzuwächse geschaffen: Stahlkocher bei ThyssenKrupp in Duisburg. dpa Potsdam– Der unterlegene Bewerber um das Amt des Berliner Polizeipräsidenten, Klaus Keese, wird rechtliche Schritte ge- gen die Senatsentscheidung prüfen. Das kündigte sein Anwalt, Klaus Herrmann, am Mittwoch in Potsdam an. Zunächst wolle er Akteneinsicht bei der Innenbe- hörde beantragen, um zu erfahren, war- um nicht Keese, sondern der frühere Chef des Bundesgrenzschutzes Ost, Udo Hansen, die Stelle bekommen soll. Die Gründe für die Ablehnung seien Keese noch nicht mitgeteilt worden, sagte der Jurist. Lediglich das Ablehnungsschrei- ben habe er erhalten. Eine Sprecherin der Senatsinnenverwaltung bestätigte, dass Hansen Polizeipräsident werden soll. Keese hatte imJuli durch eine Klage vor dem Verwaltungsgericht den Stopp des ersten Besetzungsverfahrens wegen eines Verfahrensfehlers erzwungen. dpa Ohne geht es besser Grüne rücken von Kapitalreserve in der Pflegeversicherung ab – und geben ein zentrales Anliegen auf Berlin – Der Celler Generalstaatsanwalt Harald Range, 63, soll nach dem Willen der Bundesregierung neuer Generalbun- desanwalt und damit Nachfolger von Mo- nika Harms werden. Das Bundeskabi- nett fasste amMittwochdiesem„einstim- migen Beschluss“, wie ein Sprecher des Bundesjustizministeriums in Berlin sag- te. Harms war am 30. September nach mehr als fünfjähriger Amtszeit indenRu- hestand verabschiedet worden. Seitdem war der Posten des obersten deutschen Strafverfolgers vakant. Die jetzt noch notwendige Wahl Ranges im Bundesrat wird für den 4. November erwartet. Der zunächst vonder Bundesregierung nomi- nierte Stuttgarter Regierungspräsident Johannes Schmalzl (FDP) war amWider- standder SPDgescheitert. Schmalzl hat- te seine Bewerbung am23. September zu- rückgezogen, nachdem sich abgezeich- net hatte, dass er die Mehrheit imBundes- rat verfehlen würde. dapd Rösler im Rückwärtsgang IG Metall fordert Lohn-Plus Gerangel um Polizeispitze Kandidatin wider Willen Nürtinger Initiative will Kulturfunktionärin als Stadtoberhaupt Piratenpartei legt zu Kabinett nominiert Range Seite 8 / Süddeutsche Zeitung Nr. 242 HF2 Donnerstag, 20. Oktober 2011 POLITIK Die Stadt Oberhausenmuss Angesichts ihres gewaltigenSchuldenbergs sparen, sparenund nochmals sparen. Viele dringende Sanierungen könnennicht ausge- führt werden, öffentliche Gebäude verkommen, Straßen werden nicht mehr repariert. Foto: Dominik Asbach/laif Viel Zuspruch: Nürtingens Kulturbür- germeisterin Claudia Grau. Foto: oh Inland Auch der Gesundheitsminister befürchtet, dass der Kapitalstock missbraucht werden könnte. Von den 430 Kommunen im Land haben nur acht einen ausgeglichenen Haushalt. Von Chri sti ane Schl ötzer München – Die größten Demonstratio- nen seit Beginn der griechischen Finanz- krise bildeten am Mittwoch den Auftakt zu einem 48-stündigen Generalstreik, der praktisch das ganze Land lahmlegte. Seeleute, Fluglotsen, Lehrer, Finanzbe- amte und Taxifahrer erschienen nicht zumDienst, auch viele private Geschäfte blieben erstmals als Ausdruck des Pro- tests geschlossen. Mehr als 125 000 Men- schen zogen der Polizei zufolge in Athen, Thessaloniki, Patras und Heraklion in langen Demonstrationszügen durch die Straßen. Sie folgten damit Aufrufen der beiden größten Gewerkschaftsverbände für den öffentlichen Dienst und den Pri- vatsektor. In Athen kam es zu heftigen Straßenkämpfen zwischen vermummten Protestlern und Sicherheitskräften. Zu- vor hatteneinzelne Demonstrantenoffen- bar versucht, Gewalttäter abzudrängen. Die größte Kundgebung fand vor dem Athener Parlament statt, wo amDonners- tag über ein weiteres, heftig umstrittenes Sparprogrammder sozialistischenRegie- rung von Giorgos Papandreou entschie- denwerden soll. Dort kames auch zu den Auseinandersetzungen zwischen mas- kierten Steinewerfern und Sicherheits- kräften. Die Gewalttäter schleuderten Brandsätze auf die Auffahrt zu dem Ge- bäude und rissen Zäune nieder. Die Poli- zei reagierte mit Tränengas. Am Nach- mittagsahdie Umgebungdes Abgeordne- tenhauses aus wie ein Schlachtfeld. Die große Mehrheit der Demonstran- ten protestierte aber friedlich. „Unfair, unsozial und ineffizient nannte der Chef des Gewerkschaftsverbandes GSEE die geplantenMaßnahmen, zudenenauchei- ne Immobiliensteuer für alle gehört. Zu- dem sollen 30 000 Staatsbedienstete als „Arbeitsreserve“ nur noch 60 Prozent ih- res Gehalts erhalten und nach einem Jahr entlassen werden. Erstmals seit 100 Jahren soll die Kündigung von Staatsbe- amten gesetzlich möglich werden. Ohne das Sparprogramm dürfte Grie- chenland kaum die dringend benötigten weiteren Milliardenhilfen der EU und des Internationalen Währungsfonds er- halten, über die amkommendenWochen- ende auch auf dem EU-Sonder-Gipfel in Brüssel beraten werden soll. Besonders umstritten ist eine Ände- rung imArbeitsrecht, die kleinen Betrie- ben ermöglichen soll, Tarifverträge zu unterbieten. Dies geschieht in der Praxis zwar schon jetzt häufig, aber Arbeitneh- mer können noch vor Gericht dagegen klagen. Dies wäre künftig nicht mehr möglich. Die frühere Wirtschaftsministe- rin Louka Katseli, Mitglied der Regie- rungspartei Pasok, hat bereits angekün- digt, dass sie die Änderung nicht mittra- gen wird. Damit schrumpft die ohnehin knappe Mehrheit der Pasok noch weiter. Die Partei verfügt über 154 von 300 Par- lamentssitzen. Am Dienstagabend hatte Papandreou vergeblich versucht, den konservativen Oppositionsführer Antonis Samaras zur Unterstützung der Regierung zu bewe- gen. Der sagte nach dem kurzen Treffen, er sei Papandreous Bitte nach einem Ge- spräch nur gefolgt, weil die Lage in Grie- chenland „wirklich ernst ist“. Samaras machte aber klar, dass seine Partei der Regierung nicht helfen wolle, ihr Pro- gramm im Parlament durchzusetzen. Papandreou versucht nun, die eigenen Reihen mit aufrüttelnden Reden zu schließen. Vor den Pasok-Abgeordneten attackierte er dabei auch die griechi- schen Banken, die sich gegen einen um- fassenden Schuldenschnitt wehren wür- den. Zur Begründung meinte Papan- dreou, die Banker, deren Geldhäuser dann zur Verstaatlichung anstünden, fürchteten um lukrative Boni. Über ein Steuerabkommen mit der Schweiz will Athen einen Teil der Gelder wiederbeschaffen, die vermögende Grie- chen ins Ausland getragen haben. Nach Expertenschätzungen soll es sich bei demseit März 2010 abgeflossenenVermö- gen um rund 200 Milliarden Euro han- deln. Die Schweizer Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey hält diese Schät- zungen allerdings für weit überhöht. Auch amDonnerstag soll der General- streik fortgesetzt werden. Alle Beamten sind weiterhin aufgerufen, nicht zum Dienst zu erscheinen. Nach wie vor sind in Athen auch die Zugänge zu vielen öf- fentlichen Gebäuden von Protestieren- den blockiert, trotz der Drohung von Re- gierungsmitgliedern, Teilnehmer solcher Aktionen, sofern es sich umBeamte han- delt, zu entlassen. Inzwischen wurden auch Müllmänner in Athen dienstver- pflichtet. Dem kamen diese aber offen- bar nicht nach – offenbar auch aus Furcht, sie könntenandernfalls vonStrei- kenden oder Demonstranten angegriffen werden. (Seite 4) Zürich - Die Serben im Norden Kosovos lehnen es trotz eines Ultimatums der Nato-Friedenstruppe Kfor ab, die Stra- ßenblockaden zu räumen. Vertreter der serbisch besiedelten Gemeinden stellten am Mittwoch mehrere Forderungen, die kaum zur Beruhigung der Lage beitra- gen dürften. Sie verlangen von Belgrad, die Präsenz der EU-Rechtsstaatsmission Eulex in Nordkosovo abzulehnen und das Gebiet erneut unter UN-Verwaltung zustellen. So wolle man verhindern, dass die Regierung in Pristina Zöllner an zwei Grenzübergänge zu Serbien stationiert. EinLokalpolitiker sagte, man werde kei- nenfreienReiseverkehr erlauben. Anbie- ten könne man aber eine kontrollierte Öffnung der Straßen für die Nato-Trup- pen. Damit suchen die serbischen Extre- misten bewusst die Kraftprobe mit aus- ländischen Soldaten. Serbiens Staatschef Boris Tadic for- derte seine Landsleute auf, die Straßen- sperren für die Kfor zu räumen. Gleich- zeitig ermunterte er die Serben, den Kampf gegen die Unabhängigkeit Koso- vos fortzusetzen. Belgrad werde sie wei- terhin „politisch und finanziell“ unter- stützen. Tadic hat seit der Abspaltung der Ex-Provinz vor drei Jahren die Paro- le „Kosovo und die EU“ verkündet. Das heißt: Serbien will EU-Mitglied werden, aber seinen Anspruch auf Kosovo nicht aufgeben. Diese Haltung hat sichals Illu- sion erwiesen, weil Brüssel keine offenen Konflikte importieren will, wie im Falle Zyperns schon geschehen. Auch haben mehrere EU-StaatenBelgradzuletzt aus- drücklich aufgefordert, eine konstrukti- ve Rolle im Kosovo-Konflikt zu spielen. Doch bisher ist nichts geschehen. Viel- mehr sprechen Vertreter der serbischen Regierung offen über die Teilung Koso- vos. Das neueste Zauberwort lautet „Ab- grenzung“. Darunter ist der Anschluss der serbischbesiedeltenGebiete inNord- kosovo an Serbien zu verstehen und ein exterritorialer Status für serbische Ge- meinden und Klöster in Restkosovo. In Serbien wird diese Strategie immer mehr inFrage gestellt. Der ehemalige Au- ßenminister VukDraskovic erklärte kürz- lichin Anspielung auf die unverrückbare Unabhängigkeit Kosovos, Serbien könne nicht etwas verlieren, was schon verlo- ren sei. Deshalb müssten die Politiker dem Volk die Wahrheit sagen. Drasko- vic, dessenPartei Teil der Regierungskoa- lition ist, setzt sich für die Annahme des Ahtisaari-Plans zur Staatswerdung Ko- sovos ein. Der finnische Friedensnobel- preisträger Martti Ahtisaari hatte weit gehende Autonomierechte für die Serben in Kosovo vorgeschlagen. Schwere Vor- würfe gegen die Regierung und Staats- chef Tadic erhebt auchder bekannte Poli- tikexperte Milan Nikolic. In einemInter- view mit der Zeitung Blic sagte Nikolic, der Kampf um Kosovo sei nur ein Ablen- kungsmanöver, weil die Politiker nicht willens seien, gegendie Kriminalität vor- zugehen. Laut Nikolic zeigenalle Umfra- gen, dass 70 Prozent der Serben über- zeugt sind, dass Kosovo verloren ist. Für Serbien ist das Kosovo-Engage- ment sehr kostspielig. Gemäß einer Stu- die des Belgrader Zentrums für prakti- sche Politik hat der Staat seit dem Ende des Krieges vor zwölf Jahren mit etwa sechs MilliardenEuro die illegalen serbi- schen Verwaltungen in Kosovo unter- stützt. Mit anderen Worten: Jeder der acht Millionen Bürger Serbiens zahlt pro Sekunde 16 Euro für den Erhalt Koso- vos. Kurz vor dem Zerfall Jugoslawiens vor 20 Jahren hatte der Dichter Matija Beckovic in einem Gedicht Kosovo als „das teuerste serbische Wort“ bezeich- net. Mit demVers wollte er damals das ex- treme Nationalbewusstseinseiner Lands- leute stärken. Heute erleben viele Serben das Gedicht nur noch als zynische Eska- pade. Enver Robelli Von Marti n Wi nter Brüssel – Während die Euroländer noch darumringen, ihre Schulden in den Griff zu kriegen und ihre Haushalte zu sanie- ren, hat die EU-Kommissionein50 Milli- arden Euro schweres Programm für In- vestitionen in „transeuropäische Netze“ beschlossen. Manmüsse jetzt „die Bedin- gungen für Wachstum schaffen“, sagte Kommissionspräsident José Manuel Bar- roso am Mittwoch bei der Vorstellung von Projekt-Bonds für den Ausbau von Transportwegen, Energieleitungen und Breitbandkabeln. Dieses Paket sei eine „Anzahlung auf die Zukunft“. Da das Programm aber, vorausgesetzt die Mitgliedsländer stimmen ihmzu, erst mit dem neuen Finanzrahmen 2014 bis 2020 beginnen kann, plädiert die Kom- mission für eine „Pilot-Phase“, die sofort gestartet werden könnte. Sie soll mit 230 Millionen Euro aus dem laufenden EU- Budget ausgestattet werden. Währungs- kommissar Olli Rehn erhofft sich einen Anreiz für Investitionen von bis zu 4,6 Milliarden schon ab 2012. Die Projekt-Bonds sollen nach dem Willen der Kommission wie Risikoversi- cherungen für Geldgeber funktionieren. Damit könntenInvestitionenin die Infra- struktur befördert werden, die zwar mit- tel- bis langfristig Gewinn abwerfen, „kurzfristig aber Risiken während der Bauphase und den ersten Betriebsjah- ren“ mit sichbringen, wie es in einemPa- pier der Kommission heißt. Investoren wie etwa Rentenfonds oder Versiche- rungsunternehmen sollen damit ange- lockt werden, dass 20 Prozent ihres Aus- fallrisikos über den Projektfonds der EU abgesichert wird. Die über die sieben Jahre des Finanz- rahmens verteilten 50 Milliarden Euro sollen folgendermaßen aufgeteilt wer- den: Mit 31,7 Milliarden Euro sollen Lü- cken in den europäischen Transportwe- gengeschlossenwerden. Nach Schätzun- gen der Kommission muss Europa bis zum Jahr 2020 rund 500 Milliarden Euro inseine Straßen, HäfenundSchienenver- bindungen investieren, wenn es funktio- nierende „Europäische Netze“ haben will. Alleindie Hälfte dieser Summe müs- se aufgewandt werden, um „Engpässe und Lücken“ zu beseitigen, rechnete der für Transport zuständige Kommissar Si- im Kallas vor. Der Güterverkehr in der EU werde bis zum Jahr 2050 um 80 Pro- zent zunehmen, der Personenverkehr um 50 Prozent. Für InvestitionenindenEnergiesektor sollen 9,1 Milliarden Euro zur Verfügung stehen. Der zuständige Kommissar Gün- ther Oettinger will sie vor allem für neue Stromleitungen nutzen, etwa von großen Windparks in der Nordsee oder für Ener- gieleitungen durch das Mittelmeer. Fi- nanziert werden soll auch die Beseiti- gung von Lücken im Netz der Öl- und Gaspipelines, umdie Versorgungssicher- heit in Europa zu verbessern. In die Telekommunikation und in die Verbreitung des Internets will die Kom- mission insgesamt 9,2 Milliarden Euro stecken. Dabei wird das meiste Geld wohl in den Ausbau der Breitbandkabel fließen. Die Kommission hat sich näm- lich schon in einem früheren Beschluss das ehrgeizige Ziel gesetzt, dass „alle“ Europäer imJahre 2020 einenInternetzu- gang mit der Mindeststärke von30 Mega- byte (MB) haben sollen, wobei die „Hälf- te der Haushalte“ sogar mit über 100 MB versorgt werden sollen. Das ehrgeizige Vorhabender Kommis- sion hängt nun davon ab, ob die Mit- gliedsländer sich bei ihren im kommen- den Jahr beginnenden Finanzverhand- lungen darauf einigen können. Da die EU-Staaten den europäischen Haushalt auf keinen Fall erhöhen wollen und ein Sondertopf außerhalbdes regulärenBud- gets unter anderen von Deutschland strikt abgelehnt wird, müssen die 50 Mil- liarden aus den bisherigen Einzeletats kommen. Der Plan der Kommission, zehn Milliarden aus den Strukturmitteln abzuzweigen, trifft vor allembei den ost- europäischenMitgliedsländernauf Skep- sis. Sie sinddie hauptsächlichenNutznie- ßer der Strukturhilfen. Die Vorschläge der Kommission wur- denvonBundeswirtschaftsminister Phil- lipRösler zwar begrüßt. „Die Überlegun- gen der Kommission gehen hier in die richtige Richtung.“ Aus diplomatischen Kreisen war aber zu hören, dass Berlin die Details der Vorschläge noch sehr ge- naudarauf prüfenwill. Sowolle Deutsch- land sicherstellen, dass keine zusätzli- chen Finanzrisiken für die Mitgliedslän- der entstehen, dass das Verschuldungs- verbot für die EU eingehalten wird und dass nur solche Projekte gefördert wer- den, für die eine private Finanzierung nachweisbar nicht möglich sei. (Bayern) Land im Ausstand In Griechenland kommt es zu den größten Demonstrationen seit Beginn der Finanzkrise Von Cersti n Gammel i n und Andrea Bachstei n Brüssel – Der italienische Premier Silvio Berlusconi reiste bisher stets mit leich- tem Gepäck zu EU-Spitzentreffen nach Brüssel. Verbissen sich seine europäi- schen Kollegen dort in allzu ernsthafte Debatten, packte er seine Mitbringsel aus. Mal stimmte er unverhofft ein Lied- chen an, mal unterbrach er mit einem Witz – was ihm nicht nur betretenes Schweigen einbrachte. Noch vor zwei Jahrenfandes die Chefetage der Europäi- schen Kommission „ganz entspannend“, einen Berlusconi in der Runde der euro- päischenStaats-undRegierungschefs sit- zen zu haben. Endlich mal einer, „der nicht alles so wichtig nimmt“, hieß es. Inzwischen ist die einstige Wertschät- zung der italienischen Lässigkeit in ei- nen Albtraum umgeschlagen. Italien sei „das größten Problem der Eurozone, schlimmer als Griechenland“, sagt einho- her EU-Diplomat in Brüssel unmittelbar vor demamFreitag beginnendendreitäti- gen EU-Krisentreffen in der europäi- schen Hauptstadt. Doch es sind nicht die Rekordschulden des drittgrößten Euro- Landes, die denEuro-Rettern den Angst- schweiß auf die Stirn treibt, und auch nicht die schwächelnde Wirtschaft. Es ist die Regierung inRom, der das alles of- fenbar egal ist, die weiterhin so agiert, als sei die internationale Krise einNeben- schauplatz der Politik – und die damit die gesamte Währungsgemeinschaft in Bedrängnis bringt. Die italienische Lässigkeit schmerze längst andere Euro-Partner, sagt ein ho- her EU-Diplomat. Da ist zum Beispiel Belgien, einreiches Land, das trotz Regie- rungskrise indenletzten MonateneinRe- kordwachstum hinlegte und demnächst wieder eine richtige Regierung haben wird, die bereits ankündigte, die Neuver- schuldung unter die erlaubten drei Pro- zent, bezogen auf die Wirtschaftsleis- tung, zu drücken. Sogar diese positive Entwicklung werde überschattet vom großen Nachbarn Italien, der alles Ver- trauen der Bürger und der Märkte ver- spiele. „Der italienische Faktor spielt ei- ne große Rolle am Markt, also in der Be- wertung aller Euroländer“, sagen Unter- händler in Brüssel. WennBerlusconi andiesemWochenen- de zum Krisentreffen in die europäische Hauptstadt kommt, erwartenseine Kolle- gen, dass er Zusagen und Fakten auf den Tisch legt. „Italien ist das Hauptthema des Gipfels“, heißt es hinter verschlosse- nen Türen. Denn nur wenn Berlusconi endlich mithelfe, die Krise zu lösen, in- demer Reformenumsetze undspare, kön- ne es der Währungsgemeinschaft über- haupt gelingen, die Krise geschlossen zu überstehen. Andere EU-Diplomatenwer- den noch deutlicher. Italien dürfe sich „nicht darauf verlassen, dass wir das Land im Notfall retten, wenn es selbst nichts tut“. Sie klagendarüber, dass itali- enische Unterhändler schweigen, wenn in Brüssel die Kollegen aus allen Län- dern um Kompromisse ringen. Sogar das eher europaskeptische Großbritannien bringe „mehr konstruktive Vorschläge ein als Italien“. Mindestens zwei Zusagen wollen die Euro-Regierungen Berlusconi an diesem Wochenende in Brüssel abringen. Der Premier müsse versprechen, das im Au- gust beschlossenenSpar- undReformpa- ket von 52 Milliarden Euro endlich auch umzusetzen. Bisher stehe alles nur auf Pa- pier, das reiche aber nicht. Zudemmüsse sich Berlusconi bereiterklären, zusätzli- che Maßnahmen zu ergreifen, umdie aus Brüssel vorgegebenen Sparziele zu errei- chen. „Wir erwarten, dass die italieni- sche Regierung so klar wie möglich ihre finanzpolitische Strategie beschreibt“, sagt ein hoher EU-Diplomat. Berlusconi zeigt sich allerdings weiter unwillig. AmDienstagabendrückte er er- neut von seinen eigenen Zielen ab. Das Geld, die Wirtschaft zu fördern, sei „nicht da“, verkündet er in Rom. Die Re- gierung versuche, sich„irgendetwas aus- zudenken“. Dass gerade die Kreditwür- digkeit von zwölf Banken seines Landes herabgestuft wurde, erwähnt er nicht. Er sagt auchnicht, obdie Finanzinstitute ge- rüstet sind, umVerluste aus griechischen Anleihen zu verkraften. Kürzlich haben Industrie, Versicherungen, Banken und andere Branchen ein Manifest mit fünf Punkten für Maßnahmen vorgelegt. Ge- antwortet hat die Regierung nicht. Berlu- sconi ließ lediglichausrichten, einWachs- tumsprogramm werde vorgelegt, wenn ein überzeugender Inhalt erarbeitet ist. „Ich habe keine besondere Eile.“ Warschau – Einen Tag nach der Ausla- dung des ukrainischen Staatspräsiden- ten Viktor Janukowitsch durch die EU- Kommission in Brüssel hat Kiew die ers- ten Schritte zur Wiederannäherung an Moskauunternommen. Sowohl die Präsi- denten, als auchdie Premierminister bei- der Länder trafen zusammen. Der ukrai- nische Regierungschef Mikola Asarow teilte in St.Petersburg mit, beide Seiten stünden kurz vor einer Einigung in dem langanhaltenden Streit über die Liefe- rung von russischemErdgas. Moskau hat bislang Preisnachlässe für die Ukraine vomBeitritt zu einer Zollunion abhängig gemacht. Janukowitsch erklärte bei ei- nem Treffen mit dem russischen Präsi- denten Dmitrij Medwedjew in der ost- ukrainischen Industriestadt Donezk, Ki- ew werde dieses Angebot sorgfältig prü- fen. Medwedjewergänzte, eine gleichzei- tige Mitgliedschaft in der Zollunion und der EU sei unmöglich. Wenige Stunden zuvor hatte der russische Premier Wladi- mir Putin erklärt, acht der ursprünglich fünfzehn ehemaligen Sowjetrepubliken seien nach der Unterzeichnung eines Ab- kommens über die Schaffung einer Frei- handelszone politisch näher zusammen- gerückt. Zu den Unterzeichnern gehörte auch die ukrainische Regierung. Russische Medien werteten das Ab- kommen als ersten Schritt zu einer „Eu- rasischen Union“, wie sie Putin anstrebt. Die Kiewer Tageszeitung Kommersant Ukraina berichtete, die Mitglieder der russischenDelegationhättenbei denVer- handlungen über ein neues Gasabkom- men unverhohlen ihrer Freude über den Konflikt zwischen Kiew und der EU- Kommission freien Lauf gelassen. Die UnterredungenzwischenBrüssel und Ja- nukowitschüber einbereits ausgehandel- tes Assoziierungsabkommen mit der EU waren abgesagt worden, da nach Mei- nung der EU-Kommission die Ukraine keine Schritte zur Aufhebung des Urteils gegen die frühere Regierungschefin Julia Timoschenko unternimmt. Diese war we- gen eines 2009 angeblich schlecht ausge- handelten Gasvertrags mit Moskau zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. In Kiew verdichteten sich die Anzei- chen, dass die Führung um Januko- witsch keine Revision des Urteils, son- dern weitere Strafen für Timoschenko in Betracht zieht. Generalstaatsanwalt Vik- tor Pschonka, ein Gefolgsmann Januko- witschs, gab bekannt, dass gegen die Op- positionsführerin wegen Amtsmiss- brauchs, Steuerhinterziehung und Kor- ruption ermittelt werde. Sie habe als Re- gierungschefin Schulden des früher von ihr geführtenKonzerns „Vereinigte Ener- giesysteme“ indreistelliger Millionenhö- he aus dem Staatsbudget begleichen las- sen. Der Konzernhabe auch nach wie vor Schulden beim russischen Nachbarn. Überdies habe Timoschenko Mittel aus dem internationalen Fonds für Emissi- onsrechte rechtswidrig indie Rentenkas- se umgeleitet und einen Großauftrag für Krankenwagen zu überhöhten Preisen unterzeichnet. Nach Mitteilung der Pres- seagentur Interfax wurde die seit Anfang August inhaftierte Timoschenko wegen dieser AnschuldigungenamDienstag ver- hört. Pschonka teilte auch mit, seine Be- hörde überprüfe, ob die Einstellung der früheren Verfahren gegen Timoschenko im Jahr 2005 rechtens gewesen sei. Der Führer der prowestlichen Opposi- tionspartei „Front für den Wechsel“, Ar- senij Jazeniuk, warnte, eine Hinwen- dung zu Moskau sei eine „Sackgasse“. Es drohe der Verlust der Souveränität. Mos- kauverfolge einenlangfristigenPlan. Pu- tinhat wiederholt denZerfall der Sowjet- unionEnde 1991 als die „größte geopoliti- sche Katastrophe des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet. Dagegen sagte der Abgeord- nete Sergej Golowatyj von der Januko- witsch-nahen „Partei der Regionen“, das Freihandels-Abkommenoder die Erdgas- Verhandlungenbedeutetenkeine Neuori- entierung der Außenpolitik. Die EU-Mit- gliedschaft der Ukraine bleibe Ziel von Janukowitsch. (Seite 4) Thomas Urban Serben ignorieren Ultimatum Extremisten im Nord-Kosovo fordern Nato heraus Albtraum Italien Beim EU-Spitzentreffen am Freitag steht Berlusconi im Mittelpunkt – weil er das Sparpaket nicht umsetzt Kuscheln mit dem Kreml Nach Ärger mit der EU sucht die Ukraine Russlands Nähe Straßen, Schienen und Pipelines für Europas Aufschwung Brüssel will 50 Milliarden Euro für die „transeuropäischen Netze“ ausgeben – falls die Mitgliedstaaten dies überhaupt wollen Donnerstag, 20. Oktober 2011 HF2 Süddeutsche Zeitung Nr. 242 / Seite 9 POLITIK ANZEIGE Ein Wachstumsprogramm für die Wirtschaft? „Ich habe keine Eile“, sagt Berlusconi. Demonstranten in Athen protestieren amMittwoch gegen die Sparpläne der Re- gierung, die sie als unsozial empfinden. Foto: Yiorgos Karahalis/Reuters Freie Fahrt: VomAusbaudes Schienennetzes inEuropa würdenauch die Hochge- schwindigkeitszüge ICE und TGV profitieren. Foto: Jacques Demarthon/AFP Der Oppositionsführer will der Regierung nicht helfen, ihr Programm durchzusetzen. Belgrad steckte sechs Milliarden Euro in den Erhalt des Kosovo. Jetzt werden die Müllmänner der Hauptstadt dienstverpflichtet, aber sie kommen nicht zur Arbeit. www.sz-veranstaltungen.de Süddeutsche Zeitung Veranstaltungen Brauchen wir ein neues Transplantationsgesetz? Es diskutieren: Dr. Beate Merk Bayerische Staatsministerin der Justiz Prof. Dr. Bruno Meiser Leiter des Transplantationszentrums München der LMU Dr. Florian Schuller Direktor der Katholischen Akademie in Bayern Roland Kaiser und Dr. Jürgen Nehls berichten über ihre Erfahrungen Moderation: Siegmund Gottlieb, Chefredakteur des Bayerischen Fernsehens 25. Oktober 2011 19 Uhr Stadtsparkasse im Tal/ Ecke Sparkassenstraße Eintritt frei www.stadtforum.de Lissabon – In Portugal steht aus Protest gegen den Sparkurs der Regierung ein Generalstreik bevor. Die größte Dach- Gewerkschaft des Landes, CGTP, kün- digte am Mittwoch an, am 24. November zu streiken. Grund sei der Haushaltsent- wurf der Regierung für 2012. Die Mitte- Rechts-Regierung will Urlaubsgeld und Sonderzahlungen zum Jahresende für Mitarbeiter im öffentlichen Dienst für zwei Jahre aussetzen. „Zu diesem Zeit- punkt rechtfertigen die Verarmung des Landes, das Ausmaß der Rezession und der Arbeitslosigkeit sowie die Ungerech- tigkeiten, die wir sehen, denStreik“, sag- te CGTP-Chef Manuel Carvalho da Sil- va. „Wir müssen kämpfen, ohne zu zö- gern und tun, was nötig ist.“ Am selben Datum vor einem Jahr hat es in Portugal bereits einen Generalstreik gegeben. Die Proteste habensichindemhochverschul- deten Land bislang anders als in Grie- chenlandaber inGrenzengehalten. Aller- dings könnte sich dies ändern, wenn das Land wegen des Sparkurses nächstes Jahr in die Rezession abrutscht. Reuters Von Reymer Kl üver Washington – Es war der Aufstand der Underdogs. Inder bisher spannungsgela- densten TV-Debatte der republikani- schenPräsidentschaftskandidatenmuss- ten sich die beiden Favoriten in den Um- fragen, Mitt Romney und Herman Cain, am Dienstag teilweise scharfer persönli- cher Attacken ihrer fünf Rivalen erweh- ren. Vor allem der texanische Gouver- neur Rick Perry, der nach schwachen Auftritten in den jüngsten Debatten er- kennbar Boden wiedergutmachen woll- te, ging den Ex-Gouverneur Romney so aggressiv an, dass mitunter der Eindruck entstand, die verbale Auseinanderset- zung zwischen den beiden könnte in Tät- lichkeiten enden. Indes war es nicht das erste Mal, dass Romney sich der Angriffe seiner Mitbewerber erwehren musste, al- lerdings das erste Mal, dass er erkennbar die Souveränität zu verlieren drohte. Herman Cain dagegen kam das erste Mal ins Visier seiner Konkurrenten, die den schwarzen Selfmademan bisher nicht recht ernst genommen hatten. Die Debatte dürfte allerdings ein klares An- zeichen dafür sein, dass der meteorhafte Aufstieg des Außenseiter-Kandidaten in der Gunst vor allemrechter republikani- scher Wähler seinen Höhepunkt erreicht habenkönnte. Cainhatte injüngstenUm- fragen mit dem bisherigen Favoriten Romney praktisch gleichgezogen. Zu Beginn der Debatte fielen sämtli- che seiner Kontrahentenüber Cains soge- nannten„9-9-9- Plan“ her, dender frühe- re Chef einer Pizza-Kette als einfache Al- ternative zum heutigen, komplizierten US-Steuerrecht vorgelegt hat. Danach sollen die Einkommens- und Unterneh- menssteuern, die heute Sätze jenseits der 30 Prozent erreichen können, einheitlich auf neun Prozent gesenkt werden. Zum Ausgleich will Cain eine Mehrwertsteuer von neun Prozent einführen. Mehrwert- steuern gibt es in den USA bisher nicht auf Bundesebene, allenfalls in einzelnen Bundesstaaten. „Man braucht keine gro- ße Analyse, um herauszufinden, dass das nicht funktioniert“, sagte der texanische Gouverneur Perry. Doch vermutlich viel gefährlicher für Cain, der seinen Vorschlag als „einfach und fair“ verteidigte, dürfte eine Unter- suchungseines Plans durchdas unabhän- gige Tax Policy Center in Washington sein. Danach würde Cains Vorschlag ei- ne massive Umverteilung der Steuerlast von oben nach unten bedeuten. 95 Pro- zent aller Millionäre würdendanachjähr- lich 487 000 Dollar weniger an Steuern bezahlen. Das mittlere Haushaltseinkom- men in den USAliegt knapp unter 50 000 Dollar. Ein solcher Haushalt müsste nach Cains Vorstellungen bis zu 5000 Dollar mehr Steuern zahlen. „Das ist fis- kalischer Hokus-Pokus“, schreibt Ed- ward Kleinbard, ein Steuerexperte an der University of Southern California in Los Angeles, „er wirdals Niedrig-Steuer- Wundermittel präsentiert, in Wahrheit würde er aber die Steuerlast vieler Ameri- kaner deutlich erhöhen.“ Höhere Steu- ernaber sindindenAugender meistenre- publikanischen Wähler ein Tabu. Deshalb dürfte die Begeisterung für Cain in den kommenden Wochen wieder schwinden. Das, so das Kalkül im Lager RickPerrys, wirddanndie Stunde des te- xanischen Gouverneurs sein, wenn er sich als rechte Alternative zum Favori- ten Romney empfiehlt. Romney ist der konservativen republikanischen Partei- basis hochsuspekt. Viele haltenihnfür ei- nenOpportunisten, der konservative An- sichten nur vertritt, weil sie aufgrund des Erfolgs der Tea-Party-Bewegung ge- rade en vogue sind. Darauf spielte Perry eingangs der Debatte an, als er sich als „authentischen Konservativen“ empfahl undnicht als „Konservativenaus Zweck- dienlichkeit“. Perry, der Romney mehrmals unter- brach und nicht ausreden ließ, griff die persönliche Integrität seines Konkurren- ten an und warf ihm „Scheinheiligkeit“ in der Debatte über die illegale Einwan- derung vor, die vor allem die Parteirech- te sehr umtreibt. „Mitt, aus meiner Sicht verlierst du jedes Standing, weil Du selbst illegale Einwanderer beschäftigt hast“, sagte Perry direkt an Romney ge- wandt. Damit wärmte er eine Affäre auf, die Romney bereits im Präsidentschafts- wahlkampf vor vier Jahren belastet hat- te. Er hatte eine Gartenbaufirmabeschäf- tigt, die – ohne sein Wissen – Illegale be- schäftigt hatte. Romney reagierte herab- lassend: „Für Rick sind die letzten zwei Debatten nicht gut gelaufen, da verstehe ich schon, dass man gereizt reagiert.“ Portugal will streiken Paris – Die auf einer kenianischenFerien- insel verschleppte Französinist nachoffi- ziellen Angaben tot. Die Informanten, mit denen Frankreich an einer Freilas- sung gearbeitet habe, hätten die Todes- nachricht überbracht, teilte das Außen- ministerium in Paris am Mittwoch mit. Wann und wie die Französin ums Leben gekommen ist, blieb zunächst unklar. Es wird vermutet, dass die ältere Frau An- fang Oktober von Kämpfern der somali- schen Al-Shabaab-Miliz verschleppt wurde. Die Entführung sowie weitere Geiselnahmen hatten den Einmarsch ke- nianischer Truppen ins Nachbarland So- malia ausgelöst. Kenia befürchtet massi- ve EinbußenimmilliardenschwerenTou- rismusgeschäft, wenn Ausländer ver- schleppt werden, und will dies künftig verhindern. Seit Sonntag gehendaher ke- nianische Truppenzusammenmit somali- schen Soldaten gegen Stellungen der Al- Shabaab-Miliz vor. Im Mittelpunkt der Kämpfe stand zuletzt die südlich gelege- ne Stadt Afmadow. Reuters Washington– Die Regierung vonUS-Prä- sident BarackObama geht weiter hart ge- gen illegale Einwanderung vor. Mehr als 396 000 Menschen, so viele wie nie zuvor, seien in den zurückliegenden zwölf Mo- naten aus den USA abgeschoben wor- den, teilte die Einwanderungsbehörde am Dienstag mit. Washington betont aber, sich auf die Gesetzesbrecher unter den Illegalen zu konzentrieren anstatt auf unauffällig lebende Immigranten. So habe es sich bei mehr als der Hälfte der Deportierten um verurteilte Straftäter gehandelt. SchoninObamas erstenAmts- jahren lag die Zahl der Abschiebungen um die 390 000. Unter seinem Vorgänger George W. Bushwar sie nochdeutlichge- ringer, stieg aber stetig an. Obama hatte imWahlkampf 2008 eine Reformverspro- chen; so wollte er eine Aufenthaltserlaub- nis für Kinder illegaler Einwanderer ein- führen, was aber am Widerstand der Re- publikaner scheiterte. dpa Wien – Die Details über Kindesmiss- brauch im ehemaligen Wiener Kinder- heim Schloss Wilhelminenberg haben in Österreich den Ruf nach einer Bundes- kommission laut werden lassen. Bislang werden solche Fälle auf Bundesebene von einer Kirchenkommission unter- sucht, da die Affäre vor eineinhalb Jah- ren wegen Verfehlungen von Geistlichen und geistlichen Institutionen begann. Im Fall Wilhelminenberg soll es in den fünf- ziger Jahrensogar Todesfälle durchMiss- handlungen, Massenvergewaltigungen und Kuppelei gegen Geld gegeben ha- ben. Es melden sich immer mehr Zeugen und Betroffene. Eine Bundeskommission fordern die Grünen schon seit eineinhalb Jahren vergeblich, nun schließen sich die anderen Oppositionsparteien im Natio- nalrat an. Fk. Peking – China hat dem Dalai Lama we- gen einer Reihe von Selbstverbrennun- gen buddhistischer Mönche „Terroris- mus in Verkleidung“ vorgeworfen. Die „Dalai-Gruppe“ habe diese Vorfälle „hochgespielt“, umNachahmer zuerzeu- gen, sagte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums amMittwoch. In den vergangenen Monaten hatten sich acht buddhistische Mönche und eine Nonne im Südwesten Chinas aus Protest gegen das Vorgehen Pekings gegen Tibet ange- zündet. China hatte Tibet im Jahr 1951 besetzt undkontrolliert die autonome Re- gion sowie die anliegenden Provinzen, in denen Tibeter leben, mit harter Hand. Der Ministerpräsident der tibetischen Exil-Regierung, Lobsang Sangay, lobte den Mut der Menschen, die sich für die „Sache Tibets“ angezündet hätten. AFP Von Wol fgang Koydl Zürich – In hellen Scharen sind die Schweizer schon lange nicht mehr zu Wahlen gegangen. Die Beteiligung liegt hartnäckigbei unter 50 Prozent, der abso- lute Tiefpunkt wurde 1995 mit 42 Pro- zent erreicht. Diese Wahlmüdigkeit wird meist damit erklärt, dass die Eidgenos- sen nicht nur alle vier Jahre an die Urnen gerufen werden, sondern auch immer wieder zwischendurch anlässlich diver- ser Volksabstimmungen. Außerdem gibt es in der Konsens-Demokratie keine dra- matischen Veränderungen wie etwa Re- gierungswechsel: Es sind stets dieselben Parteien, welche die siebenköpfige Regie- rungsmannschaft stellen. Dieses Mal aber scheinen sich die Schweizer Bürger sogar den Wahlkampf ersparen zu wollen. Am kommenden Sonntag werden die beiden Kammern des Parlaments gewählt – 200 Abgeordne- ten des Nationalrates und 46 Vertreter des Ständerates, in demdie Kantone ver- treten sind. Doch ob auf dem Bundes- platz vor demBerner Parlaments, bei Ak- tionen in der Zürcher Bahnhofshalle oder auf den Marktplätzen der Weiler zwischen Genf und Bodensee: Die Politi- ker blieben häufig unter sich. Passanten machten einen großen Bogen um sie, an- statt das Gespräch mit ihren gewählten Vertretern zu suchen. Als Grund für dieses matte Interesse haben Politiker, Politologen und Beob- achter den Mangel an zündenden Wahl- kampfthemen ausgemacht. Tatsächlich reduziert sich das Missvergnügen der Wähler auf ein unbestimmtes Grummeln über die unsichere Wirtschaftslage. Die- se Klage finden jedoch auf gleichsam hochalpinen Niveau statt: Den Schwei- zern geht es noch immer umLängen bes- ser als ihren europäischen Nachbarn. Dass der starke Frankenkurs auf die Ex- porte drückt, hat noch nicht voll auf die Volkswirtschaft durchgeschlagen, unter anderemdankder Bereitschaft vieler Be- rufstätiger, für den selben Lohn Extra- schichten einzulegen. Noch im Frühjahr hatte es so ausgesehen, als obdie Energie- politik den Wahlkampf bestimmen wür- de. Weil aber fast alle Parteien nach dem Reaktor-Unglück in Japan geradezu überstürzt für einen Atomausstieg vo- tiert hatten, verpuffte der „Fukushima- Effekt“ spurlos. Aber auch der andere Dauerbrenner der inner-schweizeri- schen Debatte, der Streit umdie Zuwan- derung von Ausländern, zündete diesmal nicht. Eine von der „Schweizerischen Volkspartei“ (SVP) initiierte, groß ange- legte Plakat-Kampagne „gegen Massen- einwanderung“ ging weitgehend ins Lee- re – vor allem deshalb, weil die anderen Parteien und der Großteil der liberalen Massenmedien den Köder nicht schluck- ten und den Vorstoß der Rechtspopulis- ten schlicht ignorierten. Dennochwird die SVPwohl auchdies- mal wieder zur stärksten Partei werden. Von ihrem selbst gesteckten Ziel, erst- mals die 30-Prozent-Marke zu durchbre- chen, ist sie freilich schon abgerückt. Ihr Spiritus rector, der Groß-Industrielle Christoph Blocher, strebt in Zürich ei- nen Sitz im Ständerat an. Seine Chancen werden als reell bezeichnet. Fast ebenso sicher erscheint der weite- re Abstieg der einst ruhmreichenFreisin- nigen Partei (FDP). Die älteste Regie- rungspartei der Welt verliert seit mehr als 20 Jahren kontinuierlich Stimmen, vor allem an die SVP, zunehmend aber auch an die jungen Grünliberalen. Sie werdenaller Voraussicht die größten Ge- winner seinmit ihremimZeitgeist liegen- den Programm aus ökologischem Be- wusstsein und ökonomischer Kompe- tenz. Bei der FDP hingegen, die ununter- brochen seit 163 Jahren Regierungsver- antwortung trägt, muss diesmal sogar der Vorsitzende Fulvio Pelli umden Wie- dereinzug in den Nationalrat bangen. Auch die Sozialdemokraten (SP), bis- langmit großemAbstanddie zweitstärks- te Partei, tun sich schwer. Sie schaffen es trotz der wirtschaftlichen Sorgen nicht, Arbeiter für sichzugewinnen. Diese wan- dernzunehmendzur SVPab. Als nicht be- sonders hilfreich hat sich für die SP ihr Wahlprogramm erwiesen. Obwohl es erst im vergangenen Jahr verabschiedet wurde, klingt es wie ein Relikt aus der Frühzeit der Arbeiterklasse im 19. Jahr- hundert: Die Sozialdemokraten gelobten die „Überwindung des Kapitalismus“, die Abschaffung des Militärs und soforti- ge Beitrittsverhandlungen mit der Euro- päischenUnion. Inder Schweiz stößt kei- ne einzige dieser Forderungen auf gro- ßen Widerhall. München – Regimenahe Medien in Iran habeneinender Beschuldigtenindeman- geblichen Mordkomplott gegen den sau- di-arabischen Botschafter in den USA als Mitgliedder Volksmudschaheddinbe- zeichnet, einer Gruppe der Exiloppositi- on. Sie gilt Iran als einer der wichtigsten Feinde des Regimes; dort wie in den USA ist die Gruppe als terroristisch geächtet. Iran hat die USA immer wieder beschul- digt, die Volksmudschaheddinfür Aktio- nen einzuspannen. Die Gruppe hatte, of- fenbar auf Geheimdienstinformationen basierend, das geheime Atomprogramm Irans auffliegen lassen. Die halbamtliche iranische Nachrichtenagentur Mehr, von den Revolutionsgarden als Sprachrohr genutzt, berichtet nun, der Angeklagte Gholam Shakuri sei „ein wichtiges Mit- glied“ der Mudschaheddin; er besitze ge- fälschte iranische Papiere und sei in Wa- shington und dem Camp Ashraf gesehen worden, einst das militärische Haupt- quartier der Gruppe in Irak. Mehr berief sich auf angebliche „Informationen von Interpol“, ohne Details zu nennen. Die US-Justiz hatte Shakuri als „hochrangi- ges Mitglied der Quds-Brigaden“ be- zeichnet, der für Auslandsoperationen zuständigen Spezialtruppe der Revoluti- onsgarden. pkr Von Peter Münch Tel Aviv – Die Regeln werden im Nahen Osten oft mit Blut geschrieben, denn Ver- träge sindmeist das Papier nicht wert, auf denen sie unterzeichnet werden. Zu den Besonderheiten des Austauschs von 1027 palästinensischen Gefangenen gegen den israelischen Soldaten Gilad Schalit zählt deshalb das Abkommen, das zwischen Is- rael undder Hamas geschlossen– undbis- lang eingehalten – wurde. Optimisten, die es auch in Nahost immer noch gibt, sehen darin ein Hoffnungszeichen für den Frie- densprozess. Neben neuen Chancen birgt die Situation jedoch zugleich auch erheb- liche Risiken. Im Zentrum aller Szenarien steht die Rolle der Hamas, der mit diesem Handel nicht nur impalästinensischenLager, son- dern weit darüber hinaus ein dröhnendes Comeback gelungen ist. Demonstriert wurde das zum einen bei der Siegesfeier im Gaza-Streifen, auf der 250 000 Men- schen die Ex-Gefangenen und ihre stol- zenBefreier hochlebenließen. Nochinter- essanter allerdings warendie Zeremonien imWestjordanland. Hier hatten die Riva- len von der Fatah seit 2007 alle Hamas- Aktivitätenunterbunden– Demonstratio- nen waren verboten, Anführer wanderten ins Gefängnis. Zum Empfang der heim- kehrendenHäftlinge jedochwehtenplötz- lichwieder überall die grünenFahnender Islamisten. Und als Präsident Mahmud Abbas vor seinem Amtssitz in Ramallah die Heldenparade abnahm, da musste er sich die Bühne mit dem Hamas-Mitbe- gründer Hassan Jussef teilen. Vor kurzem hatte der selbst noch im Gefängnis geses- sen, nun war er mit dem Präsidenten auf Augenhöhe. Im innerpalästinensischen Macht- kampf hat die Hamas also mit der Frei- pressung der Gefangenenenormviel poli- tisches Kapital gewonnen. Voller Selbst- bewusstsein bietet sie nun Präsident Ab- bas ein Treffen an, um die festgefahrenen Versöhnungsgespräche wieder inGang zu bringen. Nach einem Abkommen Anfang Mai, das ebenso wie der Schalit-Aus- tausch von Ägypten vermittelt worden war, hatte es keinerlei Fortschritte mehr gegeben. Nun werden sogar Wahlen im nächsten Frühjahr wieder ins Spiel ge- bracht. Auch außenpolitisch arbeitet die Orga- nisation derzeit auf breiter Front an einer Verbesserung ihrer Positionen. Mit der Türkei werden immer engere Bande ge- knüpft. Ankaras Regierungschef Recep TayyipErdoganist einVolksheldimGaza- Streifen, seinKonterfei ziert T-Shirts und Tassen. Die Verbrüderung begann mit der Gaza-Hilfsflottille im Mai 2010 und wird voraussichtlich nicht damit enden, dass nunelf der Gefangenen, auf derenVerban- nung ins Ausland Israel bestanden hatte, von der Türkei aufgenommen worden sind. Beste Aussichtenbietensichfür die Ha- mas aber vor allem in Ägypten. Der ge- stürzte Präsident Hosni Mubarak hatte klar auf die Fatah gesetzt, die neue Mili- tärführung zeigt sich wesentlich offener gegenüber den Islamisten. Und bald schon könnten die Aktien der Hamas noch weiter steigen, wenn in Kairo die Muslimbrüder ander Macht beteiligt wer- den. Denndie sindschließlichdie Patenor- ganisation der Hamas. Die Chance für den Friedensprozess lä- gedanndarin, zusammenmit denMuslim- brüdernauchdie bislangvomWestenver- femte Hamas ins politische Geschäft ein- zubinden. Schließlich gilt das alte Motto, dass man Frieden nicht mit seinen Freun- den, sondern mit seinen Feinden schließt – und wenn sich Israel mit dem Erzfeind nun schon auf einen solchen Gefangenen- Austausch geeinigt hat, dann könnte dies docheines Tages seine Fortsetzungfinden in Friedensverhandlungen. Dies hoffen zumindest all jene westli- chen Politiker von Berlin bis nach Wa- shington, die den Gefangenen-Austausch nunbegrüßt habenunddarineine Verbes- serung der Atmosphäre in Nahost erken- nen wollen. Tatsächlich besteht die Mög- lichkeit, dass die Hamas nun zumindest mittelfristig, so wie die Fatahvor demOs- lo-Friedensabkommenvor fast 20 Jahren, vomTerror zur Politik findet. Kurzfristig besteht jedoch im Gegensatz dazu auch die Gefahr, dass es zu einer Verhärtung kommt undwomöglichsogar zueiner neu- en Konfrontation. Denn zum einen kann sich derzeit Präsident Abbas, selbst wenn er wollte, auf keine Friedensgespräche einlassen, weil ihn die Hamas dann als Weichling oder Verräter vorführen dürf- te. Zum anderen könnte das gestiegene Selbstbewusstsein die Radikalen dazu verführen, neue Kraftprobenmit Israel zu suchen. „Das Volk will einen neuen Schalit“ – dies war der Schlachtruf, der auf den Fei- ern zum Empfang der befreiten palästi- nensischen Gefangenen immer wieder zu hörenwar. Eine neue Geiselnahme jedoch dürfte verheerende Konsequenzen haben. Ganz Israel hat während der mehr als fünf Jahre dauerndenGefangenschaft un- glaublichemotional Anteil genommenam Schicksal des jungen Soldaten. Seine Heimkehr wird als ein Akt der nationalen Erlösunggefeiert, vomerstenAbendessen mit Schnitzel und Pommes Frites bis zum ersten Spaziergang Gilad Schalits an der frischen, freien Luft wird nun jeder Schritt verfolgt. Doch die Regierung un- ter Benjamin Netanjahu wird sich gewiss nicht noch einmal auf ein jahrelanges Ge- zerre wie imFall Schalit einlassen. Die Al- ternative dazu war bereits im Sommer 2006 gewählt worden, als zwei Soldaten in den Libanon verschleppt worden wa- ren. Es folgte ein Krieg mit aller Härte. Verschleppte Französin tot USA schieben ab Aufklärung in Österreich Peking beunruhigt Wahlmüde Wohlstandsbürger In der Schweiz wird am Sonntag über ein neues Parlament abgestimmt – doch das Interesse ist gering angesichts fehlender Probleme im Staat Iran: Mudschaheddin plante Mord in den USA Schalits fragliches Erbe Die Hamas hat sich durch den Gefangenenaustausch mit Israel profiliert – ob das zu mehr Terror oder mehr Frieden führt, ist ungewiss Republikanische Hitzköpfe US-Präsidentschaftskandidaten greifen sich in Fernsehdebatte persönlich an – Favorit Romney reagiert unsouverän Seite 10 / Süddeutsche Zeitung Nr. 242 HF2 Donnerstag, 20. Oktober 2011 POLITIK Perry wirft Romney vor, illegale Einwanderer beschäftigt zu haben. Freudentag im Gaza-Streifen: Palästinenser erwarten bei Rafah ihre freigelassenen Landsleute. Foto: Staff/Reuters Wenig Beachtung schenken die Schweizer dem derzeit laufenden Wahlkampf. In Lausanne wirbt ein Plakat der rechten SVP, die sich imfranzö- sisch-sprachigen Landesteil UDC nennt, für die dras- tische Abschot- tung von der EU. F. Coffrini/AFP Ein US-Beamter kontrolliert einen aus Mexiko kommenden Pkw. Reuters Eine neue Geiselnahme dürfte verheerende Konsequenzen haben. Ausland Die Palästinenser bringen nun sogar Wahlen im nächsten Frühjahr ins Spiel. Die rechte Volkspartei wird wahrscheinlich wieder die meisten Stimmen bekommen. Peking – Ein zweijähriges Mädchen wird überfahren und liegt blutend auf der Straße. In den nächsten sieben Minuten gehen 18 Passanten achtlos an dem Kind vorüber. Ein weiterer Kleinbus überrollt die Kleine. Ein Motorradfahrer schlägt einen Bogen um das Opfer und dessen Blutlache, fährt aber weiter. Das ist der Inhalt eines schockierenden Videos, auf- genommen von einer Polizeikamera, das in China nun eine heftige Debatte über fehlende Moral und zunehmende Herzlo- sigkeit in der Gesellschaft ausgelöst hat. Millionen Chinesen haben das Video im Netz gesehen und reagieren mit em- pörten Kommentaren. „Absoluter Hor- ror“, „unverständliche Kälte“ oder „kri- minell“ lauten die Reaktionen. Das zwei- jährige Mädchen namens Yue Yue war in einem unbeobachteten Moment aus dem Haus seiner Eltern in der südchinesi- schen Stadt Foshan auf die Straße gelau- fen. Die Überwachungskamera der Poli- zei zeigt einen Kleinbus, der frontal auf es zufährt, ohne zu bremsen – und es schließlich überrollt. Der Fahrer zögert, gibt dann Gas und begeht Fahrerflucht. Er habe sichkurz zuvor vonseiner Freun- din getrennt und habe beim Fahren tele- foniert, zitieren ihn Reporter später. Dass er ein Kind überfahren hat, will er nicht bemerkt haben. Inzwischen wurde er festgenommen. Auch der zweite Fah- rer, der knappeine Minute später mit sei- nem Kleinbus über das schwer verletzte Mädchen rollte, ist bereits festgenom- men. Erst nach sieben Minuten hat sich eine Müllsammlerin des zu dem Zeit- punkt noch lebenden Opfers erbarmt und es von der Straße getragen. „Stoppt die Apathie“ ist die Über- schrift einer Aktion auf dem beliebten Mikroblog-Portal Sina Weibo, Chinas Äquivalent zu Twitter. RundzehnMillio- nen Menschen haben dort bereits Kom- mentare hinterlassen. Viele fordern har- te Strafen für die zwei Fahrer und ver- dammendie Herzlosigkeit der 18 Passan- ten, von denen einige zwar zu dem Mäd- chen hinschauten, von denen aber kein einziger half. „Verantwortlichist der Zu- sammenbruch jeglicher moralischer Standards in unserer Gesellschaft“, schreibt etwa der Blogger Haishang Xia- oen auf Sina. Andere erinnern daran, dass nach Gründung der Volksrepublik China unter Mao Zedong jegliche Religi- on verboten war, was bis heute ein spiri- tuelles Vakuum hinterlassen habe. Wie- der andere erinnern an den ungehemm- ten Materialismus, der in China heute grassiert. „Das hier ist das unvermeidli- che Resultat unserer Geldanbetung“, schimpft ein Chinese mit dem Pseudo- nym „xxx777“. In China gibt es handfeste Gründe, bei Unfällen abseitszustehen. Es gibt noch immer kaum Krankenversicherungen in China, und die meisten Krankenhäuser behandeln Patienten nur, wenn sie bei Einlieferung bar bezahlen. Immer wie- der berichten Medien von Unfallopfern, die vor einer Notaufnahme verblutet sind – aus Geldmangel. Manche Kommentatoren nehmen die Passanten in Yue Yues Fall auch mit dem Verweis auf Fehlurteile der Justiz in Schutz. So hatte 2007 einjunger Mannei- ner alten Frau helfen wollen, die zusam- mengebrochen war. Doch nachdemer sie ins Krankenhaus getragenhatte, behaup- tete sie, er habe sie umgestoßen. Der Hel- fer musste eine hohe Geldstrafe zahlen. Wieder andere Teilnehmer der Debat- te verweisen auf das harte Schicksal chi- nesischer Bauernfamilien, die als Wan- derarbeiter in den Städten so hart arbei- ten müssen, dass ihnen das Aufpassen auf ihre Kinder schwer fällt. Die Eltern der kleinenYue Yue betreibeneinen klei- nen Marktstand in der Nähe der Unfall- stelle – sie hatten das Mädchen vor dem Unfall nur kurz aus den Augen verloren. AmMittwoch, knapp eine Woche nach demUnglück, lag Yue Yue weiter auf der Intensivstation. Die Ärzte zögerten bis- lang noch, das Mädchenals hirntot zu de- klarieren. Die Eltern, die sich am Kran- kenbett abwechseln, wollten die Hoff- nung nicht aufgeben. Henrik Bork Hamburg – Es muss ein Versehen gewe- sen sein, die Hamburger Polizei geht da- von aus. Denn wer kann sich vorstellen, dass jemand ein totes Baby stiehlt? Seit einer Woche suchen die Hambur- ger Asklepios Klinik in Altona und die Polizei nach einer silbernen Kiste, die auf demFlur eines Krankenhauses verlo- ren ging. Sie suchen vor allem aber den Leichnam eines toten Kindes, das, in ein blaues Tuch eingewickelt, in der silber- nen Box lag. Die Eltern des Kindes wa- ren in die Klinik gekommen, weil bei der Frau Wehen eingesetzt hatten. Doch die Ärzte stelltenfest, dass das Herz des Kin- des nicht mehr schlug. Die Frau musste das Kind tot zur Welt bringen. Im Kreißsaal hielten die Eltern ihr Kindnocheine Stunde imArm, dannsoll- te ein Mitarbeiter der Klinik den Leich- nam in die Pathologie bringen. Offenbar stellte der Mann, deminzwischen gekün- digt wurde, die Box auf einem Flur ab. Seither ist sie verschwunden. Der Diebstahl wurde drei Tage später bemerkt, als der Bestatter das Kindabho- len wollte. Zwei umfangreiche Suchakti- onen, so der Klinik-Betreiber, brachten kein Ergebnis. Vermutet wird, dass die Diebe den silbernen Container stehlen wollten, nicht aber den Leichnam. Der- zeit werdenauchAufnahmen vonmehre- rentausend Stundender Überwachungs- kameras ausgewertet, die anden Eingän- gen der Klinik angebracht sind. Das Un- ternehmen hat in großen Anzeigen in drei Hamburger ZeitungeneinenZeugen- aufruf geschaltet. Es will eine Belohnung von 5000 Euro für Hinweise zahlen, die zum Auffinden des Leichnams führen. Die Eltern sollen ihr Kind bestatten kön- nen. Jens Schneider Von Henni ng Kl üver Cagliari – Eine der schönstenStraßenIta- liens führt inSüdsardinien, rund40 Kilo- meter von der Regionalhauptstadt Cag- liari entfernt, längs der Costa del Sud zumPorto di Teulada. Sanft rollt einVor- gebirge demMeer zu. Kleine Buchten mit traumhaften, vomMassentourismus weit- gehend unberührten Stränden schließen sie ab. Hinter jeder Kurve öffnen sich neue Blicke auf prächtige Landschafts- bilder mit buschigem Rosmarin, wilden Olivenbäumen und kleinen Wäldern aus immergrünen Steineichen, die bis an das glasklare Meer heranreichen, das blau- grün in der Herbstsonne blinzelt. Einige alte, in traditioneller Lehmbauweise er- richtete Bauernkaten stehen hier, und von einer Landzunge bei Capo Malfata- no grüßt ein Wachturm aus den Zeiten der aragonischen Besatzung. Dann, der Schock: Hinter der nächs- ten Kurve, wo sich das Flüsschen Tuer- redda Richtung Meer schlängelt, stechen halbfertige Bungalows und Reihenhäu- ser ins Auge. Sie sind die Vorboten einer riesigen, kaum 300 Meter vom Meer ent- fernten Anlage mit Wohn- und Ferien- häusern, einem Hotelkomplex und Ser- viceeinrichtungen auf insgesamt 700 Hektar Bodenfläche. Architektonische Dutzendware so weit das Auge reicht. Mit einer Ausnahme: Vor einem verein- zelten Forriadroxiu, wie die alten Katen in der sardischen Sprache heißen, steht ein alter Mann, stützt sich auf seinen Stock und schimpft wie ein Rohrspatz. Der Bauer Ovidio Marras, 81 Jahre alt, wohnt nur wenige Schritte vom Strand entfernt allein in der Kate, in der schon sein Vater gelebt hat. Anders als seine Nachbarn hat Ovidio sein Land nicht an das Konsortium verkaufen wollen, in dem sich italienische Großunternehmer wie der Bauriese Caltagirone aus Rom, der Benetton-Konzern aus Venetien oder das Bankhaus Monte die Paschi aus Sie- na zusammengeschlossen haben. „Ich bin unbequem, deshalb will man mich hier weghaben“, schimpft der alte Marras. EinenHundund eine Katze habe man ihm schon vergiftet. Und wer? „Na wer wohl?“, schnaubt er. Der kleine Mann, krumm wie eine sardische Eiche, brummelt unverständliche Sätze imDia- lekt und zeigt auf die braunen Bunga- lows vor seiner Kate, an deren Platz noch vor wenigen Monaten ein Orangenhain leuchtete. Ovidio Marras ist in wenigen Wochen zu einer bekannten Persönlich- keit geworden: ein sardischer David, der den italienischen Goliath herausgefor- dert hat. Zeitungen wie der Mailänder Corriere della Sera haben über ihn be- richtet, auch ein Journalist des Guardian aus London hat ihn besucht. „Sardischer Schafhirte bringt umstrittenes Touris- musprojekt ins Wanken“, stand über dem Artikel. „Von wegen Hirte“, poltert Marras. Er sei Bauer, kein Hirte. Aber es stimmt. Das Konsortiumhatte wohl gedacht, es könne denKleinbauern, der eine Schule nur bis zur 4. Klasse von innen gesehen hat, einfach über den Tischziehen. So hat maneinenWeg über- baut, dessen Besitz sich Marras mit der Baugesellschaft teilt. Und ihm dafür ei- nenneuen Weg angelegt. Doch der Starr- kopf will seinen alten Weg wieder haben. Er hat geklagt und bereits inzwei Instan- zen Recht bekommen. Wenn jetzt das Kassationsgericht, wie zu erwarten ist, die beiden Urteile bestätigt, muss das KonsortiumeinenTeil seiner Häuser wie- der abreißen und den Bauplan ändern. Der Umweltschutzverband Italia Nos- tra unterstützt den bäuerlichen David in seinemKampf gegendenGoliathKonsor- tium. Er hat außerdem eine Klage gegen das Bauprojekt, das einen der schönsten Landstriche Sardiniens verschandelt, vor demVerwaltungsgericht eingereicht. Der Komplex verstoße gegen eine ganze Reihe von Naturschutzbestimmungen und Gesetze, erklärt Maria Paola Morit- tu von der sardischen Sektion des Ver- bandes. Und er würde, von Saisonarbei- tern abgesehen, keine neue Beschäfti- gung in die bitterarme Gegend bringen. In der Gemeinde Teulada (3 800 Ein- wohner), zu der die Traumlandschaft bei Capo Malfatano gehört, liegt die Jugend- arbeitslosigkeit bei mehr als 50 Prozent. „Doch die Leute hier verstehen nicht, dass die Natur ihr eigentlicher Reichtum ist“, sagt Morittu. Mehr als 600 Wohnun- gen würden in der Gemeinde leer stehen, da sei jeder Neubau eine Verschwen- dung. Es ginge darum, einensanftenTou- rismus zu entwickeln, indem man etwa die Forriadroxius restauriere undzuFeri- enwohnungen umbaue. Dann würden auch die Gewinne auf der Insel bleiben und nicht wie bei dem Konsortium aufs italienische Festland fließen. Der Bürgermeister von Teulada, Gian- ni Albai, steht indes zumProjekt des Kon- sortiums. Er glaubt, dass seine Gemeinde keine andere Wahl hat, um Arbeit und ein bisschen Wohlstand in diesen Land- strich zu bringen. Viele Einwohner von Teulada halten Ovidio Marras, den stu- ren alten Bauern, für einen Querkopf, der ihre Zukunft bedroht. Mit Vertretern von Italia Nostra gab es auch schon mal handgreifliche Auseinandersetzungen. Die Menschen würden von einem Rimini an der Costa del Sud träumen, sagt der Schriftsteller Giorgio Todde aus Caglia- ri, der mit Italia Nostra zusammenarbei- tet, aber auch Verständnis für die Kriti- ker zeigt. Dieses Projekt sei nur eines von vielen auf Sardinien, bei denen Gelder vom Festland investiert würden, welche die Schönheit der Natur ausbeuteten, oh- ne sichumlokale Begebenheitenzu küm- mern. Und wenn jemand nach Rimini wolle, würde er in den Original-Ort fah- ren und nicht an eine Kopie in einem ab- gelegenen Landstrich Sardiniens. InOvidio Marras’ Kate knistert das Ka- minfeuer. Ein Spieß mit einem Spanfer- kel steht bereit. Das will seine Nichte Consolata, die bei ihm ab und zu nach dem Rechten sieht, heute noch über den Flammenbraten. Consolata zeigt Solida- ritätsbriefe aus Sardinien, aber auch vomitalienischenFestland. „Ovidio, hal- te durch“, steht da etwa zu lesen. Der Al- te sitzt derweil auf einem Schemel vor dem Feuer und reibt sich die von der Gicht knorrig gewordenen Hände. „War- um“, fragt er, immer noch brummig, „müssen wir gehen, damit hier Leute vom Festland Platz bekommen?“ „Stoppt die Apathie“ Der tragische Unfall eines Kleinkindes verstört China Brutale Ignoranz: Erst nach sieben Mi- nutentrug eine Fraudie schwer verletz- te kleine Yue Yue – hier kurz vor dem Unfall – von der Straße. Foto: oh Babyleiche verschwunden Polizei rätselt über makabren Diebstahl in Hamburger Klinik Bauernschlau Ein 81-jähriger Landwirt kämpft auf Sardinien gegen eine riesige Touristensiedlung – er könnte Erfolg haben Donnerstag, 20. Oktober 2011 HBG Süddeutsche Zeitung Nr. 242 / Seite 11 PANORAMA Ein Traum – sein Traum: Ovidio Marras, 81, wehrt sich so gut er kann gegen eine 700 Hektar große Touristensiedlung in seiner Heimatgemeinde Teulada im Süden Sardiniens (Bild oben). Fotos: Mauritius Images, Klüver Einen Hund und eine Katze habe man ihm schon vergiftet, sagt der Alte. Der Bürgermeister steht zu dem Bauprojekt: Wo sonst soll das Geld herkommen? Namibias Wüsten und Nationalparks Das heutige Namibia wird als einer der ältesten Teile der Erdkruste bezeichnet. Dünen- landschaften, Plateaus, Felsformationen und Canyons prägen das Land im Südwesten Afrikas. Doch trotz der Trockenheit gibt es hier einen großen Tierreichtum. Auf dieser außergewöhnlichen Safari durch die Wüsten Namib und Kalahari sowie durch die Nationalparks Etosha und Namib-Skelettküste geht es durch die Heimat von Giraffen, Zebras, Löwen und Elefanten. Und natürlich begegnen einem auch die kulturellen Zeugnisse der uralten Nomadenstämme, die das Land einst als Erste besiedelten. Reisehöhepunkte Kalahari: Die Region ist auch die Heimat der San-Nomaden, der ersten Bewohner Na- mibias. Eine von einem San geführte Wanderung eröffnet einen neuen Blickwinkel auf das Leben in der Wüste im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne. Etosha-Nationalpark: Vor rund 100 Jahren wurde das Gebiet, das heute einer der größ- ten Wildparks Afrikas ist, unter Naturschutz gestellt. Vor allem an den Wasserstellen lassen sich Giraffen, Elefanten, Löwen und Eland-Antilopen beobachten. Namib-Wüste: In dieser Wüste, die stellenweise wie eine Mondlandschaft wirkt, finden sich erstaunliche Spuren des Lebens, so etwa die Welwitschia mirabilis. Diese Pflanze ist häufig das Motiv namibischer Wappen und kann bis zu 2.000 Jahre alt werden. Swakopmund: Früher war das beliebte Seebad Teil der Kolonie Deutsch-Südwestafrika, was sich bis heute architektonisch im Stadtbild widerspiegelt. Sossusvlei: Rund um diese Salz-Ton-Pfanne im Namib-Naukluft-Naturschutzgebiet liegen die riesigen, oftmals rötlich schimmernden Namib-Dünen. Eingeschlossene Leistungen º Balníalir z. Klasse von Nunclen nacl Iiankíuir unu zuiuck º Ilug von Iiankíuir nacl Winuloek in uei Lconomy-Class º Alle zuizeir gulrigen Iluglaíensreuein unu GeLulien º ij ULeinaclrungen in Louges/Pensionen/Gasreíaimen ouei Horels mir Iiulsruck º ; ALenuessen º Reiselireiarui º Alle Linriirrsgeluei unu ÞarionalµaikgeLulien laur Piogiamm º Alle Ialiren in µiivaren Ializeugen º Ialiei/Guiue in einei Peison º Weclselnue lokale Iuliei º Reiseleirung voi Oir Veranstalter: DIAMIR Erlebnisreisen GmbH, Dresden Süddeutsche Zeitung Leserreisen Im Doppelzimmer Im Einzelzimmer In Kooperation mit F o t o l i a / E c o V i e w Reisetermine: 05. bis 20. Mai und 04. bis 19. November 2012 3.950 € p. P. 4.160 € p. P. Beratung und Prospekt: Tel.: 01805 - 00 41 13*, Mo. – Fr.: 8 – 20 Uhr, Sa. 8 – 14 Uhr, (*Dt. Inlandspreise: Festnetz 14 ct/Min., Mobilfunk max. 42 ct/Min.) Fax: 0421 - 322 68 89, E-Mail: [email protected], Internet: www.sueddeutsche.de/leserreisen Persönlicher Kontakt: Hapag-Lloyd Reisebüro, Theatinerstraße 32, 80333 München Von Marti n Zi ps A ls dem Briten Alan Moore vor drei Jahren auf dem Comic-Sa- lon Erlangen der Preis für sein Lebenswerk überreicht werden sollte, da war er gar nicht anwesend. Moore erlaubte lediglich eine Telefon- schalte vomErlanger Markgrafentheater in sein Haus in Northampton. „Vorher sagte er noch: Bitte rufen Sie mich nicht zu spät an, ich gehe immer sehr früh schlafen.“ Als es soweit war, bedankte er sichhöflichfür dendeutschen Comic-Os- car und fügte hinzu, er halte von Aus- zeichnungen generell nicht viel. Comicautor Alan Moore ist der Mann, der der Occupy-Bewegung – zusammen mit seinem Zeichner David Lloyd – ihr Gesicht gegeben hat. Diese irre lächeln- de Comic-Fratze, die sich junge Men- schen von New York bis Frankfurt als Maske überziehen, um gegen die Macht der Banken zu demonstrieren. Es ist die Maske, die Moores fiktiver Held VimCo- mic „V wie Vendetta“ trägt, wenn er ge- gen ein postmodernes, totalitäres Eng- land kämpft. V vermummt sich mit dem Konterfei des katholischen Offiziers Guy Fawkes, der imNovember 1605 einAtten- tat auf den englischen König plante. Das ist der Hintergrund. „Alan Moore, der sich Zeit seines Le- bens als Revolutionär gesehen hat, dürf- te es gefallen, dass seine Figur auf diese Weise vereinnahmt wird“, sagt Steffen Volkmer vom Panini-Verlag, der „V für Vendetta“ auf Deutsch herausbringt. „Andererseits hat der Autor Zeit seines Lebens auch gegen jede Vereinnahmung seiner Kunst gekämpft.“ Der große Mann der „Graphic Novel“ selbst schweigt. Nur David Lloyd, Moores Zeichner, meldet sich: „V steht für die Idee der Individualität, nicht für eine Per- son“, erklärt er. „Deshalb eignet er sich für jedweden Protest gegen gefühlte Ty- rannei. Für Jedermann.“ Den Protest der Occupy-Bewegung unterstützt Lloyd und sieht die V-Maske – nicht sehr be- scheiden, aber möglicherweise zutref- fend– bereits ineiner Linie mit demBild- nis Che Guevaras. Bereits in den 1990er Jahren zeigten sich besonders leidenschaftliche V-wie- Vendetta-Fans mit der Maske. Sie fan- den den Ansatz, dass ausgerechnet ein Typ mit dem Gesicht von Englands be- kanntesten Terroristen Werte wie Demo- kratie und Freiheit rettet, irgendwie cool. Vor ein paar Jahren dann eigneten sich die Aktivisten des Internet-Kollek- tivs Anonymous die Maske an– bei Aktio- nen gegen Menschenrechtsverletzungen, für Redefreiheit, gegen Scientology. Mit- te September 2011 schließlich tauchten Moores Guy Fawkes-Fratzen beim „Oc- cupy Wall Street“-Protest in New York auf, der in kurzer Zeit weltweit Nachah- mer fand. Moore, der „Hexer von Northamp- ton“, wohnt zusammen mit seiner Frau Melinda in einem Haus, das er so gut wie nie verlässt. Ein Ex-Rocker von gewalti- ger Statur mit einem wild wuchernden Prophetenbart. Er hat ein Faible für al- les, was mit Dämonen, Hexen und okkul- tem Krimskrams zu tun hat. Buchkriti- ker Denis Scheck verglich eines seiner jüngsten Werke, den sehr expliziten Co- mic „Lost Girls“, mit Thomas Mann: „Zauberberg, aber Porno“. Die FAZwür- digt das Werk des Geschichtenerzählers, der im November seinen 58. Geburtstag feiert, als „anspruchsvollste Literatur“. Auf dem Schulhof, berichtete Moore einmal, sei er vor allemals LSD-Verkäu- fer aufgefallen. Nachdem er mit 17 Jah- ren vom Gymnasium flog, zeichnete er für Lokalblätter Persiflagen der Kinder- geschichten „Paddington Bär“, arbeitete an amerikanischen Helden-Comics mit und legte sich Pseudonyme wie Curt Vile (nach Kurt Weill) und Jill de Ray (nach dem Serienmörder Gilles de Rais) zu. Freunden berichtet Moore gerne von sei- ner Liebe zum römischen Schlangengott Glycon und konstatiert, es sei doch bes- ser „spektakulär verrückt zu werden“, als einsamin die Midlife-Crisis zu schlit- tern. In der Comic-Szene jedenfalls wird er als größter lebender Autor gefeiert und mit Orson Welles oder Edgar Allan Poe verglichen. Mehrere seiner Werke – neben „V wie Vendetta“ auch „From Hell“ (über Jack the Ripper) oder „Liga der außergewöhn- lichen Gentlemen“ – brachte Hollywood ins Kino. Moore äußerte sich abfällig über die Adaptionen und verkündete, er werde sich keine Comics mehr ausden- ken, sondern sich künftig ganz der Schwarzen Magie widmen. Und doch wurde er rückfällig, zuletzt mit dem Band „Neonomicon“, in der Agenten Jagd auf einen Ritualmörder machen. Vonkleinauf war der Sohneines Brau- erei-Angestelltenundeiner Druckeringe- radezu vernarrt in Comics und wurde auch von den Ansichten seiner abergläu- bischen Großmutter geprägt. In Nort- hampton schätzt man ihn zudemals Mit- glied der Band Emperors of Icecream, die Band Gorillaz beauftragte Moore gar mit dem Libretto eines Opernwerks. Seine Geschichten haben es in sich. In seiner ebenfalls von Hollywood verfilmten und vom Time Magazine als einziger Comic unter den 100 bedeutendsten Romanen des 20. Jahrhunderts geführten Story „Watchmen“ machte Moore aus Super- helden erstmals depressive, völlig kaput- te Typen. Typen, die viel zu schwach sind, ihre Utopien umzusetzen. Das freilich muss mit den engagierten Leuten, die mit der Maske auf der Straße demonstrieren, nicht das Geringste zu tun haben. „Ich freue mich, dass unser Gesicht ihren Zielen nützt“, sagt David Lloyd. Vor dem Parteitag: Linken-Chef Ernst im Gespräch über Auslandseinsätze der Bundeswehr, rote Linien der Genossen und eine Verfassung für Europa. www.sueddeutsche.de/politik Die Herstellung einer Mumie ist eine Wissenschaft für sich. Bis zu70 Tage dau- erte imalten Ägypten die Behandlung ei- nes Leichnams im Einbalsamierungs- haus. Salben, Öle und Myrrhe waren teu- er, als Grabbeigaben bekamen die Ver- storbenen Goldschmuck, Skarabäen und Amulette mit auf die Reise ins Jenseits. Laut demgriechischenGeschichtsschrei- ber Herodot gab es zwar auch Economy- Mumifizierungen für das niedere Volk, aber nur wenige Personen kamen in den Genuss einer Edel-Bestattung nach Pha- raonenart. Ramses II., Thutmosis II. und Tutanchamun wurden königlich konser- viert – nun wird diese zweifelhafte Ehre auch einem britischen Taxifahrer zuteil. Erstmals seit 3000 Jahren ist ein Mensch wie ein ägyptischer Pharao mit öffentlicher Anteilnahme mumifiziert worden – für eine ernsthafte TV-Doku des britischen Senders Channel 4. Alan Billis, Taxifahrer aus TorquayinSüdeng- land, war imJanuar imAlter von 61 Jah- ren an Lungenkrebs gestorben und hatte sich zuvor freiwillig für das TV-Experi- ment gemeldet. Billis nannte sich selbst „Tutanch Alan“, in Anspielung auf den ägyptischen Pharao Tutanchamun. „Es macht keinen Unterschied für mich. Ich werde es nicht spüren“, sagte Billis vor seinem Tod. Die Dokumentation soll am kommenden Montag gezeigt werden. Die Ägyptomanie der Briten ist be- kannt, im England des 19. Jahrhunderts wurden bei Grusel-Partys gerne Mumien vor Publikumausgewickelt. Etwas ähnli- ches passiert nun mit dem verstorbenen Taxifahrer, nur umgekehrt: Er wird vor laufender Kamera eingewickelt. Der Filmist nichts für schwache Nerven. Bri- tische Wissenschaftler unter Leitung des forensischen Pathologen Peter Vanezis behandelten Billis’ Leichnam genau so, wie es die alten Ägypter mit ihren Köni- gen taten: Sie entfernten die inneren Or- gane des Verstorbenen, bis auf Herz und Gehirn. Anschließend wurde der Körper einen Monat lang in ein Salzbad gelegt. Danach trockneten sie den Körper in ei- nem speziell dafür eingerichteten Raum und wickelten ihn in Leinentücher ein, um ihn vor Licht und Insekten zu schüt- zen. Die Technik beruht auf Erkenntnis- sen des Chemikers Stephen Buckley von der Universität York, der denMumifizie- rungsprozess 20 Jahre lang untersuchte. Die mumifizierte Leiche des Taxifahrers soll bis Ende des Jahres imMedico-Legal Centre in Sheffield aufbewahrt werden. Die Wissenschaftler hoffen, dass sie die Mumie danach als Forschungsobjekt behalten können, falls die Witwe einver- standen ist. Ohne die Zustimmung von Alan Billis’ Frau Janet wäre das Experi- ment wohl nie zustande gekommen. Sie nimmt die Mumifizierung ihres Gatten mit britischen Humor: „Ich bin wohl die einzige Frau imLand, die eine Mumie als Ehemann hat.“ Sie habe sich die Mumie angeschaut, sagt Janet Billis, „aber ich habe darum gebeten, ihn nicht vor mei- nen Augen auszupacken.“ Titus Arnu Berlin – Nach der Attacke auf ein junges Paar in einer Berliner U-Bahn haben sich vier Jugendliche der Polizei gestellt. Drei 17-Jährige und ein18-Jähriger mel- deten sich am Dienstagabend auf einer Wache, wie ein Polizeisprecher am Mitt- wochberichtete. Die Verdächtigensollen nun vernommen werden. Ob die Video- aufzeichnungen Hinweise auf die Täter ergeben hat, war zunächst unklar. Eine Gruppe junger Männer hatte in der Nacht zum Samstag in einer U-Bahn ei- nen 21-Jährigen krankenhausreif ge- schlagen. Auch dessen 20-jährige Freun- din wurde verletzt. Andere Fahrgäste sa- henoffenbar tatenlos zu. Die Opfer konn- ten an einem Bahnhof flüchten. dpa Stockholm – Der schwedische Regisseur Ingmar Bergman ist vermutlich doch bei seiner leiblichen Mutter aufgewachsen. Eine DNS-Analyse, die das Gegenteil be- weisen sollte, stellte sich als falsch her- aus. Wie die Zeitung Ny Teknik berich- tet, hatte ein Labortechniker Bergmans Erbmaterial aus Versehen mit seinem ei- genen verunreinigt und damit ziemli- chen Wirbel verursacht. Bergmans Nich- te Veronika Ralston hatte Anfang des Jahres ihr eigenes Erbmaterial mit einer Speichelprobe des 2007 verstorbenenRe- gisseurs vergleichen lassen. Das Ergeb- nis der offenbar falschen Analyse: Berg- man und Ralston seien nicht verwandt. Ralston behauptet in einem Buch, dass Ingmar Bergman bei der Geburt ver- tauscht wurde und eigentlich von einer Mätresse seines Vater abstammt. Sie glaubt weiter an diese Theorie und will nun neue Gentests veranlassen. ghe Die Fratze der Revolution Alan Moore ist der Mann hinter der Maske, mit der weltweit Menschen gegen die Banken demonstrieren Von Hans Hol zhai der Berlin – Die Gouverneursfrau und das Küchenmädchen Grusche streiten um den kleinen Michel, und der Richter Az- dak muss entscheiden. Er lässt einen Kreidekreis auf den Boden malen und den Michel hineinstellen. „Fasst das Kind bei der Hand“, befiehlt er. „Die richtige Mutter wird die Kraft haben, das Kindaus demKreis zuziehen.“ Zwei- mal macht er die Probe, und zweimal lässt Grusche das Kind los. „Ich hab’s aufgezogen“, schluchzt sie. „Soll ich’s zerreißen?“ „Damit hat der Gerichtshof festgestellt, wer die wahre Mutter ist“, entscheidet der Richter. So steht es bei Bert Brecht, im „Kaukasischen Kreide- kreis“. Bildung hat es nicht, das Kindermäd- chen Grusche, aber das weiß es: Dass man an einemKind nicht zerren darf wie aneiner Stoffpuppe. Sven, 30, undMarti- na, 23, (Namen geändert) haben immer- hin einen Hauptschulabschluss, aber über den Umgang mit einem kleinen Kind müssen sie wohl noch viel lernen. Sven und Martina haben eine kleine Tochter, Vivian. Im letzten November, das Kind war gerade sechs Monate alt, kam es zu einem Streit. Sven war wü- tend, weil die kleine Vivian sich von ihm nicht beruhigen lassen wollte. „Bei mir hat se immer nur jeweent“, sagt er vor der Richterin am Berliner Amtsgericht Tiergarten. „Bei der Martina wurd se im- mer sofort ruhig, von eener Sekunde auf die andere. Ick wollte, dass det bei mir ooch funktioniert. Sie sollte Vaterjefühle uffbauen.“ Martina hatte das Kind auf dem Arm, und Sven war so frustriert und so eifer- süchtig, dass er Vivian am Bein packte und zog. „Ick wollte se ooch mal haben“, sagt er. Aber Martina hielt das Baby fest. „Ick habe jezogen wie een Verrückter“, sagt Sven. Das Kindentwickelte aber kei- nerlei Vatergefühle, es schrie wie am Spieß. Zehn, 15 Sekunden lang ging das so – Sven zerrte am linken Bein, Martina hielt die Arme fest – dann ließ Sven end- lich wieder los. Zum Kinderarzt trauten sich die bei- denzunächst nicht, sie hattendie berech- tigte Sorge, man könnte ihnen das Kind wegnehmen. Aber nach zwei Tagen schwoll das Bein so an, dass sie Vivian doch zum Arzt brachten. Sie erzählten, das Kind sei mit dem Fuß in einer Spiel- uhr im Bett hängengeblieben, als sie es herausheben wollten. „Konnte man zu- nächst nicht ausschließen“, sagt die Kin- derärztin, die als Zeugin gehört wird. Aber dann kam das Ergebnis aus der Ra- diologie: eine Eckfraktur des linken Oberschenkelknochens, das heißt, ein kleines Stück vom Knochen war regel- recht abgerissen. Nun wurde die Polizei eingeschaltet, und schließlich gestanden Sven und Martina, was wirklich passiert war. Viviankamzunächst zueiner Pflegefa- milie, und Sven und Martina wurden vomJugendamt zueiner Psychotherapeu- tin geschickt. Seit ein paar Wochen ist die kleine Familie wieder vereint, sie nimmt an einemFamilienprojekt teil, wo sie lernen, mit all den Problemsituatio- nen umzugehen, die ja auch anderen El- tern nicht fremd sind. „Sie sind sehr ko- operationsbereit“, sagt eine Betreuerin, „sie kommen sehr gewissenhaft zu allen Beratungsterminen“. Vater Sven muss jetzt nicht mehr eifersüchtig sein. „Vi- vian freut sich jetzt immer, wenn sie den Papa sieht“, sagt Martina, „sie ist ganz zutraulich, ganz das Gegenteil von frü- her“. Da hätte dann wohl auch der Richter Azdak ein Einsehen gehabt, auch wenn weder der Vater noch die Mutter die El- ternprobe bestanden haben. Acht Mona- te Freiheitsstrafe für beide fordert der Staatsanwalt, die aber natürlich zur Be- währung auszusetzen sei. Die Amtsrich- terin bleibt mit ihrem Urteil noch einen Monat darunter. Tutanch Alan Ein britischer Taxifahrer wird nach Art der Pharaonen mumifiziert Sergej Ganjuschew, 25, russischer Fi- scher, hat 16 Tage auf einer winzigen In- sel nahe des Polarkreises ohne Nahrung überlebt. Er wurde von der Besatzung ei- nes Rettungshubschraubers entdeckt und in eine Klinik gebracht. Das Boot von Ganjuschew war am 1. Oktober vor der Stadt Archangelsk im Sturm geken- tert, seitdem harrte der Fischer auf einer Insel im Weißen Meer aus. „Zwei Bretter waren mein Zuhause, Pflanzen und Re- gen meine Nahrung“, sagte Ganjuschew der Zeitung Komsomolskaja Prawda. Königin Elizabeth II., 85, Staatsober- haupt der Commonwealth-Königreiche, ist am Mittwoch für einen zehntägigen Australien-Besuch in der Hauptstadt Canberra gelandet. Nach Aufenthalten in Brisbane und Melbourne fliegt die Queeninihrer Boe- ing 777 nach Perth und eröffnet dort in der kommenden Woche ein Treffen der Common- wealth-Staaten. Nach Ansicht von Beobachtern wird es der letzte Be- such der Königin in Australien sein. Ministerpräsiden- tin Julia Gillard verärgerte die Un- terstützer der Mon- archie im vergangenen Jahr mit der Be- merkung, Königin Elizabeths Tod sei ein geeigneter Zeitpunkt für einen Wechsel der Staatsform. Foto: Getty Ute Lemper, 48, Musical-Star, hat einen Tag vor der Geburt ihres Sohnes Jonas vergangene Woche ihren Freund Todd Turkisher geheiratet. In elf JahrenBezie- hung habe Turkisher „meine schlimms- ten und besten Seiten erlebt und ich sei- ne, wir wollen die Zukunft miteinander verbringen“, sagte Lemper der Illustrier- ten Bunte. Dass ihr Baby einen Tag nach der Hochzeit durch einen geplanten Kai- serschnitt zur Welt kommen sollte, habe sie nervös gemacht, sagte Lemper. „Doch dann lief alles wie am Schnürchen.“ Bei der Geburt sei ihre 15-jährige Tochter Stella dabei gewesen und habe die ganze Zeit ihre Hand gehalten. Jonas ist Lem- pers viertes Kind. Mit Turkisher hat sie dengemeinsamenfünfjährigenSohnJuli- an Lazaar. Aus ihrer gescheiterten Ehe mit Komiker David Tabatsky stammen Tochter Stella und der 17-jährige Sohn Max-Emanuel. Foto: dpa Miranda Kerr, 28, Model, trägt bald ei- nen BH im Wert von 1,8 Millionen Euro. Kerr werde den hochkarätigen Büsten- halter auf der nächsten „Victoria’s Se- cret“ Modenschau präsentieren, berich- tet die NewYork Post. Das edle Stück sei mit Diamanten, Perlen und Aquamari- nenbesetzt. Es habe über 500 Stundenge- dauert, bis die etwa 3400 Schmuckstü- cke anOrt undStelle gesessenhätten, be- richtet die Zeitung. Viola Davis, 46, Schauspielerin, hat ein Baby adoptiert. Davis und ihr Ehemann Julian Tennon sind nun stolze Eltern ei- nes kleinen Jungen namens Genesis, be- richtet das People-Magazin. Ausgeplau- dert habe dies Davis’ Filmkollegin Octa- via Spencer auf einer Veranstaltung der Zeitschrift Elle in Hollywood. Paris – Dominique Strauss-Kahn, dem früheren Chef des Internationalen Wäh- rungsfonds (IWF), bleibt ein weiteres Strafverfahren wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung erspart. Die Französin Tristane Banon verzichtete amMittwoch auf rechtliche Schritte gegenden62-Jäh- rigen, nachdem die Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahreneingestellt hat- te. Die 32-Jährige begründete ihre Ent- scheidung damit, dass die Staatsanwalt- schaft einen„sexuellenAngriff“ des eins- tigen Stars der französischen Sozialisten und damit sie als „Opfer“ anerkannt ha- be. Der Vorfall aus demJahr 2003 ist laut Staatsanwaltschaft verjährt; ein Verge- waltigungsversuch habe nicht nachge- wiesen werden können. AFP Haselau– Die Familie des auf der Südsee- insel Nuku Hiva vermissten 40-Jährigen aus Haselau ist sich mittlerweile sicher, dass der Mann tot ist. „Er ist dort gestor- ben, wo er sein Leben lang immer gerne sein wollte“, schrieben die Angehörigen am Mittwoch auf seiner Webseite. Die schrecklichen Umstände seines Todes „berühren und schockieren uns“. Der Mann war mit seiner Freundin vor drei Jahren zu einer Weltumseglung mit ei- nemKatamaran gestartet. In verschiede- nen Medien war nach demVerschwinden des Norddeutschen darüber spekuliert worden, dass der Segler Kannibalen zum Opfer fiel. Dies hat der zuständige Staats- anwalt zurückgewiesen. dapd Von Ral f Wi egand Hamburg – Im Hamburger Hafen haben schon viele berühmte Schiffe angelegt, und es ist erstaunlich, dass angesichts der zigtausend Schiffsbewegungen dort das Eintreffen eines neuen Schiffes noch immer eine Nachricht wert ist. Große Kreuzfahrtriesen lösen in der Stadt, die ohne ihren Hafen gar nicht vorstellbar wäre, volksfestartige Begeisterung aus, und die kleinen Barkassen schaukeln bei Wind und Wetter Touristentrauben durch die Hafenbecken. Demnach wird auch die neueste Schiffsmeldung an der Elbe sicher auf Interesse stoßen: An die- sem Donnerstag gegen 10 Uhr soll die RainbowWarrior III die Hansestadt errei- chen. Für die Besichtigung dieses Schif- fes (möglich am Samstag und Sonntag) gibt es allerdings einpaar besondere Hin- weise des Eigners: „Bitte tragen Sie fes- tes Schuhwerk, und achten Sie darauf, nichts bei sich zu tragen, wofür man eine freie Hand braucht wie Regenschirme oder Handtaschen.“ Die Rainbow Warrior III gehört der Umweltschutzorganisation Greenpeace und wird zwar die Weltmeere bereisen, aber nicht zumVergnügen. Sie ist ein Ar- beitsschiff und steht in der Tradition ih- rer Vorgänger: der Rainbow Warrior II, die imvergangenen August an die Nicht- regierungsorganisationFriendshipüber- geben worden ist, vor allem aber des le- gendären Ur-Schiffes Rainbow Warrior. Dieser Kahn machte von 1978 an immer wieder Schlagzeilen, als Umweltaktivis- ten begannen, bis dahin unerreichbare Öko-Krisenherde auf demWasserweg an- zusteuern. Die Rainbow Warrior tanzte auf hohen Wellen um Walfänger herum und brachte die Bilder der blutigen Rob- benjagd, deren Initiatoren sich am Ran- de der zivilisierten Welt bis dahin unbe- obachtet fühlen konnten, über das Meer ans Licht der Öffentlichkeit. 1985, als die Rainbow Warrior im Ha- fen von Auckland in Neuseeland lag, um bald zu Protesten gegen französische Atomversuche auf dem Mururoa-Atoll auszulaufen, versenkte eine Explosion das Schiff. Der vom französischen Ge- heimdienst zu verantwortende Anschlag kostete den portugiesischen Fotografen Fernando Perreira das Leben. Spätes- tens durch das Attentat wurde die Rain- bowWarrior zum Wahrzeichen. Auchdie Besatzungen des Nach-Nach- folgers werden selten ruhiges Fahrwas- ser genießen können. Greenpeace-Schif- fe sind an Brennpunkten im Einsatz, lie- fern Hilfsgüter in Krisenregionen oder dokumentieren– wie die Warrior II bei ih- remletzten großen Einsatz vor der Küste vonFukushima – die FolgenvonUmwelt- katastrophen. Die Rainbow Warrior III, die in Danzig und Berne an der Weser ge- baut wurde, lief am Mittwoch zu ihrer Jungfernfahrt aus. Es ist das erste Schiff, das Greenpeace International selbst ge- baut hat und nun als „Grünes Schiff“ rühmt, mit 1300 Quadratmeter großenSe- geln, Dieselmotoren mit Abgasreinigung und einem Elektromotor für langsame Fahrt. Mülltrennung undAbwasserreini- gung an Bord sind selbstverständlich. Der schwimmende Hybrid-Krieger ökologisiert den Öko-Protest auf den Weltmeeren, nur komfortabel ist die War- rior III nicht: „Sie ist kein Passagier- schiff, auf dessen Deck man flanieren kann“, heißt es in den Besucher-Tipps: „Es gibt Stufen und steile Treppen.“ Stare bilden auf der Reise gen Süden rie- sige Schwärme, die bevorzugt über Rom tanzen – zum Entsetzen der Römer. Die tierische Flugshow in Bildern. www.sueddeutsche.de/reise Gezerre ums Kind Das Berliner Amtsgericht verhandelt über den Fall eines Babys, das zwischen seinen Eltern fast zerrissen wurde – im wörtlichen Sinn Strauss-Kahn entgeht weiterem Strafverfahren Nach Überfall in U-Bahn: Jugendliche stellen sich Familie bestätigt Tod von Südsee-Segler Ingmar Bergman: DNS-Test war falsch Im Zeichen des Regenbogens: Das neue Flaggschiff von Greenpeace, die Rainbow War- rior III, ist am Mittwoch imnord- deutschen Berne an der Weser zum ersten Mal ausge- laufen. Foto: dpa Krieger mit Mülltrennung Die Umweltschutzorganisation Greenpeace schickt ihr neues Schiff „Rainbow Warrior III“ auf Jungfernfahrt Heute bei Ernst will EU-Verfassung Schwärme für den Star Seite 12 / Süddeutsche Zeitung Nr. 242 Donnerstag, 20. Oktober 2011 PANORAMA Das Symbol eigne sich „für jedweden Protest gegen gefühlte Tyrannei“. LEUTE Vater des Symbols der aktuellen Kapi- talismuskritik: Comic-Autor Alan Moore. Fotos: Panini, Corbis „Ick habe jezogen wie een Verrückter“, sagt der Vater. Ein grauer Hinterhof im Münchner Glockenbachviertel: An der Treppe, die indenKeller hinunter führt, bröckelt der Putz. Sebastian Weiss drückt die Tür zu einem schmalen Gewölbegang auf, in dem sich ein Drumset, Lautsprecherbo- xen, eine alte Gitarre, Wasserkocher, Zeitschriften und Platten stapeln. Es riecht nach Moder. Ein Nebenraum mit Holzvertäfelungenaus denfünfziger Jah- ren dient als Gesangskabine. Wenn mo- derne High-Tech-Studios heute mit ei- nem Rechner, Mikro, Abhöre auskom- men, dann stellt dieses Loch so ziemlich das genaue Gegenteil dar. Überall Gerät- schaften aus der Steinzeit des Hip-Hop: Neben einem Set 1210er-Plattenspieler, ein Fender Rhodes Piano Stage 73 und ein Korg Synthie Moog. Sebastian Weiss, alias Sepalot, ein drahtiger Typ mit For- scher-Blickkannjedes einemseiner Lieb- lings-Musiker aus den siebziger Jahren zuordnen: „Das hörst du bei Herbie Han- cock, das hier hat Stevie Wonder . . .“. Beinahe zärtlich lässt der Hip-Hop-Pro- duzent – und Mitbegründer der Münch- ner Hip-Hop-Formation Blumentopf – seine Finger über zwei graue Kästenstrei- chen. SP 1200 Sampler-Dinosaurier: „Fünf Sekunden Mono-Sample-Zeit, und hier steckst du die Floppy Disc ein.“ AuchwennSepalots Arbeitsplatz inet- wa so gemütlich wirkt wie das Depot ei- nes Technik-Museums, hat er in dem Durcheinander doch sechs von der Kri- tik hochgelobte Alben mit seiner Band Blumentopf und diverse ambitionierte Seiten-Projekte produziert. Zum Bei- spiel die EP Fraud, wo er mit Freunden AC/DC-Songs coverte. Oder auchBavari- an Beat Konducta: Ein instrumentales Hip-Hop-Album, das nur aus Samples bayerischer Volksmusik besteht. „Das mache ich zur Gaudi“, sagt der Mann, dessenKünstlername mutmaßlich auf ei- ne Verschleifung von Sir Rap-A-Lot mit der bayerischen Respekts-Bekundung Sapperlott zurückgeht: Warumsonst soll- te sich einer der besten Hip-Hop-Produ- zenten Deutschlands mit solch skurrilen und kommerziell kaum verwertbaren Ideen die Zeit vertreiben? Sein Spieltrieb scheint jedenfalls kaum von Gedanken an Charts, Ruhm und Publikumsinteres- se gebrochen zu sein. Entsprechend leichthändig hat er sein neues Solo-Al- bumproduziert: „Chasing Clouds“. Gan- ze vier Monate Keller-Gefrickel reich- ten, umaus einer Handvoll Ideeneinstar- kes undstilistischeigenwilliges Hip-Hop- Opus zu fertigen – mit Songs, die den ganz großen Pop atmen. „Mich haben am Hip-Hop immer die Beats interessiert“, sagt Weiss, „und nicht die Egos, die sich darüber breitge- macht haben.“ Tatsächlich gehört Weiss, Jahrgang 1974, zu einer neuen Generati- on von Hip-Hop-Liebhabern. Als er auf- wuchs, befand sich der deutsche Rap in der Talsohle des Gangster-Rap, da war für ein Mittelklasse-Kind wie ihn nicht viel zu holen, obwohl er die Musik nach wie vor liebte. So wurde er Teil einer der wichtigsten Entwicklungen des jüngeren Hip-Hop: Der Emanzipation der Produ- zenten von den Rappern. „Inzwischen bin ich überzeugt davon, dass die Musik funktioniert, ohne dass ein Rapper halb- scharige Reime darüberlegt.“ Gegenalles Halbscharige – also Unmo- tivierte, Laxe – hatte Sepalot sich bereits mit seiner Combo Blumentopf gestemmt. Seit Ende der neunziger Jahre bildeten sie zusammen mit Freundeskreis und denBeginnern die Vorhut einer mal poli- tischen, mal selbstironischen Rap-Alter- nativkultur, die sich ihre eigene Version von Hip-Hop schnitzen wollte. Die Gangster-Rap-Welle wischte diesen Traum erstmal beiseite. Heute ist Sepa- lot „der schlechte Ruf des deutschen Rap egal“ – weil es sich eh besser aus der Underdog-Perspektive produziert. „Wenn du der Tollste sein willst, kommt was anderes raus, als wenn dich die Um- welt als Nerd belächelt und du es trotz- dem durchziehst.“ Sepalot nippt an sei- nem zweiten Cappuccino. „Uncool-Sein ist der beste Nährboden für interessante Sachen.“ Wobei Sepalot wohl auch eine Abgeklärtheit gegenüber all den Mode- trends meint, die ihn als Jugendlichenge- fangennahmen. Damals hatte er über ein paar Mod-Freunde den Soul für sich ent- deckt. Dann fing er – mitten in der „Rare Groove“-Welle der frühen Neunziger – mit dem„Diggen“ an. „Ich wälzte Vinyl- stapel, bis meine Finger schwarz wa- ren.“ Erste Auftritte als DJ von Blumen- topf absolvierte Sepalot in Old-School- Manier: Bei Auftritten in Münchner Ju- gendzentren reihte er wie einst Grand- master Flash Beatsequenzen aneinan- der, mixte die Breaks stundenlang von Plattenteller zu Plattenteller. Blumen- topf aber wuchs mit der Horizonterweite- rung von Sepalot bald aus der Funk- Ecke heraus. Die Band machte sich durch ARD-„Raportagen“ zu den Fuß- ballweltmeisterschaften 2006 und 2010 auch jenseits der Hip-Hop-Kultur einen Namen. Und Weiss begann, mit Synthie- Electro-Klängen zu experimentieren. Oder unterlegte einen Song ausschließ- lich mit Film-Samples. Auf seinem ersten Album „Red Han- ded“ fandSepalot 2008 endgültig eine ei- gene, so futuristische wie Club-taugliche Sprache: Soulgesänge, jazzige Beats und pumpende Electro-Bässe. „Chasing Clouds“ aber liegt als Gesamtwerk noch mehr „neben der Spur“, wie der Produ- zent sagt. Da schimmern seine alten Lie- ben Soul und P-Funk durch die Ritzen – während verzerrte Bässe den Retro- Sound zum Raver-Raumschiff aufrüs- ten. Ein rhythmischer Fausthagel eröff- net das Album: Das Instrumental „Ser- vus“ bleibt nicht der einzige Verweis zur verstorbenen Detroiter Produzentenle- gende J.Dilla und dessen idiosynkrati- scher Sample-Arbeit. Auf die Brüche kommt es an. Ob Sepalot singen lässt oder einen alten Sam-Cooke-Schlager ausschlachtet – immer kostet er den Kon- trast zwischen weichen Soulklängen und Synthie-Beats aus. Gerapt wird auf dem Album nur zwei mal sechzehn Takte. Weiss spannt lieber gospelnde Gesangsli- nien wie Brücken über seine kantigen Rhythmen. Das ist für ihnder schwierigs- te Part: „Roughe Beats schüttle ich dir aus dem Ärmel, aber eine Melodie, die nicht kitschig ist, puh!“ Sucht man nach Vorbildern aus dem aktuellen Hip-Hop, nennt Weiss Kanye Wests „808s & Heartbreak“ – und das nicht nur des melancholischen Ambien- tes wegen. Sondernauchweil sichhier ei- ne durch und durch künstlerische Hal- tung jenseits aller Hip-Hop-Realismen spiegelt. „Hey, wir machen verdammt noch mal Kunst, was wollt ihr?“ Sepalot ruft das ein paar imaginären Gästen sei- ner eklektischen Live-Sets zu, die mal wieder zum„Spiel dochmal endlich Hip- Hop“-Gemecker ans DJ-Pult treten. Ja, Typen wie Kanye West hätten seinen Re- spekt. Weil es ein Risiko darstelle, über denTellerranddes Hip-Hophinauszuzie- len, Schneisendurcheine nochnicht kar- tographierte Pop-Wildnis zu schlagen. Der Münchner Produzent markiert hier seinen ganz eigenen Weg: Gospel, Kraut- Rock, Disco, Electro? Für Sepalot alles nur Baumaterial, um über einem Hip- Hop-Chassis seine trotzige Liebe zum Seelenvoll-Unfertigen, dem Charme des Unpolierten auszuleben. Die Mitstreiter für „Chasing Clouds“ kommen aus aller Welt: Die US-Rapper Buff 1 undFashawnhat Sepalot über My- space angefragt; der Sänger Fabian Füss ist ein Spezl aus der Münchner Bandsze- ne; FrankNitt wohnte vor vier Jahrenmo- natelang bei ihm, während Weiss selbst auf einer Weltreise die Neuseeländerin Ladi6 bei einem Gig in Sidney kennen- lernte – und zwei Wochen später mit dem Wohnmobil vor ihrer Tür stand. Mittler- weile hat der Münchner ihr mehrere Chart-Hits in ihrer Heimat beschert. Die Gast-Vokalisten, sagt Sepalot, brauche er, um seine eigenen Emotionen zuverkörpern: Das Video zur Single-Aus- kopplung „Rainbows“ etwa verfilmt den Ennui und das Beziehungsende eines High Society Pärchens – mit Sepalot als dessen Chauffeur auf dem Weg zum Friedhof. „Hip-Hop“, sagt er, „hat doch oft Angst vor großen Gefühlen. Mir ge- fällt, dass ich hier der Traurigkeit neben der breiten Brust ihren Platz geben kann.“ Emotionaler Schmutz trifft auf Pop-Instinkt: Es ist als obdas Hochglanz- Genre Hip-Hop einen gehörigen Schuss Sepalot’scher Uncoolness bräuchte. Das beste deutsche Hip-Hop-Album 2011 je- denfalls stammt aus einemmodrigenKel- ler im gentrifizierten Glockenbachvier- tel. JONATHAN FISCHER Donnerstag, 20. Oktober 2011 HF2 Süddeutsche Zeitung Nr. 242 / Seite 13 So schlecht die Zeiten auch sind, das Geschäft mit der Kunst läuft immer noch bestens, zumal inden USA, wo es den Su- perreichen, die gerne Kunst kaufen, so gut geht wie seit den Zeiten des Eisen- bahnbaus nicht mehr. Doch wenn eine ebeneingereichte Klage Erfolg hat, könn- te Kunst in Amerika demnächst ein we- nig teurer werden. Die Künstler Chuck Close und Laddie John Dill sowie die Er- ben von Sam Francis und Robert Gra- ham beschuldigen die Auktionshäuser Christie’s und Sotheby’s, ein lange ver- gessenes Gesetz zu verletzen, nach dem sie einen Anspruch auf fünf Prozent des Preises haben, der beim Wiederverkauf eines ihrer Werke erzielt wird. Bedin- gung ist, dass der Verkauf in Kalifornien stattfindet oder dass der Käufer dort sei- nen Wohnsitz hat. Dass der 1977 verabschiedete „Califor- nia Resale Royalty Act“ gerade in diesem Bundesstaat eingeführt wurde, ist kein Zufall. Künstler im Film-, Fernseh- und Musikgeschäft streichen auchnachJahr- zehnten noch Tantiemen für ihre Werke ein. Künstler hingegen haben in den USA keine Chance, von der Wertsteige- rung ihrer Werke zu profitieren. Haben sie ihr Werk erst einmal verkauft, schöp- fen andere die Profite imKunstmarkt ab. Das kalifornische Gesetz folgt einem französischenVorbild, dem„droit de sui- te“, das Ende des 19. Jahrhunderts einge- führt wurde, umarme Künstler zuunter- stützen. 1996 wurde das Gesetz als „Fol- gerechts-Richtlinie“ EU-weit verab- schiedet, wenn auch die Umsetzung in den einzelnen Ländern unterschiedlich ist. Bei jedem Wiederverkauf eines Kunstwerks steht dem Urheber danach ein Anteil am Kaufpreis von zwischen fünf und 0,25 Prozent zu. Maximal sind es 12 500 Euro. Bis 70 Jahre nach dem Tod des Künstlers geht das Geld an des- sen Erben. Umdas Folgerecht gab es in den neun- ziger Jahren erbitterte Debatten. Die Gegner argumentierten, es schwäche Eu- ropa als Kunsthandels-Standort. Und statt mittellosen Künstlern, deren Werke auf Auktionen oder im Secondary Mar- ket ohnehin keine Rolle spielten, komme es allenfalls den wenigen Stars zugute. Die Hauptprofiteure seien aber Anwälte undfür das Geldeintreibenzuständige In- stitutionen. Hinzu kommt, dass sich das Gesetz schwer durchsetzen lässt. Die Auktionshäuser, derenGeschäfte vor gro- ßemPublikumabgewickelt werden, kom- men kaum umhin, die Abgabe von ihren Käufern einzufordern und an die Künst- ler abzuführen. Doch was in Galerien oder auf Messen im Hinterzimmer ge- schieht, weiß außer den Beteiligten nie- mand genau. Sollten die Kläger sich tatsächlich durchsetzen, könnte das kalifornische Gesetz für einige Unruhe unter amerika- nischenSammlernsorgen, vondenenvie- le in Kalifornien wohnen. Dem – aller- dings nicht sehr bedeutenden – Kunst- markt in Kalifornien wird es ebenfalls schaden. Als das Gesetz in den Siebzi- gern verabschiedet wurde, ahnte wohl niemand, welche Sprünge der Kunst- markt machen würde. Fünf Prozent, so dachte man damals, werden niemanden scheren. DochwenneinWerkheute meh- rere Millionen Dollar kostet, bedeuten fünf Prozent – ohne DegressionundOber- grenze wie in Europa – eine Menge Geld. Zuerwartenist, dass Käufer undHänd- ler kreative Wege finden werden, um die Abgabe zu vermeiden. Da das Gesetz nur für Kalifornien gilt, dürfte das nicht all- zu schwer sein. Christie’s und Sotheby’s erklärten, der Vorstoß der Künstler sei „aussichtslos“, man sehe der gerichtli- chen Klärung gelassen entgegen. JÖRG HÄNTZSCHEL „Tatsächlich, da steht es“, sagte Julian Barnes nach einem Blick auf die Notizen seiner Vorrednerin. Die dezente Ungläu- bigkeit, die der Autor zur Schau trug, nachdem die Jury-Vorsitzende ihn zum Gewinner des diesjährigen Man-Booker- Preises erklärt hatte, mag manchem ein wenig aufgesetzt erschienen sein. Schließlich war Barnes mit seinem Ro- man „The Sense of an Ending“ hausho- her Favorit gewesen. Doch erstens hat der Booker sich in den letzten Jahren sel- ten an die Vorhersagen von Experten und Buchmachern gehalten. Und zwei- tens war JulianBarnes schondreimal no- miniert gewesen, zuletzt 2005 für „Ar- thur &George“, und hatte nie gewonnen. In seiner Dankesrede erinnerte er an Jorge Luis Borges, der einmal die Vermu- tung geäußert hatte, in Schweden gebe es eine kleine Gruppe von Leuten, die aus- schließlichdaranarbeiteten, ihmdenNo- belpreis vorzuenthalten. „In den letzten Jahren hatte eine milde Paranoia einge- setzt, dass es sich bei mir mit demBooker ähnlich verhalten könnte“, gestand Bar- nes. Da seinBuchinder Shortlist qualita- tiv weit herausragte, hätte er es diesmal tatsächlich als Ungerechtigkeit empfin- den können, wenn ein anderer den mit umgerechnet 57 000 Euro dotiertenwich- tigsten Literaturpreis für den Common- wealth-Raum und Irland gewonnen hät- te. „The Sense of an Ending“ ist mit 160 Seiten vergleichsweise kurz. Doch wie Barnes allmählich die Selbstzensur in den Erinnerungen seines pensionier- ten Protagonisten Tony Webster bloß- legt, beweist seine ganze Meisterschaft. Die Kontroverse des Booker-Jahr- gangs 2011 lieferte nicht der Sieger, son- dern der von vielen Kritikern beanstan- dete „Populismus“ der Jury unter Vor- sitz von Stella Rimington. Das gipfelte vergangene Woche in der Gründung ei- nes Konkurrenz-Preises (SZ vom15.10.). In ihrer Rede bei der Preisverleihung in der Londoner Guildhall setzte sich die Thriller-Autorin und ehemalige briti- sche Geheimdienstchefin gegen die Kri- tik zur Wehr: Sie sei „hocherfreut“ über den Erfolg der Shortlist bei den Lesern, so Dame Stella. Und da in diesem Jahr die Stiftung neuer Preise in Mode zu sein scheine, wolle sie einen weiteren vor- schlagen. „Warum loben wir keinen Preis für die beste Kritik des Booker- Preises aus?“, fragte die Jury-Vorsitzen- de süffisant. Es ist allerdings fraglich, ob sich dafür ein zahlungswilliger Sponsor finden würde. ALEXANDER MENDEN FILM Von Hand zu Hand StevenSoderberghs Virus-Katastrophen- film „Contagion“ Seite 14 FEUILLETON Wir sind für Sie da Der erfolgreiche Museumsexport des Centre Pompidou Metz Seite 15 LITERATUR Unbrauchbar und glücklich Heinrich Meier kommentiert Rousseaus „Träumereien“ Seite 16 MEDIEN Der Soundtrack ihres Lebens Eine Doku will die Berliner anhand ihrer Einschlafmusik erklären Seite 19 WISSEN Spätentwickler Der Intelligenzquotient kann sich noch in der Pubertät verändern Seite 20 www.sueddeutsche.de/kultur Nur ein Stück vom Kuchen US-Künstler streiten vor Gericht um Anteile an Wiederverkäufen Glückliches Ende milder Paranoia Julian Barnes gewinnt den Man-Booker-Preis Die Beats sind interessant, nicht die Egos Sapperlot! Der beste deutsche Hip-Hop entsteht im Münchner Glockenbachviertel – ein Besuch bei Sepalot HEUTE FEUILLETON Neben der breiten Brust hat die Traurigkeit auch ihren Platz bei Sebastian Weiss. Foto: Stephanie Fuessenich „Uncool-Sein ist der beste Nährboden für interessante Sachen“ „Hey, wir machen verdammt noch mal Kunst, was wollt ihr?“ Sollte sich die Klage durchsetzen, werden Käufer und Händler Wege finden, Abgaben zu vermeiden € 21,99 (D) / € 22,70 (A) / sFr 30,90 / 576 Seiten / 978-3-550-08873-5 Du siehst ihn nicht. Er jagt Dich. Unerbittlich. www.nesbo.de © P e t e K n u t s o n Kommissar Harry Hole ist zurück aus Hongkong und ermittelt in seinem persönlichsten Fall. Der neue Thriller des Spiegel- Bestseller- autors Urban Exploring, das ist Urlaub für Leute, denen australische Outbacks zu langweilig sind. Eine bunt gewürfelte Truppe, eine Koreanerin, ein Amerika- ner, eine Französin undeine Venezolane- rin sind dabei, alle jung, naiv und erleb- nishungrig, macht sichimBerliner Unter- grund auf die Suche nach dem Kick. Ein Labyrinth aus Katakomben und Kanali- sation, U-Bahn-Tunneln und Bunkern wartet da unten, aber statt des wohligen Kitzels wirdes eine Tour indenexistenzi- ellen Horror. Junge deutsche Filmemacher entde- cken seit einigen Jahren zunehmend selbstbewusst das Genrekino für sich. In Filmen wie „Lautlos“ oder zuletzt „Hell“ beweisen Mennan Yapo und Tim Fehlbaum Gespür für Atmosphäre und Spannung, und für das Spiel mit den Re- geln, nach denen klassische Genres wie Thriller, Horror und Katastrophenfilm funktionieren. Andy Fetscher, Regisseur, KameramannundCutter von„UrbanEx- plorer“ verlagert den uramerikanischen Horrorslasherfilm in die Berliner Unter- welt – er sichert sichdamit denVorteil ei- nes ausgesprochen atmosphärischen Schauplatzes: modrige Oberflächen in schummrigem Licht, eine unheimliche Geräuschkulisse. Schon in seinem Regiedebüt „Buka- rest Fleisch“ benutzte Fetscher ein reales Phänomen – den Gammelfleischskandal – als Ausgangspunkt für sein Horrorsze- nario. Jetzt spitzt er wieder etwas zu, was es gibt – Extremtourismus. Viele Tou- ren an Berlins dunkle Orte werden seit der Öffnung der Mauer legal angeboten – hier allerdings geht es umeine verbotene Variante. Max Riemelt fungiert unter demDecknamen Dante als konspirativer Tourguide indie Hölle. Durchdie Seiten- tür eines Technoclubs führt er seine Schützlinge in den Untergrund, er ver- spricht einen exklusiven Blick in einen versiegelten Nazibunker. Als er während einer Tour schwer verunglückt, sind die verschreckten Kids auf sich allein ge- stellt, und ein ehemaliger DDR-Wach- mann erweist sich als sehr viel weniger entgegenkommend als es zunächst scheint. Klaus Stiglmeier spielt diesenge- fährlichverschrobenenEigenbrötler zwi- schen jovialer Hilfsbereitschaft, lauern- der Verschlagenheit und brachialer Ge- walttätigkeit. Er macht das gut – den- noch bleibt „Urban Explorer“ letztlich enttäuschend. Sein großes Versprechen kann der Filmnicht einlösen, sprunghaft und unausgegoren, mit hölzernen Dialo- gen und linkischem Schauspiel kippt er um in billigen Trash. aster URBANEXPLORER, D2010– Regie, Ka- mera und Schnitt: Andy Fetscher. Buch: Martin Thau. Mit: Max Riemelt, Klaus Stiglmeier, Nathalie Kelley, Nick Evers- man, Catherine de Léan, Brenda Koo. Summiteer Films, 94 Minuten Dieses Remake ist ein interessanter Fall pubertärer Besitzansprüche imfort- schreitenden Alter. Ziemlich beleidigt wurde vondeneinstigenKids der Reagen- Ära gerade auf das 2011er Update ihres „Footloose“-Tanzfilmklassikers von 1984 eingedroschen, in Kritiken und Blogeinträgen. Ja, der renitente Groß- stadtjunge Kevin Bacon, der die Klein- stadt Bomont in diesem Film aufmischt, ist verschwunden, genau wie sein Walk- man. Stattdessen spielt nun der Newco- mer Kenny Wormald die heilige Rolle des tanzenden Rebellen Ren MacCormack – und ja, er hat natürlich einen iPod. So provoziert diese Neuverfilmung des er- folgreichen Films mit noch erfolgreiche- rem Soundtrack bei den Liebhabern des Originals vermutlich die Erkenntnis, dass die eigene Jugendschondreißig Jah- re her ist. Und, viel schlimmer, nicht ein- zigartig war: Da sinddochtatsächlichan- dere junge Menschen nachgewachsen, die dasselbe adoleszente Theater durch- machen, genauso intensiv, nur mit ande- ren Musikabspielgeräten. Die Sorge um das ideelle Erbe von „Footloose“ ist ohnehin unbegründet. Craig Brewer, einer der aufregendsten Regisseure des jüngeren amerikanischen Kinos, hat aus Herbert Ross’ Original keinHigh-School-Musical gemacht, son- dern ein ziemlich raues Stück Kino, wie man es aus seinen früheren Filmen ge- wohnt ist. Brewer hat 2005 „Hustle & Flow“ gemacht und ein Jahr danach „BlackSnake Moan“, eine sehr eigene Va- riante des Musikfilms, in dem Samuel L. Jackson die wilde Christina Ricci an die Eisenkette legt, um ihr mit Bibel und Bluesgitarre die Nymphomanie auszu- treiben. Inhaltlich erzählt er in seinem „Foot- loose“ dieselbe Geschichte wie 1984: Nach dem Tod seiner Mutter zieht der Großstadtjunge RenMacCormackzuVer- wandten ins Südstaaten-Kaff Bomont, wo nach einem grausigen Party-Unfall ein öffentliches Tanzverbot gilt. Ren reibt sichphysisch an der hübschen Pfar- rerstochter Ariel (Julianne Hough) und damit moralisch am grimmigen Pfar- rer/Vater (Dennis Quaid), und mischt überhaupt das ganze biedere Kleinstadt- leben auf. Das Tanzen wird zum Symbol der unterdrückten Gelüste der High- School-Kids. Am intensivsten und ag- gressivsten zeigt sich das in einer Szene, in der Ren vor lauter Wut auf die Enge und die Starrhalsigkeit des kirchentreu- en Städtchens in ein verfallenes Fabrik- gebäude flieht. Wütend boxt er in die Luft, schlägt um sich, rennt, springt, wie im Wahn. Ein explosiver Ausfall, von in- nen nach außen choreographiert als Tanz. Brewer erzählt die Story aus diesem fieberhaften Kern heraus als modernen Western. „Footloose“ ist also die Ge- schichte vomeinsamen Cowboy, der eine Kleinstadt von ihren Peinigern, ihren lä- cherlichen Neurosen befreit – nur wird getanzt statt geschossen. Klassisches Americana also, ziemlich sexy für jede Generation. Und so wiederholt sich in der Rezeptionwie imFilmder immerglei- che Krieg: Die Veränderung ist nur durch den Vatermord möglich, zumin- dest ideell, ohne denniemals etwas voran- geht für die Jugend. DAVID STEINITZ FOOTLOOSE, USA 2011 – Regie: Craig Brewer. Buch: Dean Pitchford, Craig Brewer. Kamera: Amy Vincent. Musik: Deborah Lurie. Schnitt: Billy Fox. Mit: Kenny Wormald, Julianne Hough, Den- nis Quaid, Miles Teller, Andie MacDo- well. Paramount, 113 Minuten. Schluss jetzt, knurrt der alte Mann die Frauhinter der Kamera an, die Filmema- cherin Annekatrin Hendel. Sie sitzen in einem Ruderboot, er trägt weißes Hemd und Krawatte, auf demKopf einen brau- nen Hut, den er nur selten den Film über absetzen wird. Es geht um einen Satz, den seine Mutter sagte: Der größte Feind im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant. „Der Satz hat nicht genagt. Ich hab viel zu wenig Leute angeschis- sen. Bist du jetzt zufrieden? Ich geh über Bord. Ich hab kein Gewissen und ich hab keine Moral. Jedenfalls nicht eure. Diese Ackermanns, diese Schwerverbrecher.“ EinEinstieg, der verunsichert, erschüt- tert. Der Schriftsteller Paul Gratzik, Jahrgang 1935, war IM der Stasi, zwan- zig Jahre lang, erst 1981 hat er sich selbst enttarnt, wurde darauf vonder Stasi schi- kaniert. Wir waren Pracher, uns wollte niemand haben, erzählt der alte Mann – nach dem Krieg wurde seine Familie aus Ostpreußen nach Mecklenburg gebracht. Heute lebt Paul Gratzik in einem abge- schiedenen Haus in der Uckermark, das in der verschneiten Landschaft ein Sinn- bild scheint für archaische Einsamkeit, Gesellschaftsferne, Unabhängigkeit. Der Film lässt Gratziks Führungsoffi- zier zu Wort kommen, die Opernsängerin Renate Biskup, einst seine Geliebte, die er doch denunzierte, den Dichter Sascha Anderson, den er wie einen Sohn förder- te. Ein Erinnerungsfilm, der nicht aufs Wegducken und eilfertige Bereuen aus ist, sondern auf die Einsamkeit des De- nunzianten – die oft auch Familiäres hat. Heiner Müller etwa hat Gratzik gedeckt, wie ein älterer Bruder den jüngeren. göt VATERLANDSVERRÄTER, D2011 – Re- gie, Buch: Annekatrin Hendel. Kamera: Johann Feindt, Jule Katinka Cramer, Martin Langner, Can Elbasi. Grafik: Leif Heanzo. Edition Salzgeber, 96 Minuten. Venedig, Canal Grande. Draußen läuft gerade eine historische Bootsregatta, drinnen im Palazzo Ca’ Giustinian gibt das „Contagion“-Team Interviews zwi- schen Kunstinstallationen. Matt Damon erscheint mit kahlgeschorenem Kopf – und schnell dreht sich das Gespräch nur noch um eine einzige Szene. Matt Damon: „Vor dieser Szene hatte ich wirklich Schiss. Aber das ist erst ja erstmal nichts Schlechtes. Der kreative Einsatz ist immer hoch, es ist also Druck da, aber das liebe ich auch – diesen Ent- scheidungsprozess, wenn wirklich gute Leute dabei sind. Deshalb arbeite ich auch so gern mit Steven Soderbergh. Meine Figur ist in dieser Szene also im Krankenhaus, und der Arzt muss die schreckliche Nachricht überbringen: Ih- re Frau ist gestorben, innerhalb einer Stunde, und wir wissen nicht wirklich warum . . . Bevor wir drehten, nahm ich Steven beiseite und erklärte ihm, ich hätte wirk- lich Panik vor dieser Szene. Wie zum Teufel sollten wir das angehen? Das Pro- blem ist nämlich, der Film läuft da erst fünf Minuten, die Zuschauer wissen nichts über meine Figur und auch nichts über die Figur von Gwyneth Paltrow, die meine Frau spielt und sich eben gleich als erste dieses Virus eingefangen hat und jetzt gestorben ist. Weil alles so schnell ging, ist vermutlich noch gar kein besonderes Mitgefühl beim Zuschauer vorhanden. Solche Szenenhat auchjeder schonun- gefähr eine Million mal im Film gesehen – das kommt erschwerend dazu. Eine Art, wie das Problem von Regisseuren häufig gelöst wird, nennt Steven Soder- bergh etwas zynisch „den Sack“. Da schaut die Kamera dannaus größerer Dis- tanz zu, wie jemand die Todesnachricht erhält – und dann sackt diese Person ein- fach in sich zusammen, gegen die Wand oder wohin auch immer. Und wir schau- ten uns an und dachten: Auf keinen Fall „den Sack“. Dann gibt es die Möglichkeit, dass jemand vor laufender Kamera völlig aus- einanderfällt. Das hat mein Freund Ben Affleck in demFilm„Jersey Girl“ einmal wirklich großartig gespielt, als er dort die Nachricht bekommt, dass seine Frau bei der Geburt ihres Kindes gestorben ist. Ich kenne keine bessere Szene dieser Art. Hier passte das aber auch nicht, dazu muss man die Figuren besser kennen. Dann haben wir uns zusammengesetzt mit diesem Arzt, der unsere Berater war, der in der Notaufnahme-Abteilung eines Krankenhauses arbeitet. Dieser Mann musste schon vielen hundert Menschen die Nachricht vom Tod eines Angehöri- gen vor dem Operationssaal überbrin- gen. Und wir fragen ihn: Wie läuft das denn wirklich? Er wollte erstmal mehr Informatio- nen. Rechnet hier schon jemand mit dem Tod? Auf keinenFall. Die Fraukommt al- so ins Krankenhaus, der Mann ist noch draußen im Warteraum, und auf einmal ist sie tot? Exakt so. Er überlegte und er- klärte dann, dass es zwei typische Reakti- onen gibt: Die erste ist, jemand bricht to- tal zusammen, wie manes schoneine Mil- lion Mal in Film und Fernsehen gesehen hat. Und wir alle: Okay, und die zweite? Die zweite, sagt er, passiert genauso oft: Das Gehirn kann diese lebensverändern- denInformationenimerstenMoment gar nicht verarbeiten . . . Genau das spiele ich jetzt in der Szene. Der Arzt darinverwendet exakt die Wor- te, die auch ein richtiger Arzt verwenden würde – Klartext. Also nicht: Sie hat es nicht geschafft, sie ist nicht durchgekom- men . . . Das verstehen die Leute im Ernstfall nicht. Also heißt es: Das Herz ih- rer Frauhat aufgehört zuschlagen, sie ist gestorben. Okay, antworte ich. Kann ich sie jetzt sehen? Die Wahrheit kommt noch nicht durch, und dann muss der Arzt weiterre- den bis zu der Frage nach den Freunden oder Verwandten, ob man den Wunsch habe, jemandenanzurufen. Ja, mein Bru- der sollte hier sein, weil meinBruder soll- te wissen, dass meine Frau – Moment, meine Frau ist tot? Und dann setzt die Erkenntnis ein, undes ist fürchterlich, denndann kommt eine Wut-Phase: Wir haben gerade noch gefrühstückt, ich hab sie doch eben noch gesehen . . . So sickert die Wahrheit lang- sam durch, und der Arzt weiß, dass er jetzt wahrscheinlich gleich angeschrien wird – und genauso haben wir es dann auch gezeigt. Was zum Teufel ist pas- siert? Ich brülle ihn also an und stelle im- mer mehr Fragen, under hat keine wirkli- chen Antworten. Jetzt ist alles die Schuld des Doktors. Der Mann, der den Arzt in dieser Sze- ne spielt, heißt Stef Tovar – ein brillanter Theaterschauspieler aus Chicago. Er hält sichhier exakt an das reale Ärzte-Skript. Ich liebe seine Performance, weil er im Voraus schon ganz genau weiß, wie sein Gegenüber als nächstes reagieren wird, und man sieht das in seinem Gesicht. Er spielt das wie jemand, der das alles schon Hunderte Male erlebt hat. So ist aus der Szene, vor der ich mich am meisten gefürchtet habe, am Ende dann meine Lieblingsszene in „Contagi- on“ geworden.“ Aufgezeichnet von Tobias Kniebe Apokalypsen sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Als F. W. Mur- nau in seinem „Faust“ (1926) die verhee- rende Pestseuche auf das mittelalterliche Europa losließ, taten sich bildgewaltig die Pforten der Finsternis auf, und vier apokalyptische Reiter stürmtenauf Pfer- degerippen durch die Wolken. In seinem Pandemie-Thriller „Contagion“ entwirft Steven Soderbergh ein wahrhaft apoka- lyptisches Szenario, aber emotionale An- steckungsgefahr besteht kaum. Inspiriert von der Sars-Pandemie 2003 – sie ging kontinentüberschreitend von Südchina aus und forderte etwa tau- send Menschenleben – erzählt „Contagi- on“ von einem besonders hinterhältigen Virus, das sich in der globalisierten Han- dy-Internet-Flugverkehr-Welt von heu- te in Windeseile ausbreitet. Es ist super- tödlichundmutiert schneller, als mansei- ne DNA in den Labors entschlüsseln kann. Es zerstört nicht nur den physi- schen, auch den sozialen Körper: Panik in den Metropolen, Chaos, streikende Krankenschwestern, Kriegsrecht, ver- müllte Innenstädte, leergefegte Shop- ping-Malls. Das MEV-1 genannte Virus vergiftet genau das, was das private und öffentli- che Menschenleben ausmacht: Begeg- nung, Berührung. Es verbietet den Kuss der Teenager, den Händedruck der Be- grüßung, das Festhalten an einer Bushal- testange in Tokio, sogar den Griff in die Erdnussschale in einer Bar in London. Erst als weltweit 26 MillionenMenschen- leben dahingerafft sind, wird das retten- de Serum gefunden. In der Chaostheorie gibt es das nette Bild vom Flügelschlag des Schmetterlings in China, der einen Tornado in Kanada hervorruft. Bei So- derberghs MEV-1-Epidemie wird es zum Horrorbild: der Händedruck in Hong- kong, der in exponentiellen Berührungs- kettenreaktionen zur Globalkatastrophe flattert. Hübsch wird die Story in Gang ge- setzt: Gwyneth Paltrow, strahlende Ele- ganz wie ehundje, als Glücksfee. Als Ge- schäftsreisende Bethhaucht sie einGood- Luck-Küsschen auf den Spieleinsatz ih- res chinesischen Kollegen. Schauplatz: einCasinoinHongkong. Auf ihremRück- flug zu Ehemann Mitch (Matt Damon) und Kindern in Minnesota macht sie in Chicago Zwischenstation, wo sie erste Anzeicheneiner Grippe zeigt. Wenig spä- ter liegt sie zu Hause verkrümmt auf dem Küchenboden, Schaum vor dem Mund, mit epileptischen Zuckungen. Rasant und effizient kann Soderbergh erzählen, wie sich die Epidemie ausbreitet, wie die GegenmaßnahmenvomCenter for Disea- se Control inAtlanta undvonder Weltge- sundheitsorganisation WHO in Genf or- ganisiert werden. Er hat das weit wu- chernde Geflecht der Erzählstränge fest im Griff, und doch gelingt es ihm kaum, wirkliche Anteilnahme hervorzurufen. Liegt es an seinem klinischen Blick? Daran, dass ihn der Kampf der Systeme – System Virus versus System Wissen- schaft & Politik – mehr interessiert als die nähere Berührung mit Menschen- schicksalen? Vielleicht liegt es auch dar- an, dass wir eine Wahrnehmungsblocka- de im Angesicht des Schreckens haben. Wie Beths Ehemann, als er in der Klinik vomTod seiner Frau erfährt. Solche sub- tilen Momentaufnahmen kann Soder- bergh fein zeichnen. Woher aber rührt die Kälte seines Gesamtgemäldes? Gewiss: er will nüchtern wie bei einer quasidokumentarischen Chronik erzäh- len und sein hochkarätiges Starensemble in Figuren stecken, die niemals bigger thanlife erscheinensollen, seinKatastro- phenszenario nicht à la Michael Bay als Armageddon-Knalleffekt-Show ausma- len und auch Sentimentalitäten à la Spielberg – der seine Katastrophen im- mer mit rührenden Vater-Sohn-Ge- schichten zuckert – vermeiden. Zur Crux wird Soderbergh, dass er ein braves, ob- rigkeitsgläubiges Lehrstück in Szene setzt. Gefährlicher als der MEV-1-Virus ist ihm der soziale Virus der Angst-Pa- nik. So gerät „Contagion“ unversehens zum Loblieb auf das CDC, als wolle So- derbergh einem katastrophengebeutel- tenAmerika sagen: bei allemVertrauens- verlust in die Politik ist doch dort, wo die Wissenschaft ins Spiel kommt, alles in Ordnung, und von dort her wird wieder Ordnung geschaffen. Es gibt heldenmüti- ge Wissenschaftler, die Verfahrensregeln nur brechen, um im riskanten Selbstver- such schneller an den Impfstoff zu kom- men. Es gibt die opferbereiten Soldaten, die sich tapfer in Quarantänezonen des „Outbreak“-Szenarios begeben, um das Chaos einzudämmen. Bezeichnend, dass ein Internet-Blog- ger (Jude Law mit defekten Zähnen und australischem Dialekt) als Inbild des demagogischen Bösen karikiert wird. Er gibt vor, für Meinungsfreiheit zu kämp- fen, und verbreitet windige Verschwö- rungstheorien, beschuldigt Regierung und Pharmaindustrie der Komplizen- schaft bei der Verhinderung homöopathi- scher Heilmittel. Warumdesavouiert So- derbergh mit diesem Blogger derart krass das Internet, das bekanntlich in Krisensituationen eine Sphäre legitimer und wichtiger Gegeninformationen sein kann? Bei der Sars-Epidemie 2003 zen- sierten die chinesischen Behörden lange Zeit alle Presseberichte – eine Gegenin- formation per Internet wäre lebensret- tend gewesen. Selbst Gwyneth Paltrows Beth ent- puppt sich als eine Art Bösewichtin. Sie hat nicht nur den verhängnisvollen Keim in die USA eingeschleppt, sie outet sich auch bei einem Flirt-Telefonat in Chica- go als Ehebrecherin. Wie zur Strafe wird ihr die gruseligste Szene des Films zuteil: wenn die Pathologen bei der Obduktion ihres Leichnams sie geradewegs skalpie- ren. Beth ist keine Glücksfee, sondern der ehebrecherische Todesengel, Vorrei- terin einer Apokalypse, die freilich durch eine kompetente Kombination von Wissenschaft, Politik und Militär gebän- digt werden kann RAINER GANSERA CONTAGION, USA/Vereinigte Arabi- sche Emirate 2011 – Regie, Kamera: Ste- ven Soderbergh. Buch: Scott Z. Burns. Musik: Cliff Martinez. Mit: Marion Cotil- lard, Matt Damon, Laurence Fishburne, Jude Law, Gwyneth Paltrow, Kate Wins- let, Bryan Cranston, Jennifer Ehle, Chin Han, John Hawkes, Sanaa Lathan, Elli- ott Gould. Warner Bros., 106 Minuten. Robert Redfords letzter Film„Die Lin- coln Verschwörung“ hat nicht die Auf- merksamkeit erregt, die er verdient, also wendet Redford jetzt ein altes Rezept an, das ihm früher immer geholfen hat: Er spielt selbst die Hauptrolle inseinemneu- en Regie-Projekt. „The Company You Keep“, gedreht wird derzeit in Vancou- ver. Für den Fall, dass er selbst doch nicht mehr so viel Zugkraft hat, hat sich RedfordVerstärkung engagiert: Shia La- Beouf, Julie Christie, Susan Sarandon, Nick Nolte, Stanley Tucci, Chris Cooper und Anna Kendrick . LaBeouf spielt den Reporter, der Redfords Figur auf die Schliche kommt – einem untergetauch- tenLinksradikalen, der demWeather Un- derground angehört hat, Radikale, die während des Vietnamkriegs in den USA aktiv waren und die amerikanische Re- gierung unterminieren wollten. Lem Dobbs („The Limey“) hat das Drehbuch geschrieben(nach einemRomanvon Neil Gordon). Die bekennendenRotsockenJu- lie Christie undSusanSarandonhat Red- ford als ehemalige Weather-Under- ground-Mitkombattantinnen besetzt. Bei Redfordist mandas Politisierenge- wöhnt, bei Christopher Nolan nicht, aber er bereitet sich nun auf den Ernstfall vor – er dreht zur Zeit in Los Angeles seinen neuen Batman-Film, „The Dark Knight Rises“, aber Ende des Monats zieht das Team nach New York für Außenaufnah- men. Nun weiß man bei dem Geheimnis- krämer Nolan nie so recht, wovon seine Filme handeln, bis er sie herzeigt. Aber die „Occupy Wall Street“-Proteste in NewYorkwill Nolan indenFilmeinbau- en, was wahrscheinlichnicht sehr schwie- rig ist: Batman wohnt in der Schurken- metropole Gotham City, die New York nachempfunden ist, und da gibt es öfter mal Aufruhr. Ins Kino kommt „The Dark Knight Rises“ erst im Juli 2012 – wer weiß, was bis dahin aus denProtestenge- gen die Banken geworden ist . . . Neuer Job für Juliette Binoche – sie dreht von der kommenden Woche an mit Regisseurin Marion Laine, die einen Ro- man von Mathias Énard verfilmt. Bino- ches Partner indemFilmist Edgar Rami- rez, zuletzt als „Carlos“ zu sehen. Und Steve McQueen, dessen „Shame“ gerade erst imWettbewerb von Venedig Premie- re hatte, arbeitet schon an seinemdritten Werk: „12 Years a Slave“, Drehbeginnist Anfang 2012, die Hauptrolle spielt wie- der Michael Fassbender, der in Venedig mit der Coppa Volpi ausgezeichnet wur- de für seine Rolle in „Shame“. McQueen war halt früh dran – er hat Fassbender nochvor den „Inglourious Basterds“ ent- deckt, für seinen ersten Film „Hunger“ (2008). SUSAN VAHABZADEH Unten Pfui Andy Fetschers Katakomben- Thriller „Urban Explorer“ Wut und Wahn, getanzt Craig Brewer hat den Klassiker „Footloose“ neu inszeniert Kein Gewissen Ein Denunziantenfilm, der sich nicht duckt – „Vaterlandsverräter“ „Kann ich sie jetzt sehen?“ Anatomie einer Filmszene: Matt Damon erklärt, warum eine Krankenhaus-Sequenz in „Contagion“ ihn fast überfordert hätte Von Hand zu Hand Steven Soderberghs „Contagion“ ist ein kluges Virus-Lehrstück, hat aber nur wenig berührende Momente Was gibt’s Neues? Politclowns Wer was mit wem dreht Seite 14 / Süddeutsche Zeitung Nr. 242 Donnerstag, 20. Oktober 2011 FILM Aufklärung muss sein auch bei der Apokalypse – Jude Law als einzelkämpferischer Blogger im Straßeneinsatz. Foto: Warner Noch ist die schreckliche Wahrheit nicht angekommen – Matt Damon und Stef Tovar (rechts) in der Krankenhaus-Szene von „Contagion“ . Foto: Warner Keine Armageddon-Knalleffekte à la Michael Bay, keine Sentimentalitäten à la Spielberg Es sind viele, aber keinesfalls übermä- ßig viele Neuaufnahmen, mit denen der Komponist Franz Liszt zum 200. Ge- burtsjahr gewürdigt wird. Einige Labels reagierten wie gewohnt damit, dass sie in ihren Archiven kramten und längst Ver- staubtes als Frischware auf den Markt warfen, andere brachten Neuaufnahmen heraus, die sich im Nachhinein aber als nicht ganz so dringlich herausstellten. Unter den Großprojektensticht natür- lich die einzige, gigantomanische Ge- samteinspielung mit dem australischen Pianisten Leslie Howard heraus (Hyperi- on), die aber unter reinmusikalischenGe- sichtspunkten mehr Erwartungen weckt als erfüllt. Deshalb ist sie nicht ganz un- nütz, auch wenn Howard pianistisch- technisch, aber auch musikalisch-men- tal, dem ebenso virtuosen wie visionären Franz Liszt nicht gerecht werden kann. Vergleicht man allein die „Etudes d’exé- cution transcendente“ S 139, wird man VesselinStanev (RCA) oder Vladimir Ov- chinikov (EMI) den Vorzug geben, oder gleich zu älteren Aufnahmen greifen wie der von Lazar Berman von 1956. Die ist Bestandteil einer Auswahlbox auf 30 CDs (Brillant Classics), in der, wie zu erwarten, nicht alles von erster Quali- tät ist, aber gleichwohl einige große Na- menmit respektablenAufnahmenvertre- ten sind. György Cziffra ist dabei, Emil Gilels, Evgeny Kissin, Svjatoslav Rich- ter, Alfred Brendel und Louis Lortie, aber auch Michele Campanella, der gleichzeitig mit einer eigenenKompilati- on auftaucht (Brillant Classics) und den- noch nicht in die erste Riege gehört. Manmuss nur einmal kurz indie unga- rischen Tänze, gespielt von Misha Dich- ter, hineinhören oder in die Klavierkon- zerte mit Byron Janis, gleichermaßen zu- packend und feingliedrig im Detail (bei- de bei newton classics), um die unter- schiedlichen Welten neuerer Liszt-Ex- egese zu erleben. Selbst Nobuyuki Tsujii, der junge blinde japanische Pianist, zeigt hier deutlich flexiblere Fingerfertigkeit undbietet mehr Seele, als dies Campanel- la undanderen vergönnt ist. Liszt fordert ja beides. Man kann seine hochmodernen Klangvisionen weder rein virtuos bewäl- tigen noch rein gefühlsorientiert in Sze- ne setzen, wie dies wohl Roger Muraro in seiner Sichtweise der „Années de péleri- nage“ (Decca) versucht. Oder, etwas aus- gereifter: Pierre-Laurent Aimard (Deut- sche Grammophon), der selbst in der h-Moll-Sonate keinen Grund zur Aufre- gung sieht, stattdessen blühende lyrische Landschaften durchwandert. Vielleicht stößt auch er hier an seine technischen Grenzen, wie man bei vielen derartigen Liszt-Interpretationen feststellen muss. Ein Verdacht, der bei György Cziffra nicht aufkommt, dem man gerade wegen seines unglaublichen Fingertalents in Deutschland mit Misstrauen begegnete. Kann da noch Musik drin sein, wo so viel Technik draufsteht? Es kann, wie der gut sortierten Box „Liszt – The Piano Collec- tion“ (EMI) zu entnehmen ist. Es sind Aufnahmenaus denfrühensiebziger Jah- ren, die einem zu Ohren führen, was kla- viertechnisch machbar und eigentlich auch unabdingbar ist, um die Lisztschen EtüdenundImpromptus, Polonaisen, un- garischen Tänze, Balladen und Liebes- träume mit pianistischer Würde zuabsol- vieren. Liszt setzt diese hohe Hürde, weil seinVirtuosentumwesentlicher Bestand- teil seines musikalischenDenkens ist. An- ders als bei Brahms, Schumann oder selbst Beethoven, wo Klaviermusik ins Virtuose vordringt, auch gedrängt wird, entsteht bei Liszt ein Stück erst aus dem virtuosen Spiel heraus. Selbst seine Ad- aptionenvolkstümlicher Tänze sind– an- ders als etwa bei Bartók – hochkünstleri- sche Variationen über diese Tänze, sind Ausgangspunkt, Ideengeber für anderes. Cziffra, dessen unglaubliche Biografie alles andere als solche Klavierkunst ver- muten lässt, zelebriert dieses Verständ- nis – weniger effektheischendoder gar be- lehrend als vielmehr verliebt in die Stü- cke und vielleicht auch verliebt in die Vorstellung, dass er sie wie kaum ein an- derer aus dem Handgelenk schütteln kann. HELMUT MAURÓ Der große Erfolg ließ bisher noch auf sich warten beim Eröffnungsreigen des neuen Intendanten Martin Kušej am Münchner Residenztheater. Trotzdem hatte das Publikum mit demonstrativem Wohlwollen immer herzlich applaudiert, es will, dass dieser Neuanfang gelingt. Jetzt, bei der fünften Premiere, gab es erstmals Buhs. Nicht für die Darsteller, auf die mansichschon gefreut hatte, weil es spannendist, neue Schauspieler zuent- decken (wobei Manfred Zapatka, Sophie von Kessel und Guntram Brattia Mün- chen-Rückkehrer sind). Aber auch, wenn einige erstaunlich blass blieben und Kušejs neuem Groß-Ensemble noch nicht zur erhofften Erstklassigkeit ver- helfen, gingen die Buhrufe nicht gegen sie, sondern gegen den, der sie so fahrläs- sig (und buchstäblich) gegen die Wand laufenundineinemblutigenGeballer ab- saufen ließ: den tschechischen Regisseur und Bühnenbildner Dušan David Parí- zek, Leiter des Prager Kammertheaters, als Gastregisseur bereits an den Schau- spielhäusern Hamburg und Zürich aktiv, nun erstmals in München – kein guter Einstand. Es gilt, was in dem Stück CEO Richard über ein Firmen-Projekt sagt: „Dieses Unternehmen ist blockiert.“ Wobei Parízek mit Dennis Kellys „Die Götter weinen“ kein leichtes und auch nicht rundum gelungenes Stück zu be- wältigen hatte, aber doch ein politisch brisantes – ganz auf der Höhe unserer wirtschaftskrisengeschüttelten, global durchgerüttelten, empörten Zeit. Anders als in seinen sonstigen Stücken, in denen er knapp, böse und präzise die großen Menschheitsfragen und -Versagen in überschaubaren Allerweltskonstellatio- nen bloßlegt („DNA“, „Waisen“, „Liebe undGeld“), macht der britische Dramati- ker hier ein großes Fass auf. „The Gods Weep“, uraufgeführt 2010 von der Royal Shakespeare Company inLondon(mit Je- remy Irons in der Hauptrolle), ist eine ausufernde „Lear“-Paraphrase aus der Welt der multinationalen Konzerne – ein dramatisches Triptychon, das nicht weni- ger sein will als eine Menschheitstragö- die, von Parízek in lang anmutenden zweieinhalb Stunden ohne Pause insze- niert. Das Stückholt weit aus bis zumKö- nigsdrama à la Shakespeare, führt, nicht ohne private Affären, zu den Vorstands- sitzungen und Deals der globalen Wirt- schaft – wozues einiger dröger Informati- onsgewinnungs-Dialoge bedarf –, mün- det im zweiten Teil in einen Wahnsinns- Krieg, dessen bösester Bube nicht zufäl- lig Richard heißt – hier steht Shake- speares „Richard III.“ Pate –, und es en- det in einer düsteren Endzeit-Szenerie. Viel Stoff, viel Begehr. Manhört es äch- zen zwischen den Zeilen. Dass Dennis Kelly die Chuzpe hat, ein so großes dra- matisches Welten- undSchlachtengemäl- de zu entwerfen, verdient Anerkennung – ein Shakespeare aber ist er deshalb noch nicht. Gerade die Analogien zu des- sen „Lear“ und Richard“ zeigen schon auch die qualitative Kluft. Kellys Lear heißt Colm, in München mit wohlstandsbauchiger Big-Boss-Si- cherheit gespielt von einem sehr gelasse- nen, in seiner Altersmilde sehr überzeu- genden Manfred Zapatka. Nach einem Traumerlebnis hegt der alte Tycoon plötzlich Zweifel am kapitalistischen Schneller-Höher-Weiter seines ausbeute- rischen Versorgungskonzerns. Colm be- schließt, ein besserer Mensch zu werden und die Macht aufzuteilen. Er macht Ri- chard (Götz Schulte) und Catherine (Ca- rolin Conrad) zu CEOs, will selber als Vorstandsvorsitzender noch mitmi- schen, lässt aber seinen Sohn Jimmy leer ausgehen. Die Mahnungen seines treuen VasallenCastile (GuntramBrattia als Pit- bull von gefährlicher Präsenz) schlägt er selig grinsend in den Wind. Fatal. Es kommt zu einer Kettenreaktion, in deren Verlauf die Raubtiere in der Firma erst den Alten ausbooten und sich dann ge- genseitig zerfleischen. Dabei wird Colms Projekt „Belize“, mit dem er in Zentral- amerika etwas gutmachenwollte, zur fet- tenSpekulanten-Beute: Billig aufgekauf- tes Ackerland in der Dritten Welt ist bes- ser als Gold. Man geht über Leichen. Colmselbst hat die Machtgier herange- züchtet, mit der er nun kaltgestellt wird. So herzlos, wie er seinen Sohn Jimmy als Schwächling abtut, wird schnell klar, was für ein Tyrann dieser Mann vor sei- nem Saulus-Paulus-Erlebnis war. Und man versteht auch, wie Jimmy zu jenem Charakterschwein wurde, das Johannes Zirner mit so viel Überdruck gibt. Dass er ein Verhältnis mit Beth aus der Versi- cherungsbranche (Sophie von Kessel) hatte und diese liebt, muss man glauben. Die will ihn nicht mehr ranlassen, bangt rhetorisch um ihren kranken Vater und ihren irgendwie leidenden Mann (als Fi- gur gestrichen) und mutiert, als Jimmy sie inSachenBelize-Versicherung hinter- geht und damit beruflich und familiär zerstört, zu einer demWahnsinnverfalle- nen Bluthündin. Stieren Blickes, wie ferngesteuert knallt Sophie von Kessel im Mittelteil des Stücks, wenn längst Krieg herrscht und von Ferne läppische Theatergewehrsalven donnern, die Fir- men-Fieslinge ab: erst den Mitläufer Ga- vin (Jens Atzorn), dann den alten Hasen Ian (Paul Wolff-Plottegg), schließlich das bei Götz Schulte so seltsamabwesen- de Monster Richard. Und dann sich selbst. Erschütternd ist daran nur die Hilflosigkeit, mit der das inszeniert ist. Parízek hat da schon alle Waffen ge- streckt und wählt Blut- und Knalleffek- te, als könne er seiner bilderarmen Insze- nierung damit auf die Sprünge helfen. Begonnen hatte der Abend als eine Art „Reise nach Jerusalem“: Zehn Stühle vor einer spitz zulaufenden Sperrholzwand bieten Platz für ein braves Konversati- ons-Sit-In. Parízek inszeniert die Figu- ren(imgrauenBusiness-Look) wie bei ei- nemSchachspiel, dazunervige Polterauf- tritte aus demParkett. Immer sindfast al- le Schauspieler anwesend, und wenn sie erregt sind oder aus demRegen kommen, schütten sie sich eine Flasche Mineral- wasser übers Haupt – wie bei den Insze- nierungen von Jürgen Gosch, von dem hier so Manches geklaut zu sein scheint. Auch wenn der tote Meister nie in Mün- chen inszeniert hat: Einen Gosch-Ab- klatsch für Arme braucht hier niemand! Und wenn Parízek im Mittelteil das Sperrholzdreieckerweitert zueiner Zick- zackwand, die mit Blut verschmiert wird, darf man das nach Michael Thal- heimers viel gerühmter „Orestie“ eigent- lich auch nicht durchgehen lassen. Erst im dritten Teil, wenn die Wand auseinanderkracht und die Bühne in ih- rer Tiefe undSchwärze freigelegt ist, fin- det die Inszenierung zu sich. Nun irren Colm – geistesverwirrt wie der alte Lear auf der Heide – und Barbara, die Tochter eines Konkurrenten, den Colm einst ver- nichtete, wie Beckett-Figuren durch ein steinzeitliches Wasteland. Der Planet ist geplündert, der Mensch wieder Jäger undSammler, auf seine Urinstinkte ange- wiesen. Auchschauspielerischsind Man- fred Zapatka und die junge Katharina Schmidt hier ursprünglich und anrüh- rend komisch in ihrer ruppigen Zärtlich- keit. So sprüht am Ende in diesem Thea- ter der hohlen Töne doch ein Funken Wahrheit auf. CHRISTINE DÖSSEL Im Kölner Kunstfälscher-Prozess um die frei erfundenen Sammlungen Jägers und Knops ist kurz vor dem Ende ein Eklat verhindert worden. Die Staatsan- waltschaft wollte am Mittwoch überra- schendweitere Schriftstücke zur Beweis- aufnahme verlesen und damit in die Hauptverhandlung einführen. Offenbar ging es ihr darum, die Verbindungenzwi- schen dem Fälscher Wolfgang Beltrac- chi, seiner Frau Helene und deren Schwester Jeanette Spurzemenger zuzie- hen, um den Vorwurf der Bandenmäßig- keit zu untermauern. Nach heftig geäu- ßerten Bedenken der Verteidigung und des Gerichts wurde die Verhandlung un- terbrochen. Im Anschluss verzichtete die Staatsanwaltschaft aber auf einen förm- lichenAntrag. Zuvor hatte der Vorsitzen- de Richter, Wilhelm Kremer, damit ge- droht, das Verfahren neu aufzurollen. „Ichweiß nicht, obdas kurz vor demZiel- einlauf nötig ist. Entweder wir habenAb- sprachen, oder wir machenalles rückgän- gig“, sagte Kremer, der bis dahin einen eher gemütlichen Eindruck hinterlassen hatte. „Aber ok, dann mache ich eben bis zu meiner Pensionierung Beltracchi.“ Wolfgang Beltracchi und drei weitere Mitangeklagte hattenbereits Geständnis- se abgelegt. Im Gegenzug und auf der Grundlage einer Absprache wurden ih- nen Haftstrafen von maximal sechs Jah- ren in Aussicht gestellt. Wie vorgesehen, werden nun an diesemFreitag die Plädo- yers gehalten. Die Urteile sollen am 27. Oktober fallen. Mhf Am vergangenen Sonntag wurde in Washington das Denkmal zu Ehren von Martin Luther King offiziell eingeweiht. In einem Interview mit dem Playboy von 1965 erzählte King, wie er seiner sechs- jährigenTochter Yolanda die Rassentren- nung erklären musste: „Ich erinnere mich, dass ich vor zwei Jahren nach Hause zurückkehrte, nach- demich eine meiner Gefängnisstrafen im Gefängnis vonAlbany, Georgia, abgeses- sen hatte. Da fragte sie mich: „Daddy, warum musst du so oft ins Gefängnis ge- hen?“ (...) Sie war zu der Zeit erst sechs, dochsie war sich der Rassentrennung be- reits bewusst, wegen einer Erfahrung, die wir gemacht hatten. (...) Meine Fami- lie hat michoft zumFlughafeninAtlanta begleitet, und auf dem Weg kamen wir immer an Funtown vorbei, einer Art Mi- ni-Disneyland, mit Achterbahnen und solchen Sachen. Yolanda sagte dann im- mer: „Ich will nach Funtown“, und ich vermied jedes Mal eine direkte Antwort. (...) Dann eines Tages kam sie die Treppe heraufgerannt und rief laut, dass ein TV- Werbespot die Leute aufforderte, nach Funtown zu kommen. Da mussten meine Frau und ich uns mit ihr hinsetzen und versuchen, es ihr zu erklären. Ichhabe ei- nigen Beifall als Redner erhalten, aber als ich meiner sechsjährigen Tochter zu erklären versuchte, warum die öffentli- che Einladung im Fernsehen sie und an- dere wie sie nicht einschloss, fandichkei- ne Worte und geriet Stammeln. Ihre Trä- nen zu sehen, als ich ihr sagte, dass Fun- town für farbige Kinder nicht zugäng- lich sei, war eine meiner schmerzlichsten Erfahrung. (...) Denn ich begriff, dass in diesem Moment die erste dunkle Wolke des Minderwertigkeitsgefühls an ihrem kleinen geistigen Himmel aufgezogen war. Aber es war sehr wichtig für mich, dass sie nicht in Verbitterung aufwuchs. Also sagte ich ihr, dass – auch wenn viele Weiße dagegen seien, dass sie nach Fun- town gehe – es auch viele andere gäbe, die farbige Kinder gerne dorthin lassen wollten. Das half etwas. Erfreulicherwei- se erfuhr ich später, dass Funtown in al- ler Stille die Rassentrennung abge- schafft hatte, also nahm ich Yolanda da- hin mit. Ein paar Weiße fragten mich dort: „Sind Sie nicht Dr. King, und ist das nicht Ihre Tochter?“ Ich antwortete, dass wir es seien, und sie hörte die Wei- ßen sagen, wie froh sie seien, uns dort zu sehen.“ SZ Sehr gelassen, sehr überzeugend: Manfred Zapatka spielt bei seinem München-Comeback den Tycoon Colm. Foto: Tibor Bozi Ein Big Boss macht noch keinen Lear . . . und Parkettgepolter noch kein Gosch-Theater: Wie Dušan David Parízek in München „Die Götter weinen“ lässt Der Drang der Museen sich auszubrei- ten begann vor etwa dreißig Jahren, als zwischen den großen Kunsttempeln von New York bis Tokyo wahre Pilgerwege des Kulturtourismus entstanden. Ein- richtungenwie die GuggenheimFounda- tion wirkten als Pioniere, die Eröffnung ihres Museums in Bilbao als Meilenstein. Auch wenn Sie nicht bis zu uns finden, wir sind gleich um die Ecke – lautet der Grundsatz, in einer seltsamen Kombina- tionaus virtueller Allgegenwart und geo- grafischer Nachbarschaft. Befördert wird dieser Wettlauf um at- traktive Außenstandorte nicht zuletzt da- durch, dass die Lagerbestände indenMu- seen schneller wachsen als die verfügba- renAusstellungsräume. Unter demGüte- siegel des berühmten Museumsnamens lassen sich mit dem Überschuss nützli- che, manchmal lukrative Filialeneinrich- ten. So soll Ende des kommenden Jahres die Louvre-Niederlassung in Abu Dhabi eingeweiht werden. Die Expansion zielt aber nicht nur hinaus in die weite Welt. Mit entsprechendem architektonischem Mehraufwand werden auch die Regionen im eigenen Land versorgt. Ebenfalls im kommenden Jahr will der Louvre in der nordfranzösischen Stadt Lens in einem Neubau des japanischen Architekturbü- ros Sanaa eine Außenstelle eröffnen. Früher noch als der Louvre hat das Centre Pompidou die Entwicklung er- kannt. Seine Filiale in Metz ist seit über einem Jahr in Betrieb und hat gerade die symbolische Zahl voneiner MillionBesu- cherngefeiert. Auf den fünftausendQua- dratmetern Ausstellungsfläche des spek- takulären Zeltfestungsbaus von Shigeru Ban und Jean de Gastines ist keine feste Sammlung zu sehen. Bespielt wird der Ort mit thematischenWechselausstellun- gen hauptsächlich aus den Beständen des Centre Pompidou Paris. Auffallend viele Gruppenbesucher sind hier anzu- treffen, Rentner wie Schulklassen und Reisegruppen. Das Centre Pompidou Metz war von Anfang an als Motor regio- naler und städtischer Entwicklung ange- legt. Auf der bei der Einweihung vor ei- nem Jahr noch ziemlich leeren Umge- bung des ehemaligen Bahnareals zeigt das entstehende Stadtviertel schon Kon- turen. Die Dynamisierungsfunktion schlägt sich auch im Budget nieder. Neun von den zwölf Millionen Euro Be- triebskosten des Centre Pompidou Metz kommen aus der Region. Das soll deninternationalenQualitäts- anspruch des Museums aber nicht beein- trächtigen – darin liegt eine Originalität dieses Modells. Auch einer Stadt ohne große Kunstsammlung und ohne das ent- sprechende Kennerpublikumsoll es mög- lich sein, in der Veranstaltungsliga der europäischen Metropolen zu spielen. Die Einweihungsschau in Metz vor einem Jahr stellte unter demTitel „Chefs-d’oeu- vre?“ die Frage der Kunstwerkgrenzen. Die gegenwärtige Ausstellung „Erre“ – vom Wort „errance“, Irrwege – behan- delt noch bis zum 5. März auf hohem Ni- veau das Thema des Labyrinths in der zeitgenössischen Kunst und Architektur. Neben Werken von Frank Stella, Ri- chard Long, Kurokawa, Yona Friedman zeigt die Ausstellung auchoriginelle Son- deraspekte. DemarchitektonischenTräu- mebastler Frederick Kiesler und seinem über Jahrzehnte sich hinziehenden Pro- jekt eines „Endless House“ ist ein eige- ner Saal gewidmet. Vonder Land-Art-Pi- onierin Agnes Denes ist eine Auswahl von Zeichnungen aus dem MoMA zu se- hen, die aus Millimeterpräzision Wahn- systeme produziert. Von Thomas Hirsch- horn sind in Metz zum ersten Mal alle acht mit demPhilosophen Marcus Stein- weg erarbeiteten Denkkarten zu Fou- cault, Spinoza, Nietzsche, Hannah Arendt versammelt. Für die große Häng- wand des Centre Pompidou hat der in Berlin lebende Amerikaner Matt Mulli- can das fünfzehn Meter hohe Denkdia- gramm „Two into One becomes Three“ geschaffen. Einetwas weniger konzeptu- ell angelegter Ausstellungsteil bietet mit Lichtinstallationen von Julio Le Parc und Gianni Colombo einen spielerischen Zugang zum Thema Labyrinth. Die Weitläufigkeit dieses Themas hat die Kuratoren der Schau indessen offen- sichtlich überfordert. Die Abfolge der acht Themenaspekte ist nicht immer schlüssig, sie führt zu unnötigen Über- schneidungen und unter den Stichwor- ten „Metropolis“ oder „geistiges Laby- rinth“ auch zu willkürlichen Analogien. Dennoch überzeugt die Ausstellung durch die Stringenz der Werkauswahl. Die Annäherung zwischen Piranesis Ge- fängnisvisionenunddenmodernenReali- tätsbilderfluchten des Franzosen Nico- las Moulin oder der Gitterinstallation „Light Sentence“ von Mona Hatoum leuchtet ein. Auch die obligate Anspie- lung auf die Stadtbegehungen des Situa- tionisten Guy Debord wird elegant durchIanBreadwells Bildserie „The Wal- king ManDiary“ überspielt: eine Fotodo- kumentation über die tägliche Anwesen- heit eines Unbekannten auf der Straße vor der Künstlerwohnung. Das Centre Pompidou begnügt sich nun aber schon nicht mehr mit demNeu- bauinMetz. Seit Kurzemist inder Klein- stadt Chaumont-en-Champagne das Wandermuseum „Centre Pompidou mo- bile“ stationiert. Der Architekt Patrick Bouchain hat dafür ein rautenförmiges Gehäuse entworfen, das leicht montier- bar und doch sicher genug ist, um darin Originalwerke von Picasso, Braque, Ma- tisse ausstellen zu können. Wie der Zir- kus einst Gaukler undexotische Tiere ins Dorf brachte, soll dieses mobile Centre Pompidou Kunstwerke auch an Orte ab- seits des Kulturbetriebs bringen. Cam- brai und Boulogne-sur-Mer werden im Dreimonatsrhythmus die nächsten Stati- onen dieses Wandermuseums sein. Je nach Stadt wird in der Standortwahl mit der vorhandenen Umgebung gespielt, ei- ner altenKirche, einemSchloss, einer Fa- brik oder einfach der Landschaft. Diese neue Form von Museumswanderschaft ist keine Flucht aus der Institution, son- dern das Vordringen derselben überall hin. Bleibt zu hoffen, dass durch diesen institutionellen Expansionsdruck lokale Eigeninitiativen nicht an die Wand ge- spielt werden. JOSEPH HANIMANN Grandioses Scheitern Klavieraufnahmen zum Liszt-Jahr: Warum nur wenige dem Meister gerecht werden Fast geplatzt Wie der Kunstfälscher-Prozess plötzlich aus der Bahn geriet Wir sind für Sie da Der erfolgreiche Museumsexport des Centre Pompidou Metz Gehört, gelesen, zitiert Martin Luther King Donnerstag, 20. Oktober 2011 HF2 Süddeutsche Zeitung Nr. 242 / Seite 15 FEUILLETON Publikumsmagnet: das Museumin Metz. DemExpansionskurs des Centre Pompi- dous folgt der Louvre mit einer Filiale in Lens. Foto: Roland Halbe/dpa Eine Stadt wie Metz darf jetzt in der Liga der europäischen Metropolen mitspielen György Cziffra bringt zu Gehör, was klaviertechnisch bei Liszt machbar – und unabdingbar – ist Alle Schauspieler sind fast immer anwesend. Sie spritzen mit Blut und Wasser Einen Jux wollte er sich machen. An- ders war die Rede über „Streß und Frei- heit“nicht zuverstehen, die Peter Sloter- dijk im April dieses Jahres auf Einla- dung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (FNF) gehalten hat, die der FDPnahe steht. Mit seiner eigenwilli- gen Komödientechnik verstrickte er das Publikum in eine „Verwunderungs- übung“, umdenLiberalenzudemonstrie- ren, was wahre Freiheit ist, die sich den Zwängen eines „selbst-stressierenden, permanent nach vorne stürzenden Sor- gen-Systems“ entzieht. Als seinen Kron- zeugen rief er Jean-Jacques Rousseau auf, der im Herbst 1765 auf dem Bieler See „die Urszene in der Entfaltung des europäischen Freiheitsbegriffs“ erlebt haben soll. Stundenlang ließ er sich in ei- nem Kahn, die Augen zum Himmel ge- richtet, von der langsamen Bewegung des Wassers treiben, wobei er sich in tau- send verworrene, aber wonnige Träume- reien versenkte, Zeit und Raum vergaß und von allem losgelöst ganz bei sich selbst war. Im fünften Buch seines letzten Wer- kes, den „Träumereien eines einsamen Spaziergängers“, hat der 65-jährige Rousseau diesen mystischen Augenblick geschildert. Im reinen subjektiven Ge- fühl der bloßen Existenz will er total stressfrei gewesen sein, gesellschaftlich unbrauchbar und absolut glücklich. Die Gäste der FNF werden diese „Ekstase des Bei-sich-Seins“ verwundert zur Kenntnis genommen haben. Ach, diese verrückten Philosophen. Nun hat Heinrich Meier, Professor für Politische Philosophie und Leiter der Carl Friedrich von Siemens-Stiftung, ei- ne ernsthafte Kommentierung dieses schönsten und gewagtesten Textes Rous- seaus vorgelegt, demer sich seit mehr als 35 Jahren freundschaftlich verbunden fühlt. 1984 war die maßgebende kriti- sche „Edition Meier“ von Rousseaus „Diskurs über die Ungleichheit“ erschie- nen, dessen Rhetorik und Intention Mei- er in einem langen einführenden Essay freigelegt hatte. Sein neuestes Werk geht ausführlich den kommentierenden Weg weiter, auf dem er schon damals Rous- seaus „Kunst des sorgfältigen Schrei- bens“ gefolgt ist. Schritt für Schritt zeichnet er äußerst sensibel die „Rêver- ies du Promeneur Solitaire“ nach, die Rousseau für sich geschrieben hat, um nichts als sichselbst undsein eigenes Da- sein begreifen zu können. Er soll sie zu- gleich als „ein Geschenk für seinesglei- chen“ zu Papier gebracht haben. So je- denfalls hat sie Heinrich Meier gelesen, der keinen Zweifel daran lässt, dass er sich zu diesen befreundeten Mitmen- schen und Nachfolgern zählt. Was bei Sloterdijk eine subversive Attacke gegen Parteigänger des politischen und wirt- schaftlichen Liberalismus gewesen ist, meint Meier mit vollem Ernst. Dabei ist auch für ihn der Fünfte Spa- ziergang die Schlüssel-Situation, in der das zentrale Thema der Selbsterkenntnis anklingt, um das alle anderen Themen – Gott und Glaube, Natur und botanische Forschung, Politik und Moral, Liebe und Glück, Wahrhaftigkeit und Lüge – wie Variationen kreisen. Alle rhetorischen Mittel und lebensphilosophischen Inten- tionen Rousseaus, der auf der Petersinsel imBieler See die glücklichste Zeit seines Lebens verbracht haben will, kommen hier verdichtet zum Einsatz und entfal- ten für Meier einen Zauber eigener Art. Allerdings ist es für ihn nicht die dahin- treibende Bootsfahrt, die ihn zutiefst be- rührt. Es ist die folgende abendliche Sze- ne, als sich Rousseau an das sandige Ufer des Sees niedersetzt und in das hin und her fließende Wassers versenkt, als sei er hypnotisiert worden. Nicht imschwankenden Boot, sondern „auf dem festen Boden der Insel und in der konzentriertenGelassenheit der Kon- templation“ habe dieser große Einsame, losgelöst von allen Menschen, die ihm fremd, unbekannt und gleichgültig ge- worden waren, zu sich selbst gefunden. In seiner inneren Seelenbewegung soll Rousseau das vollkommene und über- schwängliche Glückeines gleichsamgött- lichen „Beisichselbstseins“ in der Unste- tigkeit alles Irdischen genossen haben. Nun ist es auch Meier nicht entgangen, dass Rousseaus kurzer Aufenthalt auf der Petersinsel eine vergebliche Flucht- bewegunggewesenist. Er hat sichvor sei- nen Verfolgern, die ihn seit 1762, dem Jahr der Veröffentlichung seines politi- schen Hauptwerks „Gesellschaftsver- trag“ und seines Erziehungsromans „Emile“, ins Reich der Finsternis ver- bannt und in einen Abgrund des Un- glücks gestürzt haben, auf diese Insel ge- rettet, wo er die unschuldige Natur als ei- nenOrt des stillen Glücks zufindenhoff- te. Zwei Monate später wurde er vondort wieder vertrieben. „Das Beisichselbst- seindes Promeneur Solitaire ist vonPoli- tik umspült.“ Meier kommt nicht umhin, dieser externen Bewegung zu folgen. Er zeichnet die Spannung nach, die zwi- schendempolitischenGemeinwesen und dem einsamen Einzelgänger bestand. Aber er ist dabei doch wieder ganz auf Seiten dieses Solitären, dem er sich freundschaftlich verbunden fühlt. „Er war nicht dafür geschaffen, im politi- schenLebenzur Glückseligkeit zu gelan- gen.“ Heinrich Meiers Reflexionen zu Rous- seaus „Träumereien“ sind wundervolle mimetische Text-Annäherungen, die wie Interlinear-Kommentare einer Heiligen Schrift folgen, um schließlich das noch einmal zu sagen, was im Primärtext schon artikuliert worden ist, und um da- bei auch das zu wiederholen, was dort nur verschwiegen zwischen den Zeilen mitgeteilt worden ist. Sie folgen akri- bisch den Bewegungen von Rousseaus letzten Selbstvergewisserungen, spüren seinen thematischen Anspielungen nach, zeigen seine rhetorische Raffinesse und legen seine Intention frei. Sie bieten ei- nen hochgradig sensibilisierten Sekun- därkommentar, dessen Umfang den Pri- märtext um ein Dreifaches übersteigt. Dagegen lassen sie weitestgehend die Hintergründe und Kontexte außer acht, die RousseauzuseinenmanischenSelbst- reflexionen getrieben haben. Sie be- schwören das Glück und vernachlässi- gen das Unglück. Sie feiern das philoso- phische Lebengedanklicher und existen- zieller Einsamkeit und entschärfen die Verfolgung, unter der Rousseau parano- id gelitten hat und die ihm, Sloterdijks humoristischer Dialektik zufolge, einen Ehrenplatz inder Geschichte der Psycho- logie verschafft hat: „Er war der Kron- zeuge der Erkenntnis, dass es Paranoiker gibt, die wirklich verfolgt werden.“ MANFRED GEIER HEINRICH MEIER: Über das Glück des philosophischen Lebens. Reflexionen zu Rousseaus Rêveries. Verlag C. H. Beck, München 2011. 443 Seiten, 29,95 Euro. Es ging ihm gut. Als Drehbuchschrei- ber hatte er seit kurzem Erfolg in Holly- woodundmit Eileen Mc Kenny eine hüb- sche Frau, die durch einen Buch-Großer- folg ihrer Schwester (Ruth McKenny: „My Sister Eileen“) gerade zumAll Ame- rican Girl geworden war. Er arbeitete nicht allzu viel, aber konzentriert. Den schöneren Rest der Zeit verbrachte er gern auf der Jagd, der Saison folgend, von Oregon bis runter nach Kalifornien. Jetzt war der 22.Dezember 1940. Das Paar kam aus New Mexico zu- rück, man wollte zur Beerdigung des Freundes Scott Fitzgerald, amTag zuvor gestorben, danach nach New York, zur Broadway Premiere des „My Sister Ei- leen“-Musicals, als Nathanael West, nie ein guter Autofahrer, an einer Kreuzung bei El Centro ein Halteschild übersah. Keiner überlebte den Zusammenstoß. Ein abruptes Ende, wie der Schuss aus der Pistole eines Kommunisten, der Le- muel Pitkintötet, als dieser, auf eine Ver- sammlung einer nationalrevolutionären Partei geraten, zu einer Rede ansetzt: „,Ich bin ein Clown’, begann er, ‚doch es gibt Zeiten, da selbst Clowns ernst wer- den müssen . . .’.“ Ansonsten gibt es wenig Gemeinsames zwischen Figur und Autor. Nathanael West hatte, im Gegensatz zu Pitkin, mit demes in„Eine glatte Million“ steil berg- abgeht, einmit TalfahrtenundHöhenflü- gen ausgeglichen gefülltes Leben. Gebo- renam17. Oktober 1903 inNewYork, als Nathanael Weinstein, Sohn litauischer Einwanderer, schien West von seinem Clan gut behütet. Der Vater war ein Bau- unternehmer, dessen Vermögen erst 1929 einen Schlag erhielt. So führte sein Sohn an der Ivy League-Universität Brown ein standesgemäßmodebewusstes Leben. Ge- nau soll er darauf geachtet haben, seine jüdische Herkunft vergessen zu machen. Nach dem Abschluss der Uni durfte Nat 1924 für anderthalb Jahre nach Paris, wo er sich einen roten Bart wachsen ließ. Nach einer Zeit im Betrieb des Vaters, die nicht zufriedenstellend verlief, kam er dank Verwandtschaft im Nachtdienst des Kenmore Hotels unter, wo er dem Freund eines Freundes, Dashiell Ham- mett, der imKenmore den„Malteser Fal- ken“ beendete, zuUnterkunft verhalf. Pi- kantes Detail dieses Lebens, das allmäh- lich in Richtung Bohème führte: An seine erste Uni, Tufts, war West dank eines ge- fälschten Zeugnisses gekommen, nach Brown dank Noten eines anderen Na- than Weinstein, der auch in Tufts stu- diert hatte. Bausteine eines Lebens als Schnösel und Schelm. Lemuel Pitkin wäre dies nie passiert. Er ist siebzehn, als er von seiner verwit- wetenMutter erfährt, dass sie drei Mona- te Zeit haben, das Geld für die Rückzah- lung einer gekündigten Hypothek aufzu- bringen. Lemuel geht zum bedeutends- ten Bewohner seiner Kleinstadt, Ottsvil- le, Vermont: Mr Whipple, der, aus einfa- chen Verhältnissen stammend, ein paar Jahre US-Präsident war. Doch Whipple, vonWest als Remake des glücklosen Prä- sidenten Coolidge angelegt, will nicht recht helfen, immerhin weiß er Rat: Le- muel solle sich aufmachen, wie einst er, Whipple selbst! Drei Monate seien viel Gelegenheit, Erfolg zu haben. Der gutgläubige Lemuel folgt dem Rat. Doch die dreißig Dollar, die Whip- ple schließlich gegen einen Schuldschein auf Sue, die einzige Kuh der Familie, her- ausrückt, verschwinden schon im Zug. Ein junger Mann erzählt Lemuel, dass sein Vater ihmeine glatte Million hinter- lassen habe, fragt ihn aus. Dabei erfährt er, dass Lemuel sein Geld nicht ver- steckt, wo es jeder Gauner erwartet, son- dern offen in der Hosentasche trägt – schon es ist weg. Das ist nur das erste Missgeschick auf einem Weg der, wie Herausgeber Zim- mer bemerkt, als Parodie auf die verlo- gen-gutgläubigen Romane von Horatio Alger angelegt ist, demdamals vielgelese- nen Sänger des amerikanischen Traums, von dem West sagte, dass er „für Ameri- ka ist, was Homer für die Griechen war“. Gnadenlos lässt West seinen Gegen-Ho- mer in die Irre laufen. Hoffnung hat Le- muel immer, aber einen Grunddafür gibt es nicht. Dem Dieb, der das Geld aus der Hosentasche klaute, ist dabei ein gestoh- lener Diamantring vom Finger ge- rutscht, der Lemuel ins Gefängnis bringt. Wodie amüsante, aber nicht unge- wöhnliche Geschichte einen eigenwilli- gen Dreh erhält. Zähne sind ein Gefah- renherd für Infektionen, so der Gefäng- nisdirektor, und deswegen lässt er sie bei seinen Gefangenen entfernen. Aber kei- ne Sorge: als Lemuel Gnadenerlass er- hält, weil der Diamantendieb aufgefun- den wurde, gibt der Direktor ihm ein ge- brauchtes Gebiss auf den Weg. Es ist bloß ein wenig zu groß geraten, so dass es Lemuel gern aus dem Mund fällt. Nein, realistisch ist das alles natürlich nicht. „Acool Million“ ist eine giftige Sa- tire, derenwichtigstes Stilmittel die Gro- teske ist, die West anhand der Motive fortlaufend entfaltet. So rettet Lemuel sein Gebiss, imVerein mit einemheraus- kullernden Glasauge, das ein inzwischen kaputtes Auge ersetzt, vor dem Miss- brauch durch einen Maharadija, der ei- nen properen Jungen aus dem Puff, in das Lemuel geraten ist, erwartet hat. Eine gute Vorstellung, wie „Eine glat- te Million“ geschrieben ist, gibt viel- leicht Chaplins „Tramp“. Auf der Ober- fläche mit Witz und dabei ähnlich gelas- senerzählt wie dieser Stummfilm-Klassi- ker, entwickelt Wests Roman eine fatale Abwärtsdrift, die über den „Tramp“ weit hinausgeht. Böser erzählt als Vol- taires „Candide“, lässt er kein geistiges Idyll der amerikanischenGesellschaft un- versehrt. Einer der brutalsten Täter des Buchs, ist ein maulfauler Provinzcow- boy. Geradezu gespenstische Züge nimmt die „glatte Million“ an, als Lemuel durch Nathan Wipple, der ihm immer wieder begegnet, in eine rechte Bewegung für den „radikalen Mittelstand“ gerät– er wirdbei einer Parteiversammlung ermor- det und steigt zumHelden auf, ganz ähn- lich wie kurz zuvor in Deutschland Horst Wessel: „Die Arme hoch! begeistert hebt sie jeder./ Für Pitkin kämpft, wer irgend kämpfen kann./ Für Pitkin schlägt das Herz hoch unterm wilden Leder.“ „Eine glatte Million“, 1934 erschie- nen, ist Wests dritter, wie immer recht kurzer Roman. War der Erstling „The DreamLife of Balso Snell“, ursprünglich mit einemMottovonKurt Schwitters ver- sehen, eine skurril dadaistische Geschich- te, die nicht recht gefiel, so schien Wests zweiter, „Miss Lonelyhearts“, die Ge- schichte eines männlichenSorgenkolum- nenschreibers, schon zu einem Großer- folg zu werden. Bis West ein Pitkinsches Schicksal ergriff. Sein Verlag meldete Bankrott an, just als das Buch erschien und begeisternde Rezensionen erhielt. Die Drucker weigerten sich, die Bücher auszuliefern, und bis es West gelungen war, eine neue Druckerei zu finden, wa- rendie Kritikenwieder vergessen. Mit al- len vier Romanen verdiente West zu Leb- zeiten 1280 Dollar. Als Drehbuchschrei- ber schon auch mal 400 die Woche. HANS-PETER KUNISCH NATHANAEL WEST: Eine glatte Milli- on oder die Demontage des Lemuel Pit- kin. Roman. Aus demEnglischenvonDie- ter E. Zimmer. Manesse Verlag, Zürich 2011. 221 Seiten, 19,95 Euro. Der Schriftsteller Siegfried Lenz ist seit Dienstag dieser Woche Ehrenbürger von Elk – jener Kleinstadt in Masuren, in der er vor 85 Jahren geboren wurde. Mit seinem Werk („So zärtlich war Suley- ken“, „Deutschstunde“, „Heimatmuse- um“) habe Lenz demeinstigenLyckauch literarisch ein Denkmal gesetzt, sagte der Bürgermeister Tomasz Andrukie- wicz. Seine Literatur sei Teil des kollekti- ven Gedächtnisses der Einwohner des masurischen Städtchens. Andrukiewicz hob besonders das Engagement des Schriftstellers für die Aussöhnung von Deutschen und Polen hervor. Der 1926 in Lyck geborene Lenz hat in seinemlitera- rischen Werk immer wieder die Welt des alten Ostpreußens beschrieben. Gemein- sam mit Günter Grass unterstützte er in densechziger Jahren die Ostpolitik Willy Brandts. Seine Werke wurden auch ins Polnische übersetzt. dpa Einmal, mit Anfang fünfzig, hat An- drea Zanzotto in einem Interview über den Blick von der Peripherie aufs Zen- trum, auf die Welt der Städte gespro- chen. Der perspektivische Fixpunkt die- se Blickes war für ihn Ort Pieve di Soligo imVeneto nicht weit von Treviso, in dem er geboren wurde und die meiste Zeit sei- nes Lebens. Zu diesem Ort aber gehörte seine Sprache, der Dialekt. In ihmbinich aufgewachsen, sagte Zanzotto demInter- viewer, ihn habe ich fast immer gespro- chen undspreche ihn noch. Aber das sag- te er in seinem vollkommenen Italie- nisch, er hat viel weniger im Dialekt ge- schrieben als etwa Pier Paolo Pasolini. Aber der Blickvonder Peripherie präg- te auchseinSchreiben: es wuchs demIta- lienischen, der Sprache seiner Poesie, da- durch ein Element von Fremdsprache zu. Nicht, dass es dadurch fernrückte: es rückte an die Seite der Fremdsprachen, die er lernte, seit er ein junger Mann war. Denn die moderne europäische Poesie ist vom ständigen Hinweinwachsen der ei- nen in die andere Sprache geprägt. Mit achtzehn Jahren entdeckte Andrea Zan- zotto für sich ziemlich zeitgleich Arthur Rimbaud und Friedrich Hölderlin, so trat sein Italienisch in einen Kreis mit dem Französischen und dem Deutschen, und er lernte nicht nur das Deutsch Höl- derlins, sondernauch das Altgriechische, das Hölderlin gelernt und in seinen Ele- gienundHymnen ins Deutsche hatte ein- wandern lassen. Wenn Zanzotto „paese natale“ schrieb, klang darin Hölderlins „Heimat“ an, in seinen „rive“ Hölderlins Vers: „Ihr teuren Ufer, die mich erzogen einst . . .“ („O care rive, che un giorno mi creceste . . .“). Der Vater, Giovanni Zanzotto, stand in Opposition zum faschistischen Re- gime, in Treviso, wo Andrea Zanzotto die Schule absolvierte, hatte der Antifaschis- mus auchinnerhalbder offiziellenStruk- turenFuß gefasst. Mit unüberhörbar poli- tischem Akzent präsentierte der junge Dichter tiefschwarze Gedichte von Euge- nio Montale. VomWinter 1943 an schloss er sich den Partisanen an, ging nach dem Krieg für einige Zeit indie Schweiz, kehr- te 1947 nach Italien zurück, und als 1951 seinerster Gedichtband erschien „Dietro il paesaggio“ („Jenseits der Land- schaft“), war er knapp dreißig. Durch ei- ne psychische Krise entdeckte er die Psy- choanalyse und eine weitere Fremdspra- che in der eigenen: die Sprache, die das Ichspricht, wennes sichinfrei schweben- der Aufmerksamkeit seinen Träumen und Erinnerungen zu nähern sucht. Den Blick aufs Zentrum, auf den zeit- genössischen Alltag, die Wissenschaften, die Mondlandung verlor er dabei nie, in seinen Gedichten gibt es die Wiesen und den Himmel, aber zugleich die Hand an der Handgranate, Lautmalereien des Kriegs, Dienstgrade, Bataillone, Bajonet- te. Sein Freund, der Germanist Giuseppe Bevilacqua, zeigte ihmfrüh die Gedichte Paul Celans. Pasolini, den er schätzte und 1954 per- sönlich kennenlernte, präsentierte 1968 in Rom Zanzottos Gedichtband „La Bel- tà“, spätestens da wurde er seinem Rang entsprechend gewürdigt als jemand, der die Brücke schlug von der Sprache Dan- tes in das Italienische der Gegenwart. „Il Galateo in Bosco“ (1978) holt eine Figur des 16. ins 20. Jahrhundert. Vonder Welt- dichtungZanzottos, der 2005 denHölder- lin-Preis erhielt, kann man sich in der im Wiener Folio Verlag entstehenden Werk- ausgabe einen Eindruck verschaffen („Die Welt ist eine andere. Poetik“, „La Beltà / Pracht“, „Gli Sguardi i Fatti e Senhal / Signale Senhal“). . Wie bereits kurz gemeldet, ist Andrea Zanzotto am Dienstag kurz nach Vollen- dung seines 90. Lebensjahres gestorben. LOTHAR MÜLLER Gesellschaftlich unbrauchbar und absolut glücklich Zurück zu Rousseau? Heinrich Meier liest die „Träumereien eines einsamen Spaziergängers“ und feiert das philosophische Leben 20. - 21. Oktober München Die Großen Deutschen Kunstausstellun- gen 1937-1944/45. Mit Monika Flacke, Iris Lauterbach u. a. Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Tel. (089) 289 27 556. 20. - 22. Oktober Wien „Hieroglyphe der Epoche“? Zum Werk der österreichisch-jüdischenAutorinAn- na Maria Jokl (1911-2001). Mit Annegret Pelz, Susanne Blumesberger u. a. Insti- tut für Germanistik, Tel. (0043) 1 4277 42136. 20. - 22. Oktober Rödental (bei Coburg) Festungen in Gärten – Gärten in Festun- gen. Mit Daniel Burger, Sabine Heym u. a. Anmeldung: Bayerische Verwal- tung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, Tel. (089) 17908 508. 21. - 22. Oktober Frankfurt a. M. Literatur im Umfeld der Frankfurter Paulskirche 1848/49. Mit Robert Seidel, Ulrich Wyss u. a. Universität, Tel. (069) 798 326 96. 21. - 22. Oktober Potsdam Friedrich der Große und die Mark Bran- denburg. Herrschaftspraxis in der Pro- vinz. Mit Brigitte Meier, Frank Göse u. a. Historisches Institut, Tel. (0331) 977 1259. 21. - 22. Oktober Cottbus Fürst Pückler undFrankreich. Einbedeu- tendes Kapitel des deutsch-französi- schenKulturtransfers. Mit Michel Espag- ne, Sylvia Peuckert u. a. Stiftung Fürst- Pückler-Museum Park und Schloss Bra- nitz, Tel. (0355) 75 15 250. 21. - 23. Oktober Warthausen ChristophMartinWielands Shakespeare- Übersetzung undihre Wirkung inLitera- tur, bildender Kunst, Musik und Thea- ter. Mit Dieter Martin, Thomas C. Star- nes u. a. Christoph Martin Wieland-Stif- tung, Tel. (07351) 51 458. 23. Oktober Berlin Die Kunst des Fragens. Mit Rüdiger Saf- ranski, Karl-Heinz Brodbeck u. a. Berli- ner Lektionen, Tel. (030) 254 89 100. 23. - 25. Oktober Luzern Das Studium des Judentums und die jü- disch-christliche Begegnung. Mit Verena Lenzen, Günter Stemberger u. a. Institut für Jüdisch-Christliche Forschung, Tel. (0041) 41 229 52 17. 23. - 25. Oktober Frankfurt a. M. Völker der Endzeit. Apokalyptische Vor- stellungen und politische Szenarien. Mit Anselm Schubert, Rebekka Voß u. a. Se- minar für Judaistik, Tel. (069) 798 - 22 796. 24. - 25. Oktober Bielefeld Climate Change: Global Scenarios and Local Experiences. Mit Werner Krauss, Frank Uekötter u. a. ZIF, Tel. (0521) 106 - 2769. 25. - 27. Oktober Berlin Kultur und Identität. Deutsch-jüdisches Kulturerbe im In- und Ausland. Mit Mi- chael A. Meyer, Atina Grossmann u. a. Anmeldung: Moses Mendelssohn Zen- trum für europäisch-jüdische Studien, Tel. (0331) 280 94 - 0. 26. Oktober Potsdam Ökonomie und Ethik. Vortrag von Julian Nida-Rümelin. Einstein Forum, Tel. (0331) 271 78 - 0. 26. - 27. Oktober Berlin Bildungsraum Lebenswelt. Mit Juliane Wetzel, Dierk Borstel u.a. Zentrum für Antisemitismusforschung, Tel. (030) 314 - 21 397. Das Herz hoch unterm wilden Leder Bravourös: Nathanael Wests Roman „Eine glatte Million oder die Demontage des Lemuel Pitkin“ Siegfried Lenz Ehrenbürger von Elk Die Welt ist eine andere Zum Tod des italienischen Dichters Andrea Zanzotto Seite 16 / Süddeutsche Zeitung Nr. 242 HF2 Donnerstag, 20. Oktober 2011 LITERATUR AGENDA Nathanael West (links) durchlebte die große Depression, wuchs als Autor mit ihr undwurde einSpezialist für das ZerplatzenvonIllusionen. Es war nur folgerichtig, dass er seinen letzten Roman „The Day of the Locust“ (1939, „Der Tag der Heu- schrecke“) am Rande der Traumfabrik Hollywood ansiedelte. Hier eine Szene mit Karen Black aus John Schlesingers Verfilmung von 1975. Fotos: Cinetext; oh Fluchtort Idylle: Auf der St. Petersinsel im Bieler See fand Jean Jacques Rous- seau stilles Glück für kurze Zeit. Abb.: picture-alliance/ dpa „Ihr teuren Ufer“: Andrea Zanzotto (1921-2011). F.: Folio Verlag/G. Borgese Es ist nicht gut, sein gesamtes Erbe lose in der Hosentasche zu tragen „Der geselligste, der liebevollste der Menschen ward einmütig verbannt“ Hoffnung hat dieser Lemuel Pitkin immer, aber einen Grund dafür gibt es nicht E in Fremdkörper auf einem übervöl- kerten australischen Strand, das ist „The Lost Thing“, in dem gleichnamigen Erfolgsbuch von Shaun Tan (dt: „Die Fundsache“). Ein kannenförmiges rotes Geschöpf mit merkwürdigen kralligen AuswüchsenundverschlungenemInnen- leben, ein Alien gewissermaßen, der doch für gar kein Aufsehen sorgt. Nur ein eigenbrötlerischer Junge nimmt sich seiner an, will eine Bleibe für ihn finden. Fast zehn Jahre lang hat Shaun Tan mit dem Produzenten Andrew Ruhe- mannaneiner Verfilmung des Buches ge- arbeitet, imFebruar dieses Jahres hat ihr Film dann den Oscar bekommen für den besten kurzen Animationsfilm. Das ist ziemlich surreal, hat Shaun Tan gesagt, angesichts der Disney- und Pixar-Kon- kurrenz, als er auf der Bühne des Kodak Theatre stand, mit der begehrtenStatuet- te in der Hand. Dabei konnte er – Jahr- gang ’74 – bereits ein beachtliches Quan- tum Preise vorweisen. Ein paar Monate nach dem Oscar-Abend kam das nächste Highlight, der Astrid-Lindgren-Ge- dächtnis-Preis, für den er in der Interna- tionalenJugendbibliothek inder Bluten- burg geehrt wurde, in Anwesenheit der schwedischen Kronprinzessin Victoria. Nein, erklärt Shaun Tan im Gespräch, er hatte nie Bedenken, ob das Filmpro- jekt klappen würde. „Ich war glücklich. Das Buch funktionierte. Es war meine Idee, mein persönliches Projekt. Ich habe lange daran gearbeitet, um es zu entwi- ckeln. Und in Australien war es schon mehrfach von Kindertheatergruppen für die Bühne bearbeitet worden. Andrew Ruhemann und die Koproduzentin So- phie Byrne haben die digitalen Künstler gefunden, um den Film zu realisieren. Ich merkte dann schnell, dass ich alles neubauen und neudesignen musste. Das Buchwar ziemlichflach, sicher, eine drei- dimensionale Welt, aber im Cartoonfor- mat. Als wir einige Figuren für den Film dreidimensional machten, sah das ein- fach nicht richtig aus für mich. Also ha- be ich alles re-imaginiert. Machte es rea- listischer – dabei dennoch puppenhaft. Bei denMenschenwar das amschwierigs- ten, dass sie sich natürlich bewegten, aber nicht zu natürlich. Einige Szenen aus demBuch wurden auch erweitert, da musste ich mir Zeit nehmen, umdas alles auszumalen.“ Fremdartig wirken die Bilder von Shaun Tan, auf merkwürdige Weise exo- tisch, aber zugleich entwickeln sie eine unglaubliche Vertrautheit. „Ich war im- mer fasziniert von den Malern des Surre- alismus – den spanischen der zwanziger und dreißiger Jahre. Surrealistische Ma- ler, mit ihrem Bezug zu Halluzination und Traum. Träume interessieren mich nicht direkt. Aber ich schaffe gern Bil- der, die ein wenig traumhaft sind, die aussehen wie aus einem parallelen Uni- versum. Man muss die Dinge um uns im- mer ein wenig anders malen – sonst hört man auf sie wahrzunehmen. Ich gehe im- mer von wirklichen Dingen aus, die ich sehe und seltsam finde, und beim Malen übertreibe ich dann diese Seltsamkeit ein wenig.“ Shaun Tan hat eine Menge Kinder- buchpreise bekommen in den vergange- nenzehnJahren, aber seine Bücher unter- scheiden sich stark von der anderen Kin- derliteratur, in ihrem Stil, in ihrer Kom- plexität – sie verlangen die gleiche Naivi- tät vomjugendlichen wie vomerwachse- nen Leser. „Ich merkte schnell, dass, wenn ich etwas mache, das mich als Er- wachsenen interessiert, dann ist das auch für Kinder von Interesse. Also ma- che ich mir darüber keine großen Gedan- ken mehr. Als Künstler versuche ich Er- fahrungen zu vereinfachen, von den Be- sonderheiten der Story wegzukommen, den emotionalen Fluss zu finden, der durch die Story läuft. Man kann die Ufer des Flusses mit Sachen dekorieren, aber der Fluss ist die Hauptsache, und darauf reagieren die Kinder. Sie sind es außer- dem gewohnt, nicht alles zu verstehen. Sie lesen Sachen erst mal auf die Emoti- on hin, und das ist die richtige Art zu le- sen. Kinder schauendie Bilder anundsa- gen: Das macht mich traurig, und ich möchte wissen warum.“ Eine merkwürdige Traurigkeit zieht sich durch die Bücher von Shaun Tan, sie handeln von Einsamkeit, Isolation, ei- nemGefühl der Ausgesetztheit, des Exils – wie manes erlebt habenmag ineiner Ju- gendinPerth, ander Westküste Australi- ens. Und Kinder mögen besonders inten- siv reagieren auf diese Einsamkeit. „Wennichschreibe undmale, das ist eine Kommunikation zwischen isolierten Geistern. Es ist sehr privat, sowohl wenn es produziert wird wie beim Lesen und Schauen. Eine komische Art der Kommu- nikation – die zur Einsamkeit tendiert. Einsamkeit kann ganz schrecklich wer- den – wenn man Leute um sich haben will und sie nicht findet. Einsamkeit kann aber auch ganz phantastisch sei, wie in der europäischen Literatur, der skandinavischen besonders, Tove Jans- son – diese Feier der Einsamkeit, diese Momente, da man sich im Wald ergeht und nichts geschieht.“ Zeichnen ist Denken, hat Shaun Tan in der Einführung zu seinem neuen Buch resümiert, mit Berufung auf Paul Klee. Das Entwickeln der Gedanken beim Schreiben und Zeichnen, aus der Eigen- bewegung des Materials heraus. „ Wenn man mit einem bestimmten Material ar- beitet, muss man das Material sich helfen lassen – man darf es nicht forcieren. Man muss ihm vertrauen. Als Junge habe ich mich fürs Steinmetzarbeiten interes- siert, und ich merkte, ich will jetzt ein Pferd schaffen, aber der Stein schaut eher wie ein Frosch aus. Also mache ich besser einen Frosch. Das ist sehr befrei- end, mangibt Kontrolle ab, denZwang ei- ne Richtung vorzugeben.“ Umdiese Frei- heit sichzuerhalten, füllt ShaunTantäg- lich kleine Skizzenbücher. Er blättert sie auf undmansieht eine Mischung aus Car- toon, Skizze, Film. Eine lebendige Schrift, die man lesen aber nicht verste- hen kann. FRITZ GÖTTLER Lernspiele haben den Vorteil als päd- agogisch wertvoll zu gelten. Diese Aus- zeichnung ist aber zugleich ihr großer Nachteil: Mit der Aussicht auf Wissensge- winnverbindensichreflexhaft Langewei- le und Verkrampfung. An Unterhaltung und Frohsinn denkt man dabei weniger. Überdies hat ein Spiel, bei dem man et- was lernt, immer das Handicap, dass ir- gendwann der Stoff abgearbeitet ist und sich daher Wiederholungen er- übrigen. Dementsprechend be- geisterungsfrei fällt die Reakti- on eines 11-Jährigen und einer 17-Jährigenaus, als umMitwir- ken beim Ratespiel Fabelhaft. Die Welt der Fabeltiere gewor- benwird. Es ist wie inder Schu- le, wenn die Klingel zur ersten Stunde ertönt, gottergeben und ein bisschen müde wird an den Tisch gerückt und mit skepti- scher Miene werden die von Eleanor Marston sehr liebevoll gestalteten Spielkarten beäugt. Denn ein Spiel, das sich mit Fa- beln beschäftigt, klingt nicht nur nach „Ratespiel“, sondern auch nach der unvermeidlichen Moral, die jeder dieser lehrrei- chen Fabeln innewohnt. Lehr- reich hoch zwei sozusagen und da scheint die Spieler wirklich mehr Ar- beit als Spaß zu erwarten. Im Multiple-Choice-Verfahren geht’s dann zur Sache: Um einen ordentlichen Wettkampf zustandezubringen, sollten mindestens drei Spieler mitwirken, einer liest die Frage vor, die beidenanderenent- scheidensichfür eine der vier Möglichkei- ten, dann übernimmt mit der nächsten Frage ein anderer die Rolle des Quizmas- ters. Weshalb schmückt sich die Krähe mit den Federn der anderen Vögel? Was einfach klingt, erweist sich aber, je länger das Spiel dauert, oft als Herausforderung, und zwar für alle Beteiligten, egal ob 11, 17 oder 50. Anders als viele Ratespiele funktioniert Fabelhaft generationsübergreifend, weil die Fabel ein noch immer weit verbreite- tes Kulturgut ist. Woran sich der Ältere nur noch vage erinnert, das hat der Jüngere gerade erst in der Schule durchgenommen. Da- durch entsteht Chancengleich- heit unddie ermöglicht denTeil- nehmern eine spannende Aus- einandersetzung. Jeder kannge- winnen. Und jeder hat seinen Gewinn. Wenn alle Fragen ge- stellt, alle Antworten gefunden sind, ist allerdings auch dieses Ratespiel erst mal abgespielt. Aber dann bleibt einem ja, sich an den 80 schönen Spielkarten zu erfreuen. HARALD HORDYCH Fabelhaft. Die Welt der Fabeltie- re. Ein Ratespiel. Illustration und Konzeption von Eleanor Marston. Collection Büchergil- de 2011. 19,49 Euro. „Du must diese Karte nehmen. Nein, nicht die. Mannomann. Mama!“ Das mit der richtigen Reihenfolge der Karten wird mit fortgeschrittenemAlter irgend- wie immer komplizierter, erst würfeln, dann grüne Karten oder lila Karten zie- hen, manchmal in Kombination mit ei- ner etwas größeren, dafür dickeren Wim- melkarte, Frage beantworten, dieses Mal dann eine neue gelbe Tierkarte aufde- cken, manmuss sichdas Tier merkenund die Karte wieder umgedreht in die Mitte des Spielfeldes legen, nach dem Tier kann später gefragt werden. Oder war es doch andersherum? „Ma-MA!“ Also gut. Ein Tier, das Dämme über den Fluss baut? „Biber“, sagt die ältere. Schulanfängerin. Weiß also alles. „Ist dochvoll baby.“ Es folgt eine Debatte, ob nicht auch manche Krokodilarten so eine Art Höhle in die Flussläufe bauen. „Nur so ’ne Idee“, sagt die Schulanfängerin, „wäre doch möglich.“ „Ist nicht.“ „Doch.“ „Nein.“ „DOCH! Außerdem hab ich’s mal gesehen. In einemBuch. Du bist dran. Du bist so lahm, Mama!“ Schnell die Spielanleitung zücken und nach der korrekten Folgeanweisung su- chen. Die klitzekleine, dafür aber sehr laute zweite Tochter macht derweil Pin- kelpause, nicht ohne fünfmal „Spiel- stopp“ aus dem Bad zu brüllen. Und das, nachdem sie gerade erst genüsslich das Gebrüll eines Löwen nachmachen durf- te. „Ist doch baby! Woawwrrrrrrrrr!!“ Das Wörterlegebrettspiel Tiere ist leicht zu spielen – für jemanden, der sei- nenKopf noch nicht mit soviel unnützem Kramszeug gefüllt hat wie der durch- schnittliche Erwachsene. Also für Kin- dergartenkinder, beispielsweise. Die kön- nen sich komplizierteste Spielabläufe, Kartenfarben und Anweisungen ohne Probleme merken, was jeder weiß, der Memory oder eben Tiere mit einer Fünf- und einer Vierjährigen hinter sich hat. „Mama! Mach endlich mal!“ Und Tiere ist schnell zu spielen. In ei- ner Viertelstunde – ein oft unterschätzter Vorteil. Weiter. Hüpfenwie einHase, krä- hen wie ein Hahn, wie atmet ein Fisch, was wird aus einer Kaulquappe. Man muss vorspielen, einiges wissen, Fragen und Aktionen sind nach Alter geordnet. Leichteres für die kleinen, nicht ganz so Leichtes (aber vielleicht doch etwas zu Leichtes) für ältere Kinder. Wirklich ver- lieren ist kaum möglich, was sehr ange- nehmist bei Vierjährigen, deren Frustra- tionsschwelle bei Null liegt. „Mach wei- ter. Ma-MA!“ PETRA STEINBERGER Tiere. Das Kindergarten-Wörterspiel. Ha- ba 2011. 9,95 Euro. Eine schrecklich nette Familie, diese Quigleys: Der Vater ist immer leicht zer- streut, die Mutter stets umdas gute Anse- hen besorgt; der neunjährige Blond- schopf Will ist ein Frecher und die kleine Lucy, genannt Pudel, ein richtiger Springinsfeld. Simon Mason ist der Schöpfer dieser ganz normalenkleinbür- gerlichenKernfamilie, mit derenliebens- wert-harmlosen Alltagsabenteuern sich alle identifizieren können. Eltern wie Kinder mögen die Bücher, – nach Die Quigleys (2009) und Die Quigleys ganz groß (2010) sind nun Die Quigleys oben- auf erschienen, – indenenes zunächst tur- bulent zugeht, am Ende aber wieder Ru- he und Ordnung herrschen. Anarchie „in the UK“ sieht anders aus. Seit drei Jah- ren gibt es die Geschichten auch als Hör- version. Rufus Beck liest sie mit profes- sioneller Eleganz, die das Zuhören zum Vergnügen macht. Auch in den vier neuen Episoden wer- dendie quigleyschenFamilienregeln, an- gebracht am Spielzeugschrank, wieder amüsanten Stresstests unterzogen. Sie besagen erstens: Höflich und hilfsbereit sein. Zweitens: Nicht streiten und prü- geln. Und drittens: Erst zu denken, dann zu reden. Später kommt unter anderem noch „Nicht furzen“ hinzu. Bereits in der Eingangsgeschichte „Der charmante Will“müssendie Regelnerst vondenKin- dern auf den Kopf gestellt werden, damit ihre pädagogische Richtigkeit umso deut- licher hervortreten kann. Die Quigleys machen Urlaub in einemvornehmen Ho- tel. Bevor man sich in den Speisesaal be- gibt, werden die Kinder präpariert. Ma- ma und Papa bringen ihnen bei, wie man „Konversationmacht“. Will soll laut und deutlich antworten und etwas aus der Schule erzählen, wenn er angesprochen wird. Was er prompt derart drastisch- plastisch macht, dass die Gäste im Saal ganz pikiert sind. In der zweiten Geschichte „Die ein- fallsreiche Lucy“ denken sich die Kinder allerlei Geschäftsideen aus, um Geld zu verdienenunddenEltern, denendie Steu- er im Nacken sitzt, unter die Arme zu greifen. Was gut gemeint ist, kommt bei der Mutter, der man die wahren Beweg- gründe verheimlicht, nicht gut an: „Das ist nicht richtig, dass es euch immer nur ums Geldgeht. Das ist Habgier.“ Die letz- te Story ist die originellste und stärkste. In „Drinnen mit Papa“ sagen Will und Lucy nur die Wahrheit und erreichen so ihr Ziel, nicht aus ihrem maroden Häus- chen ausziehen zu müssen, die Quigley- Eltern bieten das alte HeimzumVerkauf an. An den Besichtigungsterminen sind jedoch nur Will und Lucy anwesend. Sie verschweigen den Interessenten nichts, schließlich sollen sie ja höflich und hilfs- bereit sein und auf keinen Fall lügen. Und so erzählen sie, dass die Abflüsse zur Verstopfung neigen, die Heizung ihre Aussetzer hat und der Garten gerne mal überschwemmt ist. Am Ende bleiben die Quigleys auf ihrem Haus sitzen. Dafür sind sie bei ihren Kindern wieder oben- auf. (ab 9 Jahre) FLORIAN WELLE SIMON MASON: Die Quigleys obenauf. Ungekürzte Lesung von Rufus Beck. Aus dem Englischen von Gabriele Haefs. 2 CDs. Länge ca. 127 Minuten. Hörbuch Hamburg 2011, 9,95 Euro. W enn der Grüffelo am Höhepunkt des Zeichentrickfilms endlich auf- taucht, jenes Fabelmonster mit „schreck- lichen Klauen,und schrecklichen Zäh- nen, umTiere zukauen“, klettert eindrei- jähriger Zuschauer schon mal furchtsam auf den elterlichen Schoß. Wie in einem richtigen Spielfilm ist die Spannung mit jeder Wendung der Fabel gestiegen. Weil aber die eigentliche Hauptfigur der Ge- schichte, die Maus, so schlau ist, nicht nur ihre natürlichen Feinde, sondern auchdas titelgebende Monster zuüberlis- ten, legt sich die Furcht bald schon wie- der. Es gibt nur wenige Figuren der neu- eren Kinderbuchliteratur, die sich so schnell in den Pantheon der klassischen Fabelfiguren eingereiht haben wie der Grüffelo.1999 erschien das Bilderbuch, das die englische Autorin Julia Donald- son geschrieben und der deutsche Illus- trator Axel Scheffler gezeichnet hat. Die kurze David-und-Goliath-Geschichte von der Maus und demMonster ist längst Zentrum einer ganzen Produktwelt, wie man sie sonst nur von Disneyfiguren oder der Tigerente kennt. Es war nur ei- ne Frage der Zeit, bis die Geschichte auch verfilmt wurde. Produziert hat die Londoner Firma Magic Light Pictures. Regie führten der Münchner Jakob Schuh und der Rheinberger Max Lang. 2011 war Der Grüffelo für einen Oscar in der Kategorie „Bester animierter Kurz- film“ nominiert. In der deutschen Fas- sung sprechen unter anderem Heike Ma- katsch, Christian Ulmen und Otto San- der die kurzen Dialoge. Das alles wird Kinder nicht weiter interessieren. Die aber werden gefesselt, weil es der Film schafft, die kurze Fabel des Bilderbuches ohne neue Handlungsstränge undfast oh- ne zusätzliche Verse als fast halbstündi- gen Trickfilm zu inszenieren. Das ge- lingt, weil die plastische Szenerie des sommerlichenWaldes mit enormer Liebe zum Detail ausgestaltet ist. Licht und Landschaft sind fast perfekt. Auch die Schwäche eines Filmes, der kein Holly- woodbudget für die leistungsstärksten Animationscomputer zur Verfügung hat, gleicht Der Grüffelo mit Charme aus. Die Regisseure haben gar nicht erst versucht, die Waldtiere und das Monster mit natu- ralistischen Bewegungen und Fellen zu konstruieren. So wirken die Figuren zwar wie Gummipuppen, die etwas unge- lenk durch den Wald spazieren. Doch nur ein verwöhntes Erwachsenenauge wird sich daran stören, dass sie nicht die Messlatte der Pixarfilme wie Toy Stories oder Die Monster AG erreichen. Für jüngere Kinder, die den Grüffelo schon häufig vorgelesen bekamen, ist es ein perfekter Einstieg ins neue Medium Film. Denn es ist sicher gut, sie lernen die klassischen Mittel der Manipulation, den spannungsgeladenen Soundtrack, die dramatischen Kameraeinstellungen und Schnitte, über eine vertraute Geschichte kennen. Den Anspruch des Kinderbuch- klassikers hält der Film jedenfalls mit Leichtigkeit. ANDRIAN KREYE Oetinger Media 2011. 13,10 Euro Ist doch voll baby, Mama! Tiere zum Kennenlernen? Fragen Sie Ihre Kinder. Eine schrecklich nette Familie Das Hörbuch „Die Quigleys ganz oben“ Von Maus und Monster und ganz viel Mut Der Grüffelo, das Erfolgsbilderbuchbuch von Axel Scheffler und Julia Donaldson als Zeichentrickfilm Jeder kann gewinnen Das Ratespiel „Fabelhaft“ macht der ganzen Familie Spaß Spielkarten aus “Fabelhaft“, konzipiert und illustriert von Eleanor Marston. Man muss den großen emotionalen Fluss finden Eine Begegnung mit Shaun Tan, dem Schöpfer des traumverlorenen „Lost Thing“ – er schreibt und malt phantastische Bücher (nicht nur) für Kinder Donnerstag, 20. Oktober 2011 Süddeutsche Zeitung Nr. 242 / Seite 17 KINDER- UND JUGENDMEDIEN Fotos: Orange Eyes Ltd 2009. Der Grüffelo © 1999 ist als Wortmarke und Logo ein registriertes Warenzeichen von Julia Donaldson und Axel Scheffler und lizensiert von Magic Light Pictures Ltd. © Lizenz von Concorde Home Entertainment GmbH Illustration aus Shaun Tan: Die Fundsache F o t o : A lle n a n d U n w in / C a r ls e n Verantwortlich: Roswitha Budeus-Budde Trauer einen Raum geben. Abschied nehmen von einem geliebten Menschen ist schmerzlich und braucht viel Zeit und Raum. Das neue Trauerportal der Süddeutschen Zeitung, www.sz-gedenken.de, hilft Ihnen dabei und bietet Ihnen die Möglichkeit, Ihre Trauer zum Ausdruck zu bringen. Alle Traueranzeigen aus der Zeitung erscheinen automatisch in einer persönlichen Gedenkseite. Die Gedenkseite hilft Ihnen, das Andenken des Verstorbenen zu bewahren. Hier können Sie virtuelle Gedenkkerzen anzünden, kondolieren und persönliche Fotos und Erinnerungen mit Verwandten, Freunden und Bekannten teilen. Desweiteren können Sie im Trauerportal nach den Traueranzeigen aus der Süddeutschen Zeitung suchen. Kontakt: [email protected] oder www.sz-gedenken.de Zum Tod von Ueli Prager, dem Gründer von Mövenpick Ueli, wir sind dankbar! Was Steve Jobs für die IT-Welt, das war Ueli Prager für die Gastronomie und für visionäre Unternehmensführung. Wir verneigen uns vor dem Menschen, dem Pionier, dem Visionär, dem Förderer junger Talente, vor dem, der Höchstleistung forderte. Wir sind stolz und dankbar, das Glück gehabt zu haben, eine Wegstrecke mit ihm gemeinsam gehen zu dürfen. Die ehemaligen Mitarbeiter der Mövenpick-Unternehmen aus München, Stuttgart, Hamburg, Frankfurt, Wuppertal, Düsseldorf, Berlin und aus vielen kleinen deutschen Städten, die mit Ueli Prager zusammen das Deutschland-Unternehmen von 1965 bis 1991 erfolgreich geführt haben. Wir trauern um Herrn Dr. Anselm Stehle Herr Dr. Stehle war von 1968–1982 Vorstand des damaligen Bayerischen Genossenschaftsverbandes. Mit großem Engagement, umfassender Sachkompetenz und sicherem Urteilsvermögen hatte Herr Dr. Stehle entscheidenden Anteil an der Entwicklung unseres Verbandes. Er genoss großes Vertrauen und die Anerkennung seiner Kollegen und Mitarbeiter. Daneben war er als Ratgeber in vielen Gremien des Genossenschaftswesens allseits hoch geschätzt. Wir werden Herrn Dr. Stehle stets ein ehrendes Gedenken bewahren. Unsere herzliche Anteilnahme gilt seinen Angehörigen. Genossenschaftsverband Bayern e.V. Der Vorstand Der Verbandsrat Der Betriebsrat 1925 – 2011 Maria Lang geb. Westermayr In stiller Trauer: Requiem am Freitag, dem 21. Oktober 2011, um 14.00 Uhr in der Kirche St. Peter und Paul mit anschließender Beerdigung im Kirchenfriedhof Aschheim. * 23. 11. 1914 + 18. 10. 2011 Margit Holly mit Alessandro Magnus und Sabine mit Valentina Lisette Aschheim Wir trauern um meinen geliebten Mann, unseren liebevollen Vater und Opa, Schwiegervater, Bruder und Schwager Maximilian Baur In Liebe: Helga Christian und Rita mit Tobias und Annika Andreas und Christine mit Daniel, Dominik undTim Veronika Laura Martin und Lotte Simon und Antonie Hilde Mack Die Beerdigung findet am Freitag, dem 21. Oktober 2011, um 14.00 Uhr im Westfriedhof, Baldurstraße, München, statt. * 17. März 1938 + 18. Oktober 2011 Die Friedhofverwaltung der Stadt München bittet um telefonische Mitteilung, wenn Sie Angehörige für nachfolgend genannte Verstorbene kennen: Sachdienliche Hinweise an Telefon-Nr. 089/23199-272, -275 oder -276. Name Vorname Alter Sterbedatum Zitzelsberger Werner Johann 67 Jahre 10. 10. 2011 Bittner Ursula Ruth 89 Jahre 15. 10. 2011 Grabietz Manfred Lothar 74 Jahre 17. 10. 2011 In Liebe und Dankbarkeit nehmen wir Abschied von unserer Mutter und Großmutter Maria Högner geb. Dietl Birgit Högner Manfred Högner Julia Häussler Die Beisetzung fand im engsten Familienkreis statt. * 27. 11. 1915 + 13. 10. 2011 Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus, flog durch die stillen Lande, als flöge sie nach Haus. Wir nehmen Abschied von unserer lieben Mutter und Großmimi derer wir in Dankbarkeit gedenken. Amanda Hüttenhofer Klaus, Claudia, Gerd, Thomas, Lilly, Johanna, Stefan, Konstanze Trauerfeier und Bestattung finden am Freitag, dem 21. Oktober 2011, um 12.00 Uhr im Münchener Westfriedhof statt. Statt Blumen und Kränzen bitten wir um eine Spende an den Christophorus Hospiz Verein e.V., Sozialbank München, Konto-Nr. 9855500, BLZ 70020500. * 2. November 1919 + 17. Oktober 2011 In Trauer nehmen wir Abschied von Dr. habil. Hartmut Mehringer Er war über 20 Jahre Wissenschaftlicher Mitarbeiter unseres Instituts, davon vier Jahre lang Leiter der Abteilung SBZ/DDR- Geschichte und neun Jahre lang Leiter des Archivs. Institut für Zeitgeschichte München-Berlin † 17.10.2011 * 14.7.1944 Wir werden ihn als liebenswerten Kollegen und verdienstvollen Wissenschaftler in dankbarer Erinnerung behalten. Wir nehmen Abschied von Joseph Zieglmeier Die Trauerfeier findet am Montag, dem 24. Oktober 2011, um 13.00 Uhr im Waldfriedhof, Neuer Teil, Lorettoplatz, statt. * 10. 7. 1935 + 18. 10. 2011 Erika Zieglmeier Bernd und Elke Zieglmeier mit Josefine und Berenike Wolfgang und Sascha Zieglmeier mit Mia und Ella München Bestattungen Landeshauptstadt München Waldfriedhof, Alter Teil: Urnentrauerfeier: 13.45 Zapp Peter, Konrektor, 71 Jahre Waldfriedhof, Neuer Teil, Lorettoplatz: Feuerbestattungen: 9.00 Ksellmann Hermine, Sekretärin, 67 Jahre 10.30 Bentlin Jörg Michael, Diplom-Designer, 61 Jahre 13.00 Oroszy Herlinde, Hausfrau, 74 Jahre 13.45 Berthold Günter, Finanzbuchhalter, 77 Jahre Waldfriedhof, Neuer Teil, Lorettoplatz: Urnentrauerfeier: 9.45 Erhard Karolina, Hausfrau, 98 Jahre Friedhof Pasing: Erdbestattung: 15.00 Rott Anton, Färbermeister, 93 Jahre Westfriedhof: Erdbestattungen: 12.00 Streibel Gisela, Hausfrau, 83 Jahre 13.00 Bachschneider Rolf, kaufmännischer Angestellter, 71 Jahre 14.30 Brandl Josef, Schreiner, 72 Jahre 15.00 Lekhtman Alexandre, Arzt, 72 Jahre Westfriedhof: Feuerbestattung: 11.00 Besl Maria, Hausfrau, 96 Jahre Westfriedhof: Urnentrauerfeier: 9.30 Nothhaas Franziska, Hausfrau, 83 Jahre Nordfriedhof: Erdbestattung: 13.00 Gillhuber Günter Georg, Küchenmeister, 83 Jahre Nordfriedhof: Feuerbestattung: 9.45 Schieszl Ottilie, Postbeamtin, 96 Jahre Nordfriedhof: Urnentrauerfeier: 10.30 Drahonovsky Edeltraud, 74 Jahre Ostfriedhof: Erdbestattung: 13.30 Brunner Erich, Maler + Lackierermeister, 72 Jahre Ostfriedhof, Krematorium: 10.00 Kaltenberger Karoline, Hausfrau, 79 Jahre 10.45 Watzinger Fritz, Bankkaufmann, 81 Jahre Trauerfeier mit anschließender Überführung 13.45 Buchner Helmut, Soldat, 79 Jahre Friedhof Aubing: Feuerbestattungen: 9.00 Hocher Herbert, Ingenieur, 86 Jahre 9.45 Krückl Karmen, Geschäftsführerin, 76 Jahre Friedhof Daglfing: 11.30 Eidel Erwin, Diplom-Ingenieur, 87 Jahre Friedhof Riem: Erdbestattung: 10.30 Schuster Herbert, Konditormeister, 74 Jahre Friedhof Sendling: Erdbestattungen: 9.00 Fitz Josef, Transportunternehmer, 78 Jahre 9.30 Schleich August, Bundesbahnbeamter, 96 Jahre Bestattungen im Landkreis München Kirchenfriedhof Gräfelfing: 11.00 Messe in St. Stefan, anschließend Bestattung Beck Angelika, Hausfrau, 96 Jahre Friedhof Planegg: 9.00 Messe in St. Elisabeth 10.15 Bestattung Breitfelder Friederike, Hausfrau, 88 Jahre Waldfriedhof Taufkirchen: 10.00 Trauerfeier mit Sarg Kirchpfening Ernst, Büromaschinenmechaniker, 81 Jahre Alter Gemeindefriedhof Unterföhring: 9.00 Binder Hermann, Industriekaufmann, 80 Jahre Friedhof Unterhaching: 14.00 Trauerfeier zur Feuerbestattung Reichenbach Michael, Großhändler für Blumen, 90 Jahre Kirchenfriedhof St. Ulrich Unterschleißheim: 13.00 Trauergottesdienst in der Pfarrkirche St. Ulrich, anschließend Beerdigung Hirschvogel Konrad, 72 Jahre Friedhofverwaltung – Telefon 2319901 heute, Donnerstag, 20. Oktober 2011 Wenn die Zeit sich neigt, wenn das Leben schweigt; und Du fühl ganz sacht Das Nahen der Nacht. Sei nicht zu traurig, Blick doch zurück Auf manchen glücklichen Augenblick. Von Freud und Leid Erfüllt war die Zeit. Das Leid war viel mehr, Das Glück nicht so sehr. Doch eins i geblieben, Die Schönheit hiernieden Der Wald und die Flur Betrachte sie nur. Die Wolke dort oben Im Blau ganz verwoben Dein Himmel das Meer Von weit kam Du her Aus göttlichem Sein Dorthin kehr Du heim Wenn die Zeit auch verflücht mit dem rahlenden Licht. Das alles umfacht, den Tag und die Nacht, Das Glück und das Leid in Ewigkeit. Klotilde Fritzsche. Seite 18 / Süddeutsche Zeitung Nr. 242 Donnerstag, 20. Oktober 2011 Wo fängt man an, wo hört man auf? Wenn es umSat 1 geht, einen Sender, der einmal Maßstäbe setzte, sofern es sich um Fernsehen handelte, ist das oft die Frage gewesen, selbst im Erfolg. Man fängt jetzt am besten mit Harald Schmidt an, der an diesem Dienstag- abend ineiner, wie er es ausdrückt, Bom- benlaune war und darüber hinaus auch noch sehr komisch. „Hier kommt der Nachfolger vonJohannes B. Kerner“, mo- derierte ihn die Off-Stimme seiner Late Night Show eingangs an, womit dann je- dem klar wurde, dass das viele Gerede um den dritten Sendeplatz, den Schmidt gerne hätte, in den vergangenen Wochen nicht nur Gerede war. Schmidt selbst hat zuKerner nichts ge- sagt. Kerner wird sein überwiegend auf platte Nutzwertthemen ausgerichtetes TV-Magazin Mitte Dezember einstellen. Schon vor ein paar Wochen sagte er dem Branchendienst DWDL: „Das Magazin hat ja eine inhaltliche Wendung genom- men, und ich habe mich zuletzt gefragt, ob das noch die Sendung ist, die zu mir passt.“ Passte sie nicht, von Anfang an passte es nicht richtig zwischen Johan- nes B. Kerner und Sat 1. An ihm lässt sich zeigen, dass sich da einer verzockt hat auf hohemNiveau. Man erkennt aber auch, was aus dem Fernsehsender Sat 1 geworden ist: nur noch Geschäftsmodell. Möglicherweise ist Kerner bei seinem Wechsel vom ZDF im Herbst 2009 auch zusätzlich einemTrugschluss erlegen. Er zählte wie Schmidt zu den Haupt- darstellern der 90-er-Jahre-Version von Sat 1. Der von Leo Kirch gegründete Pri- vatkanal strahlte in dieser Zeit bunt und grell. Man bekam den Bullen von Tölz, Kommissar Rex, Das Glücksrad, Hallo, Onkel Doc, Für alle Fälle Stephanie, au- ßerdemeinganz kesses Frühstücksfernse- hen, immerhin kurze News und sonntags Talk im Turm, dazu gute Comedy (Wo- chenshow), natürlich Late Night mit Ha- rald Schmidt, ran, die Bundesliga-Show, mit Reinhold Beckmann und Kerner. Sat 1 war eine Alternative zum ZDF, der Event-Film des deutschen Fernsehens wurde bei Sat 1 uraufgeführt (Der Tun- nel), und wenn man nach Zielgruppen forschte, kam heraus, dass eher Frauen als Männer zuschauten, die eher weniger jung, aber nicht zu alt waren. Das war nun nicht das beste Pro- gramm seit der Erfindung der Glotze. Aber es war damals für eine Weile ein in sichhomogenes, aufeinander abgestimm- tes, vielseitiges kommerzielles Vollpro- gramm. Mit Verzögerung wird klar, dass sich Sat 1 – pauschal formuliert – 2011 in erster Linie um die wichtigsten Werbe- kunden kümmert. Einer wie Kerner, ganz gleich, was man vonihmhält, ist ein Profi des Gewerbes. Er hätte es wissen müssen, war aber wohl zu gierig, um ab- zulehnen. Seine Firma JBK, rechnete das Manager Magazin aus, soll neun Millio- nen Euro jährlich kriegen als Entloh- nung für das TV-Magazin, einige Prime- Time-Shows und Champions-League- Moderationen (die im nächsten Sommer entfallen, weil die Übertragungsrechte zum ZDF wechseln). Vielleicht hat sich Kerner deshalb eingeredet, er kehre zum Sat 1 seiner Vergangenheit zurück. Doches ist ja nicht nur Kerner, der Pro- bleme hat, bei Sat 1 etwas zu entwickeln, das stabil steht und den Durchschnitt überragt. Vor ein paar Monaten gab Oli- ver Pocher auf, und wie sehr einem per- sönlichgefällt, was er so vonsichgibt: Po- cher hat Talent als Entertainer. AuchHa- rald Schmidt, seit Mitte September wie- der dienstags und mittwochs Sat-1-Mit- arbeiter, erzielte früherstaunlicheinstel- lige Quoten, was selbst bei ihm, der per se in der Nische vor Mitternacht auftritt, so nicht erwartet wurde und in keinem Verhältnis zu seiner bislang guten Show steht. Bei drei so unterschiedlichen Ty- pen wie Kerner, Pocher und Schmidt fällt der Misserfolg auch aufs Systemzu- rück, und das System ist bestimmt vom Dividendendruck der Shareholder. Zur Erinnerung: Ende 2006 übernah- men die beiden Finanzinvestoren KKR undPermiradie Pro-Sieben-Sat-1-Grup- pe. Haim Saban aus Hollywood, der den Konzern aus der Insolvenzmasse Kirchs 2003 günstig übernommen hatte, machte einenMilliardengewinn. Seither wird Fi- nanzinvestoren-TV veranstaltet. Bunt schillert die Farbe des Geldes.. Finanzin- vestoren-TV verlangt Rendite und küm- mert sich vielleicht eher nachgeordnet umProgrammschema, Vorläufe, Audien- ce Flow und Konstanz. Im Sommer 2010 verkaufte der Vorstandsvorsitzende Tho- mas Ebeling (der wurde als TV-Bran- chen-fremder Manager wohl auch dafür verpflichtet) unrentable Teile wie den Nachrichtenkanal N 24 und riskiert den Streit mit der deutschen Medienpolitik, nicht denmit denGesellschaftern, under investiert in Glamour, also Schmidt, Po- cher, Kerner, um von sich abzulenken. Das Dumme ist nur, dass der vor allem auf Kostensenkung getrimmte Sender Sat 1 – und natürlich gibt es noch Gutes, der Fernsehfilm am Dienstag zum Bei- spiel, auch deutsche und amerikanische Serien – offenbar keine Verwendung mehr für Glamour hat. Was das bedeu- tet? Dass Joachim Kosack, der dritte Sat-1-Geschäftsführer in 21 Monaten, ein schweres Amt übernommen hat. Zu- nächst einmal ist an diesem Mittwoch der Aktienkurs von Pro Sieben Sat 1 ge- stiegen. CHRISTOPHER KEIL Das hat man nun davon, dass man eine herausragende Serie mit herausragen- den Büchern, herausragendem Humor und herausragenden Schauspielern auf die Beine gestellt hat: Die Serie erstickt an ihrer Qualität. So zu bestaunen bei Doctor’s Diary, jener RTL-Produktion, die seit 2008 drei Staffelnlang das Come- back der einheimischen Serie im deut- schen Fernsehen bedeutete und nun kei- ne Fortsetzung findenwird. Doctor’s Dia- ry war künstlerisch ebenso erfolgreich (die erste Staffel wurde mit dem Deut- schen Fernsehpreis ausgezeichnet) wie beim Publikum: Der Marktanteil bei der jungen Zielgruppe von 14 bis 49 Jahren lag bei bis zu 19,2 Prozent. „Nachvielen Gesprächenmit allenBe- teiligten vor und hinter der Kamera ist nunmehr klar, dass sich das Team von Doctor’s Diary auf längere Sicht nicht mehr zusammenbringen lässt“, erklärte Barbara Thielen, RTL-Bereichsleiterin Fiction an diesemMittwoch. Zu sehr sei- en die Akteure, von Autor Bora Dagtekin über Diana Amft (Dr. Gretchen Haase) bis hin zu Florian David Fitz (Dr. Marc Meier) mit andern Projekten beschäftigt. „Wir hätten gerne nocheine weitere Staf- fel beauftragt“, sagt Thielen, die nunwie- der mit jenen Akteuren arbeiten muss, die Zeit haben. Das sind leider nicht im- mer die besten. haho E in paar Minuten bevor Roland Ti- chy zur Abmoderation der erst- mals von ihm geleiteten „Elefanten- runde“ bei den Münchner Medienta- gen ansetzt, wendet er sich noch ein- mal an den erst seit Oktober tätigen Chef der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien: Für SiegfriedSchnei- der, sagt Tichy, sei die zurückliegende Debatte „eine Lehrstunde“ gewesen. Die Frage ist, ob Tichy – Chefredak- teur der Wirtschaftswoche und Nach- folger des Focus-Herausgebers Hel- mut Markwort als Stichwortgeber der Auftaktveranstaltung des Branchen- treffs – danichts verwechselt hat. CSU- Politiker Schneider leitete bis zu sei- ner Wahl zum BLM-Präsidenten fast drei Jahre die Bayerische Staatskanz- lei und war in dieser Funktion auch für das Thema Medien zuständig, auch auf den Münchner Medientagen. Schneider wird – wie die meisten auf dem Podium, Tichy offenbar ausge- nommen– keine Einführung indas Ge- zänk deutscher Medienpolitik ge- braucht haben. Lehrstunde? Klar, wie immer in den zurückliegenden Jahren darin, wie Intendanten, Geschäftsfüh- rer undandere Medienmanager sichge- genseitig langweilen. Wenn Tichy ei- nes hätte klar werden müssen, dann: Diese Runde braucht niemand mehr. Ihr Problem ist einerseits, dass im- mer die selben zusammensitzen. Es nahmen, inAuszügen, Platz: BR-Inten- dant Ulrich Wilhelm (immerhin neu) und ZDF-Intendant Markus Schäch- ter, Jürgen Doetz, Präsident des Ver- bandes Privater Rundfunkveranstal- ter (VPRT), Pro-Sieben-Sat-1-Vor- stand Andreas Bartl und RTL-Ge- schäftsführerin Anke Schäferkordt. Dazu Burda-Vorstandsboss Paul- BernhardKallen, BrianSullivan (CEO von Sky Deutschland) und der deut- sche Google-Chef. Nicht auf demPodiumvertretenwa- ren deutsche Zeitungsverleger (2010 hatte der Axel-Springer-Vorstands- vorsitzende Mathias Döpfner teilge- nommen). Deswegen ließ BR-Inten- dant Wilhelm seine Haltung zu der an dieser Front geführten Diskussion (acht Zeitungsverlage, darunter die Süddeutsche Zeitung, haben gegen die App der Tagesschau geklagt) schon im Vorfeld der Runde quasi als Hauspost, also via BR-Interview, verbreiten. Ein Kompromiss indemStreit sei möglich, erklärte er einem Mitarbeiter des von ihm gelenkten Senders, wenn beide Seiten „sich auch ein Stück bewegen“. Es gebe erste Gespräche. Zumanderen, und das ist das zweite Kernproblem der „Elefantenrunde“ wird seit Jahren nahezu über das selbe geredet, durch aktuelle Entwicklun- gennur geringfügig beeinflusst. Da sit- zen also viele Elefanten, kontrollieren eifersüchtig die Redezeit der anderen und wetteifern mit sauertöpfischem Gesichtsausdruck zwei Stunden lang zu der Frage, wen von ihnen die Medienaufsicht amungerechtesten re- guliere und wer am meisten darunter zu leiden habe. Dass sich, was Benachteiligung be- trifft, die Privatsender in einer Art Fa- voritenrolle sehen, hatte ein auf die- sem Feld neuer Öffentlichkeitsarbei- ter der Privaten bekannt gemacht: Der ehemalige bayerische Ministerpräsi- dent EdmundStoiber, CSU, neuer Bei- ratsvorsitzender des TV-Konzerns Pro Sieben Sat 1, hat die Länderchefs und sogar die Bundeskanzlerin aufgefor- dert, den Kommerzfunk aus seiner „strategischenZwangslage“ zubefrei- en. Weil Google, Facebook und Apple, die neuen Medien und tatsächlich gro- ßenRivalender altenMedien inder ge- meinsamen digitalen Welt, auf dem deutschen Markt keiner Regulierung unterworfen seien, müsse das Rund- funkrecht neu geordnet werden. So uneins sich VPRT-Präsident Do- etz oder der auf der Schlussetappe sei- ner Amtszeit um Ausgleich bemühte ZDF-Intendant Schächter oder RTL- Geschäftsführerin Schäferkordt und Ulrich Wilhelm vom BR beim Thema Rundfunkgebühren waren: Dass die Googles dieser Erde eine Bedrohung für Private und Öffentlich-Rechtliche seien, darauf einigte man sich schnell. Lehrstunde also? Ja, für Stefan Twe- raser, den Google-Deutschland-Chef. Er zählt noch zu denen, die sich nicht langweilen: Imnächsten Jahr werde er eines ganz sicher: Ordentlich jam- mern. KATHARINA RIEHL Erstaunlich einstellig Schmidt, Kerner, Pocher: Das Geschäftsmodell Sat 1 hat versucht, mit Personalpolitik von sich abzulenken Schmidt, Kerner, Pocher – drei völlig verschiedene Typen, aber sie haben ein gleiches Problem: Bei Sat 1 läuft und lief es nicht für sie. Fotos: dpa (2), AP Der Pay-TV-Kanal Sky hat den Start- termin von Sky Sport News HD, seinem neuen Sportnachrichtenkanal, bekannt- gegeben. Vom 1. Dezember an soll der Sender „täglich 24 Stunden live von al- len wichtigen Ereignissen aus der Welt des Sports berichten“. Sky Sport News ist dem Unternehmen zufolge der erste 24-Stunden-Sportnachrichtensender in Deutschland und Österreich. 14 Nach- richtenmoderatoren sollen dort durchs Programm führen, insgesamt wurden 200 neue Mitarbeiter eingestellt. SZ Jungen Müttern in Berlin traut man ja zu, ihre ungeborenen Kinder mit Zwölf- ton-Musik oder Chinesisch-Crashkursen zumalträtieren, inder Hoffnung, dass der Nachwuchs sichdadurchinder Ellbogen- gesellschaft der Kindergärten besser durchsetzen möge. Frühkindliche musi- scheErziehungwirdwieder großgeschrie- ben in Friedrichshain und am Prenzlauer Berg. Grundgenugwohl für denFilmWie- genlieder zu fragen: „Können Sie sich an ein Lied erinnern, dass Ihnen ihre Mutter zumSchlafengehen gesungen hat?“ Es antworten Berliner Passanten. Jun- ge, alte, zugezogene oder originale. Die Frage ist ebenso elementar wie willkür- lich. Bei denmeistensindes nur Fragmen- te, die ihnen geblieben sind, sie flüchten sich in Summen und Pfeifen, wenn die Jahre die Texte verblassen ließen. Mal sind Melodien christlich geprägt, mal sind es alte Jungpionier-Lieder. Auf den Inhalt kommt es ja auchgar nicht an, son- dern nur darauf, dass dort eine Stimme ist, die einem Halt und Nähe und Gebor- genheit in der Welt verspricht. Anhand jener Wiegenlieder wollen die Regisseure Johann Feindt und Tamara Trampe die Geschichten von fünf Men- schen erzählen – und nehmen es dann ein wenig zu ernst mit der Bedeutung der frühkindlichenBerieselung. Gibt es wirk- lich einen Soundtrack des eigenen Le- bens? Kann man anhand eines einzigen Liedes das Schicksal eines Menschen auf- klären? Sicherlich nicht. Doch genau das versucht die Dokumentationzubeweisen, fast scheint es, als wäre jeder Mensch, der ohne Wiegenlied aufwachsen musste, zu einer prekären Biografie verdammt. Denn genau die stehen im Fokus des Films: die Gescheiterten, die Leidenden. Wiegenlieder ist das dritte gemeinsame Projekt, das die Berliner Filmemacher Feindt und Trampe zusammen realisiert haben. 2005 haben sie die preisgekrönte DokuWeisse Rabengedreht, inder sie den Lebenswegdreier Tschetschenien-Vetera- nen verfolgten. Sensibel, doch fordernd, niemals rüde. Mit den Wiegenliedern ha- ben sie sich ein wenig verhoben. Immer wieder fällt Interviewerin Trampe ihren Protagonisten ins Wort. Ohne Off-Kom- mentar geht es über 90Minuten, die beina- he allgegenwärtige Musik soll alle Narra- tion übernehmen, beinahe hörspielhaft werden Stimmungen transportiert. Dabei sind es die Momente, in denen die Protagonisten einmal ausreden dür- fen, in denen der Film am meisten über- zeugt. Wenn etwa Helmut Oehring zu er- zählen beginnt: Seine Eltern sind gehör- los, weshalber sichineiner permanent tö- nenden und tosenden Welt isoliert fühlte undschließlichKomponist wurde, ummit seinenexperimentellen Stücken, in denen Geige und Kontrabass vor sich hin krei- schen, diese Welt aus ewiger Stille durch- brechenwill. Oder die Geschichte vonDet- lef Jablonski, der im Gefängnis geboren wurde undimmer nochineiner Zwischen- welt gefangenist, zwischendemidealisier- tenBildder Mutter undder lieblosenPfle- gefamilie, in der er aufgewachsen ist. Doch den intimen Erzählungen kom- mendie vielenüberästhetisiertenKamera- einstellungen in die Quere, von denen man schnell annehmen könnte, dass sie der Eitelkeit des Kameramanns geschul- det sind. Sie zeigendenHimmel über Ber- lin im Morgen- oder Abendlicht, vorbei- rauschende U-Bahnen oder Seifenblasen, die an Plattenbau-Skeletten vorbeizie- hen. Die musikalische Biografie ver- kommt zu einem Imagefilm über die Hauptstadt. MICHAEL MOORSTEDT Wiegenlieder, Arte, Freitag, 23 Uhr. Rupert Murdochs Pläne, seine Wirt- schaftszeitung Wall Street Journal als Onlineangebot nach Deutschland zu bringen, sind jetzt konkret. Wie das zu Murdochs News Corp gehörende Unter- nehmenDowJones amMittwochmitteil- te, soll wallstreetjournal.de von Anfang Januar an verfügbar sein. „Die Website“, hieß es in einer Erklärung, „gepaart mit mehrerenSmartphone-Apps und Tablet- Ausgaben, sowie die mobile Internetsite, werden eine Mischung aus Gratis- und Bezahlinhaltenaus demWall Street Jour- nal und demglobalenNetzwerk vonDow Jones bieten, angereichert mit Nachrich- ten und Analysen, von den bestehenden Korrespondententeams in Frankfurt, Berlin, Düsseldorf und Hamburg. SZ Zu viel des Guten RTL setzt die wunderbare Serie „Doctor’s Diary“ nicht fort Sky News im Dezember Ach je! Zum Start: Selbstmitleid bei den Münchner Medientagen Der Soundtrack ihres Lebens Ein Dokumentarfilm will die Bewohner Berlins anhand ihrer Einschlafmusik aus Kindertagen erklären WSJ im Januar Donnerstag, 20. Oktober 2011 HF2 Süddeutsche Zeitung Nr. 242 / Seite 19 MEDIEN Verantwortlich: Christopher Keil Einen gemeinsamen Feind hat man: Er heißt natürlich Google Lösungen vom Mittwoch 5 4 2 7 3 8 6 1 9 9 1 3 6 4 5 2 8 7 7 6 8 2 1 9 5 4 3 4 5 1 8 9 7 3 2 6 6 8 9 1 2 3 7 5 4 3 2 7 5 6 4 1 9 8 2 3 4 9 5 6 8 7 1 1 7 6 4 8 2 9 3 5 8 9 5 3 7 1 4 6 2 Die Ziffern 1 bis 9 dürfen pro Spalte und Zeile nur einmal vorkommen. Zusammenhängende weiße Felder enthalten eine lückenlose Menge von Zah- len, die in beliebiger Reihenfolge stehen können. Schwarze Felder trennen diese Straßen und wer- dennicht ausgefüllt. Weiße Ziffern dienen lediglich der Orientierung, sie gehören aber selbst zu keiner Straße. Tipps im Internet: www.sz-shop.de/str8ts © 2010 Syndicated Puzzles Inc. 20.10.2011 3 5 5 6 8 5 2 9 2 5 8 4 7 4 1 9 2 6 3 5 7 9 3 8 7 9 7 1 3 7 2 5 8 4 8 3 2 6 4 1 2 6 3 5 8 4 1 4 2 7 7 8 6 4 5 6 5 8 7 3 4 2 8 7 9 6 1 2 7 6 9 8 2 3 1 8 2 5 7 6 3 4 2 4 3 9 8 6 7 1 2 7 8 5 6 3 5 4 9 6 7 8 6 3 4 5 7 9 4 1 3 8 Str8ts S Z - R ä t s e l S c h w e d e n r ä t s e l , S t r 8 t s m i t t e l s c h w e r , S u d o k u l e i c h t Britische Neurowissenschaftler haben neue Gründe gefunden, wieso es viel- leicht dochnicht so sinnvoll ist, Schulkin- der bereits sehr früh imLeben nach ihrer Leistungsfähigkeit zu sortieren: Sie konntennachweisen, dass sichder Intelli- genzquotient (IQ) entgegen verbreiteter Annahme auchnochinder Pubertät deut- lich ändern kann (Nature, online). In ihrer Studie ermittelten die For- scher umCathy Price vomUniversity Col- lege London bei 33 Teenagern im Alter von zwölf bis 16 Jahren mit den üblichen Tests die verbale undnicht-verbale Intel- ligenz. Vier Jahre später wiederholten sie Tests bei den mittlerweile 15- bis 20-Jährigen. Zum Erstaunen der For- scher ergabensich bei deneinzelnen Pro- banden Abweichungen von bis zu 20 Punkten auf der IQ-Skala im Ver- gleich zur ersten Testreihe – und zwar nach unten und nach oben. Mit anderen Worten: Ein Jugendlicher, der mit zwölf Jahren über einen durchschnittlichen IQ von 100 Punkten verfügt, könnte sich im Extremfall als 16-Jähriger der Hochbega- bung genähert haben oder umgekehrt als fast schon lernbehindert gelten. So überraschend diese Ergebnisse sind, haben die Forscher doch weitere harte Belege für die Richtigkeit ihrer Be- funde. So fertigten sie parallel zu den In- telligenztests auch Hirnbilder mit einem Magnetresonanztomografen an. Diese zeigten, dass etwa bei gewachsener ver- baler Intelligenz auch die Dichte der grauenSubstanz inder Hirnregiongestie- gen war, die für Sprachverarbeitung zu- ständig ist. Geänderte IQ-Werte korre- lierten also mit Änderungen in der Hirn- struktur. Unklar bleibt allerdings, wie diese Wandlungsprozesse zu erklären sind, und wieso die IQ-Werte bei einigen Pro- banden stiegen und bei anderen sanken. Waren vielleicht einige der Jugendlichen Früh- oder Spätentwickler? Oder zeigt die Qualität des Schulunterrichts Aus- wirkungen? Studienautorin Price speku- liert, dass es sich vielleicht ähnlich ver- halte wie bei der Fitness: „Ein Teenager, der mit 14 Jahren körperlich fit ist, kann mit 18 weniger fit sein, wenner zutrainie- ren aufhört.“ Eine weitere Frage sei, ob die Intelligenz auch noch bei Erwachse- nen ähnlich schwanken könnte; schließ- lich sei auch deren Gehirn noch plas- tisch. In einem aber ist sich Cathy Price bereits sicher: „Wir müssen aufpassen, dass wir Leistungsschwache nicht in ei- nem frühen Stadium abschreiben, wenn sie doch ihren Intelligenzquotienten in wenigen Jahren noch deutlich steigern könnten.“ CHRISTIAN WEBER Gelbe Meerbarben jagenimTeam. Da- bei organisieren sich die bis zu 50 Zenti- meter langen Fische wie eine Fußball- mannschaft: Einige Fische agieren als Stürmer, die anderen als Abwehrspieler. Das berichten Zoologen um Redouan Bshary von der Universität Neuchâtel in der Schweiz (Ethology, Bd. 117, S. 961, 2011). Gelbe Meerbarben bevölkern Ko- rallenriffe und schließen sich inGruppen zusammen. In welchem Team ein Fisch lebt und jagt, hängt von seiner Körper- größe ab: Es sindjeweils Fische vonähnli- cher Größe, die sichzueinemVerbandzu- sammenschließen. Die Forscher unter- suchten das Verhalten von Meerbarben im Roten Meer vor der Küste Ägyptens. Bei Schnorchelausflügen beobachteten sie, wie die Fische ihre Jagdzüge koordi- nieren. Oft setzte ein Tier der Beute nach und hetzte diese dabei um Korallen her- um, hinter denen andere Meerbarben warteten und den Fluchtweg versperr- ten. Einige Fische blockiertenauchande- re Fluchtwege im Riff. Manche Gruppen hatten sich sogar so organisiert, dass die gleichen Fische stets die gleichen Rollen übernahmen. Derart komplexes Sozial- verhalten sei bei Fischen ungewöhnlich, berichten die Forscher. sehe Eine Studie an mehreren tausend afri- kanischen Kindern weckt neue Hoff- nung auf einen wirksamen und sicheren Impfstoff gegen Malaria. Wie mehrere Forscherteams im Fachmagazin New England Journal of Medicine (online) be- richten, senkt das Vakzinmit demsperri- gen Namen RTS,S/AS01 das Erkran- kungsrisiko um etwa die Hälfte. Die Be- geisterung über dieses Ergebnis ist nicht nur bei dem Pharmaunternehmen Glaxo Smith Kline Biologicals groß, das den Wirkstoff entwickelt hat. „Die neuen Er- gebnisse unterstützendie Hoffnung, dass es inabsehbarer Zeit eine wirksame Imp- fung gegen Malaria geben kann“, sagt Jürgen May vom Bernhard-Nocht-Tro- peninstitut in Hamburg, der ineinemfrü- hen Entwicklungsstadium des Vakzins an der Studie beteiligt war. Seine Kolle- ginNicole Berens-Riha vomTropeninsti- tut der Ludwig-Maximilians-Universi- tät München sagt: „Das Neue ist, dass wir hier erstmals eine Studie der Phase 3 haben“. In dieser Phase werden die letz- ten, für die Marktzulassung einer Arznei oder eines Impfstoffes notwendigen Un- tersuchungen vorgenommen. Wegen der großen Probandenzahl gelten diese Stu- dien als besonders aussagekräftig. Malaria ist vor allem für Kinder unter fünf Jahren eine Gefahr, daher konzen- trieren sich Impfstudien meist auf diese Altersgruppe. In ihre aktuelle Untersu- chung schlossen die Forscher insgesamt mehr als 15 400 Kinder in siebensüdafri- kanischen Ländern ein. Die Kinder wur- den zufällig entweder der Wirkstoff- oder einer Kontrollgruppe zugeteilt, die als Placebo eine Impfung gegen Tollwut erhielt. Die Malariafälle ermittelten sie für zwei Altersklassen: Für Säuglinge zwischen sechs und zwölf Wochen und für Kleinkinder zwischenfünf und17 Mo- naten. Bislang sind nur die Ergebnisse für einen Teil der Kleinkinder veröffent- licht. Daten zu den Säuglingen sollen im kommendenJahr folgen; eine Gesamtaus- wertung der Studie kündigen die Auto- ren für das Jahr 2014 an. Dass der getestete Impfstoff das Er- krankunsgrisiko bei den6000 untersuch- ten Kindern zwischen fünf und 17 Mona- ten um etwa 50 Prozent senken konnte, sehen auch an der Studie unbeteiligte Forscher als großen Erfolg an. „Natür- lich hätten wir lieber eine Quote von 90 oder 100 Prozent“, sagt die Münchener Tropenmedizinerin Berens-Riha. „Aber für Malaria sind die aktuellen Ergebnis- se sehr gut.“ Jürgen May bestätigt: „Wir dürfen an Impfungen gegen Parasiten nicht die gleichen Kriterien anlegen wie bei Bakterien oder Viren.“ Der Malaria-Erreger ist sehr wand- lungsfähig, zudemhat er einenso kompli- zierten Lebenszyklus, dass es dem Im- munsystem schwer fällt, den Eindring- ling zu fassen. Dies soll der neue Impf- stoff erleichtern. Er enthält unter ande- remein Protein des Malaria-Erregers so- wie einenWirkverstärker. Nach der Imp- fung soll der menschliche Organismus Antikörper bilden, die verhindern, dass die Parasiten in Leberzellen eindringen, umsichdort zuvermehren. Außerdemak- tiviert der Wirkstoff jenen Teil des Im- munsystems, der bereits befallene Leber- zellen tötet. Finanziell unterstützt von der Bill & Melinda Gates Stiftung, die sich seit den 1990er-Jahren mit mehren MilliardenDollar imKampf gegen Mala- ria einsetzt, arbeitet Glaxo Smith Kline zusammen mit der gemeinnützigen PATH Malaria Vaccine Initiative seit 24 Jahren an dem Wirkstoff. Die Weltgesundheitsorganisation er- wägt, das Vakzin schon in drei Jahren in TeilenAfrikas indie offiziellenImpfkam- pagnenaufzunehmen. Nochaber sindvie- le Fragen rund um den Impfstoff unge- klärt, und auch die Studienautoren beto- nen, dass er sich in stetiger Entwicklung befinde. Nicht alle der aktuell präsentier- ten Ergebnisse geben uneingeschränkt Grund zum Jubeln. Entscheidend für den Erfolg einer Malariaimpfung ist we- niger die Reduzierung des allgemeinen Erkrankungsrisikos – sondern vor allem die Frage, ob das Vakzin auch die Zahl der schweren Verläufe und damit der To- desfälle durch Malaria reduzieren kann. Hier fielen die Ergebnisse jedoch etwas schlechter aus als erwartet, wie der nicht an der Studie beteiligte Tropenmedizi- ner Nicholas White vonder Mahidol-Uni- versität in Bangkok in einem begleiten- den Kommentar im New England Jour- nal schreibt. 57 von 2830 Kindern, die den Wirkstoff erhielten, litten unter dem schweren Verlauf; in der Placebogruppe waren es 56 von 1466 Kindern. Demnach senkte das Vakzindas Risiko eines schwe- ren Verlaufs um 47 Prozent; einer ande- ren, noch vorläufigen Auswertung zufol- ge lag der Erfolg allerdings nur bei gut 30 Prozent. Zudem gibt die Studie keine Antwort darauf, ob die Impfung auch die Zahl der Todesfälle senkt. Zehn der Kin- der starben innerhalb der Studiendauer andenFolgenvonMalaria. „Das sindau- ßergewöhnlich wenige Todesfälle und zu wenige, um eine Reduktion in Folge der Impfung zu berechnen“, sagt der Ham- burger Malaria-Experte May. Ebenfalls ungeklärt ist, wie lange der Impfschutz anhält – die Daten aus der Studie lassen vermuten, dass er schon nach etwa vier Monaten wieder abnimmt. Klar ist jedoch schon jetzt: Ausrotten lässt sich Malaria mittels einer Impfung nicht. „Damit behandelnwir die Sympto- me, nicht die Ursachen“, sagt Berens-Ri- ha. So plädieren Tropenmediziner ein- stimmig dafür, weiterhinauf andere Mit- tel der Malariabekämpfung zu setzen. „Wir brauchen nach wie vor Moskito- netze und Medikamente“, mahnt Oliver Moldenhauer von der Organisation Ärz- te ohne Grenzen. KATRIN BLAWAT Fünf Millionen Menschen besuchen jährlich den Grand Canyon im US-Bundesstaat Arizona und las- sen sich vomAnblick der Landschaft berauschen. Der Nasa-Satellit Terra liefert nun einen anderen Blick auf das Naturwunder. Das Bild zeigt den östlichen Teil des GrandCanyonundbesteht aus zwei Lagen: ei- nemBildinnatürlichenFarbenundeinemdreidimen- sionalen digitalen Modell der Gegend. Die Darstel- lung des Grand Canyons ist Teil eines digitalen, topo- graphischen Atlas der Erdoberfläche, den die Nasa in Zusammenarbeit mit dem japanischen Ministerium für Wirtschaft undIndustrie erstellt hat (zu findenun- ter https://lpdaac.usgs.gov/). Eine erste Version des Atlas wurde 2009 veröffentlicht. Die aktualisierte Ver- sion wurde nun um 260 000 Bildpaare erweitert, die aus zwei minimal versetzten Aufnahmen des gleichen Motivs bestehen und dadurch einen Eindruck räumli- cher Tiefe erzeugen. sehe / Bild: Nasa Moderne Smartphones können Texte entschlüsseln, die an einem nahegelege- nen Computer getippt werden. Das be- richten Patrick Traynor und Henry Car- ter vom Georgia Institute of Technology. Sie platzierten ein iPhone 4 neben einer gängigen Computertastatur und erfass- ten mit Hilfe der im Handy eingebauten Beschleunigungssensoren die Vibratio- nen der Tastatur beim Schreiben. Das Handy registrierte dabei nicht ein- zelne Buchstaben, wohl aber Kombinati- onen von Anschlägen, für die jeweils die Positionder Erschütterung auf der Tasta- tur (links – rechts) unddie Entfernung zu- einander erfasst wurde. Diese Abfolgen wurdenmit einemelektronischenWörter- buch abgeglichen, das rund 58 000 Wör- ter enthielt. Bis zu 80 Prozent eines ge- tipptenTextes konntendie Computerwis- senschaftler auf diese Weise korrekt ent- ziffern. Amzuverlässigstenwarendie Er- gebnisse, wenn das Handy nicht weiter als 7,5 Zentimeter von der Tastatur ent- fernt lag und die Wörter mindestens aus drei Buchstaben bestanden. Die Beschleunigungssensoren eines Smartphones sollen primär erkennen, wie der Nutzer sein Telefon hält. Weil sie aber sehr sensibel sind, gibt es sogar Han- dy-Spiele, die über Bewegungendes Nut- zers gesteuert werden. Anders als bei Handykamera, Mikrofon oder GPS-Or- tung fragen entsprechende Apps den Be- nutzer nicht, ob die Sensoren verwendet werdendürfen. Sokönnte sicheine Troja- ner-Appeinschleichen. „Die Wahrschein- lichkeit, dass jemand auf diese Weise ab- gehört wird, ist derzeit gering“, sagt Pa- trickTraynor, aber wennes jemandernst- haft versuche, sei es möglich. Die Gefahr sei jedoch einfach zu vermeiden – indem man sein Handy ausreichend weit weg von der Tastatur ablegt. pom Mit einem Geruch, den kleine Ferkel ihrer Mutter zuschreiben, lassen sie sich leichter entwöhnen. Sie fressen besser, wachsen schneller und zeigen weniger Stress, berichten niederländische For- scher imFachjournal PLoS One (online). Marije Oostindjer von der Universität in Wageningen (Niederlande) hatte Sauen entweder in der letzten Zeit ihrer Träch- tigkeit oder in der Stillzeit Futter gege- ben, das leicht mit Anis-Aroma versetzt war. Nach der Trennung vom Muttertier bekam ein Teil der Ferkel diesen Geruch wieder präsentiert – entweder über das Futter oder über die Luft. Es zeigte sich, dass Ferkel, deren Mütter vor der Geburt oder in der Stillzeit das Anis-Futter be- kommen hatten, sich bei diesem Geruch besser entwickelten als Kontrolltiere. Sie fraßen und spielten mehr, wuchsen besser undzeigtenallgemeinweniger An- passungsschwierigkeiten. Bereits zuvor hatten Wissenschaftler herausgefunden, dass Ferkel Gerüche wahrnehmen und sich einprägen, die ihre Mütter über das Futter aufnehmen, berichtet Oostindjer. Ihre Ergebnisse zeigten nun, dass solche vertrautenGerüche einendeutlichenEin- fluss auf die Entwicklung der Tiere ha- ben können. dpa Spätentwickler Der Intelligenzquotient kann sich noch in der Pubertät ändern Hatz am Riff Meerbarben jagen im Team Spritze mit großer Hoffnung Noch nicht perfekt, aber besser als alle bisherigen Versuche: Ein neuer Impfstoff schützt Kinder vor Malaria Aus der Tiefe des Weltraums Spion Smartphone Bewegungssensoren erfassen das Tippen am Computer Mamas Duft Vertraute Gerüche beruhigen Ferkel Seite 20 / Süddeutsche Zeitung Nr. 242 Donnerstag, 20. Oktober 2011 WISSEN „Für einen Malaria-Impfstoff sind die Ergebnisse sehr gut.“ Noch ist allerdings unklar, wie lange der Impfschutz anhält. Wie sehr schwankt die Intelligenz von Erwachsenen? Was kommt heute unter den Hammer und zu welchem Preis? Nerven bewahren und sparen – so funktioniert die große Rück- wärtsauktion. Je länger Sie warten, desto günstiger wird der Preis. Aber warten Sie nicht zu lange, sonst schlägt ein Anderer zu. Der Kaufdown mit täglich wechselnden Angeboten. k a u f d o w n . d e D i e A u k t i o n , b e i d e r d e r P r e i s s i n k t . Eine außergewöhnliche Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn im Zarengold-Sonderzug Erfüllen Sie sich zu zweit einen Lebenstraum mit der 16-tägigen Sonderzugreise auf der Transsib von Moskau nach Peking, powered by Lernidee Erlebnisreisen, der Nr. 1 auf der Transsib. Von Thomas Öchsner Berlin – In vielen Unternehmen ist die Angst zurückgekommen. Die Angst, sich mit dem Virus anzustecken, der im Fi- nanzsystemsteckt. MartinKannegiesser, Präsident der Arbeitgeber in der Metall- und Elektroindustrie, formulierte es An- fang der Woche so: „Uns stehen die Haa- re zu Berge, wenn wir daran denken müssten, jetzt schon wieder erneut in ei- ne solche Talfahrt gestoßen zu werden.“ Noch gibt es Hoffnung, dass dies nicht passiert. Was aber ist, wenn die Schul- denkrise tatsächlich die Geschäfte der Industrie lähmt? Der Präsident der Bun- desvereinigung der DeutschenArbeitge- berverbände (BDA), Dieter Hundt, und der Chef des Deutschen Gewerkschafts- bundes (DGB), Michael Sommer, for- dern von der Bundesregierung schon jetzt, vorsorglich aktiv zu werden: bei der Regelung der Kurzarbeit. Das im Ausland bestaunte deutsche Jobwunder ist zumTeil der Sonderförde- rung der Kurzarbeit zu verdanken, bei der die Bundesagentur für Arbeit (BA) den Arbeitgebern die Sozialbeiträge er- stattet. Im Krisenjahr 2009, als das Wachstum um fünf Prozent einknickte, waren bis zu 1,5 Millionen Arbeitnehmer in Kurzarbeit beschäftigt. 300 000 bis 400 000 Menschen wurden so nicht ar- beitslos. Fast fünf MilliardenEuro koste- te dies die BAinsgesamt. 2011 werden im Jahresdurchschnitt dagegen nur etwa 160 000 Menschen in Kurzarbeit sein. Die Regierung will die bis März 2012 be- fristete Sonderförderung deshalb bereits Ende 2011 auslaufen lassen. Und genau das wollen Sommer und Hundt nicht. Der Arbeitgeberpräsident sagte der Süddeutschen Zeitung: „Gerade in Zei- ten einer guten wirtschaftlichen Lage muss etwaigen Risiken vorgebeugt wer- den.“ Er schlägt deshalb vor, „anstelle der bisherigen gesetzlichen Regelung ei- ne Verordnungsermächtigung für die Bundesregierung zu schaffen“. Damit lasse sich das sogenannte „Kurzarbeiter- geld-plus“ bei Bedarf kurzfristig wieder aktivieren, „ohne auf ein zeitaufwendi- ges Gesetzgebungsverfahren angewiesen zu sein“. Für den Fall einer neuen Krise müsse weiter „die sofortige Handlungsfä- higkeit gewährleistet sein, umBeschäfti- gung zu sichern“, forderte Hundt. Genauso sieht es DGB-Chef Sommer: „Ich warne davor, dass die Finanz- und Euro-Krise Auswirkungen auch auf die Realwirtschaft haben kann“, sagte er der SZ. Es wäre deshalb gut, wenn die Bun- desregierung die notwendigen Instru- mente bereit halte, um bei einer Zuspit- zung der Situation auf dem Arbeits- markt „schnell und unbürokratisch re- agieren zu können“. Der DGB-Chef sprach sich dafür aus, die Instrumente der Kurzarbeit über den 31. Dezember 2011 hinaus zu nutzen und im Vermitt- lungsausschuss von Bundestag und Bun- desrat eine flexible Lösung zu finden. Der Ausschuss muss sich bald ohnehin mit der Reform der Arbeitsmarktförde- rung befassen. Diese sieht unter anderem vor, dass die Extra-Subventionen für die Kurzarbeit Ende 2011 wegfallen. Auch die SPDschlug gerade vor, die Regierung zu ermächtigen, die auslaufenden Son- derregeln für die Kurzarbeit im Fall ei- nes Abschwungs wieder in Kraft setzen zu können. Die Bundesregierung solle im Fall der Fälle „schnell scharf schalten können“, sagte SPD-Fraktionsvize Hu- bertus Heil. Ob dies dann tatsächlich notwendig sein wird, ist offen: Das BA- Forschungsinstitut IAB rechnet auch 2012 mit nur 150 000 Kurzarbeitern. Selbst im Falle einer Rezession, mit ei- nem Schrumpfen des Bruttoinlandspro- dukts um 0,2 Prozent, prognostiziert das Institut lediglich 255 000 Kurzarbeiter. Sicher ist: Breitet sich der Schulden- krisen-Virus aus, wird es diesmal schwie- riger, Stellenzuerhalten. Die Arbeitszeit- konten bei den Unternehmen sind nicht so gut gefüllt wie 2009. Die Bundesregie- runghat keinGeld, umneue Konjunktur- programme aufzulegen. Und die milliar- denschweren Finanzreserven der BA sind längst aufgebraucht. DGB-Chef Sommer kritisiert deshalbauchdie Spar- programme der Bundesregierung auf Kosten der Behörde: „Handlungsfähig ist die Bundesagentur nur dann, wenn ihr nicht länger Milliardenbeträge vom Bund entzogen werden und die Unterfi- nanzierung beseitigt wird.“ Von Haral d Frei berger Frankfurt – Ein erneuter Schlag für die europäischenGroßbanken: Die EU-Kom- mission ermittelt gegen Institute wegen der möglichenManipulationvonZinssät- zen. In einer groß angelegten Razzia be- schlagnahmtendie europäischenWettbe- werbshüter umfangreiche Datenbei meh- reren Geldhäusern, bestätigte die EU- Wettbewerbskommission am Mittwoch. Um welche Banken aus welchen Län- dern es sich handelt, wollte sie nicht sa- gen. Es soll aber auch die Deutsche Bank in London durchsucht worden sein, er- fuhr die Nachrichtenagentur Reuters. Die Deutsche Bankwollte die Angelegen- heit nicht kommentieren. Es geht bei der Aktion um mögliche Manipulationen am sogenannten Euri- bor (Euro Interbank Offered Rate). Er ist inEuropaeiner der wichtigstenReferenz- zinssätze, auf densichviele Bankproduk- te beziehen, zumBeispiel Kredite anBau- herren und Unternehmen, variabel ver- zinste Sparverträge, AnleihenundOptio- nen. „Der Euribor hat deshalb auch für Privatkunden eine große Bedeutung, weil zum Beispiel viele Immobilienkre- ditverträge an ihm hängen“, sagt Martin Faust Professor an der Frankfurt School of Finance and Management. Vereinfacht gesagt, handelt es sich um den Marktzins, zu dem sich Banken höchster Kreditwürdigkeit inEuropa un- tereinander Geld leihen. Die Absicht, die dahintersteckt, ist, dass die Finanzindus- trie für ihr Geschäft einen stets aktuellen Zinssatz braucht, der das Geschehen auf dem Markt widerspiegelt. Deshalb wird der Euribor täglich ermittelt, und zwar aus den Konditionen, zu denen sich Ban- kenuntereinander Geldleihen. Dazumel- den 44 europäische Großbanken ihre ei- genen Daten, die auch täglich veröffent- licht werden. Zu den 44 Melde-Banken zählen neun Institute aus Deutschland, darunter die Deutsche Bank, die Com- merzbank und die Helaba. Es gibt nicht nur einen Euribor, sondern mehrere für verschiedene Laufzeiten, zum Beispiel für eine Woche, einen Monat, drei Mona- te, sechs Monate und zwölf Monate. Der Ein-Wochen-Euribor stand am Mitt- woch bei 1,161 Prozent, der Zwölf-Mo- nats-Euribor bei 2,122 Prozent. Die EU-Wettbewerbskommission sprach von einem Anfangsverdacht auf Zinsmanipulation. Die Kreditinstitute könnten sich abgesprochen haben, um den Euribor zu ihren Gunsten zu beein- flussen. Ob sie dieser Verdacht bestäti- ge, müssten aber erst die Untersuchun- gen zeigen. Falls sich herausstellt, dass die Banken schuldig sind, kann die EU- Behörde hohe Strafen von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes eines Unter- nehmens verhängen. Der europäische Bankenverband sag- te der EU-Kommission seine Zusammen- arbeit zu. Die zuständige Unterorganisa- tion Euribor-EBF teilte mit, sie sei be- reit, den Ermittlerndie gewünschtenDa- ten zur Verfügung zu stellen. Sie sei aber zuversichtlich, dass es bei der Bildung des Euribor keine Unregelmäßigkeiten gegeben habe. Allein schon die große An- zahl von 44 beteiligten Banken machten Absprachen unmöglich. Die EU-Aktionschließt sichanErmitt- lungen an, mit denen Aufsichtsbehörden in den USA, Europa und Japan die Fi- nanzbranche seit etwa einem Jahr über- ziehen. Dabei geht es ummögliche Mani- pulationen an einem anderen Referenz- zinssatz, dem Libor (London Interbank Offered Rate). Dieser wird von nur zwölf Institutenermittelt. ImFokus der Ermitt- lungen sollen Großbanken wie Barclays, UBS und Citigroup stehen. Ein Ergebnis gibt es noch nicht. Welches Interesse könnten Großban- ken daran haben, einen Referenzzinssatz wie den Euribor oder den Libor zu mani- pulieren? „Es geht vermutlich weniger darum, dass Banken in ihrem direkten Geschäft davon profitieren wollten“, sagt Bankenprofessor Faust. Schließlich seien die Bankenprodukte zu unter- schiedlich. Bei Sparprodukten würde ei- ne Bank profitieren, wenn sie den Zins nach unten manipulierte: Sie müsste den Sparern dann weniger Zinsen zahlen, als den Satz, zu dem sie sich selbst Geld lei- hen kann. Bei verliehenen Krediten ist es umgekehrt. „Es läuft auf ein Nullsum- menspiel hinaus, zumal viele Banken mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen am Euribor beteiligt sind“, sagt Faust. Wahrscheinlicher ist, dass die Banken den Zins aus Bonitätsgründen niedriger meldeten, als er in Wirklichkeit war. Der Hintergrund: Mit Ausbruch der Finanz- krise imJahr 2008 schwand das Vertrau- en der Banken untereinander. Der Inter- bankenhandel geriet ins Stocken, keine Bank wollte der anderen mehr Geld lei- hen, aus Sorge, dass sie es nicht zurückbe- kommt. Und wenn Banken anderen Kre- ditinstitutenGeldliehen, dannnur zuho- hen Risikoaufschlägen. Ein hoher Zins ist aber immer ein Alarmsignal; er zeigt, dass die Banken Schwierigkeiten haben, sichGeldzubesorgen. „Indemdie Kredit- institute einen niedrigeren als den realen Zins meldeten, mussten sie nicht offenle- gen, wie dramatisch ihre Situation wirk- lichist“, sagt Faust. Sie hättenso ihre tat- sächliche Bonitätslage verschleiert. Von Jeanne Rubner Galileo Galilei gehört zu den ganz großen Forschern, er war sogar ein Revolutionär. Europas Satellitennaviga- tionssystem nach ihm zu benennen, zeugt daher von einem gewissen Maß an Kühnheit. Galileo, das größte Industrie- projekt der EuropäischenUnion seit dem Airbus, datiert aus dem Jahr 2003. Da- mals war man tatsächlich kühn. So kühn zuglauben, dass Europa auch ein eigenes GPSstemmenkönne undnicht auf die Si- gnale der Amerikaner oder der Russenan- gewiesen sei. Galileo war das Symbol für Europas Stärke. Heute jedoch wirken Mut und Stärke von damals geradezu tollkühn. Wenn vondiesemDonnerstag an die ersten bei- den von zwei Dutzend Satelliten ins All geschossen werden, kann Europa nicht zum Feiern zumute sein. Das Vorzeige- projekt, das frühestens 2014 in einemru- dimentären Zustand in Betrieb gehen wird, kommt Jahre zu spät, ist zu teuer und– verglichen mit denKonkurrenzsys- temen – nicht gut genug. Die Profiteure von Galileo, das werden nicht Europas Autofahrer sein, die eine Straße suchen oder Bergsteiger, die Hilfe brauchen, son- dern die Firmen, die millionenschwere Aufträge erhalten haben und werden. Die Pleite war vorhersehbar, der Feh- ler liegt im System. Galileo begann als halb öffentlich, halb privates Vorhaben, als eines dieser Public-Private-Partner- ship, die man Anfang des Jahrhunderts modern fand. Doch die beteiligten Kon- zerne warenauf einemOhr taub– sie hör- ten nur public statt private und kassier- ten Geld aus Brüssel. Das Risiko wollten sie nicht tragen. Viel zu lange ließen sich die EU-Mitgliedstaaten von den Unter- nehmen an der Nase herumführen, bevor sie die Reißleine zogen und Galileo zu ei- nem öffentlich finanzierten Projekt machten. Zu diesem Zeitpunkt hätte man Gali- leo noch stoppen können und auch sollen – aber Großprojekte mit vielen Beteilig- ten bekommen eine Eigendynamik, die nicht zu bremsen ist. Oder aber man hät- te die Satellitensignale auch militärisch nutzen sollen – so wie es die Amerikaner mit GPSmachen, die Russen mit Glonass unddie ChinesenCompass. Das wäre ver- nünftig gewesen, weil Navigationssyste- me zu teuer für den rein zivilen Betrieb sind. Galileos Zusatzdienste, mit denen das große Geschäft gemacht werden soll, werdensich angesichts der enormenVer- zögerung nicht mehr rechnen. Dafür braucht man mehr Satelliten als derzeit im Budget eingeplant sind. Selbst wenn die EU noch Geld locker machen sollte, käme die Aufstockung zuspät – die Riva- len werden Europa in ein paar Jahren längst überholt haben. So gut wie alles hat die EU bei Galileo falsch gemacht, das Geschäftsmodell ist grundlegendfehlerhaft. Das ist leider ein gängiges Muster, weil Politiker vonTech- nik zu wenig verstehen. Viele nationale und europaweite Vorhaben, die in den letzten Jahrzehnten entstanden sind und von Regierungen finanziert wurden, en- deten erfolglos: Den Raumgleiter Her- mes, der einst Stationen imAll versorgen sollte, verschwand als teure Blaupause in der Schublade; der mit Steuermitteln entwickelte Transrapidfährt zwar inzwi- schen in Shanghai, sein weiteres Schick- sal ist jedoch ungewiss; Airbus steckte trotz Milliardensubventionen jahrelang in der Krise. Innovationen lassen sich nicht erzwingen, sie gedeihen am besten im Wettbewerb. Unternehmen müssen schnell reagieren, die Politik aber ist langsam. Es sei denn, der Staat selbst hat ein Interesse an der Anwendung: Wa- shington steckte Milliarden Dollar in GPS, weil Amerikas Armee ein zuverläs- siges Ortungssystem brauchte. Was bleibt von Galileo? Ein Zuschuss- geschäft, wie manselbst inBrüssel inzwi- schen offen zugibt. Und die versproche- nen Milliardenumsätze? Ein Traum. Am Ende bleiben allenfalls ein paar Arbeits- plätze in der Raumfahrtindustrie – und der Trost, dass die Euro-Rettung noch teurer ist als Galileo. An dem möglicherweise manipulierten Zinssatz hängen viele Produkte von Privatkunden. Razzia bei den Großbanken EU sieht Verdacht auf Zinsmanipulation. Sie könnten so ihre dramatische Lage verschleiert haben Rettungsschirm Kurzarbeit Arbeitgeberpräsident Hundt und DGB-Chef Sommer drängen die Bundesregierung zur Vorsorge – falls ein Abschwung kommt G ala für Präsident Jean-Claude Tri- chet: Zum Abschied gaben sich in Frankfurt amMittwoch viele Europa-Po- litiker die Ehre, auch Kanzlerin Angela Merkel (Foto: Pfaffenbach/Reuters). Sie sprach in der Alten Oper lange mit Itali- ens Notenbankchef Mario Draghi (re.), der imNovember neuer Chef der Europäi- schen Zentralbank wird. Trichet (Mitte) schaute interessiert. Alle lobten die Kraft des 68-jährigen Franzosen, der es bei der EZB schaffte, die Preise weitgehend sta- bil zu halten. Undder beherzt für eine gu- te Versorgung der kriselnden Banken mit Geld sorgte. Die Deutschen kritisieren, er habe der Zentralbank während der Krise Risiken aufgebürdet. Altkanzler Helmut Schmidt aber nannte Trichet klug undun- verzichtbar. „Lieber Jean-Claude, mit 70 beginnt das Alter nochlange nicht, Sie ha- ben noch viel Arbeit vor sich“, rief er ihm zu. (Seite 22) SZ Von Uwe Ri tzer Ingolstadt – Der Leuchtturm „Roter Sand“, sechs Seemeilen nordöstlich der Nordseeinsel Wangerooge, ist weltweit bekannt. Das rot-weiß gestreifte Bau- werk ziert sogar eine 55-Cent-Briefmar- ke. Eine solche Marke klebte auf einemje- ner anonymenBriefe, die einenKorrupti- onsskandal bei Media-Saturn lostraten, der sichnun so rasant und heftig ausbrei- tet wie ein Orkan über dem Meer. Seit diesem Mittwoch sitzen fünf Be- schuldigte inUntersuchungshaft. Darun- ter sindnachInformationender Süddeut- schenZeitung einTop-Manager der deut- schen Media-Markt-Organisation und dessen Frau. Ein Firmensprecher bestä- tigte auf Anfrage, dass sichdas Unterneh- men nun von dem Manager trennen will. Bei den anderen in U-Haft genommenen Personen handelt es sich um Geschäfts- partner vonEuropas größtemElektronik- Händler Media-Saturn. Der Augsburger Leitende Oberstaatsanwalt ReinhardNe- metz wollte auf Anfrage zur Identität der Verhafteten nichts sagen. Die Vorwürfe gegen sie wiegen schwer. „Wir gehen von besonders schweren Fällen der Beste- chung und der Bestechlichkeit im ge- schäftlichen Verkehr aus“, sagte Ne- metz. Die Verdächtigen sollen gewerbs- und bandenmäßig organisiert gewesen sein. Bei einer Verurteilung drohen Haft- strafen bis zu fünf Jahren. Als Mitte Juli 160 Polizisten und Staatsanwälte 20 Häuser, Wohnungen und Büros im gesamten Bundesgebiet durchsuchten, darunter auch die Media- Saturn-Zentrale in Ingolstadt, richteten sich die Ermittlungen noch gegen sechs Leute. Inzwischen sind nach Angaben von Nemetz 19 Personen involviert. Dem Wetzlarer Geschäftsmann Peter N. wird ein besonders schwerer Fall von Beste- chung im geschäftlichen Verkehr vorge- worfen. Drei Beschuldigte sollen Beste- chungsgelder kassiert, 15 weitere Beihil- fe geleistet haben. Es geht um fragwürdige Geschäfte rundumDSL-Verträge. 50 MillionenEu- ro Provisionen soll Peter N. über seine Firmen von 2005 bis 2010 für DSL-Kon- trakte kassiert haben, die seine Mitarbei- ter in Media- und Saturn-Märkten ver- kauften. Um überhaupt an diesen Vertriebsauftrag zu kommen, soll er Ver- antwortliche bei Media-Saturn kräftig geschmiert haben. Die Staatsanwalt- schaft geht von 3,5 Millionen Euro aus, aufgeteilt auf mehr als 200 Einzelvorgän- ge. Nach Angaben von Chef-Ankläger Nemetz sollen Marktleiter aus der über- geordneten Media-Saturn-Organisation heraus angewiesen worden sein, mit Peter N. zu kooperieren. Das bei den Juli-Razzien beschlag- nahmte Material sowie Vernehmungen von Zeugen und Beschuldigten erhärte- ten aus der Sicht der Ermittler die Vor- würfe aus jenen anonymen Briefen, die 2010 bei Media-Saturnund der Augsbur- ger Staatsanwaltschaft eingingen. Ihr Verfasser gilt als Insider. Präzise, detail- liert und mit viel Hintergrundwissen be- schreibt er die angeblichen „Kickback“- Geschäfte. Zu diesem Ergebnis kamen auch Wirtschaftsprüfer von KPMG, die im Auftrag von Media-Saturn die An- schuldigungen intern untersuchten. DemVernehmennachsollendie Beste- chungsgelder etwa über Immobilien in den USA gewaschen worden sein. Zur Tarnung hätten einige Beteiligte Schein- verträge über Leistungen abgeschlossen, die nie erbracht worden seien. Bisweilen lief alles über Firmen der Ehefrauen. Ein 800 000-Euro-Transfer zwischen einer Firma von Peter N. und einemUnterneh- men, an dem zum fraglichen Zeitpunkt die Frau eines Media-Saturn-Managers beteiligt gewesen sein soll, kam internen Ermittlern seltsam vor. Viele der Firmen von Peter N. existie- ren nicht mehr. Für Media-Saturn wächst sich der Korruptionsfall derweil zu einem Problem aus. Gerade auch vor dem Hintergrund des Gesellschafter- streits zwischen dem Mehrheitseigner Metro mit den Firmengründern Erich Kellerhals und Leopold Stiefel (die SZ berichtete). Die Gründer hatten auf der letzten Gesellschafterversammlung mit ihrer Sperrminorität einen Antrag der Metro blockiert, Michael R. vorläufig zu beurlauben. Er gehört der obersten Me- dia-Saturn-Geschäftsführung an und war jahrelang der Vorgesetzte des nun- mehr verhafteten Managers. Auch gegen R. wird wegen Korruptionsverdacht er- mittelt. Er befindet sich auf freiem Fuß. Media-Saturn lässt seine Rolle gerade durch eine Sonderprüfung untersuchen. Donnerstag, 20. Oktober 2011 HF2 Süddeutsche Zeitung Nr. 242 / Seite 21 Angst vor der Krise: Dieter Hundt (links) und Michael Sommer. Foto: Koall/Getty Kommentar Alles falsch gemacht Das Satellitensystem Galileo ist zu spät, zu teuer und nicht gut genug Ciao Media-Saturn im Sog der Korruption Gericht erlässt Haftbefehle gegen fünf Beschuldigte – auch ein Topmanager und dessen Ehefrau sitzen in Untersuchungshaft WIRTSCHAFT Leerer Media-Markt-Parkplatz inDüs- seldorf: Die Elektronikkette hat einen Korruptionsskandal. Fünf Beschuldig- te sind bereits in U-Haft. Foto: dpa Der Misserfolg war vorhersehbar, der Fehler liegt im System. Von Si l ke Bi gal ke A ls Michael Wiehen Washington 1995 verließ, um nach 35 Jahren bei der Weltbank in den Ruhe- stand zu gehen, gab es jedes Wochenende diese Kolumne in der Washington Post. Darin standen alle Restaurants, die die Behördenwegenmangelnder Hygiene ab- gemahnt hatten. Zurück in der Heimat ging Wiehen zur Stadtverwaltung und fragte nach einer solchen Liste für Mün- chen. „Die waren völlig verblüfft“, er- zählt er. Wofür er denn die Liste brau- che, wollten die Beamten wissen. „Ich will in diesen Lokalen nicht essen, ist doch klar.“ Das ginge nicht, das würde den Restaurants ja schaden, lautete die Antwort. Wiehen schüttelt noch heute den Kopf darüber. Dass der Schutz der Unternehmen so weit gehe, Fehlverhal- ten zu decken, will ihmnicht in den Sinn. Für den heute 79-Jährigen war dieses Erlebnis ein Grund mehr, seinemFreund Peter Eigen beim Aufbau von Transpa- rency International (TI) zu helfen – jener Organisation, die sich für die Bekämp- fung von Korruption und mehr Transpa- renz einsetzt. Die beiden kannten sich nicht nur aus gemeinsamen Jahren bei der Weltbank, Wiehen hatte alle Stufen vonder Idee bis zur Gründung vonTrans- parency 1993 hautnah miterlebt. 1995 stieg er ein – unter einer Bedingung: Die Organisation sollte sich mehr mit Kor- ruption in Deutschland auseinanderset- zen. Eigen hatte sich bisher auf das Aus- land konzentriert. „Das erschien mir nicht ausreichend“, sagt Wiehen. Er ahn- te nicht, was er sich einhandelte. In Deutschland hatten es Korrup- tionsbekämpfer vor 15 Jahren schwer. „Das war einTabu-Thema hier. Wer dar- über sprach, gab ja zu, dass Korruption ein Problem sein könnte“, sagt Wiehen. Er selbst hat viele Prügel einsteckenmüs- sen. Von Menschen, „die mit dem alten System sehr gut gelebt haben“, wie er sagt, aber auch von Korruptionsgegnern. Deren Vorwurf: Transparency lasse sich von Unternehmen finanzieren und diene als Deckmäntelchen. So wurde der Fall Siemens für Wiehen zum bitteren Schlüsselerlebnis. Denn der Konzern war Mitglied bei TI und zahlte doch im Ausland Schmiergelder. Als Wiehen – der von 1998 bis 2001 Vor- sitzender von TI Deutschland war – sich nach Ungereimtheiten in einigen Län- dernerkundigte, beruhigtendie Siemens- Manager. „Ehrenmänner, die imKanzler- amt ein- undausgingen, haben uns versi- chert, es sei alles in Ordnung“, sagt er im Rückblick. „Einige unserer Siemens- Kontakte haben uns damals glatt ins Ge- sicht gelogen.“ Im November 2006 flog die Siemens-Affäre auf. Das habe ihnper- sönlich getroffen, der Organisation hat es geschadet. „Manhat uns für blauäugig gehalten – und vielleicht waren wir es auch“, sagt Wiehen. Transparency hat daraus gelernt. Wäh- rendanfangs große Firmenohne Nachfra- gen als Mitglieder aufgenommen wurden – Hauptsache, sie zahlten den Beitrag –, werde heute jeder Bewerber überprüft, versichert Wiehen. Zu den TI-Mitglie- dern gehören die Deutsche Bahn, die Commerzbank oder Pricewaterhouse- Coopers. Siemens hat seine Mitglied- schaft nach Auffliegen der Affäre selbst zurückgezogen, nachdem Transparency mit Ausschluss gedroht hatte. Im Rückblick sieht Wiehen diese Zeit doch als Erfolg: „Wenn sie vor 15 Jahren 100Leute gefragt hätten, was sie mit Kor- ruption verbinden, hätten 98 gesagt: In- donesienoder Ghana. Aber heute weiß je- der, dass KorruptioninDeutschlandexis- tiert.“ Vieles habe sich geändert: Wiehen hat die Informationsfreiheitsgesetze, al- so das Recht auf Information durch Be- hörden, mit durchgesetzt, denIntegritäts- pakt gegenKorruptionbei der Ausschrei- bung öffentlicher Bauaufträge mitentwi- ckelt und dazu beigetragen, dass deut- schen Exportfirmen, die im Ausland Schmiergelder zahlen, Strafen drohen. Aus Wiehens Plan, sich im Ruhestand mehr „um Weinberge in der Toscana“ zu kümmern, ist bis heute nichts geworden. Die Arbeit bei Transparency hat ihn viel Kraft gekostet. Doch so ist es oft gewesen in seinem Leben: Vieles kam anders als erwartet. So begann seine Karriere da- mit, dass sein Vater, ein bekannter Ban- ker, einen Fehler machte. Er verhalf sei- nem Sohn, der damals als Jurastudent ein Praktikum beim Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) machen woll- te, zu einemVorstellungsgespräch. Aller- dings nicht beimBDI, sondernversehent- lich beim Bundesverband der deutschen Arbeitgeber (BDA). Dort beschäftigte sich Wiehen zähneknirschend mit Ar- beitsrecht. Doch das war sein Glück: Dennin dieser Zeit bewarber sich für ein Stipendium in den USA, und die Havard Law School suchte ausgerechnet einen Spezialisten für deutsches Arbeitsrecht. So kam Wiehen nach Amerika, sein Har- vard-Abschluss verhalf im später zum Weltbank-Job. Für ihn war damals das Wichtigste, weit weg vombekannten Va- ter zu arbeiten, nicht mehr nur „der Sohn von“ zu sein. Bei der Weltbankhat er geholfen, Städ- te wie Mumbai und Kalkutta besser mit Frischwasser zu versorgen. „Dort habe ich die schlimmste Armut gesehen, die man sich vorstellen kann“, sagt er. Er baute SchulenundKlinikeninAfrika, so- wie Staudämme in Indien und Pakistan. 1990 übernahm er die Leitung der Süd- Ost-Europa-Abteilung, anstatt als Lei- ter der Außenstelle nach Indienzugehen. „Drei Jahre in Indien zu leben wäre eine große Erfüllung für mich gewesen“, sagt er. „Aber ich habe selten etwas bereut.“ Ganz mag man ihm nicht glauben: Im Wohnzimmer seiner Wohnung in Mün- chen-Freimann ist er umgeben von Skulpturen aus Indien und Asien. Wiehen kann stundenlang ohne Pause erzählen, konzentriert und ganz bei der Sache. Er spricht von seiner Reiseliste, die immer noch lang ist. Kenia steht ganz oben: Hier unterstützt die „Stiftung Kin- der-Hilfe“, die Wiehen leitet, ein Bil- dungsprogramm für Maasai-Mädchen. In diesen Tagen endete sein Amt im Membership Accreditation Committee von Transparency. Wiehen wollte nicht wieder kandieren, Platz für Jüngere ma- chen. Aber er hat sich bereits eine neue Aufgabe gesucht: Für TI wirder mit ande- ren Nichtregierungsorganisationen die Finanzpolitik in Brüssel beobachten. Nur eines weiß er noch immer nicht: In welchen Restaurants er bedenkenlos es- sen kann. Denn über die Hygiene-Ampel für Restaurants wird in Deutschland noch immer gestritten. N ach wie vor ernten neugierige Nach- frager beredtes Schweigen in der Daimler-Konzernzentrale, wenn sie sich über den Fall Ernst Lieb erkundigen. Was hat sich der Statthalter für die Edel- marke Mercedes in den USA zuschulden kommen lassen? Trivial dürfte der Grund nicht sein, dass Daimler den er- folgreichen Verkäufer auf dem zweit- wichtigsten Markt nach Deutschland mit sofortiger Wirkung freigestellt hat. Das heißt, Liebist nicht hochkant hinaus- geworfen worden, er gehört dem Auto- konzernweiter an, ist aber vonseiner Ar- beit erst einmal entbunden. Bis die gegen ihn erhobenen Vorwürfe geklärt sind. Mehr wird nicht verraten. Keine Frage, dass solch ein Vorgang hohe Aufmerksamkeit auf sich zieht, dass die Vermutung auf der Hand liegt, Lieb könnte gegen die strengen internen Verhaltensrichtlinien verstoßen haben, die sich der Konzern nach einigen aufge- decktenKorruptionsfälleninder Vergan- genheit auferlegt hat. Das Handelsblatt berichtet, dass Lieb es mit der Trennung von Geschäftlichem und Privatem nicht allzu genau genommen haben soll. So soll er sein Haus in der Nähe New Yorks auf Daimler-Kosten luxuriös ausgebaut und außerdem noch Mitgliedsbeiträge für seinenGolfclubauf Firmenkostenab- gerechnet haben. Auchwenngrüner Golf- rasen als Geschäftsanbahnungsgrundla- ge einen schon legendären Ruf genießt, bei Daimler zählt so ein Argument nichts mehr. „Null Toleranz“ lautet die Devise, auf derenEinhaltung die neue Vorstands- frau Christine Hohmann-Dennhardt seit Februar eisern wacht. Ihren Vorstandsposten für „Recht und Integrität“ hat die frühere Bundesverfas- sungsrichterin nicht zuletzt dem Um- stand zu verdanken, dass der Autokon- zernjahrelang imVisier der US-Justizbe- hördenundder Börsenaufsicht stand. Ve- triebsmanager sollen zwischen 1998 und 2008 in 22 Ländern Amtsträger besto- chen haben, um Autos und Lastwagen besser an den Mann zu bringen. Erst im vergangenen Jahr zahlte der Konzern 135 Millionen Euro, um einen Vergleich in der Schmiergeldaffäre herbeizufüh- ren. Auch in Deutschland gab es immer wieder Fälle, in denen Mitarbeiter fin- gierte Abrechnungen vorgelegt und Schmiergelder gezahlt hatten oder in an- dere Betrügereien verwickelt waren. Da- mit soll nun ein für allemal Schluss sein, weswegenDaimler eine interne „Whistle- blower-Hotline“ eingerichtet hat. Das heißt, Mitarbeiter könnenanonymundte- lefonischHinweise auf vermeintliche Re- gelverstöße loswerden. Keine Frage, dass solche Ermunterung zum Verpfeifen auch jenen Tür und Tor öffnet, die ledig- lich alte Rechnungen begleichen wollen. Hohmann-Dennhardt denkt deshalb schon über den Einsatz eines externen, neutralen Ombudsmann nach. Bei Lieb dürfte so ein „Whistleblo- wer“ tätig geworden sein, weswegen jetzt erst einmal interne Ermittlungenge- gen ihn stattfinden müssen. Auch wenn der 56-Jährige, der schon 36 Jahre in Daimler-Diensten steht, die schönsten Verkaufserfolge auf dem US-Markt vor- zuweisenhat – bei einemRegelverstoß un- termRegnumder „Null Toleranz“ nützte ihm das nichts. Dagmar Deckstein Null Toleranz für Topmanager Nach Korruptionsfällen hat Daimler die internen Regeln verschärft. Das trifft nun Mercedes-USA-Chef Ernst Lieb G erhard Cromme, 68, hat an seiner Aufgabe als Aufsichtsratsvorsitzen- der der Siemens AGsoviel Freude gewon- nen, dass er plant, bis 2018 an der Spitze des Kontrollgremiums zu bleiben. Dafür hat er sogar die Satzung des Gremiums in den vergangenen Monaten ändern las- sen. Die sah in ihremersten Paragraphen bisher vor, dass die Mitglieder des Auf- sichtsrates das Gremium mit Erreichen des 70. Lebensjahres räumen müssen. Das wäre bei Cromme 2013der Fall gewe- sen, demJahr der nächstenWahl des Auf- sichtsrates. Jetzt steht in der Geschäfts- ordnung eine andere Version: „Zur Wahl als Mitglied des Aufsichtsrates sollen in der Regel nur Personen vorgeschlagen werden, die nicht älter als 70 Jahre sind“. So ist die Tür offen für eine weitere Amt- periode von Cromme, der auch noch Auf- sichtsratsvorsitzender der Thyssen- Krupp AG ist. Unternehmenskreise weisen darauf hin, dass diese Satzungsänderung nicht allein auf Wunsch Crommes vorgenom- menwurde. Die neue Regelung erlaubt es auch Aufsichtsratsmitglied Gerd von Brandenstein, wieder in das Gremium einzuziehen. Er sitzt als Vertreter der Fa- milie Siemens im Aufsichtsrat. Aller- dings ist im Konzern wie außerhalb be- kannt, dass Cromme bei Siemens eine so starke Stellung hat, dass es wohl nie- mand gewagt hätte, ihm den Wunsch nacheiner Verlängerung der Amtszeit ab- zuschlagen. Cromme leitet den Aufsichtsrat von Siemens seit dem Mai 2007. Die große Korruptionsaffäre, die den Konzern seit dem Herbst 2006 durchschüttelte, hatte dazu geführt, dass der langjährige Chef- kontrolleur Heinrich von Pierer gehen musste. Cromme, der dem Kontrollgre- mium seit 2003 angehört und der nach 2005 den Prüfungsausschuss leitete, konnte immer glaubhaft machen, mit der Korruptionsaffäre nichts zu tun zu ha- ben. Cromme steuerte im Wesentlichen die juristische Abwicklung der Korrup- tionsaffäre und holte 2007 auch den neu- en Vorstandsvorsitzenden Peter Löscher ins Unternehmen. Cromme hat sich einen Namen ge- macht, weil er von 2001 bis 2008 die Re- gierungskommission Deutscher Corpo- rate Governance Kodex leitete, die Re- geln für gute Unternehmensführung auf- stellt. Karl-Heinz Büschemann Ein Leben und viele Zufälle Michael Wiehen hat die deutsche Sektion von Transparency International aufgebaut. Auch jetzt, mit 79, bleibt er engagiert Von Hel ga Ei necke D raußen vor der Alten Oper in Frankfurt wirdprotestiert. Die Be- wegung „Besetzt Frankfurt“ be- gleitet den festlichen Abschied von EZB- Präsident Jean-Claude Trichet auf ihre Art. „Game over“ steht auf einemgroßen Transparent. Drinnen geht es staatstragend zu. Die Spitzenpolitiker Europas feiern im gro- ßen Saal einen der ihren. Die Namenslis- te der Festredner liest sich wie ein „Who is who“ aus Brüssel. Mehr Europa geht kaum. Jersy Buzek, Hermann Van Rom- puy, Jose Manuel Barroso, Jean-Claude Juncker, die vier Chefs von Parlament, Rat, Kommission und der Eurogruppe sind gekommen. Sie repräsentieren das Volk, die Regierung, die Staaten und die Finanzminister des Kontinents. Sie alle erweisen einem Mann die Ehre, der für die Europäer zumInbegriff der gemeinsa- men Währung geworden ist. Weil der Festakt in Deutschland stattfindet, darf Kanzlerin Angela Merkel nicht fehlen. Auch sie gewährt Trichet die verbalen Streicheleinheiten, die er zuletzt schmerzlich vermisste. „Lieber Jean- Claude, ich hoffe, dass du Deutschland als Freundweiter lieben wirst“, sagte sie. Erst vor kurzem hatte Monsieur Euro noch die Nerven verloren. Man hatte ihm vorgeworfen, er überfrachte die Zentral- bank mit hohen Risiken, überschreite sein Mandat, kaufe zu viele marode Staatsanleihen. Erregt zählte der 68-Jäh- rige EZB-Präsident damals die Verdiens- te seines Hauses umstabile Preise auf, kri- tisierte die Politiker wegen des gebroche- nen Stabilitätspakts. Er vermisste Ap- plaus, Glückwünsche und Anerkennung anstelle der nicht abebbenden Vorwürfe. Die Deutschen waren es vor allem, die ihn seit über einem Jahr nervten, weil sie seinen Kurs nicht mittragen wollen. Ex- Bundesbankpräsident Axel Weber trat unter Protest zurück, EZB-Chefvolks- wirt Jürgen Stark folgte. Aber beim feierlichen Abschied in Frankfurt, nur wenige Schritte vom Sitz der EZB entfernt, schien der Sturm der vergangenenTage vergessen. Zwei Groß- väter des Euro, Ex-Kanzler Helmut Schmidt und sein französischer Alter Ego Valerie Giscard d’Estaing frischten nicht nur Erinnerungenauf. Schmidt rüf- felte viele aus dem Publikum mit seiner Kritik am „dramatischen Unvermögen der politischen Organe“. Die sei eine ernstere Bedrohung als die Verschul- dung einzelner Euroländer. Nur die EZB habe sich als handlungsfähig und wirk- samerwiesen. Die unfähigenOrgane hät- ten versäumt, die richtigen Spielregeln für die Währungsunion aufzustellen. Die Sprachen der Reden wechselten vom Französischen ins Deutsche, selten ins Englische. DennDeutschlandundFrank- reich sind von jeher die Motoren auf dem Weg zum gemeinsamen Europa. Selbst beim Trichet-Abschied ging es immer wieder um den richtigen Weg dorthin, selbst im übertragenen Sinn. Kenner der fehlenden Einmütigkeit in Europa freuten sich über die treffende Auswahl der Musik. Der Auftakt zum „Karneval der Tiere“ wurde gespielt. Es handelt sich um eine Komposition des Franzosen Camille Saint-Saens, der dar- in die Stimmen recht unterschiedlicher Tiere imitierte und berühmte Kollegen seiner Zeit veralberte. Als Trichet vor acht Jahren das Amt des EZB-Präsidenten übernahm, war vonKrise keine Spur. Damals begünstig- te die Globalisierung das Wachstum, Schuldenmachen schien kein Problem. Deutschland galt als der kranke Mann Europas, ächzte unter grundlegendenRe- formen wie Hartz IV. Irland, Spanien undPortugal warendie Gewinner der Eu- ro-Zone. Die Finanzkrise hat das Blatt grundlegend gewendet, sie forderte Tri- chet und seine Führungsmannschaft wie nie zuvor. Die EZB flutet bis zum heuti- gen Tag die Banken mit Geld, um die Schwächendes Finanzsystems auszuglei- chen. Sie übernahm Risiken der Banken undder Staaten, vorübergehend, wie Tri- chet stets betont. Hat er sich von Regie- rungen zu sehr drängen lassen, schmei- chelte ihmseine wichtige Rolle als Retter in der Not? Mit solchen Fragen wurde er bis zuletzt bedrängt. Die Auseinanderset- zungen über den richtigen Weg sind an demüberzeugten Europäer nicht spurlos vorübergegangen. Man muss ihmals dem großen Moderator im Euro-Konflikt ab- nehmen, dass ihm die Zukunft Europas und die Freundschaft zwischen Frank- reich und Deutschland am Herzen liegt. Trichets Nachfolger Mario Draghi, Chef der italienischen Notenbank, über- nimmt Anfang November das Zepter in einer schwierigen Phase. Aber er kennt sich mit Konflikten bestens aus, hat in Rom schlimmere Proteste überstehen müssen als Trichet in Frankfurt. In der AltenOper erzählte Draghi aus altenZei- ten, als er noch gemeinsam mit seinem Freund Jean-Claude den Euro anschob. Die ehemaligen„Traumschiff“-Reederin- nen Gisa und Hedda Deilmann stehen nun auch privat vor der Pleite. Gegen die Schwestern wurden Insolvenzverfahren eröffnet. Das ehemalige Deilmann-Flagg- schiff „MS Deutschland“ aus der ZDF- Serie „Das Traumschiff“ ist davon nicht berührt. Die Reederei und mit ihr auch das Schiff wurde im vergangenen Jahr mehrheitlich von der Münchner Finanz- holding Aurelius übernommen. Die Schwestern, die das Unternehmen seit demTod ihres Vaters Peter Deilmann ge- führt hatten, waren zuvor in finanzielle Schieflage geraten. Als damals geschäfts- führende Gesellschafterinnen haften sie mit ihrem privaten Vermögen für die Schulden. Bislang seien Verbindlichkei- ten in Höhe von 17,3 Millionen Euro gel- tend gemacht worden, hieß es. dpa D ie HSH Nordbank hat viele Skanda- le in den letzten zwei Jahren produ- ziert: Da sollen Kinderpornos unterge- schoben worden sein. Angeblich wurden unliebsame Politiker und Journalisten bespitzelt und sogar Vorstände gemobbt. Schließlich brachten Wirtschaftsprüfer den hässlichen Verdacht auf, die türki- sche Justiz sei womöglich geschmiert worden. Etliche dieser Affären sind bis heute nicht aufgeklärt – und eines hatten sie bisher gemeinsam. Kein ehemaliger oder noch amtierender Top-Manager der Landesbankmusste dafür direkt die Ver- antwortung übernehmen. Seit Mittwoch ist das anders. Zumin- dest einer der Skandale kann einem Ma- nager angelastet werden: dem ehemali- gen Chefjustiziar Wolfgang Gößmann. Das meint das Arbeitsgericht Hamburg. Demnachhat die Nordbank ihremfrühe- ren Chefjuristen zu Recht die Kündigung ausgesprochen. Nacheiner gut einstündi- gen Verhandlung wies die Kammer unter dem Vorsitz der Arbeitsrichterin Ulrike Höppner eine Kündigungsschutzklage ab, mit der sich Gößmann gegen seinen Rausschmiss gewehrt hatte. Im März hatte die Nordbank bekannt gegeben, dass sie ihren Topjuristen zum 30. September dieses Jahres feuert. Die Bank hatte die Kündigung des 56-Jähri- gen mit dem Verdacht der Untreue und der grob fahrlässigen Vertragsverlet- zung begründet. Gößmann hatte darauf- hin Klage eingereicht, damit die Landes- bank die Kündigung zurücknimmt, ihn weiterbeschäftigt undihmalle Kostener- setzt, die ihm, wie er sagt, durch„schlech- te Presse“ entstanden seien. Hintergrund des Abtritts waren un- durchsichtige Zahlungen der Bank an die mittlerweile pleite gegangene Sicher- heitsfirma Prevent. Nach Meinung des Gerichts ist Gößmann dafür mitverant- wortlich. Der Jurist galt als einer der engstenMitarbeiter des damaligen HSH- Chefs Dirk Jens Nonnenmacher und er soll, so die Bank, Beträge in Höhe von mehreren Millionen Euro an Prevent an- gewiesen haben. Gößmann selbst hatte dies inder einstündigen Verhandlung am Mittwoch bestritten. Er stellte sich selbst lediglich als ausführenden Arm dar: „Wenn ein Vorstand sagt: unterschreib, dann unterschreibt man“, sagte er. Die Verantwortung habe beim damaligen Schifffahrtsvorstand Peter Rieck gele- gen. „Ich habe die Verträge nur rechtlich prüfen müssen.“ Rieck hatte diesen Vor- würfen stets widersprochen. Im Rahmen eines Rechtsstreits in der Türkei hatte Gößmann die Agentur Pre- vent eingeschaltet, damit diese bei türki- schen Würdenträgern ein gutes Wort für die HSH einlegt. Unter dem Decknamen Shisha, zu deutsch: Wasserpfeife, be- gann Prevent, die Strippen in der Türkei zuziehenundspannte sogar denehemali- gen türkischen Ministerpräsidenten Me- sut Yilmaz ein. Gößmann widersprach in der Verhandlung dem Verwurf, dabei sei es um Schmiergeld gegangen: „Es ist ab- surd zu glauben, dass Herr Yilmaz mit Geldkoffern durch die Welt lief.“ Später kassierte Prevent dann eine er- folgsabhängige Prämie von 3,5 Millionen Euro sowie ein Honorar von 1,59 Millio- nenEuro netto für einfragwürdiges Gut- achten – obwohl der Rechtsstreit gegen die Reederei letztlich für die HSH Nord- bank verloren ging. Auf die Frage der Richterin, ob die Bank denn ganz be- wusst ein nutzloses Gutachten bestellt habe und wer dafür wohl verantwortlich sei, sagte Gößmann: „Ich kenne Herrn Rieck. Ich mag ihn zwar nicht, aber er wird nichts Unrechtes getan haben.“ Bis zu dem Gerichtstermin hatte sich Gößmann mehr als ein Jahr vor der Öf- fentlichkeit versteckt und war juristisch gegen unliebsame Artikel vorgegangen. Ob er gegen das Urteil Berufung einlegen wird, ist unklar. Kristina Läsker Vor allem die Deutschen setzten Trichet zu. Cromme will länger bleiben Siemens-Aufsichtsratschef lässt Satzung ändern EinBildaus besseren Tagen: US-Mana- ger Ernst Lieb mit Konzernchef Dieter Zetsche. Foto: Gary Malerba/AP/dapd Proteste vor der Zentrale der Euro- päischen Zentralbank in Frankfurt begleiteten am Mittwoch den Ab- schied von EZB-Chef Jean-Claude Trichet. Foto: F. Rumpenhorst/dpa Denkt noch nicht an Ruhestand: Michael Wiehen, der 35 Jahre für die Welt- bank arbeitete, in seiner Wohnung in München. Foto: Alessandra Schellnegger Letzte Streicheleinheiten Mit Pomp und Prominenz verabschiedet die EZB ihren langjährigen Chef Jean-Claude Trichet. Zum Abschied spürt der die Nähe zur Politik, die er in der Krise vermisste Deilmann-Schwestern pleite Rausschmiss besiegelt HSH hat ihrem Ex-Chefjuristen Gößmann zu Recht gekündigt Seite 22 / Süddeutsche Zeitung Nr. 242 HF2 Donnerstag, 20. Oktober 2011 WIRTSCHAFT Es geht um undurchsichtige Lobbyarbeit in der Türkei und um nutzlose Gutachten. Der Fall Siemens wurde für ihn zum bitteren Schlüsselerlebnis. Gerhard Cromme Foto: Rumpf Von Carol i ne Ischi nger Brüssel – Betrüger werden immer cleve- rer. Fahnder der EuropäischenUnionma- chen die bittere Erfahrung, dass sie mit zunehmend komplexen Fällen von Kor- ruption konfrontiert sind. Wie aus dem Jahresbericht der EU-Behörde für Be- trugsbekämpfung Olaf für 2010 hervor- geht, haben die Ermittler unter anderem ein neues System aufgedeckt, das etwa 30 mutmaßliche Betrugsfälle vorwie- gend mit Geld aus dem EU-Budget für Entwicklungshilfe umfasst. Eine Rolle spielen dabei offenbar „versteckte Bera- ter“. Sie erwerben nach Angaben von Olaf mit illegalen Mitteln interne Infor- mationen aus der EU-Kommission, die sie gegeneine „Erfolgsgebühr“ anUnter- nehmen verkaufen. Die Firmen bewer- ben sich auf dieser Grundlage wieder für bestimmte Aufträge der Kommission. Die mutmaßlichen Betrüger agierten als „Informationsmakler“, sagte Olaf- Strategiedirektor Nicholas Ilett. Das Sys- tem hängt aber auch davon ab, dass die Berater Komplizen inder EU-Kommissi- on finden, die daran beteiligt sind, die EU-Projekte vorzubereiten undumzuset- zen. Gegen vier Unternehmen, zwei Lob- byisten, zwei Direktoren von Beratungs- firmen und drei EU-Mitarbeiter wurden in EU-Mitgliedsländern, die von Olaf nicht genannt wurden, gerichtliche Er- mittlungen aufgenommen. Olaf hat zu- demempfohlen, Mitarbeiter der Kommis- sion besser über diese Risiken aufzuklä- ren und die Berater von Firmen, die sich um Aufträge bewerben, in ein Transpa- renzregister für Lobbyisten aufzuneh- men. Den entscheidenden Tipp hatte Olaf von einer Firma bekommen, die sich erfolglos für einen Auftrag der EU be- warb und ein Informationsleck zuguns- ten ihres Konkurrenten vermutete. Im Jahr 2010 erhielt Olaf insgesamt 983 Hinweise und verfolgte knapp 500 Verdachtsfälle. Die Behörde sorgte da- für, dass 67, 9 Millionen Euro in die EU- Haushalte zurückflossen. Das ist deut- lich weniger als in den Vorjahren, was laut Olaf damit zusammenhängt, dass 2010 keine großen Zollermittlungen ab- geschlossen wurden. Die meisten Unter- suchungenfanden, wie zuvor, inBulgari- en statt. Dabei geht es vorrangig umFör- dermittel für die Landwirtschaft. Olaf- Mann Ilett äußerte sich besorgt über die bulgarische Justiz. Das Land würde in- zwischen aber auch selbst ermitteln. Düsseldorf – Die Preise für Briefe der Deutschen Post werden auch im nächs- ten Jahr stabil bleiben. „Wir werden für das Jahr 2012 keinen Antrag auf Preiser- höhungen beim Briefporto stellen“, sag- te ein Post-Sprecher am Mittwoch. Dies gelte sowohl für Sendungen im Inland als auchfür Briefe ins Ausland. EinStan- dardbrief kostet derzeit 55 Cent, eine Postkarte 45 Cent – weniger als in vielen Ländern. Das ist gut für die Verbraucher, für die Post bedeutet die Entscheidung aller- dings einenRückschlag bei der Stabilisie- rung ihrer Briefsparte. Konzern-Chef Frank Appel hatte eigentlich darauf ge- setzt, angesichts immer weniger zu trans- portierender Briefe im Zeitalter der E-Mail in Deutschland an der Preis- schraube zu drehen. Die Bundesnetz- agentur machte Appel nun einen Strich durch die Rechnung. Denn der Regulie- rer bereitet eine Entscheidung vor, die der Post in den kommenden zwei Jahren nur minimalen Spielraum für Preiserhö- hungen lässt. Beim Standardbrief hatte die Post zu- letzt 2003 die Preise gesenkt, seitdem blieb das Porto dort stabil. Rein formell muss der Konzern nun die Bundesnetz- agentur über seine Preis-Pläne informie- ren, deren Regulierung der ehemalige Staatsmonopolist unterliegt. Auf die Pro- gnosen der Post für die Briefsparte habe die Porto-Entscheidung keine Auswir- kungen, betonte der Sprecher. Der opera- tive Gewinn der Sparte soll sich bei rund einer Milliarde Euro stabilisieren. Die Post zeigte sich mit der geplanten Ent- scheidung der Bundesnetzagentur zur weiteren Regulierung nicht zufrieden. Sie eröffne „keinen Spielraum für nach- haltige Preiserhöhungen“, sagte einKon- zern-Sprecher. Brief-Vorstand Jürgen Gerdes hatte erst im September betont, „dass es nach 14 Jahren ohne Preiserhö- hungsmöglichkeit Zeit wird, dass wir in die Lage kommen, die Preise zu erhö- hen“. Die Post setzt sich dafür ein, die Preise in Höhe der Inflationsrate anhe- ben zu können. Die bisherige Preisrege- lung läuft Ende 2011 aus. Doch auch mit ihrem neuen Vorschlag für die Zeit nach2011 verschafft die Bun- desnetzagentur demeinstigen Staatsmo- nopolisten wenig Spielraum. „Das neue Preisniveau ergibt sich aus der Differenz der Inflationsrate und der Produktivi- tätsfortschrittsrate“, teilte die Bundes- netzagentur mit und schreibt damit die bisherige Formel fort, gegen die die Post Sturm gelaufen war. Die Rate der Pro- duktivitätsfortschritte legte der Regulie- rer für die kommenden zwei Jahre auf 0,6 Prozent fest, bislang warenes 1,8 Pro- zent. Damit kam die Bundesnetzagentur der Post ein wenig entgegen, sie könnte die Preise minimal anheben. Wegen des Verwaltungsaufwands lohne es sich bei einer solch geringen Erhöhung nicht, an der Preisschraube zu drehen, betonte ein Post-Sprecher. Zudem wurde die Dauer der Regelung durch die Bundesnetzagen- tur verkürzt. In zwei Jahren werden da- mit die Karten neu gemischt – bis dahin will die Bundesnetzagentur prüfen, ob der „befürchtete Rückgang der Sen- dungsmengen“ auch stattfindet. Reuters Von Dani el a Kuhr Berlin– Ernst Mascher* ist als Unterneh- mensberater beruflich viel unterwegs. Weil er imRollstuhl sitzt, ist er dabei häu- fig auf die Hilfe der Bahn angewiesen. Das Unternehmen bietet eigens einen Rollstuhl-Verladeservice an, der beim Kauf eines Tickets gleich mitgebucht werden kann. Theoretisch zumindest. Als Mascher für diesen Donnerstag ei- ne Fahrt von Berlin nach Kassel buchen wollte, teilte ihm die Bahn mit, dass das nicht gehe. InKassel habe das Serviceper- sonal am Bahnhof so viel zu tun, dass zum gewünschten Ankunftszeitpunkt für den Rollstuhl-Service niemand zur Verfügung stehe. Mascher solle seine Rei- se bitte verschieben. Nachdem er darauf hingewiesen hatte, dass er dann um 4.20 Uhr statt um 6.20 Uhr losfahren müsste, um rechtzeitig zu seinem Ge- schäftstermin zu kommen, empfahl man ihm, am Abend vorher anzureisen. Seine Frage, ob die Bahn das Hotel zahle, blieb unbeantwortet. „Offenbar glaubt man bei der Bahn, dass Rollstuhlfahrer zeit- lich flexibel sind, weil sie eh nicht arbei- ten“, sagt Mascher verärgert. Für die Verkehrsgewerkschaft EVG passt der Vorfall ins Bild. „Immer häufi- ger hören wir solche Geschichten, wo mal hier was nicht klappt, mal da“, sagt einSprecher. So sei beispielsweise bei ei- nem Hauptbahnhof just in dem Moment, in dem dort die Generalsanierung be- gann, das Aufsichtspersonal reduziert worden. „Bei jeder dieser Geschichten handelt es sich um eine Kleinigkeit, zu- sammengenommen aber zeigen sie, dass die Bahn generell beim Service spart.“ Schon der geplante Stellenabbau in den Reisezentren, den die Bahn im Au- gust verkündet hat, war laut EVGein In- diz dafür. Ein weiteres Beispiel sieht die Gewerkschaft nuninden längerenReini- gungs-Intervallen für ICE-Züge. Bislang würden die Waggons noch alle sechs bis acht Wochen umfassend grundgereinigt. In Zukunft solle das nur noch alle zehn Wochenerfolgen, teilte die EVGmit. Hin- tergrund sei „wieder einmal die Suche nach Einsparpotentialen“. Die Bahn wies diese Kritik am Mitt- woch zurück. Es gehe weder um Einspa- rungen beim Service noch um Personal- abbau, sagte Fernverkehrs-Chef Bertold Huber. Vielmehr handele es sich um ein Pilotprojekt, bei dem „neue Reinigungs- techniken“ getestet würden. Betroffen seien lediglich 15 Prozent der üblichen Reinigungsarbeiten, nämlich vor allem die alle paar Wochen fällige Grund- und Teppichreinigung. Bei dieser sollen neue Prozesse zur Imprägnierung undOberflä- chenreinigung getestet werden. Die ganz normale tägliche Reinigung dagegenwer- de unverändert fortgesetzt, hieß es. Auch in anderen Bereichen werde nicht am Service gespart. Sowohl im Re- gional- als auch im Fernverkehr sei die Zahl der Beschäftigten im vergangenen Jahr sogar gestiegen, sagte ein Sprecher. „Es gibt keine Einsparungen bei Service, Wartung oder Instandhaltung.“ Die Un- terstützung für mobilitätseingeschränk- te Reisende sei ebenfalls „kontinuierlich gestärkt“ worden. Allerdings könnten die Mitarbeiter nicht beliebigvielenMen- schen gleichzeitig helfen, im Fall Ma- scher habe es leider schonzuviele Aufträ- ge gegeben. Mascher übrigens erhielt am Mittwochnachmittag – nach der Anfrage der SZ – den Anruf, dass es nun doch klappe mit dem Rollstuhl-Service. Derweil befasste sichder Verkehrsaus- schuss des Bundestags mit der hochum- strittenen Frage, ob die Bahn ihren gro- ßen Einfluss auf das Schienennetz weiter behalten solle. Die Mehrheit der eingela- denen Experten sprach sich dagegen aus; unter anderem, weil sie befürchtet, dass öffentliche Gelder, die für die Infrastruk- tur gedacht waren, vom Konzern zweck- entfremdet werden – beispielsweise „für Unternehmenszukäufe imAusland“, wie es der Ausschussvorsitzende, Anton Hof- reiter (Grüne), zusammenfasste. * Name geändert Berlin– Noch ist die Stimmung gut in der Wirtschaft, doch schon für das kommen- de Jahr rechnen deutsche Unternehmen mit einemdeutlichenRückgang des Wirt- schaftswachstums. „Immun gegen eine weltweite Vertrauenskrise ist die deut- sche Wirtschaft nicht“, sagte der Haupt- geschäftsführer des Deutsche Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Mar- tin Wansleben, am Mittwoch in Berlin. Der DIHKerwartet für 2012 nur noch ein Wachstum von einem Prozent; 2011 sol- len es noch 3 Prozent werden. Im Jahr 2012 könnte in einzelnen Quartalen die Wirtschaftsleistung sogar zurückgehen. Wichtige Ursache für die Abschwächung sei die sinkende Nachfrage aus demAus- land. „Die Weltkonjunktur hat ihren Hö- hepunkt überschritten“, so Wansleben. Doch nach zwei „hervorragenden Jah- ren“ sei eine Verlangsamung des Wachs- tums im normalen Konjunkturmuster. Die Unternehmen sehen mehrheitlich ih- re Lage positiv, wie Wanslebenweiter er- klärte. 23 Prozent erwarteten eine Ver- besserung, 61 Prozent weitgehendunver- änderte Geschäfte. Der DIHK erwartet für 2012 einen Rückgang der Arbeitslo- senzahlenum150 000 auf etwa 2,8 Millio- nen. atam Von Mi chael Bauchmül l er Berlin – Im Nachhinein betrachtet ist die ganze Energiewende das Produkt von Kommissionen. Eine Ethikkommission zur Zukunft der Atomkraft, die Reaktor- sicherheitskommission zum Zustand der Atomkraftwerke – nur logisch, dass es nun noch eine für das große Ganze geben muss: zur Überwachung der Energiewen- de. Das Bundeskabinett hat am Mitt- woch eine solche eingesetzt. Sie besteht aus vier Expertenund soll das so genann- te „Monitoring“ der Wende begleiten. Fortan soll das dafür sorgen, dass der Umbau hin zu erneuerbaren Energien nicht stockt. Ein „Meilenstein“ sei das, findet Bundeswirtschaftsminister Phil- ipp Rösler: „Denn nur wenn wir die Um- setzung des Energiepakets beobachten, können wir dessen Wirkungen genau ab- schätzen.“ Meilenstein – drunter geht es bei der Energiewende selten. Eine solche Kontrolle hatte ursprüng- lich auch die Ethik-Kommission gefor- dert, als feste Institution nach Vorbild des Wehrbeauftragten. Ein„Parlamenta- rischer Beauftragter für die Energiewen- de“ sollte sogar vorschlagen können, ein- zelne Kernkraftwerke zügiger abzuschal- ten, sofern die Gegebenheiten es zulas- sen. Soweit freilichging die Bundesregie- rung seinerzeit nicht. Stattdessen aber hat sie die jährliche Begutachtung – wie es sie auch bei frühe- ren Energiepaketen schon gab – nun in die Hände von vier Wissenschaftlern ge- geben. Den Vorsitz der Kommission soll der Mannheimer Umweltökonom und Klimaexperte Andreas Löschel überneh- men. Weitere Mitglieder sind der Berli- ner Energiewissenschaftler Georg Erd- mann, Frithjof Staiß vom Stuttgarter Zentrumfür Sonnenenergie-undWasser- stoff-Forschung sowie Hans-Joachim Ziesing, dessen Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen regelmäßig errechnet, wie sich Deutschland mit Energie ver- sorgt. Alle vier sind angesehene Exper- ten auf ihrem Gebiet. Zu tun hat die Kommission einiges. Sie wird prüfen müssen, ob der Ausbau der Netze mit jenem der erneuerbaren Energien Schritt hält, ob genug Kraft- werke entstehen, um Flauten auszuglei- chen, und ob das Ganze für Stromver- braucher nicht zu teuer wird. Letztere sind schon jetzt auf den Barrikaden: Be- dingt durch die Abschaltung von acht Kernkraftwerken werde Strom knapper und teurer, beklagte am Mittwoch die Großabnehmer-Lobby VIK. Strom für die Industrie werde umneunProzent teu- rer, zugleich aber qualitativ schlechter: Schwankungen im Stromnetz würden stärker, klagt der Verband. Wohingegen Verbraucherschützer beklagen, die In- dustrie sei bei den Detailregelungen der Energiewende zuüppig entschädigt wor- den – auf Kosten aller restlichen Strom- kunden. Die Kommission steht so nicht nur vor technischenProblemender Ener- giewende, sondern auch vor politischen. Einmal im Jahr sollen die Experten künftig vonUmwelt- undWirtschaftsmi- nisterium einen Bericht über den Stand der Dinge erhalten, zu dem sie Stellung nehmen sollen. Das erste Mal geschieht das Ende nächsten Jahres für 2011. Alle drei Jahre soll es darüber hinaus einen „Fortschrittsbericht“ geben, ganz ähn- lich wie bei der „Nationalen Nachhaltig- keitsstrategie“, deren Berichte aber sel- ten große Beachtung finden. Die Strom- versorger sind dennoch ganz zufrieden. Die Überprüfungenkönnten„rechtzeitig auf Fehlentwicklungen hinweisen“, sagt Hildegard Müller, Chefin des Branchen- verbands BDEW. Nur müssten die dann auch „unverzüglich“ korrigiert werden. Berlin – Die Kampagne heißt: „Ich bin gut“, kostet 1,4 Millionen Euro und soll Vorurteile verringern: Die Bundesagen- tur für Arbeit (BA) will Unternehmen da- vonüberzeugen, mehr Langzeitarbeitslo- se einzustellen, um den Fachkräfteman- gel zu decken. Nach BA–Angaben wer- denimHandwerk, inPflege- undDienst- leistungsberufen, imHotel- undGaststät- tengewerbe 385 000 Arbeitnehmer ge- sucht. Andererseits gibt es 690 000 Hartz- IV-Bezieher, die über eine schulische, be- triebliche oder akademische Berufsaus- bildung in den Branchen verfügen. BA- Vorstand Heinrich Alt sagte, es lohne sich, diesenMenschen eine Chance zuge- ben. Dies zeigten viele positive Beispiele. Er räumte aber ein, das es auf beidenSei- ten manchmal „zu wenig Geduld gibt“. Wer einen Job gefunden habe, dürfe bei Problemen nicht gleich aufhören. Ande- rerseits könne ein Mensch, der jahrelang ohne Stelle war, am ersten Tag nicht 200 Prozent Produktivität bringen. Alt ver- glich dies mit lange verletzten Fußbal- lern: „Die werden auch erst in der zwei- ten Hälfte eingewechselt, wenn es 2:0 steht“ (www.jobcenter-ichbingut.de). tö Clevere Betrüger EU-Fahnder kämpfen gegen neues illegales Berater-System 55 Cent Gut für die Verbraucher, schlecht für die Deutsche Post: Das Briefporto wird 2012 nicht erhöht Von wegen Service Arbeitnehmervertreter werfen der Deutschen Bahn vor, immer häufiger nach Einsparmöglichkeiten zu suchen – zu Lasten der Kunden Krise verunsichert die Unternehmen Klar zur Wende Der Bund setzt eine Kommission zum Umbau der Energieversorgung ein. Sie hat einiges vor sich Mehr Chancen für Langzeitarbeitslose Donnerstag, 20. Oktober 2011 HF2 Süddeutsche Zeitung Nr. 242 / Seite 23 WIRTSCHAFT Rangierbahnhof in Hamburg: Im Verkehrsaussschuss sprachen sich Experten gegen zu großen Einfluss der Bahn auf das Schienennetz aus. Foto: Axel Heimken/apn Eine Post-Mitarbeiterin sortiert im Briefzentrum Suhl: Der ehemalige Staatskonzern darf auch 2012 die Prei- se nicht erhöhen. Foto: dpa Gemeinsam mehr erreichen Weil man mit festen Zinsen einfach lockerer bleibt. Die Topzins-Anlage mit Garantiezins für ein Jahr fest. Gerade in turbulenten Zeiten wünscht man sich eine hohe Rendite, die nicht auf Kosten von Stabilität und Sicherheit geht. Deshalb bieten wir Ihnen die Topzins-Anlage mit attrak- tiven 2,1 % Garantiezins für ein Jahr fest. So kann sich Ihr Geld in Ruhe vermehren – und Sie können sich entspannt auf andere Dinge konzentrieren. 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So gut wird es den Reisenden im kommenden Winter nicht ergehen: Die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland sei so ausgelastet, dass be- reits kleinere Störungen erhebliche Aus- wirkungen haben könnten, so lautet das Fazit beim Leitkongress der Tourismus- wirtschaft, die immerhin 2,8 Millionen Menschen beschäftigt und acht Prozent zur Wirtschaftsleistung beisteuert: Kaum ein anderer Wirtschaftszweig muss sich so häufig auf Unbilden der Na- tur einstellen wie die Tourismusindus- trie. Wenn es zu heiß ist, funktionieren die Klimaanlagen der Bahn nicht mehr, ist es zu kalt, fehlt an manchem Flugha- fenEnteisungsmittel, undwenneinislän- discher Vulkan ausbricht, geht über- haupt nichts mehr. Was habendie betrof- fenen Unternehmen aus diesen Vor- kommnissender jüngerenVergangenheit gelernt? „Unsere Ansprüche können gar nicht hoch genug sein, wenn wir die neu- ralgischen Punkte verbessern wollen“, formuliert ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair die Ansprüche seiner 17 Millio- nen Mitglieder. Doch gibt es offenbar Grenzen, die nicht der Mensch, sondern die Natur setzt. „Wir müssen uns schon vom Gedanken lösen, dass sich der Ver- kehr ganzjährig so gestalten lässt, wie an einem schönen Sommertag im August“, relativiert Michael Engel, der neue Ge- schäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Fluggesellschaften. „Für den Flugverkehr kommt immer die Sicher- heit zuerst.“ Während Fährgesellschaf- ten bereits vorab Hinweise darauf ver- breiten, dass sich bei Sturm, Nebel oder Niedrigwasser die Fahrzeiten ändern, werdenFluggäste oft erst unterwegs dar- über informiert. Die Bahnhat jahrelang sogar damit ge- worben, dass sie nicht übers Wetter spricht – bis das dann doch dringend er- forderlich wurde. „Wir lernen aus den Verhältnissen im vergangenen Winter, bei KundenumVerständnis dafür zuwer- ben, dass auch mal etwas nicht so funkti- oniert“, beschreibt dezent der Bahn-Ma- nager für den Fernverkehr, Berthold Hu- ber, die Missstände in seiner Firma. Zu- sätzliche 13 ICE-Züge, mehr beheizte Weichen und 600 Räumkräfte extra sol- len im kommenden Winter abhelfen. „Fliegenist nunmal eine Outdoor-Ver- anstaltung, und jeder weiß das auch“, dämpft Peter Schmitz allzu hohe Erwar- tungen. Der Operations-Vorstand des Frankfurter Flughafens macht darauf aufmerksam, dass Chaos oft schon bei der Anreise zumJet herrscht: „AuchPas- sagiere und Crews müssen zum Flugha- fen kommen“. Außer Eis und Kälte droht den Passa- gieren die nächste Vulkanwolke. Nach Ansicht von Experten ist es nur eine Fra- ge der Zeit, aber sie wirdkommen. Chris- toph Blume von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen fordert ei- nen Ausbau des Überwachungssystems: Manhabe 48 StundenzwischendemAus- bruch des Vulkans und dem Erreichen des deutschen Luftraumes durch die Aschewolke. „Es würde reichen, einklei- nes Flugzeug mit Messgeräten innerhalb von 24 Stunden über der Nordsee in die Luft zu bringen.“ Obwohl das nur zwi- schen 30 000 und 50 000 Euro kostet, scheint dieses Problem politisch bislang ungelöst – trotz der drohenden Milliar- denschäden für die Volkswirtschaft. Die jüngst vom Hessischen Verwal- tungsgerichtshof getroffene Entschei- dung, wonach es amFrankfurter Flugha- fen vorerst keine Nachtflüge mehr geben darf, und das Bestreben der nordrhein- westfälischen Landesregierung, Nacht- flüge auch am Flughafen Köln-Bonn zu verbieten, werden vom Bundesverband der Tourismuswirtschaft (BTW) heftig kritisiert. „Deutschland muss eine Dreh- scheibe für den internationalen Luftver- kehr bleiben. Das geht nicht, wenn Poli- tik und Gerichte immer mehr Flughäfen nachts zwangsweise lahmlegen“, erklärt BTW-Präsident Klaus Laepple. Kritisiert wurde auchdie Passagierab- gabe für Reisende nach Ägypten, das dringend auf Touristen angewiesen ist. So ist die Flugsteuer dreimal so hoch wie in die konkurrierenden Ziele Griechen- land und Türkei. Schuld daran ist die Festlegung nach Entfernung. Hisham Zaazou, Vizeminister für Tourismus in Ägypten, meinte ironisch: „Wir könnten die Hauptstadt um 200 Kilometer nach Norden nach Alexandria verlegen, dann kämen wir in den Genuss der niedrigeren Passagierabgabe“. Stuttgart – Der frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking trug sein Credo stets wie ein Mantra vor sich her: „Luxus und Stütze passen nicht zusammen“. Für den heutigen Porsche-Chef Matthias Müller und den Volkswagenkonzern ist das kein Thema mehr. Erstmals will der Zuffenhausener Sportwagenbauer jetzt staatliche Fördermittel für seine Werks- erweiterung in Leipzig anzapfen. „Wir sind ein betriebswirtschaftliches Unter- nehmen, das auf seine Kosten achtet“, sagte Müller. Für den Ausbau des Stand- orts in Ostdeutschland will Porsche 500 Millionen Euro investieren. Wie hoch die vom Land Sachsen spendierten Förder- gelder sein werden, wollte Müller nicht beziffern. dad Von Thorsten Ri edl München – Es gibt nicht viele Unterneh- men, derenQuartalsergebnis imzweistel- ligen Prozentbereich zulegt, die erstmals ineinemGeschäftsjahr mehr als 100 Mil- liarden Dollar umsetzen, die 80 Milliar- den Dollar auf der hohen Kante haben – und die trotzdem von der Börse für ihr Geschäft abgestraft werden. Apple ist das jetzt passiert. Zum ersten Mal legte Tim Cook als Chef des Technikkonzerns am Dienstagabend nach Börsenschluss Zahlen vor. Es war die erste Bilanz nach dem Tod von Apple-Mitgründer Steve Jobs. Obwohl das Unternehmen prächtig verdient, sank die Aktie am Mittwoch deutlich. Analysten hatten auf noch mehr gehofft. Und sie sehen die zuneh- mende Konkurrenz durch Google. Die Suchmaschine stellte fast zeitgleich ihre neue Handy-Software vor. Man muss ein Jahrzehnt zurückgehen, um ein Quartal zu finden, in dem Apple die Gewinnschätzungen der Finanzken- ner zuletzt verfehlt hat. Seit Steve Jobs das Unternehmen Ende der neunziger Jahre vor der Pleite gerettet hat, ist es im- mer dasselbe Spiel: Apple legt die Latte für künftige Quartale niedrig auf – und springt weit darüber. Analysten haben auch dieses Phänomen in Zahlen gefasst. In den vergangenen fünf Jahren lag das Ergebnis von Apple im Schnitt 17 Pro- zent über den Prognosen, die das Unter- nehmen selbst gegeben hat – und 28 Pro- zent über denen der Zahlenmeister. Doch keine Regel ohne Ausnahme. Tim Cook konnte jetzt ein Plus von mehr als 50 Prozent beim Quartalsgewinn auf 6,6 MilliardenDollar ausweisen. Der Um- satz erhöhte sich im vierten Geschäfts- quartal, das zum 24. September endete, um 39 Prozent auf 28 Milliarden Dollar. Beides lag unter den Erwartungen. Das iPhone trägt die Schuld, so erklär- te es Apple-Chef Cook, dass sichdie Ana- lysten dieses Mal derart verrechnet ha- ben. Da es bereits früh Gerüchte über ein neues Modell des Apple-Handys gab, ha- ben sich die Käufer zurückgehalten. Statt der gedachten20verkaufte der kali- fornische Konzern nur 17 Millionen Mo- biltelefone. Weil inzwischen weit mehr als einDrittel des Umsatz aus demMobil- geschäft stammt, wirkt sichdie Flaute di- rekt auf das Ergebnis aus. Das erklärt auch den Ansturm auf die Geräte. Am Freitag startete der Verkauf. Schon Tage zuvor meldeten erste Mobil- funker, es würden keine Bestellungen mehr angenommen. Vier Millionen neue iPhones wurden über das Wochenende verkauft – mehr als doppelt so viel wie beim Vorgänger. „In unserer wildesten Träumen hätten wir nicht an einen sol- chen Verkaufsstart gedacht“, so Cook. Aber die Konkurrenz schläft nicht. Blackberry-Hersteller RIMund die Han- dy-Allianz um Google zeigten am Mitt- wochihre neuenBetriebssysteme für Mo- biltelefone. Für RIMist das eine der letz- ten Chancen, Boden gut zu machen. Das Unternehmen wird von Apple und Goog- le in die Zange genommen. Suchmaschine Google dagegen strotzt vor Selbstbewusstsein. Die Handy-Soft- ware Android gibt es für Partner wie Samsung, HTC oder Sony-Ericsson um- sonst. Im Handumdrehen hat es das US- Unternehmenso andie Spitze der Smart- phone-Charts geschafft. Android-Chef Andy Rubin zeigte das Betriebssystem nun in der vierten Version. Es enthält hauptsächlich kosmetische Neuerungen. Egal, Marktforscher sehen Android bald bei einem Anteil von 50 Prozent. Die Angreifer formieren sich zu einem für Apple ungünstigen Moment. Vor zwei Wochen starb Steve Jobs. Am Mitt- woch gab es eine Gedenkfeier für alle Mitarbeiter in der Zentrale in Cupertino. Einige Apple-Läden hatten geschlossen. Auf seiner Webseite veröffentlicht das Unternehmen seit Mittwoch Kondolenz- schreiben. Jobs sei ein „großartiger Chef und Vordenker“ gewesen, so Cook. „Wir sind dazu bestimmt die erstaunliche Ar- beit fortzusetzen, die er so geliebt hat.“ Das Unternehmensteht zwar unter Be- obachtung, aber jetzt zählen die Ergeb- nisse. Undder neue Chef wollte alle Zwei- fel ausräumen, ein Lapsus wie im jüngs- ten Quartal werde noch mal vorkommen. Entgegen aller Gepflogenheiten kündig- te er einWeihnachtsgeschäft über denEr- wartungen an. Auch das ein Novum in der Ära Cook. (Zwischen den Zahlen) München – Niedrige Erwartungen sind naturgemäß leicht zu überbieten. Und so sorgtendie Quartalszahlen, die der ange- schlagene Internetkonzern Yahoo am späten Dienstag vorlegte, unter Anle- gern für gute Laune – obwohl Umsatz und Gewinn wegen des schwächelnden Geschäfts mit Online-Werbung zurück- gingen. „Die Zahlen sind ok, nicht spek- takulär, aber auch nicht desaströs. Dass sie nicht desaströs sind, sind gute Nach- richten für diese Leute“, sagte der Ana- lyst BenSchachter. Knapp sechs Wochen nach dem Abgang von Carol Bartz hat das Unternehmen noch immer keinen neuen Chef. Und immer lauter werden die Spekulationen, dass es den womög- lich bald gar nicht bräuchte. Gerüchte über eine Offerte von Microsoft, mit de- nenYahoo bereits zusammenarbeitet, rei- ßennicht ab. Interesse soll aucheine Käu- fergruppe um AOL haben. Zu all dem schwieg Übergangschef Tim Morse, als er am Dienstagabend die Quartalszahlen präsentierte: Der Ge- winnimdrittenQuartal ging umeinVier- tel auf 293 Millionen Dollar zurück. Der Umsatz gab um knapp fünf Prozent auf 1,07 Milliarden nach. Für das laufende Quartal stellt Yahoo leicht höhere Erlöse inAussicht. Welche Strategie Yahoo wei- ter verfolgen wird, auch dazu sagte Mor- se nichts. In den USA gilt Yahoo weiter- hin als Marktführer bei klassischer On- line-Werbung. Dochder Suchmaschinen- betreiber Google und das soziale Netz- werk Facebook locken mehr und mehr Leute und damit auch Anzeigenkunden auf ihre Internetseiten. Und amHorizont taucht schon ein neuer Angreifer auf: Groupon. Das Schnäppchenportal hat eine Lü- cke bei der Online-Werbung entdeckt. Es bietet vor allem kleinen Unternehmen, denen Anzeigen bei Google bislang zu teuer und zu aufwendig waren, die Mög- lichkeit, im Internet auf Kundenfang zu gehen. Im Juni hatte das Internetunter- nehmen bei den Behörden einen Börsen- gang im Volumen von bis zu 750 Millio- nen Dollar angemeldet. Wegen der Marktturbulenzen hatte sich das Vorha- ben aber verzögert. Nun wagt Groupon offenbar denGang aufs Parkett. AmMon- tagoder Dienstag kommender Woche sol- le die sogenannte Roadshow starten, um Anleger zu einer Investition zu bewegen, hieß es am Dienstag in mit der Situation vertrautenKreisen. Der Börsengangdürf- te das Unternehmenmit bis zuzwölf Mil- liardenDollar bewerten– undYahoo wei- ter unter Druck setzen. SZ Von Thorsten Ri edl Größe zahlt. Genau 11,81 Zentimeter misst der Bildschirm des neuen Sam- sung Handys Galaxy Nexus HD in der Diagonale, so breit wie eine CD. Die Südkoreaner wollen alle beeindrucken, die vom iPhone enttäuscht sind. Noch mehr als die Dimensionen zählen die inneren Werte: Das neueste Gerät der Google-Handy-Allianz kommt mit An- droid in der vierten Version. Wer hier allerdings große Sprünge erwartet, wird enttäuscht: Mit kleinen Neuerungen will die Suchmaschine Google Kunden ge- winnen. Die Zeit der Innovationen ist vorbei. Jetzt wird der Preiskampf im Smartphone-Geschäft anbrechen. Ein nur wenige Jahre altes Handy und ein aktuelles trennen noch Welten. Vor vier Jahren hat Apple die Smart- phone-Revolution eingeleitet. Seither hat sich viel getan. Die Alleskönnerhan- dys taugen nun wirklich so viel wie klei- ne Computer. Jetzt folgt die Zeit der Evolution – nun gewinnt nicht mehr der ideenreichste, sondern der billigste. Smartphones gibt es bereits für weni- ger als 100 Euro. Selbst Apple hat mit der jüngsten Handy-Generation die Preise gesenkt. Wenn sich künftig nicht mehr nur Design der Geräte ähneln, sondern auch das Innere, dann entschei- den die Käufer nach dem Preis. Für Apple wird es schwer, Google tut sich leichter wegen der großen Palette von Geräten unterschiedlicher Hersteller. Asche, Blitzeis, Chaos Das ABC der Störungen im Reiseverkehr lässt sich auch im kommenden Winter nicht abwenden Porsche will neuerdings ebenfalls Staatsgeld Mit Post-It-Zet- teln ist am Apple- Laden in der Münchner Innen- stadt ein Konter- fei des Apple-Mit- gründers Steve Jobs angebracht (re.). Er starb vor zwei Wochen. Am Mittwoch gab es eine Gedenkfeier für die Angestell- ten. Die Finanz- welt fragt sich, ob Apple auch ohne Jobs glänzt. Im ersten Quartal ohne den Visionär hat das schon mal nicht geklappt. Foto: C. Stache/AFP Ein Rekord, der alle enttäuscht Apple erlöst zum ersten Mal mehr als 100 Milliarden Dollar in einem Geschäftsjahr. Doch Analysten hatten mit viel mehr gerechnet Schlechte Zahlen, gute Stimmung Yahoo meldet sinkenden Gewinn und weckt dennoch Hoffnung Seite 24 / Süddeutsche Zeitung Nr. 242 Donnerstag, 20. Oktober 2011 WIRTSCHAFT „Fliegen ist nun mal eine Outdoor-Veranstaltung, und jeder weiß das auch.“ Der Ausbruch des isländischen Grimsvotn-Vulkans imMai dieses Jahres hat kurzzeitig den Flugverkehr gefährdet. Foto: Olafur Sigurjonsson/Reuters Zwischen den Zahlen Jetzt zählt der Preis Morgen im SZ-Magazin Athen: Wir müssen reden. Ein Stadtgespräch im Herzen der Krise Nummer 42 21. Oktober 2011 Schulden, Streiks und Chaos: Seit einem Jahr diskutiert Europa über Griechenland. Aber wie sehen das alles eigentlich die Griechen selbst? Wir haben es uns in Athen erklären lassen. Außerdem in dieser Ausgabe: eine Kreuzfahrt mit dem Erfinder des ZDF-Traumschiffs, die besten Rezepte gegen Erkältung – und eine Antwort auf die Frage, wer wirklich die Facharbeiten unserer Abiturienten schreibt. Von Kri sti na Läsker Hamburg– WennTopmanager etwas Un- angenehmes sagen müssen, wählen sie meist Begriffe, die harmlos klingen. Erck Rickmers ist da keine Ausnahme. Ob er seine neuen Riesenfrachter nicht für viel zu viel Geld beim koreanischen Schiff- bauer Hyundai Heavy Industries bestellt habe, wurde der Reeder kürzlich gefragt. „Auch wir haben unsere Aufträge um- strukturieren müssen“, antwortete Rick- mers knapp. Umstrukturieren. Das ist das Wort, das etliche Reeder jetzt wieder verwenden. Weil die Branche anhand neuer Überkapazitätenauf eine Krise zu- steuert. Umstrukturieren. Was aktiv klingt, bedeutet nichts anderes, als dass sich die Reeder mit den Werften um die Konditionen für bestellte Schiffe zanken – und ihre Verträge nachverhandeln. Das lässt sich stellvertretend für die deutschen Reeder an Erck Rickmers er- zählen. Im Juli 2007 hatte der Gründer der Hamburger Reederei E. R. Schif- fahrt bei Hyundai in Südkorea acht Frachter bestellt. Riesige Pötte, die 13 100 Container transportieren können – damals einabsolutes Novum. Die Frach- ter sollten jeweils 175 Millionen Dollar kosten. Dann kam die Wirtschaftskrise. In der Folge verknappten die Institute die Kredite für neue Schiffe, der globale Handel ging zurück. Beides bescherte den Reedern große Löcher in der Bilanz. Auch Rickmers ging das so. Die bestell- ten Schiffe verloren an Wert, bevor sie überhaupt gebaut wurden – und das be- lastet den Reeder bis heute. Ihr aktueller Marktpreis – zwei Schiffe wurden jüngst getauft – beträgt nur noch 155 Millionen Dollar, das sind20 MillionenDollar weni- ger als vor vier Jahren. Der Hamburger Kaufmann struktu- rierte um. Über Wochen verhandelte er mit den Koreanern über bessere Bedin- gungen. Manchmal wurde wochenlang geschwiegen. „Wir haben die koreani- schen Partner an ihre Grenze gebracht“, meint Rickmers, der die vergangenen drei Jahre als „die schwierigsten meiner Karriere“ bezeichnet. Es sind Einblicke in eine sehr verschwiegene Branche. Mühsamwurde einKompromiss gefun- den. Schließlich wollte Hyundai seinen wichtigsten deutschen Kunden behalten. „Wir haben die Abbestellungen in der Krise auf ein Minimum reduziert“, sagt Verkaufsleiter Cho Won-Hong. Das hat viel gekostet: Die Ablieferung der Frach- ter wurde viele Monate nach hinten ge- schoben. Die Deutschen erhielten besse- re Zahlungskonditionen und günstige Lieferantenkredite. „Da wurde an allen Stellschrauben gedreht“, sagt Rickmers. Die Reederei hat die Krise wegen ihrer Größe gut verkraftet, sie betreibt mehr als 100 Schiffe. Das lässt sichnicht für al- le deutschen Schiffsbetreiber sagen. Hierzulande gibt es 400 Reedereien. Die haben im Schnitt nur neun Schiffe. Mit Ach und Krach überlebten viele Betriebe die Krisenjahre 2007 und 2008. Im Jahr 2009 kamder Aufschwung. Der Welthan- del zog an und mit ihm die Preise für den Transport einzelner Container (Frachtra- ten) und für die Vermietung von Schiffen (Charterraten). Ersteres bescherte Li- nienreedereienwie Hapag-LloydRekord- gewinne. Seit Jahresbeginn sinken die Preise wieder. Die Frachtraten sind seit- her um20 bis 30 Prozent gefallen. Die Si- tuation ist paradox: Der Welthandel brummt, der Warentransport wird 2011 um acht bis zehn Prozent zulegen – doch die Reeder verdienen kaum. „Die Schiffe sind voll, undtrotzdemmacht keiner Ge- winn“, sagt Hermann Ebel, Chef der Schifffahrtsgruppe Hansa-Treuhand. Schulddaranhabenauchgroße Linien- reedereien wie Maersk und MSC. Um den Markt zu beherrschen, senken sie die Raten bis zur Schmerzgrenze. Zudem sind die Kraftstoffpreise gestiegen, und das drückt auf den Gewinn. Das größte Problemaber ist hausgemacht: Die Bran- che baut neue Überkapazitäten auf: Da- bei gibt es schon jetzt zu viele Schiffe auf demMarkt. Laut Branchendienst Alpha- liner sind bereits mehr als 150 Schiffe der weltweiten Handelsflotte still gelegt, weil sie nicht mehr gebraucht werden. ImAufschwung war die Zahl dieser Auf- lieger auf 50 Schiffe geschrumpft. Dochdie Lage wirdsichnochverschär- fen: Bis 2013 kommen besonders viele Schiffe auf den Markt. Wie Reeder Rick- mers haben auch die Konkurrenten die Ablieferungen ihrer Pötte verschoben. Viele neue Frachter sind zudemweit grö- ßer als ihre Vorgänger. Nur neun Prozent der Schiffe der weltweiten Handelsflotte kann laut Alphaliner mehr als 10 000 Container transportieren. Das wird sich ändern: Jedes zweite neu bestellte Schiff ist ein Riesenpott. Diese Frachter – oft länger als drei Fußballfelder und hoch wie Kirchen – verschärfen den Preis- druck. Denn ihre Motoren sind oft ähn- lich groß wie die kleinerer Schiffe. Laut Erck Rickmers sinken die Treibstoffkos- ten pro Container damit um 30 Prozent. Da niemand in diesem Rennen verlie- renwill, ordert jeder, der kann, die gigan- tischen Schiffe. „Diese Vorgehensweise ist der grenzenlosen Gier geschuldet“, sagt der Leiter eines Fondshauses. „Je- der will der Größte sein.“ Das Limit defi- niert derzeit der dänische Branchenfüh- rer Maersk. Er hat Frachter bestellt, die 18 000 Container tragen sollen. Erck Rickmers glaubt, dass viele Kon- kurrenten diesen Kampf nicht überleben werden. „Viele Reeder sind blutleer und entkräftet und überstehen keine weitere Schwächeperiode.“ Er könne sich vor- stellen, seine Firma mit andereninhaber- geführten Firmen zu fusionieren. „Wir sind daran interessiert, andere zu über- nehmen.“Auchhier zählt die Größe. Flot- ten von mehr als 200 Schiffen könnten sich besser behaupten, meint Rickmers. Rüsselsheim – Opel überprüft die pau- schale Arbeitszeitabgeltung für seine Be- triebsräte und setzt alle Zahlungen bis auf weiteres aus. Der Autokonzern greife damit einen Vorschlag von Gesamtbe- triebsratschef Klaus Franz auf, teilte Opel am Mittwoch mit. Franz hatte die Geschäftsleitung einer Mitteilung des Be- triebsrates zufolge aufgefordert, den Sachverhalt von unabhängigen Juristen prüfen zu lassen. Bis zum Abschluss der Prüfungen sollten die pauschalen Zah- lungen ausgesetzt werden. Stattdessen sollen Ausgleichszahlungen für Rufbe- reitschaft, Reisezeit und Mehrarbeit ab- gerechnet werden. dapd Brüssel – Die EU-Kommission hat den Mainzer Glashersteller Schott AG und drei Konkurrenten aus Asien mit einer Strafe von insgesamt 128 Millionen Euro für ein Spezialglas-Kartell belegt. Die Unternehmen hätten von 1999 bis 2004 die Preise für Kathodenstrahlröhren ab- gesprochen, die für Fernseh- und Compu- terbildschirme genutzt werden, teilte die Kommission am Mittwoch in Brüssel mit. Der südkoreanische Anbieter Sam- sung Corning Precision Materials ging straffrei aus, da er die wettbewerbswidri- gen Absprachen verraten hatte. Die Schott AG muss gut 40 Millionen Euro Geldbuße zahlen. Reuters Hamburg – ImTarifstreit beimFlugzeug- bauer Airbus haben Unternehmen und Arbeitnehmervertreter einen Durch- brucherzielt. NachAngabender Gewerk- schaft IG Metall und der Geschäftslei- tung einigten sich beide Seiten am Mitt- woch in Hamburg auf ein Eckpunktepa- pier für einen neuen sogenannten Zu- kunftstarifvertrag, der den 16 500 deut- schen Airbus-Beschäftigten unter ande- rem eine Jobgarantie bis Ende 2020 gibt. Die Einzelheiten des Vertrags, der ab 1. Januar 2012 gelten soll, werden bis zum Ende des Jahres ausgehandelt. Airbus und die IG Metall hatten be- reits in der vergangenen Woche mitge- teilt, sie seiensichindenwichtigenPunk- tenweitgehendeinig undwürdenvoraus- sichtlichamMittwoch das Eckpunktepa- pier unterzeichnen. Zuvor hatten die Air- bus-Beschäftigten in den vier deutschen Werken in Hamburg, Bremen, Stade und Buxtehude mit einem Warnstreik den Druck auf die Arbeitgeberseite in dem seit Monaten festgefahrenen Konflikt er- höht. Nach Angaben von IG Metall und Firmenleitungerhaltendie Airbus-Mitar- beiter gemäß der Eckpunkte eine Stand- ort- und Beschäftigungsgarantie bis zum Ende der Laufzeit des Tarifvertrags am 31. Dezember 2020. Betriebsbedingte Kündigungen sind in dieser Zeit ausge- schlossen. Arbeitnehmervertreter wer- den zudem bei Fremdvergabe und Out- sourcing frühzeitig informiert und betei- ligt. Darüber hinaus vereinbarten beide Seiteninder Serienproduktionfeste Quo- ten für Leiharbeiter und befristet Be- schäftigte, die der Flugzeugbauer nicht überschreiten darf. Im Gegenzug wurden Produktivitäts- steigerungen vereinbart, die deutlich über den Zielen liegen, teilten Airbus und Gewerkschaft mit. An der Frage der Produktivitätszuwächse waren die seit Monaten laufenden Gespräche über den Zukunftstarifvertrag zwischenzeitlich gescheitert. Beide Seiten hatten sich zu- nächst nicht darüber einigen können, welche Steigerungen künftig zu Grunde gelegt werden sollten. Gewerkschaft und Unternehmen begrüßten die Einigung. „Jetzt gilt es nach vorne zu schauen. Ar- beitnehmervertreter und Geschäftsfüh- rung haben sich zu einer neuen Kultur der Zusammenarbeit bekannt“, erklärte Johann Dahnken, Airbus-Gesamtbe- triebsratschef und Verhandlungsführer. Günter Butschek, Geschäftsführer von Airbus Deutschland, sprach von einem positivenSignal für die langfristige Wett- bewerksfähigkeit. AFP D ie Stimmung sei entspannt gewe- sen, man habe sich gefreut, einan- der wiederzusehen. „Die Familie war guter Dinge und gut drauf“, berichtet einer, der das Clan-Treffender Industri- ellen-Familie Haniel am Wochenende in Düsseldorf miterlebt hat. Für die rund 150 Teilnehmer des Treffs gab es viel zubereden. Das Duisburger Famili- enunternehmen, das an 800 Firmen be- teiligt ist unddessengrößte Beteiligung der Handelskonzern Metro ist, war zu- letzt wegen Management-Querelen oft in die Schlagzeilen geraten. Man habe sich Musterläden von Metro und deren Tochterfirmen angesehen. Die Truppe sei auch zum Düsseldorfer Carsch- Haus am Rande der Altstadt gepilgert, einem edlen Kaufhaus der Kaufhof- Gruppe, die ebenfalls zu Metro gehört. AmSonntag trafen sichoffenbar alle in der Haniel-Akademie in Duisburg, um Sachthemen zu diskutieren. „Das Tref- fen war sehr konstruktiv“. Bei demDüsseldorfer Dynastie-Tref- fen aus Anlass des 255. Jubiläums der Firma Haniel seien aber auch Sorgen angesprochen worden. Eine zentrale Frage sei gewesen, wie es möglich ist, dass Haniel für soviele negative Schlag- zeilen sorgt. „Die Familie leidet unter dem Erscheinungsbild in der Öffent- lichkeit“, sagt einTeilnehmer. „Wir fin- den das schrecklich.“ Aber er sagt auch: „Die Familie steht zusammen.“ Die Geduld des Clans, der lieber im Stillen wirkt, wurde am Tag darauf noch einmal auf die Probe gestellt. Am Montag wurde bekannt, dass der Vor- standschef der Haniel-Gesellschaft, Jürgen Kluge, 58, seinen Posten als Chef des Metro-Aufsichtsrates noch im November hinlegen werde. Diese Mit- teilung war der vorläufig letzte Beitrag zur unendlichenGeschichte der Haniel- Katastrophen. Clanchef Franz Markus Haniel, 56, hatte vorgebeugt und seine Verwandten auf dem Treffen über sei- ne Pläne informiert. Eine Botschaft ist offenbar, dass er weiter mit dem Vor- standsvorsitzenden Jürgen Kluge zu- sammenarbeiten will, der seit Anfang 2010 an der Spitze der Haniel-Unter- nehmensholding steht. „Ich schätze ihn“, zitiert ein Teilnehmer den Fami- lien-Chef. Kluges Chefvertrag soll im kommenden Jahr um die üblichen drei Jahre verlängert werden. Kluge, der zuvor bei der Unterneh- mensberatung McKinsey war, hatte für massive Irritationengesorgt, weil er sei- ne Konflikte mit Eckard Cordes, 60, demChef vonMetro, undmit Heinz Oes- terle, dem Vorstandschef der Haniel- Tochter Celesio, auf den offenen Markt getragen hatte. Cordes hatte in der ver- gangenen Woche seinen Rückzug vom Amt des Metro-Chefs bekanntgegeben. Wie zu erfahren ist, hat Clan-Ober- haupt Franz Markus Haniel seiner Ver- wandtschaft erklärt, dass es nicht leicht sei, einen Nachfolger für Cordes zu finden. Seit einemJahr laufe die Su- che ohne Erfolg. Er habe noch keinen geeigneten Kandidaten mit der nötigen Erfahrung im Handel gefunden, heißt es im Familienkreis: „Die Suche ist schwierig“. Haniel hat seine Sippe dar- auf eingestellt, dass es an der Metro- Spitze auch eine Übergangslösung für einpaar Jahre gebenkann. Das liefe wo- möglich auf Joël Saveuse hinaus, der im Metro-Vorstand sitzt und die Toch- tergesellschaft Real führt. Der Franzo- se gilt mit seinen 58 Jahren aber als zu alt für eine langfristige Besetzung. Für sichselbst hat Franz Markus Ha- niel offenbar die Aufgabe des Auf- sichtsratsvorsitzenden von Metro vor- gesehen – für maximal drei Jahre. Of- fenbar erwartet das Familienober- haupt schon bald durch einen Richter- spruch in das Kontrollgremium beru- fen und dann auch zum Vorsitzenden gewählt zu werden. Haniel hatte die- sen Posten schon einmal von 2007 bis zum Antritt Kluges im Jahr 2010 inne. Zur Strategie des Handelskonzerns soll Franz Markus Haniel auf demTref- fen zu erkennen gegeben haben, dass er keine neuen Weichenstellungen plant. Karl-Heinz Büschemann Stuttgart – Sie ist eine der Vorzeige- frauen der deutschen Wirtschaft: Nicola Leibinger-Kammüller, 52, seit sechs Jahren an der Spitze des Ditzinger Ma- schinenbauers und Weltmarktführers Trumpf. Von der gegenwärtig heftigen Debatte über eine gesetzlich verordnete Frauenquote hält sie dennoch nichts: „Die drei Damen in Berlin sollen sich mit anderen Sachen beschäftigen“, rät sie BundeskanzlerinAngela Merkel, Arbeits- ministerin Ursula von der Leyen und Fa- milienministerin Kristina Schröder (alle CDU). Bei Trumpf mit seinen 9000 Be- schäftigten arbeiteten 20 Prozent Frau- en, von denen wiederum zehn Prozent Führungsaufgaben innehätten, sagt Lei- binger-Kammüller. „Wir müssen die Frauen oft regelrecht zwingen, in Füh- rungspositionen zu gehen“, verrät die Chefin auf der Bilanz-Pressekonferenz. Trotz geringer Frauenquote konnte Leibinger-Kammüller das „zweitbeste Ergebnis der Firmengeschichte“ präsen- tieren. Innerhalb nur eines Jahres habe Trumpf wieder aufgeholt, was das Unter- nehmenkrisenbedingt indenzwei davor- liegenden Jahren verloren habe. So sei im Geschäftsjahr 2010/11 das höchste Umsatzwachstuminder 88-jährigenFir- mengeschichte geschrieben worden: Um 683Millionen– 51 Prozent – legtendie Er- löse auf 2,02 Milliarden Euro zu. Nur 2007/08 hatte Trumpf mit 2,14 Milliar- den Euro einen noch höheren Umsatz er- zielt. Nachdem in der letztjährigen Kri- senbilanz noch ein Verlust von 59 Millio- nen Euro zu Buche schlug, lag das Vor- steuerergebnis diesmal bei 185,3 Millio- nenEuro. Undder Auftragseingang über- treffe mit 2,22 Milliarden Euro sogar den bisherigen Spitzenwert, so die Chefin. Von einem erneuten tiefen Einbruch wie 2009geht Trumpf trotz zunehmender Un- sicherheiten auf den Märkten nicht aus. Das Wachstum werde sich in den kom- menden Monaten zwar abflachen, aber weiter im zweistelligen Bereich liegen, glaubt Leibinger-Kammüller. Das setze aber voraus, dass die europäi- schen Politiker schnell eine Lösung für die Staatsschuldenkrise fänden, damit die Märkte wieder Vertrauen fassten. Für eine Firma wie Trumpf, die 70 Pro- zent des Umsatzes imExport erwirtschaf- te, sei der Euro unverzichtbar. „Dass mo- natelange Hängepartiennur für Verunsi- scherung sorgen, das können wir als mit- telständisches Unternehmen sehr wohl erkennen“, so die Trumpf-Chefin. dad Kartellstrafe für Schott Paris – Der französische Atomkonzern Areva will einem Pressebericht zufolge 800 der 5700 Arbeitsplätze in Deutsch- landabbauen. Drei Standorte zur Brenn- elemente-Fertigung seienbetroffen: Lin- gen, Offenbach und Erlangen. Das be- richtete das französische Magazin L'Ex- pansion auf seiner Internetseite. Einer der Gründe sei der Ausstieg Deutsch- lands aus der Kernenergie. Die Maßnah- men seien Teil eines Sparprogramms, das der neue Areva-Chef Luc Oursel im Dezember verkünden wolle. Sowohl die Atom-Katastrophe in Japan als auch der deutsche Atomausstieg haben den Kon- zernhart getroffen. HinzukommenMehr- kostenfür denPrototypendes Druckwas- serreaktors EPR in Finnland. Er kostet statt der geplanten drei Milliarden Euro voraussichtlich5,6 MilliardenEuro. Are- va musste für den Reaktor Rückstellun- gen von 2,6 Milliarden Euro vornehmen. In Deutschland treffen die Sparmaßnah- men in erster Linie die 100-prozentige Tochter von Areva NP mit dem eng- lischen Namen Advanced Nuclear Fuels GmbH (ANF) in Lingen, die auch Werke in Duisburg und Karlstein unterhält. Areva hatte auf die Modernisierung der deutschen Kraftwerke gesetzt. kläs Von Vari ni a Bernau München– Henri Cartier-Bresson, Grün- der der Fotoagentur Magnum, ging nie ohne seine Leica ans Werk. Sie half, sei- nen Blick zu schärfen, die Aufmerksam- keit für den entscheidenden Moment zu bündeln. So entstanden seine Aufnah- men vomAlltag der einfachen Leute, mal amüsant, mal anrührend, so entstanden die letzten Fotos von Mahatma Ghandi, ehe er ermordet wurde, der Mann, der In- dien in die Unabhängigkeit geführt hat- te. So legendär die Leica ist, so wechsel- voll stellt sich die Geschichte des Unter- nehmens dar, das die Kamera mit demro- ten Punkt herstellt. Nun kommt ein neu- es Kapitel dazu: Der Finanzinvestor Blackstone übernimmt 44 Prozent des Kapitals. Dafür, heißt es in Finanzkrei- sen, hat Blackstone, mehr als die knapp 130 Millionen Euro gezahlt, die der Un- ternehmensanteil an der Börse wert ist. Der Einstieg von Blackstone, dem die Kartellbehörden noch zustimmen müs- sen, soll dem Kamerahersteller helfen, neue Märkte zuerschließen. In Asien, vor allemin China, aber auch in Südamerika und dem Nahen Osten, solle Leica stär- ker Fuß fassen, sagt Andreas Kaufmann. Er hat bislang über seine Beteiligungsfir- ma ACMmehr als 95 Prozent an demUn- ternehmen gehalten. Der Österreicher kam 2005 zu Leica, kurz vor der Pleite. Als Retter. EinenzweistelligenMillionen- betrag hat er in die Firma gepumpt, vor- übergehend auch die Führung übernom- men. Heute sitzt er imAufsichtsrat – und es ist ihmwichtig, die Kontrolle über das Traditionsunternehmen zu behalten. Weitere Anteile wolle er nicht abtreten, versichert Kaufmann. Blackstone darf ei- nen Vertreter in den Aufsichtsrat schi- cken. Mehr Einfluss aufs Tagesgeschäft soll der Finanzinvestor nicht erhalten. Auch eine Kapitalerhöhung, die bei Leica die Machtverhältnisse verschieben könnte, soll es nicht geben, betont Axel Herberg, der das Deutschlandgeschäft des US-Finanzinvestors verantwortet. Erst im Juli hatte Blackstone für etwa 700 Millionen Dollar den Kleidungsher- steller JackWolfskingeschluckt. Minder- heitsbeteiligungen wie nun bei Leica sind für Blackstone unüblich. Der Fi- nanzinvestor habe denEinstieg komplett selbst finanziert, nicht über Kredite. Auch das ist ungewöhnlich. Kaufmann, der Retter der Leica, habe darauf bestan- den, sagte Finanzmann Herberg. Bis 2017 will der Kamerahersteller seinen Jahresumsatz verdoppeln – auf dann 500 Millionen Euro. Auch rund 120 Mitarbeiter sollen bis dahin dazu kom- men– zudenderzeit 1150, die inder Ferti- gung im hessischen Solms und im portu- giesischen Vila Nova beschäftigt sind. Noch heute werden die Kameras, auf de- nen Bilder wie das Konterfei des Che Guevaraentstandensind, fast ausschließ- lich von Hand gefertigt. Leica, das ist einerseits die Geschichte einer legendären Kamera. Leica, das ist aber auch die Geschichte eines mutigen Unternehmers, dessen Erbe längst nicht immer sorgsamgepflegt wurde. 1914bau- te der Entwickler Oskar Barnack die ers- te Kleinbildkamera der Welt, die soge- nannte Ur-Leica – zunächst nur für sich selbst. In der Wirtschaftskrise nach 1929 beganndie auf Mikroskope spezialisierte Firma Leitz mit der Serienfertigung. Für den Fotoapparat war Leica das, was Apple für den Computer war. Leica machte das Knipsen massentauglich. Bis dahin waren Kameras sperrige Kästen, nun passten sie in jede Tasche. Auch des- halb schätzte Cartier-Bresson die Leica, so wie andere Pressefotografen, die zu Chronisten ihrer Zeit wurden. Leica, der Pionier, jedoch wurde träge: Der Herstel- ler verpasste erst denTrendzuSpiegelre- flexkameras, dann den zu Digitalisie- rung der Fotografie. Das Unternehmen stand sogar kurz vor der Pleite. Dann der Wendepunkt im September 2009: Damals stellte Leica ei- ne vollautomatisierte Messsucherkame- ra vor. Ein Liebhaberstück. Allein das Gehäuse kostet 5000 Euro. Trotzdem ist die Kamera so begehrt, dass Käufer meh- rere Monate auf die Lieferung warten müssen. Auch ein technisch aufgerüste- tes Retromodell, das andie Ur-Leicaerin- nert, wurde damals imSeptember präsen- tiert. Kurz darauf zogen die Umsätze bei Leica an. Im Februar vermeldete die AG einJahresergebnis von36,3 MillionenEu- ro – Rekord seit dem Börsengang vor 15 Jahren. So soll es weitergehen, hofft man bei Leica. Nur eben mit mehr Geld. Job-Garantie bei Airbus Konzern einigt sich mit Gewerkschaften im Tarifstreit Weiter so Der Haniel-Clan hält an Vorstandschef Kluge fest Chefin gegen Quote Bei Trumpf meckert die Patronin über die Frauenpolitik in Berlin Opel setzt Zahlungen aus Areva-Jobs in Gefahr Cash für den Retter Andreas Kaufmann bewahrte Leica vor dem Exitus. Jetzt holt er den Finanzinvestor Blackstone dazu „Der grenzenlosen Gier geschuldet“ Der globale Handel wächst, doch die Reeder steuern auf eine neue Krise zu Donnerstag, 20. Oktober 2011 HF2 Süddeutsche Zeitung Nr. 242 / Seite 25 WIRTSCHAFT Die Branche baut neue Überkapazitäten auf. Dabei gibt es schon jetzt zu viele Schiffe. Große Pläne in Solms: Der Jahresumsatz soll sich bis 2017 verdoppeln. Der Ex-Berater JürgenKluge hat die Unterstützung des Clanchefs Franz Markus Haniel. Foto: picture alliance Fotograf Henri Cartier-Bresson ging nie ohne seine Leica aus dem Haus. Foto: Jane Brown/Camera Press Die Reeder haben etliche neue Riesenfrachter bestellt. Davon profitieren insbe- sondere koreanische Werften wie die in Ulsan. Foto: S. Vielmo/E.R. Schiffahrt Unternehmen Frisches Popcorn oder Nachos zum Liebes- oder Actionfilm sind längst Teil der Kinokultur. Nun hat der Bundesfinanzhof (BFH) den Verzehr des meist warmenNaschwerks recht- lich über den Pommes-Konsum an Würstchenbuden gestellt: Für Pop- cornundNachos müssenKinobetrei- ber nur den ermäßigten Umsatzsteu- ersatz vonsieben Prozent zahlen, un- abhängig davon, ob Kinobesucher das Nervenfutter schon vor Filmbe- ginn im Stehen oder an Tischen im Foyer sitzend verzehren, wie der BFH in einem am Mittwoch veröf- fentlichten Urteil entschied. Für die Besteuerung von Currywurst und Co. an Würstchenbuden ist dagegen die Verzehrposition entscheidend. Im Stehen am Tresen sind es nur sie- ben Prozent, wird dagegen an Ti- schen sitzend wie in Restaurants ge- kaut, kassiert der Fiskus wegen die- ser zusätzlichen Dienstleistung 19 Prozent, entschied das Gericht im August. Weil SitzgelegenheiteninKi- no-Foyers aber allen Besuchern zur Verfügung stehen, wertet der BFH den Verkauf von Popcorn und Na- chos dort nur als „Lieferung“ mit er- mäßigtem Steuersatz. AFP Von Javi er Cáceres Madrid – Spanien bleibt massiv unter dem Druck der Finanzmärkte. In der Nacht zum Mittwoch kündigte die Ra- tingagentur Moody’s an, die Kreditwür- digkeit Spaniens um zwei Stufen herab- zusetzen – von AA2 auf A1. Damit hat Spanien nun bereits zwei der drei „A“ verloren, die es noch vor einem Jahr hat- te. Moody’s ging überdies einen Schritt weiter als Fitch und Standard & Poor’s (S & P), die Spaniens Bonität in den vor- angegangenen elf Tagen ebenfalls abge- straft hatten. Für diese beiden Agentu- ren rangiert Spaniens Kreditwürdigkeit noch immer in der Kategorie hoch. Moo- dy´s hingegen hält sie nur noch für „gut“ - und bewertet die weiteren Aussichten mit „negativ“. Dies illustriere die Abwärtsrisiken, die Spanien im Falle einer Verschärfung der Euro-Krise drohen würden, schrieb Moody´s. Die immanente Drohung mit ei- ner weiteren Abstufung stellt gleichzei- tig eine Hypothek für den konservativen Oppositionschef Mariano Rajoy dar, der wohl die kommende Regierung anführen wird. Bei den vorgezogenen Parlaments- wahlen vom 20. November kann er sogar auf eine absolute Mehrheit hoffen. Moo- dy´s geht zwar davon aus, dass Rajoys künftige Regierung sich „einer weiteren Haushaltskonsolidierungstarkverpflich- tet“fühle. Die Agentur hobdennochwar- nend den Zeigefinger. Spanien könne den Abwärtsrisiken nur widerstehen, wenn mittelfristig „entschlossene und glaubwürdige Steuer- undStrukturrefor- men” umgesetzt und gleichzeitig „eine überzeugende Lösung der Krise der Euro- zone“ vorgelegt werden. Im spanischen Wirtschafts- und Fi- nanzministerium rieb man sich derweil verwundert die Augen, weil Moody´s nicht bis zum EU-Gipfel abgewartet ha- be, der am Sonntag anstehe. Der Alarm- glocken war das aber nicht genug: Allen gegenteiligen Beteuerungen der spani- schenRegierung zumTrotz geht Moody´s davon aus, dass sich das Defizit in die- sem Jahr auf 6,5 und nicht wie geplant auf 6,0 Prozent belaufen werde. Für 2012 erwartet Moody´s ein Loch von 5,2 Pro- zent, offiziell werden 4,4 Prozent ange- peilt. Zudem hätten sich die weiteren Wachstumsaussichten Spaniens erheb- licheingetrübt. ImkommendenJahr wer- de die Volkswirtschaft um lediglich 1,0 Prozent wachsen. Bislang war Moody´s für 2012 von 1,8 Prozent ausgegangen. Derweil machen die Spanier bei der Verteidigung der Solvenz des Landes überparteilich Front. Sie wehren sich ge- gendie neuen„Stress-Szenarien“ der Eu- ropäischen Bankenaufsicht EBA, bei de- nen unter anderem durchgespielt wird, was bei einemSchuldenschnitt für die eu- ropäischen Peripheriestaaten passieren würde. Der Chef der Santander-Bank, Emilio Botín, echauffierte sich, dass eine „nicht zu stoppende Spirale aus Schul- den- und Bankenkrisen“ drohe, wenn man„die Nachhaltigkeit der Staatsschul- den oder des europäischen Finanzsys- tems in verallgemeinernder Form in Zweifel zieht.“ Der frühere Minister Jor- di Sevilla sagte in der Zeitung Expansi- ón: „Bislang haben die Märkte mit Feuer gespielt, nun tun es auch die Institutio- nen.“ Es könne nicht sein, dass Länder wie Italien oder Spanien in den gleichen Sack mit Ländern gesteckt werden, die bereits unter dem Rettungsschirm ste- hen. Oppositionschef Rajoy erklärte, er habe dem aktuellen Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero persönlich auf- getragen, beimGipfel amSonntag keiner- lei Anpassungen der spanischen Schul- den hinzunehmen. Shanghai – Der weltweit größte Produ- zent sogenannter seltener Erden hat die Produktion am Mittwoch für einen Mo- nat eingestellt. Dieser Schritt solle die Preise der wichtigen Rohstoffe stützen, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus Kreisendes Unternehmens Inner Mongo- lia Baotou Steel Rare-Earth Group Hi- tech. „Die Produktion dürfte in einem Monat wieder aufgenommen werden, es handelt sich nur um eine vorübergehen- de Maßnahme“, hieß es weiter. Das Un- ternehmen ist an der Börse in Shanghai notiert, gehört aber größtenteils demchi- nesischen Staat. Die Preise für die selte- nen Erden sind in den vergangenen drei Monaten um fast 20 Prozent gefallen. Zu denbegehrtenRohstoffengehören17 Me- talle, die für viele Hightech-Produkte wie Elektromotoren, Windräder und Smartphones benötigt werden. Derzeit liefert China mehr als 95 Prozent dieser Mineralienfür denWeltmarkt. Die Volks- republik reguliert die Ausfuhr seltener Erden streng und hatte zuletzt mehrere Minen unter staatliche Kontrolle ge- bracht. AFP Karlsruhe – Wer als Werksangehöriger einen Rabatt auf Autoreparaturen be- kommt, kannnacheinemUnfall vomUn- fallgegner nicht den höheren Normal- preis verlangen. Der Geschädigte solle an einem Unfall nicht verdienen, ent- schied der Bundesgerichtshof in einem am Mittwoch verkündeten Urteil. Dies folge aus den „allgemeinen Grundsätzen des Schadensersatzrechts“ (Az.: VI ZR 17/11). ImkonkretenFall hatte ein BMW- Werksangehöriger nacheinemUnfall zu- nächst den Schaden in Höhe von knapp 3500 Euro auf der Grundlage eines Sach- verständigengutachtens ersetzt bekom- men. Dann ließ er den Wagen in einer BMW-Werkstatt reparieren, wo er auf- grund des Rabatts nur rund 2900 Euro zahlen musste – also 600 Euro weniger, als er schon ersetzt bekommen hatte. So- weit wäre die Sache dennochrechtens ge- wesen. Dies genügte demBMW-Mitarbei- ter nicht: Er wollte zusätzlich noch mehr als 500 Euro, da der reguläre Werkstatt- preis – den er nicht bezahlen musste – gut 4000 Euro betragen hätte. Hierfür klagte er durch drei Instanzen, bis nun der BGH entschied, dass dieser Versuch, aus ei- nem Unfall Gewinn zu schlagen, keinen Erfolg haben dürfe. dpa Sydney – Der weltweit größte Bergbau- konzern BHP Billiton hat im abgelaufe- nen Quartal die Förderung von Eisenerz auf Rekordniveau erhöht. Trotz sinken- der Preise sei die ProduktionumeinVier- tel auf 39,6 Millionen Tonnen gestiegen, teilte das australische Unternehmen am Mittwoch mit. Der Höchstwert sei unter anderemdurchdenAusbaudes Schienen- systems erzielt worden, über das der Roh- stoff zur Metallproduktion wird. Zuvor hatte bereits Konkurrent Rio Tinto für das dritte Quartal einen Rekordwert bei der Eisenerzproduktionausgewiesen. Ei- senerz ist für BHP der wichtigste Roh- stoff. Der australische KonzernBHPran- giert nach dem brasilianischen Konzern Vale und Rio Tinto auf dem Markt als Nummer drei. Reuters Von Mori tz Koch und Si l vi a Li ebri ch NewYork– UmdenRuf vonRohstoffspe- kulanten steht es ähnlich schlecht, wie um das Ansehen von Waffenhändlern. Die Finanzjongleure werden für Ölpreis- schocks oder Hungerkatastrophen ver- antwortlich gemacht. Ihre Gier koste Menschenleben, behaupten Kritiker. Trotzdemkonnten Wetten auf Öl, Metal- le und Getreide jahrelang auf nahezu un- regulierten Märkten abgeschlossen wer- den. Erst jetzt soll sich das ändern. Als erstes Land der Welt wollen die Vereinigten Staaten der Spekulation an den Rohstoffmärkten umfassend Einhalt gebieten. Die zuständige Kontrollbehör- de CFTC einigte sich am Dienstag nach einer langen und kontroversen Debatte auf eine Richtlinie. Sie soll den Handel mit sogenanntenDerivaten, also Termin- geschäften wie Futures und Optionen, grundlegend verändern und eindämmen. Wichtigstes Element der Neuregelung ist die Mengenbegrenzung der Kontrakte, die ein Händler, eine Bank oder ein In- vestmentfonds zu einem bestimmten Zeitpunkt halten darf. Die Aufsicht folgt damit denVorgabender umfassendenFi- nanzreform, die US-Präsident Barack Obama imvergangenen Jahr in Kraft ge- setzt hat. Rohstoffe sindvor allemfür Spekulan- teninteressant, die auf eine Erholung der Weltwirtschaft wettenoder sichgegenIn- flationsrisiken absichern wollen. Immer mehr Anleger flüchten deshalb in reale Werte wie Immobilien, Gold, Weizen oder Kaffee. CFTC-Chef Gary Gensler sagte, die Begrenzung der Handelspositi- onen, schütze die Märkte und beruhige die Preisentwicklung. Allerdings war die Mehrheit, mit der die Behörde die neue Richtlinie annahm, denkbar knapp. Die drei demokrati- schen Kommissionsmitglieder stimmten dafür, die beiden Republikaner dagegen. Die Gegner der Neuregelung bestreiten einen eindeutigen Zusammenhang zwi- schen Finanzwetten und Rohstoffprei- sen. Tatsächlich gibt es Ökonomen, die diese Position teilen. Mehrheitlich sind die Experten aber inzwischen davon überzeugt, dass die Zunahme der Speku- lation in den vergangenen Jahren die Preisausschläge an den Rohstoffmärkten verschärft hat. Auch eine überparteilich erstellte Studie des US-Senats kam erst vor zwei Jahren zu demSchluss, dass der rasante Preisanstieg für Weizen auf das Konto von Spekulanten gehe. Die neue Richtlinie der US-Aufsichts- behörde bezieht sich auf 28 Rohstoffe. Neben mehreren Weizensorten befinden sich darunter auch Öl, Zucker und Gold. Die Verordnung soll imkommenden Jahr inKraft tretenundunter anderemverhin- dern, dass einzelne Firmenüber Derivate Zugriff auf mehr als 25 Prozent der kurz- fristig lieferbaren Menge eines Rohstoffs erhalten. An der Wall Street stieß die neue Richtlinie erwartungsgemäß auf Ab- lehnung. Zwar konnte die Finanzlobby das Vorhaben der Obama-Regierung nicht stoppen. Doch es gelang ihnen, nochstrengere Obergrenzenfür ihre Posi- tionen zu verhindern. Die Behörde hält die Wehklagen der Wall Street dagegen für übertrieben. Die verbesserte Regulie- rung des Rohstoffmarkts werde die Fi- nanzbranche im ersten Jahr nicht mehr als 100 Millionen Dollar kosten. Banken wie Morgan Stanley, Goldman Sachs und andere könnten allerdings gezwun- gen sein, lukrative Geschäftszweige zu- rechtzustutzen. Kritikern von Spekulationen auf Roh- stoff geht die Neuregelung allerdings nicht weit genug. Der linksgerichtete Se- nator Bernie Sanders sagte, mit der vor- gesehenen Obergrenzen ließe sich „we- nig oder gar nichts“ erreichen. Dennoch setzen sich die USAmit der neuen Richt- linie bei den Bemühungen umeine Regu- lierung der Rohstoffmärkte internatio- nal als die Spitze. Zwar wird auch in der Europäischen Union seit geraumer Zeit darüber gestritten, wie man Spekulan- ten bändigen kann. Doch eine Regulie- rung ist derzeit nicht in Sicht. In Europa stehen vor allem Anlagege- schäfte mit Agrarerzeugnisse wie Mais, Weizen oder Soja in der Kritik. Viele der Grundnahrungsmittel sind allein imver- gangenen Jahr weltweit um ein Drittel teuer geworden, so dass sie für viele Men- scheninärmerenLändernkaumnocher- schwinglich sind. Hilfsorganisationen und zuletzt auch die Verbraucherschutz- organisation Foodwatch werfen Banken, Investmentfonds und Privatanlegern vor, dass sie mit ihren Anlagen imAgrar- sektor das weltweite Hungerproblemver- schärfen und dabei noch Milliardenge- schäfte machen. New York – Nur ein positiver Bilanzef- fekt hat der US-Investmentbank Morgan Stanley imdritten Quartal zu einemMil- liardengewinn verholfen. Morgan Stan- ley schrieb 3,4 Milliarden Dollar auf die eigenen Verbindlichkeiten in der Bilanz ab, weil deren Marktpreise fielen. Der Nettogewinn lag bei 2,2 Milliarden Dol- lar, wie die Bank am Mittwoch mitteilte. EinJahr zuvor hatte eingegenläufiger Bi- lanzeffekt MorganStanley in die Verlust- zone abrutschen lassen. Im operativen Geschäft verzeichnete die Investment- bank Einbußen. Reuters Berlin – Die schwarz-gelbe Koalition will Verbraucher künftig stärker vor Missbrauchbei der Vermittlung vonVer- sicherungen schützen. Der Finanzaus- schuss des Bundestages stimmte amMitt- woch für eine Begrenzung der Provisio- nen, die Versicherungsunternehmen Maklern für die Vermittlung privater Krankenversicherungen und Lebensver- sicherungen zahlen. Zum einen sollen Versicherer künftig für denAbschluss ei- ner privaten Krankenversicherung nicht mehr als neun Monatsbeiträge Provision zahlen dürfen. Damit soll den Vermitt- lern der Anreiz genommen werden, sich allein wegen hoher Provisionen Kunden abzujagen. Die Vorschrift umfasst auch andere geldwerte Vorteile, umzuvermei- den, dass die Deckelung der Provision durch andere Vergünstigungen umgan- gen wird. Während Makler früher maxi- mal Provisionen in Höhe von zwölf Mo- natsbeiträgenerhalten hätten, seienheu- te 14 Monatsprämien und mehr nicht sel- ten, erklärte der finanzpolitische Spre- cher der CDU/CSU-Fraktion, Klaus-Pe- ter Flosbach. Dies habe dazu geführt, dass die Kosten für den Abschluss einer privaten Krankenversicherung von 1999 bis 2009 von im Schnitt 7,5 auf 8,9 Mo- natsbeiträge gestiegen seien. Die Neure- gelung sieht zudem vor, dass ein Teil der Provision an den Versicherer zurückge- zahlt werden muss, wenn ein Vertrag auf Initiative des Kunden endet. Dafür soll der Zeitraumfür die sogenannte Storno- haftung deutlich verlängert werden. Das neue Finanzanlagenvermittler- und Ver- mögensanlagenrecht soll am 1. April 2012 in Kraft treten. AFP Von Bernadette Cal onego Vancouver – Diesen harschen Ton sind die Scheichs vonSaudi-Arabiennicht ge- wöhnt, und dazu kommt er noch von ei- ner erdölfreundlichen Organisation in Kanada. „Wir finanzieren einen Staat, der Frauen das Autofahren nicht er- laubt“, ist in einem kanadischen TV- Spot zu hören, der die Zuschauer daran erinnert, dass Nordamerika imvergange- nen Jahr über 400 Millionen Fass Öl von Saudi-Arabien kaufte. Öl aus einem Staat, wo die Zeugenaussage einer Frau nur halb so viel wert sei wie jene eines Mannes und wo sie ohne männliche Er- laubnis das Haus nicht verlassen dürfe. Es sind keine Menschenrechtler, die das arabische Königreich angreifen. Es ist die Organisation EthicalOil.org in To- ronto, die den Amerikanern die kanadi- schen Ölsande als ethisch überlegene Al- ternative zum Öl aus Saudi-Arabien an- preist. Ihre TV-Spots, die in Kanada auf den Netzwerken von Oprah Winfrey und Sun News gelaufen sind, haben bei den Saudis einen Nerv getroffen. Als die ka- nadische Fernsehkette CTV die TV- Spots ebenfalls senden wollte, griffen die Anwälte der saudi-arabischen Regie- rung ein. Sie drohten CTV mit einer Ge- richtsklage, worauf die Fernsehgesell- schaft die umstrittenen Anzeigen nicht schaltete. Die Firma Bell Media, der CTV gehört, erklärte, sie wolle denRechtskon- flikt zuerst lösen. Das führte zu Protes- ten kanadischer Politiker und zu einem diplomatischen Zwist, auf den Saudi- Arabien noch nicht geantwortet hat. Der kanadische Immigrationsminister Jason Kenney erklärte: „Wir können es nicht leiden, wenn fremde Regierungen direkt oder indirekt kanadischen Sendern oder Medien drohen, wenn sie der Redefrei- heit Gehör verschaffen.“ Der Betreiber der Webseite vonEthica- lOil.org ist der Kanadier Alykhan Velshi, einehemaliger Assistent Minister Kenne- ys. Laut Velshi akzeptiert seine Organisa- tion in Kanada auch Geld von Ölfirmen, nimmt aber keine ausländischen Spen- den an. Velshi plant, die TV-Spots auf amerikanische Sender auszudehnen. Das macht die Saudis nervös. Laut der kana- dischen Zeitung National Post versuchte die Regierung Saudi-Arabiens auch Druck auf Kanadas Erdölindustrie zu machen und ihre Bedenken wegen der Fernseh-Kampagne anzumelden. Im Bereich Öl will Kanada seinen Marktanteil in den USA vergrößern, wo es jüngst zu öffentlichen Demonstratio- nen von Umweltschützern gegen die Öl- sande imNorden der Provinz Alberta ge- kommen war. Die Kanadier wollen die Amerikaner überzeugen, dass es besser wäre, sie würden ihr Öl von Kanada kau- fen als von einem undemokratischen Land wie Saudi-Arabien. Dank der Öl- sande hat Kanada nach Saudi-Arabien die größten Reserven. Schon heute verkauft Kanada, der größte Öllieferant der Vereinigten Staa- ten, doppelt soviel Öl an die Amerikaner wie Saudi-Arabien: Im vergangenen Jahr waren es täglich fast zwei Millionen Fass. Diese Menge wird noch zunehmen, falls die Keystone-XL-Pipeline von Al- berta an die US-Golfküste von der US- Regierung Ende Jahr genehmigt wird. Keith Stuart, Sprecher der Umweltorga- nisation Greenpeace Canada, sagt, die TV-Kampagne von EthicalOil.org wolle vom eigentlichen Problem ablenken. „Wir sollten uns nicht eine Schlacht lie- fern, welches Öl moralisch besser ist“, sagt er, „sondern von den fossilen Brenn- stoffen wegkommen.“ Die Behauptung, kanadisches Öl sei a priori gut, sei falsch. Kanadische Ölfirmen seien in Ländern mit Menschenrechtskonflikten tätig, wie Nigeria oder Sudan. Außerdem seien die Ölsande die am schnellsten wachsende Quelle von CO2-Emissionen in Kanada. Trotzdem hatte Ottawa die Europäische Union (EU) im vergangenen Jahr ge- warnt, Kanada werde vor der Welthan- delsorganisation WTO klagen, falls die EU ein Treibstoffqualitätsgesetz einfüh- re, das die Ölsande als speziell schmutzig bewerten würde. Moody’s straft Spanien ab US-Ratingagentur stuft Kreditwürdigkeit herunter China treibt Preis bei seltenen Erden Stehen oder Sitzen, das ist die Frage An einem Unfall soll nichts verdient werden Bergbaukonzern BHP fördert auf Rekordhöhe Fesseln für Spekulanten Die USA greifen als erstes Land der Welt im Rohstoff-Handel durch. Anlagen in Öl, Weizen, Zucker und Gold werden limitiert Bilanzeffekt hilft Morgan Stanley Deckel für Versicherer „Bislang haben die Märkte mit Feuer gespielt, nun tun es auch die Institutionen.“ Kanada will, dass die USA in Kanada kaufen – nicht bei einem „undemokratischen Land“. Kritikern geht die Neuregelung nicht weit genug. ANZEIGE Kanadische Ölsande in der Nähe von Fort McMurray, Alberta. Kanada ist der größte Öllieferant der Vereinigten Staaten. Foto: Larry MacDougal/dapd Schlacht um die Moral In Fernsehspots werden kanadische Ölsande als ethisch überlegen angepreist. Das bringt die Saudis in Rage 2007 2008 2009 2010 2011 D N O S A J J M A M F J D N O S A J J M A M F J D N O S A J J M A M F J D N O S A J J M A M F J O S A J J M A M F J 500 400 300 200 100 0 550 450 350 250 150 50 130 120 100 110 90 80 70 60 50 40 30 0 Preis für Rohöl WTI in Dollar pro Barrel Handelsvolumen in Millionen Barrel Rohöl ist einer von 28 Rohstoffen, bei dem die USA nun eine Marktregulierung einführen wollen. Ziel ist es, den Einfluss von Finanz- investoren zu reduzieren. Die Grafik zeigt deutlich, je mehr spekulative Anleger am Ölmarkt mitmischen, desto höher fallen die Kursschwankungen aus. Zu den viel beachteten Sorten zählt die amerikanische Leichtölsorte WTI. Die Mengen, die über Terminkontrakte an den Börsen täglich gehandelt werden, liegen inzwischen um ein Vielfaches über der tatsächlich zugrunde liegenden Fördermenge. Das verstärkt den Preisauftrieb. Spekulanten am Werk SZ-Graphik: Ilona Burgarth; Foto: dpa; Quelle: Reuters Seite 26 / Süddeutsche Zeitung Nr. 242 HF2 Donnerstag, 20. Oktober 2011 GELD Nur fürs Web gemacht – Die Woche im Netz. www.sueddeutsche.de/ multimedia Geschichte lebt! 7 Zeitensprünge - das Videoquiz Der Flügelflitzer Die Sportkolumne in Bild und Ton Summa summarum Das Wirtschafts-Video-Blog Von Andreas Jal sovec München – Der Umfang der Liste hat selbst Anita Käding überrascht: „Das ist beeindruckend, was mittlerweile an Da- ten ans Finanzamt übermittelt wird“, staunt die Leiterin der Steuerabteilung beim Bund der Steuerzahler. Gemein- sam mit den Lohnsteuerhilfeverbänden und dem Steuerberaterverband hat der Steuerzahlerbund zusammengetragen, wer welche Informationen über die Bür- ger ans Bundeszentralamt für Steuern weitergibt. Aus dessen riesigem Daten- pool bedienen sich die Finanzämter. Das Ergebnis ist eine Aufzählung mit gut zwei Dutzend Datenangaben, die die Steuerbehörden bei unterschiedlichsten Stellen elektronisch eintreiben – von Beiträgen zur Rentenversicherung über Eltern- und Mutterschaftsgeld bis zur Depotübertragung bei der Hausbank (Kasten). Ob die Liste vollständig ist, sei offen, meint Käding: „Den genau- en Datenfluss kennt ja keiner.“ Vor allemeiner nicht: der Steuer- pflichtige selbst. „Die Finanzver- waltung sammelt immer mehr Da- ten von Dritten“, monieren die Steuer-Verbände. „Der Be- troffene bleibt aber völlig außen vor.“ Oft wisse der Steuerzahler gar nicht, dass etwas übermittelt wurde – und wenn ja, was. In einer Eingabe an den Finanzaus- schuss des Bundestages und das Bundesfinanzministerium fordern die Verbände daher nun, dass jede Stelle, die Daten weitergibt, die Steuerzahler ge- nau darüber informieren muss. Dass die Datenmenge, die über die Bürger bei der zentralen Steuer- behörde liegt, Jahr für Jahr zunimmt, ist den wenigsten bewusst. So melden etwa private Rentenversicherer gezahlte Beiträge und ausgezahlte Renten an den Fiskus. Sie müssen die Versicherten dar- über aber nicht informieren. Ähnliches gilt für MitteilungenvonBankenundAr- beitsagenturen an den Fiskus. Aus dem Datensatz, der daraus für je- den einzelnen Steuerpflichtigen ent- steht, kann man einiges aus dessen Le- benerfahren: „Wannhat jemandeine Le- bensversicherung abgeschlossen, wann die Krankenversicherung gewechselt, wannetwas anseine Kinder vererbt – das geht alles daraus hervor“, gibt Anita Kä- ding zu bedenken. Die Steuer-Verbände sehendaher in dieser Formder Datenvor- ratsspeicherung durchaus „verfassungs- rechtliche Probleme“. Man nehme den Vorstoß der Verbände ernst, heißt es dazu im Bundesfinanzmi- nisterium. Man prüfe die Eingabe aber noch. Rückendeckung kommt derweil von der Vorsitzenden des Finanzaus- schusses im Bundestag. Es müsse „für den Steuerpflichtigen nachvollziehbar und kontrollierbar sein“, meint Birgit Reinemund (FDP), „welche elektroni- schen Daten das Finanzamt verwendet undwelche es von Dritten zur Steuerver- anlagung heranzieht.“ Überdies sei un- verständlich, warum bei elektronischer Datenübermittlung meist umfangreiche- re Datensätze verlangt würden als bis- her. „Das Datensammeln soll sich auf ein notwendiges Mindestmaß beschränken.“ Für die Steuerzahler ist aber nicht nur der Datenberg ein Problem, den die Fi- nanzbehörden anhäufen. Der oft anony- me Informationsfluss hat auch prakti- sche Folgen. Denndie Finanzämter über- nehmen Daten vom Bundeszentralamt für Steuern in der Regel ungeprüft – „auch dann, wenn der Steuerzahler ab- weichende Angaben gemacht hat“, heißt es inder Eingabe. ImSteuerbescheidwer- de das aber „regelmäßig nicht erklärt“. Steuerpflichtige merken daher oft gar nicht, dass etwas geändert wurde. Über- nimmt der Fiskus jedoch falsche Daten, ist auch die Steuerberechnung falsch. Solche Probleme gebe es inder Praxis im- mer öfter, meint Steuerexpertin Käding. Sie dürften künftig noch häufiger auf- treten. Denndie Zahl der Stellen, die Da- ten automatisch an den Fiskus meldet, wird steigen – auch weil es von 2013 an die sogenannte vorausgefüllte Steuerer- klärung gebensoll. Steuerpflichtige kön- nensie freiwillig aus demInternet herun- terladen. Alle Daten, die das Finanzamt schon hat, sind darin bereits enthalten. Im Steuerverfahren moderne Kommuni- kationswege wie das Internet zu nutzen, sei sinnvoll, meint Anita Käding. „Es muss aber sichergestellt sein, dass der Steuerpflichtige vorher bereits weiß, was über ihn gemeldet wurde – und dass er Änderungen erkennen und Fehler ohne Aufwand korrigieren lassen kann.“ Von Ul ri ke Sauer Rom – Kaum hatte die Ratingagentur Standard & Poor´s die Mailänder Groß- bankUnicredit bei der reihenweisenHer- abstufung italienischer Institute ver- schont, traf das Geldhaus ein herber Schlag der italienischen Justiz. Ein Mai- länder Richter ordnete die Beschlagnah- mung von245 MillionenEuro bei Unicre- dit an. Die Summe soll demFiskus in den Jahren 2007 und 2008 vorenthalten wor- den sein. Gegen den damaligen Konzern- chef Alessandro Profumo ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen betrügeri- scher Steuererklärung. Profumos Unter- schrift steht unter dem Antrag zu einer komplexen Anlageoperation, bei der die kassierten Zinsen in – nahezu – steuer- freie Dividenden umdeklariert wurden. Die Operation „Brontos“ ist Unicredit von der britischen Bank Barclays vorge- schlagen worden. Der Deal war offenbar für beide Seiten vorteilhaft. Zwei Jahre lang investierte Unicredit in ein Depot und strich einen erhöhten Zinssatz ein. Barclays kam günstig an Geld, für das die Bankdeutlich weniger als denMarkt- zins zahlte. „Das ging auf Kosten eines drittenSubjekts – des italienischen Staa- tes“, schreibt Staatsanwalt Alfredo Ro- bledo. Er beschuldigt insgesamt 17 Uni- credit- und drei Barclays-Manager, mit der Architektur von „Brontos“ gezielt Steuerbetrug betrieben zuhaben. Bei der Finanzoperation wurden die für Unicre- dit anfallenden Zinsen, die in Italien komplett versteuert werden müssen, zu Dividenden erklärt. Die Wirkung war groß: Dividendensindzu95 Prozent steu- erfrei -–statt 100 Prozent musste Unicre- dit nur fünf Prozent ihrer Erträge dem Fiskus melden. Ein Banksprecher wies die Vorwürfe zurück: „Unicredit ist sehr überrascht“. Mit ähnlichen Vorwürfen schlagen sich derzeit fast alle italieni- schen Finanzinstitute herum. Nach Schätzung von Bankanalysten hat der Fiskus bei ihnen zwei bis drei Milliarden Euro hinterzogene Steuern eingefordert. Brüssel – Die EU macht ernst im Kampf gegen hochriskante Börsengeschäfte und schränkt die Spekulationauf Staatsanlei- hen ein. Der Handel mit ungedeckten Kreditausfallversicherungen (CDS) auf Staatsanleihen wird in der EU vom Herbst 2012 an nur nochinAusnahmefäl- lenmöglichsein. Das habendie EU-Kom- mission, das Europaparlament und der EU-Ministerrat in Brüssel vereinbart. Die Vorschläge sind Teil eines Bündels an Maßnahmen, um die Finanzmärkte besser zu überwachen. „Die Regeln wer- den es Hedge-Fonds unmöglich machen, griechische oder italienische CDS allein für Spekulationsgeschäfte zu kaufen, oh- ne die entsprechenden Staatsanleihen zu besitzen“, teilte das Europaparlament am Mittwoch mit. Nur noch die Investo- ren, die entsprechende Staatsanleihen halten, dürften sich demnach Schutz über CDS kaufen. Deutschlandhatte bereits imvergange- nenJahr sogenannte ungedeckte Leerver- käufe imAlleingang verboten. Bei diesen Geschäften wetten Spekulanten auf den Verfall einer Währung, Aktie oder Anlei- he und verkaufen das Produkt, ohne es zu besitzen – in der Hoffnung, es später zueinemniedrigeren Kurs zurückkaufen zu können und so Gewinne einzustrei- chen. Inzwischen sind andere EU-Län- der gefolgt, auch Frankreich, Italien, SpanienundBelgien habennachEU-An- gaben ein Verbot beschlossen. Mit dem Kauf von Kreditausfallversi- cherungen können sich Investoren gegen den Ausfall von Anleihen absichern, aber auch auf eine schlechtere Bonität der Schuldner wetten. Letzteres wird jetzt EU-weit verboten, weil diese Prakti- kennachgängiger Meinung denKursver- fall von Staatsanleihen künstlich be- schleunigt und die Krise Griechenlands verschärft haben. Die komplizierten Produkte gelten auch als Hauptauslöser für die weltweite Finanzkrise. Unter bestimmten Bedingungen will die EU es den Mitgliedsstaaten aber erlauben, vom prinzipiellen Verbot abzuweichen. „Gründe dafür können sein, dass der Staatsanleihenmarkt nicht mehr richtig funktioniert“, sagte EU-Binnenmarkt- kommissar Michel Barnier. dpa Frankfurt – In Deutschlandwirdeinwei- terer Offener Immobilienfonds abgewi- ckelt. Der seit fast zwei Jahren eingefro- rene Axa Immoselect werde aufgelöst, teilte die Fondsgesellschaft Axa Invest- ment Managers am Mittwoch mit. „Die Anzahl der Anleger, die bei einer Wieder- öffnungdes Fonds ihre Anteilsscheine zu- rückgeben wollen, ist zu hoch“, hieß es zur Begründung. Die aktuelle Liquidi- tätsquote liege trotz Objektverkäufen bei gerade einmal zehn Prozent – nötig für eine Wiederöffnung sind normaler- weise 25 bis 30 Prozent. Ansonsten wür- de der Fonds sofort wieder in Schieflage geraten. Die restlichenImmobilienimBe- standsollennunabverkauft unddie Erlö- se daraus halbjährlichausgeschüttet wer- den. Der Axa Immoselect ist hierzulande bereits der fünfte Offene Immobilien- fonds, der nach der Finanzkrise nicht wieder auf die Beine kamunddeshalbab- gewickelt werden muss. Reuters Rentenversicherer Sie müssen melden, welche Beiträge die Versicherten zahlen – sei es für die gesetz- liche Rente oder für die private Altersvor- sorge. Auch Riester-Beiträge werden übermittelt, denn mit ihnen sind Steuer- vorteile verbunden. Außerdem erfahren die Behörden, wer welche Leistungen aus Verträgen zur Altersvorsorge, aus Pensionsfonds, Pensionskassen, Direkt- versicherungen oder Leibrenten erhält. Banken Die Kreditinstitute teilen mit, wenn De- pots unentgeltlich übertragen werden – et- wa, weil sie der Steuerpflichtige seinen Kindern schenkt oder vererbt. Über diese Meldung erfährt der Steuerzahler aber ebenso wenig, wie über die Höhe der ge- meldeten Kapitalerträge, die aus einem Gewerbebetrieb stammen. Diese muss die Bank melden, weil sie von der Kapital- ertragssteuer befreit sind. Arbeitsagenturen Die Arbeitsämter übermitteln finanzielle Leistungen wie Arbeitslosengeld, Arbeits- losenhilfe, Zuschüsse zum Arbeitsentgelt bei Aufstockern oder Kurzarbeitergeld. Aber auch die Höhe des Mutterschafts- oder des Elterngeldes erfahren die Steuer- behörden. Diese Leistungen muss man zwar nicht versteuern. Sie erhöhen aber den Steuersatz, der auf andere Einkünfte angewendet wird. Krankenkassen Die Krankenversicherer geben die Höhe der Krankenkassenbeiträge weiter – aller- dings nur für die Basisabsicherung. In der gesetzlichen Krankenversicherung ent- spricht das demgezahlten Beitrag abzüg- lich vier Prozent. Bei der privaten Kasse werden Sonderleistungen wie Chefarztbe- handlungen herausgerechnet. Die Beiträ- ge zur Pflegeversicherung erfährt das Fi- nanzamt in voller Höhe. Arbeitgeber Was Arbeitgeber melden, können Be- schäftigte der elektronischen Lohnsteuer- bescheinigung entnehmen. Darin steht die Höhe des Lohns oder des Gehalts, auch die steuerfreien Leistungen, die der Arbeitnehmer bekommt – etwa für Fahr- ten zwischen Wohnung und Arbeitsstät- te. Außerdem übermittelt der Arbeitgeber die Höhe des Solidaritätszuschlags und der Sozialversicherungsbeiträge. jal Zürich – Die Schweizer Großbank Credit Suisse bleibt optimistisch. Trotz der gro- ßen finanziellen Probleme in Europa und denUSAwerdendie VermögeninPrivat- handindennächstenJahren weiter kräf- tig wachsen werden, heißt es im Global Wealth Report, der am Mittwoch veröf- fentlich wurde. Dass passt ins Bild eines Trends, der sich bereits seit einigen Jah- ren abzeichnet. Die Reichen werden rei- cher undArme nochärmer. Auchdie Mit- telschicht in vielen Ländern gehört zu denökonomischenVerlierernbei der Um- verteilung von Vermögen. Die Bankexperten gehen davon aus, dass die weltweiten Privatvermögen von 2011 bis 2016 um 50 Prozent zunehmen werden auf 345 Billionen Dollar. Als wichtigste Wachstumstreiber gelten die Schwellenländer China und Indien, wo sich die Vermögen mehr als verdoppeln dürften. Der Studie zufolge wird China Japan als zweitreichstes Land ablösen. Mit Vermögen von 81 Billionen Dollar dürften die USA aber das Land mit dem höchsten Vermögen bleiben. Obwohl die Wirtschaft der Vereinigten Staaten kaum noch wächst, rechnen die Banken hier mit dem höchsten Vermögenszu- wachs im genannten Fünf-Jahres-Zeit- raum, uminsgesamt 4,5 Billionen Dollar. Gleichdahinter folgt China mit einemge- schätzten Wachstum von 4,0 Billionen Dollar. Unter den zehn Ländern, die am stärksten zulegen können, befinden sich mit Indien, Brasilien, Mexiko und China gleich vier Schwellenländer. Deutsch- land belegt in dieser Rangliste Platz zwölf mit einem Plus von 461 Millionen Dollar. Mitte des Jahres 2011 beliefen sich die vonden4,5 MilliardenerwachsenenMen- schen in Finanzanlagen und Immobilien gehaltenen Vermögen auf 231 Billionen Dollar. Im Vergleich zum Jahr 2000 ent- spricht dies einer Verdoppelung. Er- staunlich ist, dass die Finanzkrise offen- bar nur zu einem geringfügigen Rück- schlag führte. Einen wichtigen Beitrag zum Zuwachs lieferten das Bevölke- rungswachstum und die Gewinne vieler WährungenzumDollar. GemesseninLo- kalwährungen erhöhte sich das Vermö- gen pro Erwachsenen in dem Jahrzehnt umgut einDrittel. Solche Durchschnitts- zahlen sagen nach Einschätzung von Branchenbeobachtern jedoch nichts über die tatsächliche Vermögensentwick- lung der breiten Masse aus. Über deutli- che Zuwächse ihres Vermögens können sich meist nur diejenigen freuen, die oh- nehin schon über ein gutes Finanzpolster verfügen, wie andere Studien zeigen. Das reichste Land gemessen am Pro- Kopf-Vermögen bleibt die Schweiz. Auf jeden Eidgenossen kommen im Schnitt 540 000 Dollar. Dies ist in der Schweiz vor allem darauf zurückzuführen, dass sich dort sehr viele Reiche niedergelas- sen haben, auch aus dem Ausland. An zweiter Stelle steht Australien mit einem Durchschnittsvermögenvon397 000 Dol- lar, gefolgt von Norwegen mit 356 000 Dollar pro Kopf. Beide Länder verfügen über hohe Staatseinnahmen aus dem Rohstoffgeschäft. Die Experten der Credit Suisse gehen davon aus, dass vor allem die Vermögen indenSchwellenländern inden nächsten Jahren stark wachsen werden. Der Le- bensstandard dort werde sich deutlich verbessern und auch die Konsumausga- ben dürften erheblich zunehmen. SZ Datenkrake Finanzamt Die Steuerbehörden sammeln immer mehr Informationen über die Bürger. Diese erfahren davon oft nichts – und haben dann Nachteile Regeln gegen Risiken EU schränkt Spekulation mit Staatsanleihen ein Axa-Immobilienfonds wird abgewickelt Wo der Fiskus elektronisch Informationen einholt Operation Brontos Italiens Justiz ermittelt gegen Unicredit wegen Steuerbetrugs. 245 Millionen Euro beschlagnahmt Reiche werden reicher Trotz Schuldenkrise: Die Vermögenswerte in Privathand werden laut einer Studie in den nächsten fünf Jahren um 50 Prozent auf 345 Billionen Dollar steigen Donnerstag, 20. Oktober 2011 Süddeutsche Zeitung Nr. 242 / Seite 27 GELD Schwellenländer wie China und Indien drängen nach vorn. Illustration: h1-daxl.de Für Profumo, der mit dem Einstieg in die Politik liebäugelt, sind die Ermitt- lungen höchst unangenehm. Foto: AFP Ertrag** in Euro Anlagebetrag 10000 Euro Tagesgeld DO Zinssatz in Prozent* Mindestbetrag in Euro MI Telefon FR Kredite MO Rente DI Festgeld SA Sparbriefe 31. NIBC Direct 1,2) — 2,70 135,00 Deniz-Bank 1,2) 1000 2,63 131,50 Bank of Scotland 1,3) — 2,60 130,00 DHB Bank 1,2) — 2,15 107,50 GE Capital Direkt 1) — 2,10 105,28 IKB direkt 1) 5000 2,10 105,28 Vakifbank Int. 2) 2500 2,10 105,28 Amsterdam-Trade-Bk. 1,2) — 2,10 105,00 Dt. Finanzagentur (Bund) 50 0,77 38,57 Schlechtester Anbieter — 0,25 12,50 1) Online-Konditionen, 2) Einlagensicherung: 100% bis 100 000 Euro/Person, 3) abgesichert über britische Einlagensicherung und über den BdB *sechs Monate Laufzeit, ** Zinsberechnung berücksichtigt, dass sich Häufigkeit der Zinstermine unterscheidet. Ohne Neukunden-Offerten. Angaben ohne Gewähr, Stand: 19.10.2011; Quelle: biallo.de Täglich aktualisierte Tarife: www.sueddeutsche.de/sparmeister Bekanntmachung gemäß § 9 Abs. 2 Verkaufsprospektgesetz Die Firma KGAL GmbH & Co. KG, Grünwald, beabsichtigt, von der GOAL Verwaltungsgesellschaft mbH & Co. Projekt Nr. 47 KG begebene Beteiligungen als Kommanditist oder Treugeber an dem geschlossenen Flugzeugfonds „SkyClass 57 - Regionalflugzeug Embraer 195“ öffentlich anzubieten. Ein vollständiger Verkaufsprospekt wird bei der Fonds- gesellschaft GOAL Verwaltungsgesellschaft mbH & Co. Projekt Nr. 47 KG, Tölzer Straße 15, 82031 Grünwald, Telefon 089/64143-427, Telefax 089/64143-230 zur kostenlosen Ausgabe bereitgehalten. Grünwald, den 20.10.2011 KGAL GmbH & Co. KG Kaufe Schallplatten Suche außergewöhnliche LPs und Singles aus den Bereichen Rock, Metal, Krautrock, Punk, etc. Gerne auch Sammlungen. Abho- lung möglich. 80170 327 6648 Spezial: Technik erleben (Kommunikation) Themen Kommunikation findet auf vielen Ebenen statt. Wenn sie Spaß macht, umso besser. Das ist dann der Fall, wenn Technik nicht belastet. Gebrauchsanweisungen lesen mag kaum einer gerne. Deshalb sollte sich die Digitale Welt schon selbst erklären, was sie in zunehmender Weise auch tut. In dieser Ausgabe der SZ-Technik geht es um die Erlebbarkeit der Technik. Welche Möglichkeiten sie uns bietet und wie sie sich nutzen lässt. Digitale Welten: Welche Geräte stehen für die Kommunikation zur Verfügung? Fotografieren – Speichern – Drucken – Transferieren Fernsehen: Dank Internet raus aus der Passiv-Ecke. Alles auf den Schirm: Wie weit geht die Integration? Termine Erscheinungstermin: 3. November 2011 Anzeigenschluss: 20. Oktober 2011 Kontakt Süddeutsche Zeitung Anzeigenverkauf Sonderthemen Telefon (089) 2183-583 Telefax (089) 2183-8216 [email protected] www.sz-sonderthemen.de (Änderungen vorbehalten) Finanzkommunikation Kaufgesuche Süddeutsche Zeitung Tickets Ihr Kartenvorverkauf in der Ticketbox ServiceZentrum, Fürstenfelder Straße 7 Mo. bis Do. von 9.30 bis 18.00, Fr. und Sa. von 9.30 bis 16.00 Uhr. Buchungshotline: Tel.: 01 80/11 00 12 00 (3,9 ct./Min. aus dem Festnetz, Mobilfunk max. 42 ct/Min.) Mo. bis Fr. 9.00 bis 20.00, Sa. 9.00 bis 16.00 und So. 10.00 bis 16.00 Uhr, oder im Internet unter www.sz-tickets.de. DEFGHTickets Stiften mit Herz | www.lebenshilfe-stiften.de Von Chri sti ne Demmer Der finnische Handybauer Nokia – Ex- Produzent in Nordrhein-Westfalen, Ex- Produzent in Rumänien – wird sich noch eine ganze Weile lang als Subventionsno- made beschimpfen lassen müssen. Den angekratzten Ruf können auf die Schnel- le weder humanitäre Hilfsprojekte inOst- afrika noch der erklärte Verzicht auf den Bezug von Rohstoffen aus Krisenregio- nen aufpolieren. Jedes Jahr wendet No- kia Millionenbeträge für das Wohlerge- hen von Gesellschaft und Umwelt auf. Doch zwei Werksschließungen mit Hun- dertenEntlassungenbinnenweniger Jah- re lassen Mitarbeiter und Kunden an der ernsthaften Umsetzung von „Corporate Social Responsibility“ (CSR) zweifeln. Kritiker fragen sich: Wird die unterneh- merische Verantwortung womöglich ge- rade anderswo wahrgenommen? Viele Unternehmen denken über den Sinn und den Nutzen von CSR nach. Professor C. B. Bhattacharya, Inhaber des Eon-Lehrstuhls für Corporate Re- sponsibility an der European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin erstaunt es keineswegs, dass im- mer mehr Unternehmen indenIndustrie- nationen erklären, gesellschaftliche Ver- antwortung übernehmen zu wollen. „Wir stoßen an die Grenzen des Wachstums“, erklärt er. Der gnadenlose Wettbewerb verlange von den Firmen immer größere Anstrengungen, umsich von anderen ab- zuheben. Andererseits habe die Wirt- schaft erkannt, dass sie stark genug sei, um gesellschaftliche Veränderungen an- zustoßen. „Es gibt viel guten Willen, Kranken oder benachteiligten Menschen oder dem Klima zu helfen, ohne dass da- bei direkt auf die Bilanzen geguckt wird.“ Klar sei aber auch: „Unternehmen wollen nicht nur Wert für die Gesell- schaft, sondern auch für sich schaffen.“ Das Potential des Sozial- undUmwelt- sponsorings erkannten in den siebziger Jahren PR-Agenturen und deren Kun- den, allen voran internationale Konsum- güterkonzerne, denen daran gelegen war, sich den zunehmend kritischen Verbrau- cherngegenüber ineingutes Licht zuset- zen. Später beflügelte die Nachhaltig- keitsdebatte das Thema. Mittlerweile in- szeniert sich nahezu jedes größere Unter- nehmen als Helfer in Sachen Klima- schutz und im Falle humanitärer Notla- gen. Bei inhabergeführten Betrieben reicht dazueinSignal vonChef oder Che- fin. „Kleine und mittlere Firmen müssen nicht den Kapitalmarkt überzeugen“, sagt Bhattacharya, „außerdem wirken die oft persönlichen Motive der Eigner sehr glaubwürdig.“ Aus inneremAntrieb, so sagt er, nehme auch Matthias Bankwitz seine Verant- wortung als Inhaber eines 30-köpfigen Architekten- und Ingenieurbüros in Kirchheim/Teck wahr. Seine Mitarbeiter und die Umwelt haben es gut bei ihm: Es gibt eine „Spielkultur“, ein Bürofahrrad, Massagenwährendder Arbeitszeit undei- ne grüne WC-Oase mit dezenter Musik. Das freut denganzheitlichaufgeschlosse- nen Menschen und rechnet sich für den Unternehmer. „Wir haben einen extrem geringen Krankenstand“, sagt Bankwitz, „undeine nur ganz geringe Fluktuation.“ Das sollen andere jetzt nachmachen. Der 48-Jährige hat sichmit einer Projekt- skizze am Förderprogramm „Gesell- schaftliche Verantwortung im Mittel- stand“ beworben, das vomBundesminis- terium für Arbeit und Soziales verwaltet undvomEuropäischenSozialfonds finan- ziert wird. Der Architekt will ein „bran- chenübergreifendes Nachhaltigkeitspro- fil für mittelständische Unternehmen in der Region“ entwickeln. Und das gleich auf drei Aktionsfeldern: „Es geht einmal um eine mitarbeitergerechte Gestaltung des Arbeitsplatzes, es geht zum zweiten umeinPlädoyer für eine umweltfreundli- che Bauweise, und es geht, drittens, um die regionale Vermarktung von regiona- len Produkten.“ Kurz gesagt: Bankwitz will Unterneh- merkollegenbeibringen, ressourcenscho- nend und nachhaltig zu wirtschaften. Den Zuschlag für die 80-prozentige Co- Finanzierung des 200 000 Euro teuren Projektes hat er vor drei Wochen erhal- ten; an lernwilligen Firmen scheint es nicht zu mangeln: „Zwölf haben schon unterschrieben, dass sie Interesse ha- ben.“ Spendiert er die 40 000 Euro aus der eigenen Kasse tatsächlich nur aus Menschen- und Umweltfreundlichkeit? Nicht ganz, gibt Bankwitz zu: „Die Öko- nomie ist nie außen vor. Ich krieg' das Ding nur durch, wenn jeder was davon hat.“ Wenner zumBeispiel einer Drucke- rei für eine halbe MillionEuro einenWär- metauscher einbaue und die Firma da- durch jährlich 50 000 Euro Kosten spare, dann lobe ihn der Kunde kaum für den Umwelteinsatz. Ganz sicher aber höre er die Frage, warum der Architekt nicht schon vor zehn Jahren damit gekommen sei. „Irgendwo will man immer Geld ver- dienen.“ Dass ein Unternehmen Geld verdienen wolle, davon gingen die Stakeholder – Mitarbeiter, Kunden, Investoren, Liefe- ranten und andere Beobachter – ganz si- cher aus, erklärt Bhattacharya. Keine Se- kunde lang würden sie daran glauben, dass Firmen ihrer Verantwortlichkeit aus rein altruistischen Motiven nachkä- men. „Ihre einzige Erwartung ist, dass die Maßnahmen nachweisbare Verbesse- rungen auf dem gesellschaftlich relevan- ten Feld hervorrufen. Sie interessieren sich weder für den Aufwand noch für den finanziellen Gewinn, der damit erzielt wurde.“ Unternehmen sollten daher stärker als bisher bekanntgeben, was sich dank ihres Engagements zumPositi- ven verändert habe. „Die meisten beto- nen aber immer noch, welchen Aufwand sie erbracht haben.“ Für den Beobachter blieben damit zwei wichtige Fragen offen: „Haben sie das wirklichgetan, und was ist dabei her- ausgekommen?“ Um nachhaltig Wir- kung zuerzielen, müsse die Corporate So- cial Responsibility in die Unternehmens- strategie eingebettet werden. Das sei frei- lich leichter gesagt als getan. „Oft wird CSR als Nebensache behandelt, aber da- mit verschwenden die Unternehmen nur Geld.“ Forschungen zeigten, dass es nur dann finanziellen Nutzen gebe, wenn die Maßnahmen strategisch eingebettet sei- en. „Es gibt keine Abkürzungen.“ UNTERNEHMEN IN DERVERANTWORTUNG Sonderseiten der Süddeutschen Zeitung Ist es ein Menschenrecht, höchstens zwölf Stunden am Tag zu arbeiten? Oder nur acht? In Industrieländern sind die Antworten klar, in vielen Schwellenlän- dern auch – nur unterscheiden sie sich oft. Denn gesellschaftlich verantwortli- ches Handeln sieht von Kulturkreis zu Kulturkreis anders aus. Die Verständi- gung soll die Norm ISO 26 000 erleich- tern, die seit einem Jahr vorliegt. Noch ist sie weitgehend unbekannt, sie ist nicht zertifizierbar, und doch sehen Ex- perteninihr einenVorteil: Sie bietet erst- mals eine weltweit anerkannte, umfassen- de Richtlinie für nachhaltiges Handeln. Sechs Jahre lang haben Vertreter aus 90 Ländern und von 40 Organisationen umDefinitionen gerungen. Sieben Kern- themenkristallisiertensichheraus: Orga- nisationsführung, Menschenrechte, Ar- beitsbedingungen, Umwelt, faire Ge- schäftspraktiken, Konsumentenrechte, Einbindung und Entwicklung der Ge- meinschaft. Josef Wieland, Repräsen- tant sogenannter Stakeholder im Laufe des Prozesses und Professor am Institut für Wertemanagement in Konstanz, sieht in der Norm „immense Fortschritte“. Es sei zum ersten Mal ein Konsens darüber gefundenworden, was unter gesellschaft- licher Verantwortung zu verstehen sei. Dass die Normalle Lebensbereiche er- fasst, sieht Rechtsanwältin Dorothee Krull, Mitautorin eines Buchs über die ISO 26 000 in der Praxis, als großen Vor- teil. „Bisher wurdenimmer nur Teilberei- che erfasst.“ Der Global Compact der UN beispielsweise spreche Unternehmen an, die ISOhingegengelte für Konzerne eben- so wie für Nichtregierungsorganisatio- nen, Gewerkschaftenoder Behörden. Ge- rade weltweit operierenden Konzernen könne die NormHilfestellung leisten, fin- det Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwalt Karl-Christian Bay, Herausgeber des Buchs über die ISO 26 000 in der Praxis. „Sie führt dazu, dass manetwa mit Zulie- ferern einen Standard vereinbaren kann. Bei den globalen Lieferketten sind we- sentliche Themenbereiche berührt, in de- nendie ISOdurchaus Standards setzt, et- wa bei Arbeitsbedingungen.“ Eine Zerti- fizierung sieht die ISO 26 000 explizit nicht vor. Wieland begrüßt das: „Wir brauchen Raum zum Experimentieren, einZertifizierungsprozess könnte dies ge- fährden.“ Manche großen Unternehmen interessieren sich allerdings wenig für die Norm; sie verweisen laut Bay darauf, dass sie ihre Nachhaltigkeitspflichten schon mit Hilfe anderer Standards erfül- len. Dabei ist Bay wie auch Sabine Braun, Geschäftsführerin der Agentur Akzente, durchaus der Meinung, dass es sich für Mittelständler wie Konzerne lohnt, die ISO26 000 zu berücksichtigen: „Mein Rat ist, einfach durchschauen und abhaken, es ist ein guter Abgleich“, sagt Braun. Handlungsbedarf sieht sie am ehesten bei Konsumententhemen; Unter- nehmen müssten stärker hinterfragen, was ihre Produkte bei Verbrauchern be- wirkten. Noch sei das Interesse an der ISO wenig ausgeprägt, sagt Franziska Humbert von der Hilfsorganisation Ox- fam. Die Norm werde eher indirekt von Vorteil sein. „Sie könnte zumBeispiel bei denauf EU-Ebene diskutierten Berichts- pflichten für Unternehmen ein wichtiges Referenzdokument sein, wenn es um be- richtspflichtige Themen geht.“ Nur eines befürchtet Humbert: „Es könnte sein, dass mit der NormGreen-Washingbetrie- ben wird.“ Johanna Pfund Fast jedes Unternehmen schreibt sich inzwischen Klimaschutz auf die Fahnen Süddeutsche Zeitung Nr. 242 | Donnerstag, 20. Oktober 2011 | Seite 28 Gutes Geld dank gutemWillen Unternehmen geht es mit CSR-Maßnahmen meist auch ums Verdienen. Erfolgreich sind aber nur langfristige Strategien Werte für die ganze Welt Die Norm ISO 26 000 definiert erstmals globale Standards Butterbrot für al- le? Unternehmen, die sich für die Gesellschaft enga- gieren, erhoffen sich davon in der Regel auch finanzi- elle Vorteile. Die Projekte sind aller- dings dann zum Scheitern verur- teilt, wenn sie der Firma nur kurzfris- tig ein gutes Image verschaffen sollen. Experten fordern daher ein langfris- tig angelegtes En- gagement, damit sich die Projekte auch irgendwann für das Unterneh- men auszahlen werden. Foto: plainpicture Kunden wie Mitarbeiter wollen wissen, was mit CSR erreicht wird Wir fördern Ihre unternehmerische Investition in Entwicklungsländern! Mit dem Programm develoPPP.de unterstützt das BMZ Unternehmen bei Projekten in Entwicklungs- und Schwellenländern, die einen langfristigen Nutzen für die Menschen vor Ort haben. Durch geteilte Kosten und Risiken profitieren Sie in Entwicklungspartnerschaften beim Eintritt in die Märkte von morgen. Kommen Sie auf uns zu: www.develoPPP.de Von Mi ri am Hoffmeyer Die Marketing-Vorlesung war interes- sant, die Hörer lernten viel über Konsu- mentenverhalten, Branchenanalysen, Strategien. Aber etwas fehlte: die Frage, was bei der Vermarktung moralisch er- laubt ist. Christian Friedrich, Student der Wirtschaftspsychologie an der Uni- versität Lüneburg, wundert sich immer noch darüber: „Es ist doch seltsam, dass ich 14 Wochen lang lerne, wie ich die Kaufentscheidung von Leuten beeinflus- se, ohne dass ethische Fragen wenigstens angeschnitten werden.“ Friedrich ist Sprecher des studentischen Netzwerks „Sneep“, dessen Lokalgruppen an 30 deutschen Hochschulen aktiv sind. Das 2003 gegründete Netzwerk setzt sich da- für ein, Wirtschafts- und Unternehmens- ethik stärker in der Hochschulbildung zu verankern – vor allemin den wirtschafts- wissenschaftlichen Studiengängen. „Die Hochschulen müssen Wirtschaftswissen- schaftler ausbilden, die gesellschaftliche Zusammenhänge verstehen und so ver- antwortlich handeln können“, fordert Friedrich. Seit dem Beginn der Finanzkrise wird andenwirtschaftswissenschaftlichenFa- kultätenintensiv darüber diskutiert, wel- chenStellenwert ethische FragenimStu- diumhaben sollten. Trotzdemist das ent- sprechende Lehrangebot nicht auffal- lend gewachsen. Etwa die Hälfte aller deutschen Hochschulen bietet schon seit Jahren Wirtschaftsethik-Veranstaltun- gen mit verschiedenen Schwerpunkten an – manche Kurse heißen „CSR“ oder „Unternehmensverantwortung“, andere „Umweltmanagement“ oder „Nachhal- tigkeit“. Die Teilnahme ist in der Regel freiwillig. Nur an wenigen Universitäten ist Ethik Pflicht- oder Wahlpflichtfach für angehende Betriebswirte, beispiels- weise in Konstanz, Frankfurt am Main, Hohenheim, Würzburg und Eichstätt-In- golstadt. In vielen Kursen vermitteln Theologen oder Philosophen vor allem die Grundlagen der praktischen Philoso- phie von Aristoteles bis Kant. Eher selten befassen sich die Studierenden darüber hinaus auch mit Fallbeispielen aus dem Unternehmensalltag. „Das Angebot an den Hochschulen ist nach wie vor ziem- lich unstrukturiert. Es hängt immer noch viel vom Engagement der einzelnen Pro- fessoren ab“, sagt Joachim Fetzer vom Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik (DNWE), dem etwa 600 Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Kirchen und Wissen- schaft angehören. Wirtschafts- und Un- ternehmensethik systematisch in Studi- engänge zuintegrierenist inder Gremien- welt der Universitäten auch keine leichte Übung. „In jeder wirtschaftswissen- schaftlichen Fakultät gibt es einige, die das Thema für wichtig halten – aber es kostet Geld, Stellen, Stundendeputate“, erklärt Fetzer. „Da stellt sich immer die Frage: Wo nimmt man das weg?“ Unter Umständen ist es einfacher, gleich einen eigenen Masterstudiengang einzurich- ten. So kann man an der Universität Hal- le-Wittenberg Volkswirtschaftslehre mit Schwerpunkt „Economic Ethics“ studie- ren, an der IHI Zittau „Business Ethics and CSR Management“ oder an der FH Eberswalde „Nachhaltigen Tourismus“. Darüberhinaus hat eine Reihe von Hochschulen berufsbegleitende Studien- gänge in ethischem Management einge- führt, die sichvor allemanFührungskräf- te richten. „Ein gebührenpflichtiger Stu- diengang imBereich Wirtschaftsethik ist sehr öffentlichkeitswirksam und trägt sich finanziell selbst“, meint Joachim Fetzer vom DNWE dazu. „Viel wichtiger ist die Frage, ob es Pflichtstunden imBa- chelorstudium gibt!“ Die Studierenden interessieren sich jedenfalls für das The- ma – Sommer- oder Herbstakademien zu Ethikfragensindregelmäßig ausgebucht. Eine Umfrage des Netzwerks Sneep er- gab 2009, dass drei Viertel der befragten 3400 Studenten Ethik-Kenntnisse als wichtig für ihr späteres Berufsleben ein- schätzten. Zwei Drittel sprachen sich da- für aus, Wirtschafts- und Unternehmens- ethik in wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen zum Pflichtfach zu ma- chen. Zugleich waren nur 13 Prozent der Befragtenmit dementsprechenden Lehr- angebot ihrer Hochschule zufrieden. An ausländischen Universitäten, vor allem in den USA, spielt das Thema CSR eine weit größere Rolle als hierzulande. Doch auch wenn sich die Lehre in Deutschland nur langsam verändert, zeichnet sich ein Trend deutlich ab: Das Thema, das jahrzehntelang nur ein Ste- ckenpferd einiger Professoren war, ge- winnt stetig an Beachtung. Das liegt dar- an, dass seine Verfechter den Marsch durch die Institutionen angetreten ha- ben. Vor einem Jahr verabschiedete die Bundesregierung ihren „Aktionsplan CSR“. Darin setzt sie sich unter anderem zum Ziel, der Unternehmensethik an deutschen Hochschulen in Forschung und Lehre mehr Gewicht zu geben. Im Verband der Hochschullehrer für Be- triebswirtschaft kümmert sich jetzt eine wissenschaftliche Kommission um das Thema. Leiterin ist Michaela Haase von der FU Berlin. „Die Hochschulen haben die Aufgabe, bei denStudierendendie Fä- higkeit zur Reflexion zu fördern“, sagt sie. „Das kann man mit Ethik sehr gut trainieren.“ Ideal wäre nach Haases Überzeugung eine Lehre, die ethische Fragen in alle Fachgebiete der Betriebs- wirtschaft einfließen lässt: Dann müsste in „Accounting“ auch über das Frisieren von Bilanzen gesprochen werden, in „Fi- nanzwirtschaft“ über verantwortungs- volles Investment, in „Personalwesen“ über Diskriminierung, in „Produktion“ über soziale und Umweltaspekte. In Deutschland haben bisher nur 16 Hoch- schulen die „Principles for Responsible Management Education“ unterzeichnet, die auf den Globalen Pakt (Global Com- pact) der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2000 zurückgehen. Die sechs Prinzi- pien sind allgemein gehalten. Sie ver- pflichten die Hochschulen aber dazu, in allen Bereichen der Ausbildung auf Wer- teorientierung zu achten und jährlich über Fortschritte zu berichten. Weitgehend unbeackert ist das The- menfeld in der beruflichen Bildung, ob- wohl der CSR-Aktionsplander Bundesre- gierung die Verankerung von Ethik auch dort vorsieht. In den Lehrplänen für Bank-, Einzelhandels- oder Versiche- rungskaufleute seien bestenfalls Spuren- elemente ethischer Inhalte zu finden, er- klärt Thomas Retzmann, Professor für Di- daktik der Wirtschaftslehre an der Uni- versität Duisburg-Essen. „Das Thema ist unverzichtbar, aber es darf nicht wie ein Fremdkörper wirken. Sonst entsteht bei denAuszubildendender Eindruck: Kauf- männische Inhalte sind zum Geldverdie- nen und die Ethik für den Sonntag.“ Nur an wenigen Unis ist Ethik für Betriebswirte ein Pflichtfach Das Tageslicht fällt durchdie meterho- hen Fenster in den Eingangsbereich des „Orange House“ und lässt kein Fleck- chen Dunkelheit zurück. Der lichtdurch- flutete Innenbereich, das orangefarbene Dach, die Holzfassade des Hauses sollen seinen Besuchern ein Gefühl von Wärme und Sicherheit vermitteln und eine le- benswerte Umgebung schaffen. Denn die Kinder und Jugendlichen, die hierher- kommen, kennen häufig nur das Gegen- teil. Seit einem Jahr ist das Orange House, das idyllischinmittengrüner Wie- seninder oberbayerischenGemeinde Pei- ßenberg gelegen ist, Zufluchtsort für schwer traumatisierte und kranke Kin- der. Auch Schulklassen nutzen das Ange- bot des neuen Therapie- und Kreativzen- trums, bei dem es sich um ein Gemein- schaftsprojekt der Tabaluga Kinderstif- tung undder HoffmannGroup Foundati- on handelt, die das Zentrum finanziert. Die Hoffmann Group ist ein europaweit führender Hersteller und Händler für Werkzeuge, der von kleinen Betrieben bis hin zu internationalen Industriekon- zernen zahlreiche Unternehmen belie- fert. Unter dem Namen Garant vertreibt das Mittelstandsunternehmen eine eige- ne Werkzeugreihe, die Firmenfarbe ist ein leuchtendes Orange. „Die Hoffmann Group setzt sich schon seit Jahrzehnten für soziale Projekte ein. Doch es geht uns nicht nur um die finanzielle Unterstüt- zung, es ist uns auch wichtig, uns aktiv einbringen zu können und zu sehen, wo- für das Geld verwendet wird“, sagt Bert Bleicher, Geschäftsführer der Hoffmann Group und Gründer der Foundation. So entstand die Idee vom Orange House. In der Werkstatt – neben der Reithalle und demgroßen „Traumraum“ das Herz- stück des Hauses – ist an diesem Tag eine siebte Klasse zu Gast und werkelt an ih- ren Vogelhäusern aus Holz. Zwischen den großen Waschbecken, Werkbänken und kleinen Maschinen arbeiten die Mit- telschüler konzentriert an ihren Kunst- werken, probieren gemeinsam mit dem Gruppenleiter verschiedene Säge- und Schleiftechniken aus. Sie gehören zu ei- ner von vier Klassen, die einmal pro Wo- che das Orange House besuchen. „Wir wollteneinenBezug zuunseremMarken- kern herstellen, da lag eine Werkstatt für Kinder nahe“, erzählt Meike Sowa, Pro- jektleiterin Marketing der Hoffmann Group. Aus dieser Grundidee hat sich in Zusammenarbeit mit der Tabaluga Stif- tung das Therapie- und Kreativzentrum entwickelt, das im Oktober 2010 eröffnet wurde. Zehn Therapeuten und Pädago- gender Tabaluga Stiftung sind inPeißen- berg beschäftigt. Fast täglich steht Sowa mit den Mitarbeitern des Orange House inKontakt, das Zentrumsei als langfristi- ges Projekt angelegt, sagt sie. Für das nächste Jahr steht eine Veränderung der Außenanlagen auf dem Plan, es sollen ei- ne Terrasse angelegt und Bäume ge- pflanzt werden. Wie in der Vergangen- heit haben die Mitarbeiter der Hoffmann Group dann erneut die Gelegenheit, mit anzupacken. Ob beim Auslegen des Bo- dens in der Reithalle, beim Trockenbau, der Bewirtung der Gäste im Rahmen der Eröffnungsfeier oder Spendensammeln– den Angestellten des Werkzeugspezialis- ten sei es wichtig, mitzuhelfen und sich mit dem Projekt identifizieren zu kön- nen. In unmittelbarer Nähe zu dem neuen Gebäude liegen der Tabalugahof und das Sternstundenhaus, deren Bewohner im Orange House in unterschiedlichen The- rapieformen wie der Gesprächs-, Reit- oder Musiktherapie betreut werden. Der Hof ist das Zuhause von 18 Kindern, die aus sehr schwierigen familiären Verhält- nissenstammenundhäufig Opfer vonGe- walt oder sexuellemMissbrauch wurden. Sie werden von den bayerischen Jugend- ämternhierher vermittelt. Das Sternstun- denhaus nimmt schwerstkranke Kinder aus Kliniken in ganz Deutschland auf. Gemeinsam mit ihren Eltern und Ge- schwisternverbringensie hier einenzwei- wöchigen Reha-Aufenthalt. Die Kinder sind zwischen zwei und 24 Jahren alt, der Großteil von ihnen ist im schulpflichti- gen Alter. „Die Ressourcen für ein Zen- trum, in dem alle Therapiemöglichkeiten zusammenlaufen, haben uns gefehlt“, be- richtet Jürgen Haerlin, Vorstandsvorsit- zender der Tabaluga Kinderstiftung. Durch die Unterstützung der Hoffmann GroupFoundationkonnte das Projekt re- alisiert werden, das Unternehmen trägt neben der gesamten Bausumme von 3,5 Millionen Euro auch die laufenden Be- triebs- und Unterhaltskosten. Gleich neben dem Eingang zum Oran- ge House liegt die 600 Quadratmeter gro- ße Reithalle. „Die Reittherapie ist aus un- serem Angebot nicht mehr wegzuden- ken“, erzählt Katrin Woidich, die fachli- che Leiterin des Orange House. „Kinder, die zuuns kommen, habenhäufig einKör- pertrauma, sie habenOhnmacht undHilf- losigkeit erlebt und reagieren darauf mit Erstarren. Doch wer auf einem Pferd sitzt, der ist allein durch den Rhythmus und die Bewegungen des Tieres gezwun- gen, sichaufzurichten. NachJahreninei- ner gekrümmter Haltung, richten sie sich hier oft das erste Mal wieder auf und er- langen ihr Körpergefühl zurück.“ Täg- lich bekommt Jürgen Haerlin von der Ta- baluga Kinderstiftung neue Anfragen zum Orange House. „Was die Nachfrage betrifft, könnten wir sofort ein zweites Haus eröffnen.“ „EinVorteil vonmittelständischenUn- ternehmen, die sich in Corporate Social Responsibility-Projektenengagieren, be- steht darin, dass der Verwaltungsauf- wand hier geringer als in Großunterneh- men ist. Direkte Hilfe ist viel leichter möglich und das Projekt ist direkt bei der Geschäftsführung verankert“, sagt Mei- ke Sowa. Über den Firmen-Newsletter und die Mitarbeiterzeitung werden die Angestellten ständig auf dem Laufenden über das Orange House gehalten. „Für un- ser Unternehmen und unsere Partner ist das Orange House zueinemgemeinschaft- lichen, sozialen Verbindungselement ge- worden, die Mitarbeiter sind sehr stolz auf das Projekt“. Mascha Dinter Politiker und Firmenbosse reden gerne von Nachhaltigkeit – doch ein Großteil der Bevölkerung versteht diesen Begriff nicht. 43 Prozent kommt der Begriff Nachhaltigkeit zumindest bekannt vor, etwa jeder Fünfte kennt den Ausdruck nicht. Dies ergab eine kürzlich veröffent- lichte Studie der Gesellschaft für Kon- sumforschung. Demnach weiß längst nicht jeder, der den Begriff einmal gehört hat, was darunter zuverstehenist. 18 Pro- zent der „Kenner“ haben keine Vorstel- lung von der Bedeutung, für die anderen steht Nachhaltigkeit vor allem für Na- tur- und Umweltschutz. Nur vier Prozent dachten an die Verpflichtung gegenüber künftigen Generationen, soziale oder hu- manitäre Aspekte fehlten völlig. dpa Nicht nur das täglich Brot, auch das Drumherumsoll in der Ausbildung der Wirt- schaftswissenschaftler eine Rolle spielen. Zunehmend fordern Studenten eine stärkere Verankerung von Ethik in den Lehrplänen. Foto: plainpicture Nachhaltigkeit wird oft nicht verstanden Etwa 93 Prozent der Deutschen befür- worten gesellschaftliches Engagement von Unternehmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine vonder Provinizial Versiche- rung in Auftrag gegebene Studie. Mehr als jeder Zweite ist demnach der Mei- nung, dass sich Unternehmen besonders im Umweltschutz stark machen sollten. Es folgen Engagement für Kinder- und Jugendarbeit (40 Prozent), die Förderung sozial Benachteiligter (35 Prozent) und die Vergabe von Stipendien. SZ Ethik fürs Geschäft In Universitäts- und Berufsbildung hat Werteorientierung bisher kaum Platz Die Hoffmann Group trägt die Bausumme und die laufenden Kosten Fair gehandelte Produkte sind welt- weit weiter auf Erfolgskurs. Imvergange- nen Jahr kauften die Verbraucher rund um den Globus Fairtrade-Produkte im Wert von 4,3 Milliarden Euro, ein Zu- wachs von 26 Prozent. Auch in Deutsch- land gab es erneut ein Umsatzplus – um 17 Prozent auf 187 MillionenEuro imers- ten Halbjahr 2011. Das teilten Transfair- Geschäftsführer Dieter Overath und Ma- thias Mogge von der Welthungerhilfe kürzlichmit. InDeutschlandgebe es mitt- lerweile 36 000 Verkaufsstellen. dpa UNTERNEHMEN IN DERVERANTWORTUNG Sonderseiten der Süddeutschen Zeitung Umweltschutz kommt besonders gut an Im Personalwesen sollte das Thema Diskriminierung eine Rolle spielen UNTERNEHMEN IN DER VERANTWORTUNG (CSR) Verantwortlich: Werner Schmidt Redaktion: J. Pfund, A. Remien Anzeigen: Jürgen Maukner Das richtige Werkzeug Wie das „Orange House“ in Peißenberg Kindern und Jugendlichen hilft Fair gehandelte Produkte sehr gefragt Süddeutsche Zeitung Nr. 242 | Donnerstag, 20. Oktober 2011 | Seite 29 In der Werkstatt bauen Kinder oder ganze Schul- klassen zum Bei- spiel Vogelhäus- chen oder basteln kleine Kunstwer- ke. Zehn Pädago- gen und Therapeu- ten der Tabaluga Stiftung sind in der Einrichtung beschäftigt. Foto: Hoffmann Group Wenn wir bei BayWa morgen etwas erreichen wollen, machen wir es uns einfach – wir fangen heute schon damit an. Erneuerbare Energien sind unsere Zukunft. Deshalb investiert BayWa in innovative Technologien von morgen. Über 17.000 Mitarbeiter widmen sich in den Bereichen Agrar, Bau und Energie mit Leidenschaft der Sicherung unserer Grundbedürfnisse. Heute, morgen, übermorgen – und das seit 1923. www.baywa.de Den Wind so nutzen, dass uns morgen nicht die Puste ausgeht. Wir fangen schon mal an. Leitzinsen Basiszins gemäß Bürgerlichem Gesetzbuch seit 01.07.11 0,37% Leitzins EZB seit 07.07.11 1,50% Leitzins FED seit 16.12.08 0-0,25% Indizes/Renditen 19.10. 18.10. Bund-Future 135,05 135,15 Rex Perf. Dt.Renten-Idx 414,47 416,09 Umlaufrendite 1,88 1,80 10j. Bundesanleihe 2,01 2,09 10j. Staatsanleihe USA 2,19 2,12 10j. Staatsanleihe Großbrit. 2,49 2,49 10j. Staatsanleihe Japan 1,02 1,03 Euribor Dollar-Libor in % 19.10. 18.10. 19.10. 18.10. 3 Monate 1,582 1,579 – 0,409 6 Monate 1,783 1,780 – 0,598 Eurogeldmarkt 1 ) 19.10. Tagesgeld 1 Monat 6 Monate 1 Jahr Euro 0,80–1,30 1,21–1,46 1,62–1,87 1,96–2,21 US-$ 0,20–0,70 0,68–0,93 1,32–1,57 1,72–1,97 brit-£ 0,60–1,10 1,05–1,30 1,62–1,87 2,05–2,30 sfr –0,50 0,10–0,35 0,45–0,70 0,70–0,95 Yen 0,05–0,55 0,20–0,45 0,60–0,85 0,95–1,20 Bundesemissionen Bundesschatzbriefe Typ A 1,23% Endrendite Typ B 1,39% Endrendite Finanzierungsschätze 1 Jahr 0,20% Rendite 2 Jahre 0,35% Rendite Bundespapiere (sortiert nach Restlaufzeit) Kupon Anleihe 19.10. 18.10. Rend. 1,25 BS v. 09/11 III 100,14 100,17 0,26 1 BS v. 10/12 100,56 100,60 0,50 5 BA v. 02/12 I 100,99 101,01 – 1 BS v. 10/12 100,28 100,29 0,29 4 BO S.150 v. 07/12 101,73 101,79 0,29 0,5 BS v. 10/12 100,11 100,11 0,32 5 BA v. 02/12 II 103,19 103,23 0,41 0,75 BS v. 10/12 100,25 100,28 0,47 4,25 BO S.151 v. 07/12 103,61 103,67 0,53 4,5 BA v. 03/13 104,78 104,86 0,47 1,5 BS v. 11/13 101,32 101,38 0,54 3,5 BO S.152 v. 08/13 104,31 104,38 0,54 2,25 BO v. 07/13 Inflat. 104,23 104,34 – 1,75 BS v. 11/13 101,92 102,01 0,57 3,75 BA v. 03/13 105,37 105,45 0,56 4 BO S.153 v. 08/13 106,61 106,70 0,62 4,25 BA v. 03/14 107,93 108,05 0,60 2,25 BO S.154 v. 09/14 103,95 104,07 0,63 4,25 BA v. 04/14 109,42 109,51 0,71 2,5 BO S.155 v. 09/14 105,12 105,20 0,75 3,75 BA v. 04/15 109,11 109,25 0,85 2,5 BO S.156 v. 10/15 105,41 105,54 0,85 2,25 BO S.157 v. 10/15 104,70 104,69 0,86 3,25 BA v. 05/15 108,24 108,44 0,97 1,75 BO S.158 v. 10/15 102,75 103,00 1,04 3,5 BA v. 05/16 109,79 110,01 1,10 2 BO v. 11/16 103,77 103,98 1,10 2,75 BO v. 11/16 106,95 107,16 1,14 1,5 BA v. 06/16 Infl. 107,85 108,43 – 6 BA v. 86/16 II 121,09 121,61 1,30 4 BA v. 06/16 112,57 112,92 1,23 5,63 BA v. 86/16 120,45 120,80 1,30 1,25 BO v. 11/16 99,80 100,09 1,29 3,75 BA v. 06/17 112,11 112,39 1,32 4,25 BA v. 07/17 II 115,28 115,74 1,43 4 BA v. 07/18 114,76 115,02 1,49 0,75 BO v. 11/18 Inflat. 105,37 105,30 – 4,25 BA v. 08/18 116,60 117,19 1,61 3,75 BA v. 08/19 113,92 114,36 1,68 3,5 BA v. 09/19 112,41 112,87 1,76 3,25 BA v. 09/20 110,41 110,89 1,86 1,75 BA v. 09/20 Infl. 112,93 113,22 – 3 BA v. 10/20 108,85 109,16 1,89 2,25 BA v. 10/20 102,04 102,87 2,00 2,5 BA v.10/21 103,89 104,78 2,03 3,25 BA v.11/21 110,08 111,07 2,09 6,25 BA v. 94/24 140,27 141,49 2,40 6,5 BA v. 97/27 147,95 149,60 2,71 5,63 BA v. 98/28 138,12 138,79 2,69 4,75 BA v. 98/28 II 125,99 127,00 2,78 6,25 BA v. 00/30 148,75 150,00 2,79 5,5 BA v. 00/31 138,23 139,84 2,88 4,75 BA v. 03/34 130,87 132,22 2,88 4 BA v. 05/37 119,53 120,90 2,89 4,25 BA v. 07/39 I 125,77 127,00 2,88 4,75 BA v. 08/40 136,47 137,79 2,87 3,25 BA v. 10/42 108,02 109,43 2,85 Tagesanleihe des Bundes 100,61 Tageszins 0,78% Ausl. Staatsanleihen Kupon Anleihe 19.10. Rend. Bonit. 0 Argent.GDP-Lnkr 05/35 13,48 17,16 B v.2,26 Argentinien 05/38 29,70 9,63 B 3,5 Belgien 09/15 100,04 3,47 AA+ 7,5 Bulgarien 02/13 105,00 3,22 BBB 4,25 China 04/14 105,10 2,46 A+ 4,25 Finnland 07/12 103,21 0,67 AAA 3 Frankreich 09/14 103,68 1,58 AAA 4,3 Griechenland 09/12 54,00 – CC 6,1 Griechenland 10/15 35,88 – CC 5,9 Irland 09/19 86,00 8,37 BB+ 4,6 Irland 99/16 89,11 7,52 BB+ 3,75 Island 06/11 99,04 12,26 BB+ 10,5 Jamaika 04/14 102,75 9,35 B- 4,25 Lettland 04/14 101,28 3,67 BBB- 3,75 Niederlande 04/14 107,12 1,08 AAA 3,4 Österreich 09/14 105,08 1,65 AAA 6,5 Österreich 94/24 130,00 3,44 AAA 4,2 Polen 05/20 96,30 4,73 A- 3,85 Portugal 05/21 57,25 11,46 BBB- 6,4 Portugal 11/16 73,10 15,32 BBB- 3,13 Schweden 09/14 104,89 1,16 AAA 4,9 Spanien 07/40 82,08 6,27 AA- 5,5 Spanien 11/21 100,44 5,43 AA- 5,25 Südafrika 03/13 103,65 2,80 BBB+ 6,5 Türkei 04/14 105,16 4,07 BB+ 7 Venezuela 05/15 85,75 12,31 B+ Unternehmensanleihen Kupon Anleihe 19.10. Rend. Bonit. 5,38 Allianz Fin.perp. 06/– 94,00 – A 4 BASF 05/12 101,16 1,39 A+ 3,25 Bay.Lbk.Pfb 05/15 104,30 2,00 AAA 4,63 Bayer Capital 09/14 107,00 2,13 A- 7,88 Bertelsm. 09/14 110,70 2,83 BBB+ 4,13 BMW Fin. 06/12 100,60 1,61 A 5 Commerzbank 09/15 104,02 3,16 A+ 5,13 Cred.Suisse 09/12 101,30 2,00 AA- 9 Daimler 08/12 101,65 1,68 A- 7,88 Daimler 09/14 112,10 2,23 A- 3 Daimler 10/13 102,33 1,62 A- 7,75 Daimler Int. 09/12 102,42 1,82 A- 5 Dt. Börse 08/13 104,01 2,22 AA v.7,5 Dt. Börse 08/38 101,50 7,36 A+ 4,88 Dt. Post Fin.03/14 106,00 2,12 BBB+ 3,75 Dt. Postbank 09/14 104,61 1,68 AAA 4 Dt.Telek.Int.Fin.05/15 103,85 2,73 BBB+ 7,25 Dürr 10/15 107,10 5,20 5,5 Eon 07/17 112,19 3,21 A- 4,88 Eon 09/14 106,00 2,12 A- 4,13 Eon Intern. 09/13 102,90 2,01 A- 7,25 France Telecom 10/13 106,54 1,92 A- 4,75 Goldman Sachs 06/21 80,86 7,55 A 7,5 Heid.Cem. 10/20 95,50 8,42 BB 4,25 Henkel 03/13 104,05 1,70 A 5 K+S 09/14 106,81 2,55 BBB+ 3,38 KfW 08/12 100,53 0,98 AAA 6,75 Linde 08/15 116,88 2,43 A- 4,63 Lufthansa 06/13 102,87 2,67 BB+ 6,5 Lufthansa 09/16 108,00 4,56 BB+ 4,5 Maxingvest 04/14 103,05 3,40 4,88 Merck Fin.Serv. 09/13 105,05 2,12 BBB 3,87 Porsche 06/16 103,04 3,09 4,375 Shell 09/19 108,98 2,85 AA 4,5 Shell Intern. 09/16 107,90 2,41 AA 4,13 Siemens Fin. 09/13 103,53 1,41 A+ 5,13 Siemens Fin. 09/17 113,66 2,36 A+ 4,12 Sixt 10/16 99,25 4,12 5,75 Südzucker Int. 02/12 101,40 1,57 8 ThyssenKrupp 09/14 109,29 4,20 BBB- 6,63 Toyota Mot.Cr. 09/16 100,65 2,86 Genussscheine 19.10. 18.10. Bertelsmann 01 ff. 15% 200,50 201,00 Bertelsmann 92 ff. 7,23% 116,00 117,00 Magnum 03/50 12% 71,50 66,50 Pongs&Zahn 06/50 8,5% 0,45 0,45 Salvator Grund. 04/50 9,5% 24,50 24,50 Sixt 04/11 9,05% 107,75 107,75 WGZ Tr.B 86/11 8,25% 104,00 104,00 Münzen und Barren 19.10. 18.10. London Gold (11:30) $/Uz. 1651,00 1658,00 London Gold (16:00) $/Uz. 1652,50 1631,00 London Silber (14:00) US-cts/Uz 3197,00 3100,00 Kupfer (DEL) 535,90–538,36 539,10–541,59 Münzen 2 ) ( 17:39 ) Ankauf Verkauf Ankauf Verkauf 1 Uz Am.Eagle 1186,00 1278,50 1193,50 1286,00 1 Uz Platin Noble 1060,00 1270,00 1064,00 1274,50 1 Uz Maple Leaf 1186,00 1254,00 1193,50 1262,00 1/2 Uz Am. Eagle 587,00 672,50 591,00 676,50 1/2 Uz Philharm. 587,00 663,50 591,00 667,50 1/4 Maple Leaf 300,00 339,50 301,50 341,50 1/4 Uz Philharm. 300,00 338,00 301,50 340,00 1/10 Uz Am.Eagle 120,00 144,50 120,50 145,00 1 Uz Krüger Rand 1186,00 1260,00 1193,50 1268,00 1 Uz Britannia 1186,00 1272,00 1193,50 1280,00 1 UZ W. Philh. Silber 22,95 25,10 23,35 25,45 1 Uz Platin Koala 1060,00 1270,00 1064,00 1274,50 1/10 Uz Platin Koala 110,50 147,50 111,00 148,00 2 Rand Südafrika 268,00 301,00 270,00 303,00 100 österr. Kronen 1116,00 1241,00 1122,50 1248,50 4 österr. Dukaten 504,00 563,00 507,00 566,50 1/2 Uz Känguruh 587,00 663,50 591,00 667,50 1/10 Uz Känguruh 120,00 139,00 120,50 139,50 10 Rubel (Tscherwonetz) 289,50 323,00 291,00 324,50 20 sfr (Vreneli) 217,50 245,50 218,50 247,00 20 Goldmark (Wilh.II) 265,00 290,00 266,50 292,00 Barren 2 ) Ankauf Verkauf Ankauf Verkauf Gold, 1 kg 38030,00 38974,00 38262,00 39209,00 Gold, 100 g 3810,00 3927,00 3834,00 3950,00 Gold, 10 g 384,00 410,00 386,00 412,00 Silber, 1 kg 682,00 783,00 694,00 795,00 Platin, 1 kg 33429,00 37250,00 33557,00 37383,00 Platin, 100 g 3363,00 3845,00 3376,00 3859,00 Für Industrieabnehmer 3 ) Feingold Feingold, 1 kg 37450,00 40570,00 37960,00 41130,00 verarbeitet, 1 kg – 42510,00 – 43080,00 Feinsilber Feinsilber, 1 kg 718,00 796,90 707,00 784,90 verarbeitet, 1 kg – 834,20 – 821,50 Platin / Palladium Platin (per Gramm) 33,92 37,01 34,02 37,11 Palladium (per Gramm) 13,62 15,02 13,41 14,80 Rohstoffe Energie 19.10. 18.10. Rohöl (Ldn.) Dez 110,47111,15 Brent Jan 109,48109,90 ICE $/Brl Feb 108,71108,99 Rohöl (NY) Nov 88,44 88,34 WTI Dez 88,62 88,53 Nymex $/Brl Jan 88,82 88,68 19.10. 18.10. Benzin (RBO) Nov 2,72 2,75 Nymex $/gal Dez 2,70 2,72 Heizöl (NY) Nov 3,03 3,03 Nymex $/gal Dez 3,03 3,03 Gasöl (Ldn) Nov 947,0 936,5 ICE $/t Dez 937,5 927,0 Edelmetalle Gold (NY) Okt 1655 1652 Comex $/oz Nov 1657 1652 Dez 1657 1653 Silber (NY) Nov 3198 3181 Comex cts/oz Dez 3180 3183 Jan 3215 3185 Platin (NY) Jan 1536 1541 Nymex $/oz Apr 1538 1545 Jul 1547 1548 Palladi. (NY) Dez 623,9 619,9 Nymex $/oz Mär 621,2 621,3 Okt 619,4 619,4 Basismetalle Kupfer (Ldn) Kse 7306 7271 LME $/t 3-Mt. 7328 7295 Nickel (Ldn) Kse 18935 18580 LME $/t 3-Mt. 18980 18650 Zink (Ldn) Kse 1832 1832 LME $/t 3-Mt. 1851 1854 Blei (Ldn) Kse 1890 1906 LME $/t 3-Mt. 1915 1935 Zinn (Ldn) Kse 21650 20605 LME $/t 3-Mt. 21800 20675 Alumini. (Ldn)Kse 2172 2158 LME $/t 3-Mt. 2196 2184 Agrarprodukte Weizen (Pa) Nov 186,5 185,8 Matif Euro/t Jan 183,3 183,3 Sojaboh. (Ch) Nov 1251 1251 CME cts/bu Jan 1255 1256 Mais (Chi.) Dez 646,0 644,0 CME cts/bu Mär 654,8 652,8 Kaffee (NY) Dez 237,3 231,5 ICE cts/lb. Mär 239,8 234,7 Kakao (NY) Dez 2618 2610 ICE $/t Mär 2660 2571 Zucker (NY) Mär 28,09 27,85 ICE cts/lb. Mai 26,99 26,81 Rentenmarkt ERLÄUTERUNGEN: Anleihen: Kurse in Prozent; BA=Bundesanleihe; BO=Bundesobligationen; BS=Bundesschatzanweisung; PfB=Pfandbrief; Laufzeit (Emissionsjahre/Fälligkeit) hinter dem Namen; alle Bundespapiere besitzen Bonität AAA; Bonitäts- einstufungen soweit verfügbar von S&P: AAA=exzellent, AA=sehr gut bis gut, A=gut bis befriedigend, BBB=befriedigend bis ausreichend, BB=mangelhaft, B=mangelhaft, CCC bis C=ungenügend, Insolvenz absehbar, D=zahlungsunfähig; Euribor=Zinssatz f. Termingelder in Euro unter Banken; Dollar-Libor=Zinssatz f. Termingelder auf Dollarbasis; 1) Unicredit Lux., Münzen und Bar- ren; 2) pro aurum, Schalterpreise München, Angaben in Euro 3) W.C.Heraeus, Basis Londoner Fixing; Rohstoffe: CME=Chicago Mercantile Exchange, Comex=Commodity Exch., ICE=Intercontinental Exch., LME=London Metal Exch., Matif=Marché à terme In- ternat. de France, Nymex=New York Mercantile Echange Kursgrafik: smallCharts, Quelle: GOYAX.de, AID Hannover, Morningstar Euro-Anleger haben amMittwoch auf eine billionenschwere He- belung des Rettungsschirms EFSF gesetzt - obwohl die Bundesregie- rung und EU-Insider eine Eini- gung über eine Aufstockung des Fonds dementierten. Der Euro kletterte in der Spitze im Ver- gleich zum Vortagesschluss um mehr als einen US-Cent auf 1,3869 Dollar. „Die Investoren ge- hen davon aus, dass die Politiker bald irgendwas präsentieren müs- sen und da greifen sie nach jedem Strohhalm“, sagte ein Händler. Mit Hilfe eines Hebels könnte der EFSF-Fonds mit einem Einsatz von beispielsweise 100 Milliarden Euro eine Finanzierung von 300 bis 500 Milliarden sicherstellen. Angesichts der Hoffnungen auf eine Bewältigung der Schuldenkri- se rückte die Herunterstufung Spa- niens in den Hintergrund. Die Ra- tingagentur Moody’s hatte die Kre- ditwürdigkeit der viertgrößten eu- ropäischen Volkswirtschaft am Dienstagabend gleich um zwei Stufen auf A1 gesenkt. Am Anleihenmarkt hielten sich die Auswirkungen in Grenzen: Die Rendite der zehnjährigen spa- nischen Anleihen lag mit 5,411 Prozent nur leicht höher als am Dienstag mit 5,366 Prozent. SZ/Reuters/dpa Hoffnung auf EFSF-Hebel treibt Euro Gold 1400 1600 1800 18.7.11 19.10.11 Öl 70 85 100 18.7.11 19.10.11 Seite 30 / Süddeutsche Zeitung Nr. 242 HF2 Donnerstag, 20. Oktober 2011 GELD US-Anleihe 10J. 1,4 2,2 3,0 18.7.11 19.10.11 Bundesanleihe 10J. 1,4 2,2 18.7.11 19.10.11 In Deutschland zugelassene Qualitätsfonds – tägliche Veröffentlichung mitgeteilt von vwd group Name Währung Ausg. Rücknahme Akt.G ATE ZWG 19.10. 19.10. 18.10. in % Name Währung Ausg. Rücknahme Akt.G ATE ZWG 19.10. 19.10. 18.10. in % Name Währung Ausg. Rücknahme Akt.G ATE ZWG 19.10. 19.10. 18.10. in % Name Währung Ausg. Rücknahme Akt.G ATE ZWG 19.10. 19.10. 18.10. in % Name Währung Ausg. Rücknahme Akt.G ATE ZWG 19.10. 19.10. 18.10. in % Name Währung Ausg. Rücknahme Akt.G ATE ZWG 19.10. 19.10. 18.10. in % Name Währung Ausg. Rücknahme Akt.G ATE ZWG 19.10. 19.10. 18.10. in % Aberdeen Immobilien KAG DEGI EUROPA € 36,74 34,99 34,98 -19,64 - 0,18 DEGI Internat. € 44,91 42,77 42,77 -4,88 - 0,14 Advance Bank AG Europa Ertrag A € 43,48 43,48 43,48 -2,39 0,00 0,00 Trendscout Global A € 53,21 53,21 53,21 14,02 0,45 0,00 Adviser I Funds, SICAV Alb&Cie Optiselect € 150,99 143,80 142,96 17,27 - 0,00 Alceda Fund Management IVP-Global Wachstum € 8,30 7,90 7,90 -4,76 - 0,00 IVP-Globale Werte € 13,78 13,12 13,13 37,01 - 0,00 NV Strat-Kons. P € 54,11 52,53 52,58 3,22 - 0,24 NV Strat-Kons. POA € 46,51 46,51 46,55 -3,57 - 0,17 NV Strat-Kons. POT € 47,30 47,30 47,34 -4,87 - 0,04 Ourworld-Mezzo* € 87,20 83,05 82,93 -17,08 - 0,00 Ourworld-Piano* € 74,26 70,72 70,52 -13,51 - 0,00 Allianz Global Investors KAG mbH Adifonds* € 64,43 61,36 63,10 -36,85 - 0,00 Adirenta P* € 13,07 12,69 12,62 0,00 - 0,00 Adireth* € 82,73 80,32 79,93 0,14 - 0,73 Adiverba* € 73,85 70,33 72,23 -122,59 - 0,00 Akt Europ AE* € 52,95 50,43 51,46 -60,36 - 0,01 Concentra AE* € 56,88 54,17 55,69 12,20 - 0,00 Europazins AE* € 46,88 45,51 45,16 0,00 - 0,83 Fl Rentenfd AE* € 72,90 70,43 70,41 -0,39 - 1,78 Flex Eur Ba AE* € 51,85 49,86 50,39 -8,48 - 0,38 Flex Eur Dy AE* € 49,59 47,23 48,11 -26,23 - 0,02 Flexi Immo A* € 104,93 100,89 100,89 -0,73 - 2,96 Fondak A* € 92,84 88,42 91,16 10,67 - 0,00 Fondirent* € 43,23 41,97 41,23 0,00 - 0,34 Geldmarkt AE* € 50,04 50,04 50,03 0,00 - 1,24 Geldmkt SP AE* € 50,70 50,70 50,68 0,00 - 1,16 Global Eq.Dividend* € 73,37 69,88 70,81 -76,46 - 0,01 Horizont Def € 110,35 106,11 106,95 14,78 0,00 1,21 Industria AE* € 68,09 64,85 65,99 -42,85 - 0,00 Interglobal AE* € 137,20 130,67 132,31 -66,98 - 0,00 Kapital + AE* € 47,31 45,93 45,88 4,19 - 0,82 Mobil-Fonds AE* € 54,85 53,77 53,63 0,00 - 1,68 Nebenw DE AE* € 129,21 123,06 126,15 60,39 - 0,00 RCM Reale Werte A* € 53,44 51,38 51,12 -2,14 - 1,06 Rentenfonds AE* € 73,80 72,00 71,73 0,00 - 1,84 Rohstofffonds AE* € 104,46 99,49 104,31 56,00 - 0,00 Thesaurus ATE* € 460,96 439,01 452,14 26,54 - 0,00 Vermögenb DE AE* € 95,52 90,97 93,92 14,08 - 0,00 Wachst Eurld AE* € 56,53 53,84 54,97 -28,03 - 0,00 Wachst Europ AE* € 60,19 57,32 58,20 3,42 - 0,00 Allianz Global Investors Luxembourg S.A A.Deut.Wait or Go € 65,79 62,66 61,45 30,88 0,00 0,00 Abs Ret ATE € - 106,87 106,87 3,54 4,90 1,26 AGIF B St E IE € 7,43 7,43 7,31 30,93 0,00 0,00 AGIF Eu EqD ATE € 163,43 155,65 154,73 20,84 19,51 0,00 AGIF EuBd AE € 9,83 9,54 9,56 0,00 0,00 0,03 AGIF Gl AgTr AE € 112,97 107,59 106,73 1,78 0,00 0,00 AGIF GlEcoT AE € 70,13 66,79 66,35 47,13 0,00 0,00 All Comm Stra A € 99,98 95,22 95,29 0,72 0,00 0,00 Bond Pf € - 1115,75 1115,49 0,00 536 17,33 Eur Bd TR AE € 56,30 54,66 54,75 0,00 0,00 0,77 Europe 25 ATE € 100,67 95,88 95,53 5,27 6,21 0,80 Fondak Euro.A(EUR) € 39,48 37,60 37,18 30,66 0,00 0,00 Mlt.AsiaAct.A(EUR) € 42,74 40,70 41,50 22,30 0,25 0,00 Oriental Income AT € 110,16 104,91 105,18 3,26 2,27 0,00 RCM BRIC Stars A € 124,86 118,91 118,20 23,69 0,00 0,00 RCM EM.MrktsA(EUR) € 305,82 291,26 286,57 46,09 11,31 0,00 RCM Enh ST Euro AT € 106,39 106,39 106,39 0,00 5,00 0,16 Sm.Cap Europa AE € 94,62 90,11 89,36 54,18 0,00 0,00 Allianz Global Investors Ireland Ltd. Emg Mrkt Bd AE € 63,36 61,51 61,66 0,00 0,00 2,30 Gl Emg Mrkt AE € 33,36 31,77 31,68 60,60 0,00 0,00 US Eq AE € 42,71 40,68 40,00 30,77 0,00 0,00 Alte Leipziger Trust €uro Short Term* € 49,14 48,65 48,63 0,00 0,00 1,21 Aktien Deutschland* € 70,00 66,67 68,52 -23,81 -52,53 0,00 AL Trust €uro Relax* € 50,49 49,02 49,04 -0,65 - 0,00 Trust €uro Cash* € 48,62 48,62 48,62 0,00 0,00 1,14 Trust €uro Renten* € 44,85 43,54 43,31 0,00 0,00 1,36 Trust Aktien Europa* € 36,52 34,78 35,87 -89,24 -45,96 0,00 Trust Global Invest* € 48,05 45,76 45,34 -84,54 -52,48 0,00 AmpegaGerling Investment Gerling AS € 32,03 30,65 30,70 -59,56 - 0,02 Gerling Flex € 33,49 31,97 31,85 -38,90 - 0,32 Gerling Global € 18,00 17,35 17,32 0,00 - 0,37 Gerling Pf.Tot.Ret € 96,74 93,02 92,91 -10,65 - 2,25 Gerling Rendite € 19,75 19,17 19,14 0,00 - 0,55 Gerling Reserve € 51,04 50,79 50,80 0,00 - 1,25 Gerling Vario P(a) € 23,71 22,80 22,81 -16,18 - 0,32 Gerling Zukunft € 6,54 6,26 6,18 -211,43 - 0,00 GerlingEuroStar 50 € 29,30 29,30 29,37 -4,01 - 0,00 GerlPf MuETFStr Pa € 18,64 18,10 18,15 -87,19 - 0,10 GerlPf Real Estate € 107,71 102,58 102,62 -2,49 - 0,57 JF Renten W. € 104,36 102,31 102,03 0,00 - 3,70 KAPITAL PROZINS € 23,45 22,44 22,37 0,00 - 1,47 MPC Europa Meth. € 132,32 126,02 126,18 -21,75 - 0,00 PF Glob ETF Aktien € 14,91 14,48 14,50 -48,20 - 0,00 terrAssi.Akt.I AMI € 12,71 12,16 12,04 -94,59 - 0,00 terrAssisi Renten I AMI € 102,14 101,63 101,63 0,00 - 2,03 TOP TREND AMI € 111,22 105,92 106,20 -18,02 - 0,68 Zan.Eu.Cor.B.AMI P* € 103,47 101,44 101,23 0,00 - 2,42 Zantke Eu.HY AMI Pa* € 105,89 103,81 103,86 0,00 - 4,53 Axxion S.A. M-AXX InCap Taurus € 62,07 59,11 58,76 26,96 - 0,00 Mwert Sup.Abs.Ret. € 3,99 3,79 3,79 27,64 - 0,00 Berenberg Funds-of-Funds Balance Select € 61,03 57,85 57,98 7,18 - 0,00 Globalway Fonds € 46,62 44,19 44,50 20,71 - 0,00 www. .lu Berenberg Global Opportunity Glb. Opp.Conc.Pf. € 59,60 56,49 56,61 15,79 - 1,15 BNY Mellon Service KAG www.bnymellonkag.com Balanced* € 53,93 51,36 51,57 8,13 - 0,58 BHW Laz.Short T.Pl* € 48,23 47,28 47,28 0,00 - 2,50 Europa* € 30,73 29,27 30,21 -89,10 - 0,00 Eurorent* € 55,00 53,40 53,23 0,00 - 1,36 Megatrend* € 36,36 34,63 35,60 9,97 - 0,00 Triselect* € 44,97 42,83 43,22 -13,66 - 0,21 Commerz Grundbesitz-Invest hausInvest € 43,68 41,60 41,59 2,21 - 0,12 www.cratoncapital.com Precious Metal* $ - 296,34 292,94 -25,57 - 0,00 Credit Suisse CS Euroreal A CHF* CHF 95,61 91,06 91,08 1,99 - 0,30 CSAM Immobilien KAG mbH CS EUROREAL* € 62,50 59,52 59,52 2,44 - 0,24 Deka BW Portfolio 20 € 40,29 39,50 39,65 -8,02 - 0,67 BW Portfolio 40 € 38,01 37,26 37,51 -18,62 - 0,70 BW Portfolio 75 € 32,86 32,22 32,64 -27,64 - 0,21 BW Zielfonds 2020 € 31,83 31,21 31,47 -29,23 - 0,43 BW Zielfonds 2025 € 29,19 28,62 29,01 -40,23 - 0,20 BW Zielfonds 2030 € 28,95 28,38 28,80 -39,26 - 0,14 DekaFonds € 61,93 58,84 57,41 5,37 - 0,00 DekaFonds TF € 149,26 149,26 145,64 30,08 - 0,00 Deka-MegaTrends CF € 35,41 34,13 33,74 -23,55 - 0,00 Deka-MegaTrends TF € 31,57 31,57 31,21 -33,27 - 0,00 DekaRent-intern.TF € 111,69 111,69 112,32 0,00 - 1,50 DekaRent-Internat. € 18,17 17,64 17,74 0,00 - 0,27 Eur. Disc.Strat.CF € 37,43 36,08 35,52 -26,89 - 0,00 Eur. Disc.Strat.TF € 34,38 34,38 33,84 -27,44 - 0,00 EuropaBond CF € 105,26 102,19 102,50 -0,01 - 1,31 EuropaBond TF € 37,49 37,49 37,60 0,01 - 0,42 GlobalChampions CF € 88,48 85,28 84,49 -18,68 - 0,00 GlobalChampions TF € 82,33 82,33 81,57 -20,37 - 0,00 LBBW Bal. Konzept € 41,00 40,20 40,51 0,94 - 0,00 LBBW Exportstrat. € 42,92 41,20 40,26 -27,81 - 0,00 LBBW-Rentenf.Euro € 41,67 40,46 40,53 0,00 - 0,97 MF Weltkonz. kons. € 99,83 99,83 99,81 -0,72 - 0,57 MF Wertkonz. ausg. € 98,89 98,89 98,82 -1,26 - 0,65 RenditDeka € 20,89 20,28 20,36 0,00 - 0,32 RenditDeka TF € 26,28 26,28 26,38 0,00 - 0,36 S-BayRent-Deka € 49,43 47,70 47,85 0,00 - 1,47 UmweltInvest CF € 64,51 62,18 61,53 -60,97 - 0,00 UmweltInvest TF € 60,09 60,09 59,46 -65,94 - 0,00 Deka Immobilien Investment Deka Immob Europa € 49,70 47,22 47,21 3,67 - 0,23 Deka Immob Global € 60,75 57,71 57,71 11,26 - 0,60 Deka International (Lux.) Corp.Bd. Euro CF* € 50,61 49,14 48,83 0,00 0,00 1,50 Corp.Bd. Euro TF* € 48,75 48,75 48,44 0,00 0,00 1,31 Deka-Conv.Akt. TF* € 134,88 134,88 138,63 45,06 0,00 0,00 Deka-Conv.Aktien CF* € 150,23 144,80 148,82 44,29 0,29 0,00 Deka-Conv.Rent. TF* € 47,83 47,83 48,35 0,00 0,25 0,71 Deka-Conv.Rent.FT* € 108,23 104,32 105,39 0,00 13,75 0,04 Deka-Conv.Renten CF* € 50,13 48,32 48,85 0,00 0,28 0,92 Deka-Gl.Con.Rent. CF* € 42,20 40,67 40,91 0,00 0,00 0,78 Deka-Gl.Conv.Re.TF* € 40,43 40,43 40,67 0,00 0,00 0,62 DekaLux-BioTech CF* € 117,40 113,16 114,28 19,59 0,00 0,00 DekaLux-BioTech TF* € 110,53 110,53 111,63 20,75 0,00 0,00 DekaLux-MidCapTF A* € 37,81 37,81 38,54 45,01 0,00 0,00 GlobalResources CF* € 79,80 76,92 79,15 -15,96 0,22 0,00 GlobalResources TF* € 75,91 75,91 78,11 -51,07 0,03 0,00 Wandelanleihen CF* € 46,55 45,19 45,60 -1,96 0,00 0,00 Wandelanleihen TF* € 44,26 44,26 44,67 -2,00 0,00 0,00 Deutsche Postbank Fonds Telefon 0180 3040500 Internet www.postbank.de Best Inv.Chance € 48,72 46,85 46,66 -12,99 0,38 0,25 Best Inv.Wachst. € 50,31 48,61 48,63 -22,39 1,63 0,26 Business Basic EUR € 52,19 51,93 51,97 0,01 1,40 1,23 Euro Cash EUR € 55,96 55,96 55,95 0,05 9,34 0,00 Europaf. Aktien € 42,85 41,20 40,92 -130,12 0,00 0,00 Europaf. Plus EUR € 50,12 48,66 48,42 -17,83 1,18 1,14 Europaf. Renten € 53,40 51,84 51,80 -0,01 1,75 1,73 G&H VV Balance € 43,63 41,55 41,68 - - 0,31 G&H VV Chance € 38,33 36,50 36,64 - - 0,00 Global OptiMix EUR € 33,26 31,98 31,95 -75,05 0,46 0,47 Global Player EUR € 23,41 22,51 22,40 -331,57 0,00 0,00 H&S FM Global 100 € 91,89 87,51 87,84 - - 0,50 H&S FM Global 60 € 99,19 96,30 96,52 - - 1,59 Protekt Plus € 123,63 119,16 119,19 -4,21 14,45 1,73 VL Invest EUR € 32,80 31,54 31,14 -97,24 0,05 0,07 Deutsche Postbank Int. S.A. (Lux) Nach Auskunft des Emittenten wurde das Ertragsausgleichsverfahren für die u.g. Fonds angewendet. PB Dyn.Best Garant € - 48,96 48,93 0,00 0,00 0,00 PB Dyn.DAX® € 76,75 74,33 72,95 -0,73 20,61 0,21 PB Dyn.DAX®Gar.II € - 49,20 49,20 0,00 0,90 0,57 PB Dyn.Garant 2013 € - 49,91 49,91 0,00 0,00 0,00 PB Dyn.Innovation € 16,30 15,71 15,51 24,94 0,53 0,00 PB Dyn.KlimaGarant € - 47,68 47,66 0,00 0,00 0,00 PB Dyn.Protekt € 49,97 48,05 48,10 -0,67 0,37 0,56 PB Dyn.Vision € 41,32 39,83 39,31 -23,31 5,24 0,00 PB Dyn.Zuk.Gar. € - 52,37 52,40 0,00 0,00 0,00 PB Dyn.Zuk.Gar. II € - 52,53 52,55 0,00 0,02 0,00 PB Str. Prt.+ III € 102,56 98,62 98,74 -1,59 - 0,43 PB Strat. Prt.+ II € 113,86 109,48 109,53 1,55 3,12 1,34 PB Strat. Rt Medi € 49,76 48,31 48,30 -0,08 0,10 1,09 PB Strat. Rt Short € 51,74 51,74 51,74 0,00 0,11 0,98 PB Vermog + Chance € 42,39 40,96 40,92 -2,35 0,55 0,00 PB Vermog + Ertrag € 47,56 45,95 45,92 -0,50 0,96 0,11 PB Vermog + Wachst € 44,72 43,21 43,18 -0,42 0,89 0,00 DJE Investment S.A. DJE - Div&Sub I € 230,71 230,71 228,83 33,29 - 0,00 DJE - Div&Sub P € 226,64 215,85 214,10 35,15 - 0,00 DJE - Div&Sub XP € 136,52 136,52 135,41 14,64 - 0,04 DJE Inv.Karitativ € 1273,30 1201,23 1201,37 10,84 - 8,10 DJE Inv.Lux Select € 165,87 157,97 157,40 -6,95 - 0,00 DJE Inv.Primus € 1864,57 1759,03 1752,56 24,49 - 39,79 DJE INVEST-StiftRI € 10,53 10,27 10,29 0,00 - 0,14 DJE INVEST-Vario P € 895,95 845,24 842,19 -23,33 - 1,01 DJE-Absolut I € 210,62 210,62 209,19 22,78 - 0,00 DJE-Absolut P € 210,98 200,93 199,28 24,22 - 0,00 DJE-Absolut XP € 86,83 86,83 86,24 -18,92 - 0,00 DJE-Ag&Ernährung I € 106,33 106,33 105,45 11,96 - 0,00 DJE-Alpha Global I € 171,03 171,03 170,05 24,51 - 0,02 DJE-Alpha Global P € 168,51 162,03 161,10 25,82 - 0,00 DJE-Asien Hi D XP € 132,27 132,27 130,94 23,07 - 0,00 DJE-Asien High D I € 130,70 130,70 129,38 23,45 - 0,00 DJE-Asien High D P € 133,67 127,30 126,08 23,81 - 0,00 DJE-Div&Sub.IH-CHF CHF 101,73 101,73 100,88 -1,84 - 0,00 DJE-Gold&Ressour I € 204,28 204,28 203,60 37,10 - 0,00 DJE-Gold&Ressour P € 207,12 197,26 196,60 36,75 - 0,00 DJE-InterCash I € 124,80 124,80 124,83 0,00 - 0,41 DJE-InterCash P € 125,04 123,80 123,83 0,00 - 0,35 DJE-Real Estate I € 838,01 829,71 829,11 5,46 - 1,62 DJE-Real Estate P € 8,37 7,97 7,96 2,22 - 0,00 DJE-Renten Glob I € 139,29 139,29 139,12 0,18 - 2,01 DJE-Renten Glob P € 138,40 135,69 135,53 0,13 - 1,84 DJE-Renten Glob XP € 118,02 118,02 117,88 -0,58 - 2,38 DJE-Zins&Divid I € 94,33 94,33 93,76 -4,08 - 0,45 DJE-Zins&Divid P € 98,20 94,42 93,84 -4,23 - 0,47 DJE-Zins&Divid XP € 94,93 94,93 94,35 -4,01 - 0,59 Gamma Concept € 165,15 158,80 158,11 33,70 - 10,67 GoldPort Stab.Fd.I CHF 121,04 119,84 120,79 2,48 - 1,57 GoldPort Stab.Fd.P CHF 122,57 116,73 117,66 1,92 - 0,00 LuxPro-Euro Rent I € 1016,50 991,71 992,36 0,00 - 7,98 LuxPro-Euro Renten P € 103,30 100,78 100,84 0,00 - 0,70 LuxTopic-Akt.Eu A € 17,42 16,59 16,58 -17,89 - 0,00 LuxTopic-Akt.Eu B € 909,28 909,28 909,06 -25,06 - 0,00 LuxTopic-Bk.Schill € 15,72 14,97 14,95 13,73 - 0,10 LuxTopic-Cosmopoli € 137,67 131,11 130,46 15,09 - 2,23 LuxTopic-Flex € 158,00 150,48 150,38 -2,65 - 0,00 LuxTopic-Pacific P € 17,44 16,61 16,54 21,33 - 0,13 LuxTop-VPEPentagon € 3,49 3,32 3,33 -14,99 - 0,00 D W S Investmentfonds Telefon 01803 10111011 Telefax 01803 10111050 DWS Investment GmbH DWS Akkumula € 510,13 485,84 479,85 -16,19 - 0,00 DWS Akt.Strat.D € 151,65 144,43 142,62 20,27 - 0,00 DWS Bonus Aktiv € 42,65 41,01 40,57 6,66 - 0,00 DWS Convertibles € 117,36 113,94 114,17 -0,33 - 0,97 DWS Cov Bond F € 48,78 47,58 47,67 0,00 - 1,21 DWS EUR Strat(R) € 41,70 40,68 40,74 -0,02 - 0,95 DWS Eurol Strat R € 35,89 35,01 35,07 -0,01 - 0,58 DWS Europ. Opp € 141,29 134,55 132,37 -18,32 - 0,03 DWS Eurovesta € 80,14 76,32 75,27 -48,88 - 0,02 DWS Flexizins + € 67,65 67,65 67,66 0,00 - 0,56 DWS ImoFl VeM(GS) € 103,69 98,75 98,66 - - 0,72 DWS Inter Genuß € 33,84 32,85 32,82 5,73 - 1,69 DWS Inter-Renta € 14,38 13,96 14,06 0,03 - 0,28 DWS Investa € 86,60 82,48 80,96 -18,65 - 0,34 DWS Klimawandel € 28,02 26,68 26,42 -88,79 - 0,00 DWS PlusInv.(W) € 35,38 33,69 33,95 8,68 - 0,00 DWS Select-Invest € 203,11 193,43 189,40 6,28 - 0,63 DWS Top 50 Asien € 94,39 90,75 90,44 33,80 - 0,00 DWS Top 50 Europa € 83,86 80,63 79,81 -12,73 - 0,02 DWS Top 50 Welt € 52,90 50,86 50,41 -44,65 - 0,01 DWS Top Dividende € 82,69 78,75 78,15 36,28 - 0,02 DWS Vermbf.I € 80,34 76,51 75,58 -42,50 - 0,05 DWS Vermbf.R € 17,02 16,52 16,58 0,00 - 0,33 DWS Vors.AS(Dyn.) € 78,42 75,40 75,16 -29,15 - 0,30 DWS Vors.AS(Flex) € 75,47 72,56 72,41 -18,28 - 0,09 DWS Zukunftsress. € 44,10 41,99 41,74 -21,56 - 0,01 DWS Investment S.A. DWS Eurorenta € 50,56 49,09 49,17 -0,01 - 1,04 DWS Fl Rt Nts € 82,29 81,47 81,47 0,07 - 0,95 DWS Global Value € 131,60 125,33 124,06 26,61 - 0,02 DWS Gold plus € 1991,51 1933,50 1958,46 0,00 - 0,00 DWS Rend.Opt. € 73,55 73,55 73,55 0,02 - 0,31 DWS Rend.Opt.4 S € 103,56 103,56 103,56 0,00 - 0,57 DWS VermMan-Bal € 94,64 90,99 91,14 -14,00 - 0,81 DWS VermMan-Def € 102,49 99,50 99,60 -3,51 - 1,33 DWS VermMan-Dyn € 89,90 85,62 85,92 -16,51 - 0,54 DWS VermMan-Pro80 € 85,87 81,77 81,95 -23,73 - 0,81 DWS Invest SICAV DWS Inv. ISPL LC* € 118,39 114,84 114,71 -0,49 0,00 3,40 DWS Inv.AlpS FC* € 119,41 119,41 119,20 4,30 0,00 0,00 DWS Inv.AlpS LC* € 119,13 115,56 115,36 3,16 0,00 0,00 DWS Inv.BRIC+ LC* € 175,12 166,37 170,29 43,10 0,00 0,00 DWS Inv.Conv.FC* € 129,66 129,66 130,47 4,47 0,00 1,53 DWS Inv.Conv.LC* € 127,34 123,52 124,30 4,74 0,00 0,00 DWS Inv.DFIS FC* € 108,27 108,27 108,31 0,00 - 3,55 DWS Inv.EURB S LC* € 133,27 129,28 129,46 0,00 0,00 2,38 DWS Inv.GlAgr LC* € 109,90 104,41 105,94 8,22 - 0,00 DWS Inv.TD EUR LC* € 107,05 101,70 102,55 24,01 0,00 0,00 DWS Zinseinkommen € 103,07 100,07 100,12 0,00 - 0,11 Flossbach & Storch Telefon +49 221 33 88 290 Internet www.fvsag.com Aktien Global P € 115,05 109,57 108,56 0,74 - 0,00 Ausgewogen R € 113,42 108,02 108,12 0,08 - 1,77 Bond Diversifik P € 110,40 105,14 105,04 0,00 - 4,32 Bond Opport. P € 111,80 106,48 106,39 0,00 - 3,56 Defensiv R € 113,42 108,02 108,20 -2,17 - 1,87 Fundament* € 121,62 115,83 116,72 6,46 - 0,00 Multiple Opp. R € 149,51 142,39 142,02 6,82 - 0,00 Stiftung € 101,78 100,77 100,90 -2,38 - 3,75 Wachstum R € 110,46 105,20 105,19 -0,81 - 1,39 Wandelanl.Global P € 115,03 109,55 109,78 0,03 - 4,57 Frankfurt Trust Basis-Fonds I* € 136,00 136,00 136,01 0,00 0,00 0,40 FMM-Fonds* € 342,14 325,85 331,20 7,27 -12,54 1,80 FT AccuGeld PT* € 70,73 70,73 70,73 0,00 0,00 0,03 FT AccuZins* € 250,87 243,56 241,70 0,00 0,00 1,91 FT EmergingArabia* € 28,96 27,58 27,60 -55,30 - 0,03 FT Euro High Div.* € 45,40 43,24 44,24 -5,71 - 0,00 FT EuroCorporates* € 53,32 51,77 51,55 0,00 - 0,98 FT EuroGovernm. M* € 51,07 49,58 49,52 0,00 - 0,01 FT EuropaDynamik P* € 157,69 150,18 153,47 0,33 -56,22 0,00 FT Frankfurter-Eff.* € 136,99 130,47 134,25 -26,36 -102 0,00 FT Gl.InfraSt.Div.P* € 57,07 54,35 54,47 8,00 - 0,00 FT InterSpezial* € 21,48 20,46 20,60 -34,41 -8,31 0,00 FT Navigator 40* € 57,57 55,36 55,06 0,00 0,00 0,00 FT Navigator 70* € 51,40 49,19 49,09 0,00 0,00 0,00 Nik.Bel.Gl.AT(EUR)* € 87,68 83,50 84,25 4,38 2,00 0,00 UnternehmerWerte* € 41,39 39,42 40,37 -25,99 - 0,00 FRANKFURT-TRUST Invest Luxembourg S.A. Nik.Bel.Gl.AT(EUR)* € 87,68 83,50 84,25 4,38 2,00 0,00 Franklin Templeton Investments TEM Growth Inc.Ad* $ 17,79 16,77 16,58 -47,49 0,46 0,00 Generali Fund Management S.A. Generali FondsStrategie Dynamik € 37,95 37,95 38,30 -10,80 - 0,00 Generali Komfort Balance € 50,63 50,63 50,89 3,56 - 0,00 Dynamik Europa € 39,94 39,94 40,32 -12,26 - 0,00 Dynamik Global € 34,85 34,85 34,97 0,32 - 0,38 Wachstum € 46,37 46,37 46,70 9,00 - 0,00 HansaInvest Lux S.A. MultiAStr-Balanc P € 8,60 8,27 8,30 5,48 - 0,00 MultiAStr-Growth P € 6,22 5,92 5,97 12,31 - 0,00 MultiAStr-Income P € 9,09 8,83 8,83 -1,32 - 0,03 Hauck & Aufhäuser www.hua-invest.lu CF Eq.-Global Opp. € 70,32 66,97 66,79 -37,70 - 0,00 CF Eq.HAIG-Flex € 42,03 40,03 39,94 -92,57 - 0,00 CF Eq.-Pharma € 61,04 58,13 57,69 14,30 - 0,00 CF Eq.-Resources € 22,84 21,75 21,75 -53,74 - 0,00 H&A Lux Wandel € 63,25 61,41 61,47 5,07 - 0,00 H&A Lux Wandel CI € 48,17 46,77 46,81 -4,19 - 0,00 HAIG Eq.Val. Inv.B € 52,49 49,99 50,05 12,91 - 0,00 MMT Glbl Select € 31,82 30,30 30,37 12,01 - 0,00 MMT Glbl Value € 44,07 41,97 41,12 -30,61 - 0,00 MMT PremValue € 45,09 43,36 43,25 -8,30 - 1,12 Vermögensauf.HAIG € 12,14 11,84 11,75 -2,27 - 0,00 Ideal Invest Sicav Ideal Global A € 98,88 94,17 96,51 29,27 - 0,00 International Fund Mgmt. S.A. LBBW Bal. CR 20* € 39,27 38,50 38,42 5,14 0,00 0,57 LBBW Bal. CR 40* € 38,64 37,88 37,79 9,25 0,00 0,49 LBBW Bal. CR 75* € 37,31 36,58 36,38 15,74 0,00 0,14 Ludwigsburg Bof15* € 84,94 83,27 83,25 -8,43 0,00 1,49 Ludwigsburg Bof35* € 86,44 84,33 84,29 -8,93 0,00 1,27 Ludwigsburg Bof70* € 85,47 83,18 82,64 -13,21 0,00 0,41 Ludwigsburg BoG 1* € 103,89 100,38 100,37 0,00 0,00 0,00 Ludwigsburg BoG 2* € 103,14 99,65 99,63 0,00 0,18 0,04 Ludwigsburg BoG 3* € 102,96 99,48 99,41 0,00 0,26 0,00 IPConcept Fund Management S.A. Aktien Global F € 144,67 137,78 136,51 -8,64 - 0,00 Aktien Global I € 143,27 136,45 135,20 53,65 - 0,00 Aktien Global P € 115,05 109,57 108,56 0,74 - 0,00 apo Medical Opp. € 61,90 58,95 58,54 17,14 - 0,00 Stabilit.Gold&ResP € 60,01 57,15 57,31 -84,42 - 0,00 Stabilit.Sil&WeißP € 57,89 55,13 54,41 -73,89 - 0,00 Umweltfonds DE € 73,66 70,15 70,41 -38,49 - 0,00 Umweltfonds Welt € 64,32 61,26 61,05 -53,95 - 0,00 Wandelanl.Global F € 131,00 124,76 125,02 0,85 - 2,24 Wandelanl.Global I € 132,17 125,88 126,14 0,88 - 2,54 Wandelanl.Global P € 115,03 109,55 109,78 0,03 - 4,57 KanAm Grund Kapitalanlagegesellschaft mbH grundinvestFonds € 57,61 54,61 54,61 -1,26 - 0,00 US-grundinvest Fd. $ 6,84 6,48 6,48 0,00 - 0,00 KAS Investment Servicing GmbH Informationen unter Telefon 01805 252580 ComfortInvest C € 37,45 35,67 35,98 - - 0,05 ComfortInvest P € 41,46 39,49 39,83 - - 0,06 ComfortInvest S € 53,36 51,81 52,01 - - 1,04 MultiManager 1 € 57,32 55,65 55,57 - - 0,68 MultiManager 2 € 56,38 54,47 54,54 - - 0,48 MultiManager 3 € 55,03 52,91 53,12 - - 0,81 MultiManager 4 € 49,18 47,06 47,43 - - 0,09 MultiManager 5 € 43,30 41,24 41,64 - - 0,02 H&S FM Global 100 € 91,89 87,51 87,84 - - 0,50 H&S FM Global 60 € 99,19 96,30 96,52 - - 1,59 G&H VV Balance € 43,63 41,55 41,68 - - 0,31 G&H VV Chance € 38,33 36,50 36,64 - - 0,00 FM Core Ind.Select € 58,59 56,34 56,86 - - 0,00 Euro Anlagef G € 100,56 100,56 100,57 0,00 1,98 0,08 Convert. America* $ 124,65 124,65 123,69 0,00 - 0,57 Convert. Europe* € 143,91 143,91 144,03 -1,90 - 1,88 Convert. Far East* € 1428,86 1428,86 1439,42 13,93 - 0,00 Convert. Glb.D Acc* € 111,14 111,14 111,31 0,67 - 0,62 Convert. Glb.I Acc* € 92,15 92,15 92,29 0,00 - 0,45 Convert. Glb.I Dis* € 91,87 91,87 92,01 0,00 - 0,45 Convert. Japan* € 1162,38 1162,38 1167,64 4,28 - 0,00 Gl. Futures XI* € - 2011,46 1989,36 0,00 - - Man AHL Trend CHF D*CHF 92,43 92,43 92,12 0,00 - 0,00 Man AHL Trend EUR D* € 99,58 99,58 99,24 0,00 - 0,00 Man AHL Trend EUR I* € 98,61 98,61 98,29 0,00 - 0,00 Man AHL Trend GBP D* £ 98,41 98,41 98,08 0,00 - 0,00 Man Lg/Sh Europe D* € - 96,50 96,56 0,00 - - Man Lg/Sh Europe I* € - 100,35 99,34 0,00 - - MEAG MUNICH ERGO KAG mbH Tel.: 09281 72583020 EuroBalance € 40,62 39,06 39,06 -34,97 - 0,30 EuroErtrag € 51,93 50,17 50,29 -12,06 - 0,78 EuroFlex € 50,01 49,51 49,55 0,00 - 0,93 EuroInvest A € 53,46 50,91 51,10 -4,21 - 0,01 EuroKapital € 54,63 52,03 51,89 -66,79 - 0,01 EuroRent A € 30,10 29,08 29,08 0,09 - 0,43 FairReturn A € 56,36 54,72 54,81 -2,68 - 1,04 Floor EuroAktien € 46,99 44,97 44,91 -29,45 - 0,00 GlobalBalance DF € 40,97 39,39 39,49 17,08 - 0,18 GlobalChance DF € 31,14 29,66 29,92 9,57 - 0,00 Nachhaltigkeit A € 53,87 51,30 51,17 6,73 - 0,00 Osteuropa A € 33,50 31,90 31,98 -54,01 - 0,00 ProInvest € 85,87 81,78 81,46 -37,83 - 0,00 ProZins A € 50,25 50,25 50,24 0,00 - 0,91 RealReturn A € 51,79 50,04 50,14 0,00 - 0,11 MK Luxinvest Telefon +49 911 180 - 1009 C.Risk TopMixWelt* € 10,68 10,15 10,22 1,58 - 0,00 MVM SICAV MVM LUX S-frontr e € 7,58 7,22 7,19 -37,00 - 0,00 MVM LUX S-frontr g € 5,66 5,39 5,37 -204,42 - 0,00 Nomura Asset Management Telefon 069 153093-020 Internet www.nomura-asset.de Asia Pacific € 94,68 90,17 89,72 22,75 - 0,00 Asian Bonds € 60,68 58,91 59,02 0,00 - 0,56 Euro Convertible € 44,06 42,78 42,77 0,00 - 0,00 Fundamental Europe € 37,55 35,76 35,26 -50,35 - 0,00 Fundamental Japan € 36,74 34,99 35,22 -44,07 - 0,00 Japan Equity € 26,75 25,48 25,68 -146,48 - 0,00 Medio Rent € 68,60 67,25 67,15 0,00 - 0,00 Real Return € 597,32 585,61 584,70 0,00 - 44,16 NORAMCO Asset Management Telefon 0800 9932847 Internet www.noramco.de Quality Fd.Europe € 9,19 8,73 8,76 -30,30 - 0,00 Quality Funds USA € 4,88 4,64 4,52 -50,04 - 0,00 Norddeutsche Landesbank Luxembourg S.A. N.Lux Renten Cap.* € 68,49 68,49 68,42 0,02 - 0,67 N.Lux Renten Dis.* € 41,53 41,53 41,49 0,02 - 2,12 Oppenheim Asset Management Albatros EUR € 56,44 53,75 53,51 -19,24 - 0,47 DBM Werts.Strat.OP € 55,41 53,54 53,54 -1,65 - 0,60 DELB.B.Maf.Clas.OP € 31,63 30,71 30,45 -29,18 - 0,00 MedBioHealth EUR € 132,07 125,78 124,03 48,55 - 0,00 OP Akt.Marktneutra € 102,22 99,24 99,62 3,29 - 0,00 OP DAX-Werte € 161,75 154,05 150,78 -42,45 - 0,00 OP Euroland Werte € 50,06 47,68 46,94 -73,66 - 0,00 OP Food € 170,78 162,65 161,93 37,71 - 0,00 OP Global Securiti € 72,60 69,14 68,42 -91,83 - 0,00 OP GlStr Worldwide € 104,03 104,03 104,52 1,84 - 0,78 Special Opp. € 37,10 35,33 35,41 36,38 - 0,00 Spezial 3 € 90,68 88,04 88,47 2,86 - 0,00 Top Ten Balanced € 53,40 51,59 51,84 11,99 - 0,00 Top Ten Classic € 63,39 60,37 60,45 1,83 - 0,05 PEH Quintessenz Sicav PEH-Q.Europa € 58,14 55,90 56,01 -2,49 - 0,00 PEH-Q.Goldmines € 78,50 75,48 74,69 25,42 - 0,00 PEH-Q.Renten Glb I € 110,57 106,32 106,29 0,00 - 1,48 PEH-Q.Renten Glb P € 107,70 103,56 103,53 -0,05 - 0,00 PEH SICAV Empire Pdist € 84,66 81,40 81,45 20,92 - 0,00 Infl Link Bds Fl I € 105,19 101,14 101,02 0,00 - 0,38 Infl Link Bds Fl P € 104,37 100,36 100,24 0,00 - 0,28 Renten EvoPro Pcap € 111,00 106,73 106,38 0,00 - 0,12 RentenEvoProVR2 d € 49,94 48,72 48,56 0,00 - 0,68 RentenEvoProVRdist € 51,15 49,90 49,73 0,00 - 0,69 Strat.Flexibel I € 98,94 95,13 95,09 -1,23 - 0,00 Strat.Flexibel P d € 65,01 62,51 62,48 12,53 - 0,00 PEH Trust Sicav Balanced cap € 93,61 90,01 89,74 0,29 0,00 0,00 Chance cap € 86,04 82,73 82,31 0,32 0,00 0,00 Rendite Plus cap € 101,57 97,66 97,65 -0,02 - 0,00 Pioneer Investments Tel. 0800 8881928 Internet www.pioneerinvestments.de PF-Commod.Alpha T* € 45,86 44,10 44,06 0,00 1,79 0,00 PF-Glob.Ecology T* € 142,52 135,73 134,03 -53,66 2,05 0,00 PF-Glob.Select T* € 50,00 47,62 47,22 -39,40 0,97 0,00 PF-US.Pioneer Fd T* € 4,08 3,89 3,79 13,78 0,15 0,00 PI German Equity € 114,81 109,34 106,86 5,64 - 0,00 PI Tot.Ret.A* € 48,27 46,86 46,81 -0,89 - 1,51 RREEF Investment GmbH grundb. europa RC € 44,03 41,93 41,92 0,00 - 0,11 grundb. global RC € 55,00 52,37 52,34 3,18 - 0,06 Sarasin Multi Label SICAV www.sarasin.de New Energy EUR* € 4,59 4,33 4,26 -1,28 - 0,00 Siemens Kapitalanlagegesellschaft EuroCash € 12,41 12,41 12,41 0,00 - 0,39 Euroinvest Aktien € 8,02 7,71 7,65 -46,81 - 0,00 Euroinvest Renten € 14,23 13,95 14,01 0,00 - 0,16 Global Growth € 3,45 3,32 3,30 -129,09 - 0,00 SKAG Balanced € 12,89 12,51 12,42 -10,40 - 0,16 SKAG Euroinv.Corp. € 12,92 12,54 12,55 0,00 - 0,46 Weltinvest Aktien € 7,64 7,35 7,27 -61,56 - 0,00 Star Capital SC Allocator € 1128,05 1095,19 1097,15 -3,22 - 161 SC Argos € 1329,52 1290,80 1291,30 - - 29,65 SC Huber-Strategy1 € 1003,57 974,34 974,48 -2,11 - 3,36 SC Pergamon € 1523,80 1451,24 1453,80 36,28 - 0,00 SC Priamos € 1223,69 1165,42 1166,50 -1,05 - 0,00 SC SIC.Ger.Masters € 78,53 74,79 75,16 35,08 - 0,00 SC SIC.Starpoint € 1440,22 1371,64 1369,76 20,68 - 0,00 SC SIC.Winbonds+ € 1400,96 1360,16 1360,05 0,41 - 136 SC Special Values € 1565,77 1491,21 1491,48 21,23 - 5,61 Union-Investment Privatfonds BBBank Chance Uni.* € 23,10 22,54 22,65 18,97 - 0,03 BBBank Kont.Uni.* € 56,32 55,22 55,24 9,67 - 1,55 BBBank Wach.Uni.* € 41,42 40,41 40,35 18,89 22,19 0,78 BBV-Fonds-Union* € 44,86 43,55 43,57 0,00 - 0,95 BBV-Invest-Union* € 82,20 78,29 78,06 4,43 - 0,00 Condor-Fd.Union* € 48,83 47,41 47,42 -5,84 - 1,48 Delbrück Renten* € 53,67 52,11 52,09 0,00 - 0,39 FLEXIB.-NET* € 44,47 44,47 44,45 -12,20 - 0,28 Geno AS:1* € 43,17 41,91 41,72 -21,55 - 0,03 GenoEuroClassic* € 43,49 42,22 42,29 -9,95 - 0,49 GenoEuroClassic II* € 39,87 38,71 38,77 -17,04 - 0,28 Invest Euroland* € 34,70 33,69 33,74 -66,45 - 0,00 Invest Global* € 45,70 44,37 43,85 -18,49 - 0,00 KCD Uni. Aktien* € 29,21 29,21 28,94 -56,39 - 0,00 KCD Uni.Renten+* € 48,72 48,72 48,66 0,00 - 1,63 KCD-Union Nachh.Mix* € 47,23 45,85 45,83 -6,30 - 0,58 LIGA-Pax-Aktien-U.* € 25,52 25,52 25,58 -36,02 - 0,01 LIGA-Pax-Bal.S.U.* € 29,21 29,21 29,13 -50,21 - 0,24 LIGA-Pax-K-Union* € 38,45 37,88 37,91 0,00 - 0,56 LIGA-Pax-Rent-Unio* € 25,12 24,39 24,37 0,00 - 0,32 Münch.Bk.Glob.Sel.* € 45,52 44,19 44,17 -4,88 - 0,62 Priv.Fonds:Flex.* € 96,18 96,18 96,21 -1,99 - 0,10 Priv.Fonds:FlexPro* € 98,82 98,82 99,40 -1,26 - 0,00 Priv.Fonds:Kontr.p* € 96,53 96,53 96,57 -3,14 - 0,00 PrivFd:Kontrolliert* € 99,01 99,01 99,04 -1,66 - 0,61 Stuttg.Bk.Rentinv.* € 42,31 41,08 41,08 0,00 - 0,63 SüdwBk.Interselect* € 42,70 41,46 41,45 3,78 - 0,83 Südwestbk.-Inter.* € 39,32 38,17 38,14 0,00 - 0,71 Uni21.Jahrh.-net-* € 19,47 19,47 19,26 -67,52 - 0,00 UniBalancePlus* € 108,32 105,68 105,69 -5,68 - 0,11 UniDeutschland* € 109,72 105,50 105,29 -1,82 - 0,00 UniDeutschland XS* € 60,68 58,35 58,19 28,75 - 0,00 UniEu.Renta-net-* € 47,50 47,50 47,53 0,00 - 1,37 UniEuroAktien* € 42,02 40,02 40,09 -53,78 - 0,00 UniEuroBond* € 70,61 68,55 68,60 0,00 - 2,49 UniEuropa-net-* € 37,67 37,67 37,80 -31,83 - 0,02 UniEuroRenta* € 66,81 64,86 64,74 0,00 - 1,71 UniEuroRentaHigh Y* € 33,71 32,73 32,76 0,00 - 2,24 UniFonds* € 32,92 31,35 31,25 18,13 - 0,00 UniFonds-net-* € 48,04 48,04 47,87 -2,55 - 0,00 UniGlobal* € 109,40 104,19 103,02 1,71 - 0,06 UniGlobal-net-* € 62,93 62,93 62,19 -5,55 - 0,01 UniJapan* € 29,03 27,65 27,89 -82,43 - 0,00 UniKapital* € 107,32 105,22 105,29 0,00 - 0,09 UniKapital-net-* € 43,58 43,58 43,61 0,00 - 1,01 UniNordamerika* € 119,45 113,76 110,94 -13,68 - 0,00 UnionGeldmarktfonds* € 50,71 50,71 50,71 0,00 - 0,39 UniRak* € 77,46 75,20 74,84 19,14 - 0,52 UniRak -net-* € 41,04 41,04 40,84 -13,46 - 0,22 UniReits* € 59,78 57,48 57,61 -59,15 - 0,00 UniRenta* € 19,67 19,10 19,05 0,00 - 0,47 UniStrat: Ausgew.* € 39,21 38,07 38,02 3,48 - 0,34 UniStrat: Dynam.* € 29,71 28,84 28,83 0,37 - 0,19 UniStrat: Konserv.* € 51,90 50,39 50,37 7,38 - 0,30 UniStrat:Flexibel* € 44,98 43,67 43,65 -11,85 - 0,38 UniStrat:Offensiv* € 25,64 24,89 24,86 -7,79 - 0,00 UniTrend: Gbl-net-* € 32,79 32,79 33,00 -16,05 - 0,00 UniTrend: Global* € 33,10 32,14 32,35 -15,39 - 0,02 Union-Investment (Lux) Berliner VB Garant* € 0,00 123,59 123,62 0,00 - 0,44 Divid. Ass A Net* € 41,82 41,82 41,86 -15,17 - 0,00 EuroRent.Corp.2012* € 0,00 41,06 41,05 0,00 - 0,77 LIGA-Pax-Cattol.-U* € 1042,85 1024,91 1018,84 -5,56 - 0,00 LIGA-Pax-Corp.-U.* € 39,21 38,07 38,00 0,00 - 0,57 UGaTop: Europa III* € 113,66 108,20 108,15 -4,52 - 0,11 UGDouble(2011)* € 0,00 100,21 100,21 0,00 - 1,20 UGGTitan(2011)II* € 0,00 99,38 99,38 0,00 - 0,84 UGTEuropa* € 127,47 121,34 121,34 0,10 - 1,65 UGTEuropa II* € 116,83 111,22 111,27 -2,96 - 1,45 UI Local EMBonds* € 92,41 92,41 92,77 0,02 - 3,13 UIGl.High.YieldBds* € 39,12 39,12 39,15 0,00 - 2,72 UniAsia* € 39,13 37,27 38,15 28,50 - 0,00 UniAsia Pacif. net* € 82,01 82,01 84,19 43,37 - 0,00 UniAsia Pacific A* € 83,21 80,01 82,13 43,24 - 0,00 UniDividendenAss A* € 42,58 40,94 40,97 -14,23 - 0,00 UniDyn.Eur-net A* € 28,76 28,76 28,81 19,38 - 0,01 UniDyn.Europa A* € 47,85 46,01 46,10 21,72 - 0,01 UniDyn.Gl.-net- A* € 17,80 17,80 17,61 12,97 - 0,00 UniDynamic Gl. A* € 28,41 27,32 27,04 14,98 - 0,00 UniEM Fernost* € 1050,26 1000,25 1021,87 42,18 - 0,00 UniEM IMMUNO 90* € 97,19 94,36 94,78 -4,93 - 0,00 UniEM Osteuropa* € 2102,67 2002,54 2013,39 6,30 - 0,23 UniEMGlobal* € 65,17 62,07 62,97 32,36 - 0,02 UniEuReal Zins-net* € 56,70 56,70 56,94 0,00 - 5,09 UniEurKapital-net-* € 43,10 43,10 43,16 0,00 - 0,96 UniEuroAspirant* € 49,84 48,39 48,62 0,00 - 3,04 UniEuroKapital* € 68,10 66,76 66,86 0,00 - 1,60 UniEuropa* € 1185,53 1129,08 1132,87 3,73 - 0,77 UniEuropaRenta* € 44,01 42,73 42,70 0,00 - 1,33 UniEuroRenta 5J* € 50,11 48,16 48,09 0,00 - 0,17 UniEuroRenta Co.11* € 0,00 39,89 39,88 0,00 - 0,72 UniEuroRenta Co.16* € 41,31 40,11 40,09 0,00 - 0,81 UniEuroRentaCor.A* € 43,79 42,51 42,43 0,00 - 1,82 UniEuroSt.50 A* € 34,69 33,36 33,50 -9,82 - 0,00 UniEuroSt.50-net* € 28,53 28,53 28,64 -11,45 - 0,00 UniEurRentRealZins* € 56,93 55,27 55,51 0,00 - 5,17 UniFavorit: Renten* € 28,80 27,96 28,02 0,00 - 1,11 UniGa: Deut(2017)* € 0,00 94,66 94,42 0,00 - 0,09 UniGa: EmerM(2018)* € 0,00 93,06 92,96 0,00 - 0,09 UniGar.Top: Eur.IV* € 120,17 114,39 114,32 -4,78 - 1,30 UniGar: Dtl.(2012)* € 0,00 101,05 101,06 0,00 - 0,09 UniGarPl: Eur.2018* € 0,00 97,28 97,16 0,00 - 0,05 UniM.&S.Caps:Eur.* € 26,31 25,30 25,25 21,93 - 0,00 UniMarktf. A* € 23,86 22,94 22,73 -13,81 - 0,00 UniMarktf. -net- A* € 23,59 23,59 23,38 -14,15 - 0,00 UniMoneyM.: USD* $ 990,34 990,34 990,28 0,00 - 0,00 UniMoneyM.:EURO A* € 500,73 500,73 500,75 0,00 - 8,27 UniOptima* € 748,75 741,34 741,34 0,00 - 4,63 UniOptimus-net-* € 731,42 731,42 731,47 0,00 - 5,84 UniProt.Europa II* € 112,90 109,61 109,61 -1,02 - 0,06 UniProtect:Europa* € 112,28 109,01 109,00 -5,75 - 0,78 UniRenta Corp A* € 74,50 72,33 71,74 0,00 - 2,93 UniRentaEURPlus 5J* € 100,67 98,70 98,88 0,00 - 0,72 UniSec. Bas. Ind.* € 76,86 73,90 73,39 30,64 - 0,01 UniSec. BioPha.* € 47,22 45,40 45,12 7,03 - 0,00 UniSec. Cons.Goods* € 62,63 60,22 59,73 27,23 - 0,00 UniSec. Finance* € 27,72 26,65 26,33 -67,92 - 0,00 UniSec. GenTech A* € 45,85 44,09 43,91 16,55 - 0,00 UniSec. High Tech.* € 36,63 35,22 34,74 22,43 - 0,00 UniSec. MultiMe.* € 17,95 17,26 17,11 4,92 - 0,00 UniVa. Europa A* € 33,85 32,55 32,64 -14,91 - 0,00 UniVa. Global A* € 49,75 47,84 47,14 20,99 - 0,01 UniVa.Euro.-net-A* € 33,24 33,24 33,33 -15,33 - 0,00 UniVa.Glb-net-A* € 48,20 48,20 47,49 20,27 - 0,01 Union-Investment Real Estate UniImmo:Dt.* € 98,16 93,49 93,48 1,12 - 0,35 UniImmo:Europa* € 60,68 57,79 57,79 2,12 - 0,46 UniImmo:Global* € 53,45 50,90 50,89 0,73 - 0,00 Universal-Investment BW-Renta-Internat.* € 42,10 41,07 41,14 0,00 - 0,91 BW-Renta-Univ.* € 26,26 25,62 25,62 0,00 - 0,70 Concept Aurelia Gl* € 123,88 117,98 119,13 13,19 - 0,00 G&P-Univ.Aktien A* € 48,83 46,50 47,17 -142,47 - 0,06 H&A Akt.Eurol.-UI* € 112,32 106,97 107,07 -50,10 - 0,00 J. Führ-UI-Aktien* € 77,11 73,44 73,26 -26,68 - 0,00 J. Führ-UI-Renten* € 42,62 41,78 41,70 0,00 - 0,73 SC BondValue UI* € 67,44 65,48 65,59 0,00 - 2,41 Trend-Uni- Glbl* € 105,13 100,12 99,56 1,93 - 0,00 Universal AS Fd. I* € 61,45 59,09 58,89 -22,37 - 0,01 WM Akt. Gl. UI* € 64,66 61,58 61,61 34,31 - 0,00 WM Akt. Gl. US$* $ 234,15 223,00 223,58 58,75 - 0,00 VERITAS INVESTMENT TRUST GmbH A2A Defensiv € 12,41 11,93 11,86 -0,18 - 0,27 A2A Offensiv € 13,48 12,72 12,72 1,42 - 0,00 A2A Wachstum € 13,80 13,14 13,09 -11,09 - 0,15 ETF-Dachf. Quant € 29,03 27,65 27,65 25,13 - 0,00 ETF-Dachf.EM+Money € 20,07 19,30 19,30 12,99 - 0,12 ETF-Dachfd AktienP € 10,48 10,48 10,49 4,54 - 0,00 ETF-Dachfd RentenP € 11,12 11,12 11,07 -0,48 - 0,16 ETF-DACHFONDS P € 11,96 11,96 11,90 6,24 - 0,00 ETF-Dachfonds VDH € 12,16 12,16 12,10 8,51 - 0,00 ETF-PTFOLIO GLOBAL € 9,23 9,23 9,27 -17,73 - 0,00 RWS-BALANCE € 14,23 13,68 13,61 10,29 - 0,19 RWS-DYNAMIK € 19,88 18,93 18,92 18,78 - 0,00 RWS-ERTRAG € 13,53 13,14 13,06 1,38 - 0,27 VERI-Europa € 20,31 19,16 19,23 -64,23 - 0,00 VERIFONDS € 138,34 131,75 130,78 -44,20 - 0,89 VERIFONDS Europa € 35,04 33,69 33,83 -77,65 - 0,08 VERI-GLOBAL € 14,77 14,07 13,91 -130,70 - 0,00 VERI-LIQUIDE € 30,66 30,51 30,51 0,00 - 0,03 VERI-VALEUR € 64,62 60,96 60,84 -67,69 - 0,00 VERSIKO AG Klima € 31,58 30,08 29,78 -65,17 0,00 0,00 New Energy EUR* € 4,59 4,33 4,26 -1,28 - 0,00 Ökotrend Bonds € 57,05 55,12 55,28 0,00 8,38 1,86 ÖkoTrust € 97,49 92,85 93,35 -18,41 0,06 0,00 ÖkoVision Classic € 83,34 79,37 78,60 55,19 0,18 0,00 ÖkoVision Europe € 29,96 28,53 28,55 -73,33 0,02 0,00 ÖkoVision Gar.20C € 111,22 105,92 106,10 -6,74 3,33 1,43 Water For Life C € 93,37 88,92 88,12 -9,71 0,03 0,00 Wallberg Invest S.A. Blackstar African € 11,13 10,60 10,57 15,77 - 0,00 Blackstar-Gl Em Bd € 71,20 69,13 69,27 0,00 - 0,00 Wallb.Prot.Man.Sel € 84,35 79,95 80,16 27,25 - 0,00 Wallb.Real Asset P € 9,52 9,07 9,08 -3,89 - 0,03 WWK Investment S.A. WWK Sel-Balance € 10,59 10,09 10,13 15,18 - 0,00 WWK Sel-Chance € 8,63 8,22 8,30 18,89 - 0,00 WWK Sel-EuRe B € 9,87 9,58 9,58 0,00 - 0,02 WWK Sel-EuRe C I € 9,52 9,52 9,52 0,00 - 0,31 WWK Sel-TopTen € 7,11 6,77 6,84 1,23 - 0,00 Währung: € = Euro, $ = US-Dollar, ¥ = Yen, £ = Brit. Pfund. Ausg.: Ausgabepreis eines Fondsanteils zumangegebenen Tag. Rücknahme: Rücknahmepreis eines Fondsanteils zum angegebe- nen Tag. Akt.G: Der aktuelle Aktiengewinn (Veräußerungsgewinn bei Invest- mentanteilen) wird täglich in Prozent mit Ausnahme der Montagsaus- gaben veröffentlicht. ATE: Akkumulierte Thesaurierte Erträge ausländischer Fonds seit 1.1.1994 nach Auslandsinvestmentgesetz (AIG). ISIN: Die Internationale Wertpapierkennummer eines Fonds wird ausschließlich in den Montagsausgaben veröffentlicht. ZWG: Zwischengewinn seit 1. Januar 2005 ZWG fett abgedruckt: für diesen Fonds wird Ertragsausgleichsverfahren angewendet *: Fondspreise etc. vomVortag oder letzt verfügbar. Alle Fondspreise etc. ohne Gewähr - keine Anlageberatung und - empfehlung Weitere Fonds-Infos unter http://fonds.sueddeutsche.de Im ersten Halbjahr 2011 hat das Neugeschäft mit Mobilien gegen- über dem ersten Halbjahr 2010 nach Angaben des Bundesverbands Deut- scher Leasing-Unternehmen (VDL) um 15 Prozent zugelegt. Die Zahlen basieren auf einer Befragung ausge- wählter Mitglieder des Verbands. Vorne lagen die Nutzfahrzeuge mit einem Plus von 33 Prozent, gefolgt von Produktionsmaschinen mit ei- nem Plus von 30 Prozent. Bei letzte- ren kommt allerdings eine zeitliche Verzögerung ins Spiel. Denn der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau verzeichnete für die ersten sechs Monate des laufenden Jahres lediglich ein Plus von 19 Prozent bei den Auftragseingängen. Die Differenz ist Folge der langen Lieferzeiten. Die Statistik des VDL berücksichtigt die Maschinen erst bei Auslieferung. Der Bereich Büro- maschinen und IT kam im ersten Halbjahr auf ein Plus von 14 Pro- zent. Rückläufig war hingegen die Sparte Medizintechnik. Im zweiten Quartal legte der Bereich zwar zu, aber nicht genug, um das Minus aus dem ersten Quartal zu kompen- sieren. Für das Gesamtjahr 2011 geht der Verband weiterhin von einem zweistelligen Wachstum der Branche aus. jbe Von Jochen Bettzi eche Kredite für Investitionen zu erhalten, ist schwieriger geworden. Wegen der Fi- nanzkrise agieren viele Bankenvorsichti- ger. Glücklicherweise haben Unterneh- mer mehrere Möglichkeiten, ihre Finan- zierung zu gestalten. Beispielsweise in- dem sie Produktionsanlagen, Fahrzeuge, Büroeinrichtung, Arbeitskleidung und ähnliches leihen. Leasing ist nach wie vor beliebt. Zumal die Anbieter ihre Kon- ditionen nicht krisenbedingt verschlech- tert haben. Zwar verschieben einige Un- ternehmer Investitionen nach hinten. Dennoch hat die Branche keinen Grund zum Jammern. Den meisten etablierten, großen Anbietern geht es gut. Aber nur denen, der Rest kämpft. Vor allem die Kleineren leiden nicht nur un- ter der Finanzkrise sondern auch unter den Regulierungen gemäß Basel III. „Es gibt eine klare Bereinigung am Markt“, sagt Semir Fersadi, Leiter des Referats Finanzierung, Coaching, Krisenmanage- ment der IHKfür MünchenundOberbay- ern. Seit 2002 startete eine Vielzahl klei- ner Anbieter – unddie haben jetzt Proble- me. Denn um ihr Geschäft zu finanzie- ren, benötigen sie Darlehen von der Bank. „Diese Refinanzierung ist seit 2008 schwieriger geworden“, sagt Fersa- di. Wegen der Finanzkrise steigen die Zinsen, die Leasingraten bleiben jedoch gleich. Fersadi nennt ein Beispiel. „Ein Anbieter von IT-Leasing hat eine schlechtere Einstufung seiner Bonität er- halten, zahlt daher mehr Zinsen, hat aber keine Mehreinnahmen, sodass seine Marge deutlich nach unten geht“, sagt der Finanzierungsexperte. Für potentielle Kunden ist das kein Problem, es existieren genügend große Anbieter. Die reden derzeit allerdings gerne mal mit. „Insbesondere bei teuren Fahrzeugenwirddannschonmal nein ge- sagt und eine Nummer kleiner empfoh- len, auch bei Maschinen ist es schwieri- ger geworden“, sagt Fersadi. Trotz Fi- nanzkrise ist Leasing nicht teurer gewor- den. Die Anbieter behaltenihre Konditio- nen bei. „Wir haben die Laufzeiten der Verträge nicht verkürzt, das wäre eine Möglichkeit, um schneller aus dem Risi- ko rauszugehen“, sagt Jörg Diewald, bei GE Capital Vertriebsvorstand für Lea- sing, Fleet und Factoring. Diese Vorge- hensweise hätte dann höhere Raten be- deutet. Diese bleiben jetzt jedoch kon- stant, da GE Capital auch die Zinssätze beibehalten hat. „Unsere Risikoanpas- sung hat nichts mit der aktuellen Situati- on an den Finanzmärkten zu tun, wir be- trachten jeden Kunden als Einzelfall, schätzen sein Risiko ein und bestimmen auf dieser Basis unseren Zins“, sagt Die- wald. Derzeit haltensichdie KundenimNeu- geschäft zurück. „Investitionen, die man vor sechs Monaten noch geplant hat, ste- hen heute auf dem Prüfstand, ob sie in der aktuellen Situation noch durchge- führt werden“, sagt Diewald. Er hat eine durchaus nachvollziehbare Verunsiche- rung bei den Unternehmern festgestellt, wie das Geschäft trotz derzeit voller Auf- tragsbücher weitergeht. Investitionen würden daher zwar nicht abgesagt, aber nach hinten verschoben. „Es ist eine ge- wisse Vorsicht vorhanden, wir verzeich- nen aber keinen Nachfrageeinbruch“, sagt Diewald. Bei Wartezeiten von sechs bis zwölf Monaten für eine Maschine sei eine Investitionsentscheidung nicht ein- fach. Es ist auch immer eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Eine neue Maschine benötigt weniger Wartung und steigert die Effizienz. „Da muss man schon genau rechnen“, sagt Diewald. Eine starke Kreditklemme seitens der Bankenwie 2008 hat er bislang nicht fest- stellt. „Gerade Spezialanbieter wie wir unterstützen die Unternehmen weiter- hin“, sagt Diewald. Dennoch gewinne Leasing Auftrieb. Zumal es für die Anbie- ter gegenüber dem traditionellen Kredit- geschäft einenklaren Vorteil hat. Banken müssen die ausgegebenen Darlehen mit Eigenkapital unterlegen. „Im Leasingge- schäft gibt es diese gesetzliche Vorgabe bisher noch nicht“, sagt Diewald. So ganz klappt es aber dann doch nicht in jedem Bereich mit den konstanten Ra- ten. „Die Restwerte für Pkw haben nach- gegeben, wenn Sie das nicht an den Kun- den weiterreichen, erhöhen Sie Ihr eige- nes Risiko“, sagt Arval-Sprecher Ralf Wo- ik. Dennoch sei die Nachfrage gut. „Das Wachstum wurde durch die Krise in den Jahren 2007 und 2008 unterbrochen, setzt sich jetzt aber fort“, sagt Woik. Verhalten optimistisch ist Kai Oster- mann, Vorstandsvorsitzender der Deut- schen Leasing. Zwar geht auch er von ei- nem weiterhin wachsenden Markt aus. „Aber die Geschäftserwartungender Un- ternehmen gehen runter, größere Steige- rungsratensindnicht mehr zu erwarten“, sagt Ostermann. Die Deutsche Leasing unterstützt ihre Kundenauchbei Investi- tionen imAusland. Sogar in Ländern, die wegen der Finanzkrise und ihrer eigenen Schuldenquote unter Druck stehen. In Griechenland ist das Unternehmen zwar nicht aktiv. „Es gibt aber keinen Grund, gute Kunden bei Investitionen in Spani- en oder Italien nicht zu begleiten“, sagt Ostermann. Besondere Nachfragespitzen oder -tiefs hat er nicht beobachtet. „Zwar war 2011 bislang sehr fahrzeug- und maschi- nenlastig, aber die Nachfrage geht durchs ganze Geschäft“, sagt Ostermann. Lediglich in Nischenbereichen gebe es stärkere Abweichungen, aber das sei an- gesichts der geringen Volumina normal. Zahlreiche Leasing-Gesellschaften sind Teil eines Bankkonzerns. Fersadi empfiehlt, auf jeden Fall immer auch ein Angebot voneinemunabhängigenAnbie- ter einzuholen. Insbesondere, wenn der Leasinggeber zur eigenen Hausbank ge- hört. „Bei so einer Konstellation wird oft ein Kreditvolumen-Topf für das Unter- nehmen festgelegt, und mehr dürfen die Teilbeträge aus Darlehen, Kreditlinien undLeasing unabhängigvonihrer Vertei- lungnicht ausmachen“, sagt der IHK-Ex- perte. Freie Anbieter seien da flexibler. Und noch eine Gruppe hat er ausge- macht, die zunehmend auf den Markt drängt. Das sind die Hersteller. Das ist nicht uneigennützig, schließlich fördern sie durch günstige Konditionen den eige- nen Absatz. „Herstellerleasing ist auf je- den Fall eine interessante Alternative“, sagt Fersadi. Gleiches gilt für Anbieter, die nicht nur finanzielles Fachwissen haben, son- dern auch technisches. Die können bes- ser einschätzen, ob und zu welchen Kon- ditionen eine Investition, beispielsweise in eine neue Fertigungsanlage, sinnvoll ist. Manche Hersteller der benötigten In- vestitionsgüter kooperieren auch mit ei- ner Leasing-Gesellschaft. Dann wird de- renVertreter indie Verhandlungeneinge- bunden und kann ein Finanzierungskon- zept erstellen. Doch auch dann kommt der Unternehmer um einen Vergleich nicht herum. Der kleine runde Aufkleber vorne links auf der Windschutzscheibe fällt kaum auf. Dabei ist er der Schlüssel zur neuen Feierabendfreiheit. Die erste Cor- porate Car Sharing Lösung auf Leasing- Basis in Deutschland soll es Arbeitneh- mernohne eigenenDienstwagenermögli- chen, sich ein Fahrzeug auch für die pri- vate Nutzung aus dem Firmenfuhrpark ausleihen zu können. Ein mit hinterleg- tenDatenausgestatteter, fingernagelgro- ßer RFID-Chip, der zuvor auf denFührer- schein geklebt wurde, identifiziert den Fahrer und schaltet das zuvor gebuchte Auto frei. Der Autobauer BMW baut da- durch sein Car-Sharing-Geschäft weiter aus. Durcheine Art Teilzeit-Auto für pri- vate Fahrten soll Angestellten von Lea- singkundeneininteressantes Angebot ge- macht werden, zugleich könne der Fir- menkunde seine Kosten dank der da- durch erzielten Einnahmen senken. „Mit unserem Service Alphacity wol- len wir eine Antwort auf die sich verän- dernde MobilitätsanforderungenvonMit- arbeitern und Unternehmen bieten“, sagt Marco Lessacher, Geschäftsführer bei der BMW-Leasingtochter Alphabet. Als Ergänzung zum klassischen Fuhrpark sieht er den Service als eine effiziente Al- ternative zu Taxi und Mietwagen. Viele Pool-Fahrzeuge stünden bisher außer- dem nach Feierabend ungenutzt auf dem Firmengelände, ergänzt Lessacher. Das von Alphabet entwickelte System basiert darauf, dass Unternehmen Flot- tenfahrzeuge für ihr tägliches Geschäft von der BMW-Tochter leasen und diese danneinemfestenKreis ihrer Mitarbeiter im Car Sharing anbieten. Die Autos par- ken auf Stellplätzen des Unternehmens und können online sowie mobil von vor- her einmalig registriertenMitarbeitenge- bucht werden. „Wir geben die Konditio- nen dafür aber nicht vor, sondern die ge- staltet der Arbeitgeber individuell – bei- spielsweise Sonderangebote fürs Wochen- ende“, sagt Lessacher. Für Beschäftigte ermöglicht Alphacity den beruflichen und privaten Zugang zu Premium-Fahrzeugen, die sonst deutli- che niedrigere Auslastungenhätten. „Vie- le Unternehmen haben uns gesagt, dass sie ein solches Angebot auch nutzen wol- len, umbeimWettbewerb umqualifizier- te Mitarbeiter einen Anreiz zu schaffen“, sagt Vertriebsleiter Uwe Hildinger. Momentan ist die Lösung noch auf BMW-Fahrzeuge beschränkt. Die Telema- tik für den schlüssellosen Zugang ist in die Fahrzeuge bereits integriert. Darauf abgestimmt ist eine eigene Management- Lösung für die Buchung und Abrech- nung. Sie ermöglicht für Unternehmen und Mitarbeiter eine einfache Verwal- tung und Nutzung. Alphacity bietet ne- ben den Fahrzeugen auch eine Full-Ser- vice-Lösung von der Buchung über die Abrechnung bis hin zur Fahrzeugpflege und zum Parkplatzmanagement an. NachdemStart inDeutschland, Frank- reich und Großbritannien soll der Dienst ab 2012 auch in 15 weiteren Ländern zur Verfügung stehen. Die BMW-Tochter be- schäftigt weltweit mehr als 2000Mitarbei- ter und ist in 17 europäischen Ländern und in Australien vertreten. BMW setzt – wie andere Hersteller auch – verstärkt auf Vertriebswege neben demklassischen Verkauf. Zusammenmit demAutovermie- ter Sixt bietet BMW etwa Car-Sharing in deutschen Großstädten an. Alphabet glaubt mit seinemAngebot ei- nen neuen Trend einzuläuten: „Hieß das Zauberwort 2006 nochFull-Service-Lea- sing, drehte sich ab 2008 alles um grüne Flottenlösungen. Jetzt imJahr 2011 müs- sen wir uns um neue Formen der Mobili- tät kümmern“, sagt Vertriebs-Chef Hil- dinger. Ein Pool aus Fahrzeugen, der alle Mobilitätsanforderungen eines Mitarbei- ters erfülle – sei es nundienstlichoder pri- vat – sieht er dafür als richtungsweisen- den Lösungsansatz. Friederike Nagel Dienstliche und private Nutzung zu trennen, wird nicht mehr zeitgemäß sein LEASING Eine Sonderseite der Süddeutschen Zeitung Solides Wachstum Langfristig wird der Markt wachsen Momentan läuft das Geschäft allerdings etwas verhaltener, neue Kunden halten sich zurück. Bereits geplante Investitionen werden noch einmal genau geprüft Ein kleiner RFID-Chip, der auf den Führerschein geklebt wurde, schaltet das Au- to für den Nutzer frei. Einen Schlüssel braucht man nicht mehr. Foto: oh Verantwortlich: Werner Schmidt Redaktion: Friederike Nagel Anzeigen: Jürgen Maukner Mobil in den Feierabend BMW baut sein Car-Sharing-Geschäft mit einer neuen Marke für Flottenkunden aus Die Raten sind nicht höher geworden – denn die Preise sind stabil geblieben ANZEIGE Süddeutsche Zeitung Nr. 242 | Donnerstag, 20. Oktober 2011 | Seite 31 Für viele Firmen lohnt es sich, teure Maschinen zu leasen, anstatt sie zu kaufen. Die Kapitalbindung würde die Bilanz deutlich mehr belasten. Foto: Bloomberg LEASING Das Angebot setzt auf einen Bonus für die Mitarbeiter und Einnahmen für die Firma PROFESSIONELLES FUHRPARKLEASING WWW.LEASEPLAN.DE Man least viel Gutes über uns. www.suedleasing.com . [email protected] Unsere kundenorientierten Finanzierungskonzepte erleichtern Ihnen die Investition in die Zukunft. Ob Maschinen, Fahrzeuge oder modernste IT- und Energietechnik – mit dem Mobilienleasing-Programm der SüdLeasing sind Sie bestens aufgestellt und arbeiten erfolgreich mit neuestem Equipment. Setzen auch Sie auf die 40-jährige Kompetenz einer der führenden Leasing- gesellschaften in Deutschland. Wir unterstützen Sie gerne. Dax 30 (* = Euro Stoxx 50 Werte) 19.10. 18.10. Tages- Tages- 52-Wochen KGV Gesamt- Markt- Div. Schluss Schluss Veränderung in Prozent Hoch / Tief Hoch / Tief 2011 Umsatz Wert Dax – 5913,53 5877,41 +0,61 5978/5875 7528/5072 – 2733780 – Adidas 0,35 49,52 48,95 +1,15 50,25/48,74 57,42/43,22 16 44501 10,36 * Allianz 4,50 79,26 75,96 +4,34 79,84/76,33 108/57,47 7 284600 36,02 * BASF 2,20 50,10 50,87 -1,51 51,58/49,70 69,40/43,66 8 201349 46,02 * Bayer 1,50 44,09 44,42 -0,74 44,66/43,75 59,35/36,82 9 102693 36,46 Beiersdorf 0,70 41,34 41,17 +0,41 41,59/41,10 49,00/39,35 23 11626 10,42 * BMW 1,30 55,01 55,08 -0,13 55,96/54,09 73,52/45,04 7 127118 33,12 Commerzbank – 1,63 1,56 +4,68 1,66/1,60 5,31/1,53 5 89651 8,34 * Daimler 1,85 36,12 36,49 -1,01 37,30/35,79 58,46/30,97 7 159116 38,49 * Deutsche Bank 0,75 27,53 26,42 +4,22 27,90/26,93 48,54/21,40 5 208978 25,59 * Deutsche Börse 2,10 41,01 40,88 +0,32 41,50/40,75 56,00/36,10 9 17869 8,00 Deutsche Post 0,65 10,69 10,49 +1,86 10,80/10,45 13,91/9,13 9 66387 12,92 * Dt. Telekom 0,70 9,45 9,36 +0,98 9,48/9,34 11,32/7,95 15 110734 40,85 * Eon 1,50 17,40 17,02 +2,26 17,53/17,03 25,11/12,88 14 132279 34,82 Fres.Med.Care 0,65 51,15 51,25 -0,20 51,44/50,70 55,13/41,11 14 21641 15,26 Fresenius SE 0,86 70,32 69,50 +1,18 70,32/68,81 75,62/59,31 15 40232 9,02 Heidelb.Cement 0,25 30,17 29,69 +1,62 30,64/29,85 52,60/24,57 10 32253 5,66 Henkel Vz 0,72 43,10 42,98 +0,28 43,66/42,90 49,81/36,90 14 21664 7,68 Infineon 0,10 5,97 6,04 -1,16 6,08/5,89 8,28/5,15 10 63873 6,49 K + S 1,00 44,74 44,59 +0,35 45,90/44,51 58,60/35,62 12 70873 8,56 Linde 2,20 111,00 111,20 -0,18 113/110 126/96,16 14 50331 18,90 Lufthansa 0,60 9,89 9,73 +1,58 10,06/9,81 17,77/8,98 12 32902 4,53 MAN 2,00 60,41 60,77 -0,59 61,74/59,77 98,72/52,51 8 20162 8,52 Merck KGaA 1,25 61,18 61,38 -0,33 61,84/60,72 78,47/56,82 9 17292 3,95 Metro 1,35 32,08 31,63 +1,42 32,19/31,32 58,53/27,47 9 41467 10,40 * Münchener Rück 6,25 97,15 95,86 +1,35 97,89/96,25 125/79,55 17 74734 18,31 * RWE 3,50 30,31 29,15 +4,00 30,40/29,32 55,26/21,77 7 107112 15,86 * SAP 0,60 41,85 41,88 -0,06 42,38/41,43 45,90/34,26 16 157145 51,34 * Siemens 2,70 73,40 74,23 -1,12 74,72/72,75 99,38/64,45 9 233472 67,10 Thyssen-Krupp 0,45 20,21 20,25 -0,20 20,73/20,08 35,84/16,91 10 42314 10,40 * Volkswagen Vz 2,26 114,85 114,15 +0,61 116/113 151/88,54 6 149412 19,54 MDax 19.10. 18.10. Tages- Tages- 52-Wochen KGV Gesamt- Markt- Div. Schluss Schluss Veränderung in Prozent Hoch / Tief Hoch / Tief 2011 Umsatz Wert MDax – 8934,17 8973,86 -0,44 9101/8900 11187/7783 – 363241 – Aareal Bank – 13,52 12,88 +4,97 14,02/13,08 26,25/9,48 8 8005 0,81 Aurubis 1,00 40,98 40,66 +0,77 41,65/40,50 45,85/33,67 10 6423 1,84 Baywa vink. Na 0,50 31,22 31,47 -0,81 31,81/31,15 35,04/24,05 16 908 1,03 Bilfinger Berger 2,50 61,83 62,89 -1,69 63,82/61,77 69,54/52,18 12 14465 2,85 Boss Vz 2,03 67,51 69,38 -2,70 70,99/66,68 80,00/45,20 18 6952 2,33 Brenntag 1,40 72,73 73,16 -0,59 74,29/72,25 84,74/63,84 13 6642 3,75 Celesio 0,50 10,95 10,89 +0,55 11,24/10,89 20,05/9,29 9 3969 1,86 Continental – 51,63 53,07 -2,71 54,10/51,22 76,28/39,44 7 27712 10,33 Deutz – 4,39 4,39 -0,07 4,58/4,37 7,22/3,70 8 2918 0,53 Douglas 1,10 27,26 28,23 -3,45 28,37/27,15 43,20/26,87 12 2335 1,07 Dt. Euroshop 1,10 25,89 25,64 +0,99 26,15/25,60 29,06/23,70 19 2312 1,34 Dt. Wohnen 0,20 10,47 10,64 -1,64 10,77/10,43 12,00/8,55 21 1005 0,86 EADS 0,22 21,43 22,30 -3,88 22,30/21,30 25,02/16,64 25 4290 17,57 Elring-Klinger 0,35 18,91 19,41 -2,55 19,60/18,72 26,98/15,15 13 2004 1,20 Fielmann 2,40 78,56 79,00 -0,56 79,84/78,33 79,08/61,72 25 2851 3,30 Fraport 1,25 45,93 45,68 +0,56 46,51/45,65 58,10/40,68 17 4844 4,22 Fuchs Petrol. Vz 0,90 34,65 34,40 +0,73 35,15/34,37 39,73/28,72 12 5099 1,23 Gagfah 0,50 4,51 4,53 -0,55 4,63/4,42 8,95/3,62 9 1515 1,02 Gea Group 0,40 19,59 19,51 +0,41 20,04/19,44 25,50/16,33 12 9389 3,60 Gerresheimer 0,50 32,47 32,53 -0,18 32,89/32,45 36,62/27,62 14 2467 1,02 Gerry Weber 0,55 21,39 21,53 -0,63 21,87/21,16 24,58/16,20 15 1654 0,98 Gildemeister – 9,95 9,90 +0,51 10,15/9,80 17,50/8,69 13 2807 0,60 GSW Immobilien – 23,00 22,53 +2,09 23,10/22,60 24,45/20,24 15 1007 0,94 Hamburger Hafen 0,55 20,40 20,34 +0,32 20,94/20,34 35,81/19,68 17 1254 1,43 Hannover Rück 2,30 37,52 36,47 +2,89 37,52/36,62 43,29/29,31 9 10065 4,52 Heidelb.Druck – 1,54 1,54 +0,33 1,59/1,54 3,87/1,23 – 868 0,36 Hochtief 2,00 52,98 51,09 +3,70 53,47/52,32 76,55/42,12 25 13155 4,08 Kabel Deutschland – 41,01 41,57 -1,34 42,43/40,52 47,42/31,27 30 9957 3,69 Klöckner & Co 0,30 10,37 10,14 +2,32 10,59/10,22 25,58/8,58 12 9132 1,03 Krones 0,40 39,08 39,03 +0,13 40,37/38,73 59,06/35,35 12 2495 1,23 KUKA – 14,17 14,10 +0,50 14,65/14,13 20,00/12,50 14 1183 0,48 Lanxess 0,70 40,79 40,96 -0,43 41,88/40,43 63,00/32,97 7 17485 3,39 Leoni 0,70 29,14 29,15 -0,05 30,19/28,90 42,31/21,69 6 7218 0,95 MTUAeroEngines 1,10 49,65 49,98 -0,66 50,42/49,26 55,63/41,05 13 7187 2,58 ProSiebenSat1Vz 1,14 14,64 14,48 +1,14 15,47/14,60 24,80/11,49 8 13664 1,60 Puma 1,80 226,70 225,05 +0,73 230/224 255/197 15 5566 3,42 Rational 5,0+4,0 169,55 170,25 -0,41 172/168 194/146 23 933 1,93 Rheinmetall 1,50 38,70 38,62 +0,21 39,81/38,41 66,46/31,84 7 5606 1,53 Rhön-Klinikum 0,37 14,99 15,06 -0,50 15,22/14,92 17,96/14,44 13 3422 2,07 Salzgitter 0,32 37,90 38,47 -1,48 39,23/37,79 64,72/33,70 14 13079 2,28 SGL Carbon – 46,30 44,97 +2,97 46,65/44,62 44,97/25,10 40 39781 3,06 Sky Deutschland – 2,12 2,07 +2,62 2,16/2,09 3,79/0,91 – 4643 1,50 Springer 1,60 27,40 26,92 +1,78 27,79/27,12 41,67/24,50 9 4392 2,71 Stada Arznei 0,37 17,27 17,19 +0,49 17,88/17,23 31,22/14,40 7 7329 1,02 Südzucker 0,55 22,11 22,03 +0,36 22,25/21,73 26,11/16,47 13 9071 4,19 Symrise 0,60 18,18 17,99 +1,06 18,21/17,84 22,74/16,43 14 7523 2,15 TUI – 4,50 4,50 +0,02 4,65/4,42 10,86/3,59 8 4116 1,13 Vossloh 2,50 73,45 72,69 +1,05 75,04/72,75 99,58/63,36 17 5102 1,09 Wacker Chemie 3,20 75,88 78,66 -3,53 81,04/75,00 173/66,90 7 34114 3,96 Wincor Nixdorf 1,70 37,65 37,78 -0,34 38,66/37,45 62,98/32,55 11 3329 1,25 TecDax 19.10. 18.10. Tages- Tages- 52-Wochen KGV Gesamt- Markt- Div. Schluss Schluss Veränderung in Prozent Hoch / Tief Hoch / Tief 2011 Umsatz Wert TecDax – 689,02 677,56 +1,69 691/678 949/626 – 100213 – Adva – 3,65 3,76 -2,82 3,90/3,62 7,76/3,08 21 787 0,17 Aixtron 0,60 10,03 9,97 +0,58 10,10/9,80 33,48/9,97 7 14330 1,01 BB Biotech 3,20 CHF 43,90 43,34 +1,30 43,90/43,20 55,00/39,35 21 350 0,72 Bechtle 0,75 26,58 25,28 +5,12 27,28/25,30 34,35/23,48 9 1379 0,56 Carl Zeiss Med. 0,22+0,33 13,23 13,40 -1,27 13,50/13,05 16,50/12,01 16 678 1,08 Centrotherm 0,70 14,40 14,36 +0,28 14,72/14,25 42,52/14,08 5 436 0,30 Dialog Semicon. – 13,91 14,39 -3,34 14,30/13,67 19,57/10,69 16 11529 0,90 Drägerwerk Vz 1,19 80,00 80,00 - 82,50/78,41 89,30/55,30 14 1589 0,51 Drillisch 0,50 7,96 7,86 +1,26 8,00/7,85 8,77/5,50 12 1878 0,42 Evotec – 2,33 2,34 -0,47 2,37/2,30 3,40/1,72 58 403 0,28 Freenet 0,80 9,35 9,20 +1,66 9,45/9,16 9,63/6,97 12 4904 1,20 Gigaset – 2,63 2,62 +0,23 2,64/2,58 4,63/1,97 7 297 0,10 Jenoptik – 4,62 4,80 -3,63 4,82/4,60 6,58/4,30 11 265 0,26 Kontron 0,20 5,29 5,37 -1,53 5,41/5,20 9,38/5,00 9 1681 0,29 Morphosys – 18,91 19,00 -0,47 19,15/18,90 21,68/15,53 43 371 0,43 Nordex – 3,92 3,80 +3,13 3,96/3,81 9,37/3,57 78 910 0,26 Pfeiffer Vac 2,90 70,06 69,81 +0,36 70,99/69,15 99,50/59,67 12 2081 0,69 PSI 0,23 17,67 17,85 -1,01 17,90/17,50 23,05/15,00 27 211 0,28 Q-Cells – 0,52 0,54 -3,52 0,56/0,51 3,50/0,50 – 675 0,08 Qiagen – 9,25 9,28 -0,31 9,35/9,07 15,12/9,28 10 8124 2,16 QSC – 2,44 2,43 +0,58 2,50/2,38 3,65/1,66 14 1499 0,33 Singulus Techn. – 2,99 2,71 +10,28 3,08/2,83 4,96/2,24 30 1955 0,15 SMA Solar Techn. 3,00 38,71 39,17 -1,17 40,40/38,50 89,25/36,05 7 3040 1,34 Software AG 0,43 30,45 27,19 +11,99 30,57/28,62 43,69/22,25 13 25372 2,62 Solarworld 0,19 3,01 2,93 +2,59 3,13/2,96 11,95/2,75 5 3354 0,34 Stratec Bio. 0,50 28,78 28,31 +1,64 28,95/28,26 33,60/26,50 19 114 0,33 Süss MicroTec – 7,17 6,58 +8,97 7,17/6,53 13,57/5,67 8 2223 0,13 United Internet 0,20 13,89 13,59 +2,17 13,89/13,60 14,69/10,90 17 6657 3,12 Wirecard 0,10 11,71 11,66 +0,39 11,81/11,60 13,06/9,94 19 2098 1,19 Xing – 61,33 61,38 -0,08 62,61/60,10 62,84/30,30 35 1023 0,32 SDax 19.10. 18.10. Tages- Tages- 52-Wochen KGV Gesamt- Markt- Div. Schluss Schluss Veränderung in Prozent Hoch / Tief Hoch / Tief 2011 Umsatz Wert SDax – 4483,82 4457,83 +0,58 4488/4462 5611/4133 – 28699 – Air Berlin – 2,67 2,66 +0,38 2,70/2,63 4,15/2,42 – 26 0,23 Alstria Office 0,44 9,10 9,19 -1,01 9,17/8,96 11,18/7,80 16 368 0,65 Amadeus Fire 1,67 27,85 27,29 +2,07 28,00/27,50 36,25/24,05 9 198 0,14 Balda – 5,42 5,57 -2,68 5,56/5,36 9,90/4,56 – 661 0,32 Bauer 0,60 19,31 19,30 +0,05 19,79/19,15 38,49/16,11 9 420 0,33 Bertrandt 1,20 39,20 38,56 +1,66 40,00/38,30 59,40/33,11 8 1054 0,40 Biotest Vz. 0,44 36,50 37,50 -2,67 37,50/36,10 50,97/34,27 16 185 0,19 Catoil 0,10 4,22 4,31 -1,90 4,42/4,10 8,30/3,65 9 176 0,21 Centrotec 0,10 13,42 13,54 -0,89 13,59/13,42 24,25/12,11 9 329 0,23 CeWe Color 1,25 28,74 28,32 +1,47 28,78/28,35 35,98/25,78 10 322 0,21 Comdirect 0,42 7,53 7,54 -0,17 7,55/7,42 8,65/6,38 15 167 1,06 Constantin Med. – 1,41 1,41 +0,36 1,41/1,38 2,40/1,38 – 26 0,12 CTS Eventim 0,87 22,88 22,89 -0,04 22,91/22,47 25,58/18,95 22 596 1,10 Delticom 2,72 80,55 80,10 +0,56 81,97/78,71 81,13/50,58 29 4023 0,95 Derby Cycle – 27,97 27,91 +0,23 28,00/27,91 28,50/11,49 14 564 0,21 DIC Asset 0,31 6,65 6,49 +2,54 6,65/6,51 10,88/5,43 21 677 0,30 Dt. Beteilig. 0,4+1,0 15,30 15,08 +1,46 15,33/15,16 23,40/14,35 15 26 0,21 Dürr 0,30 29,20 28,50 +2,46 29,50/28,33 31,79/20,63 13 3429 0,51 Gesco Ind. – 58,49 58,23 +0,45 58,80/57,50 72,49/43,00 9 164 0,18 GfK SE 0,48 31,40 30,90 +1,62 32,07/30,99 40,80/27,57 11 436 1,14 Grammer – 14,03 14,68 -4,46 15,00/14,03 20,50/10,87 7 1184 0,16 Grenkeleasing 0,70 38,37 37,60 +2,05 38,84/37,96 45,83/33,79 15 268 0,53 H&R 0,65 14,92 15,35 -2,80 15,53/14,81 22,78/14,50 10 522 0,45 Hamborner Reit 0,37 6,35 6,40 -0,78 6,43/6,35 8,10/6,11 32 138 0,22 Hawesko 1,75 32,50 32,67 -0,54 32,67/32,01 41,00/27,95 16 32 0,29 Highlight 0,17 CHF 3,18 3,16 +0,51 3,21/3,16 5,10/3,16 4 66 0,15 Hornbach Hld. 0,67 48,00 47,20 +1,69 50,53/47,26 63,30/36,50 9 110 0,38 Indus Hld. 0,90 18,21 18,36 -0,79 18,61/18,21 24,90/16,95 6 248 0,37 IVG Immobilien – 2,85 2,71 +5,06 2,89/2,72 7,71/2,19 – 1313 0,39 Jungheinrich Vz 0,55 21,36 21,30 +0,26 21,91/21,20 33,44/17,80 7 922 0,34 Koenig & Bauer 0,30 12,13 12,08 +0,46 12,31/11,60 19,30/10,96 10 95 0,20 KWS Saat 1,90 148,90 148,30 +0,40 151/148 167/121 14 77 0,98 MLP 0,30 4,72 4,70 +0,51 4,78/4,64 7,87/4,49 19 168 0,51 MVV Energie 0,90 23,68 23,57 +0,47 23,75/23,64 29,90/21,50 15 105 1,56 Norma Group – 13,27 13,30 -0,23 13,63/13,15 20,80/11,65 8 306 0,42 Patrizia Immo. – 3,82 3,80 +0,50 3,83/3,81 5,90/3,06 20 30 0,20 Praktiker 0,10 2,76 2,72 +1,55 2,90/2,72 8,84/2,06 – 1601 0,16 Prime Office REIT – 4,80 4,79 +0,21 4,80/4,70 6,77/3,59 11 27 0,25 SAF Holland – 3,90 3,42 +14,04 3,92/3,45 9,47/3,24 7 3296 0,16 Schaltbau 1,10 73,90 71,70 +3,07 74,00/72,50 83,89/51,80 9 158 0,14 Sixt 0,70 15,95 15,50 +2,87 16,03/15,63 20,76/12,67 9 392 0,53 SKW Stahl – 14,20 14,01 +1,39 14,32/14,11 21,00/12,22 9 16 0,09 Ströer – 10,50 10,65 -1,41 10,70/10,50 27,35/9,60 11 138 0,44 TAG Immob. – 6,19 6,17 +0,29 6,26/6,17 7,40/5,69 10 1278 0,40 Takkt 0,32 8,64 8,92 -3,14 8,97/8,63 12,28/8,25 9 292 0,57 Tipp24 – 32,33 32,60 -0,83 32,55/32,06 35,50/25,80 8 305 0,26 Tom Tailor – 11,26 11,23 +0,27 11,38/11,22 16,99/9,77 13 456 0,19 VTG 0,33 14,40 14,54 -0,96 14,64/14,23 19,86/13,05 14 375 0,31 Wacker Neuson 0,17 8,99 9,00 -0,17 9,08/8,81 13,49/8,35 12 145 0,63 Zooplus – 52,00 48,05 +8,22 52,00/47,24 63,80/22,50 – 791 0,29 Wechselkurse 1 € = Sorten* Devisen 19.10. Währ. Verk. Ank. Geld Brief Australien AUD 1,2681 1,4236 1,3387 1,3399 Brasilien BRL 2,0098 2,8251 2,4286 2,4366 China CNY 7,0824 10,578 8,7855 8,8055 Dänemark DKK 7,0197 7,8701 7,4452 7,4457 Großbritann. GBP 0,8369 0,9223 0,8721 0,8724 Hongkong HKD 9,6658 11,868 10,719 10,722 Japan JPY 101,28 112,45 105,87 105,89 Kanada CAD 1,3309 1,4779 1,3956 1,3961 Neuseeland NZD 1,5661 1,9017 1,7292 1,7312 Norwegen NOK 7,3595 8,1694 7,7120 7,7180 Polen PLN 4,0454 4,7320 4,3442 4,3505 Russland RUB 38,495 49,201 42,765 42,772 Schweden SEK 8,6268 9,6432 9,1055 9,1096 Schweiz CHF 1,1918 1,3116 1,2422 1,2426 Singapur SGD 1,6103 1,8847 1,7436 1,7445 Südafrika ZAR 9,4584 12,647 11,028 11,036 Tschechien CZK 22,070 27,560 24,874 24,899 Türkei TRY 2,3974 2,7722 2,5644 2,5665 Ungarn HUF 258,49 342,58 296,00 296,31 USA USD 1,3249 1,4615 1,3786 1,3789 Euroreferenzpreis öffentl. Banken 1,3845 Dollar je Euro Schluss Börse Frankfurt 52-Wochen Heimatbörse W 19.10. 18.10. Hoch / Tief Div. 118000 0,43 0,51 3,51/0,33 – – 3U Holding 0,80 0,82 0,98/0,60 – 0,02 4SC 1,74 1,74 4,82/1,43 – – A A-Tec Ind. – 0,83 7,13/0,79 0,84 0,00 A.S. Creation 24,95 24,34 34,00/23,92 – 1,35 AAP Impl. 0,92 0,92 1,23/0,75 – – Acciona 70,10 67,82 80,01/49,74 69,00 3,10 Accor 22,47 21,61 35,62/19,28 22,62 0,62 AD Pepper 1,15 1,13 2,10/1,06 – – ADC Afr. Dev. Corp. 9,08 9,15 12,72/5,85 – – Adecco 32,98 32,34 51,33/27,29 40,54 1,10 CHF Adler Modemärkte 8,00 7,94 10,14/7,45 – – ADV Vision Tech 3,20 3,20 4,50/2,70 – – Aegon 3,37 3,24 5,70/2,68 3,37 – Aeroflot 120,65 120,00 205/108 – – USD Ageas 1,40 1,31 2,53/1,10 1,39 0,06 Agennix 3,07 3,14 4,03/2,45 – – Agfa Gevaert 1,87 1,88 5,18/1,61 1,89 – Ahlers 9,78 9,57 11,30/8,60 – 0,55 Ahlers Vz 9,85 9,70 10,89/8,51 – 0,60 Ahold 9,28 9,27 10,02/7,72 9,36 0,29 Air France KLM 5,43 5,47 15,03/4,79 5,52 – AIRE 8,28 8,27 11,46/8,15 – – Akamai 16,75 17,14 40,82/13,79 23,21 – USD Aker Solutions 7,19 7,16 16,45/6,58 57,70 2,75 NOK Akzo Nobel 34,84 35,36 53,20/29,99 34,89 1,40 Alcatel Lucent 1,94 2,08 4,42/1,76 1,96 – Aleo Solar 25,83 25,83 26,75/16,05 – – All for One Mid 7,32 6,85 10,34/5,31 – 0,30 Alphaform 1,73 1,71 2,52/1,36 – – Alstom 26,05 25,70 45,10/23,28 26,04 0,62 AMD 3,52 3,37 7,00/3,36 4,90 – USD Analytik Jena 9,93 9,90 10,92/7,81 – 0,15 Andritz 62,10 64,00 75,00/54,38 61,81 1,70 Anglo Platinum 48,53 49,00 83,45/47,20 5.40t – ZAR Anglogold Ash. 30,36 30,71 37,77/27,89 3.38t 1,45 ZAR Antena 3 4,25 4,32 7,80/3,95 4,32 0,45 Archer Daniels 20,17 20,06 27,51/18,11 27,78 0,64 USD Ariba 22,93 22,81 25,60/13,21 31,79 – USD Artnet 4,48 4,44 7,86/3,96 – – Asian Bamboo 10,85 11,74 40,55/9,25 – 0,36 ASML 28,96 29,11 32,81/22,32 28,87 0,40 AT & S 8,71 8,75 18,19/8,15 8,80 0,36 Atlantia 11,77 11,45 16,95/9,50 11,65 0,73 Atoss Softw. 16,50 16,50 17,97/15,50 – 0,60 Augusta Techn. 15,76 15,50 20,30/13,17 – 0,45 B Baader Bank 2,12 2,00 3,45/1,93 – 0,12 Ballard Power 0,92 0,97 1,75/0,84 1,31 – CAD Baloise Hold. 55,18 55,18 79,31/49,89 69,40 4,50 CHF Bank of East Asia 2,36 2,33 3,46/2,08 25,70 0,99 HKD Barrick Gold 33,38 33,76 41,18/29,98 46,61 0,47 CAD Basler 10,99 11,09 15,25/9,85 – 0,30 BayWa Na – 31,00 34,48/28,21 – 0,50 BDI BioEnergy 13,51 13,50 23,30/12,45 – – Beate Uhse 0,31 0,32 0,50/0,25 – – Berkshire Hath. B 54,44 53,42 63,46/47,22 75,23 – USD Biolitec – 2,15 4,51/2,00 – 0,10 Biotest 40,00 40,59 52,90/37,00 – 0,38 Blackstone 10,05 9,48 13,49/8,00 13,89 0,40 USD BMP konv. 0,64 0,65 1,69/0,65 – – BMW Vz 38,46 38,50 45,63/32,28 – 1,32 BOCHK – 1,65 2,76/1,44 18,22 1,20 HKD Bombardier b 2,78 2,87 5,22/2,57 3,90 0,10 CAD Boss 64,16 63,55 77,05/39,40 – 2,02 Bouygues 26,88 26,82 34,81/21,61 27,00 1,60 Bridgestone 16,48 16,75 17,61/12,33 1.81t 20,00JPY Broadcom 27,67 27,54 35,54/21,68 37,97 0,36 USD Brüd.Mannesm. 0,90 0,90 2,15/0,84 – – BT Group – 2,04 2,32/1,62 181,0 7,40 GBp Business China 1,50 1,50 4,89/1,21 – – Bwin Party Dig. 1,22 1,21 3,15/1,15 1,21 1,56 BYD Co. 1,33 1,31 5,31/1,08 14,46 0,00 HKD C C-Quadrat Invest 21,91 21,95 33,39/18,42 – 2,21 Cameco 15,26 14,77 32,91/13,12 20,85 0,40 CAD Cancom IT 8,17 7,95 11,44/6,73 – 0,15 Canon 32,90 32,57 39,51/29,54 4.53t 120,0JPY Cap Gemini 26,32 26,43 42,83/22,61 26,41 1,00 Cathay Pacific 1,21 1,21 2,35/1,18 13,16 0,96 HKD Cenit Syst. 4,73 4,73 6,02/4,46 – 0,15 Centrosolar 2,08 1,98 6,25/1,65 – – Ceotronics 1,50 1,50 2,10/1,38 – 0,10 CEZ 29,09 29,39 39,50/27,50 – 50,00 Chalco 0,35 0,36 0,75/0,32 – 0,01 Check Point 43,00 42,58 43,30/28,51 59,52 – USD Cheung Kong 8,35 8,31 13,06/7,61 90,45 2,98 HKD China Life 1,79 1,76 3,40/1,61 – 0,49 HKD China Mobile 7,13 7,04 7,76/6,12 76,20 3,18 HKD China Nat. Build. 0,79 0,81 2,93/0,54 – 0,06 HKD China Petroleum 0,67 0,66 0,82/0,58 – 0,28 HKD China Precision 0,39 0,35 1,61/0,31 0,54 – USD China Res. Enter. 2,61 2,66 3,27/2,38 28,35 0,53 HKD China Spec. Glass 6,45 6,48 7,85/5,52 – – China Unicom 14,06 13,90 15,95/9,73 15,42 – HKD Clariant 7,65 7,75 15,38/5,93 9,44 – CHF CNOOC 1,23 1,23 1,93/1,11 13,18 0,50 HKD Colexon Energy 0,39 0,39 2,55/0,36 – – Comarch Softw. 1,57 1,57 6,30/1,47 – – CompuGroup 9,25 8,92 12,60/7,47 – 0,25 Conergy 0,31 0,32 7,20/0,25 – – Cor & FJA 1,55 1,55 2,23/1,36 – 0,00 Corning 9,78 9,52 17,01/8,98 13,49 0,20 USD Credit Agricole 5,07 4,94 12,75/4,24 4,99 0,45 Crocs 11,89 12,34 21,74/9,60 15,90 – USD Cropenergies 5,40 5,28 6,59/4,13 – 0,15 Curanum 2,10 2,05 2,84/1,91 – – D DAB Bank 3,05 3,00 4,95/2,81 – 0,20 Danaher Corp. 32,79 32,13 38,49/27,79 45,08 0,10 USD Data Modul 12,22 12,23 15,77/10,38 – 0,40 Deag 2,11 2,07 3,58/2,05 – – Deere 50,68 51,19 71,07/45,63 70,45 1,64 USD Demag Cranes 57,24 57,00 60,30/32,81 – 0,60 Deufol 1,12 1,11 1,78/1,00 – 0,03 Devon Energy 44,57 43,28 66,02/40,50 62,76 0,68 USD DF Dt. Forfait 3,76 3,90 6,17/3,76 – 0,15 Dr. Hönle 9,95 10,01 13,62/6,92 – 0,30 Drägerwerk 58,00 58,50 69,84/46,50 – 1,13 Dt. Postbank 20,25 20,27 25,13/19,92 – – Dyckerhoff 28,56 28,99 41,00/28,14 – 0,50 Dyckerhoff Vz. 28,57 28,09 40,20/27,85 – 0,50 E Eckert & Ziegler 25,18 24,51 31,30/22,45 – 0,60 Ecotel Comm. 4,27 4,38 7,15/3,01 – – EDF 22,81 22,63 33,94/18,77 22,87 1,15 Einhell Germany 32,97 32,35 43,25/29,91 – 0,80 Electronics Line 1,09 1,06 1,30/0,50 – 0,00 Elexis 20,50 20,50 20,65/11,40 – 0,37 Eli Lilly 27,93 27,54 28,35/24,27 38,84 1,96 USD Elmos Semicon. 7,03 6,74 12,04/6,11 – 0,20 Endesa 17,43 17,29 23,93/15,81 17,34 1,02 Envitec Biogas 9,15 9,19 11,47/8,90 – – Epigenomics 3,96 3,95 11,40/3,30 – – Erste Bank 15,86 15,67 39,30/15,67 15,72 0,70 Essanelle Hair 9,37 9,26 10,99/7,69 – 0,50 Estavis 1,93 1,98 2,51/1,73 – – Euromicron 19,23 19,20 23,48/17,29 – 1,10 Evergreen Solar 0,03 0,03 4,50/0,02 0,03 – USD Exceet Group 6,45 6,65 10,25/6,65 – – F Fabasoft 2,75 2,74 4,98/2,40 – 0,00 Fair Val. Reit 4,24 3,90 5,00/3,80 – 0,10 Fiat 4,77 4,79 8,10/3,62 4,68 0,09 Fiat Industr. 5,79 5,77 10,61/2,27 – – First Sensor 10,45 10,00 11,04/7,70 – – Forsys Metals 0,40 0,46 2,50/0,34 0,58 – CAD Fortec Elektr. 8,80 8,77 9,85/7,14 – 0,30 Fortum 17,71 17,68 24,16/16,40 17,78 1,00 Francotyp-Post. 2,75 2,87 3,90/2,40 – – Freeport-McM. 26,10 24,53 47,14/22,61 36,00 1,00 USD Fres.Med.C.Vz 41,78 42,70 45,00/34,00 – 0,67 Fuchs Petrol. 33,43 33,09 37,10/27,50 – 0,88 Fujitsu 3,68 3,77 5,40/3,29 729,0 10,00JPY Funkwerk 4,20 4,33 8,95/3,30 – – G Gamesa 3,61 3,74 7,50/2,99 3,57 0,05 Schluss Börse Frankfurt 52-Wochen Heimatbörse W 19.10. 18.10. Hoch / Tief Div. Gas Natural 13,01 12,95 14,89/10,33 13,10 0,81 Gazprom ADR 7,64 7,60 12,10/6,67 52,65 0,27 USD Gen. Dynamics 44,96 44,14 57,67/39,75 63,22 1,88 USD General Motors 16,88 17,00 30,07/14,94 23,28 – USD Geratherm 5,64 5,66 8,85/5,52 – 0,40 GFT Techn. 3,40 3,22 4,91/2,85 – 0,15 Givaudan 613,38 618,36 813/575 750,0 21,50CHF GK Software 36,11 35,25 52,95/33,00 – 0,50 Glencore 4,63 4,71 6,13/3,99 409,0 – GBp Gold Fields 11,19 11,12 13,72/9,60 1.25t 1,20 ZAR Goodyear 8,83 8,96 12,97/6,62 12,22 – USD Graphit Krpfm. 20,74 19,45 24,98/15,24 – – GWB Immobilien 0,76 0,79 1,52/0,71 – – H Hang Lung 2,45 2,43 3,65/2,00 26,30 0,71 HKD Harley Davidson 24,98 24,70 32,30/21,78 34,47 0,50 USD Harmony Gold 8,72 8,78 10,93/7,80 9.73t 0,50 ZAR HCI Capital 1,00 1,03 3,50/0,97 – – Headwaters 1,13 1,03 4,40/0,84 1,54 – USD Heineken 34,47 33,88 42,93/32,19 34,49 0,80 Heinz 37,85 37,42 38,66/33,80 52,81 1,92 USD Heliad 2,35 2,20 4,19/1,90 – – Henkel 35,06 35,39 41,06/30,73 – 0,70 Heritage Oil 2,55 2,58 5,83/2,07 3,32 – CAD Höft & Wessel 2,65 2,60 4,29/2,33 – 0,10 Holcim 42,27 42,79 59,54/35,00 53,20 1,50 CHF Homag 8,60 8,65 18,00/5,15 – 0,30 Honda Motor 22,21 22,26 32,56/20,94 3.31t 60,00JPY Hongkong Ex. 10,86 10,83 18,63/9,80 117,0 4,47 HKD Hornb.-Baum. 24,00 24,21 28,15/22,00 – 0,50 Hutchison – 6,30 9,28/5,21 68,95 1,96 HKD Hypoport – 7,70 12,00/7,50 – – Hyundai GDR 21,72 21,23 25,12/17,15 2.21t 1.50t KRW I IBS 4,09 4,09 4,74/3,83 – 0,15 ICBC 0,39 0,39 0,63/0,34 4,18 0,18 CNY ICICI Bank 26,70 26,20 41,18/23,66 905,0 14,00INR Identive 1,64 1,59 3,92/1,00 2,24 – USD IFM Immobilien 7,82 7,90 10,55/7,62 – – Impala Platinum 15,25 15,61 26,83/14,00 1.72t 3,90 ZAR Infosys ADR – 40,00 59,41/32,70 2.72t 35,00INR Init Innovation 16,61 16,80 19,85/13,40 – 0,60 Integralis 5,73 5,86 8,92/5,14 – – Intercell 2,07 2,03 17,66/1,69 2,10 0,00 Intershop konv. 2,47 2,43 3,47/1,63 – – Intica 4,32 4,32 5,40/3,40 – – Invision Softw. 11,23 11,30 23,86/11,30 – – Isra Vision 15,90 15,79 20,35/14,57 – 0,20 Itelligence 6,03 6,21 7,45/5,73 – 0,14 ITN Nanovation 3,12 3,22 6,46/2,74 – – IVU Traffic Tech. 1,11 1,12 1,82/1,02 – – J Jaxx 1,23 1,24 1,83/1,03 – – JDS Uniphase 7,69 7,39 20,90/6,72 10,61 – USD Jetter 6,38 6,39 9,42/5,42 – – JK Wohnbau 6,99 6,98 8,90/6,92 – – Joyou 7,66 7,96 14,83/7,96 – – Jubii Europe 0,06 0,06 0,08/0,05 – 0,00 Jul. Baer – 26,71 35,46/23,33 34,77 0,60 CHF Juniper Netw. 15,39 15,33 32,71/12,71 21,03 – USD K KHD Humb. Wed. 4,41 4,26 8,25/4,25 – – Komatsu – 16,54 24,70/14,24 1.76t 42,00JPY KPN 9,90 9,97 12,26/9,00 9,89 0,81 Kromi Logistik 7,01 7,40 9,50/6,65 – 0,15 Kyocera – 67,00 79,62/61,00 8.50t 130,0JPY L Lafarge 28,46 27,82 48,42/23,26 27,95 1,00 LDK Solar 2,35 2,26 10,66/2,18 3,14 – USD Leifheit 16,52 16,57 26,88/16,21 – 3,00 Lloyd Fonds 1,04 1,05 3,75/0,87 – – Lloyds Bank 0,38 0,38 0,83/0,32 33,15 – GBp Loewe 3,32 3,25 7,37/3,20 – – Logitech 5,93 5,88 15,94/5,60 7,11 – CHF Logwin 1,05 1,10 1,54/0,97 – – Lonza Group 45,34 45,42 66,10/40,93 56,35 2,15 CHF Lowe’s Corp. 15,39 15,10 20,05/12,84 21,34 0,56 USD LPKF Las.&El. 9,93 9,94 14,75/8,40 – 0,40 Ludwig Beck 18,64 18,79 20,85/15,27 – 0,35 Lukoil ADR 39,97 40,20 53,72/35,59 55,20 2,04 USD M Magix 5,76 5,75 9,72/4,47 – 0,88 Man Group 1,89 1,80 3,81/1,72 158,0 13,42GBp MAN Vz 41,60 41,94 69,92/37,70 – 2,00 Manz Autom. 22,25 22,48 54,96/20,00 – – Marseille-Kl. 2,01 1,94 2,88/1,35 – – Mastercard 244,35 243,00 264/164 338,0 0,60 USD Masterflex 5,15 4,85 6,80/3,39 – 0,00 Mattel 19,64 19,93 20,59/15,80 27,37 0,92 USD MBB Industries 5,92 5,90 7,10/5,00 – 0,33 Mediaset 2,51 2,50 5,37/2,13 2,56 0,35 MediClin 3,89 3,81 4,41/3,61 – 0,05 Medigene 0,97 0,97 2,76/0,92 – – Mediobanca 5,97 5,87 8,03/5,35 6,11 0,17 Medion 15,16 15,00 15,17/9,20 – 0,23 MetLife 23,38 22,65 35,61/20,00 32,25 0,74 USD Metro Vz 24,86 24,61 39,24/22,99 – 1,49 Metso Corp 25,01 25,12 43,05/20,02 – 1,55 Mevis Med. Sol. – 3,45 18,25/2,80 – – Michelin 50,10 50,71 67,89/42,30 49,49 1,78 Mitsubishi Fin. – 3,15 4,30/2,96 1.02t 12,00JPY Mobile Teles 9,91 9,97 16,63/8,77 181,0 14,54RUR Mobotix 63,85 66,00 68,30/37,16 – 1,50 Moduslink 2,91 2,86 5,30/2,41 4,01 – USD Mol Magyar 56,94 57,39 96,59/48,54 1.71t 0,00 HUF Mologen – 7,05 9,00/6,75 – – Monsanto 52,77 53,56 56,73/40,49 73,04 1,20 USD Mood and M. 0,36 0,37 1,11/0,37 – – Moody’s 23,19 22,82 28,92/18,67 32,58 0,56 USD Mosenergo ADR 4,40 4,35 8,45/4,05 6,00 0,04 USD Motorola Sol. 32,93 32,34 33,20/21,98 45,00 – USD MPC Capital 1,96 1,95 6,46/1,77 – – Mühlbauer 27,50 28,15 48,80/22,30 – 1,30 MWB Fairtrade 1,40 1,40 2,25/1,38 – – N Nemetschek 26,00 25,61 35,60/22,00 – 1,00 Newcrest Mining 26,45 26,80 31,77/22,95 35,75 0,25 AUD Newmont Mining 45,82 46,74 52,00/35,65 63,58 1,20 USD Nexus 6,43 6,25 7,34/3,50 – – Nike 66,94 65,63 69,50/53,40 91,86 1,24 USD Nikon – 16,35 18,15/12,80 2.76t 34,00JPY Nintendo 113,76 114,12 226/102 4.86t 100,0JPY Nippon Steel 2,08 2,05 2,86/1,94 623,0 3,00 JPY Nobel Biocare 7,40 7,58 15,53/6,45 9,14 0,35 CHF Nomura Holding 2,69 2,80 5,13/2,58 1.60t 8,00 JPY Nordea – 6,38 8,93/5,58 6,94 – SEK Norilsk.N ADR 15,21 15,60 19,70/13,20 21,05 0,62 USD Norsk Hydro 3,65 3,56 6,19/3,17 28,06 0,75 NOK Novatek GDR 90,75 89,77 115/61,48 – 0,87 USD Novavisions – 0,09 0,20/0,09 – – November 0,35 0,40 0,87/0,35 – – Novo Nordisk 70,41 71,53 92,76/68,12 523,0 10,00DKK NYSE Euronext 19,35 19,80 29,10/17,06 26,99 1,20 USD O OHB 11,50 11,50 17,14/8,94 – 0,30 OMV 25,13 24,74 34,75/21,69 25,34 1,00 Orad HiTec 2,35 2,35 2,85/2,12 – 0,26 Orco Germany 0,70 0,70 1,22/0,42 – – Orkla 6,16 6,22 7,58/5,35 48,18 7,50 NOK OTP Bank 11,27 11,48 24,07/9,83 3.47t 73,09HUF OVB Holding 14,50 13,53 26,49/12,85 – 0,50 P P & I 26,55 26,53 30,80/23,96 – 0,04 Paion 1,54 1,52 2,78/1,32 – – Paragon 6,92 7,09 13,70/3,90 – – Parmalat 1,65 1,63 2,63/1,48 1,64 0,04 Paychex 20,51 20,25 24,97/17,75 28,49 1,28 USD Pernod-Ricard 64,24 62,89 72,38/57,25 64,60 1,44 Petrobras 16,05 16,14 25,82/14,89 22,28 1,24 USD Petrochina 0,90 0,90 1,10/0,82 9,70 0,42 HKD Petrotec 0,90 0,83 1,90/0,66 – – Peugeot 16,55 16,83 33,04/14,77 16,55 1,10 Schluss Börse Frankfurt 52-Wochen Heimatbörse W 19.10. 18.10. Hoch / Tief Div. Pfleiderer 0,39 0,39 3,74/0,39 – – Phoenix Solar 4,93 5,44 28,41/5,44 – 0,35 Pirelli 6,44 6,43 7,62/4,89 – – PNE Wind 1,60 1,61 2,61/1,40 – 0,04 Polis Immob. 9,29 9,21 10,95/7,58 – – Polyus Z. ADR 21,60 21,50 28,88/18,10 29,89 0,20 USD Porsche Vz 38,70 39,30 75,25/32,26 – 0,50 Portugal Telecom 5,23 5,22 10,74/5,17 5,25 2,30 Posco ADR 59,12 57,74 87,00/54,28 3.72t 1.00t KRW PostNL 3,26 3,33 20,78/3,10 – 0,50 Potash Sask. 35,50 35,75 47,09/30,90 49,33 0,28 USD Powerland 9,95 9,90 16,60/8,75 – – PPR 105,80 105,34 132/92,94 103,0 3,50 Priceline.com 354,22 354,62 401/248 485,0 – USD Princess Private 5,86 5,84 6,90/5,07 – – Procon Multim. 1,36 1,39 1,93/1,39 – – Progress 32,52 32,52 47,50/30,01 – 1,00 Pulsion 5,77 5,75 6,14/3,87 – – PVA Tepla 3,37 3,35 4,70/3,31 – 0,15 R R.Stahl 20,30 20,29 32,00/18,93 – 0,70 Raiffeisen Int. 21,85 22,03 44,89/19,20 21,86 1,05 Rambus 12,14 11,80 16,30/7,14 16,72 – USD Randstad 25,70 25,47 43,04/19,78 26,04 1,18 Realtech 5,76 5,61 11,39/4,76 – – Reckitt Benckiser 38,39 38,28 43,51/34,81 3.30t 120,0GBp Red Hat 33,65 33,30 36,83/21,99 46,00 – USD Reed Elsevier 8,61 8,53 10,27/7,45 8,58 0,41 Reliance GDR 24,30 23,97 36,77/21,77 842,0 8,00 INR Renault 26,44 26,17 49,43/22,51 26,55 0,30 Renewable Energy 0,61 0,62 2,82/0,58 4,72 – NOK Reply Deutl. 9,53 9,38 9,80/8,80 – 0,45 Repower Syst. 142,05 142,95 157/109 – 1,50 RHI 15,39 15,25 29,86/13,60 15,24 0,50 RIB Software 4,30 4,25 9,05/3,47 – – Richemont 38,19 37,61 47,76/33,21 47,00 0,45 CHF Richter Gedeon 122,37 119,98 173/98,54 3.61t 860,0HUF Roche Inh. 121,49 121,56 132/102 150,0 0,70 CHF Rofin Sinar 16,94 16,61 29,60/14,17 – – Rosneft ADR 4,60 4,51 6,94/4,01 – 0,10 USD Rostelecom ADR 19,95 19,70 32,55/18,40 28,60 0,22 USD Roth & Rau 22,08 22,21 24,20/10,90 – – Royal Bank Scot. 0,28 0,28 0,59/0,23 24,50 – GBp Rücker 9,55 9,73 15,35/9,00 – 0,45 RWE Vz 27,25 26,51 52,39/20,50 – 3,50 S SAG Solarstrom 3,00 3,03 5,18/2,94 – 0,13 Saipem 30,47 29,22 38,64/23,51 30,12 0,63 Samsung El. 282,73 278,92 330/220 – 5.50t KRW Samsung El. Vz 189,76 186,66 228/155 – 5.55t KRW Sandvik 8,83 8,96 15,19/7,82 81,50 3,00 SEK Sartorius 29,32 29,27 38,66/21,32 – 0,60 Sartorius Vz 30,49 30,15 38,04/17,82 – 0,62 Sasol 32,25 31,55 42,06/29,47 3.53t 1,05 ZAR Sberbank ADR 7,60 7,23 13,60/5,79 10,43 3,29 USD SBM Offshore 15,09 14,92 20,78/12,16 15,21 0,51 Scania 11,13 10,74 17,62/9,74 102,0 – SEK Schuler 8,61 8,45 12,75/3,93 – – SEB 4,21 4,16 6,76/3,49 38,42 1,50 SEK Secunet 10,25 10,50 12,41/8,59 – – Securitas 5,97 5,92 8,97/5,00 54,65 3,00 SEK Sedo Holding 2,51 2,45 4,50/2,19 – – Severstal GDR 8,94 8,91 14,95/7,38 – 0,13 USD SFC 4,00 4,00 5,30/3,70 – – Sharp – 6,47 8,50/5,34 2.02t 14,00JPY SHS Viveon 10,45 10,15 15,95/7,90 – – SHW 22,34 22,00 25,90/21,70 – – SinnerSchrader 2,28 2,22 2,68/1,80 – 0,08 Sixt Vz 13,24 13,14 15,73/10,27 – 0,71 Smartrac 10,76 10,82 20,05/10,80 – 0,45 SMT Scharf 18,46 18,45 22,94/13,41 – 0,85 Softbank 22,21 23,21 29,91/20,76 – 10,00 Softing 4,02 4,05 4,84/2,26 – 0,11 Solar Fabrik 2,33 2,40 6,32/2,15 – – Solon 1,28 1,30 6,40/1,24 – – Sony 14,80 15,17 28,24/13,65 4.71t 25,00JPY South. Copper 20,27 19,87 37,31/18,01 28,06 2,19 USD State Bk of India 57,62 57,36 112/56,16 1.91t 30,00INR Statoil 17,79 18,00 20,65/14,34 138,0 6,25 NOK STMicroelectron 5,34 5,26 9,63/4,00 5,17 0,29 Stryker 35,80 35,54 46,53/30,96 49,88 0,72 USD Suez Env. 11,60 11,33 15,95/10,12 11,62 0,65 Sunpower 6,71 6,61 15,94/5,21 9,40 – USD Suntech Power 1,57 1,56 7,81/1,51 2,13 – USD Sunways 1,98 2,05 5,80/1,82 – – Surgutn. ADR 5,83 5,70 9,11/5,28 7,95 0,17 USD Surteco 21,36 20,75 31,89/17,43 – 0,90 Svenska Hdlsbk. 19,68 19,05 24,97/16,39 181,0 9,00 SEK Swatch Group 272,70 280,06 382/245 350,0 5,00 CHF Swiss Life 84,48 82,53 125/73,23 106,0 – CHF Swiss Re 37,48 37,14 45,76/30,76 46,45 2,75 CHF Swisscom 295,66 296,36 344/291 367,0 21,00CHF Sygnis Pharma 1,78 1,75 2,99/1,50 – – Syngenta 213,08 212,80 245/188 266,0 7,00 CHF Synthes 118,67 117,74 128/84,62 147,0 1,80 CHF Systaic 0,02 0,02 0,71/0,01 – – Syzygy 3,32 3,30 4,08/3,07 – 0,20 T Takeda Pharma – 34,00 37,37/31,23 6.31t 180,0JPY Tata Motors ADR 13,67 13,39 27,90/10,56 187,0 4,00 INR Tatneft GDR 19,88 19,90 33,84/17,40 28,00 1,03 USD Technotrans 4,56 4,65 7,76/4,06 – – Telegate 5,74 5,76 9,34/5,35 – 0,50 Telekom Austria 8,08 8,17 11,31/6,94 8,14 0,75 Telenor – 11,66 12,39/10,44 90,50 3,80 NOK Teleplan 1,88 1,90 2,51/1,73 – 0,93 Teles 0,27 0,31 0,65/0,26 – 0,00 Teliasonera 5,00 5,03 6,28/4,44 45,75 2,75 SEK Thomps.Creek 5,04 4,85 11,77/4,35 7,01 – CAD Thomson Reuters 20,11 20,04 30,72/19,91 28,32 1,24 CAD Tognum 26,03 26,03 26,70/17,10 – 0,50 Tomorrow Foc. 3,81 3,79 5,43/3,17 – 0,05 Tomra Systems 5,15 4,93 6,61/3,96 39,10 0,60 NOK TomTom 3,04 2,90 7,95/2,55 3,05 – Toshiba 3,17 3,18 4,95/2,76 761,0 7,00 JPY Toyota Motor 24,55 24,60 34,66/23,90 5.78t 50,00JPY Travel24.com 8,30 8,68 16,50/7,38 – – U UMS Internat. 5,78 5,88 9,83/5,67 – 0,50 Unipetrol 6,84 6,86 8,12/6,75 172,0 0,00 CZK United Labels 3,39 3,34 5,80/2,81 – 0,15 United Power 5,00 5,13 8,76/3,83 – – UPM Kymmene 8,21 8,22 15,67/7,83 8,14 0,55 UPS 49,78 49,91 56,55/42,66 69,18 2,08 USD Uranium One 1,70 1,70 4,98/1,38 2,37 – CAD USU Soft.konv. 4,28 4,23 5,41/3,53 – 0,20 V Vale 16,00 16,00 26,80/15,30 38,33 – BRL Vallourec 45,03 46,04 87,50/38,66 44,26 1,30 VBH 3,84 3,87 5,06/3,70 – 0,06 Veolia Envir. 10,83 10,72 24,23/9,64 10,92 1,21 Verbio 2,63 2,71 4,90/2,21 – – Versatel 6,85 6,85 8,20/3,78 – – Vestas Wind 12,11 12,15 31,50/11,23 89,70 – DKK Villeroy & Boch 6,26 6,22 7,75/4,35 – 0,33 Visa 67,36 66,22 67,80/50,50 93,46 0,60 USD Vita 34 3,24 3,45 5,40/3,26 – – Vizrt 2,70 2,43 3,28/2,19 – – VMware 69,30 63,69 74,88/53,25 96,16 – USD Voestalpine 22,97 22,80 39,09/20,01 22,54 0,80 Volkswagen 102,18 102,00 137/80,42 – 2,20 Volvo B 8,35 8,17 13,29/6,98 74,85 2,50 SEK VTB Bank GDR 3,04 3,04 5,66/2,79 – 0,04 USD Vtion Wireless 2,75 2,67 11,48/2,28 – 0,21 W WashTec 8,75 8,80 11,70/8,00 – 0,31 Westag & Get. 16,55 16,65 21,92/15,43 – 0,94 Westag & Get. Vz 17,76 17,56 22,32/15,55 – 1,00 Wienerberger 8,63 8,72 16,25/7,98 8,62 0,10 Wilex 3,30 3,36 5,32/3,02 – – Wizcom techs 0,22 0,20 0,44/0,19 – – X Y Z Xstrata 10,76 10,65 18,75/9,02 927,0 20,40GBp Yara 32,36 32,30 44,83/26,12 247,0 5,50 NOK Yingli Green ADR 2,67 2,67 9,70/2,25 3,69 – USD Yoc 19,05 18,00 41,45/16,89 – – Youbish. Gr. Paper 6,07 6,06 6,58/6,01 – – Youniq 6,31 6,43 14,50/6,05 – – Zhongde 6,61 6,80 13,51/6,18 – 0,15 Stoxx 50 / Euro Stoxx 50 (ohne Dax-Werte) 17:58 Heimatboerse Tages- 52-Wochen KGV Markt- Frankfurt Div. W 19.10. 18.10. Veränderung in Prozent Hoch / Tief 2011 Wert 19.10. 18.10. Euro Stoxx 50 – 2327,91 2306,81 +0,91 3068/1995 – – – – Stoxx 50 – 2255,98 2243,16 +0,57 2769/2028 – – – – ABB 0,60 CHF 16,93 17,16 -1,34 23,88/15,00 11 31,65 13,71 13,82 Air Liquide 2,35 91,21 91,74 -0,58 100,00/83,83 17 26,01 91,68 91,94 Anglo American 40,50 GBp 2,27t 2,27t +0,04 3,43t/2,00t 6 34,64 26,18 26,41 Anh.-Busch Inb. 0,80 39,70 39,46 +0,61 45,75/35,15 11 63,97 39,84 39,71 Arcelor-Mittal 0,57 13,58 13,54 +0,33 29,27/11,22 7 21,19 13,58 13,57 Astrazeneca 162,0 GBp 2,98t 2,97t +0,32 3,33t/2,54t 6 45,63 34,33 33,94 Axa 0,69 10,80 10,39 +3,95 16,11/8,16 6 24,98 10,77 10,44 Banco Bilbao (BBVA) 0,42 6,45 6,31 +2,28 9,99/5,14 7 31,60 6,44 6,25 Banco Santander 0,60 6,15 6,07 +1,33 9,63/5,26 7 51,95 6,16 6,04 Barclays 5,50 GBp 179,45 175,10 +2,48 333,55/25,00 6 25,13 2,06 2,00 BG Group 13,66 GBp 1,35t 1,35t +0,44 2,49t/1,14t 17 54,32 16,01 15,65 BHP Billiton 87,00 GBp 1,89t 1,89t +0,08 2,63t/1,66t 6 45,85 21,71 21,95 BNP Paribas 2,10 31,78 29,94 +6,15 58,97/23,06 5 38,53 31,91 29,89 BP 4,34 GBp 436,95 430,90 +1,40 509,00/363,20 6 93,87 4,95 5,01 Brit.Amer. Tobacco 114,0 GBp 2,80t 2,77t +0,76 2,87t/2,28t 14 63,64 32,25 32,18 Carrefour 1,08 17,02 16,74 +1,67 38,96/15,07 11 11,47 16,89 16,76 Crédit Suisse 1,30 CHF 23,80 23,66 +0,59 44,99/19,79 8 22,65 19,10 19,12 CRH Plc 0,63 13,44 12,95 +3,78 17,00/10,50 16 9,25 12,91 12,70 Danone 1,30 46,70 46,40 +0,65 52,72/42,34 16 30,31 46,71 46,38 Diageo 38,10 GBp 1,33t 1,28t +3,98 1,30t/1,11t 15 38,05 15,21 14,62 Enel 0,25 3,46 3,41 +1,64 4,83/2,90 7 32,54 3,46 3,38 ENI 1,00 15,72 15,45 +1,75 18,42/12,17 7 62,76 15,67 15,51 Ericsson 2,25 SEK 65,50 68,50 -4,38 96,25/62,80 11 21,56 7,16 7,48 France Télécom 1,40 12,94 12,91 +0,27 17,36/11,39 8 34,06 12,86 13,03 GDF Suez 1,50 21,82 21,76 +0,28 29,94/19,18 12 49,57 22,02 21,86 Generali 0,45 12,90 12,65 +1,98 16,99/10,65 10 19,93 12,80 12,43 Glaxosmithkline 65,00 GBp 1,37t 1,36t +0,69 6,59t/1,12t 12 79,64 15,73 15,60 Hennes&Mauritz 16,00 SEK 209,20 208,00 +0,58 244,50/180,00 22 33,49 22,93 22,67 HSBC Holding 0,36 GBp 524,94 520,20 +0,91 730,90/473,55 9 106,24 5,95 5,94 Iberdrola 0,33 5,23 5,19 +0,81 6,47/4,42 10 30,75 5,23 5,21 Inditex 1,60 65,50 66,38 -1,33 67,58/51,25 21 41,21 66,11 67,27 ING – 6,24 5,99 +4,09 9,41/4,49 4 23,76 6,20 5,99 Intesa San Paolo 0,08 1,34 1,24 +7,32 2,68/0,87 8 20,60 1,33 1,26 L’Oreal 1,80 79,61 78,63 +1,25 90,22/71,22 19 47,32 78,73 78,73 LVMH 2,10 113,00 114,00 -0,88 130,55/97,79 18 57,37 112,88 114,20 National Grid 36,60 GBp 636,50 639,00 -0,39 649,50/530,00 13 26,14 7,34 7,31 Nestlé 1,85 CHF 51,55 51,50 +0,10 56,60/45,35 17 143,45 41,40 41,86 Nokia 0,40 4,48 4,40 +1,82 8,40/3,42 25 16,65 4,45 4,42 Novartis 2,20 CHF 51,55 51,50 +0,10 57,30/39,99 9 114,36 41,65 41,60 Philips 0,75 14,90 14,67 +1,57 25,34/12,23 12 15,02 14,89 14,74 Repsol 1,05 21,62 21,62 - 24,79/17,73 11 26,46 21,68 21,50 Rio Tinto 67,35 GBp 3,15t 3,16t -0,28 2,29t/2,71t 5 52,49 35,95 36,84 Roche Hold. Gen. 6,60 CHF 142,30 142,60 -0,21 150,50/117,00 11 80,87 115,10 114,78 Roy. Dutch Shell 1,25 25,46 25,01 +1,78 26,60/21,60 6 92,71 25,46 24,90 Saint Gobain 1,15 33,02 33,35 -0,97 47,16/27,03 10 17,61 32,88 33,45 Sanofi-Aventis 2,50 50,24 50,19 +0,10 56,26/44,19 8 67,69 50,20 49,86 Schneider Electric 3,20 44,62 44,89 -0,61 61,60/37,59 11 24,38 44,42 44,19 Societe Generale 1,75 19,45 19,24 +1,09 52,04/15,31 4 15,15 19,52 19,31 Standard Chartered 42,99 GBp 1,40t 1,39t +1,37 1,95t/300,00 11 37,63 15,82 16,12 Telecom Italia 0,06 0,89 0,88 +1,13 1,14/0,73 7 11,99 0,89 0,88 Telefonica 1,30 15,10 15,02 +0,50 19,60/12,69 9 68,51 15,01 15,06 Tesco 14,38 GBp 403,55 404,70 -0,28 439,00/356,25 11 37,59 4,69 4,71 Total 2,28 37,51 37,07 +1,20 44,41/30,38 7 88,66 37,59 37,20 UBS – CHF 10,74 10,50 +2,29 18,93/9,66 10 33,18 8,66 8,61 Unibail 5,30 144,40 143,30 +0,77 161,45/126,90 17 12,99 141,30 145,50 Unicredit 0,03 0,96 0,91 +5,20 2,00/0,65 7 18,43 0,96 0,92 Unilever NV 0,83 24,34 24,30 +0,14 24,62/21,00 15 37,28 24,28 24,36 Vinci 1,67 34,83 34,75 +0,24 45,10/30,58 10 19,48 34,52 34,36 Vivendi 1,40 16,02 16,15 -0,81 21,94/14,70 7 19,83 15,90 16,22 Vodafone 8,90 GBp 173,00 172,45 +0,32 182,75/155,05 11 101,24 2,00 1,97 Zurich Fin. 17,00 CHF 200,40 196,40 +2,04 274,50/144,90 8 23,63 161,15 158,42 Dow Jones 17:58 New York(in USD) Tages- 52-Wochen KGV Markt- Frankfurt Div. 19.10. 18.10. Veränderung in Prozent Hoch / Tief 2011 Wert 19.10. 18.10. Dow Jones – 11602,9411577,05 +0,22 12811/10655 – – – – 3 M 2,20 78,59 78,36 +0,29 97,97/70,93 13 55,76 56,26 56,14 Alcoa 0,12 10,06 10,14 -0,79 18,13/8,90 9 10,71 7,26 7,18 American Express 0,72 46,39 46,68 -0,62 53,59/39,03 12 55,38 33,81 32,95 AT & T 1,72 29,29 29,21 +0,27 31,86/27,33 12 173,57 21,00 21,19 Bank of America 0,04 6,75 6,64 +1,69 15,25/5,53 – 68,43 4,88 4,70 Boeing 1,68 63,77 63,47 +0,47 79,95/57,41 15 47,26 45,79 44,66 Caterpillar 1,84 84,72 84,72 - 115/70,55 13 54,73 61,75 61,75 Chevron 3,12 103,66 102,95 +0,69 110/80,97 8 207,63 75,34 73,62 Cisco Systems 0,24 17,39 17,51 -0,69 24,51/13,73 10 93,61 12,62 12,57 Coca-Cola 1,88 67,70 66,74 +1,44 71,23/61,01 18 155,44 49,12 48,72 Du Pont 1,64 44,40 44,98 -1,29 56,79/38,49 11 41,40 31,80 31,62 Exxon Mobil 1,88 79,15 78,89 +0,33 87,98/65,67 9 384,84 57,23 57,00 General Electric 0,60 16,82 16,71 +0,66 21,52/14,69 12 178,30 12,19 12,07 Hewlett-Packard 0,48 25,25 25,61 -1,41 48,99/22,20 5 50,17 18,15 18,11 Home Depot 1,00 35,73 35,95 -0,61 38,48/28,51 15 55,89 26,00 25,06 IBM 3,00 179,09 178,90 +0,10 191/139 13 213,88 129,88 129,43 Intel 0,84 24,35 23,40 +4,04 23,88/19,19 10 127,84 17,58 16,96 Johnson&Johnson 2,28 63,43 64,42 -1,54 67,92/57,66 13 173,82 46,00 46,49 JP Morgan Chase 1,00 33,27 32,87 +1,22 48,00/28,65 7 129,72 24,09 23,28 Kraft Foods 1,16 35,23 35,24 -0,03 35,93/30,19 16 62,22 25,51 25,49 McDonald’s 2,80 90,47 89,64 +0,93 90,79/72,67 17 93,34 65,55 64,78 Merck & Co. 1,52 32,87 32,79 +0,24 37,58/29,81 9 101,27 23,69 23,71 Microsoft 0,80 27,38 27,31 +0,24 28,87/23,71 10 231,02 19,75 19,73 Pfizer 0,80 18,95 18,97 -0,11 21,45/16,30 8 147,85 13,72 13,70 Procter & Gamble 2,10 65,20 64,92 +0,43 67,46/58,51 15 179,17 47,25 47,23 Travelers Cos. 1,64 54,26 51,46 +5,44 64,05/46,80 14 22,72 37,92 35,63 United Tech 1,92 74,06 74,12 -0,08 91,39/67,44 14 67,30 52,62 53,80 Verizon Comm. 2,00 37,31 37,24 +0,19 38,61/31,90 17 105,61 26,85 26,90 Wal-Mart 1,46 56,28 55,89 +0,70 57,57/48,41 13 193,98 40,80 39,96 Walt Disney 0,40 34,25 33,94 +0,91 44,07/29,00 14 63,57 24,70 24,25 weitere US-Aktien 17:58 New York(in USD) Tages- 52-Wochen KGV Markt- Frankfurt Div. 19.10. 18.10. Veränderung in Prozent Hoch / Tief 2011 Wert 19.10. 18.10. Nasdaq – 2646,36 2657,43 -0,42 2874/2336 – – – – Adobe Systems – 26,45 26,76 -1,16 35,86/22,69 12 13,06 19,10 19,05 Amazon – 237,45 243,88 -2,64 247/158 121 107,79 171,96 174,28 Apollo Group – 47,50 43,33 +9,62 53,86/34,00 10 6,52 33,96 30,40 Applied Mats 0,32 11,62 11,66 -0,39 16,85/9,85 9 15,30 8,43 8,26 Baidu – 133,29 132,37 +0,70 164/96,53 46 36,12 96,62 95,00 Biogen Idec – 102,26 102,64 -0,37 109/58,31 17 24,80 75,00 73,76 Celgene – 65,85 65,87 -0,03 66,36/49,50 18 30,21 47,49 47,03 Citrix Sys. – 65,92 64,50 +2,20 87,62/50,31 28 12,41 47,93 45,50 Comcast 0,45 23,87 23,78 +0,38 26,68/19,38 15 49,88 17,19 16,98 Dell – 16,27 16,37 -0,64 17,52/13,15 8 29,67 12,00 11,57 EBay – 34,15 33,87 +0,83 34,69/25,66 17 44,01 24,90 24,33 Electronic Arts – 24,18 24,51 -1,35 25,05/14,85 27 7,98 17,79 17,46 First Solar – 53,59 55,91 -4,14 171/52,96 6 4,63 38,76 39,84 Garmin 1,50 34,54 34,64 -0,29 35,31/28,52 17 6,70 24,91 24,60 Gilead Sciences – 41,14 40,76 +0,93 43,21/35,34 10 31,74 29,57 29,19 Intuitive Surgical – 422,59 382,76 +10,41 414/248 37 16,52 300,79 282,04 Joy Global 0,70 78,90 79,85 -1,19 102/60,49 13 8,27 57,32 54,87 Microchip Tech. 1,39 33,55 33,71 -0,47 41,33/29,60 16 6,39 24,19 24,16 Network Appl. – 38,69 39,45 -1,94 60,60/33,64 16 14,25 28,37 27,40 Nvidia – 15,61 15,48 +0,83 25,68/11,09 16 9,42 11,39 11,15 Priceline.com – 484,97 493,21 -1,67 556/344 21 24,14 354,22 354,62 Qualcomm 0,86 53,39 54,56 -2,14 59,58/43,94 17 89,68 39,18 38,96 Research in Motion – 22,80 23,21 -1,76 69,86/20,30 5 11,95 16,59 16,40 Sandisk – 45,86 46,91 -2,24 53,24/32,37 10 10,97 33,25 33,44 Starbucks 0,52 41,79 42,45 -1,55 42,45/27,29 27 31,18 30,52 30,51 Symantec – 18,09 18,14 -0,28 20,42/15,42 11 13,40 13,20 12,73 Tellabs 0,08 4,35 4,36 -0,34 8,06/3,69 – 1,59 3,12 3,05 Teva Pharm. 0,87 39,40 39,45 -0,13 56,29/35,26 8 37,13 28,60 28,50 Verisign – 30,35 30,43 -0,26 37,38/27,52 21 5,05 – 22,13 Vertex Pharms – 40,91 40,94 -0,09 58,01/32,43 – 8,51 29,44 29,84 Wynn Resorts 2,00 137,65 137,65 - 165/99,60 25 17,20 99,71 97,40 Yahoo – 16,15 15,47 +4,40 18,65/11,09 22 20,39 11,70 11,19 S & P 500 – 1224,98 1225,38 -0,03 1364/1099 – – – – Abbott Labs 1,92 53,92 52,44 +2,82 54,00/45,16 12 83,93 40,23 37,52 AIG – 23,51 23,44 +0,28 51,26/20,46 7 44,61 16,81 16,43 Altria 1,64 27,49 27,53 -0,15 28,06/23,51 13 56,94 19,96 20,04 Amgen 1,12 57,90 57,28 +1,08 61,17/48,27 11 53,50 41,20 41,45 Apple – 405,58 422,24 -3,95 422/301 15 376,01 294,39 306,50 Avon Products 0,92 22,85 22,57 +1,24 34,43/18,97 11 9,84 16,37 15,94 Baker Hughes 0,60 56,56 55,72 +1,51 79,94/44,47 13 24,67 40,09 39,72 Bristol Myers 1,32 32,63 32,56 +0,21 32,96/24,97 14 55,66 23,65 23,86 Citigroup 0,04 30,77 29,88 +2,98 51,30/23,11 8 89,79 22,25 21,40 Colgate 2,32 92,85 92,34 +0,55 93,96/74,92 18 45,17 66,94 66,30 Conoco Philips 2,64 70,53 69,21 +1,91 81,21/58,95 8 96,84 50,85 49,54 Dow Chemicals 1,00 27,22 27,77 -1,98 41,34/21,51 10 32,15 20,13 19,16 EMC – 24,02 23,99 +0,13 28,47/20,28 16 49,60 17,54 17,30 Fedex 0,52 75,57 75,62 -0,07 98,50/65,15 12 23,97 54,36 54,01 Ford Motor – 11,82 11,78 +0,34 103/9,37 6 44,08 8,50 8,27 Goldman Sachs 1,40 103,88 102,25 +1,59 175/90,08 12 52,54 75,17 72,37 Google – 590,21 590,51 -0,05 640/475 17 150,04 426,40 427,94 Halliburton 0,36 34,71 35,29 -1,64 57,27/28,68 10 31,92 25,14 24,92 Honeywell 1,33 49,60 49,33 +0,55 62,00/41,94 12 38,81 35,51 34,99 Intern. Paper 1,05 25,96 25,92 +0,15 32,86/22,65 9 11,35 18,62 18,07 Lockheed Martin 4,00 76,53 75,98 +0,72 82,27/66,87 10 25,69 54,63 54,60 Medtronic 0,97 34,21 32,89 +4,00 43,20/30,41 10 36,12 24,29 24,02 Morgan Stanley 0,20 17,06 16,63 +2,56 30,99/12,47 17 32,88 12,47 11,00 Occidental Pet. 1,84 85,90 84,98 +1,08 116/68,58 11 69,82 62,00 60,00 Oracle 0,24 31,93 31,88 +0,16 36,37/24,78 13 161,07 23,23 23,00 Pepsico 2,06 62,62 62,41 +0,34 71,78/59,99 14 99,10 45,37 45,34 Philip Morris 3,08 66,75 66,31 +0,66 72,35/56,02 14 117,25 48,41 48,37 Schlumberger 1,00 70,13 69,91 +0,31 95,04/57,72 18 94,63 50,77 48,92 Texas Instruments 0,68 30,52 30,89 -1,20 36,56/24,82 14 35,26 22,31 22,26 Time Warner 0,94 33,92 33,76 +0,47 38,20/27,74 12 35,44 24,57 24,07 Wells Fargo 0,48 25,73 25,86 -0,50 34,10/22,88 9 135,85 18,57 18,04 Xerox 0,17 7,63 7,69 -0,81 12,01/6,72 7 10,71 5,48 5,44 Weltindizes 19.10. 18.10. Tages- Tages- 52-Wochen Schluss Schluss Veränderung in Prozent Hoch / Tief Hoch / Tief MSCI World (berechnet in US-$) – 1177,54 - –/– 1391,86/1074,50 AEX All Shares Amsterdam 301,68 298,68 +1,00 304,20/299,90 374,19/263,44 BUX Budapest 17547,38 17386,69 +0,92 17667,08/17424,36 24432,50/14940,77 OMX H25 Helsinki 1938,87 1951,11 -0,63 1964,75/1926,58 2710,72/1758,65 HangSeng Hongkong 18309,22 18076,46 +1,29 18426,29/18203,99 24964,37/16250,27 ISE Nat. 100 Istanbul 58028,57 58750,59 -1,23 59306,79/57818,52 71543,26/50307,63 JSE Top 40 Johannesburg 27901,10 27762,88 +0,50 28016,84/27720,55 29922,75/25180,59 FTSE 100 London 5437,46 5410,35 +0,50 5483,79/5410,35 6091,33/4944,44 IBEX 35 Madrid 8849,50 8811,30 +0,43 8907,30/8800,50 11113,00/7640,70 MIB Mailand 16293,19 15970,14 +2,02 16331,79/16050,76 23178,38/13474,14 RTS 1 Moskau 1438,63 1427,26 +0,80 1454,76/1420,18 2123,56/1217,21 Sensex Mumbai 17085,34 16748,29 +2,01 17106,99/16874,34 21004,96/15792,41 CAC 40 Paris 3157,34 3141,10 +0,52 3184,33/3137,05 4157,14/2781,68 PX SE Ind. Prag 934,00 925,10 +0,96 940,90/927,10 1276,30/864,10 Bovespa Sao Paolo 55031,00 53911,00 +2,08 55224,00/53188,00 72995,00/48668,00 Shanghai Co Shanghai 2377,51 2383,49 -0,25 2401,69/2374,42 3159,51/2344,79 Straits Times Singapur 2720,21 2724,69 -0,16 2745,68/2713,64 3313,61/2528,71 All Ordinaries Sydney 4274,80 4249,50 +0,60 4293,50/4249,50 5064,90/3927,60 Nikkei 225 Tokio 8772,54 8741,91 +0,35 8831,55/8745,36 10857,53/8374,13 S & P/TSE 300 Toronto 11964,57 12053,11 -0,73 12051,02/11906,21 14270,53/11177,91 VDax Volatil.-Dax 39,17 38,93 +0,62 39,32/37,41 50,74/15,31 WIG Warschau 39802,81 39837,96 -0,09 40123,09/39802,81 50329,73/36549,47 Austrian Tr. Wien 1952,40 1961,21 -0,45 1987,78/1945,90 3000,70/1829,49 Swiss Market Zürich 5699,98 5682,51 +0,31 5734,20/5686,64 6717,25/4791,96 ERLÄUTERUNGEN: Kursangaben: Notierungen in Deutschland verstehen sich in Euro und basieren auf Kursen des Xetra-und Spezialisten-Handels. In den Spalten mit der Bezeichnung Heimatbörse wird die Notierung und die Dividendenangabe in der jeweiligen Landeswährung (W) dargestellt. Ausnahme: Bei Aktien aus dem Euro-Raum erfolgt keine Währungsangabe. t nach dem Kurs: Darstellung in Tausend. * zuletzt verfügbarer Kurs. Notierungen von Dax, MDax, TecDax und SDax basieren auf Xetra-Kursen. Alle deutschen Werte sind mit Ausnahme von Porsche im Prime Standard notiert. Dividendenangaben gelten für das abgelaufene Geschäftsjahr. Bei US-Werten wird die letzte Quartalsdividende auf das Jahr hochgerechnet. D: Titel mit Dividendenabschlag gehandelt. KGV: Kurs-Gewinn-Verhältnis (Ibes-Schätzungen). Umsätze: Gesamtumsätze in Tausend Euro. Marktkapitalisierung: Angaben in Milliarden Euro. Aktienarten: ADR = Ame- rican Depositary Receipts, GDR = Global Depositary Receipts, Vz=Vorzugsaktien. Währungskürzel: AUD=austral. Dollar, BRL=brasil. Real, CAD=kanad. Dollar, CHF=Schweizer Franken, CNY=chines. Yuan, CZK=tschech.Krone, DKK=dänische Krone, GBP=brit. Pfund, HKD=Hongkong Dollar, HUF=ungar. Forint, INR=Ind. Rupie, JPY=japan. Yen, KRW=kor. Won, NOK=norweg. Krone, NZD=neuseel. Dollar, PLN=poln. Zloty, RUR=russ. Rubel, SEK=schwed. Krone, SGD=Singapur Dollar, TRY=türk. Lira, USD=US-Dollar, ZAR=südafrik. Rand; *Sortenkurse: Mitgeteilt von der Reisebank Frankfurt, Darstellung aus Sicht des Bankkunden. Kursgrafik: smallCharts, Quelle: GOYAX.de, AID Hannover, Morningstar Leserservice: 089 - 2183 7770 (11 bis 15:00 Uhr) Alle Angaben im Kursteil der SZ erfolgen ohne Gewähr Spekulationen auf eine massive Ausweitung des Euro-Rettungs- schirms haben Anleger am Mitt- wochandie europäischenAktien- märkte gelockt. Viele Investoren ignorierten sowohl Dementis aus der EU und dem deutschen Bun- desfinanzministerium als auch eine neuerliche Herabstufung der Kreditwürdigkeit Spaniens durch die Ratingagentur Moody’s und enttäuschende Zwischener- gebnisse des Computerkonzerns Apple. Der Dax schloss 0,6 Pro- zent höher bei 5914 Punkten. Selbst in Madrid stieg der Stan- dardwerte-Index leicht an. Der Euro Stoxx 50 lag unter Führung der Bankenwerte aus der Euro- Zone 0,9 Prozent im Plus. Grund für die Kauflaune der Anleger war einBericht der britischenZei- tung Guardian, in dem von einer Einigung Deutschlands und Frankreichs auf eine Hebelung des EFSF-Rettungsschirms auf zwei Billionen Euro die Rede war. Ein Sprecher des Bundesfi- nanzministeriums erklärte hinge- gen, über die 440 Milliarden Euro hinaus gebe es keine Diskussion. Dieses „Basta“ aus Berlin kostete den Dax im Handelsverlauf eini- ge Punkte. Die Hoffnung auf eine Rettung Griechenlands trieb die Papiere von Commerzbank und Deut- scher Bank an die Dax-Spitze mit Aufschlägen von rund vier Pro- zent. Aktien der Allianz gewan- nenum4,3 Prozent. Damit reagie- ren die Titel auf die Hoffnung auf eine Einigung der Schuldenkrise auf dem EU-Gipfel am kommen- den Wochenende. Im TecDax eroberten Papiere der Software AG mit plus zwölf Prozent die Spitze. Der Software- Hersteller hatte überraschend Zahlenfür das dritte Quartal vor- gelegt. Händler lobtendas Ergeb- nis vor Zinsen und Steuern. Die US-Börsen präsentierten sich uneinheitlich. Während der Standardwerteindex Dow Jones zur Handelsmitte mit 0,4 Prozent im Plus lag, sank der Index der Technologiebörse Nasdaq um 0,5 Prozent. Apple-Papiere fielen 3,9 Pro- zent, nachdem der Computerher- steller eine Umsatzdelle bei sei- nemVerkaufsschlager iPhone ein- geräumt hatte. Dagegen konnte der InternetkonzernYahoo mit ei- ner soliden Quartalsbilanz punk- ten. Die Papiere notierten 4,4Pro- zent höher. Intel verbreitete sei- nerseits Zuversicht und wurde mit Kursaufschlägenvonvier Pro- zent belohnt. Aktien von Morgan Stanley verteuerten sich um 2,6 Prozent. Ein Bilanzeffekt verhalf dem Geldinstitut zu einem Milli- ardengewinn. SZ/Reuters/dpa Anleger spekulieren auf Mega-Hebel Seite 32 / Süddeutsche Zeitung Nr. 242 HF2 Donnerstag, 20. Oktober 2011 GELD Dax in Punkten 4500 5500 6500 7500 N D J F M A M J J A S 1 Jahr Vortag Aktuell –9,3 % +0,6 % 19.10.2011 · Schluss 5913,53 MDax in Punkten 7000 8000 9000 10000 11000 N D J F M A M J J A S 1 Jahr Vortag Aktuell –2,7 % –0,4 % 19.10.2011 · Schluss 8934,17 Euro Stoxx 50 in Punkten 1800 2200 2600 3000 N D J F M A M J J A S 1 Jahr Vortag Aktuell –18,3 % +1,0 % 19.10.2011 · Schluss 2330,08 Dow Jones in Punkten 8000 9000 10000 11000 12000 N D J F M A M J J A S 1 Jahr Vortag Aktuell +4,2 % +0,3 % 19.10.2011 · 18:00 Uhr 11611,53 Von Jochen Bettzi eche Heizanlagen sind nicht für die Ewig- keit. Im Gegenteil, ihre Lebenserwar- tung ist deutlichgeringer als die eines Ge- bäudes. Ist es einmal soweit, und die alte Heizungmuss erneuert werden, gilt es, ge- nau zu kalkulieren. Nicht nur die An- schaffungskosten spielen eine Rolle, son- dern auch die laufenden Kosten. Die Deutsche Energieagentur (Dena) hat Vergleichsrechnungen gemacht, um die Unterschiede zu verdeutlichen. Basis ist ein ungedämmtes Einfamilienhaus mit einer Wohnfläche von 150 Quadrat- metern mit Heizkosten von 2800 bis 3600 Euro pro Jahr. In den Anschaffungspreis ist die Installation eingerechnet. Die ge- sparten Betriebskosten beziehen sich auf einenherkömmlichen Niedertemperatur- kessel. Als Kosten für die Brennstoffe hat die Dena konstante Werte angenommen. Wartungskosten sind nicht berücksich- tigt, da diese inder Regel nur einengerin- gen Anteil an den Betriebskosten haben. Als Lebensdauer der Heizung hat die De- na 20 Jahre angesetzt. Nicht berücksich- tigt ist die Isolierung des Gebäudes. Doch sollte diese in die Überlegungen einbezo- gen werden. „Einzelne Maßnahmen wie eine neue Heizung oder eine neue Däm- mung sind ein guter Anfang, Ziel sollte aber ein energetisches Gesamtkonzept sein. Denn was energetisch und wirt- schaftlich sinnvoll ist, muss für jedes Ge- bäude individuell entschieden werden“, sagt Dena-Bereichsleiter Christian Stol- te. Dabei spielt die Reihenfolge eine wich- tige Rolle. Denn: Ein gut isoliertes Haus kommt mit einer kleineren und damit günstigeren Heizung aus. Ölheizung Wird ein Gebäude mit Öl beheizt, be- nötigt es einen Tank. Der wird ein bis zwei Mal pro Jahr gefüllt. Gutes Timing spart dabei viel Geld, denn der Preis steigt zu Be- ginn der Heizsai- son. Eine neue Ölheizung kostet zwi- schen 4000 und 6000 Euro, ohne neuen Tank. Heizungsinstallateure verkaufen laut Dena gerne die günstigeren Nieder- temperaturkessel. Die moderneren Brennwertkessel aber haben die Mehr- kostenrascheingespielt undsparen lang- fristig wegen des niedrigeren Verbrauchs Geld. Die Differenz beträgt um die 500 Euro pro Jahr. Gasheizung Für den Betrieb ei- ner Gasheizung be- nötigt das Gebäu- de einen Anschluss an das Gasnetz. In Städten ist das meist kein Pro- blem, für abgelege- ne Höfe, Forsthäu- ser oder andere Gebäude auf dem Land hingegen schon. Bei Gas gilt das Gleiche wie bei Öl: Langfristig lohnt sich der Mehraufwand für einen Brennwertkes- sel. Die Anschaffungskosten dafür liegen zwischen 4000 und 6000 Euro. Die Er- sparnis gegenüber einer herkömmlichen Öl- oder Gasheizung beträgt 500 Euro pro Jahr. Pelletheizung Deutlich teurer in der Anschaffung ist eine Pellethei- zung, in der kleine Holzpresslinge, die Pellets, verfeuert werden. Von 10 000 bis 15 000 Euro geht die Dena aus. Zwar ist der Brennstoff deutlich günstiger pro Ener- gieeinheit als Heizöl und Gas. Bei unsa- nierten Gebäuden spart die Pellethei- zung somit etwa 1100 Euro im Jahr. Bei sanierten und teilsanierten Häusern sieht es allerdings anders aus. Denn da fallendie Betriebskostenwegendes gerin- geren Verbrauchs weniger stark ins Ge- wicht. Die Pellet-Technik schneidet in diesen Fällen unter wirtschaftlichen Ge- sichtspunkten schlechter ab als Öl und Gas, konstante Preise für die Energieträ- ger vorausgesetzt. Hinzu kommt der Platzbedarf. Pellets werden wie Öl vom Tankwagen geliefert und im Keller oder Schuppen gelagert. Erdwärmepumpe Ohne Brennstoff kommen Erdwärme- pumpen aus. Im Prinzip transportieren sie die natürliche Wärme der Erde ins häusliche Heizsystem. Dafür brauchen sie Strom, der die Pumpe betreibt. Zwei Verfahren werden eingesetzt. Beim ers- tensindTiefenbohrungen nötig, beiman- deren werden in geringer Tiefe Kollekto- renverlegt. Die zweite Methode erfordert allerdings Grundstücke mit großen Gär- ten. Die Tiefenbohrungen kosten etwa 20 000 bis 30 000 Euro, Kollektoren kom- men auf 15 000 bis 20 000 Euro. Im Be- trieb verbrauchen die Pumpen Strom und sparen in der Modellrechnung rund 1000 Euro Betriebskostenpro Jahr gegen- über einem Öl-Niedrigtemperaturkessel. Wegen der hohen Anschaffungskosten ist das Nutzen der Erdwärme dennoch nicht wirtschaftlich. Die Dena weist darauf hin, dass diese Technik erst in gut ge- dämmten Häusern effizient ist. Die Kos- ten für den Strom könnten Hausbesitzer unter Umständen durch ein eigenes Kraftwerk reduzieren, beispielsweise ei- ne Photovoltaikanlage. Luftwärmepumpe Im Gegensatz zur Erdwärmepumpe nutzt die Luftwär- mepumpe die Tem- peratur der Umge- bungsluft für die Heizung. Die Stromkosten lie- gen wegen der geringeren Energieeffizi- enz höher als bei Erdwärmepumpen, so dass jährlich nur etwa 500 Euro gespart werden. Hinzu kommen die Anschaf- fungskosten von 8000 bis 12000 Euro. Solarthermie Nach wie vor reicht eine solar- thermische Anlage in Deutschland nicht aus fürs Hei- zen. Doch die Pa- neele auf dem Dach oder im Gar- ten können sehr wohl die Heizung unterstützen. Bei Investitionskosten von 3000 bis 6000 Euro für die Erwärmung von Wasser sparen Hausbesitzer 200 bis 300 Euro pro Jahr. Anlagen, die das ge- samte Heizsystem unterstützen, kosten 7000 bis 12 000 Euro, sparen aber auch 400 bis 500 Euro pro Jahr. Ob das wirt- schaftlich sinnvoll ist, hängt von der Hei- zungstechnik ab. Annahmen Die Beispielrechnung der Dena liefert nur grobe Anhaltspunkte. Vor einer ener- getischenKomplettsanierung oder der In- stallation einer neuen Heizung sollten Hausbesitzer genau kalkulieren. Faust- formel: Anschaffungskosten + eigener Verbrauch multipliziert mit Brennstoff- oder Stromkostenmal Laufzeit. EinEner- gieberater hilft bei der Suche nach der richtigen Heizung. Er kennt auch die ak- tuellen Förderprogramme und -darle- hen. Wichtig ist auch, vonwelcher Preis- entwicklung der Hausbesitzer bei denein- zelnen Brennstoffen ausgeht. Denn die werden nicht so konstant bleiben wie im Rechenbeispiel. Wird das Öl knapp, stei- gen die Preise für Heizöl. Andere Brenn- stoffe wie Gas und Pellets dürftendiesem Trend folgen. Hausbesitzer sollten sich daher mit der künftigen Preisentwick- lung ihres Brennstoffs befassen. Nicht zu- letzt wird auch der Strompreis – der die Kosten bei Wärmepumpen ausmacht – den Prognosen nach weiter steigen. Ein weiterer Kostenfaktor ist das von Öl- oder Gasheizungen frei gesetzte Kohlen- dioxid. Noch müssennur Industriebetrie- be Emissionen einberechnen. Doch das könnte langfristig auch für Privathaus- halte gelten. Erste Überlegungensindbe- reits bekannt geworden. ENERGIE IMHAUS Eine Sonderseite der Süddeutschen Zeitung Energie sparen ist das Eine, erst gar keine Energie benötigendas Andere. Pas- sivhäuser zeichnen sich durch einen ge- ringen Heizbedarf von umgerechnet we- niger als zwei Litern Öl pro Quadratme- ter undJahr aus. Der gesamte Energiever- brauch beträgt nach Angaben des hessi- schenMinisteriums für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Hmuelv) ein Zehntel im Vergleich zum unsanierten Bestandsgebäude. Selbst ge- genüber einem Neubau, der den gesetzli- chenMindestanforderungengemäß Ener- gieeinsparverordnung entspricht, ist die Differenz erheblich. Kleiner Haken: Das Passivhaus ist teurer. Wegen der Zusatzinvestitionen schre- cken manche Bauherren vor dem energe- tisch günstigeren Gebäude zurück. Als Faustformel gilt ein ungefährer Auf- schlag vonvier Prozent für große Objekte wie Schulenoder Bürogebäude, fünf Pro- zent für Reihen- und Mehrfamilienhäu- ser und stolze sieben Prozent für freiste- hende Ein- und Zweifamilienhäuser. Die größten Posten sind die dreifach verglas- ten Fenster, das Belüftungssystem und die Dämmung. Dem stehen Einsparun- gen von bis zu drei Prozent gegenüber, schließlich benötigt ein Passivhaus kei- nenSchornstein, weniger Verteilerleitun- gen und keine großen Öl- oder Gaskessel. Hinzu kommt, dass sich die Mehrkosten imLaufe der Zeit amortisieren. Das hessi- che Ministeriumhat eine Vergleichsrech- nung für ein Reihenendhaus angestellt. Dieses ist in der Bauphase 15 000 Euro teurer als ein herkömmlicher Neubau. Langfristig rechnet sich die Investition aber. Nach 21 Jahren liegen die Gebäude in der Summe gleich auf, danach greift der finanzielle Zusatznutzen des Passiv- hauses. Bereits nach 23 Jahren liegt das Passivhaus 1700 Euro im Plus. Ebenfalls interessant sind günstige Darlehen und Fördermittel von staatlicher Seite. Die gibt es nicht nur auf Bundesebene. Auch die Länder und teilweise sogar einzelne Regionen unterstützen Bauherren, wenn diese energetisch günstig bauen. Nicht in der Rechnung enthalten ist zudem die Möglichkeit der Hausbesitzer, Warmwas- ser mit einer solarthermischen Anlage zu erzeugen und den benötigten Strom selbst zu produzieren. Jochen Bettzieche Die Stromerzeugung auf dem eigenen Dach verspricht Hausbesitzern eine at- traktive Rendite. Wer sich die Einspeise- vergütung von aktuell 28,74 Cent pro Ki- lowattstunde sichern will, der muss sich jedoch beeilen. Denn von 2012 an gibt es weniger Geld für den selbst produzierten Strom. Hauseigentümer, die noch in die- semJahr eine Solaranlage in Betriebneh- men, sichernsichjedochdie aktuelle Ver- gütung für die nächsten 20 Jahre. Nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW) wirddie Kürzung mindestens neun und maximal 24 Pro- zent betragen. Der genaue Wert ist ab- hängig von der Gesamtleistung aller An- lagen, die zwischen Oktober 2010 und September 2011 installiert wurde. Die Vergütungssätze für 2012 wird die Bun- desnetzagentur noch im Oktober be- kanntgeben. Wer eine Solaranlage für Warmwasser und die Unterstützung sei- ner Heizung nutzen will, sollte sich eben- falls beeilen. Bis zum Jahresende gilt noch die Förderung von 120 Euro pro Quadratmeter Kollektorfläche, von 2012 an sind es nur noch 90 Euro. dapd Süddeutsche Zeitung Nr. 242 | Donnerstag, 20. Oktober 2011 | Seite 33 Die Umlage für erneuerbare Energien wird imkommenden Jahr nur leicht stei- gen. Die von den Stromkunden zu bezah- lende Abgabe klettert um 0,062 Cent auf 3,529 Cent pro Kilowattstunde, wie die vier großen Übertragungsnetz-Betreiber kürzlich mitteilten. Mit der EEG-Umlage finanzieren alle Stromkundendie Energie aus erneuerba- ren Quellen. Jeder Betreiber etwa einer Solaranlage oder eines Windrades erhält eine sogenannte Einspeisevergütung für seinen gelieferten Strom. Auf diese Wei- se werden die erneuerbarenEnergiequel- len subventioniert, solange sie für die Stromproduktion noch teurer sind als herkömmliche Technik. Je mehr Öko- strom-Anlagen entstehen, umso höher wird die Umlage. 2012 sollen durchdie Umlage 14,1 Mil- liarden Euro zusammenkommen, 600 Millionen Euro mehr als im laufenden Jahr. Weil die Summe für 2011 nicht aus- reiche, sei für 2012 ein Nachholbetrag von etwa 700 Millionen Euro eingerech- net worden, wie die Netzbetreiber weiter mitteilen. Außerdem schaffen sie sich laut Bundesnetzagentur in ihrem EEG- Topf erstmals einen Puffer, damit es bei der Auszahlung an Stromproduzenten nicht zu Engpässen kommt. „Ohne die- sen Sonderposten läge die Umlage 2012 sogar unter demderzeitigen Niveau“, er- klärte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU). Im vergangenen Jahr war die Umlage um etwa 1,5 Cent – also um mehr als 70 Prozent – in die Höhe geschossen. Dies- mal fällt der Anstieg deutlich geringer aus, vor allemdeshalb, weil Experten für 2012 von einem merklich geringeren Zu- bau mit Photovoltaik-Anlagen ausge- hen. Der erwartete Zubauwert liege bei 4,5 Gigawatt, „deutlich unter dem Wert des Boomjahres 2010, indemnocheinZu- bauinHöhe vonrundsiebenGigawatt zu verzeichnen war“, erklärte der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth. Sollten die Energiekonzerne die neue Steigerung der EEG-Umlage komplett an ihre Kunden weitergeben, würde die Stromrechnung eines durchschnittli- chendeutschen Haushalts imJahr umet- wa 2,60 Euro inklusive Mehrwertsteuer steigen. AFP Weniger Geld für Sonnenstrom Eine Rechnung mit vielen Unbekannten Wer sich für eine neue Heizung entscheidet, muss Anschaffungspreis und laufende Kosten einkalkulieren. Ein Überblick Weniger Anlagen Erneuerbare Energien erhöhen den Strompreis 2012 nur leicht Verantwortlich: Werner Schmidt Redaktion: J. Pfund, A. Remien Anzeigen: Jürgen Maukner Erst teuer, dann günstig Passivhäuser bringen nach 20 Jahren einen finanziellen Vorteil Bauherren können günstige Darlehen und Förderungen in Anspruch nehmen Im kommenden Jahr hat die Umlage ein Volumen von etwa 14 Milliarden Euro ENERGIE IMHAUS STIEBEL ELTRON Wärmepumpen Jetzt bis 31.03.2012 Aktionsrabatte sichern. Tel. 0800 70208018* | www.waermepumpen-welt.de * Unseren Service erreichen Sie in der Zeit von Montag bis Donnerstag von 7:15 bis 18:00 Uhr und Freitag von 7:15 bis 17:00 Uhr. Seit 37 Jahren ist STIEBEL ELTRON führender Hersteller von Wärmepumpen und Vorreiter bei der Entwicklung energie- effizienter Heizsysteme. Profitieren auch Sie von unserer Erfahrung und entscheiden Sie sich mit einer STIEBEL ELTRON Wärmepumpe für eine umweltfreundliche Technologie, die Ihnen bis zu 50% Heizenergiekostenersparnis bietet und Sie nahezu unabhängig von steigenden Öl- und Gaspreisen macht – ob beim Neubau oder als ideale Lösung für die Sanierung. Und damit genug der Worte. Entscheiden Sie sich für STIEBEL ELTRON Wärmepumpen. Deutschlands Nr. 1 Von Tina Baier München – Kultusminister Ludwig Spa- enle (CSU) fühlt sich durch das Gutach- ten„Gemeinsames Kernabitur“des Akti- onsrats Bildung „im Prinzip bestätigt“. Das Gremium, dem neun führende Bil- dungsexperten angehören, macht darin Vorschläge, wie die unterschiedlichen Abiturprüfungen der Bundesländer ver- gleichbarer gemacht werden könnten. Bayern strebt zusammen mit anderen Bundesländern schon seit längerem das sogenannte Südabitur an: Bayern, Schles- wig-Holstein, Hamburg, Sachsen, Nie- dersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und eventuell Sachsen-Anhalt wollen schonimJahr 2014 einenTeil der Abitur- prüfung in den Kernfächern Deutsch, Mathe und Englisch gemeinsam stellen. „Insofern ist unser Plan sogar ambitio- nierter als der Vorschlag des Aktionsrats Bildung, der einheitliche Prüfungen erst 2018 vorsieht“, sagte Spaenle am Mitt- woch bei der Vorstellung des Gutach- tens. Doch anders als beim Südabitur, das vorsieht, gemeinsame Elemente indie Ab- ituraufgaben der verschiedenen Bundes- länder zu integrieren, schlägt der Akti- onsrat drei zusätzliche Prüfungen in den Fächern Deutsch, Mathe und Englisch vor. Diese sollen in ganz Deutschland am selben Tag abgelegt werden. Jede Prü- fung soll 90 Minuten dauern. Ein Teil der Aufgaben soll in Form von Multiple- Choice-Aufgaben zum Ankreuzen ge- stellt werden. Das Ergebnis soll insge- samt zehnProzent der Abiturnote ausma- chen. „Das ist viel genug, um ein Anreiz für alle Bundesländer zu sein, sich anzu- strengen“, sagte der Münchner Wirt- schaftsforscher Ludger Wößmann, der das Gutachten vorstellte. Andererseits sei es wenig genug, um den einzelnen Bundesländern genügend Spielraum bei der individuellen Gestaltung des Abiturs zu lassen. Vor allemder Vorschlag, zusätzlich zu den bereits bestehenden Abiturprüfun- gen weitere Tests zu machen, stieß bay- ernweit aber auf große Skepsis: „Auch als Vater vonzwei Kindern, habe ichgro- ße Zweifel, ob es umsetzbar ist, zwei Ab- iturprüfungen abzuhalten, eine kleine und dann nochmal eine große“, sagte Ludwig Spaenle. In diesemPunkt ist sich der Kultusminister ausnahmsweise so- gar mit dem Bildungssprecher der SPD einig: „Das wäre doppelter Stress für die Abiturienten“, sagte Martin Güll. Dieser Ansicht ist auchMariaLampl, Vorsitzen- de des Bayerischen Elternverbands: Eine zusätzliche Abiturprüfung in Deutsch, Mathe und Englisch sei eine zusätzliche Belastung für die Schülerinnen und Schüler. Das sei allenfalls auf freiwilli- ger Basis akzeptabel und nur ohne Beno- tung. MaxSchmidt, Vorsitzender des bayeri- schen Philologenverbands lehnt Multip- le-Choice-Aufgaben als Teil der Abitur- prüfung grundsätzlich ab. „Derartige Aufgabenhaben mit demNachweis einer Allgemeinen Hochschulreife nichts zu tun, da es bei der Abiturprüfung darum geht, logisches Argumentieren in hoher sprachlicher Qualität darzustellen“, sag- te er. Er befürchtet, dass diese Kompeten- zen und damit das klassische Abitur an sich an Bedeutung verlieren, „wenn Un- ternehmen bei der Auswahl von Bewer- bernhauptsächlichauf dendeutschland- weit vergleichbaren Multiple-Choice- Teil achten. Alle Parteien sind sich aber darin ei- nig, dass die jetzige SituationinDeutsch- land extrem ungerecht ist. Denn die Ab- iturnote entscheidet bundesweit dar- über, wer beispielsweise einen der be- gehrten Medizinstudienplätze bekommt und wer nicht. Und das, obwohl das Ni- veau des Abiturs in verschiedenen Bun- desländern extrem unterschiedlich ist. Das zeigt unter anderem eine Studie, in der Schüler verschiedener Bundesländer miteinander verglichen wurden, die im Leistungskurs Mathematik alle mit der Note „sehr gut“ oder „gut“ abgeschnit- ten hatten. Trotz identischer Noten lagen zwischen dem wirklichen Wissensstand der Schüler zwei Schuljahre. Von Frank Müller München – Am Anfang, erinnert sich Margarete Bause, „war es ein Kultur- schock – für uns und für die anderen“. Als die Grünen in diesen Tagen vor 25 Jahren erstmals in den bayerischen Landtageinzogen, hättennoch„ganz an- dere Zeiten“ geherrscht. Nämlichdie von Franz Josef Strauß. „Das war eine sehr autoritär geprägte Gesellschaft“, sagt die damalige und heutige Fraktionsvor- sitzende der Grünen, eine Mischung aus „selbstzufriedenem, verstaubtem Parla- ment“, und einer „Brutalität, wie sie Franz Josef Strauß verkörpert hat“. Nochheute erinnert sichBause, die für die Grünen zunächst bis 1990 und dann seit 2003 wieder imLandtagwar, gut dar- an, wie die Grünen von staatlichen Emp- fängen ausgeschlossen wurden, und an die ganzen frauenfeindlichen Sprüche, „weil wir nicht ins gängige Frauenbild passten“. Da gab es etwa CSU-Justizmi- nister Hermann Leeb, der die engagierte Rednerin Bause im Parlament angegiftet habe: „Sie solltensichmal imSpiegel an- sehen, wenn Sie so geifern.“ Bause war schon damals nicht auf den Mund gefal- len: „Bei der Schönheit brauche ich den Vergleich mit Ihnen nicht zu scheuen.“ Es war der 22. Oktober 1986, als die Grünen mit ihrem 7,5-Prozent-Wahler- gebnis mit großem Getöse vom Münch- ner Marienplatz Richtung Maximiliane- um zogen, um dort mit allen Attributen der Bürgerschrecks den Landtag zu er- obern. Christian Magerl, auch heute noch im Landtag, hatte eine Kiste ver- strahltes Heu dabei, schließlich war es kurz nachTschernobyl. UndBause streb- te gleichans Rednerpult bei der konstitu- ierenden Sitzung, in Frontstellung zu FJSundEdmund Stoiber imCSU-Block. Bause und ihr Ko-Fraktionschef Mar- tin Runge bemühen sich an diesem Mitt- woch, ihre Geburtstagsbilanz nicht allzu nostalgisch und selbstzufrieden ausfal- len zu lassen. Zwar sei das grüne Viertel- jahrhundert „eine wirkliche Erfolgsge- schichte“, sagt sie und erinnerte an Er- rungenschaften von damals, die heute auch in anderen Parteien unumstritten sind: die Energiewende, die Frauenquo- te, die gesamte Fortentwicklung der Ge- sellschaft. „Das Selbstverständnis der Bayern ist grün geworden“, sagt Bause. Doch nicht nur der Freistaat hat sich begrünt, auch die Fraktion ist staatstra- gender geworden. Vorbei die Zeit des Ro- tationsprinzips, das alle Mandatsträger zwang, ihre Postenzur Mitte der Amtspe- riode wieder zu verlassen. „Wir waren durchaus in der Lage, uns selbst ins Knie zu schießen“, gibt Bause zu. Heute weiß sie, dass „Geschlossenheit nichts Anstößi- ges ist, wenn es vorher Diskussionen gab“. So ähnlich könnte das auch ein CSU-Fraktionschef formulieren. Dass sich in den 25 Jahren die zwei Welten angenähert haben, ist Bause be- wusst, zumal nach der spektakulären Energiewende der CSU. „Wir haben nichts dagegen, wenn Seehofer unsere Konzepte übernimmt.“Der nächste, logi- sche Schritt soll nundie Regierungsbetei- ligung ab 2013 werden. Für sie wäre das konsequent: „Bevor wir’s den anderen lange erklären, machen wir’s lieber gleich selbst.“ Es ist ein Kreuz mit der Verwandt- schaft. Denken Sie nur an Josef, den aus dem Alten Testament, den haben seine Brüder nach Ägypten verkauft. Bloß weil ihn der Vater mehr liebte. Oder an das arme Aschenputtel, das mit zwei garstigen Schwestern und einer bösen Stiefmutter geschlagen war, die sie Lin- sen aus der Asche klauben ließen. Linsen klauben muss in der Wagner- Sippschaft niemand, das hoffen wir zumindest, aber an Diskursthemen man- gelt es nicht. Man erinnere sich nur an die Trauerfeier für Wolfgang Wagner, der dessen Nichten und Neffen fernblie- ben, weil sie mit ihrem Sitzplatz nicht zufrieden waren. Diesmal geht es nicht um Wolfgang, auch nicht um Richard, den berühmten Großvater, sondern um den Urgroßvater, und der ist zu allem Überfluss auch berühmt. Franz Liszt ist gemeint, Komponist und Schwieger- vater von Richard Wagner. Ihm zu Eh- ren feiert Bayreuth in diesem Jahr, denn 2011 wäre Liszt 200 Jahre alt geworden. Geboren ist er da zwar nicht, aber ge- storben, und das ist ja auch schon was. Die Verwandtschaft nun, Urenkelin Daphne in diesem Fall, findet die Fest- lichkeiten höchst angemessen, zumal die Stadt zu ihrem berühmten Sohn früher „vornehm gesagt, ein eher distanziertes Verhältnis“ gepflegt habe. So schreibt es Daphne Wagner in einem, vornehm gesagt, deutlichen Brief an den Bayreu- ther Oberbürgermeister Michael Hohl. Immerhin bekommt er auch ein Lob serviert. Hebe sich die Stadt mit ihrer „Lust auf Liszt“ doch rühmlich ab von der Leitung des Festspielhauses, die das Jubiläum offenbar zu ignorieren geden- ke. Die Verwandtschaft ist gemeint. Aber Hohl muss auch einstecken. Es sei ihm ja wohl bekannt, dass Liszt nicht nur Sohn der Stadt Bayreuth sei, sondern selbst Vater. Umso bedauerli- cher also, dass seine Nachkommen, sie selbst nämlich, nicht eingeladen seien. Der geehrte Oberbürgermeister werde wohl verstehen, dass man ihn und die Öffentlichkeit „auf diesen misslichen Vorfall“ aufmerksam machen müsse. Der geehrte Oberbürgermeister re- agiert gelassen. Daphne Wagner sei herzlich willkommen. Aber man habe „auf der Grundlage der offiziellen städti- schen Verteiler“ eingeladen. Und da steht unter Wagner nun mal die Fest- spielleitung. Es ist ein Kreuz mit der Verwandtschaft. Katja Auer Freising – Organspende ja oder nein, Ganztagsschule und andere gesellschaft- liche Fragen – das sind nur einige der Themen, mit denen sich Bayerns Bischö- fe seit Mittwoch in Freising beschäfti- gen. Die katholische Kirche ist Träger zahlreicher Schulen im Freistaat. Auch die Zukunft der Katholischen Universi- tät Eichstätt-Ingolstadt sowie Persona- lien stehen auf der Tagesordnung, wie das Erzbischöfliche Ordinariat in Mün- chen mitteilte. Über die Ergebnisse der Bischofskonferenz will Kardinal Rein- hardMarxandiesemDonnerstag zusam- menmit demLeiter des KatholischenBü- ros Bayern, Lorenz Wolf, informieren. In dem Gremium sind die sieben bayeri- schen Diözesen Bamberg, München und Freising, Augsburg, Eichstätt, Passau, Regensburg, Würzburg sowie das Bistum Speyer durch ihre Bischöfe und Weihbi- schöfe vertreten. Am vergangenen Wo- chenende hatte Marx vor dem Laiengre- mium der Erzdiözese München erneut klar gemacht, dass er Frauen als Diako- ninnen am Altar ablehnt. dpa München – Öffentliche Aufträge sollen nach dem Willen von SPD, Grünen und Gewerkschaftenkünftig nur nochanUn- ternehmen vergeben werden, die be- stimmte Mindestlöhne zahlen. Ein Tarif- treuegesetz sei überfällig, umBeschäftig- te vor Lohndumping zu schützen, sagte DGB-Chef Matthias Jena am Mittwoch in München. „Es kann nicht sein, dass der Staat als Auftraggeber Armutslöhne fördert.“ Entsprechende Gesetzentwürfe von SPD und Grünen werden an diesem Donnerstag in der Plenarsitzung des Landtags behandelt. Jena prangerte „Niedriglöhne made in Bavaria“ an. So gebe es seit Jahren einen Anstieg der Be- schäftigten im Niedriglohnsektor. dpa Einheitliche Aufgaben, aber keine Zusatztests Auch Bayerns Kultusminister wünscht sich eine Art Kernabitur – doch das dürfe nicht zu weiteren Prüfungen führen 25 grüne Jahre Nach einem Vierteljahrhundert im Landtag wollen die Grünen endlich regieren und sind auch sonst recht staatstragend Bischöfe beraten über Ganztagsschule SPD, Grüne und DGB gegen Lohndumping Wer in Garmisch-Partenkirchen hat 8,1 Millionen Euro verschleu- dert? Die Suche nach den Verant- wortlichen für die massive Kos- tenüberschreitung beim Bau der neuen Sprungschanze hat nun den Gemeinderat erreicht. In der Sitzung am Mittwochabend standdie Aussprache über denBe- richt des Bayerischen Kommuna- len Prüfungsverbands auf der Ta- gesordnung. Dessen Kontrolleure kritisierten Bürgermeister Tho- mas Schmid, seine Verwaltung und den Gemeinderat für Mehr- ausgaben von 89 Prozent. Insge- samt kostete die Schanze 17,24 MillionenEuro. Die Opposi- tion kündigte eine kompromiss- lose Aufarbeitung an. heff k Aktuelle Informationen unter www.sueddeutsche.de/bayern Mitten in Bayreuth Schweinfurt – Ein 33-jähriger Mann ist in Schweinfurt Opfer eines Gewaltver- brechens geworden. Seine Leiche wurde am Dienstagnachmittag mit Stichverlet- zungen und blutüberströmt in einem Übergangswohnheim für Einkommens- schwache gefunden, wie die Polizei mit- teilte. Rund zwei Stunden später wurde in dem dreigeschossigen Gebäude- komplexein30-jähriger Mannals Tatver- dächtiger festgenommen, der den Anga- ben nach „bei der Polizei bereits bestens bekannt“ ist. Auch die mutmaßliche Tat- waffe wurde sichergestellt. Die Hinter- gründe des Verbrechens sind bislang un- bekannt. dapd München– BeimAufbaudes Digitalfunk- netzes für Polizei undRettungskräfte ver- liert das Innenministeriumoffenbar lang- sam die Geduld mit jenen Gemeinden, die sich mit allen Kräften gegen das Auf- stellenneuer Sendemastenwehren. Nach Angabender Behörde setztendiese Kom- munen aufs Spiel, bei der Anschaffung der neuen Funkgeräte mit 80 Prozent der KostenvomFreistaat unterstützt zuwer- den. Vertraglich, so erinnerte ein Spre- cher, könne das Ministerium die Förde- rung verweigern, wenn sich Gemeinden partout quer stellten und damit den Auf- bau des Netzes erschwerten. Dies war in einigen Kommunen als Drohung aufgefasst worden. Ein neues digitales Funkgerät kostet etwa 800 Eu- ro. Auf die Zuschüsse verzichtet nie- mand gerne. Damit das Netz von 2013 an in Betrieb gehen kann, müssen landes- weit etwas 950 Sendeanlagen aufgebaut werden. Das Innenministerium verlangt vondenKommunen Flächen, die es miet- frei nutzen kann. Wenn es die Technik nicht anders zulässt, geht die Behörde auchauf Privatleute zu. Für 760Standor- te lägen bereits konkrete Vereinbarun- gen mit Städten und Gemeinden über Standorte vor, in knapp 200 Fällen wer- de noch verhandelt. Besonders schwierig gestalteten sich die Gespräche derzeit mit 40 Gemeinden, erklärte der Spre- cher. Er betonte aber: „Wir haben keiner Kommune die Zuschüsse gestrichen. Un- sere Türen stehen für Gespräche offen.“ Bereits in der Vergangenheit hat das for- sche Auftreten der Behörde Kommunen verärgert und die Verhandlungen er- schwert. msz Von Ralf Scharnitzky München – Die EU macht jetzt politi- schenDruckauf Bayern. Sechs Verkehrs- projekte hat die Kommission im Frei- staat für denAusbauinnerhalbdes trans- europäischen Verkehrsnetzes (Ten-V) vorgesehen. Wenn Rat und Parlament dem Projekt „Connecting Europe“ zu- stimmen, dann ist der Bau der Verkehrs- wege nach Aussagen des EU-Verkehrs- Experten Leo Huberts ein Muss. Beson- ders brisant wäre das für zwei Vorhaben: den Ausbau der Donau zwischen Strau- bing und Vilshofen, der auf heftigen Wi- derstand trifft, und den Nordzulauf zum Brenner-Basistunnel, bei dem Bayern im Zeitplan massiv hinterherhinkt. Brüssel will die europäischen Energie- undBreitbandnetze sowie die Transport- wege durch ein milliardenschweres För- derprogramm ausbauen. Das am Mitt- woch vorgestellte EU-Infrastrukturpa- ket soll ab 2014 greifen und grenzüber- schreitende Projekte „von europäischem Interesse“ stützen, an denen mindestens zwei Staaten beteiligt sind. Insgesamt würden hierfür rund 50 Milliarden Euro bereitgestellt, sagte EU-Kommissions- chef José Manuel Barroso. Allein31,7Mil- liarden Euro sollen demnach in die Mo- dernisierung transnationaler Verkehrs- wege fließen. Das Programm zielt darauf ab, mit Hilfe von Zuschüssen, Darlehen oder Investitionsgarantien privatwirt- schaftliche Projekte anzustoßen, die sich ohne Beihilfen nicht rechnen würden. In Bayern werden nach den Vorschlä- gen der Kommission neben dem Donau- Ausbau und dem Brenner-Zulauf noch die Bahnstrecken München–Prag und Nürnberg–Prag sowie München–Freilas- sing–Salzburg und Leipzig–Hof–Regens- burg ins Ten-Programm aufgenommen. Leo Huberts sagte gestern in München: „Mit dem Programm soll der jetzige Fle- ckenteppich aus Straßen, Schienenwe- gen, Flughäfen und Schifffahrtskanälen in Europa zu einem einheitlichen Ver- kehrsnetz umgeformt werden.“ In dem neuen Kernnetz sollen Engpässe besei- tigt, die Infrastruktur modernisiert und der grenzüberschreitende Verkehr flüssi- ger gestaltet werden. Eine besondere Priorität hat für die EU der Brenner-Zulauf von München nach Kiefersfelden. Die Strecke gehört zum Korridor Helsinki–La Valetta und soll nach den Vorgaben bis 2025 stehen. Das wird für den bayerischen Strecken- abschnitt eng. Jahrelang vermittelten Bundesverkehrsministerium und Deut- sche Bahn den Eindruck, dass sie ohne- hin nicht an eine Realisierung des Bren- ner-Basistunnels glaubten. Und nun lau- fen bereits die Bauarbeiten in Österreich undItalien. Deshalbwar vor wenigenTa- gen eine hochrangige EU-Delegation in München, um mit der Deutschen Bahn und der Österreichischen Bundesbahn über die Situation zu sprechen. Dem- nächst ist ein Besuch bei Verkehrsminis- ter Martin Zeil (FDP) geplant. Huberts: „Wir machenpolitischenDruck. Wir kön- nen es uns nicht leisten, Millionen in ei- nen Tunnel zu stecken, und dann kann er wegeneines Engpasses inBayernnicht in vollem Umfang genutzt werden.“ In Ti- rol soll die Strecke nächstes Jahr fertig sein, die Arbeiten wurden ein paar Kilo- meter vor der Grenze gestoppt, weil der Anschluss nach Bayern nicht feststeht. Bundesverkehrsminister Peter Rams- auer (CSU) hat auf die Bauarbeiten bei den Nachbarn inzwischen reagiert. Wie das Ministeriumbestätigte, gibt es für Ja- nuar nächsten Jahres einen Termin, bei demeine deutsch-österreichische Verein- barung über Planung und Bau der Stre- cke München–Rosenheim–Kiefersfelden unterzeichnet werden soll. Die plötzliche Eile unddie bisherigen Ausbaupläne sto- ßen bei vielen Lokalpolitikern auf massi- ve Kritik. Sie fühlensichnicht genugein- gebunden in die Überlegungen. Auf Widerstandwirdaucheine Kanali- sierung der 70 freifließenden Donaukilo- meter zwischen Straubing und Vilshofen stoßen. Umweltverbände, Grüne und ein Großteil der niederbayerischen Bürger wollen einen Ausbau nicht hinnehmen. Deshalb läuft derzeit ein von der EU fi- nanziertes Monitoring. Huberts: „Wir müssen so lange reden, bis wir eine Lö- sung finden.“ Aus dem Umweltminsteri- umhießes gesterndazu: „Über die bayeri- sche Donau wird in München und Berlin, nicht in Brüssel entschieden.“ Abrechnung in Garmisch 33-Jähriger in Wohnheim erstochen Ministerium macht Druck Etwa 40 Kommunen wehren sich gegen Sendemast für den Digitalfunk Bayerische Löcher im europäischen Verkehrsnetz Die EU will grenzüberschreitende Projekte mit viel Geld fördern, doch im Freistaat hakt es – am vordringlichsten beim Zulauf für den Brenner-Basistunnel Seite 34 / Süddeutsche Zeitung Nr. 242 HF2 Donnerstag, 20. Oktober 2011 BAYERN Margarete Bause bei der konstituierenden Sitzung des Landtags imJahr 1986 am Rednerpult. Unter den Zuhörern in den Reihen der CSU: Franz-Josef Strauß und Edmund Stoiber. Foto: Grünen-Fraktion/Wolfgang Maria Weber Auch den Ausbau der niederbayerischen Donau will die EU forcieren. Immer Ärger mit der Verwandtschaft Mit drei zusätzlichen Prüfungen in den Fächern Deutsch, Mathe oder Englisch soll das Abitur bundesweit vergleichbarer werden. Foto: dapd Von Silke Lode und Michael Tibudd München – Die Rathaus-Fraktion der SPD hat vorgeschlagen, mehrere hun- dert Millionen Euro aus der Stadtkasse in den Wohnungsbau zu investieren. Da- bei hat die SPD vor allem die Rücklagen für PensionszahlungenimBlick. 300 Mil- lionenEurohat die Stadt dafür laut Käm- merer Ernst Wolowicz freiwillig in deut- sche Staatsanleihen und Pfandbriefe in- vestiert. Den SPD-Vorschlag hält er für „nachdenkenswert“. Da bislang keine Kommune inBayern ihre eisernen Reser- ven in den Wohnungsbau steckt, rechnet der Kämmerer allerdings mit einer recht- lichenPrüfung, die mehrere Monate dau- ern könne. Fraktionschef Alexander Reissl erläu- terte, dass die SPD das Geld über einen geschlossenenImmobilienfonds investie- ren will, dessen alleiniger Eigentümer die Stadt wäre. Bauherren könnten dann mit dem Kapital des Fonds und zusätzli- chem Fremdkapital zum Beispiel die städtischen Wohnungsbaugesellschaften sein. Andreas Lotte, wohnungspoliti- scher Sprecher der SPD, ergänzte, man könne angesichts begrenzter Bauflächen auchbestehende Wohnungenkaufen. Da- bei schloss er nicht aus, dass auch GBW- Wohnungen gekauft werden könnten. Wegen des Streits um die womöglich zum Verkauf stehende BayernLB-Toch- ter GBW AG mit ihren 10 000 Wohnun- geninMünchenhabendie Grünenvorge- schlagen, das Thema inder Vollversamm- lung des Stadtrats kommende Woche zu behandeln. Gleiches fordert die Münch- ner CSU, die einen Kauf der GBW durch die Städtischen Wohnungsbaugesell- schaften wünscht. Oberbürgermeister Christian Ude be- tont, dass aus seiner Sicht noch vor kon- kreten Verkaufsverhandlungen zusätzli- che Regelungen zum Schutz der Mieter notwendig seien. „Alle Garantien in Kaufverträgen bergen Fallstricke“, sagt Ude. „Nur eine Ergänzung der Mietver- träge ist eine sichere Vorgehensweise.“ Er hat die Stadtsparkasse beauftragt, ih- re MöglichkeitenzumErwerbvonImmo- bilienauszulotenundüberdies imbayeri- schenSparkassenverbundlandesweit da- für zu werben. Außerdemverweist er auf Aktivitätender städtischenWohnungsge- sellschaften Gewofag und GWG. Unter Federführungder GWGwill sicheinbay- ernweites Konsortium aus kommunalen und privaten Wohnungsbauunterneh- men in den Bieterprozess einbringen, wenn es dazu kommt. Ude sieht nur eine Option, in der zusätzliche Klauseln in den Mietverträgen nicht notwendig wä- ren: „Wenn der Freistaat die Wohnungen übernimmt, braucht es das nicht.“ Vom Freistaat als Käufer will man in- des beim zuständigen bayerischen Fi- nanzministerium nichts wissen. „Ich be- grüße es ausdrücklich, wenn die kommu- nale Seite die GBW erwerben soll“, sagt Finanzminister Georg Fahrenschon. „Selbstverständlich sind auch Städte und Sparkassen eingeladen, konzeptio- nelle Angebote zum Erwerb der GBW AG zu machen.“ Vorab-Verhandlungen erteilt er eine Abfuhr. Die BayernLBwer- de sich im Fall eines Verkaufs aber „da- für einsetzen, dass diese sozialen Stan- dards auchbei einemneuenAktionär Be- rücksichtigung finden“. Wie ein solcher Prozess laufen kann, zeigt ein Blick nach Baden-Württem- berg. Dort erhielt die Landesbank LBBWbereits imJuli vonder EUdie Auf- lage, ihre Immobilientochter mit einen Bestand von 21 000 Wohnungen zu ver- kaufen. Inzwischen läuft ein Bieterver- fahren, das bis Ende des Jahres abge- schlossen sein soll. Klauseln zumMieter- schutz sind dort jetzt ein Thema – vorab wurden keine gesonderten Vereinbarun- gen getroffen. München – Weil er bei Arbeiten an einem Baum mit seiner Kettensäge aus Verse- hen seinen Sicherheitsgurt durchtrennt hat, ist ein 56-jähriger Gartenbauer am Dienstag aus sechs Metern Höhe abge- stürzt und hat sich schwer verletzt. Um 16.45 Uhr wollte der Mann in der Hal- finger Straße in Trudering Äste eines ab- gestorbenen Baumes absägen. Dabei schnitt er laut Polizei seinenGurt ab, ver- lor das Gleichgewicht und stürzte auf ei- ne Steintreppe. Mit schweren Verletzun- genamRückenundamBeinmusste er im Krankenhaus behandelt werden. ffu Pullach – Mit seiner Geothermie-Anlage fühlt sichPullachseit Jahrenals Umwelt- pionier. Jetzt will die Isartalgemeinde kli- maschonend nachlegen: Auf Antrag der CSU-Fraktion beschloss der Gemeinde- rat, ein Zuschuss-Programm zur Strom- einsparung in Form einer „Abwrackprä- mie für Haushaltsgeräte“ zu entwickeln. Gefördert werden soll die Anschaffung besonders sparsamer Kühlschränke, Ge- schirrspüler, Wasch- und Trockengeräte sowie Heizungsumwälzpumpen. Die kon- trollierte Entsorgung von Altgeräten könnte über den kommunalen Wertstoff- hof abgewickelt werden, schlägt die CSU vor. Das Programm soll zunächst befris- tet eingeführt werden. Der Vorschlag der Union stieß auf Zustimmung, doch wur- de auchSkepsis laut. Vor allem„Mitnah- meeffekte“ und einen hohen bürokrati- schenAufwandbefürchteneinige. Vonei- nem „Alimentierungsprogramm auch für Millionäre“ sprach ein SPD-Vertre- ter. „Wer sichinPullacheinHaus hinstel- len kann, braucht unsere Unterstützung nicht.“ wol München – Die Landeshauptstadt be- kommt vom Bayerischen Landtag kei- ne zusätzliche Schützenhilfe im Kampf gegen die Wohnungsnot. Im Kommunalausschuss des Landtags scheiterten SPD und Grüne am Mitt- woch mit einem Vorstoß, der auf ein Umwandlungsverbot von Miet- in Ei- gentumswohnungen in vielen Innen- stadtrandbereichen hinauslaufen hät- te können. In den dort bestehenden Er- haltungssatzungsgebieten hätte die Stadt dann solche Verbote ausspre- chen können. Allerdings müsste die Staatsregierung dafür laut Baugesetz- buch den Weg frei machen. Dochdas lehnten CSU, Freie Wähler und FDP ab. Zwar sei der Wohnungs- mangel „das gravierendste Problem der Landeshauptstadt“, gestand der Münchner CSU-Abgeordnete Andreas Lorenz zu. Doch Erfahrungen in Ham- burg hätten gezeigt, dass das Instru- ment bürokratisch sei. „Wir können im Landtagnicht andauerndSpezialgeset- ze für die Landeshauptstadt machen“, sagte Lorenz, zumal sich diese durch langsame Planungen und zögerliche Verkäufe selbst „wie einWohnungsspe- kulant“verhalte. Grüne undSPDargu- mentierten dagegen, die Lage in Mün- chen werde sich durch Zuzüge noch verschärfen. Man solle also die Stadt selbst entscheiden lassen, ob sie auf ein solches Umwandlungsverbot setzen will, sagte die Grünen-Abgeordnete Christine Kamm. Mit Erhaltungssatzungen versucht die Stadt, die Folgen von städtebauli- cher Aufwertung abzufedern. Derzeit gibt es 14 solcher Bereiche, sie betref- fen 92 000 Wohnungen. fmue München/Würzburg – Knapp einen Mo- nat langwar es still gewordenumdie Pla- giatsvorwürfe gegendenMünchner FDP- Bundestagsabgeordneten und Rechtsan- walt Daniel Volk. Nun aber haben sich die Betreiber der Internetplattform Vro- niPlag wieder zu Wort gemeldet. Auf ih- rer Homepage habendie Plagiatsjäger ei- nen Bericht zu Volks Dissertation zum Thema „Die Begrenzung kriegerischer Konflikte durch das moderne Völker- recht“ veröffentlicht. Auf 80 der 186 Sei- ten soll Volk abgeschrieben haben, ohne dass er die Quellen richtig genannt hat. Laut der VroniPlag-Statistik soll sich auf zehn Seiten zwischen 50 und 75 Pro- zent Plagiatstext finden, auf vier Seiten sogar noch mehr. Volk weist die Vor- würfe von VroniPlag zurück. Seine Dis- sertation sei natürlich kein Plagiat. „Ich beobachte das schonlänger undhabe mir jede einzelne Stelle angeschaut“, sagte er auf Nachfrage der SZ. Er könne jedoch nicht erkennen, was genau die Wissen- schaftlichkeit seiner Arbeit einschrän- ken solle. Volk hatte seine Dissertation 2005 an der Julius-Maximilians-Univer- sität in Würzburg eingereicht. Deren Pressesprecher Georg Kaiser erklärt, dass sich die Universität bereits mit den Vorwürfen gegen Volk beschäftige. Bis- her liege noch kein Ergebnis vor. mest Von Bernd Kastner D ie Mieter bangen, die Verbände war- nen, die Politiker reden. Das tun al- le schon immer, in den vergangenen Ta- gen aber verstärkt, da immer klarer wird, dass die Landesbank ihre Wohn- bau-Tochter GBW verkaufen muss. 34 000 Wohnungen besitzt Bayerns größ- ter Vermieter, gut 10 000 davonimGroß- raumMünchen. Der wohl größte Immobi- liendeal seit demVerkauf der NeuenHei- mat steht an. Was aber passiert mit den Mietern, die sich bisher auf ihren sozia- lenVermieter verlassenkonnten? Die Po- litiker übertreffen sich gegenseitig mit Forderungen und Versprechungen, alle umschmeicheln den Mieter als solchen. Redet nicht nur!, möchte man Politik und Immobilienwirtschaft zurufen. Traut euch auch mal was Neues, es darf auchkreativ sein. Das Konsortiummit ei- ner städtischen Wohnbau-Gesellschaft an der Spitze als Bieter für die GBW ist ein guter Ansatz. Warum aber nicht wei- ter gehen? Man könnte Genossenschaf- ten einbinden, jene Unternehmen, die ih- ren Mitgliedern gehören, also den Mie- tern. Erlaubt ist auch, noch kühner zu denken: Neue Genossenschaften grün- den und an sie die GBW-Bestände ver- kaufen, aufgeteilt nach Regionen. Be- stimmt würdensichviele Bewohner enga- gieren, auchfinanziell, wennihnenKom- munen und Freistaat dabei helfen und man ihnen die Vorteile erklärt. Gewiss, ein ambitionierter Gedanke in einer Region, deren Immobilienmarkt sich nicht durch Innovation, sondern durchschamlose Preise auszeichnet. Um- so nötiger ist Mut. Die staatliche GBW bliebe mit Genossenschaften in Bürger- hand. Nicht Investoren, sondern die Be- wohner behieltendie Hoheit über ihr Zu- hause. In Zeiten, da sich immer mehr Menschen übergangen und ausgenutzt fühlen von anonymen Finanzjongleuren, wäre dies ein Gegenpol. Wagt mehr De- mokratie, auch in den Mietshäusern! Wohnungen statt Staatsanleihen Die SPD will rund 300 Millionen Euro Rücklagen aus der Stadtkasse in Immobilien investieren – der Kämmerer prüft die Pläne München/Freising – Die Debatte um die umstrittene Startbahnfür denMünchner Flughafengeht weiter: AmheutigenDon- nerstag beschäftigen sich eine Stadtver- sammlungder Grünenundauchder Bay- erische Landtag mit der Frage. Die FDP- Fraktionbeantragte für das Landtagsple- num eine aktuelle Stunde. Sie wolle da- bei auch ihr „massives Unverständnis“ über die Grünen und deren Überlegun- gen deutlich machen, den Kampf gegen die Startbahn auch bei einem positiven Votum der Münchner beim geplanten Bürgerentscheid deutlich machen, hieß es. Ähnlich sieht es die SPD: Hans-Ul- richPfaffmann, Vorsitzender der Münch- ner SPD, nannte Äußerungen des Grü- nen-Landesvorsitzenden Dieter Jane- cek, den Münchner Entscheid imZweifel nicht anerkennen zu wollen, am Mitt- woch „undemokratisch“. Hier zeige sich der „Wandel der Landes-Grünen von der selbst ernannten Premium-Opposition zur Sowohl-als-auch-Partei“, kritisierte er. Die Freien Wähler forderten unterdes- sen, auch den Haushaltsausschuss mit der Finanzierung der Startbahnzubefas- sen. Bisher werde „mit öffentlichen Gel- dern Glücksrad gespielt“, sagte der Frei- singer Abgeordnete Manfred Pointner. Die Grünen in Stadt und Landkreis Freising unterstützen das Bürgerbegeh- ren, das die Münchner Parteifreunde ge- gendenBaueiner drittenStartbahniniti- ieren wollen. Man sehe in diesem Schritt eine große Chance, den Flughafenausbau zu verhindern und werde bei den Vorbe- reitungen helfen, hieß es bei einer Orts- versammlung der Partei in Freising. fmue/vo/psc Neuer Plagiatsvorwurf gegen FDP-Politiker Die Macht der Mieter Flughafen-Ausbau: Herbe Kritik an Grünen Hilfe abgelehnt SPD und Grüne scheitern im Landtag mit Vorstoß zu mehr Mieterschutz in München Arbeiter stürzt sechs Meter tief Abwrackprämie für Haushaltsgeräte Donnerstag, 20. Oktober 2011 Süddeutsche Zeitung Nr. 242 / Seite 35 MÜNCHEN Gerade erst fertiggestellt worden ist die Wohnanlage der GBW-Gruppe an der Münchner Leopoldstraße. Foto: Catherina Hess Kommentar Professor Werner Müller-Esterl fragt in seiner Außenansicht mit demTitel „War- umden deutschen Unis ein Qualitätsver- lust droht“ vom 4. Oktober zu Recht, ob das Ziel der deutschen Bildungspolitik nicht die Transformation der Universitä- ten in Einrichtungen von internationaler Spitzenklasse war, bis die Unterfinanzie- rung alle entsprechenden Ansätze wie- der zunichte machte. Allerdings hege ich starke Zweifel, ob Müller-Esterl und ich dieselbe Meinung teilen, was eine inter- nationale Spitzenuniversität ausmacht. Sind das Massachussetts Institute of Technology (MIT) und Harvard deswe- genweltweit anerkannte Eliteuniversitä- ten, weil es dort wahrscheinlicher ist, mit Spitzenforschung (und-forschern) inBe- rührung zu kommen als an einer durch- schnittlichen deutschen Universität? Oder sind sie es, weil Studenten dieser Universitäten eine exzellente Ausbil- dung, sowohl fachlich als auch der eige- nen Persönlichkeit, genießen? Für Müller-Esterl scheint die Frage der Ausbildung untergeordnet zu sein. In seinem Text kommen Studenten nur in der Form des Ärgernisses (sie halten den Wissenschaftler vonseiner Forschungsar- beit ab) oder als Opfer der Folgen staatli- chen, nicht universitären, Missmanage- ments vor. Ich wage dagegen die in der deutschen Universitätslandschaft uner- hörte These in den Raum zu stellen, dass Universitäten einstmals zu dem Zweck gegründet wurden, junge Menschen zum Wohle der Gemeinschaft auszubilden. Sollte also ein Text, der sich mit den Pro- blemen der Universität beschäftigt, da- her seinen Fokus nicht auf den Studen- ten richten? Das Studium eines dieser schrecklich unmodernen Diplomstudiengänge ließ mir genug Freiheit, michnahezuvier Jah- re inder Studentenvertretung zuengagie- ren. In dieser Zeit konnte ich die Umstel- lung auf das neue Bologna konforme Sys- tem und die Auswirkungen auf die Stu- denten sehr gut beobachten. Es geht da- bei nicht um die Frage, ob Bologna gut oder böse ist (die Wahrheit liegt wie so oft irgendwo dazwischen), aber es ist auf- fällig, dass gerade die Persönlichkeitsbil- dung auf der Strecke bleibt. DenStuden- ten fehlt schlicht die Zeit, auch einmal nach links und rechts zu gucken. Nicht nur muss der gleiche Stoff in weniger Zeit geschafft werden, auch müssen oft mehr Einzelleistungenals bisher nachge- wiesen werden. Um mich damals für das studentische Ehrenamt zu gewinnen, reichte die Aussicht, mich ausprobieren zu können und wertvolle persönliche Er- fahrungen zu sammeln. Heute verliert man die Studenten in dem Moment, wenn ihnen aufgeht, dass sie keine Cre- dit Points, Leistungspunkte, für ihr Enga- gement bekommen können. Gleichzeitig werdendie Studentenim- mer jünger. Bald wird es wegen vorgezo- gener Einschulungstermine 17-Jährige geben, die an die Universitäten drängen. Allerdings wird nicht jeder mit 17 bereits wissen, was er vom Leben erwartet, wo er hin will und wo seine Stärken und Schwächen liegen. Es ist daher umso schwerwiegender, wenn den jungen Stu- denten nach der wegweisenden Studien- wahl nicht wenigstens die Möglichkeit gegeben wird, sich auszuprobieren, Er- fahrungen zu sammeln und vielleicht auch in Form von persönlichen Gesprä- chen mit Dozenten, die dafür Zeit und Muße aufbringen können, den eigenen Weg zu finden. Denn zwanzigjährige Akademiker ohne inneren Kompass sind für Unternehmen auch nicht attraktiver als dreißigjährige Bummelstudenten. Alexander Labinsky Dresden Die schöne Pinakothek der Moderne mit ihrenzufrühenBauschäden ist sicher ein Opfer der Komplexität imBaugeschehen („Pfusch am Bau“, 13. Oktober). Wenn Betonqualität und Wandstärke demRot- stift geopfert werden, dannliegendie Fol- gendavonaber sicher nicht inder Verant- wortung der Architekten und Ingenieu- re, die diesen noch vor drei Jahrzehnten verfemten Baustoff heute als „Marmor des 21. Jahrhunderts“ verfeinernund be- wusst einsetzen. Auch an der Pinakothek der Moderne ist dieses veredelte Material wirkungsvoll eingesetzt worden. Welch einGlück, dass die Risse (vorerst?) nur an der Rotunde aufgetreten sind, die wohl allzu sorglos billiger gemacht worden ist. Die erzwungene Senkung der Baukosten spiegelt unser kurzsichtiges „Dagobert- Wertesystem“, in demGeld wichtiger als Baukunst ist. Und wer beschwört diesen von Nachhaltigkeit so meilenweit ent- fernten Götzen der Gier: Die einäugigen Ökonomie-Priester der Wegwerf-Gesell- schaft, denen immer noch zu viele Ent- scheidungsträger glauben. Dr. Dietrich W. Schmidt Stuttgart Abneigung gegen bewährte Bauverfahren Einige Ursachen spricht der Beitrag von Gerhard Matzig nicht an, die ich nach jahrzehntelanger BeteiligungamGesche- hen und Gesprächen mit Auftragneh- mern ergänzen möchte: Es sind einmal die Vergabevorschriften der öffentlichen Hand. Sie führen zu einem die Qualität senkendenPreisdruck, weil praktischim- mer die billigsten Anbieter zum Zuge kommen, die ihre niedrigen Preise nur durch billigen Pfusch erreichen können. Erfahrene Ingenieure kalkulieren in der Regel den Entwurf des Angebotes, Kauf- leute entscheiden anschließend über die Höhe des endgültigen Angebotspreises. Die Bauleiter müssen später mit dem Zwiespalt zwischen Qualität und niedri- gem Preis zurecht kommen. Das muss zu einem ständigen Absinken der Qualität führen. ImHochbau kommt die seit einemhal- benJahrhundert sichtbare Abneigungge- gen bewährte Bauverfahren und überlie- ferte Gestaltung im Sinne abendländi- scher Baukultur hinzu. Naturgesetzlich wohnen nicht bewährten, extravaganten Konstruktionen Risiken inne, die ebenso wie der Preisdruck zu Baumängeln füh- ren. Eine Verbesserung der Zustände könnte dadurch erreicht werden, dass die Bauherren auf riskante billige, oft- mals aber besonders ins Auge springende Konstruktionen verzichten und die Ver- gabevorschriften – auch europaweit – so geändert werden, dass grundsätzlich der zweitbilligste Anbieter und nicht mehr der billigste Anbieter beziehungsweise die billigste Anbietergemeinschaft zum Zuge kommt. Das könnte dazu führen, dass der Zwang, zu niedrigsten Preisen schlechte Qualität anzubieten, deutlich verringert wird. Wolfgang Hendlmeier München Seit über die Proteste zum15. Oktober in Deutschland berichtet wird, werden die Ereignisse von Ihnen und sämtlichen an- deren großen deutschen Medien in ein völlig falsches Licht gerückt („Protest- welle gegen Banken erreicht Europa“, 15./16. Oktober). Die Behauptung, dass es bei diesen Protesten hauptsächlich um Kritik an den Banken gehe, ist genauso falsch wie die, dass die Protestwelle aus New York nach Europa geschwappt sei. Die derzeitigen Missstände im Banken- und Finanzsystem sind ein Symptom, das selbstverständlich behandelt werden muss. Eigentliche Zielscheibe der Protes- te sind jedoch die Politik und die Partei- politiker, welche diese Missstände erst er- möglicht undzugelassenhaben. Sie inter- essierensichfür die Bedürfnisse der Men- schen schon lange nicht mehr. Schon im August gab es in Berlin Demonstratio- nen mit geringerer Beteiligung und Ver- suche, Protest-Camps zu errichten, die von der Polizei teils gewalttätig unter- bunden wurden. All dies lange vor Occu- pyWall Street. Der Aufruf für den15. Ok- tober als weltweiter Aktionstag kam be- reits im Juni und ging von Spanien aus. Die Spanier wiederum schauten bei der Organisation ihrer seit Mai andauernden Proteste nach Ägypten und Tunesien. Aber natürlich kann man im Westen nicht öffentlich zugeben, dass eine Idee, die Zehn- oder Hunderttausende Men- schen bewegt, nicht aus den USA kommt, sondern letztendlich auf eine Freiheits- und Demokratiebewegung in der arabischen Welt zurückzuführen ist. Andreas Pfeuffer Dachau Demonstrationen werden als linkslastig diffamiert Ihre Überschrift lenkt – absichtlich oder unbeabsichtigt – von denen ab, die den Banken die Grenzen ihres Handelns vor- geben müssten: Die von uns Bürgern in sinnlos gemachten Ritualen immer wie- der gewählten Parteien legen ihren ge- setzgeberischen Entscheidungen immer rücksichtsloser die Interessen von Ban- ken und Konzernen zu Grunde anstatt die vorrangigen Interessen der Bürger, Steuerzahler und Wähler. Rechtliche Konsequenzen haben sie daraus ja nicht zuerwarten. Mit demWechsel der Partei- en in der Regierungs„verantwortung“ können sie gut leben, zumal in Koalitio- nen. Da also insbesondere die Parteiprä- sidien Wählerauftrag und Amtseid (und oft aucheigene Wahlversprechen!) syste- matischignorieren, müssendie Mechanis- men diesem Verhalten angepasst wer- den. Dabei ist die Entwicklung der Abge- ordneten-Diäten bisher völlig abgekop- pelt von sozialen, ökologischen oder frie- denspolitischen und volkswirtschaftli- chenFaktoren. Auf Grundvielfältiger zu- sätzlicher, in der Regel legaler, wenn auch massive Abhängigkeiten schaffen- der NebeneinnahmenundPost-Mandats- zeit-Arbeitsverhältnissen und -Berater- verträgenist dies ein Nebenaspekt, trotz- dem aber korrekturbedürftig. Diese wachsenden Proteste als „linkslastig“ zu diffamieren, entspricht demseit demKal- ten Krieg verbreiteten Freund-Feind- Schema, aber nicht der gesellschaftli- chen Realität in den Industriestaaten. Manfred Bauer München Auf den Amtseid besinnen Herr Beise („Die Banker warenes nicht“, 18. Oktober) reitet eine Entlastungsatta- cke für die Banken zu Lasten der Politik. Das wird den Bankern sehr gefallen. Die Politiker müssen sich erst einmal wieder auf ihren Amtseid besinnen, in dem sie schwören, Schaden vom Volk zu abwen- denundseinenNutzenzumehren. Bis da- hin können wir nur hoffen, dass die im Zentrumdes US-Imperiums auf die Stra- ße getragene Unruhe um sich greift und das Wirken der radikalen Marktwirt- schaft endlich begriffen wird: Die Fede- ral Reserve, gegründet 1913, hat als priva- te Einrichtung dass alleinige Recht, Geld aus dem Nichts zu schöpfen – sie be- druckt Papier, das seinen Wert durch die in der übrigen Welt geleistete Arbeit er- hält. Internationaler Währungsfonds, Weltbank (seit Bretton Woods 1944) und die Welthandelsorganisation (seit den 1990er Jahren), sind die Einrichtungen zur Eintreibung der Beträge, die Ameri- kaner benötigen, um ihre Konsumge- wohnheiten und ihren Lebensstandard zu erhalten. Heinrich Triebstein Kassel „Er fällt immer auf dein Geld“ Wie man sieht, oder lesen kann, die Kri- tik am Kapitalismus und dessen Aus- wüchsenist nichts Neues („Besetzt Bank- furt!“, 15./16. Oktober), denn wie schrieb schon Kurt Tucholsky: „Und geht’s gut, so ist der Kapitalist eintüchti- ger Kerl, auch zeigt dies, dass die Wirt- schaft nicht auf private Initiative verzich- ten kann. Geht’s aber schief, so ist das ein elementares Ereignis, für das natür- lich nicht der Nutznießer der guten Zei- ten, sondern die Allgemeinheit zu haften hat. Wirf den Bankier, wie du willst: er fällt immer auf dein Geld.“ Horst Baus München Kampf gegen die Gerechtigkeitslücke „Empört euch!“ schreibenSie am10. Ok- tober. Ja, kann ich da nur sagen, denn Empörung ist angesagt. Was uns Alexan- der Hagelüken an Argumenten gegen denreal existierenden Kapitalismus auf- listet, ist beachtlich. Jedes Argument ein Faustschlag gegen die „Macht der Fi- nanzindustrie“. Und jeder Satz trifft zu, leider auch der: „... es zahlt erneut der Steuerzahler.“ Natürlich sollte sich der Protest einer breiten Bürgerschaft gegen die anstehende „zweite gigantische Um- verteiung“ zu Lasten der Steuerzahler richten. Wie lange soll es denn noch hei- ßen: Wir müssen die Banken retten? Jetzt müssen zuerst jene dran sein, die bisher von den riesigen Finanzkrisen profitiert haben, die ihre Gewinne „privatisieren“ und ihre Verluste „sozialisieren“. Die Parteien sind allesamt gefordert, gegen die sich neu auftuende Gerechtigkeitslü- cke vorzugehen. Verständlich, dass ich diese Forderung auch an meine Partei, die SPD, richte. Georg Kronawitter München Die Globalisierung der Occupy-Wall-Street-Bewegung: „Ich habe Frankfurt und London an der Strippe.“ – „Sie meinen es ernst.“ Illustration: Chappatte Zielscheibe der Proteste ist die Politik Die Occupy-Bewegung kritisiert nicht in erster Linie die Banken, sondern die Willfährigkeit der Volksvertreter gegenüber der Wirtschaft Nur noch Zeit für Credit Points An modernen Universitäten bleibt die Persönlichkeitsbildung auf der Strecke Wertesystem à la Dagobert In der Architektur sollte die Baukunst vor der Ökonomie kommen Einsatz in Afghanistan hat seine Ziele verfehlt Nunist es schon zehn Jahre her, dass US- Truppen die Taliban in Afghanistan be- siegt haben („Am Abzug“, 5. Oktober). Überschattet wird dieses „Jubiläum“ von der Rückkehr der Islamisten und ei- ner würdelosen, parteipolitisch gepräg- ten Diskussion über einen Truppenab- zug. Der eigentliche Grund für den Ein- satz der USAundder Nato indiesemewi- gen Krisengebiet ist heute in den Hinter- grund getreten. Damals wollte man die Menschenrechte der Afghanen, beson- ders der Frauen und Kinder, sicherstel- len und einen demokratischen Staat auf- bauen. Dies ist gründlich misslungen. Solange die unfähige undkorrupte Re- gierung in Kabul vom Westen gefördert wird, ohne das man bestimmte Stan- dards durchsetzt, wird man den Taliban einen bequemen Weg zurück bereiten. Mit einemvoreiligen, durch die jeweilige Innen- und Parteipolitik bestimmten Truppenabzug wird ein Signal gesetzt, das die Rückkehr der Extremisten sogar noch beschleunigt. Insgesamt kann man von einer verfahrenen Situation spre- chen, die von politischer Halbherzigkeit und Wahlkampf-Erwägungen getragen wird und die von den dort eingesetzten Soldaten Unerfüllbares verlangt. Peter Krusche Bad Krozingen Vietnam verfolgt Regimegegner Ich bedaure, dass Sie auf die Menschen- rechtslage in Vietnam nicht genauer ein- gegangen sind („Merkel wirbt um Viet- nam“, 12. Oktober). Wenn Sie nur die Idee Merkels zitieren, dass ein Land so hoher Bildung wie Vietnam „mehr Pres- sefreiheit“ gewährenmüsse, dannverbin- det man das nicht gleich mit politischen Gefangenen in Vietnam: das sind Blog- ger, Gewerkschafter, Buddhisten, Chris- ten. In VietnamwerdenpolitischAnders- denkende und Menschenrechtsverteidi- ger schikaniert, bedroht und verhaftet. Sie nutzen zum Beispiel auch das Inter- net, umüber Menschenrechte, Demokra- tie und politischen Wandel zu diskutie- ren. Auf der Grundlage der nationalenSi- cherheitsgesetze werden sie in Haft ge- nommen. Die Behörden filtern oder sper- ren Webseiten, um damit ihre Kontrolle des Internets weiter zu verstärken. Be- treiber von Internetcafés sowie Internet- provider sollen die Nutzer überwachen. Kritik am kommunistischen System und der Regierung sowie deren Verbrei- tung sind verboten, da sie nach Auffas- sung der Regierung die nationale Sicher- heit gefährden. Nach Artikel 88 des viet- namesischen Strafgesetzbuches können entsprechende Verstöße mit bis zu20 Jah- renHaft bestraft werden. Die vietnamesi- schen Behörden haben seit 2006 mindes- tens 30 Dissidenten und Dissidentinnen zulangenHaftstrafenverurteilt. Nachei- ner kurzen Phase der Toleranz begann imMai 2009 eine neue Verhaftungswelle. Derzeit befinden sich mindestens zwölf DissidentenundDissidentinneninUnter- suchungshaft. Friedhelm Kuhl Hagen „Stuttgart 21“ überzeugt kaum mehr jemanden Das warmherzige Gefühl, dass man kein „Beförderungsfall“, sonderneinwillkom- mener „Kunde“ ist, umworben und ge- schätzt, dieses Gefühl ist fort („Ramsau- er fürchtet Zerschlagung der Bahn“, 7. Oktober). Und wo ist die sprichwörtli- che Zuverlässigkeit der Bahn geblieben? Die Bahn, damals nochBundesbahn, war mal eine strahlende Marke, ein Fixpunkt für guten Service und ein Beispiel für nachhaltige Mobilität. Jetzt ist das alles 20. Jahrhundert – Vergangenheit eben. Inder Schweiz ist die SBBindie ganz an- dere Richtung gegangen. Dort fährt man heute wirklich gerne mit dem Zug. Die Züge sind pünktlich, der Takt funktio- niert, sogar die Fahrtzeiten der Postbus- se und der Nebenbahnen sind eingetak- tet. Wirklichbeeindruckend, wie das Sys- tem in der Fläche und an den Knoten- punkten ineinander greift und wie es trotz schwieriger Topografie wirklich stimmig läuft. Ich denke, bei „Stuttgart 21“ wird auchmit einer nochso perfektenundpro- fessionalisierten Medienarbeit niemand mehr ernsthaft davon überzeugt werden können, dass hier wirklich die „Guten“ am Werk sind. Und es geht gar nicht mehr nur umden Bahnhof, es geht inzwi- schen auch um den Entwurf für ein zu- künftiges Miteinander, für angepasste Technik und ein Mensch-Sein ohne Ren- dite-Gedanken. Norbert Fasching Gärtringen Leserbriefe sind in keinem Fall Meinungs- äußerungen der Redaktion. Wir behalten uns vor, die Texte zu kürzen. Es können nur Zuschriften veröffentlicht werden, die sich auf benannte Artikel beziehen. Zuschriften ohne Angabe des vollen Namens und der vollständigen Adresse können wir leider nicht bearbeiten. Bitte geben Sie für Rückfragen auch immer Ihre Telefonnummer an. Fax: 089/2183-8530 E-Mail: [email protected] Seite 36 / Süddeutsche Zeitung Nr. 242 Donnerstag, 20. Oktober 2011 FORUM Weitere Leserbriefe 10° 5° Europa Wetterhistorie München Sonne und Mond Berlin Bremen Brocken Dortmund Dresden Düsseldorf Erfurt Essen Feldberg Feldberg/Ts. Frankfurt Freiburg Freudenstadt Garmisch Hamburg Hannover Ingolstadt Karlsruhe Kassel Kiel Koblenz Köln Konstanz Leipzig Lindau List/Sylt Lübeck Magdeburg Mannheim München Nürnberg Oberstdorf Osnabrück Passau Rostock Saarbrücken Schleswig Schwerin Stuttgart Trier Wiesbaden Zugspitze wolkig 10° Schauer 10° Schn.sch. -1° Schauer 10° wolkig 9° wolkig 11° wolkig 9° Schauer 10° wolkig 0° wolkig 3° wolkig 11° wolkig 11° wolkig 6° Schauer 7° Schauer 12° Schauer 10° st. bew. 8° Schauer 11° wolkig 10° wolkig 10° wolkig 11° wolkig 11° wolkig 8° Schauer 10° wolkig 8° Schauer 10° Schauer 10° wolkig 11° Schauer 11° Schauer 8° Schauer 9° Schauer 7° Schauer 12° Schauer 9° Schauer 10° wolkig 10° Schauer 10° wolkig 10° st. bew. 10° wolkig 11° wolkig 10° Schn.sch. -12° Amsterdam Athen Barcelona Belgrad Brüssel Bukarest Dublin Helsinki Innsbruck Istanbul Kiew Las Palmas Lissabon London Madrid Mailand Moskau Nizza Palma d.M. Paris Prag Rom Salzburg Sofia Stockholm Warschau Wien Zürich Abu Dhabi Bangkok Bogota Bombay Boston Buenos Aires Chicago Darwin Denver Dom. Republik Hongkong Houston Jakarta Jerusalem Johannesburg Kabul Kairo Kuwait La Paz/Bol. Lima Los Angeles Malediven Manila Mekka Mexico City Miami Montreal Nairobi New Delhi New York Panama Peking Perth Riad Rio de Janeiro San Francisco Singapur Sydney Teheran Tel Aviv Tokio Vancouver Washington Schauer 11° heiter 21° wolkig 19° wolkig 19° Schauer 10° heiter 18° wolkig 11° wolkig 9° Schauer 6° sonnig 18° heiter 13° heiter 25° sonnig 26° wolkig 12° sonnig 20° wolkig 16° wolkig 8° wolkig 20° wolkig 21° wolkig 11° wolkig 6° Schauer 20° Regen 7° sonnig 20° wolkig 8° Schauer 9° Regen 11° wolkig 8° heiter 32° Gewitter 32° Regen 13° heiter 34° wolkig 21° sonnig 23° Schauer 7° heiter 35° sonnig 17° Schauer 32° wolkig 26° sonnig 24° Schauer 31° sonnig 21° sonnig 21° wolkig 18° sonnig 26° sonnig 33° wolkig 16° wolkig 25° sonnig 24° Gewitter 31° heiter 33° sonnig 37° wolkig 19° wolkig 24° Schauer 17° sonnig 32° wolkig 17° Schauer 29° heiter 21° sonnig 23° heiter 33° wolkig 21° sonnig 18° Gewitter 35° sonnig 25° sonnig 26° sonnig 26° wolkig 18° Schauer 13° wolkig 15° Maximum 1923 21,2 °C Minimum 1972 -6,5 °C www.wetterkontor.de N O W S N O W S 9° -1° 10° 5° 10° 2° 12° 0° 11° 2° 9° -1° 8° 11° -1° 3° 7° 0° 6° -2° 9° 0° 8° -1° 9° 0° 11° -1° 7° -3° T T T T H H 1000 1005 1010 1015 1030 1025 1020 1 0 0 5 10 0 0 995 990 985 980 975 970 1015 1020 1020 1025 995 990 Weltwetter 12.00 Uhr UTC Madrid London Stockholm Berlin Wien Berlin Genf Hamburg Münster Köln Rostock Kiel München Zürich Innsbruck Salzburg Wien Stuttgart Dresden Frankfurt Paris Warschau Kiew Belgrad Moskau Istanbul Athen Tunis Rom Urlaubsorte Luft Wasser Helgoland Rügen Sylt Agadir Antalya Heraklion Malaga Palermo Rimini Tunis Venedig Cypern Mallorca 9° 10° 10° 31° 25° 20° 26° 24° 19° 26° 14° 26° 21° 14° 12° 11° 22° 25° 23° 22° 23° 21° 23° 20° 26° 24° Helsinki München 10° 2° Das Wetter heute: Hier und da Schauer Zwischen einemTief über demNorden Norwegens und einemHoch über der Biskaya gelangt kühle Luft nach Mitteleuropa, dabei fallen örtlich Schau- er. Im Südosten Mitteleuropas macht sich noch ein Tief mit Regen bemerkbar. Im äußersten Süden be- ginnt der Tag mit letzten Schnee- und Regenwolken. Sonst wechselt sich et- was Sonnenschein mit einigen Wolken- feldern ab, dabei kann es gelegentlich ein paar Schauer geben. Die Höchst- temperaturen bewegen sich zwischen 6 und 11 Grad. Die Schneefallgrenze liegt bei 700bis 900Metern. Der Wind weht im Süden schwach bis mäßig, im Nor- den mäßig bis frisch, an den Küsten zeit- weise stark aus West bis Nordwest. Freitag Samstag Sonntag unter -10° -10° bis -5° -5° bis 0° 0° bis 5° 5° bis 10° 10° bis 15° 15° bis 20° 20° bis 25° 25° bis 30° über 30° Kanaren 07:40 18:16 --:-- 14:45 20.10. 02.11. 26.10. 10.11. 1200 m Nullgradgrenze bei Aussichten Wetterlage Denver Houston Havanna Singapur Hanoi Bangkok Manila Hongkong Shanghai Tokio Peking Chengdu Miami Washington Chicago Toronto New York Los Angeles Vancouver Nordamerika Europa Asien Warmfront Kaltfront Mischfront Kaltluft Warmluft H T Hoch Tief Schauer 23° Norden Osten Westen Süden (Angaben für München) Westwind 10 km/h Nordwestwind 35 km/h U ngeduldig steht Alexandra auf den Treppenstufen zum Ein- gangihres Hotels andenVicto- riafällen. Die Siebenjährige aus Schwandorf in Bayern trägt ein T-Shirt mit aufgedrucktem Leopard, ih- re blondenHaare sindzuZöpfengefloch- ten. Daheim sind Ferien, und die haben Alexandras Eltern genutzt, um mit ihr nach Afrika zu fliegen. Sie wollen Diara besuchen, ihr Patenkind, das in einem SOS-Kinderdorf in Sambia lebt. Auch Diara ist aufgeregt. Sie weiß, dass heute Besuch aus Deutschland kommt. Seit fünf Uhr morgens kann sie nicht mehr schlafen, ihren Frühstücksmuffin ver- schlingt sie, dann lässt sie sich von ihrer SOS-Mutter ein goldenes Band ins Haar binden. Zur Feier des Tages. Vor zwei JahrenentschlossensichSan- dra und Hubert Döpfer, Alexandras El- tern, eine Patenschaft für ein Kind in Afrika zu übernehmen. Sie fanden ein Mädchen im Alter ihrer Tochter – nach dem Willen des Vormunds soll es in der Zeitung Diara heißen. „Ich wollte schon immer mal die Victoriafälle sehen“, sagt Sandra Döpfer, „deswegen entschieden wir, ein Mädchen aus dem nahe gelege- nen Livingstone zu unterstützen.“ Denn von Anfang an stand für die Familie fest, einmal einen Urlaub mit einem Besuch im SOS-Kinderdorf zu verbinden. „Uns war es sehr wichtig, Diaras Heimat ken- nenzulernen und zu sehen, wie sie lebt“, sagt Sandra Döpfer. „Außerdem wollen wir unserer Tochter zeigen, wie gleichalt- rige Kinder auf einem anderen Konti- nent leben.“ Und nun ist es endlich so weit. Als sich Diara und Alexandra das erste Mal in den Arm nehmen, muss Alexandra sich leicht bücken, denn sie ist fast doppelt so groß wie Diara. ImHintergrund singt ein Gospelchor, der die Gäste des vorneh- men und im Kolonialstil gehaltenen „Royal Livingstone Hotel“ begrüßt. Die Döpfers wohnenhier undhabendie Klei- ne aus dem Kinderdorf herbringen las- sen, umbei der erstenBegegnung imklei- neren Kreis zu sein. Außerdem liegt das Hotel nahe an den Wasserfällen, die Dia- ra noch nie gesehen hat, obwohl das Kin- derdorf nur 15 Autominuten davon ent- fernt liegt. Alexandrahängt Diaraals Ge- schenk eine Kette mit einem Schmetter- lingsanhänger um. Dieselbe baumelt auch um ihren Hals. „Thank you!“ flüs- tert Diara leise. Dann fahren sie los, zu den Victoriafällen. Das Rauschen der mächtigen Wasserfälle, die zum Unesco- Weltnaturerbe gehören, dröhnt schon von weitem. Aufgeregt blicken Alexan- dra und Diara aus dem Autofenster, hal- ten Ausschau nach Giraffen oder Elefan- ten im Buschland. Und dann, an der Ab- sperrung, stehen die Kinder mit offenen Mündern da und sehen zu, wie das Was- ser tosend in den Abgrund stürzt. Seit der erstenUmarmung sinddie bei- den Mädchen unzertrennlich. Sie halten sich an den Händen. Diara will nun auch die Haare so lang wachsen lassen wie das Mädchen aus Deutschland, Alexandra wünscht sich die Löckchen von Diara. Sie verstehensich– unddas, obwohl Dia- ra Tonga spricht und Alexandra Deutsch. Beide fangen gerade erst an, Englisch zu lernen – und beschließen, nunschneller Fortschritte zumachen, da- mit sie sich Briefe schreiben können. Sambia wird als „das wirkliche Afri- ka“ beworben. Hier sollen Abenteurer nochursprüngliche Städte undwilde Na- tur finden. Das etwa 100 000 Einwohner zählende Livingstone indes bietet Touris- ten zahlreiche Hotels und Restaurants. Leicht kann man hier übersehen, dass Sambia zu den ärmsten Ländern der Welt gehört. Die Zahl der HIV-Infizier- ten ist extremhoch und trägt dazu dabei, dass die durchschnittliche Lebenserwar- tung der Menschen nur 37 Jahre beträgt. Mehr als 750 000 Aids-Waisen leben in Sambia. Nur einProzent aller Waisenkin- der findet einen Platz in einer sozialen Einrichtung. So wie Diara. Vor drei Jahren brachten Sozialarbei- ter sie mit ihremBruder und ihrer jünge- ren Schwester in das SOS-Kinderdorf. Die Mutter war bei der Geburt des zehn- ten Kindes gestorben, Vater und Groß- mutter warenüberfordert. Starkunterer- nährt erreichten sie das Kinderdorf. Dia- ras kleine Schwester trug zuerst den Na- men „Pech“, weil die Mutter ihre Geburt nicht überlebt hatte. Ihre SOS-Mutter nannte sie sofort um – in „Hoffnung“. Vonder hartenVergangenheit der Kin- der ist heute imDorf kaumetwas zu spü- ren. Es liegt am nördlichen Rand von Li- vingstone, ander Straße, die zudenVicto- riafällen führt: ländliche Umgebung, ro- te Erde und Buschland. Hier kann schon mal eine Giraffe oder ein Elefant über die Straße laufen. Vonweitemist Kinder- lachen zu hören aus den 15 Häusern, in denen jeweils eine SOS-Mutter zwölf Kinder versorgt. Auch hier sind gerade Ferien, also helfen die Kinder, die Wä- sche aufzuhängen oder Blumen im Gar- ten zu pflanzen. Familie Döpfer schreitet auf dem roten, staubigen Hauptweg ent- lang, an den sich die Steinhäuser reihen und winkt allen neugierigen Kindern in den Hauseingängen zu. Einige rufen: „White, white!“Die Döpfers sinddie ers- te Patenfamilie, die das Dorf empfängt. Dass überhaupt einer der Paten die Kinder besucht, ist eine Ausnahme – und dann gleich eine ganze Familie. Alexan- dra ist froh, dass nicht sofort alle Kinder auf sie losstürmen und sie anfassen wol- len– so hatte sie sichdas vorgestellt. Dia- ra zieht Alexandra zum Eingang ihres Hauses, und das deutsche Mädchen öff- net neugierig die Tür. Erschrocken weicht sie zurück. ImHaus sitzenelf Kin- der aufgereiht auf der Wohnzimmer- couchundwarten. „Die schauen michal- le an“, sagt sie. Doch Diara zieht sie ins Haus, in eines der Schlafzimmer, das sie sich mit drei anderen Mädchen teilt. Ne- ben ihrem Bett hängt an der Steinwand ein Foto von Alexandra, das die Familie ihrem Patenkind geschickt hatte. Hubert Döpfer versucht, dies – wie auch viele andere Momente – mit seiner Kamera festzuhalten. Sandra Döpfer fällt es vor Rührung schwer, überhaupt noch etwas zu sagen. Der Familienvater übernimmt: Als alle sich begrüßt haben undimWohnzimmer auf Sofas undStüh- len zusammensitzen, präsentiert er die Gastgeschenke: Stifte, Malblöcke und zehn blaue Poloshirts mit dem Schrift- zug seines Unternehmens. Es stellt sich aber heraus, dass zwölf Kinder inder Fa- milie leben. Das ist HerrnDöpfer sehr un- angenehm. Sofort verspricht er, noch zwei Shirts zu schicken. „Do you know Bavaria?“, fragt er in die Runde. Schwei- gen. Er hält einen Bayern-Fotoband hoch: verschneite Wälder, Schlösser, das Stadion des FC Bayern. Da plötzlich wird einer der Jungen munter. Er sei ein Fan der deutschen Mannschaft, sagt er. Jetzt wollendie Kinder auchetwas zei- gen: Fünf Mädchen, darunter Diara, stel- len sich vor den Fernseher und beginnen zu tanzen und Lieder zu singen. Dabei werden ihre Stimmen immer lauter, die Bewegungenwilder. Alexandra, schonet- was ermüdet von den Ereignissen, gähnt zaghaft. Ihr Papa stupst sie an. Später auf dem Spielplatz schaukeln die Mädchen um die Wette, während die Eltern sich über die Schule des Kinder- dorfes unddie Gesundheitsversorgungin- formieren. Sandra Döpfer schaut betrof- fen, als sie erfährt, was auf den ersten Blick nicht zu sehen ist: dass eines der Mädchen, mit denen Diara nun in einer Familie lebt, am Straßenrand ausgesetzt worden ist. Und nun sitzt die SOS-Mut- ter Emelia Phiri da und versucht, dem Kind Selbstbewusstsein zu geben. „Du wirst einmal die erste weibliche Präsiden- tin Sambias“, sagt sie. Sandra Döpfer wischt sich eine Träne weg. Und auch ih- ren Mann, der in Deutschland Privat- schulen betreibt, fesseln die Kinder und die Schule hier im Dorf. Er interessiert sichfür alles Organisatorische, ist begeis- tert von dem gut ausgestatteten Compu- terraum und den Klassenräumen. Als ei- ne von Diaras kleinen Schwestern heu- lend auf dem Klettergerüst sitzt, weil sie nicht alleine runterkommt, ist Hubert Döpfer als erster da, um zu helfen. Zurück im Hotel, spricht Alexandra nur noch von Diara. Sie findet, dass sie und das Mädchen aus Sambia besonders gut zusammenpassen. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt Alexandra. Und auch farblich sei die Freundschaft stim- mig: „Wir sehen zusammen aus wie ein Zebra, weiß und schwarz!“ Auch Diara fragt ihre SOS-Mutter vor demSchlafen- gehen: „Darf ich Alexandra meine Schwester nennen?“ Am nächsten Morgen im Dorf tragen die Kinder die blauenPolo-Shirts der Fa- milie Döpfer, die clevere SOS-Mutter Emelia hat für die zwei leer ausgegange- nen Kinder andere blaue Hemden aufge- trieben. Alle malen eifrig mit den ge- schenkten Stiften. Die Döpfers sind hoch zufrieden, ihre Erwartungen wurden so- gar übertroffen. „Viele unserer Bekann- ten waren der Meinung, unsere monatli- chen Spenden würden nie bei Diara an- kommen“, sagt Sandra Döpfer. „Doch wir konnten uns jetzt selbst davon über- zeugen, dass es Diara an nichts fehlt.“ Sie loben die Einrichtung, die es nun schon seit mehr als einem halben Jahr- hundert gibt. 1949 gründete Hermann Gmeiner das erste SOS-Kinderdorf in Imst in Tirol. Seine Idee war es, verlasse- nen Kindern wieder zu ermöglichen, mit einer Mutter und Geschwistern in einem Haus heranzuwachsen. Weltweit gibt es heute 518 SOS-Kinderdörfer und 392 SOS-Jugendeinrichtungen, die mehr als 80 000 Kinder undJugendliche beherber- gen. Die Organisation finanziert sich durch Spenden. Zwei Tage verbringt die Familie mit ih- rem Patenkind. Beim Abschied umar- men alle Döpfers die kleine Diara gleich- zeitig, und selbst der Vater muss dabei ein wenig schlucken. Auf dem Rückweg zum Hotel springt er aus dem Wagen, als der Fahrer auf Hütten am Wegesrand deutet und erzählt, dass Diara in so einer aufgewachsen sei. Er will schnell Fotos machen und sie dann Verwandten und Bekannten in Deutschland zeigen. Nach dem Besuch im SOS-Kinderdorf bricht die Familie zu einer Safari in Bo- tswana auf. Doch nach der ersten Jeep- Tour reicht es Hubert Döpfer bereits. Er bleibt am nächsten Tag lieber im Hotel. Elefanten jagten ihren Jeep, die Löwen schlichen gefährlich nahe heran. „Nein, das muss ich nicht mehr haben!“, sagt er. Nach Sambia aber will er mit seiner Fa- milie dennoch wieder fliegen. Um Diara zu sehen. CHRISTINE DOHLER Schwester Afrika Eine Familie aus Bayern besucht ihr Patenkind in Sambia. Und erlebt einen ungewöhnlichen Urlaub Bilder einer Freundschaft: Alexandras Eltern, Sandra und Hubert Döpfer, wollten ihr Patenkind kennenlernen. Der erweiterte Familienausflug führte sie an die Victoriafälle und ins SOS-Kinderdorf. Fotos: Nina Bannemann Informationen Der Vater springt aus dem Auto und fotografiert die ärmlichen Hütten REISE DEFGH Donnerstag, 20. Oktober 2011 • Nr. 242 AUFGANG • Das Sonnenwunder Ägyptens Seite 39 ZUGANG • Wlan-Hotspots auf Reisen Seite 40 ABHANG • Die Show der Bergsteiger Seite 41 Sie verstehen sich, obwohl Diara Tonga spricht und Alexandra Deutsch AFRIKA Lusaka Victoriafälle SAMBIA SIMBABWE ANGOLA DEM. REP. KONGO 250 km SZ-Karte S a m besi Livingstone Anreise: von Frankfurt über Johannesburg nach Livingstone, mit Lufthansa hin und zurück circa 1300 Euro, www.lufthansa.com, deutsche Staatsbürger benötigen ein Visum. Unterkunft: Ilala Lodge in der Nähe der Victoriafälle, DZ ab 100 Euro pro Person, www.ilalalodge.com Weitere Auskünfte: Infos zu „SOS-Kinderdör- fer weltweit“ über www.sos-kinderdoerfer.de, Tel.: 0800/503 03 00. Eine Patenschaft für ein Kind im Ausland kostet 31 Euro im Monat. Die Victoriafälle können von Sambia oder Simbabwe aus besichtigt werden. Informatio- nen zum Mosi-O-Tunya Nationalpark in Sam- bia unter www.zambiatourism.com Bspw. Traum! Lebe deinen Preise inkl. Flug, Rundreise mit deutschsprachiger Reiseleitung, Ausflügen und Eintrittsgeldern. Jordanien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 Tage ab € 1.650,– Äthiopien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 Tage ab € 1.999,– Nepal mit Trekking . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24 Tage ab € 1.950,– Burma (Myanmar) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18 Tage ab € 1.899,– Vietnam und Kambodscha . . . . . . . . . . 25 Tage ab € 2.050,– Kuba . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21 Tage ab € 1.999,– Costa Rica . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 Tage ab € 2.150,– Peru . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 Tage ab € 2.450,– Bestelle unseren Katalog mit Erlebnisreisen in kleiner Gruppe kostenlos unter: Telefon 02236 3836-0 oder ... Freecall: 0800 1130114, www.world-insight.de (aus dem dt. Festnetz) Entdecke Afrika, Amerika, Asien. Gemeinsam mit anderen weltoffenen Menschen. 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Auch das schlechte Essen, das man an- geblich in ganz England zu konsumieren gezwungenist, findet maninLondonnur bei sehr genauer Suche neben zahllosen wohlschmeckendenGerichteninternatio- naler Küche. Eine Wahrheit über London hingegen, die auf denStraßender Stadt einums an- dere Mal ihre Bestätigung erhält, hat die große SchriftstellerinVirginia Woolf for- muliert: „The charm of modern Lon- don“, so schrieb sie, „is that it is not built to last; it is built to pass“. Der Charme von London ist also seine Vergänglich- keit. Eine Vergänglichkeit freilich, ande- ren Ende nicht der Untergang, sondern die Neu-Erstehung gesetzt ist. Ein Ver- weis auf die Vielseitigkeit, die Beweglich- keit einer Metropole, die sich mit jedem Tag neu erfindet, neu erschafft. London, das erfährt Matthias Polity- cki am eigenen Leib, bedeutet „weiter! Und weiter!“. So beschreibt es der Welt- reisende, der als writer-in-residence in Londonlebt undals sogenannter Gastge- ber dieses Corsofolio-Bandes durch die britische Hauptstadt führt. Immer in Be- wegung sein, immer darauf gefasst sein, dass sich alles schon wieder verändert hat, kaum dass man einem Ort den Rü- cken zugewandt hatte. Es zieht sich dieser Eindruck durch al- le Beiträge des großformatigenBuch-Ma- gazins über die Millionenstadt, das den schönenUntertitel „Signale aus der Welt- maschine“ trägt: Jedes Bild ist eine Mo- mentaufnahme, jeder Text ein Bericht von unterwegs, eine Reflexion über die beständig erfolgende Häutung und Er- neuerung der Metropole. Der Philosoph Alainde Bottonnennt London„völlig un- geordnet“, inkohärent; die Literaturwis- senschaftlerin Margit Dirschel erzählt von den endlosen Übermalungen, den Neulackierungen, die jede Ritze dieser Stadt ständig zu erfahren scheint. Frei- lich erzählt sie dabei auch vom Abblät- tern, vom Schmutz, vom Vergänglichen, vomMoloch, der Londonauchist. Die fas- zinierende, pulsierende Stadt, sie hat Schattenseiten, ein Umstand, der un- längst imZuge der Aufstände dort nur all- zudeutlichwurde. Und einUmstand, der auch hier nicht ausgespart bleibt. So be- schreibt der Übersetzer Stefan Tobler, wie er am Ende einer Wanderung in den Randgebieten Londons die Angst vor demTerror überdeutlichentdeckt: InAb- sperrbändern und Sicherheitsräumen, in Ausgrenzungen findet sie Niederschlag, und man kann nur hoffen, dass die Stadt auch hier so schnell nach Erneuerung strebt wie überall sonst. BARBARA WOPPERER RAINER GROOTHIUS (Hrsg.), MATTHIAS POLITYCKI (Gastgeber): London, Signale aus der Weltmaschine. Corso Verlag, Ham- burg 2011. 157 Seiten, 24,95 Euro. Nach demTod eines achtjährigen Jun- gen aus Hessen, der in einem Hotelpool auf Fuerteventura von einer defekten Pumpe unter Wasser angesaugt wurde undertrank, hat der TÜVeinheitliche Si- cherheits-Standards für Hotels gefor- dert. Hotelbetreiber und Reiseveranstal- ter solltenverpflichtet werden, ihre Pum- pen regelmäßig kontrollieren zu lassen. Zudem würde der Einbau sogenannter Unterdruckwächter sicherstellen, dass ei- ne defekte Pumpe sich automatisch ab- schaltet, sagt Olaf Seiche vom TÜV Rheinland. Besorgten Eltern empfiehlt Seiche einen„Handtuch-Test“: Die Saug- kraft von Pumpen lasse sich überprüfen, indemsie mit einemHandtuchganzfläch- tig das Gitter bedecken. „Lässt sich das Handtuch problemlos bewegen und ab- ziehen, besteht keine Gefahr.“ Werde das Handtuch indes so stark angesaugt, dass man es nicht hochnehmen kann, sei das Baden lebensgefährlich. mai Blockierte Kirche Gefährliche Pools An mehreren deutschen Flughäfen sind Griechenland-Urlauber von Flug- ausfällenbetroffengewesen. Die griechi- schen Fluglotsen hatten in der Nacht zum Mittwoch ihre Arbeit niedergelegt. Sie beteiligten sich damit an der Streik- welle im Land, die als Protest gegen die Sparmaßnahmen der Regierung organi- siert wurde. Statt der ursprünglich ge- planten 48 Stunden wurde zunächst nur zwölf Stunden lang gestreikt. Die Ge- werkschaft hatte diese Verkürzung be- schlossen, um die Tourismusindustrie in Griechenlandnicht nochweiter zubelas- ten. Mittwochmittag konnten wieder Flugzeuge starten. In München wurden 20 Flüge aus und nach Griechenland ge- strichen. Auch die Flughäfen in Hanno- ver, Düsseldorf, Hamburg und Köln/Bonn waren betroffen. In Frank- furt wurden bis Mittwochmittag 15 Flü- ge abgesagt. dpa/dapd Charme der Vergänglichkeit Ein Buch beschreibt London als Stadt, die sich täglich neu erfindet REISE S o sauber wie dieses Jahr waren die StraßeninRaiding wohl noch nie, auchdas einfache, einstöcki- ge Haus, das zur Meierei des Fürs- ten gehörte, ist neu verputzt. Hier wurde am 22. Oktober 1811 Franz Liszt gebo- ren, in einem 800-Seelen-Bauerndorf im Burgenland. Der Mann, der später in Konzerthäusern zwischen Lissabon und Odessabegeisterte, lebte zwar nur die ers- tenelf Jahre seines Lebens hier. Dennoch nennen sie ihn hier das „Genie aus Rai- ding“, und der persönlichste Teil der mehrteiligen Ausstellung „Lisztomania“ wird hier gezeigt. Nach Raiding war sein Vater, ein kleiner Verwalter des Fürsten Esterházy, nachder Affäre mit einer Sän- gerin versetzt worden. Das Zentrum der Jubiläumsaktivitä- ten ist aber Eisenstadt. Zwar wird immer wieder behauptet, der neunjährige Liszt habe hier, auf Schloss Esterházy, seiners- tes Konzert gespielt, doch zu belegen ist das nicht. Auch hat Fürst Esterházy ein Stipendium für das Wunderkind abge- lehnt, Liszts Vater erhielt es schließlich vonungarischenAdeligenaus Pressburg, wo der Junge 1820 auch sein erstes eige- nes Konzert gab. Dennoch sind in Eisen- stadt wegender hier vorhandenenRäum- lichkeiten drei der insgesamt fünf Aus- stellungsteile zu sehen. Mit Musikernhat manhier gute Erfah- rungen. Joseph Haydn war dreißig Jahre lang Hofkapellmeister im Schloss. 2009 feierte man seinen 200. Todestag, der Ei- senstadt 350 000 Besucher bescherte. Den feierlich-prachtvollen Haydn mö- gen viele. Für den nervösen Liszt mit sei- nen Stücken, die so viel Fingerfertigkeit erfordern, dass damals keiner außer ihm selbst sie wirklichspielenkonnte, musste man sich etwas ausdenken. Ziemlich na- he lag, was am Ende als Konzept heraus- kam: Liszt zu dem zu machen, was er im neunzehnten Jahrhundert schon war: ei- ne Art Popstar. Dazu trug auch sein Cha- rakterkopf mit langemHaar und sein ex- zentrisches Gehabe auf der Bühne bei. Vor allem die Damenwelt war ihm erle- gen, sein virtuoses Spiel erzeugte schon damals Kreischkonzerte. Überall in der Stadt sieht man die Pla- kate, die ein historisches Foto von Liszt zeigen, der eine coole Sonnenbrille auf- hat. Eine winzige, aber wirkungsvolle Re- tusche, die denStar-Status indie heutige Zeit übersetzt. Im Ausstellungszentrum, dem Eisenstädter Landesmuseum, tat man sich etwas schwerer. Hier wird Liszts Konzert-Garderobe neben den weißen Anzug von Elvis gestellt, man sieht eine goldene Schallplatte der Bea- tles und den Handschuh von Michael Jackson, in der Fülle etwas bemühte Ak- tualisierungen. Doch am Ende haben sie einen seltsa- men, aber interessanten Effekt: Nach Verlassen des Museums findet man sich in einer unaufgeregten Vergangenheit wieder. Popkultur ist inEisenstadt allen- falls eine Sache vonFernsehenundInter- net. Das prächtige Barockschloss, in dem an diesem Abend Gideon Kremer ein Haydn-Konzert gibt, dominiert das städ- tische Kulturleben weiterhin, und auch die Fußgängerzone mit ihren histori- schen Bauten erweckt den Eindruck, dass es sich um ein verträumtes Städt- chenhandelt, das durcheinpaar Neubau- ten ergänzt wurde, sich aber ansonsten nicht um Modernisierung kümmern muss. Das Geschäftsleben geht einen ru- higen Gang. Man ist versucht, Theresia Gabriel zuglauben. Sie hat die Lisztoma- nia-Ausstellungen mit konzipiert und sagt von den Eisenstädtern in einer schö- nenk. u. k.-Formel, sie kämenihr manch- mal vor wie „kleinbürgerliche Großbür- ger, die eigentlich Spießbürger sind“. Manmerke noch, wie wichtig die behäbi- gen „Verwaltungsherren“ des Schlosses waren. Fürstlicher als der Fürst trugen sie das Ansehendes Arbeitgebers wie gu- te Oberkellner vor sich her. Die Esterházys herrschten 1811 schon fast zweihundert Jahre über die Region. Die Familie ist mit 44 000Hektar Grund- besitz noch heute die vermögendste Ös- terreichs, und noch immer führen fast al- le Wege in Eisenstadt zum Schloss hin- auf, auch wenn Fürstin Melinda, 91 Jah- re alt, schon lange am Zürichsee lebt. Einst hieß sie Melinda Ottrubayundwur- de – als unruhiges Bürgertöchterchen – Primaballerina am ungarischen Natio- naltheater, wo sie Fürst Paul V. auffiel. Im Schloss erinnert ein kleiner Raum an das Lebendes kinderlosenPaars. Die bei- den müssen recht lebendig gewesen sein und nicht sehr adelssteif: Man sieht sie auf Fotos beim lustigen Fahrradausflug, aber auch vom Schicksal gezeichnet, als nach dem Krieg die Sowjets kamen. Es kann einem in Eisenstadt vorkom- men, als wäre in den letzten zweihundert Jahren nicht viel passiert. Das Haus Haydns ist zum Museum geworden, ein paar Räume sind zurzeit dem „schwieri- geren“KollegenLiszt gewidmet, umPar- allelenund Unterschiede deutlichzuma- chen. Gleich links neben dem Schloss liegt das ehemalige Ghetto, dort steht das geräumige barocke Haus Samson Wert- heimers, im 17. Jahrhundert alleiniger Kreditgeber des österreichischen Kai- sers. Sehr gebildet, belegte er nebenbei den Rang eines Landesrabbiners und ließ in seinemHaus eine Synagoge bauen, die sogar die Nazizeit überdauerte. Heute ist sie das kleine, feine Zentrum des Jüdi- schen Museums. Aber Gegenwartskultur? Für eigenes Sprechtheater ist Wien mit sechzig Kilo- metern Distanz zu nah. Wer wissen will, wie Liszt aktuell gespielt wird, muss noch einmal knapp fünfzig Kilometer Richtung Südost fahren, durch die Wäl- der der Esterházys nach Raiding, wo die Gebrüder Kutrovatz, die Festivaldirekto- ren, direkt neben das kleine Liszt-Haus ein Konzertgebäude gestellt haben, das seiner Akustik wegen gerühmt wird. Der Effekt ergibt sichaus denflachenPyrami- den an den riesigen Holzwänden. Man muss nur hoffen, dass das Holz rasch ein- dunkelt. Das Wunderwerk der Akustik ist ein sehenswerter Schandfleck. Man fühlt sich wie in einer riesigen Ikea-Sau- na. Aber womöglichgehört das zumKon- zept: Wer Musiker hören will, die hier zu Liszt spielen, soll wohl die Augen schlie- ßen. HANS-PETER KUNISCH DEFGH Donnerstag, 20. Oktober 2011 • Nr. 242 • Seite 38 Streikende Griechen Genie der Provinz Eisenstadt, die kleine Hauptstadt des Burgenlandes, feiert 200 Jahre Franz Liszt – ohne dass der hier je gelebt hätte Informationen REISEBUCH Aus Schloss Esterházy bekam der junge Musiker keine Unterstützung Frank Liszt war bekannt für sein exzentrisches Gehabe und wurde gefeiert wie heute nur Popstars. Die Sonnenbrille haben ihm allerdings die Ausstellungsmacher verpasst. Fotos: Lisztomania, vsl/mediacolors London im Ausverkauf. So sieht ein nicht ganz untypischer Laden in White- chapel aus. Foto: Rainer Groothuis Das Burgenland ganz im Osten Österreichs ist per Auto, Bahn oder Flugzeug am besten über Wien erreichbar. Die St. Martins Therme & Lodge am Neusiedler See bietet Zwei-Nächte-Arrangements ab 229 Euro pro Person im Doppelzimmer (Tel.: 0043/2172/20 500 700, Internet: www.stmartins.at). Die Lisztomania-Ausstellungen sind noch bis 11. No- vember zu sehen (www.lisztomania.at). Auskünfte über die Region unter www.burgenland.info Erlebnisreise nach Berlin „360° Pergamon“: 2 Übernachtungen inkl. Frühstück, Eintritt zur Ausstellung, Auffahrt zum Fernsehturm und Berlin WelcomeCard ab 159,– € p. P./DZ Jetzt buchen: 030-25 00 23 45, weitere Informationen: visitBerlin.de the place to be. BESTEIGEN SIE IN IHREM WINTERURLAUB MAL KULTURELLE GIPFEL. O b er wohl einen Ton für sie singt? Lady Ridgeway blickt eingeschüchtert empor zu ei- ner der Ramses-Statuen von Abu Simbel – eine berühmte Szene aus der Verfilmung von Agatha Christies „Tod auf demNil“. Darin verrät ein Mit- reisender der reichen Erbin Ridgeway, dass die östliche Figur von Ramses II. bei Sonnenuntergang einen hohen, verzwei- felten Ton hervorbringe. „Unsinn“, ruft Mohamed El Bialy in der Cafeteria von Abu Simbel. Er ist Ge- neraldirektor der antiken Stätten Nubi- ens, zu denen auch Abu Simbel gehört. Seine Gesichtszüge versteinern sich wie die eines erzürnten Pharaos, als er dar- über doziert, dass es sich bei besagtem Sänger nicht umdie Ramses-Statue, son- dern um den Memnon-Koloss von Luxor handle. Für dessen Gesang sei ein Sprung imGestein verantwortlich gewe- sen, durch den der Wind pfiff. Also kein Gesang zumSonnenuntergang. Und zum Sonnenaufgang – erlebt man da viel- leicht auch eher sein blaues Wunder an- statt des angekündigten Sonnenwun- ders? „Nein“, sagt El Bialy, „die Ägypter waren astronomische Genies und haben das exakt berechnet.“ Demnach erreicht die Sonne nur zweimal im Jahr den opti- malen Stand – jeweils um den 22. Okto- ber undden22. Februar herum. Dannfal- len die Strahlen durch das schmale Ein- gangsportal direkt 65 Meter tief ins In- nerste des Tempels. Dort beleuchten sie etwaeine Viertelstunde lang die Götterfi- guren im Allerheiligsten. Dann schauen Sonnengott Re, Ramses II. und Frucht- barkeitsgott Amun gemeinsam in die Sonne. Nur Ptah, der Gott der Finsternis, bleibt auchdannimDunkeln, schließlich braucht er ja kein Licht. Dass für die Tage des Sonnenwunders der Geburts- und der Krönungstag von Ramses II. gewählt wurde, wie einige Ar- chäologen behaupten, davon ist El Bialy nicht überzeugt: „Die Ägypter waren ab- hängig vomNil, der das Landimmer wie- der unter Wasser setzte und es durch den mitgeführten Schlamm fruchtbar mach- te. Aussaat und Ernte markieren wichti- ge Zeitabschnitte, die im Tempel rituell an den Tagen des Sonnenwunders gefei- ert wurden.“ Doch sobald die Feldarbeit getan war und der Nil wieder über seine Ufer trat, ließ Ramses II. seine Unterta- nen als Bauarbeiter für seine Tempel schuften. Abu Simbel sollte zum Sinn- bild seiner Macht werden, denn hier ließ sich der Pharao im 13. vorchristlichen Jahrhundert zumersten Mal als gottglei- cher Herrscher darstellen, der im Aller- heiligsten Platz nimmt zwischen all den anderenGöttern. Die Außenfassade zeigt Ramses II. in20Meter hohenKolossalsta- tuen, und das gleich vier Mal. Die Er- schließung Nubiens war für ihn von be- sonderem Interesse, denn das Land ver- fügte über große Vorkommen an Gold und Kupfer. Durch Abu Simbel sollten die tributpflichtigenNubier ander südli- chen Landesgrenze daran erinnert wer- den, wer das Sagen hatte. Mit einem Blick auf Ägypten heute mag man sich durchaus fragen, wie weit der Weg vom Pharao zum neuzeitlichen Diktator war. Mehr als 3000 Jahre nach Ramses II. ist die Bezeichnung Pharao zum Schimpfwort für den ehemaligen Staatschef Hosni Mubarak geworden. Dass sein Volk ihn gestürzt hat und ihm nundenProzess macht, ist aucheinWun- der, allerdings eines der ägyptischen Re- volution. Doch deren Ausgang steht bis heute auf tönernen Füßen. Zum Glauben vieler Herrscher gehört auch immer wieder die Vorstellung, dass monumentale Bauwerke der beste Weg zur eigenen Unsterblichkeit seien. Ver- schwindend klein wirken die Menschen, die zuRamses’ Füßenauf Einlass warten. Heute sind die Japaner wieder mal die Ersten. Wie immer, sagt ein Reiseleiter. Mag sein, dass er mit seiner Vermutung recht hat, dass ihr Interesse fürs Sonnen- wunder daher rührt, dass sie aus dem Land der aufgehenden Sonne stammen. Schon seit drei Uhr nachts knien etwa 100 vonihnen auf ausgebreitetenDecken inDreierreihenhintereinander, als säßen sie im Flugzeug – daneben akkurat die ausgezogenen Schuhe aufgereiht. Tags- über sorgen hier die Tempelwächter für Unterhaltung. Sie setzen sich Skorpione auf die Stirn, drücken den Touristen für Fotos kleine Nilkrokodile in die Arme oder legen ihnen Kobras um den Hals. Im Tempelinneren brennt bereits Licht. Drinnen sitzt eine weitere Gruppe Japaner. Angeblich haben sie 5000 Euro Bakschisch bezahlt, um eine Stunde vor Öffnung im Tempel meditieren zu dür- fen. So lautet zumindest ein Gerücht der anderen Wartenden. Außer den Japa- nern darf noch niemand hinein. Abd El Mawlla hat ihnen mit einem zwei Kilo- gramm schweren Bronzeschlüssel die mächtige Holztüre geöffnet. Der Tempel- wächter ist in Abu Simbel geboren und war acht Jahre alt, als das komplette Bau- werk 1964 mit Hilfe der Unesco 65 Meter höher und 180 Meter landeinwärts ver- setzt werdenmusste. Der durchdenAssu- an-Staudamm entstandene Nassersee standkurz davor, AbuSimbel zuüberflu- ten. El Mawllas Vater hat als Arbeiter beimUmsetzendes Heiligtums mitgehol- fen. „Den Tempel in mehr als tausend Blöcke zuzersägenund so perfekt wieder zusammenzusetzen, war damals ein klei- nes Wunder“, sagt er. Die Sonne scheint davon unbeeinflusst an denselben Tagen wie schon zur Zeit von Ramses II. durch den Eingang zum Allerheiligsten. Unter des Pharaos Füßen haben heute die Wartenden ihr Lager aufgeschlagen, um bis Tagesanbruch noch ein wenig zu dösen. Die Steine sind angenehm warm, gebennochdie Sonnenhitze des Vortages ab. Kurz nach halb vier zieht eine Hun- dertschaft Polizisten in Paradeuniform vor dem Tempel auf. Mit Seilen sperren sie die Mitte vor dem Tempeleingang ab, damit die Sonnenstrahlen ungehindert von den 5000 erwarteten Besuchern den Weg ins Allerheiligste finden. Um5.20Uhr dröhnt Heavy-Metal-Mu- sik über die Lautsprecheranlage. Um 5.45 Uhr geht endlich die künstliche Be- leuchtungimunddie Musikvor demTem- pel aus. Tausende blicken gespannt in Richtung Sonnenaufgang. Handys und Kameras sindgezückt, die Objektive zoo- men, die Kameras blitzen. Die Sonne schiebt sich langsam über den Horizont. Sie ist blass, ihr Leuchten kraftlos. Und dann schluckt ein Dunstschleier die ers- ten Sonnenstrahlen. Es dauert, bis sie den Weg ins Tempelinnere schaffen und die Polizisten damit beginnen, die Menge wie eine Viehherde hineinzutreiben: „Yalla! Yalla! Los! Los!“ Das Sonnen- wunder ein mystischer Moment? Dafür ist jetzt keine Zeit. Wer stehenbleibt, wird weitergeschubst. „Yalla! Yalla!“ Vorbei hinter den Säulen der Haupthal- le, die denBlickaufs angeleuchtete Aller- heiligste verstellen. Einpaar Japaner ma- chen ihre Taschenlampen an, um im DunklennachdemSonnenwunder zusu- chenundhandeln sichprompt lautstarke Proteste ein. Ehe man sich versieht, steht man vor den sonnenbeschienenen Göt- tern, muss aber gebückt daran vorbeihu- schen, damit kein Schatten auf die Figu- ren fällt. Stundenlanges Warten für ein paar flüchtige Sekunden. Beim Sonnenfest auf dem Vorplatz trommeln sich inzwischen einheimische MusikgruppeninEkstase, Derwische tan- zen sich schwindlig. Auf einem Panora- mabildschirm werden die letzten Minu- ten des Sonnenwunders für all jene über- tragen, die es nicht mehr rechtzeitig hin- eingeschafft haben. Um 6.10 Uhr ist das ganze Spektakel vorbei. Das eigentliche Wunder verpassenvie- le, denn es vollzieht sich außerhalb des Tempels. Schon seit Ewigkeiten sitzen die Ramses-Kolosse stoisch da, den Blick Richtung Sonnenaufgang gerichtet. Im Morgengrauen wirken sie noch unnah- bar, ihre Gesichtszüge hart und die Au- gen starr. Wenn dann die Sonne ihren Wegüber die Gebirgskette nimmt, begin- nen als erstes ihre Kronen zu leuchten. Dann blitzt rosafarbenes Licht in ihren Augen und um ihre Mundwinkel auf. Es ist ganz so, als ob das Sonnenlicht Ram- ses zumLebenerweckt. Für einenAugen- blick scheint er sogar zu lächeln. Doch kaum hat man dies realisiert, wird das Licht so gleißendhell, dass es die Bildnis- se des Pharao wieder versteinern lässt. Und dieses Wunder geschieht nicht nur zweimal im Jahr, sondern täglich. MARGIT KOHL Leer war es an den Stränden Ägyptens nach der Revolution. Nun beginnt die Hauptsaison – und die Reiseveranstalter sind verhalten optimistisch. Zwar liegen die Buchungen noch weit unter demVor- jahres-Niveau. Doch langsamkehren die Touristenzurück indas LandamNil, das im Jahr 2010 etwa 1,3 Millionen Deut- sche besucht hatten. Während das nach- revolutionäre Tunesien „nicht richtig in Fahrt kommt“, wie Thorsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband sagt, sind Ziele in Ägypten in den Herbstferien so begehrt, dass Reiseveranstalter Zusatz- flüge organisieren mussten. Mit seiner Vielfalt an Angeboten – Kultur, baden, Nilkreuzfahrt – ist Ägypten offenbar so attraktiv, dass viele Urlauber einen Rest Unwägbarkeit in Kauf nehmen. Politisch stabil ist Ägypten nach wie vor nicht. In der Hauptstadt hatten An- fang des Monats gedungene Schläger und Soldaten eine Demonstration christ- licher Kopten gesprengt; 26 Menschen starben. Dennoch halten die Reiseveran- stalter die Lage für so überschaubar, dass Ausflüge nach Kairo weiterhin zum Standardprogramm gehören. Alltours hatte nach den Unruhen vorübergehend die Kairo-Ausflüge aus dem Programm genommen, inzwischen aber fahren die Busse aus Hurghada wieder. Bei der Tui hatte man lediglich an einem Tag den Kairo-Ausflug abgesagt – und ihn am nächstennachgeholt. „Wir steheninstän- digem Kontakt mit dem Auswärtigen Amt und können kurzfristig reagieren“, sagt Tui-Sprecherin Kathrin Spichala. Das Auswärtige Amt empfiehlt Ägyp- ten-Reisenden weiterhin, Menschenan- sammlungen und Demonstrationen zu meiden. Für die großen Touristenzentren wie Sharm El Sheikh, Hurghada, Luxor und Assuan gibt es aktuell keine War- nung. Auch von geführten Touren oder Reisen nach Abu Simbel rät das Auswär- tige Amt nicht ab. mai Informationen zur Sicherheitslage unter www.kairo.diplo.de oder www.diplo.de REISE DEFGH Donnerstag, 20. Oktober 2011 • Nr. 242 • Seite 39 Das blaue Wunder Zweimal im Jahr scheint die Sonne in den Tempel von Abu Simbel – mystisch ist daran nichts Anreise: Mit Egyptair von München über Kairo nach Assuan hin und zurück ab 450 Euro. Von dort weiter mit Schiff oder Taxi nach Abu Simbel. Es ist auch möglich bis Abu Simbel zu fliegen, www.egyptair.com Reisearrangements: Der Flussreisespezialist Viking bietet eine Kreuzfahrt auf dem Nil von Assuan nach Abu Simbel mit dreitägigem Aufenthalt in Kairo an; www.viking-flusskreuzfahrten.de Auskünfte: Ägyptisches Fremdenverkehrs- amt, Kaiserstr. 66, 60329 Frankfurt/Main Tel.: 069/25 21 53, www.egypt.travel Ägypten im Aufbruch Langsam kehren die Touristen zurück in das Land am Nil Informationen Zwei Kilo wiegt der Bronzeschlüs- sel, mit dem der Tempelwächter Abd El Mawlla den Touristen öffnet. Die strö- men dann zu Tau- senden in das Al- lerheiligste. Fotos: Antonio Ribeiro/laif; Kohl ÄGYPTEN L I B Y E N SUDAN Kairo Assuan SZ-Karte N il Nasser- see Luxor Abu Simbel 200 km AFRIKA Die Japaner sind wie immer die Ersten. Heute meditieren sie im Tempel Ganz weit weg vom Berufsverkehr. Laurentians, Québec Mehr von Kanada entdecken. Reise planen auf www.meinkanada.com/Winter 276 Bewertungen Senden Gefällt mir 62 47 +Teilen Tweet Tourism Québec AmandaH Geschrieben 10.18Uhr (14 Feb, 2011) Besser, als mit dem Hund nur Gassi zu gehen. Kommentieren REISE D er junge Mann sitzt auf seinem Reiserucksackundhat einNet- book auf den Knien, der Blick ist verzweifelt in die Menge ge- richtet. Was, kein freier Wlan-Zugang am Münchner Hauptbahnhof? Und wie nun den Weg zum Hostel in Erfahrung bringen? Vor allemjunge Leute verlassen sich auf das Angebot von kostenlosen In- ternetzugängen auf Reisen. Deshalb lohnt es sich, die Hotspot-Lage im Ur- laubsland zu kennen. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 15 000 teilweise kosten- pflichtige Wlan-Hotspots gezählt, wie der Bundesverband Informationswirt- schaft, Telekommunikationundneue Me- dien (Bitkom) mitteilte. Die Telekombie- tet derzeit die meisten kabellosen Wlan- Zugänge im Inland. „Hotspots bewähren sichdort, woauf kleinemRaumviele Men- schen besonders leistungsfähiges Inter- net nutzen wollen“, sagt Telekomspre- cher Niels Hafenrichter. Neben dem eine Stunde langkostenlosenSurf-Angebot in McDonald’s-Filialen stellt die Telekom in Zügen der Deutschen Bahn und an Bahnhöfen Internet bereit, für das Kun- den ohne Flatrate immerhin neun Cent pro Minute zahlen. 69 ICEs haben Wlan- Zugang, so etwa auf der Strecke zwi- schen Frankfurt und München. Wer kein Kunde der Telekomist, kann für fünf Eu- ro einen „Hotspot Pass“ kaufen, der eine Stunde lang gültig ist. Bei Telekom-Hot- spots im Ausland kosten die Verbindun- gen für Kunden schon neun Euro pro Stunde. Deutschland liegt nach Angaben von Bitkommit seinemkabellosenInternetan- gebot im internationalen Vergleich nur auf Platz 15, noch hinter Portugal und Belgien. Vor allemdie ungünstige Rechts- situation hierzulande sei dafür verant- wortlich, denn Betreiber können für ille- gale Downloads und Rechtsverstöße ih- rer Nutzer haftbar gemacht werden. Die imBevölkerungsvergleich bestausgestat- tetenLänder sindmomentanGroßbritan- nienmit 180 000, Schweden mit 9000 und die Schweiz mit 5800 Hotspots. Immer mehr europäische Großstädte bemühensichnunumkostenlose Angebo- te: InParis hat die Stadtverwaltung Hun- derte Hotspots in Parks, auf Plätzen und inBibliothekeninstalliert, sodass Touris- ten fast überall im Zentrum zwei Stun- denlangkostenlos surfenkönnen. ImRah- men des Projekts „Quioscos Wifi en Ma- drid“ wurden in der spanischen Haupt- stadt Wlan-Verbindungen an hundert Kiosken angebracht. Londons Bürger- meister Boris Johnson kündigte vor ei- nem Jahr bei einem Google-Treffen in Hertfordshire sogar an, „jeden Laternen- pfahl und jede Bushaltestelle“ noch vor den Olympischen Sommerspielen 2012 mit Hotspots zu versehen. Trotz aller Bemühungen sind bisher noch in keinemeuropäischen Land an je- der Straßenecke Webzugänge verfügbar. Reisende müssenalsodieAugenoffenhal- ten. Wlan-Logos sollendieInternetzugän- ge an öffentlichen Orten kenntlich ma- chen. Weil die Kennzeichnung aber je nach Urlaubsland und Anbieter variiert, ist es sinnvoll, vorher im Netz suchen. In denvergangenenJahrenhabensichInter- netseitenverbreitet, die Listenvon Cafés, Restaurants, Bahnhöfen und Hotels mit Webzugang führen (z.B. www.free-hot- spot.com). Wer geplant hat, unterwegs sein Online-Banking zu erledigen, sollte bei der Auswahl des Ortes auch die Risi- kenimKopf haben. Bei der Einwahl inun- gesicherte Netzwerke besteht immer die Gefahr von Datendiebstahl. Durch die immer stärker verbreiteten Smartphones wird alles etwas einfacher. Die Internetnutzung über Handys mit Netzzugangist nachAngabendes Statisti- schen Bundesamts 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 78 Prozent gestiegen. Wer einSmartphone besitzt, kanntheore- tisch überall surfen. „Seit sich die meis- ten Internetnutzer über ihre Smart- phones einloggen, gehen die Zugriffe auf unsere Hotspotliste deutlich zurück“, sagt Werner Hoier, der Geschäftsführer der Seite www.drahtlosunterwegs.de. Bei der Telekom ist allerdings von einer kontinuierlichen Entwicklung der Hot- spot-Zugänge auch im Zusammenhang mit Smartphone-Angeboten die Rede. „Hotspots bieten derzeit einfach noch schnellere Internetverbindungen als Smartphones“, sagt Hafenrichter. Hinzu kommen die Vorteile im Ausland, wo die Roaming-Gebührenfür Handys mit Inter- netzugang nach wie vor hoch sind. Am besten sei es, sich eine App für die Hot- spotsuche zu besorgen, rät David Cromar vom European Broadband Portal, einem Projekt der Europäischen Kommission. Die zeige dann den nächsten Hotspot an und das Handy wähle sich in das verfüg- bare System ein. Unabhängig von der Hotspot-Situati- onimLandist es besser, sichnicht auf die Angebote von Hotels zu verlassen. Dort tut sich seit Jahren nicht viel beimThema Internetzugang. Wlan gibt es zwar im Normalfall, aber so gut wie nie kostenlos. Interessanterweise haben auch gerade die teuerstenHotels besonders hohe Prei- se für ihrenInternetzugang. Oft bietensie dabei weder einheitliche Gebühren noch informieren sie auf ihren Webseiten über die jeweiligenPreise inihrenHäusern, so- dass Gäste meist erst vor Ort erfahren, was sie erwartet. In B&BHotels, den Ho- tels der Radisson-Blu-Gruppe und bei Four Points by Sheratonzahlendie Gäste nichts für ihre Verbindungen. Eher güns- tige Hotels wie Residence Inn oder Hilton Garden Inn haben Räume mit freiem Wlan-Zugang, wohingegen Gäste in den teuren Häusern der Marriot- und Hilton- Konzerne zahlen müssen. Ob sich diese Einnahmequelle für Ho- telketten noch lange halten kann, ist fraglich, denn Reisende haben immer mehr Möglichkeiten, unterwegs kosten- los online zu gehen. Seit Ende des letzten Jahres gibt es sogar auf Langstreckenflü- gen der Lufthansa eine Internetverbin- dung, die Stunde Surfen in der Luft kos- tet allerdings ganze elf Euro. Das mo- mentan kurioseste Angebot kommt aus den Bergen: Ski Amadé hat für die Win- tersaison kostenloses Wlan im Skigebiet angekündigt. Damit auch der Weg zur nächsten Hütte notfalls gegoogelt wer- den kann. ELENA WITZECK Reisen und Surfen Junge Urlauber verlassen sich auch unterwegs auf drahtloses Internet. Noch mangelt es aber an kostenlosen Angeboten Ein Urlaub entwickelt sich heutzutage immer häufiger zu einer Demonstration der Seelengüte. Richtig schick ist es zum Beispiel, Datenüber bedrohte Schildkrö- ten in Costa Rica zu sammeln oder alte Menschen in Peru zu betreuen. In der Backpackerunterkunft „Jollyboys“inLi- vingstone inSambia hattensie eine ande- re Idee: Dort setzen jeden Sonntagnach- mittagMitarbeiter des Hostels eine Grup- pe von Backpackern im Lubasi Kinder- heim ab, damit sie mit den Waisen Fuß- ball spielen oder Bücher vorlesen. Wäh- rend andere Angebote des Hotels – vom „Busch-Spaziergang mit Löwen“ bis zum „River-Rafting“ – viele Dollars kos- ten, ist das Programm mit den Kindern gratis. Ein Australier mit seinen Teenager- Söhnen, ein Japaner, ein Finne treten heute gegen die Kinder an. Manche von diesen sind erst fünf Jahre alt. Die Kin- der haben sich gut vorbereitet: Sie haben in einem Plastikeimer aus Wasser, Zu- cker und Maisbrei ein Getränk ange- rührt. Die Gäste stehen herum, wühlen schweigsam in ihren Rucksäcken. Die Kinder machen den ersten Schritt und reichen die Mischung in Bechern. Die Touristennehmenhöflicheinpaar Schlu- cke, versuchen, das Gesicht nicht zu sehr zu verziehen, weil „diese Limonade an- ders schmeckt“. Dann werden sie von den Kindern auf die Teams verteilt. Mit Gesten, denn nur einige Kinder sprechen Englisch. Schnell wirdklar, dass die Tou- risten mit den guten Turnschuhen den barfüßigen Kindern in den viel zu großen Secondhand-Sporthosen auf dem roten Sandplatz unterlegensind. AmSpielfeld- rand kichern die Mädchen. „Unsere Jungs spielen immer besser als die wei- ßen Besucher“, sagen sie, während sie das blonde, dünne Haar einer Touristin zu Zöpfen flechten. Nach einer guten Stunde sind die Haare fertig, und die Jungs beenden verschwitzt und er- schöpft das Spiel. Unsicher stehen die Spieler und die Flechtfrisur-Fremde auf dem Feld, und man weiß nicht, wer hier wemetwas Gu- tes getan hat. Vorsichtshalber drücken manche der Besucher der Leiterindes Lu- basi Kinderheims noch ein paar Dollar als Spende in die Hand. Dann trottet die Gruppe zurück ins Hostel und überlegt, was morgenauf demProgrammsteht: Sa- fari? River-Rafting? Oder gibt es hier nicht irgendwo einpaar bedrohte Schild- kröten? CHRISTINE DOHLER Bis Olympia 2012 soll in London jede Laterne einen Hotspot besitzen DEFGH Donnerstag, 20. Oktober 2011 • Nr. 242 • Seite 40 Accès libre: Vor dem Centre Pompidou in Paris haben Besucher viel Platz zum kostenlosen Surfen. Foto: Jose Giribas Im Skigebiet gibt es Wlan gratis – in teuren Hotels muss der Gast aber zahlen Neulich in Livingstone Steilpass für Samariter Oberstdorf: Lebensfreude unter 5 Sternen Jeder einzelne der „fünf“ Sterne wird hier gelebt – auf hohem Niveau, aber nicht abgehoben! Eine Umgebung zum Wohlfühlen für alle Genussmenschen und Wellnessliebhaber. Familie Frank und ihr engagiertes Team schafen eine persönliche Atmosphäre aus guter Laune, Wärme und Stil. Das Oberstdorfer Alpenpanorama in Verbindung mit einem kulinarischen Verwöhnprogramm tun ihr Übriges, um sich hier rasch vom Alltag zu befreien... im südlichsten 5* Hotel Deutschlands! 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Ideal, um sich eine kleine Auszeit zwischendurch zu gönnen und das Immun- system ordentlich in Schwung zu bringen. Ober- österreichs elf Gesundheitsexperten bieten dafür professionelle Gesundheitsprogramme und ge- nussvolle Wohlfühlwelten, um die Batterien wieder aufzuladen. Je nach Lust und Laune in herr- lichen Thermenoasen oder in kuscheligen Gesund- heits- oder Wellnesshotels. Und da kommt garan- tiert kein Winterblues auf. Der ideale Wohlfühlmix In der kalten Jahreszeit stellen sich Körper und Seele auf mehr Ruhe ein. Dennoch darf ab und zu ruhig etwas Power im (Sport-)Programm stehen. Die Therme Geinberg bietet in der Sportwelt viele Möglichkeiten dazu, wie etwa Aqua Cycling oder Spinning. Anschließend darf in der karibischen Salzwasserlagune relaxt werden. Südseefeeling kommt auch im EurothermenResort Bad Schal- lerbach auf, denn dort lädt die neue Cabrio-Ther- me „Tropicana“ mit hohen Palmen, Sandstrand und einer tropischen Lagune zum Entspannen ein. Eine Oase der Ruhe wiederum findet man im Relaxhotel Miraverde im EurothermenResort Bad Hall. Das kuschelige Hotel liegt mitten im Kurpark, wo man mollig warm eingepackt bei Spaziergängen oder Nordic-Walking-Runden neue Energie tanken kann. Spritziges im Sinne Kneipps Gerade zu Beginn der kalten Jahreszeit kämpfen viele mit Müdigkeit und Antriebslosigkeit. Die Kneipp-Experten in Oberösterreich haben die passenden Angebote parat. Im Kneipp-Traditions- haus Aspach der Marienschwestern vom Karmel steht der November ganz im Zeichen des „Lebens- feuers“: Mit individuell abgestimmten Behandlun- gen wird der Körper gekräftigt und der Geist beru- higt – ideal für gestresste Gemüter. Das Kurhotel Dr. Petershofer in Wolfsegg am Hausruck punktet mit einer atemberaubenden Aussicht auf die Voralpen und mit absoluter Ruhe. Infos und GRATIS-Magazin- Bestellung: Viele Infos und Angebote sowie GRATIS-Bestellung des Magazins „Bleib G´sund! 2011“: OÖ Tourismus Info, Tel.: +43 (0)732/221022, [email protected] www.gesundheitsurlaub.at Allgäu/Bayr. Schwaben Erlebnis- und Abenteuerreisen Schweiz Spanien Italien Ostsee Schwarzwald Nordsee Österreich Fernreisen Südtirol/Dolomiten Ostbayern/Bayerischer Wald Städtereisen von Aachen bis Zürich Die schönsten Reiseziele – jeden Donnerstag in Ihrer Süddeutschen Zeitung Kleinanzeigen – für Angebote aller Art Für Gesundheit ! www.dsb.de Sport tut Deutschland gut. REISE DEFGH Donnerstag, 20. Oktober 2011 • Nr. 242 • Seite 41 Vom 21. bis 29. Oktober findet in Brixen in Südtirol zum dritten Mal der International Mountain Summit (IMS) statt. Bei der Ver- anstaltung unternehmen bekannte Berg- steiger wie Reinhold Messner, Alexander Huber und Marko Prezelj Wanderungen mit Besuchern und halten während einer Woche Vorträge zum Thema Alpinismus (Zeitplan unter www.ims.bz). Zudemdisku- tieren Fachleute aktuelle Bergthemen. Ein Gespräch mit dem IMS-Präsidenten und Unternehmensberater Markus Gaiser, 44, über das Bergsteigen als Geschäft. SZ: Ein bekannter Alpinist hat gesagt, Alpinismus sei „acompetitioninstorytel- ling“, einWettbewerb des Geschichtener- zählens. Muss sich ein professioneller Bergsteiger diesem Wettbewerb stellen? Gaiser: Es gibt meiner Meinung nach zwei Gruppen von Alpinisten. Ich kenne Alpinisten, die nie über die eigenen Gip- felerfolge reden. Da weiß dann aber auch niemand, was eigentlich geleistet wurde. Dann gibt es Bergsteiger einer zweiten Kategorie, die einen Gipfel besteigen undinVorträgen, BüchernundindenMe- dien darüber sprechen, wie es gelaufen ist. Jemand, der mit dem Bergsteigen Geldverdienenwill, muss das auchsoma- chen. Das erwarteninzwischendie Spon- soren und Medien. SZ: Eines der Hauptthemen wird beim International Mountain Summit in der kommenden Woche der „Showalpinis- mus“ sein. Warum? Gaiser: IndenvergangenenJahrenent- standen immer mehr Filme, Bücher und Vorträge über das Bergsteigen, die ehr- lich gesagt mehr darstellen als sie bein- halten. Es zählt nicht mehr das, was ge- macht, sondern wie darüber berichtet wird. Eine gute Geschichte und eine be- stimmte Kameraeinstellung sind wichti- ger als die Bergbesteigung an sich. Für das Publikumwirdes damit auchschwie- riger, eine alpinistische Leistung einzu- schätzen und zu bewerten. Darüber wol- len wir reden. SZ: Der IMS mit seinen vielen Ge- schichtenerzählern ist selbst ein Parade- beispiel für Showalpinismus ... Gaiser: ... stimmt... SZ: ... und manche kritisieren den IMS als Kommerzveranstaltung. Stört Sie das? Gaiser: Überhaupt nicht. Weil wir klar kommunizieren, was für eine Veranstal- tungder IMSist. Showgehört einfachda- zu. Die Frage ist: Wie ehrlichoder unehr- lich ist die Show? SZ: Was ist eine ehrliche Show? Gaiser: Ehrlich ist, wenn ich sage, dass der IMS ein unabhängiges Gipfeltreffen der Alpinisten und ein Wettbewerb der Ideenist, bei demwir uns vonkeiner Ver- einigung sagen lassen, was wir zu tun oder zu lassen haben. Wir versuchen, so neutral wie möglich zu sein. Ehrlich ist, wenn wir unsere Sponsoren, die uns un- terstützen, nicht verheimlichen. SZ: Als Berater des IMS zieht Rein- holdMessner, der bekannteste undstreit- barste Alpinist, die Fäden. Gaiser: Reinhold ist Befürworter seit der ersten Stunde des IMS. Er ist sicher weltweit einer der wichtigsten Kenner der Bergszene und des Alpinismus. Seine Meinung zu hören ist uns wichtig. Er zieht beim IMS jedoch nicht die Fäden. SZ: Ist er nicht der Showalpinist schlechthin? Gaiser: Natürlich macht Messner auch eine Show. Jeder Bergsteiger, jeder Mensch, der Projekte erfolgreich umsetzt und diesen Erfolg kommuniziert, stellt sich zur Schau. Bei Messner ist es eine ehrliche Show mit tiefen Inhalten. SZ: Wo liegen dann die Grenzen der Show im Alpinismus? Gaiser: ChristianStangl habenwir bei- spielsweise nicht zur Diskussionsrunde aufs Podium eingeladen. Er ist weit über die Show hinausgegangen. Was er getan und gesagt hat (der Geschwindigkeits- bergsteiger fälschte am K2 ein Gipfelfo- to, die Red.), ist ganz einfach Betrug. Er kannsichaber gerne als Zuhörer vomPu- blikum aus zum Thema einbringen. SZ: BeimIMShalteneinige der gefrag- testen Redner wie Stefan Glowacz, Tho- mas und Alexander Huber Vorträge, Sie lassen prominente Bergsteiger aus den USA einfliegen. Rechnet sich das? Gaiser: Bisher rechnet sich das nicht. Bilanztechnisch sind wir jedenfalls noch imMinus. Ein Event dieser Art und Wei- se wird auch immer eine Nullrechnung sein. Wenn wir Geld verdienen wollen, hätte es einfachere Themen gegeben als einGipfeltreffen. MeinPartner AlexPlo- ner und ich haben eigentlich einen ande- ren Beruf. Der IMS ist mehr eine Leiden- schaft, die wir entwickelt haben. SZ: War Ihnenje einReferent zuteuer? Gaiser: Nicht aus demBereichder Spit- zenbergsteiger. Bei Rednernaus der Wirt- schaft ist das etwas anderes. Wir haben auch einmal bei einem US-Amerikaner, der einenspektakulärenBergunfall über- lebt hat, angefragt. Dessen Agentur ver- langte 50 000 Dollar für die Teilnahme an einer Diskussion. Das war uns zu viel. SZ: Die Zahl der Berggänger steigt ste- tig. Warum ist es dann so schwer, mit ei- ner guten ShowzumThema Berg undAl- pinismus Geld zu verdienen? Gaiser: Vielleicht hat das etwas mit der Messbarkeit zutun. Eine alpine Leis- tung ist nicht so einfach zu erkennen wie die eines Fahrers bei einem For- mel-1-Rennen. Alpinismus ist eher mit der Wissenschaft vergleichbar. Wenn dort jemand eine Studie anfertigt, lesen das andere und bilden sich eine Meinung darüber. Wenn Adam Ondra mit 19 Jah- ren eine Route im Schwierigkeitsgrad 9b klettert, urteilt die Szene darüber. Die Leistung bildet sich über die Meinung der anderen Alpinisten. SZ: Sie und Alex Ploner sind als Hauptverantwortliche des IMSbeide kei- ne Extrembergsteiger. Ist das einVorteil? Gaiser: Wir besitzendurch unsere Dis- tanz einenrelativ neutralenBlick. Ichha- be etwa kein Problem damit, die Witwe des amNangaParbat tödlichverunglück- ten Karl Unterkircher zum Thema Berg- schicksale einzuladen. Im vergangenen Jahr habenuns namhafte Südtiroler Alpi- nistendafür kritisiert, dass die umstritte- ne Südkoreanerin Oh Eun-sun beim IMS war. Einer sagte: „Wenn die kommt, gehe ichnicht hin.“ Auchder Auftritt des blin- den Bergsteigers Andy Holzer war nicht von allen gewünscht. Bei seinem Vortrag war der Saal übervoll. SZ: Ansonsten sind im vergangenen Jahr bei manchenVorträgenSitze leer ge- blieben. Das war sogar Thema inder loka- len Presse. Die Nachfrage scheint, vor- sichtig formuliert, ausbaufähig zu sein. Gaiser: Imzweiten Jahr hat man meis- tens einenDurchhänger. Ichweißaus Er- fahrung, dass sich eine Veranstaltung erst nach fünf, sechs Jahren etabliert. Deshalb bin ich mir ziemlich sicher, dass es den IMSauch 2012 wieder geben wird. Nur einBeispiel: ZumKastelruther Spat- zenfest, das anfangs eine sehr übersichtli- che Veranstaltung war, pilgern jährlich inzwischen 40 000 Leute. SZ: Sie wollendas Kastelruther Spat- zenfest des Alpinismus werden? Gaiser: Überhaupt nicht. Wir wollen das internationale Gipfeltreffendes Alpi- nismus und seiner Entscheidungsträger sein. Daneben ist es wichtig, dass wir ak- tuelle und kritische Themen aufgreifen und diese nachhaltig mit Fachleuten be- arbeiten. Wir wollenuns nicht nur anvol- len Sälen und der Show messen lassen. SZ: Auf welches Höhepunkt freuen Sie sich nächste Woche besonders? Gaiser: Unter anderemauf Marko Pre- zelj. Er interessiert mich deshalb, weil er sich kaum vermarktet. Interview: Dominik Prantl Von Arnold Fanck, dem Pionier des Bergfilms, ist die Geschichte überliefert, wonach er einmal eine ganze Schnee- wand oberhalb seiner Darstellerin Leni Riefenstahl absprengen ließ. Für Fanck musste der Berg dramatisch sein, voller Effekte, und der Mensch durfte vor allem deshalb mitspielen, um die Naturgewal- ten begreifbar zu machen. Seine Filme trugenNamenwie „Der Kampf ums Mat- terhorn“, „Die weiße Hölle vom Piz Pa- lü“ oder „Stürme über demMont Blanc“. Achtzig Jahre ist das her, doch den Drei- satz Kampf, Sturm, Hölle ist das Sujet ir- gendwie nicht losgeworden. Wie wenig der Bergfilm mit diesem Klischee noch gemein hat, ist bis Sonntag in mehr als 90 Filmen aus 16 Ländern auf dem Te- gernseer Bergfilmfestival zu sehen. Dessen künstlerischer Leiter Michael Pause mag wie die meisten Bergfilmer mit Fanck noch die Freude an der Ge- birgslandschaft teilen. Doch er setzt beim Festival weniger auf ein Spektakel der Naturgewalten als auf einen Kosmos aus wundersamen Charakteren. Hand- lung und Personen stehen im Vorder- grund, der Berg taugt manchmal gerade noch zum Statisten. Ganz weit weg vom Fels spielt beispielsweise der Kurzfilm Sarajevo Challenge, in dem ein Kerl mit am Körper montierten Rollen die Bob- bahnSarajevos per Schussfahrt überwin- den will – jenes olympische Relikt, das der Krieg in eine Ruine mit Schlaglö- chern verwandelte. In A Sleepless Night muss der Empfänger eines Notrufs die Verunglückten bis zum Eintreffen der Rettungsmannschaft auf Überlebentrim- men – nur per Funk. Die Route, ein auf- wendiger Heimatfilm nutzt die Ästhetik des Kletterns wiederum für bröselnde Freundschaften und zerstörte Lebens- träume. Und natürlich sind Szenestars wie die Huberbuam oder Ueli Steck ver- treten, die manchem Berg durch ihre Leistung erst ein Gesicht geben. Pause sagt: „AucheinBergfilmfunkti- oniert nicht ohne Menschen“ – und diese findenimmer neue, individuellere Zugän- ge zu dem Thema Berg. Dementspre- chendist das Programmeine Schnittmen- ge aus Action und Abenteuer, Natur- und Liebesfilm, aus Tragödien und Mili- eustudien. Die Darbietungen reichen vom Achtminüter über Dokumentatio- nen bis zum abendfüllenden Kinofilm wie „127 Stunden“. Ob man diese stetig wachsende Unübersichtlichkeit als Blü- te oder Niedergang des Genres verstehen will, bleibt den Grüblern überlassen. DemBesucher bietet sich dadurchjeden- falls ein erfreulich breites Spektrum. Nur mit einer Sache tut sich die Bran- che fast so schwer wie zu Fancks Zeiten. Pause findet: „Humor ist nicht das prä- gende Element des Bergsteigens.“ dop INFORMATIONEN: Das Bergfilm-Festival am Tegernsee läuft bis Sonntag, 23. Okto- ber. Auskünfte unter 080 22/18 01 61 oder www.bergfilm-festival-tegernsee.de Ein bisschen Show muss sein Markus Gaiser, Präsident des International Mountain Summit, freut sich über Selbstdarsteller im Alpinismus – und zieht Grenzen Professionelle Alpinisten wie Thomas Huber – hier amEl Capitanin den USA– müssen nicht nur klettern können, sondern auch unterhalten. Markus Gaiser (re.) und der IMS bieten ein Forum dafür. Fotos: NG Collection/Interfoto, privat Berge als Statisten Das Tegernseer Bergfilmfestival zeigt mehr Mensch als Landschaft Verantwortlich: Jochen Temsch „Humor ist nicht gerade das prägende Element des Bergsteigens“ Faszinierend. Übernachtung mit Showticket und spannendes Quiz auf: rockyhorrorshow.radissonblu.com Düsseldorf – München* – Linz* – Berlin – Wien Mannheim* – Dortmund* – Köln – Zürich *Park Inn by Radisson Hotels Kurztrips mit Radisson Blu zur Rocky Horror Show. Short Breaks Magazin jetzt auch als kostenfreie iPad App erhältlich. Lassen Sie sich inspirieren. FERNREISEN Eine Beilage der Süddeutschen Zeitung Anreise: Mit der Transsibirischen Eisenbahn oder mit dem Flugzeug über Moskau. Unterkunft und Touren: In Irkutsk kann der Gast Hotels mit internatio- nalem Standard erwarten, im Delta Hotel kostet die Nacht ca. 100 Euro pro Person im DZ. Für nicht-russisch- sprachige Besucher ist es ratsam, Zimmer und Touren über Agenturen zu buchen, etwa über www.grandbai- kal.ru (gehobener Standard), www.greenexpress.ru (Natur-Erleb- nistouren) oder www.baikalinfo.com (auch preiswerte Übernachtungen) Süddeutsche Zeitung Nr. 242 | Donnerstag, 20. Oktober 2011 Von Hannah Bei tzer Die Einheimischen nennen ihn „Perle Sibiriens“ oder „Heiliges Meer“ – der Baikalsee ist ein Mythos, ein Naturspek- takel und ein Anziehungspunkt für Eso- terik-Touristen, die glauben, dass sich hier eines der energetischen Kraftzen- tren befindet. Er ist das naturgewordene Symbol für jene Sibirien-Romantik, die sich, eifrig befeuert von Fernseh- und Ki- nofilmen, in Europa breitgemacht hat. Das Einfallstor für Baikaltouristen ist Irkutsk, eine für russische Verhältnis- se kleine Stadt – sie hat ungefähr eine halbe Million Einwohner –, die etwa 70 Kilometer vom Baikalsee entfernt liegt. An und für sich ist Irkutsk nichts Beson- deres, es gibt eine Fußgängerzone, ein paar historische Gebäude und ein Muse- um, das von den Freiheitskämpfern er- zählt, die zur Zarenzeit hierher ver- bannt wurden. Vor allem aber gibt es in Irkutsk zahlreiche des Englischen mäch- tige Agenturen, die die einströmenden Reisenden auf die touristischen Punkte des Baikalsees verteilen. Von denen gibt es erstaunlich wenige – wenn man be- denkt, dass der Baikalsee zu den größten Seen der Welt gehört, dass die Natur atemberaubend ist und dass sich hier mehrere Kulturen auf die seltsamste Art und Weise mischen: der alte Schamanen- Glaube der Burjaten, einer mit den Mon- golen verwandte Ethnie mit Buddhis- mus, orthodoxer russischer Kultur und Sowjet-Nostalgie. Doch die Touristen konzentrieren sich im Wesentlichen auf wenige Orte: das Städtchen Listwjanka zumBeispiel, das man von Irkutsk aus gut mit dem Bus erreichen kann und das direkt am See liegt. Sonntags kann man sich hier kaum bewegen vor lauter Menschen, im Baikalsee-Museumdrücken sich die Be- sucher die Nasen an Aquarien mit Bai- kalrobben platt, Süßwasser-Tiere, de- ren kleine Gesichter auf demriesigen ke- gelförmigen Leib aussehen wie zusam- mengestaucht. Auf dem Markt verkau- fen alte Frauen grobgeschnitztes Kü- chengerät aus Holz, bunte Matrjoschkas und kitschige Bilder in schreienden Far- ben. Sie sitzen reichlich missmutig hin- ter ihren Ständen. „Komisch. Die Touris- ten kaufen nie Souvenirs“, wundert sich Olga Kostowskaja. Die junge Frau führt für die Agentur „Grand Baikal“ Besu- cher durch Irkutsk und macht mit ihnen Ausflüge. Die deutschen Touristen, er- zählt sie, finden den geräucherten Fisch spannender als Souvenirs, den es auf dem Markt von Listwjanka gibt: der Omul, ein wohlschmeckender Speise- fisch aus der Familie der Lachsfische, lebt nur im Baikalsee, es gibt ihn gebra- ten, frittiert, gebacken und eben geräu- chert. Die meisten Besucher pilgern aller- dings gleich auf die Insel Olchon, die et- wa sieben Busstunden von Irkutsk ent- fernt im Baikalsee liegt. Der Weg dort- hin führt in eine andere Welt – die der burjatischen Schamanen. Sobald man hier burjatisches Gebiet betritt, stehen an jeder Straße altarartige Holzgebilde. Hier muss der Reisende etwas zurücklas- sen: Geld oder ein Stück Stoff, und so bei den Göttern eine glückliche Reise er- kaufen. In Anlehnung an die Buddhisten knoten viele Einheimische Stoffbänder in die Bäume, die am Wegrand stehen. Strom und fließendes Wasser gibt es auf Olchon nicht, dafür angeblich eine be- sondere Erdstrahlung – und die Schön- heit des Baikalsees, so weit man blicken kann: dramatische Felsenkulissen am Horizont, pittoreske Holzhütten und so viel Omul, wie man essen möchte. Spä- testens seit der ZDF-Dokumentation „Sternflüstern: Das Sibirienabenteuer“ findet man hier im Sommer mehr Deut- sche als Russen, die Preise steigen, und man hat vor lauter Touristen kaummehr Gelegenheit, sich an der Stille des schier unendlichen Baikalsees zu erfreuen. Deswegen lohnt es sich, ein Stück- chen weiter ins Land zu fahren, um den Massenzu entkommen: die Berge bei Bai- kalsk hinauf zum Beispiel, von wo man einen phantastischen Ausblick auf den See hat. Die Infrastruktur ist hier nicht besonders ausgeprägt, nur wenige Ho- tels haben westlichen Standard, die Stra- ßen sind holprig und es gibt keinen Han- dyempfang. Die Schönheit der Land- schaft ist weniger offensichtlich, als es die Hochglanzbilder in Reiseprospekten vermuten lassen. Sicher, da ist überall der Baikalsee, groß und so klar, dass bei schönem Wetter die Schiffe darauf aus- sehen, als würden sie schweben. Da sind die Berge, die sich amRande dieses klei- nen Meeres in die Himmel bohren. Aber inden Bergen sieht man auch zer- fallene Holzhütten, verlassene Dörfer und Bushaltestellen, in denen Jugendli- che in schmuddeligen Armeehosen schon nachmittags Bier trinken. Sie schauen den Mädchen hinterher, die in hochhackigen Sandalen vorbeistöckeln, in denen sie Tennissocken tragen, weil es amBaikalsee nur ein paar wenige Mo- nate richtig warm ist. Man kommt vor- bei an verlassenen Vergnügungsparks, in denen Kinder an rostigen Karussells herumturnen. Das ist, zwanzig Jahre nach dem Zusammenbruch, noch ein letztes Stück Sowjetunion. Vor allemMenschen aus der unmittel- baren Umgebung kommen in die Berge, um zu entspannen. Im Winter kann man Ski fahren, selbst der sportliche Noch- Premier und Bald-Wieder-Präsident Russlands Wladimir Putin ist hier schon die Hänge hinuntergewedelt. Alexej Chalo arbeitet dort in einem Hotel, das genauso heißt wie das Skigebiet: Soboli- naja. Das Gebäude sieht aus wie eine Siebziger-Jahre-Turnhalle, mit Linole- um-Boden und abbröckelnder Farbe an den Treppengeländern. „Mit den westli- chen Skigebieten können wir natürlich nicht mithalten“, sagt Chalo. Dennoch will man Touristen aus Europa anlocken – immerhin gibt es den Baikalsee nur hier. Dort kann man im Winter Schlitt- schuhlaufen und durch das Eis Fische im Wasser herumflitzen sehen. Das Ho- tel hat deswegen kleine Blockhütten ge- baut, die einfach, aber modern eingerich- tet sind. Für Chalo, der selbst in Irkutsk lebt, ist jeder Tag in Sobolinaja wie Meditati- on. „Am Baikal ist das Leben langsa- mer. Viele Leute kommen hierher und schlafen erst einmal zwei Tage.“ In den Bergen gibt es auch klare Seen, die so kalt sind, dass man nur wenige Tage im Jahr dort baden kann. Zum beliebtesten See, der wegen seiner verhältnismäßig angenehmen Temperatur der „Warme See“ genannt wird, fährt man über holp- rige Straßen, für die sich Alexej Chalo schämt. Er wundert sich auch, dass deut- schen Besuchern das Feriendorf amWar- men See aus bunt angemalten, wild zu- sammengezimmerten Holzhütten ge- fällt. Ein Mann in grauer Jogginghose grillt dort Schaschlik und Kinder sprin- gen kreischend ins Wasser. Laute Tech- nomusik beschallt das Naturidyll. Noch weniger für westliche Touristen erschlossen ist das Tunka-Tal, das an die Mongolei grenzt und für seine Heil- quellen bekannt ist. Auf verschlungenen Straßen fährt der Besucher durch kleine Städte. Am Straßenrand stehen kleine Hütten, an denen auf Plastiktellern die burjatische Spezialität Posy serviert wird. Posy ähneln den russischen Pelme- ni, den Teigtaschen mit Fleischfüllung, die die Frauen früher als Vorrat in den kalten sibirischen Wintern im Schnee vergruben. Die Russen kommen für Kur- aufenthalte ins Tunka Tal, zum Beispiel ins Dorf Nilowa Pustyn, wo Galina Bori- sowa ein frisch renoviertes Kurhotel führt. Englisch spricht sie nicht, aber sie muss ohnehin in ihrem Gästebuch lange suchen, bevor sie ausländische Gäste fin- det. Was man hier den ganzen Tag ma- chen kann? „Die Leute gehen spazieren, grillen, spielen Karten“, sagt sie. Beson- ders stolz ist man hier auf die dorfeigene radioaktive Quelle. „Das ist sehr gut für die Haut“, schwört Galina Borisowa. Und zum Mittag- und Abendessen gibt es Omul. Natürlich. Fischer angeln im Baikalsee nach Omul, in den pittoresken Dörfern sind oft Satellitenschüsseln die einzi- ge Verbindung mit der Außenwelt, Frauen bereiten die burjatische Spe- zialität Posy, mit Fleisch gefüllte Teigtaschen. Fotos: Corbis (3), beitz Info Russen reisen ins Tunka-Tal an der Grenze zur Mongolei wegen seiner Heilquellen MONGOLEI RUSSLAND 100 km Irkutsk Sljudjanka Tunka-Tal Olchon Baikalsk Listwjanka Ulan-Ude Baikalsee SZ-Karte Das gläserne Meer Der Baikalsee, Sehnsuchtsort von Romantikern und Esoterikern, ist in weiten Teilen noch touristisches Neuland Spikes für Mensch und Tier sind auf dem Baikalsee im Winter unerlässlich. Durch die klare Eisdecke kann man die Fische schwimmen sehen. Foto: Corbis Faszinierend bunt. Die faszinierende Vielfalt Israels: AKTUELLE REISEANGEBOTE REISE MISSION | „Faszinierende Israel-Rundreise“ | 9 Tg., Ü/HP im Hotel, inkl. Rundfahrten, Guide, Eintritte, Flug, ab € 985.- p.P. | Tel.: 0341/3085410 | E-Mail: [email protected] Wikinger Reisen | „Israel – Faszination Wüste, Wasser, Glaube“ | 10-tg. Studienreise mit 4 Wanderungen zw. 2 – 4 Std., in kl. Gruppe (10 bis max. 18 Pers.) von Tel Aviv über See Genezareth, Jerusalem bis Negev Wüste, Mittelkl.hotels, ÜHP/DZ oder EZ, inkl. deutschsprachige Rsl., Eintritte, Transfers, Flug mit LH, ab € 1.998.- p.P. | Tel.: 02331/9046 | www.wikinger.de Dr. Augustin Studienreisen GmbH | Exklusive 8-tägige Studienreise mit Gelegenheit zum Opern-Open-Air mit Bizets „Carmen“ vor der Felsenfestung Masada, 06.06. – 13.06.2012, Reiseltg.: Prof. Dr. Dr. M. Augustin, ab € 1.599.- p.P. | Tel.: 0341/484580 | www.dr-augustin.de Yoram Ehrlich Reisen | „Der Jerusalem Weg“ | 8-tg. geführte Pilgerwande- rung, 7 ÜHP in *** Hotels / Kibbuz-Gästehäusern, tägl. Gepäcktransfer, inkl. aller Gruppentransfers, min. 7 Pers., max. 25 Pers., ab € 995.- p.P. im DZ, EZ-Zuschlag: € 231.- | Tel.: 0681/585360 | www.mein-israel.eu Staatliches Israelisches Verkehrsbüro / Friedrichstr. 95 / 10117 Berlin Tel.: 030 2039970 / Fax: 030 20399730 / [email protected] www.goisrael.de Direktflüge nach Israel bieten u.a. an: www.elal.com www.airberlin.com Anreise: Die nächstgelegenen Flug- häfen sind Bozeman und Billings in Montana sowie Jackson Hole in Wyoming, ein Mietauto ist nötig. Infos über US-Nationalparks unter: www.nps.gov, Übernachtungsmög- lichkeiten sind unter www. uspark- lodging.com zu finden. Wer’s ruhi- ger will, sollte im Sommer außerhalb des Parks logieren, empfehlenswert ist etwa das www.rockyforkinn.com in Red Lodge, Montana. pfu FERNREISEN Eine Beilage der Süddeutschen Zeitung Von Johanna Pfund Die beiden Welten berühren sich nur wenige Tage lang. Die eine ist amEnde, es ist die Welt der frei umherstreifendenIndi- aner inNordamerika. Die andere steht am Anfang, es ist die Welt der Moderne, inder die Menschen in der Natur Erholung vom Stadtlebensuchen. ImSommer 1877pral- len diese Welten im erst fünf Jahre alten Yellowstone National Park aufeinander: Indianer vom Stamme der Nez Percé, seit Wochen auf der Flucht vor der US-Ar- mee, nehmeneine Gruppe campender Tou- risten gefangen, weil diese sich weigert, Speck und Kaffee an die ungebetenen Be- sucher abzutreten. 140 Jahre später sind die Indianer Ge- schichte. Niemand läuft mehr Gefahr, in dieser Ecke zwischen Wyoming, Montana und Idaho Indianern in die Hände zu fal- len. Viel größer ist das Risiko, kein freies Hotelbett, keinen Campingplatz oder kei- nenParkplatz zufindenimältestenNatio- nalpark der Welt, der in etwa die Größe Oberbayerns hat. Millionen wollen sehen, was imPark – imGrunde der Kessel eines Supervulkans – zischt, brodelt und blub- bert. Sie wollenGeysire undSchlammvul- kane, Büffel und Bären sehen. Die Häuptlinge Chief Joseph und Loo- kingGlass ahnen1877 wohl nicht, dass sie durch einen bald weltberühmten Natio- nalpark ziehen und dass sie selbst dabei sind, Geschichte zu schreiben. Sie versu- chenlediglich, die 700Indianer vomStam- me der Nez Percé zu retten. In ihrer Hei- mat Oregon sollen sie ins Reservat umge- siedelt werden. Das wollen sie nicht und sie flüchten, quer durch Idaho, Wyoming und Montana in Richtung Kanada, wo sie sich Häuptling Sitting Bull und dessen Siouxanschließen wollen. 1500 Meilenle- gen die Nez Percé insgesamt zurück. In denweitläufigen Tälerndes auf über 2000 Meter hoch gelegenen Parks tricksen sie die US-Armee immer wieder aus undtref- fen wie gesagt auf das Phänomen Tourist. Chief Josephverfährt gnädigmit denCam- pern, die ihmseine Leute ins Lager schlep- pen. Er lässt sie frei; er werde Frauen im Gegensatz zur amerikanischen Armee, die auf Alte, Kinder und Frauen schieße, nichts antun, heißt es in Berichten. Von dem Drama zeugen noch Namen: Am Indian Pond, wenige hundert Meter neben dem Lake Yellowstone, dem größ- ten Bergsee Nordamerikas, rasten Chief Joseph und seine Leute. Am Firehole Ri- ver, in dem sich heißes Thermalwasser undeiskaltes Gebirgswasser mischen, for- derten die Indianer das Frühstück von den Campern aus Montana; heute baden die Besucher im Firehole River, nehmen Wechselbäder in heißem, lauwarmem oder eiskaltemWasser – die Magma-Kam- mer unter dem Yellowstone Park, die das Wasser erhitzt, macht es möglich. Gegen- denmit solchaußergewöhnlicher geother- maler Aktivität gibt es nicht viele auf der Erde: inIslandundauf Neuseelandgibt es Geysire, Kalksinterterrassen, geformt von stetig laufendem heißen Wasser, gibt es nur imYellowstone oder in der Türkei. Obdie Indianer sichZeit genommenha- ben, denOldFaithful, denzuverlässigsten aller Geysire, der alle 65 bis 90 Minuten WasserfontänenindenHimmel jagt, zube- sichtigen, das ist nicht überliefert. Sicher ist aber, dass Old Faithful sein Wasser längst nicht mehr unbeobachtet in die Luft spuckt. 2010 zählt die Parkverwal- tung mehr als drei Millionen Besucher; Tausende von ihnen besuchen an schönen SommertagenalleindenGeysir. EinHisto- ric Trail – ein historischer Weg – zeichnet die Route von Chief Joseph nach. Der Park ist ein Erholungsort, genau wie es sich der amerikanische Kongress vorge- stellt hat: „For the benefit and enjoyment of the people“ – zum Wohl und zum Ver- gnügen des Volkes wird der Yellowstone National Park 1872 gegründet – als erster Nationalpark der Welt. Mit seiner Entscheidung vom 1. März 1872 entzieht der US-Kongress zum ers- ten Mal eine Region komplett jeglicher Art der Nutzung – von Einrichtungen für die Besucher großzügig abgesehen. Die US-Amerikaner sind damit weltweit Vor- reiter. Über die Beweggründe ist viel ge- stritten worden. Hat Naturschützer John Muir seinen Einfluss geltend gemacht, Muir, der Konservative, dem es vor allem um das Bewahren der Natur geht? Oder war es Ziel, mit Hilfe der grandiosen Na- turphänomene amerikanische Identität zu formen? Dafür spricht, dass die ersten Berichterstatter die Wasserfälle und Ge- steinsformationendes Westens, obimYel- lowstone, im Grand Canyon, im Zion Na- tional ParkinUtahoder die Mammutbäu- me Kaliforniens gerne mit den Kathedra- len Europas verglichen. Die Chancen, ein Nationalpark zu werden, standen für die Gegenden, die wirtschaftlich keinen ho- hen Nutzen versprachen, ziemlich gut. Der Grand Teton National Park, südlich des Yellowstone gelegen, wurde 1929 ge- schaffen, war aber zunächst begrenzt auf die gigantische 4000er-Bergkette. Erst die Familie Rockefeller machte die Erweite- rungmöglich, sie kaufte angrenzendes Pri- vatland, das Protesten zum Trotz in den 1940ern dem Park hinzugefügt wurde. DenKonflikt zwischenNutzenundNa- tur versucht die Nationalparkverwaltung bis heute zu lösen – imYellowstone wie in den Tetons oder in anderen National- parks. Noch in den 1950er Jahren führten mehr Straßen durch den Park als heute. Geblieben ist im Grunde eine großzügige Acht, entlang derer wie Perlen auf einer Schnur aufgereiht alle wichtigen Sehens- würdigkeiten liegen. Da sind die Kalk- sinterterrassen – die Mammoth Hot Springs – im Norden, die Wasserfälle des Yellowstone River mit ihren gelb, orange und rötlich schimmernden Felswänden im Osten, der See in der Mitte des Parks. Undnicht zuvergessender Westenmit sei- nen Geysirlandschaften – Wasser, Dampf und Schlamm speiende Perpetuum Mobi- les. Weite Teile des Parks aber bleibenun- berührt. Nur zu Fuß kann man die Wälder erkunden. Manche sind dicht, andere re- ckensilbrigglänzende Stämme wie Zahn- stocher in die Höhe – eine Erinnerung an das große Feuer von 1988, und zwischen- drin kann man auch einen kleinen Drei- tausender besteigen. Dabei ist Verständ- nis für wirklich wilde Tiere von Vorteil. Der Reichtum an Büffelherden hätte Chief Joseph und seine Leute wohl ent- zückt. Besser Bisonfleisch, als Speck und Kaffee von Touristen einzufordern. Der Yellowstone ist aber erst im Laufe der Jahrzehnte zum Rückzugsgebiet für die Büffel geworden. Denn auf Privatland, auf denlandwirtschaftlichgenutztenPrä- rien, sind sie nicht willkommen, könnten sie dochRinder mit der Tierseuche Brucel- lose anstecken. Im Park haben die Bisons hingegen das „Right of Way“, Vorfahrt. Sie weiden in den Flusstälern, sie spazie- ren auf den Straßen, sie verursachen kilo- meterlange Staus. Ein „Buffalo Jam“, ein Büffel-Stau, gehört imYellowstone Natio- nalpark einfach dazu. Die Sicherheit, nicht gejagt zu werden, genießen auch die Bären. In puncto Bären hat die Nationalparkverwaltung dazuge- lernt. Noch in den 1950er und 1960er Jah- ren war die tägliche Bärenfütterung mit denAbfällender Hotels einbeliebtes Tou- ristenspektakel. Seit 1970 versucht das Management, den Weg zurück zur Natur zufinden. Mit Erfolg. Mehr als 6000Grizz- lys soll es geben, es gibt Überlegungen, die Tiere von der Roten Liste zu nehmen. Die Chancen, einen Bären beim abendlichen Fressspaziergang zu sehen, stehen gut. Manmuss einfachnur schauen, womehre- re Autos stehen, auf der Straße parken und fotografieren. Das heißt dann „Bear Jam“ – Bärenstau. Zelten im Hinterland, wie es einst die Nez-Percé-Indianer getan haben, ist inAnbetracht der Bärenpopula- tion nur etwas für Reisende mit starken Nerven. Sie sollten beim Wandern Krach machen, beim Zelten nachts die Vorräte schwer erreichbar an einen Baum hängen undtrotz unzähliger Geräusche gut schla- fenkönnen. Die Ranger imParkinformie- ren umfassend über das richtige Verhal- ten. Dennoch geht nicht immer alles gut. Erst diesen Sommer gab es zwei Unfälle mit Grizzlybären. So nah will man der Wildnis nun auch wieder nicht sein. Die Nez-Percé-Indianer haben für Be- trachtungen über die Wildnis keine Zeit. Sie entkommen bei ihrer Reise durch den Park zwar der US-Armee und sie nehmen auch keine weiteren Touristen gefangen, dochihre Tage inFreiheit sindgezählt. Im Oktober 1877, nur 40 Meilenvor der kana- dischen Grenze, ergibt sich Chief Joseph. Umdie 300 Leute hat er verloren, es man- gelt an Kleidung, an Essen. Einige seiner jungenKrieger suchenihr Glückbei ande- ren Stämmen. Die Nez Percé müssen ins ferne Oklahoma ins Reservat. Bis an sein Lebensende fordert Chief Joseph verge- bens die Rückkehr in seine Heimat, die Wälder und Berge des Nordwestens. Er stirbt imJahr1904, laut ärztlicher Diagno- se an gebrochenem Herzen. Ausbruch nach Fahrplan: Beinahe stündlich speit der Old Faithful heißes Wasser Süddeutsche Zeitung Nr. 242 | Donnerstag, 20. Oktober 2011 | Seite 43 Von Naturkräften marmoriert: Schwefel, Eisen und andere Elemente färben das Gestein im geologischen Hotspot Yel- lowstone Park bunt ein (oben). Abendstimmung am Lake Yel- lowstone, Nordamerikas größ- tem Bergsee (unten). Fotos: pfu Info Europa hat Kathedralen, Amerika hat gigantische Natur als Identitätsstifter Sehr wild, sehr heiß – und gut bewacht Der Yellowstone gilt als Symbol für ungezähmte Natur. Damit es so bleibt, haben die Park Ranger viel zu tun Bison im Nebel. So nah wie er dürfen die Besucher „Old Faithful“, dem be- rühmtesten Geysir der Welt, im Yellowstone Nationalpark im Nordwesten der USA nicht kommen. Tausende beobachten das stündlich wiederkehrende Schauspiel, wenn er seine Wasserfontäne in die Luft schickt. Foto: Getty USA WYOMI NG M is s o u r i I DAHO MONTANA KANADA R o c k y M o u n t a i n s Yellowstone- Nationalpark 200 km SZ-Karte: Lisa Borgenheimer Anreise: Direktflüge von Frankfurt nach Colombo bieten u. a. Sri Lan- kan Airlines und Condor, von ande- ren deutschen Airports fliegen z. B. Lufthansa, Emirates oder Qatar Air jeweils mit einem Zwischenstopp. Unterkunft und Touren: Hotels im gehobenen Sektor sollte man vor der Reise buchen. Eine Rundtour mit Unterkunft in einfachen Guest Houses lässt sich problemlos am Zielort organisieren. Das Round Ticket für die Sehenswürdigkeiten im Kulturdreieck kostet 50 Dollar. Es deckt aber nicht alle Eintritte ab. Anreise: Von Santiago aus gibt es Flugverbindungen nach Punta Are- nas, von dort sind es noch knapp 400 Kilometer zum Nationalpark – die Entfernungen in Patagonien sind groß. Viele Busverbindungen führen von den Städten direkt in den Torres del Paine. Zum Beispiel auch von El Calafate in Argentinien, das mit dem Flugzeug von Buenos Aires zu errei- chen ist. Ausführliche Informationen: www.torresdelpaine.com Die Windböenfegeneine Wandergrup- pe fast in eine Kluft, der Regen peitscht ihnen ins Gesicht, und wo eben noch die Sonne auf kleine Wasserläufe schien, ra- sen dunkle Wolken über stürzende Bä- che. Es ist kein ungewöhnlicher Tag im Nationalpark Torres del Paine, ganz im Süden Chiles, wo Trekking-Ausrüster gerne ihre Werbespots drehen – und vor allemdie Natur denUrlaubzumAbenteu- er macht. Namensgeber und imposantes Wahr- zeichen des Nationalparks sind die drei Granitfelsen, die fast senkrecht in etwa 2800 Meter Höhe ragen. Die „Türme des blauen Himmels“ prägen das gewaltige Panorama ebenso wie die spitzen „Cuer- nos“ und viele andere markante Gipfel. Es ist aber nicht allein die Bergland- schaft, die denParkzueiner der Hauptat- traktionen Chiles macht, sondern die spektakuläre Mischung amsüdlichenEn- de der Welt. Wer zumBeispiel den „Lago Grey“entlangwandert, sieht auf der Was- seroberfläche zunächst kleine und dann immer größere Eisberge, die so tiefblau leuchten, als hätte sie jemand angemalt. Am nördlichen Ende kalbt der gewaltige Grey-Gletscher indenSee. Auchdas Wet- ter ist eher rau als lieblich: In den Som- mermonaten von Dezember bis Februar ist es zwar sehr lange hell, die Durch- schnittstemperatur aber liegt nur knapp über zehn Grad, und der kräftige Wind gehört das ganze Jahr über so unzertrenn- lich zu Patagonien wie die große Steppe. Wer im Torres del Paine wandert, sollte also eine warme, wind- und wasserdichte Wanderausrüstung mitbringen. Ein gutes Fell statt Gore Tex tragen die Guanakos, eine Lama-Art, die mit einem stets verschmitzten Ausdruck durch das Grasland wandert und gerne über Zäune springt. Mit etwas Glück lässt sich auch ein Andenkondor erblicken, der mit einer Spannweite von bis zu drei Metern selbst ingroßer Höhe vomBodenaus noch einen imposanten Eindruck macht. Die vielfältige Berg- und Tierwelt lockt vor allem zwischen November und März viele Touristenan, die meistenkom- men aus den USAund Europa. Besonders beliebt ist das sogenannte „große W“, ei- ne Tour, die zu den spektakulärsten Aus- sichtspunkten führt. Viele Gruppen pil- gern diese Route ab, und so sieht man zum Beispiel am Gletscher dieselben Wanderer aus Würzburg oder Washing- ton, die man am Tag zuvor noch auf dem Boot getroffen hat. Einsamkeit darf man im Park vor al- lem in der Hauptsaison nicht erwarten, dafür aber ist die Infrastruktur außeror- dentlich gut. Es gibt zum Beispiel Cam- pingplätze, die fertig aufgebaute Zelte in- klusive Schlafsack günstig vermieten. Das ist besonders praktischfür alle Über- seetouristen, die gerne zelten, aber nicht ihre gesamte Ausrüstung mitschleppen wollen. Auf der anderen Seite gibt es auch viele (und immer mehr) Luxusho- tels, die für eine Nacht von300 bis zutau- sendEuro verlangen. Der Parkist ebenei- ne Attraktion mit internationaler Anzie- hungskraft, die den Wander- oder Natur- freund ebenso fasziniert wie denBackpa- cker oder Luxustouristen. Regelmäßig un- terschätzen viele Besucher, dass er auch ein forderndes Wandergebiet ist: Das „große W“ erweist sichfür manche Sight- seeing-Touristen als zu groß, die sich dann humpelnd mit letzter Kraft in die Herberge schleppen. Komfortabler ist da ein Tagesausflug in den argentinischen Teil Patagoniens, wo Besucher entlang der riesigen Front des Perito-Moreno-Gletschers spazieren können. Wenn sich die Sonne durch die Wolken kämpft, strahlen das Eis und der See in Türkis und Blau. Die Landschaft rund um die Torres ist so abwechlungs- reich wie das Wetter. Andreas Remien FERNREISEN Von Ingri d Brunner Die Wolkenmädchen erwarten den Be- sucher in anmutiger Tanzhaltung, unge- fähr nach der Hälfte der 1200 Stufen, die es auf das Plateau des Löwenfelsens von Sigiriya zu ersteigen gilt. Wie zur Begrü- ßung halten sie Lotusblüten in den Hän- den. Hals, Ohren und Arme ziert schwe- res Goldgeschmeide. Nur die Oberkörper der ebenso voll – wie barbusigen jungen Frauen sind zu sehen, sie scheinen aus denWolken aufzutauchen– daher ihr Na- me. Fünfhundert solcher Felsmalereien sollen es einmal gewesen sein. Heute, gut 1500 Jahre später, sind nur noch an die zwanzig erhalten – Sonne, Regen und Heerscharen von Besuchern haben es nicht gut mit ihnen gemeint. Viele Fres- ken verblassten, bröckelten ab, ver- schwanden. Restauratoren haben in den siebziger Jahren versucht, den in die Jahre gekom- menen Mädchen eine Verjüngungskur zu verpassen. Mit zweifelhaftem Ergebnis: Sie besserten nach persönlichem Gusto nach, hübschten Gesichter auf, ja sogar Busen wurde geliftet, indem man Brust- warzen weiter nach oben versetzte. Jetzt, da die Übermalungen verblassen, haben einige Nymphen in den Wolken derer vier, andere haben mehr als fünf Finger pro Hand oder entgleiste Gesichtszüge. Wie dem auch sei: Ihr Anblick war schon denMenschenimfünftenJahrhundert ei- ne willkommene Verschnaufpause, wenn sie den Fels mühsamerklimmenmussten, um in die Festung ganz oben auf dem Dach des riesigen Steins zu gelangen. Treppen gab es damals noch nicht – aus gutem Grund: Für König Kassapa, der von 473 bis 491 regierte, war die Burg ei- ne Zuflucht, nachdem er seinen Vater er- mordet hatte. Zeitlebens musste er die Ra- che seines Halbbruders Moggallana fürchten. Deshalbverschanzte er sich auf dem 200 Meter hohen Granitblock, der monolithisch inder Landschaft steht und den Blick auf die unten sich ausbreitende Ebene und auf nahende Feinde freigab. Von der Festung auf dem Felsplateau sind nur noch Grundmauern zu sehen – undmächtige Zisternen, für Wasservorrä- te, mit denenmanauchlangenBelagerun- gen hätte standhalten können. Genutzt hatte Kassapa das alles freilich nichts. Im Jahr 491 kehrte Moggallana zurück, besiegte den Vatermörder und trat sein rechtmäßiges Erbe an. Seit 1982 ist Sigiriya mit seinen weit- läufigen Wassergärten am Fuße des Lö- wenfelsens Teil des srilankischenUnesco- Weltkulturerbes. Wer den Fels erklimmt, muss der tropischen Hitze, aufdringli- chen Reiseführern und diebischen Affen trotzen, die auf der Suche nach Süßigkei- ten blitzschnell und überfallartig die Rucksäcke der Touristen öffnen. An- schließendpassiert mandas Löwentor, ei- ne mächtige Treppe, flankiert von in Stein gehauenen Raubtierpranken. Erst dann beginnt der eigentliche Aufstieg. Oben angekommen, wird der Besucher beim Blick hinab mit einem Aha-Erleb- nis belohnt: Wasser war hier wie an vie- len anderen Orten der Welt der Schlüssel für die Entstehung einer Hochkultur. Wasser, besser die hochentwickelte Kul- turtechnikder künstlichen Bewässerung, verwandelte die weiten Trockenflächen im zentralen Norden der Insel in frucht- bares Land. Dies war der Grundstein für die singhalesische Hochkultur, die zwi- schen 400 vor Christus bis 1200 nach Christus ihre Blüte hatte. Davon zeugen nochheute zahllose Paläste, Tempelanla- genundeinNetz vonKanälen, Wasserbe- ckenundkünstlichenSeenimKulturdrei- eck, das sich im Gebiet um die Städte Kandy, Polonnaruwa und Anuradhapu- ra, erstreckt. Baukunst bedeutete vorwie- gend sakrale Baukunst: Die wichtigen buddhistischen Klöster, Pilgerorte und die Wiege des Buddhismus in Sri Lanka finden sich fast alle im Kulturdreieck. Eine Rundreise dorthin lässt sich pro- blemlos direkt im Land organisieren. Heerscharenvon Fahrern mit Nervenwie Drahtseilen warten nur darauf, Touris- ten souverän an Schlaglöchern, Kühen undunzähligen herrenlosen Hunden vor- bei zu den Sehenswürdigkeiten Sri Lan- kas zukutschieren. Wie etwa Sarath – ein Familienvater aus Beruwala, einem Ort an der Küste im Südwesten der Insel. Ei- gentlich träumt er von einem lukrativen Job als Fahrer in Dubai. Sein Bruder ist schon dort und will ihmeine Stelle in den Emiraten vermitteln. Es ist der Traum vieler Srilanker vom besseren Leben – bietet doch der von Bürgerkrieg und Ne- potismus wirtschaftlich ausgezehrte In- selstaat kaum Perspektiven für die junge Generation. Viele von ihnen haben sich schon auf den Weg gemacht, täglich flie- genjunge FrauenundMänner vonColom- bo in die Golfstaaten, um dort in einem Hotel oder einem Haushalt zu arbeiten. Von denjenigen, die bleiben, verdingen sichdie GlücklichereninHotels, als Ayur- veda-Therapeuten, als Taxifahrer – oder als selbsternannte Reiseführer. Der Rest erfindet sich einfach einen Job – etwa in- demer Touristen über befahrene Straßen lotst, oder als Fotomotiv für Touristenpo- siert. So kann es passieren, dass ein Stel- zenfischer, der soeben noch in der Bran- dung angelte, blitzschnell von seiner Stange herunterhüpft und den Touristen, der ihn fotografiert hat, kilometerweit verfolgt, um seinen Tarif zu verlangen. Oder dass eine von der Arbeit gebeugte Teepflückerin plötzlich behände aus der Plantage bergan springt und ihren Preis als Model nennt. Trinkgeld ist in Sri Lan- ka keine Ermessenssache des Gebenden. Es ist ein armes, und doch an so vielem reiches Land: Der Inselstaat exportiert Zimt, Gummi, Tee, Kokosnussprodukte, Textilien – und Edelsteine. Rubine und Saphire aus Sri Lanka sind weltweit ge- fragt. Dochder Besucheiner Edelsteinmi- ne kommt einer Zeitreise gleich: Wie vor Jahrhunderten schon schürfen und gra- ben dort Männer mit bloßen Händen und Muskelkraft in brunnenartigen Schäch- ten nach den begehrten Steinen. Mit ein- fachen Seilwinden ziehen sie das Gestein hoch, andere Männer, die bis zum Bauch in Wasserlöchern stehen, waschen es in geflochtenen Körben aus, so lange, bis vielleicht ein paar wertvolle Steinchen übrigbleiben. Es ist ein weiter und be- schwerlicher Weg bis sie an den Hälsen, Ohren und Fingern der Kundinnen glän- zen. Der Aufstieg zu den Wolkenmäd- chen ist dagegen fast ein Spaziergang. Wasser und die Kunst der Bewässerung waren der Schlüssel für die Hochkultur FERNREISEN Eine Beilage der Süddeutschen Zeitung SRI LANKA INDISCHER OZEAN Colombo Kandy Polonnaruwa Anuradhapura Sigiriya 50 km SZ-Karte: Lisa Borgenheimer Info Die Stelzenfischer an der Südküs- te Sri Lankas (links), die Wolken- mädchen von Sigiriya (oben links) und die Mönche in ihren safrangelben Gewändern (oben rechts) sind beliebte Fotomotive. Doch umsonst ist nichts mehr auf der Insel. Angeln nach Touristen ist eben lukrativer. Sogar Mön- che verlangen längst eine Spende – für ihr Kloster. Fotos: Reuters, action press, Corbis Gipfel, Gletscher, Guanakos Der Nationalpark Torres del Paine lockt mit einer beeindruckenden Landschaft Süddeutsche Zeitung Nr. 242 | Donnerstag, 20. Oktober 2011 | Seite 44 Info Das Kultur- Dreieck Der Norden von Sri Lanka ist reich an archäologischen Schätzen. Seit den achtziger Jahren gehören sie zum Weltkulturerbe Tee, Zimt, Rubine: Sri Lanka ist reich an vielem, doch die meisten Menschen sind arm Im Sommer ist es zwar lange hell, es ist trotzdem stets kühl und sehr windig Intensive Farben, bizarre Wolkenformationen, blaue Gletscher und markante Berge hat der National- park Torres del Paine im Süden Chiles zu bieten. Zahlreiche Wanderwege führen um die prominen- ten Gipfel herum. Touris- ten finden Übernachtungs- möglichkeiten sowohl in einfachen Herbergen als auch in Luxushotels. Foto: rem Torres del Paine CHILE Puerto Natales ARGEN- TINIEN Lago del Toro Nationalpark Torres del Paine Gletscher Perito Morino SZ-Graphik: Lisa Borgenheimer El Calafate 50 km Verantwortlich: Werner Schmidt Redaktion: Ingrid Brunner Gestaltung: Michaela Lehner Anzeigen: Jürgen Maukner Gleich mitbuchen – zwei Inlandsflüge ab je € 59** Bei Ihrer Reise kreuz und quer durch Australien gibt es riesig viel zu entdecken und zu genießen. Während Ihres Qantas-Fluges werden Sie nicht nur mit bequemen Sitzen und einem großartigen Unterhaltungsprogramm verwöhnt, sondern mit vielen weiteren Annehmlichkeiten. Und die typisch australische Gastfreundschaft beginnt bereits bei uns an Bord. Planen Sie Ihre ganz persönliche Traumroute auf australia.com und buchen Sie bis zum 19. Dezember 2011 unter qantas.com – oder direkt in Ihrem Reisebüro. Entdecken Sie Australien mit Qantas schon ab € 985 * * Preisbeispiel: Endpreis in Economy Class pro Person inkl. aller Steuern und Gebühren für den Flug von Frankfurt über Singapur nach Melbourne und zurück, ausgenommen sind lokale Flughafengebühren, die vor Ort anfallen. **Preisbeispiel Inlandsflug: Endpreis in Economy Class pro Person inkl. aller Steuern und Gebühren für den Flug Melbourne – Sydney. Maximal zwei Inlandsflüge in Australien (Auswahl aus 40 inneraustralischen Flugzielen) möglich und nur bei gleichzeitiger Buchung in Verbindung mit den internationalen Flügen laut diesem Angebot. Die Preise basieren auf einer Zahlung über qantas.com. Für Buchungen über die Qantas-Reservierungszentrale fällt eine Service-Gebühr in Höhe von € 45 pro Person an. Die Preise entsprechen Stand 22. September 2011, können aber aufgrund von Aufschlägen, Gebühren, Steuern, Währungsschwankungen, zusätzlichen Stopps oder geänderter Streckenführung variieren. Gültig für Abflüge vom 09. 04. – 27. 06.12. Für Abflüge vom 08. 01. – 08. 04.12: Australien ab €1.231. Verkauf vom 29. 09. – 19. 12. 11. Beschränkte Sitzplatz- verfügbarkeit. Sonderaktion endet am 19.12. 2011, sofern Angebot noch verfügbar. Tarife unterliegen Bedingungen; diese Bedingungen und alle weiteren Informationen unter qantas.com. Reisebüroinfo: veröffentlichter IATA-Tarif in allen GDS. Was für ein wundervoller Tag! Während wir auf den Sonnenaufgang gewartet haben, bot sich uns plötzlich ein Anblick, den wir niemals vergessen werden. Der Hügel war voller Kängurus, mehr als ich je im Leben gesehen habe. Es stimmt, was die Leute sagen – man muss dieses Land mit eigenen Augen gesehen haben. Einfach unvergleichlich… ein Besuch im Zoo ohne Zäune. Neapel – Wer an Wunder glaubt, der ist in Neapel richtig. Im Dom San Gennaro wird mehrmals im Jahr ein „Wunder der Blutverflüssigung“ zelebriert, was das ist, gehört hier nicht hin, als es sich aber einst, im Jahr 1988, wieder einmal nicht so vollzog wie erhofft, wurde dies in der Stadt alsbald dafür verantwortlich ge- macht, dass der SSC Neapel die Meister- schaft verpasste – trotz Diego Armando Maradona. Bei der Angelegenheit im Dom handelt es sich um ein großes Mira- kel, eines, das gelegentlichsogar denFuß- ball berührt, es gibt in Neapel aber auch die kleinen Wunder, die auf einen weißen Zettel passen. IndiesemFall: Die Erschei- nung der aus dem Nichts erzielten Tore. Denn auf dem faktenreichen Spielbe- richt, der nach jedem Champions- League-Duell an die Journalisten ver- teilt wird, stand beim SSC Neapel in der Rubrik Attempts on target eine „0“. Streng übersetzt: Versuche aufs Ziel: „0“. Erste Halbzeit: „0“, zweite Halbzeit: „0“. Laut Zettel haben die Neapolitaner am Dienstagabend also nicht einen aus- sichtsreichen Versuch unternommen, ins Tor des FC Bayern zu treffen. Und doch stand es amEnde 1:1. Der SSChatte also getroffen, ohne zu zielen, und sollten die Süditaliener das Achtelfinale erreichen, was schwierig wird, dann werden sie im Domvon SanGennaro vielleicht einbiss- chen neidisch sein auf die Torvermehrer ihres SSC aus dem Stadio San Paolo. Am Fuße des Vesuvs sind sie ohnehin der Überzeugung, dass alles mit allemzu- sammenhängt, und so werden sie diese in einem infernalischen Lärm erlebte Nacht in mystischer Erinnerung behal- ten und sich dabei auch nicht von einem kühlen Wunderdeuter aus Mecklenburg- Vorpommern irritieren lassen: „Kein an- derer trifft gegen uns, also machen wir uns halt selbst ein Gegentor“, schilderte Toni Kroos aus Rostock das Erlebte. Und der in München aufgewachsene Philipp Lahmpräzisierte diese Darstellung: „To- re sind immer eine Aneinanderreihung von Fehlern. Und ich war auch daran be- teiligt.“ In jener 39. Minute, in der die durch Kroos kalt und präzise erzielte Führung (2.) ausgeglichen wurde, hatte Linksverteidiger Lahm in seinem Rü- cken Maggio entkommen lassen, der scharf indie Mitte flankte – dort erwisch- te jedoch nicht der diensthabende Torjä- ger Cavani, sondern Verteidiger Badstu- ber den Ball per Fußspitze. Wenn also aus dem Nichts ein Tor entsteht, handelt es sichoffenbar umeinEigentor, undder- lei Kuriositäten sind derzeit notwendig, um Bayerns Abwehr zu bezwingen. In Neapel wurde ein Klubrekord fest- gezurrt: 1147 Minuten sind es, in denen der im Sommer zum Verein gestoßene Torwart Manuel Neuer ohne Gegentref- fer blieb. 33:2 Tore haben die Münchner inzwischen in den 13 Pflichtspielen er- zielt, und bei beiden Bällen, die Neuer in dieser Saison aus dem Netz klauben musste, wurde er von den eigenen Leuten überlistet. Dem0:1 amerstenBundesliga- Spieltag gegen Mönchengladbach ging einMissverständnis mit Verteidiger Jero- me Boateng voraus, und jetzt, in Neapel, war Badstuber dran. Einen echten Blatt- schuss vom Gegner haben sich die – be- sonders in der Defensive – renovierten Bayern noch immer nicht gefangen. Insofern konnten sie mit Kritik bei sich selbst beginnen, ohne höhere Mäch- te zur Verantwortung zuziehen. Etwa da- für, dass Mario Gomez einen Elfmeter verschoss (49.). Beim Anlauf war er von Laserpunkt-Strahlern aus dem Publi- kum irritiert worden, was die Münchner als „Ding der Unmöglichkeit“ (Manager Nerlinger) beklagten und umgehend bei den Uefa-Offiziellen anzeigten. Gomez selbst verbuchte den Fehlversuch, der leichte Beute für Torwart De Sanctis war, auf sein Konto, „weil ich eigentlich in die Mitte schießen wollte. Aber dann habe ichmichimletzten Moment ument- schieden, und so landete er rechts un- ten“. Wer will, durfte dies als ausglei- chende Gerechtigkeit werten, denn die- ser Handelfmeter war ebenso berechtigt oder unberechtigt wie jener, der denNea- politanern nach Schweinsteigers Hand- ball zuvor verweigert worden war. Es glich sich nahezu alles aus, war al- les ein wenig unentschieden in dieser Nacht, in der sich die Energiebündel des SSC mit ihrem rastlosen Lauf-und Kampfspiel das Ergebnis verdienten. Ge- gen balltechnisch überlegene Münchner, denendie Zielstrebigkeit fehlte, unter an- derem, weil gegen eine unorthodoxe Ab- wehr beide Flügel (Ribéry, Müller) lahm- ten. Vom Resultat dürfte der SSC jedoch weit weniger profitieren als die Bayern, deren Rechnung recht simpel ausfällt: Ihr Ziel der Reise, nämlich Tabellenfüh- rer zu bleiben, haben sie erreicht, jetzt folgen die Heimspiele gegen Neapel und Villarreal. Zum Abschluss der Gruppen- spiele bei Manchester City im Dezember soll es dann nicht mehr auf Wunderliches ankommen, sondern allenfalls noch dar- um gehen, wer als Gruppenerster in der Achtelfinal-Auslosung gesetzt sein wird. Karl-Heinz Rummenigge, der Bayern- Vorstand, erinnerte vor der Heimreise noch an eine Kalkulation „aus meiner al- ten Zeit: Wenn wir damals in Italien aus- wärts einen Punkt holten, dann waren wir sehr zufrieden“. Rummenigge spielte von1984 bis 1987 für Inter Mailand, inje- ner Zeit, in der die Serie A noch in voller Blüte stand. Auch daran hat er erinnert, als er vor der Reise gegenüber der Zei- tung La Repubblica in Melancholie ver- fiel: „Das Schönste in meinem Leben liegt hinter mir“, sagte er – er meinte wohl Fußball. Man mag ihm wünschen, dass da noch was kommt, ein Lebensziel für den Bayern-Vorstand könnte zum Beispiel das Finale der Champions League am 19. Mai in München sein. Auf dem Weg dorthin müssen die Münchner ihrer Ballbesitz-Strategie aber noch einiges an Zielstrebigkeit und Entschlossenheit hinzufügen, undes wür- de die Perspektive wohl auch verbessern, wenn wenigstens wieder ein halb-fitter Arjen Robben als Option im Kader wäre. Noch ist der Kreis derer, denen Jupp He- ynckes in den Schlüsselspielen vertraut, knapp bemessen, in Neapel begnügte er sich mit zwei Zeitverzögerungs-Wech- seln in den Schlusssekunden. Aber als Gäste, das sei festgehalten, wissen die Bayern, was inder Ferne ankommt: Com- plimenti, complimenti – und notfalls, aber nur notfalls, auch alle Tore selber schießen. Klaus Hoeltzenbein Manchester – Fragen zum argentini- schenEinwechsel-Stürmer seienunzuläs- sig, erklärte der Manchester-City-Spre- cher, was die Reporter mit Buhrufenquit- tierten. Überraschenderweise buhte auch der Mann auf dem Podest – City- Coach Roberto Mancini – mit. Das war aber eher ironischzuverstehen. Der Itali- ener ist der Diskussion um den suspen- diertenAngreifer Carlos Tévez überdrüs- sig, der beim 0:2 im Champions-League- Spiel gegen den FC Bayern München auf der Reservebank in einen Sitzstreik getreten war. Selbst ein mitternächtli- ches Treffen zwischen Mancini und Tévez hatte keine Versöhnung gebracht. Seitdem ist Tévez endgültig draußen – und Fragen nach ihm nerven den Trai- ner. Zumindest war das in der vergange- nen Woche noch so. Am Dienstagabend aber gab es keine Unmutsbekundungen im Pressesaal des Etihad-Stadions. Und Fragen zu einem anderen argentinischen Einwechsel- Stürmer waren sogar ausdrücklich er- wünscht. Sergio Agüero, 43-Millionen- Euro-Mann aus dem Buenos-Aires-Vor- ort Quilmes, hatte nach seiner Einwechs- lung in der 62. Minute Manchester City mit seinem 2:1-Siegtreffer spät in der Nachspielzeit gerettet. Ein Unentschie- dengegenVillarreal wäre einemvorzeiti- gen Aus nahe gekommen. Kein Wunder, dass der sonst eher zurückhaltende Man- cini nach Agüeros Abstauber an der Sei- tenlinie in die Luft boxte, als wolle er je- den Regentropfen einzeln k.o. schlagen. „Wenn man in der letzten Sekunde trifft, hat man großes Glück“, sagte der 46-Jäh- rige, der mit vier Punkten nun sogar wie- der auf den Gruppensieg hofft: „Die Bay- ern sind momentan vorne, aber der erste und zweite Platz sind noch offen.“ Erleichtert, aber auch irgendwie rat- los – das war die Grundstimmung an die- sem Abend. Manchester City war schon wieder nicht in der Lage gewesen, die in der Liga gezeigte Qualität auf internatio- nalemNiveauzureplizieren. Wie die Bay- ern in Neapel, so waren die früh in Füh- rung gegangenen (Cani/4. Minute), intel- ligenter spielenden Gäste erst durch ein Eigentor kurz vor der Pause (Marche- na/43.) aus dem Rhythmus gekommen. Villarreal hatte vor den Augen von nur 20 mitgereisten Fans bis zum bitteren Ende den gepflegteren Fußball gezeigt. Die Premier League führt Manchester City an, aber Kapitän Vincent Kompany sagt: „Es ist total unglaublich, in Europa scheint für uns alles anders zu sein.“ Die kollektive Unerfahrenheit des Champi- ons-League-Neulings mag ein Grund dafür sein, möglicherweise sind die Geg- ner vomFestlandja aucheine Spur unbe- quemer als Insel-Fallobst wie Swansea City oder Wigan. Mancini musste nach 39 Minuten einen Aufstellungs-Irrtum korrigieren und Flügelstürmer Adam Johnson durch Gareth Barry ersetzen, um mehr Macht im Mittelfeld zu erlan- gen. Johnson nahm das kopfschüttelnd zur Kenntnis; Konsequenzenmuss er des- halb aber eher keine befürchten. Ganz ohne Kontroverse ging der Abend trotzdem nicht zu Ende. Die irr- tümlich auf eine Abseitsstellung vor dem Siegtreffer plädierenden Spanier be- schwerten sich nachher, Agüero habe sich in den Stadionkatakomben despek- tierlich benommen. „Ich verstehe nicht, warum er sich über Verlierer lustig machenmuss“, sagte Villarreals Vizeprä- sident José Manuel Llaneza, „das zeigt einen Mangel von Respekt und Moral.“ Der 23-jährige Agüero bestritt die Vor- würfe: „Ich würde so etwas nie tun.“ Für Mancini und seine Elf kam der Sieg jedenfalls gerade recht, amSonntag steht das Lokalderby beimTabellenzwei- ten Manchester United in dessen Stadion Old Trafford an. Buhrufe wird es dann garantiert wieder geben. Während der Partie zumindest. Raphael Honigstein Am Rande des Champions- League-Spiels sindinder süditalieni- schen Hafenstadt vier Bayern-Fans mit Messern angegriffen und leicht verletzt worden. Wie italienische Me- dien am Mittwoch berichteten, wur- den zwei deutsche Fans am Vor- abendder Partie inder Innenstadt at- tackiert. Die beidenanderen Bayern- Anhänger waren unmittelbar vor dem Spiel am Dienstagabend in der Nähe des Stadions verletzt worden. Neapels Bürgermeister Luigi De Ma- gistris verurteilte die Vorfälle. „Sport ist mit Gewalt unverträglich. Daher kann ich nur strengstens ver- urteilen, was geschehen ist. Vorfälle dieser Art beleidigen die Fans, die mit Freude das Match gegen Bayern erwartet haben“, sagte er. dpa/sid Neapel - Geschafft. „Napoli hält die Pan- zer auf“, titelte Il Mattino nacheinemRe- mis, das einen kleinen Sieg bedeutet. Für die Mannschaft, die in der Champions League weiterhin ungeschlagen ist und für die Stadt, die in der Begegnung mit den Bayern und deren Anhang alles dar- an setzte, eine gute Figur zu machen. Ab- gesehen von den Messerstechereien ge- gen sechs Fans in der Nähe des Stadions passierte auch nichts. Was nicht zuletzt an dem gewaltigen Polizeiaufgebot lag, mit demNeapel seine Gäste empfing, das San Paolo war wagenburgartig von den Carabinineri umstellt. Es sollte eben um Himmels willen nichts passieren in der schon ziemlich maroden Arena, die noch nicht einmal eine Anzeigetafel hat, dafür aber das leidenschaftlichste und buntes- te Publikum des Kontinents. Auf den Rängen rauchte, nebelte und waberte es wie auf demFest der Madonna del Carmi- ne, schließlich ist Neapel unter anderem auch die Hauptstadt der Pyromanen, nicht umsonst lebt man im Schatten des großen, alten Feuerwerkers Vesuvio. Seit Stundenwar es imzumBerstenge- füllten San Paolo nicht so still gewesen wie nach dem Blitztreffer von Kroos. Es war, als fegte an diesemmilden Oktober- abend plötzlich ein eiskalter Wind durch die riesige Betonschüssel, der die Herzen unddie himmelblauenFahneninder Cur- va B gefrieren ließ. Verzagt verharrten die Neapolitaner, zurückgeworfen auf denhartenBodender Realität: Diese Bay- ern waren übermächtig und die eigene Mannschaft nicht mehr als einTruppblu- tiger Anfänger, die gegen Manchester Ci- ty und Villareal mehr Glück als Verstand gehabt hatten. Nun schien sich das Los schon wieder zu wenden. Auch die Spie- ler erstarrten für einen Moment in Hilfs- losigkeit: Mamma mia, was machen wir hier? Neapel bereitete sichauf eine desas- tröse Niederlage vor. Erstes Heimspiel-Gegentor Stattdessen wurde den Fans im Stadi- on und in der wie leergeräumten Stadt aber nur ein besonders zähes Fußball- spiel serviert, in dem Napoli sich schnell besann, um sich tapfer dem überlegenen Gegner entgegen zu stemmen, und „das Beste aus seinen Möglichkeiten machte“, wie es später Trainer Walter Mazzarri analysierte. Dabei entstand zwar kein einziger Schuss aufs Tor, aber es entwi- ckelten sich dank des wieseligen Eze- quiel Lavezzi und des hartnäckigen Christian Maggio doch wenigstens ein paar brenzlige Situationen und in einer von denen drängte Maggio den Bayern Badstuber zum Eigentor. Da explodierte San Paolo im frenetischen Jubel der Er- leichterung, der noch etwas lauter wur- de, als Morgan De Sanctis nach der Pau- se den Elfmeter von Mario Gomez parier- te. Kroos hatte ihmzuvor das erste Heim- spiel-Gegentor in einem Jahr verpasst – auchinder Europa League der Vorsaison hatte der große Abruzzese im San Paolo keinenTreffer kassiert. „Ich wusste, dass Gomez seinen letzten Elfmeter nach rechts geschossen hatte und so habe ich mich lieber nach links geworfen“, sagte De Sanctis. Soweit das Gesetz der Logik, zum Glück war der Ball dann aber auch nochmau. De Sanctis baute sein Adrena- lin gleich beim Schiedsrichter ab: Der Strafstoß sei überhaupt vollkommen überflüssig gewesen, und rettete sein Teamnocheinpaar Mal vor der Niederla- ge. „Ich wusste ja, dass die Bayern stark sind. Aber sie so aus der Nähe zu sehen, verschlimmert die Sache erheblich.“ De Sanctis hat andererseits auch schon eine Menge hinter sich. Juventus Turin, FCSe- villa, Galatasaray Istanbul. Das erleich- tert die Sache erheblich. Cannavaro gesperrt De Sanctis füllte also auch diesmal sei- ne Rolle als Blauer Engel abendfüllend aus, während neben ihm der filigrane Torjäger Edinson Cavani zur Krippenfi- gur verblasste. Dort, wo er hingehörte, sahmanihnnie, allerhöchstens gabCava- ni in der Abwehr die schöne Statue, was Trainer Mazzarri zu dem etwas zweifel- haften Lob hinriss: „Er hat uns auch ge- holfen.“ Tatsächlich ließen Cavani und der sonst so kreative Slowake Marek Hamsik das vermissen, was der SSC so dringend braucht, wenn er ins Achtelfi- nale will: Substanz und Beständigkeit. Wir sind zu neu, wir sind zu grün, wie- gelt Mazzarri stoisch ab, als sei seine Mannschaft ganz zufällig hineingeraten ins Konzert der Großen, dabei kann Na- poli wirklich mehr als nur laut auf dem Kamm zu blasen. Am Dienstagabend war davon aber nicht viel zu spüren. „Mit Herzblut, Leidenschaft und Enthu- siasmus“ hätten die Gegner standgehal- ten, komplimentierte artig Jupp Heyn- ckes, die üblichen Klischee-Eigenschaf- ten also. Es war aber wohl vor allem der Stolz, der Napoli zusammenhielt. Jetzt bloß nicht blöd aussehen, ausgerechnet vor den Deutschen, „vor der stärksten Mannschaft Europas“, wie Mazzarri be- schwörte. Übrigens hätte man nach dem Handspiel von Schweinsteiger gegen Hamsik durchaus einen Elfmeter bean- spruchen können. Aber geschenkt. Nicht beschwingt aber sehr zufrieden ging Napoli nach Hause – mit den Wer- mutstropfen, dass Kapitän Paolo Canna- varo im Rückspiel gesperrt ist und Man- chester City kurz vor Schluss noch der Sieg gelang. Aber was soll’s: geschafft. Weit nach Mitternacht, als die Bayern dem nächsten Sieg entgegenschlummer- ten, wurde Neapel gründlich aufge- räumt: Die Müllabfuhr kaminjedenWin- kel. Diese Stadt ist so viel mehr als die Summe aller Vorurteile. Birgit Schönau Donnerstag, 20. Oktober 2011 HF2 Süddeutsche Zeitung Nr. 242 / Seite 45 Agüero beruhigt Manchester City Spät kommt er, spät trifft er 3. Spieltag, Gruppe A SSC Neapel – FC Bayern München 1:1 (1:1) Neapel: De Sanctis – Campagnaro, Cannavaro, Aronica – Mag- gio, Gargano, Inler (90. Santana), Zuniga – Hamsik (90.+2 Mas- cara), Lavezzi – Cavani (81. Dzemaili). – Trainer: Mazzarri. München: Neuer – Boateng, van Buyten, Badstuber, Lahm – Ti- moschtschuk, Schweinsteiger – T. Müller, T. Kroos, Ribéry (90. Alaba) – Gomez (90. Luis Gustavo). – Trainer: Heynckes. Tore: 0:1 Kroos (2.), 1:1 Badstuber (39., Eigentor). – Besonde- res Vorkommnis: De Sanctis hält Handelfmeter von Gomez (49.). – Schiedsrichter: Benquerença (Portugal). – Gelbe Karten: Can- navaro (3 – im nächsten Spiel gesperrt), Maggio (2), Zuniga, La- vezzi – Badstuber, Ribéry, Müller, Schweinsteiger (2), Kroos. – Zuschauer: 60 074 (ausverkauft). Manchester City – FC Villarreal 2:1 (1:1) 0:1 Cani (4.), 1:1 Marchena (43., Eigentor), 2:1 Agüero (90.+3). – Zuschauer: 43 326. 1. Bayern München 3 2 1 0 5:1 7 2. SSC Neapel 3 1 2 0 4:2 5 3. Manchester City 3 1 1 1 3:4 4 4. FC Villarreal 3 0 0 3 1:6 0 2.11.: Bayern München – Neapel, Villarreal – Manchester City. Gruppe B ZSKA Moskau – Trabzonspor 3:0 (1:0) 1:0 Doumbia (29.), 2:0 Cauna (76.), 3:0 Doumbia (86.). – Zu- schauer: 18 800. OSC Lille – Inter Mailand 0:1 (0:1) 0:1 Pazzini (22.). – Zuschauer: 16 996. 1. Inter Mailand 3 2 0 1 4:3 6 2. ZSKA Moskau 3 1 1 1 7:5 4 3. Trabzonspor 3 1 1 1 2:4 4 4. OSC Lille 3 0 2 1 3:4 2 2.11.: Trabzonspor – Moskau, Mailand – Lille. Gruppe C FC Otelul Galati – Manchester United 0:2 (0:0) 0:1, 0:2 Rooney (64./Handelfmeter, 90.+2/Foulelfmeter). – Ro- te Karte: Vidic (Manchester), grobes Foulspiel (66.). – Gelb-rote Karte: Perendija (Galati), wiederholtes Foulspiel (89.). – Zuschau- er: 28 047. FC Basel – Benfica Lissabon 0:2 (0:1) 0:1 César (20.), 0:2 Cardozo (75.). – Gelb-rote Karte: Emerson (Benfica), wiederholtes Foulspiel (86.). – Zuschauer: 35 831. 1. Benfica Lissabon 3 2 1 0 4:1 7 2. Manchester United 3 1 2 0 6:4 5 3. FC Basel 3 1 1 1 5:6 4 4. FC Otelul Galati 3 0 0 3 1:5 0 2.11.: Manchester – Galati, Lissabon – Basel. Gruppe D Real Madrid – Olympique Lyon 4:0 (1:0) 1:0 Benzema (20.), 2:0 Khedira (47.), 3:0 Lloris (55./Eigentor), 4:0 Sergio Ramos (81.). – Zuschauer: 70 000. Dinamo Zagreb – Ajax Amsterdam 0:2 (0:0) 0:1 Boerrigter (49.), 0:2 Eriksen (90.). – Zuschauer: 25 714. 1. Real Madrid 3 3 0 0 8:0 9 2. Ajax Amsterdam 3 1 1 1 2:3 4 3. Olympique Lyon 3 1 1 1 2:4 4 4. Dinamo Zagreb 3 0 0 3 0:5 0 2.11.: Lyon – Madrid, Amsterdam – Zagreb. Gruppe E Bayer Leverkusen – FC Valencia FC Chelsea – KRC Genk 1. FC Chelsea 2 1 1 0 3:1 4 2. Bayer Leverkusen 2 1 0 1 2:2 3 3. FC Valencia 2 0 2 0 1:1 2 4. KRC Genk 2 0 1 1 0:2 1 1.11.: Valencia – Leverkusen, Genk – Chelsea. Gruppe F Olympique Marseille – FC Arsenal Oly. Piräus – Borussia Dortmund 1. Olympique Marseille 2 2 0 0 4:0 6 2. FC Arsenal 2 1 1 0 3:2 4 3. Borussia Dortmund 2 0 1 1 1:4 1 4. Olympiakos Piräus 2 0 0 2 1:3 0 1.11.: Dortmund – Piräus, Arsenal – Marseille. Gruppe G Schachtjor Donezk – Zenit St. Petersburg FC Porto – Apoel Nikosia 1. Apoel Nikosia 2 1 1 0 3:2 4 2. Zenit St. Petersburg 2 1 0 1 4:3 3 3. FC Porto 2 1 0 1 3:4 3 4. Schachtjor Donezk 2 0 1 1 2:3 1 1.11.: St. Petersburg – Donezk, Nikosia – Porto. Gruppe H AC Mailand – Bate Borissow FC Barcelona – Viktoria Pilsen 1. FC Barcelona 2 1 1 0 7:2 4 2. AC Mailand 2 1 1 0 4:2 4 3. Viktoria Pilsen 2 0 1 1 1:3 1 4. Bate Borissow 2 0 1 1 1:6 1 1.11.: Borissow – Mailand, Pilsen – Barcelona. Kleine Wunder Beim 1:1 in Neapel schafft es der FC Bayern, sich auch das zweite Saison-Gegentor selbst ins Netz zu legen Messerattacken auf Bayern-Fans Vier Verletzte Die Feuerwerker atmen auf Mit Glück und Torwart Morgan De Sanctis wendet der begeisterungsfähige SSC Neapel eine Niederlage ab, die schon unvermeidlich erschien SPORT Champions League Vom (Licht-)Blitz getroffen: Mario Gomez verschießt einen Elfmeter auf bemerkenswert klägliche Art und Weise. Foto: Andreas Gebert/dpa Mario Gomez wollte den Elfmeter in die Mitte schießen – plötzlich landete der Ball rechts unten. Die Münchner müssen ihrer Ballbesitz-Strategie noch einiges an Zielstrebigkeit hinzufügen. Am Sonntag gibt es das nächste hitzige Duell – gegen Manchester United. „Gomez hat den letzten Elfmeter nach rechts geschossen, also habe ich mich nach links geworfen“, sagte Torwart De Sanctis. Logisch, oder? Reuters Fußball-Zweitligist FC St. Pauli muss vorerst auf Marius Ebbers und Rouwen Hennings verzichten. Bei Torjäger Ebbers wurde ein Muskelfaserriss festge- stellt. Die gleiche Verletzung hat Mittelfeldspieler Hen- nings im Adduktorenbereich. Torsten Frings, ehemaliger Fußball-Nationalspie- ler, hat mit dem FC Toronto in der Champions League der nord- und mittelamerikanischen Konföderation CONCACAF das Viertelfinale erreicht durch ein 3:0 beim FC Dallas 3:0. In der Profiliga MLS hat Toronto keine Chance mehr, die Playoffs zu erreichen. Claudio Gentile, Fußball-Weltmeister von 1982 mit Italien, wird die Nationalmannschaft Libyens betreu- en. Der 58-Jährige ist in Tripolis geboren. Als Coach hatte der ehemalige Außenverteidiger von 2000 bis 2006 die U21-Auswahl Italiens betreut. Der Schwimmer Paul Biedermann hat das erste Duell mit dem Amerikaner Michael Phelps seit der WM in Shanghai für sich entschieden. Bei seinem Sieg über 200 Meter Freistil beim Kurzbahn-Weltcup in Moskau verbesserte der Doppel-Weltrekordler aus Halle zudem seine erst drei Tage alte Jahres-Weltbestzeit um 29 Hundertstelsekunden auf 1:43,15 Minuten. Yu-Na Kim, Eiskunstlauf-Olympiasiegerin aus Süd- korea, lässt die gesamte Wettkampf-Saison 2011/12 aus. Die Athletin, die in den USA lebt, hatte bereits in der nacholympischen Saison alle Grand-Prix-Wettbe- werbe ausgelassen und nur an der WM teilgenommen. Dort wurde sie Zweiter hinter der Japanerin Miki Ando. Den Bob- und Skeletonweltcup in Cesana/Italien ist vom Weltverband FIBT abgesagt worden. Trotz zahl- reicher Anfragen hatte es von den Organisatoren keine offizielle Zusage gegeben für die vom 5. bis 11. Dezem- ber geplante Veranstaltung. Auch der Europacup (16. bis 22. Januar) und die Junioren-WM(23. bis 29. Janu- ar) müssen verschoben werden, die ebenfalls auf der Olympiabahn von 2006 ausgetragen werden sollten. Eishockey Nordamerikanische Profiliga NHL Boston – Carolina 1:4, Washington – Florida 3:0, Columbus – Dallas 2:3, Montreal – Buffalo 1:3, Ottawa – Philadelphia 2:7, Minnesota – Pittsburgh 2:4, Calgary – Edmonton 2:1, Van- couver – New York Rangers 0:4, Phoenix – Chi- cago 2:5, Los Angeles – St. Louis 5:0. Tabellen, Eastern Conference, Atlantic Divisi- on: 1. Pittsburgh 8 Spiele/23:20 Tore/10 Punk- te, 2. Philadelphia 5/19:10/9, 3. New York Is- landers 4/11:6/6, 4. New Jersey 4/9:8/6, 5. New York Rangers 4/9:9/4. – Northeast Divisi- on: 1. Buffalo 5/17:10/8, 2. Toronto 4/13:10/7, 3. Boston 6/11:13/4, 4. Montreal 5/12:16/3, 5. Ottawa 6/16:30/2. – Southeast Division: 1. Wa- shington 5/18:11/10, 2. Carolina 6/17:19/7, 3. Florida 5/14:13/6, 4. Tampa 6/18:26/4, 5. Win- nipeg 4/7:14/2. Western Conference, Central Division: 1. De- troit 4/13:5/8, 2. Chicago 5/17:12/7, 3. Nashvil- le 5/12:15/5, 4. St. Louis 6/15:20/4, 5. Colum- bus 6/12:20/1. – Northwest Division: 1. Colora- do 6/20:13/10, 2. Minnesota 6/14:16/6, 3. Ed- monton 5/10:10/5, 4. Vancouver 6/14:20/5, 5. Calgary 5/13:15/2. – Pacific Division: 1. Dallas 6/16:13/10, 2. Anaheim 5/11:9/8, 3. Los Ange- les 5/14:10/7, 4. Phoenix 5/15:16/5, 5. San Jo- se 4/10:11/2. Fußball Europa League, 3. Spieltag Gruppe B Hannover 96 – FC Kopenhagen Kabel 1/Do., 21.05 Standard Lüttich – Worskla Poltawa Do., 21.05 1. Standard Lüttich 2 1 1 0 3:0 4 2. Hannover 96 2 1 1 0 2:1 4 3. FC Kopenhagen 2 1 0 1 1:3 3 4. Worskla Poltawa 2 0 0 2 1:3 0 Gruppe J AEK Larnaka – Schalke 04 Kabel 1/Do., 19.00 Maccabi Haifa – Steaua Bukarest Do., 19.00 1. Schalke 04 2 1 1 0 3:1 4 2. Maccabi Haifa 2 1 0 1 2:3 3 3. Steaua Bukarest 2 0 2 0 1:1 2 4. AEK Larnaka 2 0 1 1 1:2 0 Handball Männer, Bundesliga, 8. Spieltag H.-Burgdorf – Hamburg 34:37 (15:17) Olsen 9/4, Clößner 5, Hallgrimsson 5, Svavars- son 4 – Lindberg 8/3, Jansen 7, Lackovic 6, Vugrinec 6, Vori 4. – Zuschauer: 3594. 1 THW Kiel 8 262:171 16:0 2 HSV Hamburg 9 276:244 14:4 3 Füchse Berlin 7 199:182 12:2 4 MT Melsungen 7 213:188 11:3 5 Rhein-N. Löwen 8 233:217 11:5 6 SC Magdeburg 7 205:180 10:4 7 TBV Lemgo 7 210:195 10:4 8 Flensburg-Handew. 7 182:186 10:4 9 HSG Wetzlar 7 194:192 7:7 10 TuS N-Lübbecke 7 203:200 6:8 11 F.a. Göppingen 8 202:215 6:10 12 Balingen-Weilst. 7 177:194 5:9 13 TV Großwallstadt 7 181:198 4:10 14 Hannover-Burgdorf 8 239:259 4:12 15 E. Hildesheim 7 200:220 2:12 16 Bergischer HC 7 182:220 2:12 17 VfL Gummersbach 7 195:236 2:12 18 TV Hüttenberg 7 161:217 0:14 Tennis Männer, Moskau (725 000 Dollar/Hart) 1. Runde: Berrer (Stuttgart) – Stachowski (Ukraine) 6:2, 6:4. Achtelfinale: Berrer (Stuttgart) – Seppi (Itali- en/8) 4:6, 6:3, 6:2; Troicki (Serbien/2) – Riba (Spanien) 6:4, 6:4; Bogomolov (USA/5) – Ku- kuschkin (Kasachstan) 6:4, 3:6, 6:4. Männer, Stockholm (600 000 Euro/Hart) 1. Runde: Raonic (Kanada/6) – Baghdatis (Zy- pern) 7:6 (5), 6:7 (4), 6:4; Nalbandian (Argentini- en) – Malisse (Belgien) 4:6, 7:6 (6), 7:6 (3); To- mic (Australien) – Zopp (Estland) 7:6 (5), 4:6, 6:0. Achtelfinale: Anderson (Südafrika/5) – Haas (Bradenton/Florida) 6:7 (3), 6:4, 6:4; Raonic (Ka- nada/6) – Petzschner (Bayreuth) 6:3, 6:3. Frauen, Moskau (721 000 Dollar/Hart) 1. Runde: Kusnezowa (Russland/6) – Cornet (Frankreich) 6:3, 6:3, Zakopalova (Tschechien) – Sawtschuk (Ukraine) 6:3, 6:1, Perwak (Russ- land) – Woskobojewa (Kasachstan) 7:5, 6:4, Pi- ronkowa (Bulgarien) – Martic (Kroatien) 6:1 Auf- gabe M., Safarova (Tschechien) – Parra Santon- ja (Spanien) 6:7 (7), 6:4, 6:3; Cibulkova (Slowa- kei) – Hercog (Slowenien) 6:3, 7:6 (3). Achtelfinale: Swonarewa (Russland) – Jova- novski (Serbien) 6:1, 6:1; Kanepi (Estland) – Schiavone (Italien) 6:4, 5:7, 7:6 (7). Frauen, Luxemburg (220 000 Dollar/Hart) Frauen, 1. Runde: Görges (Bad Oldesloe/6) – Baltacha (Großbritannien) 7:5, 6:1, Schoofs (Niederlande) – Kerber (Kiel) 2:6, 6:2, 6:1; Hra- decka (Tschechien) – Hantuchova (Slowakei/8) 6:7 (3), 7:5, 6:1; Halep (Rumänien) – Date Krumm (Japan) 6:4, 7:5. Tischtennis Männer, Bundesliga, 5. Spieltag TTC Fulda-Maberzell – TTC Grenzau 2:3 TTF Ochsenhausen – 1.FC Saarbrücken 1:3 1 1.FC Saarbrücken 5 15:3 10:0 2 Borussia Düsseldorf 4 9:4 6:2 3 TTC Frickenhausen 4 10:7 6:2 4 TTC Fulda-Maberzell 5 13:8 6:4 5 SV Plüderhausen 4 8:8 4:4 6 TG Hanau 4 7:9 4:4 7 TTF Ochsenhausen 5 11:12 4:6 8 TTC Grenzau 5 7:13 4:6 9 Werder Bremen 4 4:12 0:8 9 TTC Herne 4 4:12 0:8 Volleyball Männer, Champions League, 1. Spieltag Gruppe B: VCE Asse-Lennik/Belgien – Remat Zalau/Rumänien 3:2 (23:25, 25:18, 23:25, 25:20, 15:13). Frauen, Bundesliga, 2. Spieltag Bayer Leverkusen – RR Vilsbiburg 0:3 (14:25, 22:25, 15:25). 1 Rote Raben Vilsbiburg 2 6:2 4:0 2 Allianz Volley Stuttgart 1 3:0 2:0 2 1.VC Wiesbaden 1 3:0 2:0 2 Schweriner SC 1 3:0 2:0 5 SC Potsdam 1 3:1 2:0 6 VfB Suhl 1 3:2 2:0 6 USC Münster 1 3:2 2:0 8 VT Aurubis Hamburg 1 2:3 0:2 8 Alemannia Aachen 1 2:3 0:2 8 Köpenicker SC Berlin 1 2:3 0:2 11 SV Sinsheim 1 1:3 0:2 12 VCO Berlin 1 0:3 0:2 12 Dresdner SC 1 0:3 0:2 14 Bayer 04 Leverkusen 2 0:6 0:4 Sport im Fernsehen Donnerstag, 20. Oktober 11 – 14.45 und 18.30 – 20.15 Uhr, Euro- sport: Tennis, Frauen-Turnier in Moskau, Achtel- finale. 18.50 – 23.30 Uhr, Kabel 1: Fußball, Europa League, AEK Larnaca – FC Schalke 04; anschl. Hannover 96 – FC Kopenhagen. 21 – 23 Uhr, Sport 1: Basketball, Männer, Euroleague,, 1. Spieltag, Brose Baskets Bam- berg – KK Zagreb. Kurz gemeldet Aktuelles in Zahlen Seoul (sid) – Der frühere Trainer des süd- koreanischenFußball-ErstligistenSang- ju Sangmu Phoenix, Lee Soo-Cheol, ist am Mittwoch tot aufgefunden worden. Wie die Polizei mitteilte, soll sich der 45-Jährige in Folge des diesjährigen Wettskandals in seiner Wohnung südlich von Seoul das Leben genommen haben. Lee hatte das K-League-Team Sangju Sangmu Phoenix von Oktober 2010 bis zum Juli dieses Jahres trainiert, als die Staatsanwaltschaft 57 Personen auf- grundvonManipulationin15Spielenan- klagte. Er wurde im September zu zwei Jahren Haft mit anschließender Bewäh- rung verurteilt, weil er die Eltern eines Spielers, der scheinbar in Spielabspra- chen verwickelt war, erpresst haben soll. S ami Khedira lächelte eine blutende Platzwunde an der Stirn einfach weg. Sein erstes Pflichtspiel-Tor für Real Madrid nachmehr als einemJahr beimspanischen Fußball-Rekordmeis- ter überstrahlte alle Schmerzen. Auch Mesut Özil genoss am Dienstagabendnachseiner Auswechslung die Ovationendes Ma- drider Publikums. 70 000 Zuschauer imBernabéu-Stadion feier- ten die deutschen Nationalspieler, die bei Reals berauschendem 4:0 über Olympique Lyon an den ersten drei Toren direkt betei- ligt waren. NachseinemTreffer zum2:0 (47. Minute) sprachKhe- dira (links im Bild) sogar vom ganz großen Champions-League- Coup: „Das Ziel ist es, den Titel endlich mal wieder nach Madrid zuholen.“ Solch selbstbewusste Aussagen hört Reals CoachJosé Mourinho gern. Seine Mannschaft zauberte bei ihrem dritten Sieg im dritten Gruppenspiel wie in besten Tagen, die beiden Deutschen rissen den Trainer aus Portugal sogar zu einemunge- wohnt überschwänglichen Lob hin: „Khedira war sehr stark. Er war schon beim Länderspiel der Deutschen gut, und jetzt hat mir seine Leistung auch wieder sehr, sehr gut gefallen“, sagte Mourinho. Für Özil hatte er gar eine Liebeserklärung parat: „Özil macht jedesmal, wenn er den Ball berührt, tolle Dinge. Die Menschenliebenihn, ichliebe ihn, undimVerein sindwir super- zufrieden mit seiner Qualität.“ Trotzdem fordert er von seinem Spielmacher, „dass er sich auf ein anderes Level pushen muss, da er letztes Jahr besser gespielt hat als in dieser Saison“. Özil sei noch sehr jung und müsse versuchen „sich jeden Tag zu ver- bessern, weil er noch sehr viel Steigerungspotenzial hat“. Das 1:0 durch Karim Benzema (18. Minute) bereitete Özil per Ecke vor, nach dem 2:0 durch Khedira (47.) konnte Lyons Kee- per Hugo Lloris den harten Schuss von Özil nur noch zum3:0 ins eigene Tor lenken (55.). Für die Schlusspointe war Verteidiger Sergio Ramos (81.) verantwortlich. „Wer sagt es denn! Khedira kann auch Tore schießen“, schrieb das Sportblatt Marca über den ehemaligen Stuttgarter: „Er ließ sich allerdings lange bit- ten.“ Khedira hatte bisher nur ineinemTestspiel in China für Re- al getroffen. Die Mannschaft hat in den drei Gruppenspielen nochkein Gegentor kassiert, die Offensivmaschine rollt, die spa- nische Zeitung El Mundo rechnete bereits hoch: „Es fehlen Real noch zehn Spiele zum zehnten Europacup – zehn Jahre nach dem letzten Champions-League-Sieg.“ dpa/Foto: Jasper Juinen/Getty Zürich – Britische Medien haben kurz vor der Krisensitzung des Weltfußball- Verbandes zum Thema hausinterne Transparenz enthüllt, dass Fifa-Chef Jo- seph Blatter eine bahnbrechende Um- kehr plant. Wie zuerst die BBC berichte- te, wolle Blatter jene Schweizer Gerichts- papiere freigeben, die belegen, dass hohe Fifa-Funktionäre Schmiergelder kas- siert haben. Im Juni 2010 hatte die Fifa mit den Strafermittlern im Kanton Zug ausgehandelt, dass korrupte Fifa-Leute insgesamt 5,5 MillionenFranken zurück- zahlen; die Funktionäre waren von der früheren Marketingagentur ISL für den Rechte-Zuschlag bestochen worden. Mit dem Deal wurde der Fall still beendet, die Namen der Sünder blieben geheim. Nun will Blatters Fifa Transparenz pflegen und zum Abschluss ihrer zwei- tägigen Vorstandssitzung am Freitag auch ein neues Compliance-System prä- sentieren: Statt der vielkritisierten, von Blatter initiierten Ethikkommission soll ein unabhängigeres Gremium her. Die Fifa baut dabei auf die Mithilfe von Transparency International (TI). Die Anti-Korruptions-Organisation wieder- um will, wie Mitglieder versichern, ge- naudarauf achten, dass amEnde nicht ei- ne weitere Schimäre der Fifa steht, dies- mal mit dem Gütesiegel TI versehen. Tatsächlich ist die Kehrtwende eher strategischer Natur. Seit einemJahr lau- feninder Schweiz juristische Bestrebun- gen, die Einstellungsverfügung von 2010 publik zu machen; die Klageführer beru- fen sich auf einen Präzedenzfall für öf- fentliche Personen, den das Bundes- gericht gefällt hat. Dagegen hat sich die Fifa bisher mit aller Kraft gestemmt. Zu- letzt imMai 2011, kurz vor demKongress mit der Wiederwahl Blatters. In Insiderkreisen liegen Erklärungen für die Rochade auf der Hand. Zumeinen dürfte die Veröffentlichung der Doku- mente unvermeidlich sein – spätestens in letzter Instanz vor dem Bundesgericht. Zudembemüht sicheine Betrugs-Sonder- einheit in Brasilien um die Papiere: Sie geht dem Verdacht der Geldwäsche ge- gen den nationalen Fußballboss Ricardo Teixeira nach; es geht um Millio- nen, die er nach Aktenlage über ei- ne Strohfirma von der ISL kassierte. Dafür braucht sie das Dokument. Die Aufregung im WM-Land 2014 ist enorm. Die Fifa steht in der Causa ihres langjährigen Vor- ständlers Teixeira mit dem Rücken zur Wand – und sucht nun offenbar die Vorwärtsverteidigung: Über die brasilia- nischen Ermittlungen würden die Sün- der ja ohnehin publik. Überdies bemüht sich auch das Internationale Olympische Komitee um das Dokument. Es ermittelt selbst gegen drei Mitglieder, die auf der Lohnliste der ISL gestanden haben sol- len. Im Licht dieser Ereignisse wirkt die Kehrtwende eher als Befreiungsschlag. Vor der Vorstandssitzung bleiben Fra- gen offen. Blatter, so berichtet die BBC, werde die Exekutive umeinFreigabe-Ge- such an die Behörden bitten. Was aber, wenn die Exekutive – samt der darin ver- sammeltenSünder – ablehnt? Dannstün- de Blatter als verhinderter Aufklärer da, auch nicht schlecht. Unklar auch, war- um Blatter die Fifa-Exekutive über- haupt fragt: Dort hatte er bisher ja auch nie diskutiert, ob man die Freigabe der Dokumente verhindern wolle. Dies be- richten Vorstandsmitglieder. Und: Liegt die Verfahrenseinstellung der Fifa nicht längst vor? Sie war vondemFall ja direkt betroffen. Zürich stehen offenbar wieder trickreiche Tage bevor. Thomas Kistner Duisburg (sid) – Ivica Grlic erhält als zweiter Spieler nach Bernard Dietz ein Abschiedsspiel beimFußball-Zweitligis- ten MSV Duisburg. Bei der Partie in der MSV-Arena am 12. November (15.30 Uhr) spielen neben Dietz auch Olaf Thon, Ulf Kirsten und Bachirou Salou. Grlic, 36, bestritt für den MSV, den 1. FC Köln, Alemannia Aachen und Fortuna Köln43 Erstliga- (6 Tore) und300 Zweit- ligaspiele (44 Tore). Zehnmal lief er für Bosnien-Herzegowina auf. Frankfurt/Main (sid) – Nullrunde für die deutschen Nationalspieler: Die Titelprä- mie für die Auswahl des Deutschen Fuß- ball-Bundes (DFB) bei der EM2012 inPo- len und der Ukraine soll nach Angaben von Teammanager Oliver Bierhoff nicht erhöht werden und somit weiter bei rund 250 000 Euro liegen. Das ist die Summe, die vom Verband für einen Triumph bei der WM im vergangenen Jahr sowie bei der Europameisterschaft 2008 ausgelobt worden war. „Die Uefa-Gelder für das EM-Turnier sind nur 500 000 Euro höher als 2008. In- sofern sehe ich da nicht viel Spielraum“, sagte Bierhoff der Sport Bild. Bei den an- stehendenVerhandlungenfürchte er den- noch keinen Widerspruch des Mann- schaftsrats: „Ich denke, wie in der Ver- gangenheit wird es zu einer schnellen Ei- nigung kommen.“ Zudem bestätigte der DFB-Teammanager, dass die Verein- barung „erneut erfolgsabhängig abge- schlossen werden“ soll. Das bedeutet, dass die Spieler erst ab dem Einzug ins Viertelfinale eine Prämie erhalten wer- den. Der Mannschaftsrat wirdimNovem- ber mit DFB-Präsident Theo Zwanziger und DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach über die EM-Prämie verhan- deln. 2008 in der Schweiz und Österreich hatten die Nationalspieler jeweils 150 000 Euro für denzweitenPlatz erhal- ten, der dritte Platz bei der WMinSüdaf- rika brachte den Profis 100 000 Euro ein. Stuttgart (sid) – Dopingsünder Stefan Schumacher, 31, will sich von dem Be- trugsverfahren vor dem Oberlandesge- richt Stuttgart nicht aus der Ruhe brin- gen lassen. „Dem Ausgang des Verfah- rens sehe ich gelassen entgegen. ImÜbri- gen konzentriere ich mich voll und ganz auf meinen Sport“, teilte der Radprofi auf seiner Homepage mit. Schumacher könnte als erster überführter Dopingsün- der wegen Betrugs vor Gericht gestellt werden, weil das Oberlandesgericht Stuttgart eine andere Auffassung ver- tritt als das vorinstanzliche Landgericht. „Ich werde selbstverständlich Rede und Antwort stehen und dazu beitragen, die Dinge aufzuklären“, so Schumacher. Schumacher hatte vor der Tour de France 2008 erklärt, niemals mit Doping- mitteln in Berührung gekommen zu sein. In Analysen vonProben der Tour undder Olympischen Spiele 2008 wurden beim Radprofi Spuren des Blutdoping-Präpa- rats Cera gefunden. Sein Team Gerol- steiner kündigte ihmdaraufhin imOkto- ber 2008. Die Staatsanwaltschaft wirft Schumacher vor, Teamchef Hans-Micha- el Holczer durch den Doping-Konsum hintergangen zu haben. Es geht um 150 000 Euro, Schumachers Gehalt in den betreffenden Monaten. Das Landge- richt Stuttgart hatte es zunächst abge- lehnt, ein Hauptverfahren zu eröffnen, da kein Betrugsdelikt im strafrechtli- chen Sinne vorliege. Dagegen legte die Staatsanwaltschaft Beschwerde ein. Nach Prozess um Wettskandal Trainer tot aufgefunden München– AmMittwochhat Timo Hilde- brand bei seinem Spitzenklub wieder ei- ne Trainingseinheit absolviert. Es sind keine Klagen gekommen, Hildebrand hat gut trainiert, der Trainer war zufrie- den mit ihm. Das klingt nach einem an- ständigen Arbeitstag, wenn es da nur nicht diese drei Einschränkungen gäbe. Die erste Einschränkung: Der Spitzen- klubist einSpitzenklubinder zweitenLi- ga. Die zweite: Hildebrandwird trotz gu- ter TrainingsleistungamWochenende ga- rantiert nicht spielen. Die dritte: Der Trainer ist gar nicht sein Trainer. Hildebrand, 32, ist nur zuGast bei Ein- tracht Frankfurt, er hat keinen Vertrag dort undkeinAmt. Er kennt nur denTrai- ner von früher, er war Armin Vehs Meis- tertorwart, damals, beim VfB Stuttgart. Veh weiß, was für ein famoser Torwart dieser Hildebrand sein kann, aber er hat keine Planstelle mehr frei. Er hat ihm nur anbietenkönnen, einbisschenmitzu- üben, sich warm zu fliegen für den Fall der Fälle. Hildebrand ist vertragslos zur- zeit, er hat das Meister-Erbe komplett durchgebracht. Aber jetzt darf er hoffen, dass die Vergangenheit ihmeinen Weg in die Zukunft zeigt. Dass er auf seine älte- ren Tage doch noch mal profitieren kann von 2007, seinem vielleicht besten Jahr. Während Hildebrand in Frankfurt über den Trainingsplatz hechtete, kam aus Schalke eine Diagnose, die Torwart Ralf Fährmann (Innenbandabriss und Teileinriss des Kreuzbandes im linken Knie) zu einer mindestens dreimonati- gen Pause zwingt. Was das für Schalke bedeutet, muss nun Sportchef Horst Heldt entscheiden. Er war Manager der Stuttgarter Meister-Elf, er kennt und schätzt Hildebrand. Im Sommer konnte er ihm nichts anbieten, weil Ralf Rang- nick, der damalige Trainer, Hildebrand weniger schätzt. Nun aber, da Torwart- not herrscht auf Schalke, wird Heldt sich an den Helden von 2007 erinnern. Mit Interesse wird Hildebrand verfol- gen, wer am Donnerstag beim Europa- League-Spiel bei AEKLarnaca imSchal- ker Tor steht. Die Wetten lauten auf Lars Unnerstall, 21, aber Leute, die HuubSte- vens kennen, schließen nicht aus, dass aucher sichvonder Erinnerung anbesse- re Tage leiten lässt. Als Schalkes Euro- fighter unter seiner Anleitung 1997 den Uefa-Cup eroberten, stand wie heute der Torwart Mathias Schober imKader – Kri- tiker halten den 35-Jährigen nur noch für bedingt wettkampftauglich, aber Ste- vens gilt als Liebhaber reifer Torhüter. Am Donnerstag gegen Larnaca und am Sonntag gegen Leverkusen wollen sich die Schalker noch aus ihrem eige- nem Torwartvorrat bedienen, aber dann dürfte Hildebrand ein Thema werden. Beide Seiten brauchen einander: Schal- kes Vertrauen in den jungen Unnerstall gilt als überschaubar, und Hildebrand weiß, dass er einen vergleichbaren Job so schnell nicht findet. Wegen so eines Jobs hat er zuletzt ja andere Angebote ausge- schlagen, er hat gewartet, weil er wusste: Es hat vielleicht nicht zum besten Tor- wart der Welt gereicht, aber der beste ar- beitslose Torwart der Welt ist er allemal. Hildebrand wäre bereit, einen Vertrag bis Saisonende zu unterzeichnen, er hät- te genügendZeit, Schalke vonseiner wei- teren Verwendbarkeit zu überzeugen. Er weiß, dass die Schalker für kommenden Sommer – trotz Fährmann – auf der Su- che nach einemTorwart sind. EinenKon- kurrenten müssen Fährmann und Hilde- brand dabei wohl nicht fürchten: Der zu- letzt offensiv ins Schalker Tor hineinspe- kulierte René Adler spielt nachSZ-Infor- mationen keine Rolle. Christof Kneer Des einen Leid, des anderen Chance? Weil sich Ralf Fährmann (rechtes Bild) ver- letzte, könnte Timo Hildebrand eine Chance auf Schalke erhalten. Fotos: dpa, AP Liebesgrüße aus Madrid Krisensitzung des Fifa-Vorstands Plötzliche Transparenz Abschiedsspiel in Duisburg für Grlic Der Zweite nach Dietz Nullrunde für die Nationalspieler EM-Prämie bleibt gleich Betrugsverfahren gegen Schumacher Gelassener Radprofi Der beste Arbeitslose der Welt Nach Ralf Fährmanns Verletzung sucht Schalke 04 einen neuen Torwart – alles läuft auf Timo Hildebrand hinaus Seite 46 / Süddeutsche Zeitung Nr. 242 HF2 Donnerstag, 20. Oktober 2011 SPORT Ricardo Teixeira Foto: Reuters Blatter geht in die Offensive: Die Veröffentlichung des Papiers ist wohl sowieso unvermeidlich. SZ: Frau Hölzl, verzeihen Sie die un- vermeidliche Frage, die Ihnen zurzeit be- stimmt öfter gestellt wird . . . Hölzl: . . . wie es mir geht? SZ: Ja, genau. Hölzl: Im Moment geht’s mir ganz gut. Bis vor kurzem war ich zwar noch außer Gefecht, Magen-Darm-Virus, aber jetzt geht’s wieder. Ichbinseit zehnTagenwie- der im Konditionstraining. SZ: Am Wochenende beginnt in Söl- den die neue Weltcup-Saison. Wie ver- bringen Sie dieses Wochenende? Hölzl: Ich bin in Garmisch, bei der Su- se (Susanne Riesch, d. Red.), Gina Stech- ert kommt auch, die beiden sind ja zur- zeit verletzt, wir machenquasi einInvali- dentreffen. Ich hab’ mir überlegt, ob ich nach Sölden fahren soll, aber wenn ich da stehe und zuschaue, wie die anderen runterfahren: Das würde mir zu weh tun. SZ: Sie haben einen langen Leidens- weg hinter sich, wurdengeplagt von mys- teriösen Muskelschmerzen. Es begann mit einer Herzmuskelentzündung 2007. Hölzl: Das vermutet man. Damals sind die Muskelbeschwerden erstmals aufge- treten, das hat sich dann gesteigert, bis vergangenes Jahr der Super-GAU kam. Da hab’ ich eine Woche trainiert, dann binichwieder eine Woche gelegen, undir- gendwann ging gar nichts mehr. Bei je- dem Krafttraining hatte ich Muskel- schmerzen, nachts bin ich aufgewacht und hab’ mich gefühlt, als hätte mir je- mandeinMesser inden Oberschenkel ge- rammt. Das waren Schmerzen, als würde der Muskel reißen. Dann bin ich aufge- standen und marschiert. SZ: Marschiert? Hölzl: Es gab eine Phase, da wurden die Schmerzen leichter, wenn ich ein paar Schritte gegangen bin, im Liegen war es ganz schlimm, da hab’ ich manch- mal geschrien vor Schmerzen. Dann bin ich halt nachts im Haus herumgelaufen. SZ: Kann man sagen: Die Schmerzen waren wie ein ständiger Muskelkrampf? Hölzl: Naja, es war nicht wie bei einem typischenMuskelkrampf, bei demsichal- les zusammenzieht und wieder löst. Der Muskel hat sich zwar zusammengezogen, aber er war weich wie ein Schwamm. Es hat sich angefühlt, als würden die Mus- keln nicht mehr versorgt. Aber kein Arzt hat gewusst, warum, allein von meinem Rücken wurden unzählige Kernspins ge- macht, man hat nie was gesehen. Alle ha- ben gesagt: Sie haben eine Muskulatur wie aus dem Lehrbuch! Aber ich hatte ja Schmerzen. Dannhabe ich das Krafttrai- ning im Sommer einfach weggelassen. SZ: Und das funktionierte? Hölzl: Ja, einigermaßen. Dannkamdie- ser Herbsttag, ichdachte: Super, hast kei- ne Schmerzen, fühlst dich fit, gehst auf’n Berg. Ich bin also rauf, allein, ohne Han- dy, alles wunderbar, dann drehe ich oben um, will hinuntergehen, und: aus. Ichhat- te extreme Muskelkrämpfe im Ober- schenkel, konnte nicht mehr auftreten. SZ: Und dann? Hölzl: Rückwärts ging es einiger- maßen, bergabwirddabei der Oberschen- kel nicht so belastet wie vorwärts. Also binichrückwärts runtergegangen. Zwei- einhalb Stunden. Ich konnte auch oft die Treppennicht vorwärts runtergehen, nur rückwärts, langsam, wenn ich mich am Geländer festgehalten hab’. SZ: Aber in der Saison sind Sie doch Ski gefahren. Hölzl: Komischerweise ging’s anfangs beimSkifahren. Bis das RennenamSem- mering kam, im Dezember. Da war ich krank, hatte eine Grippe, dann hatte ich Rückenschmerzen. Ich bin Dritte gewor- den, aber die Rückenschmerzen wurden danachimmer schlimmer undschlimmer. Wenn man auf der Couch liegt und sich nicht mal umdrehen kann ohne Schmer- zen: Da hab’ ich Panik gekriegt. SZ: Inwiefern? Hölzl: Da habe ich überhaupt nicht mehr an Leistungssport gedacht, son- dern: Wie soll icheinnormales Lebenfüh- ren? Dann habe ich begonnen, selbst zu forschen, imInternet – da wurde ichnoch wahnsinniger. Weil man liest, was es al- les gibt. Undes war Januar, es warennoch vier Wochen bis zur Heim-WM. SZ: Die WM in Garmisch-Partenkir- chen, bei der Sie im Riesenslalom als Ti- telverteidigerin antraten. Hölzl: Das große Ziel. Ichhabe alles ge- tan, alles über mich ergehen lassen. Im Prinzip habe ich gewusst, dass es nicht hinhauen wird, aber man will sich das ja nicht eingestehen. Und plötzlich ist die WM da. Kurz vorher war es im Training ganz gut, aber beim Hangbefahren war es so schlimm, dass ich mich nicht mehr bewegen konnte. Da war ich am Ende, mein Kopf war leer, kaputt. So viel, wie ich in der Zeit geweint habe, hab’ ich in den letzten zehn Jahren nicht geweint. SZ: Wie war der Tag des Rennens? Hölzl: Ich bin schon kaum aus dem Bett gekommen. Aber es waren doch so viele Leute da, die ganze Familie, also hab’ ich gesagt: Jetzt schau’ ich mal. Ich hab’ mich eingefahren, aber gemerkt: Ich konnte keinen Druck auf den Ski aus- üben. Dann haben wir uns zusammen- gesetzt, die Trainer und Ärzte haben ge- sagt: Du wirst Schmerzen haben, aber passieren kann nichts. Von wegen! Ich konnte mich nicht bewegen, wusste nicht, obmeine Oberschenkelmuskelnder Kraft- einwirkung überhaupt standhalten. Da hatte ich zum ersten Mal Angst, dass es beim Skifahren auch passieren könnte. Was ist denn, wenn meine Muskeln mit- ten im Schwung ausfallen? SZ: Schmerzmittel haben Sie keine ge- nommen? Hölzl: Nein. Ich hatte über Monate so viel Zeug genommen und gespritzt be- kommen, ich wollte das nicht mehr. Ich wollte spüren, was los ist beim Fahren, sonst kommt danach das böse Erwachen. Ich habe mich durchgekämpft, aber ich hatte ja solche Schmerzen, dass ich am Start kaum anschieben konnte. SZ: Sie waren nach demersten Durch- gang Zwanzigste, direkt danach haben Sie Ihr Saisonende verkündet. Hölzl: Die Trainer hätten mich auch gar nicht mehr fahrenlassen, es gingnicht mehr. AmAbend bin ich in Garmisch ge- blieben, weil die Schmerzen so groß wa- ren, dass ich nicht heimfahren konnte. Aber, ganz ehrlich: Ich war erleichtert, dass es vorbei war. SZ: Aber die Schmerzen wurden an- schließend nicht besser. Hölzl: Im Gegenteil. Die Tage danach hat mein Körper total rebelliert, mir hat alles weh getan, Rücken, Bauch, von den Beinen gar nicht zu reden, meine Arme konnte ich nicht bewegen. Vorher war ich mit dem Kopf so auf die WM fokus- siert, dass es irgendwie ging – aber als ich gewusst habe, das ist jetzt vorbei, ist al- les zusammengebrochen. Da haben alle gesagt: Jetzt fahrst in Urlaub. Ich konnte dochaber nicht inUrlaubfahren! Da hät- te ich nur wieder den ganzen Tag sin- niert, was mit mir los ist. Also bin ich von einem Arzt zum nächsten. Einer hat ge- sagt, ich müsste speziell denRückentrai- nieren, er hat mich sechs Wochen nach Würzburg geschickt, zur Reha. SZ: Das hat nichts gebracht? Hölzl: Nein. Dann hat er vorgeschla- gen, die Facettengelenke im Rücken zu vereisen, also die Wirbelgelenke, mit ei- ner Sonde, danach hätte man zwei Jahre Ruhe. Das war eine ziemlichschmerzhaf- te Operation, ich hab’ die ertragen, aber, klar: Hat nichts gebracht. Also bin ich weiter zum nächsten Arzt. SZ: Während der WMwar auch die Re- de von Rheuma. Hölzl: Es wurden zig Blutuntersuchun- gen gemacht, auf Multiple Sklerose hin, auch auf Rheuma. Da waren alle Werte negativ, bis auf einen Wert, HLA-B27. Nur: Wenn der positiv ist, muss das nicht heißen, dass man Rheuma hat. Aber man hatte ja sonst nichts gefunden. SZ: Bei wie vielen Ärzten waren Sie insgesamt? Hölzl: Puh, da habe ich den Überblick verloren . . . ich würde sagen: 30 oder 40, wenn man Physiotherapeuten und Heil- praktiker mitrechnet. Irgendwann ist das total aus dem Ruder gelaufen. Zum Schluss wusste keiner mehr, was wo un- ternommen wurde. Bis ich gesagt habe: Jetzt reicht’s. Ich habe alles gesammelt undineinenOrdner gepackt, und es wur- de eine Liste erstellt, was alles gemacht wurde. Einer der Ärzte vom Skiverband, der spezialisiert ist auf den Rücken, hat sich das dann angeschaut, er hat noch ei- nen letzten Versuch am Rücken gestar- tet: Er hat die Nervenaustrittsbahnen mit Cortison angespritzt. Aber das hat auch nichts geholfen, dann hat er gesagt, okay, lassen wir den Rücken in Ruhe. Es muss etwas anderes sein, eine systemi- sche Störung. Er hat mich zu der Ärztin in Ansbach verwiesen, und die hat her- ausgefunden, was los war. Endlich. SZ: Nämlich? Hölzl: Sie ist Fachärztin für Neurolo- gie und Allgemeinmedizin, ihr Ansatz ist, alles ganzheitlich zu sehen. Im Mai war ich erstmals bei ihr, sie hat Untersu- chungen gemacht, und da ist einiges her- ausgekommen, unter anderem, dass die Herzmuskelentzündung wohl die Ursa- che ist. Ich versuche mal, das so zu erklä- ren, wie sie es mir erklärt hat. SZ: Bitte. Hölzl: Das nennt sich Metabolische Mitochondriopathie, das ist eine Störung des Stoffwechsels, die sich über Jahre aufgebaut hat und von einer Beeinträch- tigung der Mitochondrien kommt. Die Mitochondrien sind die Kraftwerke der Zellen, und wenn davon immer mehr ka- putt gehen, dann ist irgendwann keine Energie mehr da. Alle meine Beschwer- den waren Muskelbeschwerden, und das Herz ist auch ein Muskel. Nach der Herz- muskelentzündunghabe ichnur zwei Wo- chen pausiert. SZ: Eigentlich, heißt es doch, sollte man bei einer Herzmuskelentzündung sechs Monate aussetzen. Hölzl: 2007 war meine erste gute Sai- son, ich bin ein ehrgeiziger Mensch, und ich wollte die Saison zu Ende fahren, da- mit ich eine gute Ausgangslage habe für das kommende Jahr. Dann bin ich Zwei- te in Lenzerheide geworden, mein erster Podiumsplatz, da hab’ ich mir gedacht: Jawoll, alles richtig gemacht. Jetzt, vier Jahre später, sehe ich das natürlich ein bisschenanders. ImGrunde habe ichmei- nen Körper selber kaputt gemacht. SZ: Wie hat die Ärztin Sie behandelt, nachdem sie wusste, was Sie haben? Hölzl: Mit Spritzen, ich musste meine Ernährung für sechs Wochenauf basische Lebensmittel umstellen, und vor allem: sechs Monate keinen Sport. Sechs Mona- te! Aber ich hab’ mir gedacht: Gut, was will ich: nocheinpaar Rennenfahrenoder insgesamt ein schönes Leben führen? Um Skifahren ging es da ja schon lange nicht mehr. Also habe ich mich daran gehalten. Nach vier Monaten hat sie gesagt: Sie sindtherapiert. Dannmusste ichnur noch die Zahnsache überstehen. SZ: Sie wurden am Kiefer operiert. Hölzl: Ich hatte Streptokokken, und keiner wusste, wo. Dannwurde einKern- spin gemacht, mal wieder, von Kopf bis Fuß, ohne Ergebnis. Die Ärztin in Ans- bach hat herausgefunden, dass womög- lich eine länger zurückliegende Weis- heitszahn-Operation das Problem sein könnte, sie hat michzueinemZahnmedi- ziner geschickt, der hat festgestellt, dass die Gebiete, in denen die Weisheitszähne waren, nicht verheilt waren. Deshalb wurde operiert, zweimal, im Juli und im August. Bei der zweiten OP hab’ ich da- nach Kieferknochenentzündung bekom- men. Wie es halt immer so ist bei mir. SZ: Sie haben auchmal nacheiner klei- nenBlase amZeh eine Blutvergiftung be- kommen. Hölzl: Ja, unglaublich! Immer hat sich gleich alles entzündet bei mir. Die Ärztin hat mich deshalb auf das Immunsystem hin untersucht. Und festgestellt, dass mir spezielle Antikörper fehlen, die für Bakterienzuständig sind, vereinfacht ge- sagt. Das ist eingenetischer Defekt: Mein Immunsystem kann diese Antikörper nicht bilden. Deshalb hab’ ich ja auch 2007 nach einer eitrigen Bronchitis diese Herzmuskelentzündung bekommen, und so schließt sich der Kreis. SZ: Was heißt das für Ihren Alltag? Hölzl: Ich muss immer, wenn ich krank bin, sofort hochdosierte Antibioti- ka nehmen. SZ: Seit wann sind sie nun wieder im regelmäßigen Training? Hölzl: Seit ungefähr acht Wochen. SZ: Das muss ein unglaubliches Ge- fühl sein. Hölzl: Es ist wunderschön. Ich merke zwar, dass ich Schmerzen habe, wenn ich zu viel trainiere, aber im Alltag bin ich schmerzfrei. Wie es beim Skifahren ist? Keine Ahnung. SZ: WannwollenSie wieder auf Ski zu- rückkehren? Hölzl: Weiß ich nicht. Ich weigere mich, Pläne zumachen. Ich will vollkom- menfit sein, wennichdas mache. Irgend- wann diesen Winter will ich ein bisschen frei fahren, dann wird man sehen. SZ: Haben Sie sich schon mit einem Karriereende befasst? Hölzl: Hm. Ich sage mir immer, ichwill wieder dahin kommen, wo ich war. Das ist meinZiel, undimGrunde binichja ge- sund. Ich muss bis jetzt auch nicht mehr zumArzt. Und ich habe viel gelernt: Frü- her hab’ ich immer weiter gemacht, hab’ trainiert und trainiert, da fasse ich mir im Nachhinein an den Kopf. SZ: Machen Sie sich Vorwürfe? Hölzl: Nicht mehr, das bringt ja nichts. Wenn ich die Zeit zurückdrehen würde: Wahrscheinlich würde ich alles wieder genauso machen. Die Zusammenhänge begreift man ja immer erst hinterher. Interview: Michael Neudecker Hamburg – Darf ein Pferd während eines Wettkampfs bluten, aus dem Maul etwa oder an denFlanken, dort, wo der Sporen des Reiters sitzt? DemLaienfällt die Ant- wort nicht schwer: natürlich nicht. Des- halb wird die Öffentlichkeit auch wenig Verständnis für eine Diskussion haben, die zurzeit in der internationalen Dres- surszene geführt wird. Seit bei der WM 2010 in Kentucky die niederländische Mitfavoritin Adelinde Cornelissen vom Chefrichter abgeklingelt wurde, weil aus demMaul ihres Pferdes Parzival blutiger Schaum tropfte, wird gestritten, ob ein blutendes Maul Grund genug ist, ein Pferd zu eliminieren. Parzival hatte sich vor dem Einreiten auf die Zunge gebis- sen und hörte wenig später auf zu bluten, aber für Cornelissen war die WMvorbei. IndenDressurregelnder Internationa- len Reiterlichen Vereinigung (FEI) steht nichts davon, dass sichtbares Blut auto- matisch zumAusschluss führt, sehr wohl aber, dass die Richter ein Pferd aus tier- ärztlichenGründendisqualifizieren kön- nen. „Und Bluten aus dem Maul ist ganz klar eine tierärztliche Angelegenheit“, sagt der FEI-Abteilungsleiter Dressur, Trond Asmyr. Es sei allgemein akzep- tiert, dass ein Pferd mit Blut im Maul ge- nauso wenig fit für den Wettkampf ist wie ein lahmes Pferd. Janssens Anstoß Aber wohl nicht mehr lange. Auf der FEI-Generalversammlung im November in Rio de Janeiro wird über einen neuen Passus im Dressurreglement abge- stimmt, der klarstellen soll, ob und wann ein Dressurpferd wegen blutender Wun- den eliminiert wird. Der Anstoß kamvon Cornelissens Trainer Sjef Janssen, dem Ehemannder dreimaligenOlympiasiege- rin Anky van Grunsven. Der Club Inter- nationaler Dressurtrainer, indessenVor- stand Janssen sitzt, schlug dem Dressur- komitee der FEI eine Regelung vor, nach welcher der Reiter bei einem blutenden Pferdemaul zwar abgeklingelt wird, aber nach tierärztlicher Inspektion wei- ter reiten darf – in der nächsten Pause oder als letzter Starter, sofern die Wunde als harmlos eingestuft wird. Doch nun protestierten gleich drei Gruppen des Dressursports: die Reiter, die Offiziellenunddie Turnierorganisato- ren. Ihr Vorschlag: Ein Pferd, an dessen Körper Blut sichtbar wird, soll sofort eli- miniert werden. Blutet das Pferd vor dem Start, aber die Blutung stoppt vor dem Einreiten und die Verletzung wird vom Tierarzt als harmlos eingeschätzt, darf der Reiter starten. Diese Version hat die FEI nun in ihrer Vorlage aufgegrif- fen, allerdings mit Ausnahmen: Bei Olym- pia, Championaten und Weltcupfinals soll auch bei blutendem Maul während der Prüfung nach einer tierärztlichen In- spektion der Ritt fortgesetzt werden dür- fen. Wenn ein Team platzen könnte, da- mit womöglich eine Medaille verloren geht – dann sieht man in der FEI offen- bar auch den Tierschutz etwas lockerer. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) will dem Vorschlag zustimmen. „Dennnur bei großenEvents wie Olympi- schen Spielen und Championaten sind Tierärzte am Dressurviereck, die das Pferd sofort untersuchen könnten“, sagt Generalsekretär Soenke Lauterbach und gibt auf Nachfrage zu: „Natürlich spielt auch der Teamgedanke eine Rolle.“ Gegenwind von Tierärzten Wohl weniger für die Pferde. Nicht nur weil diese Regel einige Top-Reiter von der strikten Tierschutzverpflichtung ausnimmt, ist die Vorsitzende des Inter- nationalenDressurreiterclubs, die sechs- malige OlympiateilnehmerinKyra Kyrk- lund, gegen jede Ausnahme: „Ein bluten- des Pferd ist wie ein lahmes Pferd, das kann auch nicht starten, selbst wenn es nach einer halben Stunde wieder schmerzfrei läuft.“ Sie verweist auf die praktischen Probleme, und wird dabei von Tierärzten wie Gerrit Matthesen, oft für die FEI im Einsatz, unterstützt: „Wie soll das gehen? Wenn ichdie Wunde rich- tig untersuchen will, muss ich das Zaum- zeug abnehmen, das Maul mit einer Ta- schenlampe genau ausleuchten. Das ist doch während einer Prüfung gar nicht möglich.“ Deshalb fordert Matthesen: „Bei Blut – raus.“ Kyrklund, selbst auch Trainerin, weiß, dass es selten ein Zufall ist, wenn ein Pferd aus dem Maul blutet. Die Ursache sei vielmehr imTraining zusuchen. Dres- sur soll einharmonisches Zusammenspiel von Mensch und Tier demonstrieren, so fein, dass keine Hilfe sichtbar wird. Wie passen da blutende Wunden ins Bild? „Ich glaube, dass ein Pferd, das ent- spannt und ruhig ist, nicht aus demMaul blutet“, sagt Kyrklund. Wie Pferde in freier Natur. Die bluten nämlich nie aus dem Maul. Gabriele Pochhammer Die in Berchtesgaden geborene und für den WSV Bischofswiesen starten- de Skirennläuferin gilt als begnade- tes Talent, in den vergangenen Jah- ren zählte sie stets zu den besten Rie- senslalomfahrerinnen der Welt. 2009 wurde sie Weltmeisterin in Val d’Isè- re und Saisonbeste im Riesensla- lom. ImWeltcup gelangen ihr bislang zwei Siege und sieben weitere Podi- umsplätze. Es soll bloß niemand sagen, das Unheil sei nicht abzusehen gewesen. Ein US-Journalist schrieb als Vor- schau auf das Saisonfinale der Indy- Car-Series am Sonntag auf dem Oval in Las Vegas: „Dieses Rennen will niemand verpassen. Es wird haarsträubend werden, furchterre- gend, schnell, gefährlich, risiko- reich, verrückt, total durchgedreht.“ Genauso ist es dann auch gekom- men: 34 Autos, die mit mehr als 300 km/h durch überhöhte Kurven jagen, an Betonmauern und Zäunen vorbei, nur Zentimeter voneinander getrennt, manchmal drei nebeneinan- der, manchmal auch vier. Nein, ein Wunder ist es wirklich nicht gewe- sen, was inder elftenRunde geschah: Ein kleines Problem führte zu einem Massencrash. Autos flogen, es regne- te brennende Trümmer. Die Szenerie erinnerte an Kriegsbilder. 15 Autos waren verwickelt. Die Wucht, mit der einige vonihnenaus der Bahnge- worfen wurden, war so groß, dass selbst der Asphalt zu Bruch ging. Es war kein Wunder, dass der Brite Dan Wheldon, 33, an diesem Nachmittag sein Leben ließ. Es ist ein Wunder, dass außer ihmkeiner lebensgefährli- che Verletzungen erlitt. Amkommenden Sonntag soll es in Indianapolis, der großenSymbolstät- te des US-Motorsports, eine Trauer- feier für Wheldon geben. Sein Tod hat die Motorsportler weltweit ge- schockt. Hektisch wird nun über- legt, was sich verbessern lässt, wie dem Sport sein tödlicher Schrecken ausgetrieben werden kann. Statt in offenen Cockpits zu sitzen, könnten die PilotenbaldSchutz unter Panzer- glashauben finden. Das ist sinnvoll, auch in Rennserien wie der Formel 1. Statt Mauern könnten bald weiche Prallwände in den Kurven stehen. Das wird an vielen Strecken schon praktiziert und ist in den Ovalen überfällig. Statt Fangzäune könnte es Plexiglaswände geben, was eben- falls wünschenswert wäre, aber teu- er ist. Es könnte weniger Oval-Ren- nen geben, was kein Verlust wäre. Stillstand ist Rückschritt: Die Logik, nach der der Sport funktio- niert, gilt auch in Sicherheitsfragen. Deshalb ist jede der Bemühungen sinnvoll und lobenswert. Eines ist aber auchklar: Selbst wennalle Initi- ativen umgesetzt werden und grei- fen, wird es immer noch ein zu viel und zu schnell geben, Rennen die über dem Limit liegen und die des- halb nie gestartet werden dürften. Lwiw/Moskau (dpa) – Die Stadt Lwiw (Lemberg) will Winter-Olympia 2022 in die Ukraine holen. Das von Präsident Viktor Janukowitsch vorgeschlagene Projekt „Olympia-Hoffnung 2022“ solle zur Entwicklung der nahe gelegenen Karpatenbeitragen. Das teilte das Natio- nale Olympische Komitee (NOK) mit. In dem Gebirge gebe es zahlreiche Winter- sportstätten. Die Infrastruktur sei aber nochkaumentwickelt. Die Ukraine rich- tet 2012 mit Polen die Fußball-EM aus. Lwiw ist als Spielort vorgesehen. „Wir haben einen Präzedenzfall, des- halb können wir darauf hoffen, die Be- werbung für die Winterspiele zu gewin- nen“, hieß es vom NOK. Die Bewerbung soll bis 2013 eingereicht werden. Das Internationale Olympische Komitee ent- scheidet 2015 über die Spiele 2022. Düsseldorf (dapd) – Der Unfalltod des Briten Dan Wheldon beim IndyCar-Sai- sonfinale in Las Vegas hat eine Sicher- heits-Debatte und Diskussionen über die Zukunft des US-Motorsports auf Oval- Kursen entfacht. Denn auf Strecken wie in Las Vegas, Indianapolis oder Fontana werden Geschwindigkeiten von mehr als 350 km/h erreicht. „Es gibt keinen ver- nünftigen Grund dafür, dass man mit einemTempo von mehr als 360 Stunden- kilometern Rad an Rad durch Ovale fährt“, sagte der frühere Formel-1-Fah- rer David Coulthard imDaily Telegraph. Daher habe er einst die Idee verworfen, nachdemFormel-1-Rücktritt indie Indy- Car-Serie zu wechseln: „Das Risiko war mir einfach zu groß.“ Der Schotte fährt nun für Mercedes in der Deutschen Tou- renwagen-Meisterschaft, dort werden Rennwagen bis zu 280 km/h schnell. Der frühere Formel-1-Weltmeister Jody Scheckter hatte unmittelbar nach Wheldons Tod einen eindringlichen Appell an seinen Sohn Tomas gerichtet. „Ich habe ihm gesagt, dass ich möchte, dass er aufhört“, sagte der Südafrikaner der BBC. Tomas Scheckter fährt schon seit Jahren in der IndyCar-Serie – und denkt nicht ans Aufhören. „Ichwerde nir- gendwo hingehen“, teilte der 31-Jährige via Twitter mit: „Ich höre nicht auf, und ich gehe nicht weg. Ich kämpfe für das, anwas ichglaube.“ Mit seinenFahrerkol- legen will Scheckter über Konsequenzen aus den Ereignissen von Las Vegas nach- denken. „Wir müssen die Zeit haben, um zu bremsen, um zu verlangsamen, um zu sehen, was los ist, ohne dass wir überein- ander rollen wie im Zirkus“, wird der Südafrikaner vom IndyStar zitiert. Bessere Fangzäune gefordert Paul Tracy, auf dessen Auto Wheldon bei dem Unfall aufgefahren war, sagte: „Meiner Meinung nach sollte man sich auf die Verbesserung der Fangzäune kon- zentrieren.“ Es gebe mittlerweile speziel- le Sicherheits-Barrieren, das Hans-Sys- tem zum Nackenschutz, neue Fahrer- sitze, auch die Autos würden immer sicherer. „Aber was seit 100 Jahren im- mer gleichist, sinddie Fangzäune.“ Mög- licherweise zieht Tracy aber auch selbst Konsequenzen: „Meine Frau kam ges- tern Abend zu mir und sagte: ,Du hast eine Menge Pokale, du hast genug Geld. Brauchen wir das alles noch?‘“ Tracy ist eine Ikone der IndyCar-Serie, seit 20 Jah- ren ist er dabei. Jetzt denkt er erstmals ernsthaft an Rücktritt. Tomas Scheckter warnt vor vorschnel- len Reaktionen. Was in Vegas passierte, sei unvermeidlich gewesen, betonte er: „Wir wussten alle, dass so etwas einmal kommen würde.“ ImGegensatz zu vielen Experten sieht Scheckter das Problem nicht in den Geschwindigkeiten jenseits der 360 Stundenkilometer. „Ich hätte nichts dagegen, wenn es noch schneller gehenwürde, solange genug Abstandzwi- schen den Fahrzeugen ist“, sagte er. „Ich war amEnde, kaputt“ Ski-Rennfahrerin Kathrin Hölzl über rätselhafte Schmerzen, ihren Gendefekt und ein mögliches Karriereende Kathrin Hölzl, 27 Über dem Limit Von René Hofmann Winter-Olympia 2022 Lemberg bewirbt sich Sicherheitsdebatte in IndyCar-Serie Keine Zeit zum Bremsen Reformvorschlag im Dressurreiten Blutende Wunden erlaubt Donnerstag, 20. Oktober 2011 HF2 Süddeutsche Zeitung Nr. 242 / Seite 47 SPORT Ihr bislang letztes Rennen: der erste Durchgang des Riesenslaloms der WM 2011. Direkt danach beendete Kathrin Hölzl ihre Saison. Foto: Baron/Getty „Ich habe nur noch gedacht: Wie soll ich ein normales Leben führen?“ „Im Alltag bin ich schmerzfrei. Wie es beim Skifahren ist? Keine Ahnung.“ ARD ZDF BR RTL Pro Sieben Sat 1 3sat Arte RTL 2 Vox Kabel 1 Phoenix BR-alpha Sky Cinema Tele 5 ORF 2 NDR WDR Super RTL Eurosport N24 Kinderkanal Sport 1 n-tv SWR HR MDR RBB Deutschlandradio Kultur WDR 5 Deutschlandfunk 5.20Hör mal, wer da hämmert! 5.40 Hör mal, wer da hämmert! 6.00 Das 1-2-3.tv Auktionshaus 9.05 Frauen- tausch 11.00 Berlin  – Tag & Nacht 12.00 X-Diaries 13.00 Der Trödel- trupp 14.00 Die Schnäppchenhäu- ser 15.00 Hinterm Sofa an der Front 15.30 Hinterm Sofa an der Front 16.00 King of Queens 16.30 King of Queens 17.00 King of Queens 17.30 King of Queens 18.00 X-Diaries 19.00 Berlin  – Tag & Nacht 20.00 RTL II News 20.15 Die Kochprofis – Einsatz am Herd 21.15 Frauentausch 23.15 exklusiv – die reportage 0.15 Law and Order: New York 1.05 Law 10.18 Kikaninchen 10.25 Woofy 10.30 Baby Looney Tunes 11.15 Simsalagrimm 11.40 Tabaluga 12.25 Checker Can  – Quick Check 12.30 Pearlie 12.55 Bernard 13.00 Rocket & Ich 13.10 Hier ist Ian 13.55 Fluch des Falken 14.10 Schloss Einstein – Erfurt 15.00 Die Mädchen-WG 15.25 Die Pfefferkörner 16.18logo! Die Welt und ich 16.25 Stoked 16.45 My Life Me  – Mein Leben und ich 17.10 Ta- baluga 17.55 Roary, der Rennwagen. Zwei Mamas geben Gas / Silbertal rockt 18.15 Sesamstraße präsentiert: Eine Möhre für Zwei 18.40Elefantas- tisch! 18.50Unser Sandmännchen 13.30 American Dragon 14.00 Phi- neas und Ferb 14.30Coop gegen Kat 15.00Cosmo und Wanda 15.15Zig & Sharko – Meerjungfrauen frisst man nicht! 15.45 A Kind of Magic – Eine magische Familie (4/26) 16.15 Fünf Freunde – Für alle Fälle 16.45 Ange- lo! 17.15 Coop gegen Kat 17.45 Cos- mo und Wanda 18.15 American Dra- gon 18.45 Phineas und Ferb 19.15 Die Zauberer vom Waverly Place 19.45 Hannah Montana 20.15 Upps! Die Pannenshow 22.15 Alles Atze 22.45 Alles Atze 23.15 Die Nanny 23.45 Golden Girls 0.25 Shop24Di- rect Schlagernacht 3.25Infomercials 10.30 Das Schweigen im Walde. Heimatfilm, D 1955 12.00 heute 12.15 Buffet. Live- Ratgeber und Zuschauerfragen zum Thema: Winterreifen / Vincent Klink bereitet heute zu: Wildschweinrü- cken mit Nusskruste und gebratenen Birnen 13.00 Mittagsmagazin 14.00 Tagesschau 14.10 Rote Rosen 15.00 Tagesschau 15.10 Sturm der Liebe 16.10 Panda, Gorilla & Co. 17.00 Ta- gesschau 17.15 Brisant 18.00 Verbo- tene Liebe 18.50Das Duell 19.15Das Duell 19.45 Wissen vor acht – Werk- statt. Warum gibt es so wenig blaue Fruchtgummis? 9.05 Volle Kanne  – Service täglich. Top-Thema: Rechte und Pflichten im herbstlichen Straßenverkehr  / Einfach lecker: Spinatspätzle mit Parmesan und Egerlingen 10.30 Die Rosenheim-Cops. Nur die Kuh war Zeuge 11.15 SOKO Kitzbühel 12.00 heute 12.15 drehscheibe Deutschland 13.00Mittagsmagazin 14.00heute – in Deutschland 14.15 Die Küchen- schlacht 15.05 Topfgeldjäger 16.00 heute  – in Europa 16.15 Herzflim- mern17.00heute –Wetter 17.15hallo Deutschland 17.45 Leute heute 18.00 SOKO Stuttgart 19.00 heute 19.25 Notruf Hafenkante. Schlangenbiss 20.00 Tagesschau 20.15 Das unglaubliche Quiz der Tiere Der große Ratespaß für die ganze Familie Mitwirkende: Barbara Schöneberger (Fernsehmo- deratorin, Schauspielerin und Sängerin), Ingo Naujoks (Schauspieler), Steffen Henssler (Koch) 21.45 Panorama 22.15 Tagesthemen 22.45 Beckmann Kinderhospize Gäste: Ute Nerge; Ange- la Brandt-Migge und Tobias Migge; Isabel Varell; Ulla Schmidt 20.15 Borgia (3/6) Historienserie Papst Alexander VI., wird in sein Amt eingeführt und entlässt korrupte Amtsträger. Die Kardinäle fürchten zu Recht, dass er die frei gewor- denen Ämter mit seinen Vertrauten besetzen wird. 21.55 heute-journal Infomagazin 22.25 Maybrit Illner Polittalk Zocker an den Pranger – ran an die Banken, raus aus der Krise? Zu Gast: Jürgen Trit- tin; Christian Lindner; Otto Kentzler; Professor Wolfgang Gerke; Silvia Wadhwa 20.15 quer ... durch die Woche Esoterik-Pfarrer: Die seltsa- men Geschäfte des Jürgen Fliege / Bye bye Bayern: Flä- chenfraß bedroht bayerische Natur / Landesbank-Deba- kel: Zehntausende Mieter in Angst / Trophäenjagd: Tirol beklagt Wilderer-Tourismus / Bizarre Frauenquote: Chefsa- che bleibt Männersache 21.00 Rundschau-Magazin 21.15 Freizeit 21.45 Der Kaiser von Schexing Bläd glaffa Unterhaltungsserie 22.30 Capriccio U.a.: Dichten, buchstabieren, rechnen: genial begabte Hunde  20.15 Alarmfür Cobra 11 – Die Autobahnpolizei Familienangelegenheiten Actionserie. Ein Unbekann- ter ermordet einen Geldku- rier und erbeutet fünf Milli- onen Euro, die dem Bauun- ternehmer Santi gehören. Ben und Semir finden mehre- re Beweise, die Konrad Jäger, Bens Vater, stark belasten. 21.15 Bones – Die Knochenjäge- rin (5) Tod, komm vorbei und tanz mit mir. Krimiserie 22.15 CSI – Den Tätern auf der Spur Pesthauch des Todes 23.10 CSI – Den Tätern auf der Spur Mord nach Modell Krimiserie 20.15 Galileo Big Pictures Show Weltreise 2011 – Unsere Welt in 50 Bildern Jenseits der Casino-Welt von Las Vegas leben rund 1.000 Obdachlose im Abflusstunnelsystem der Stadt. Das Foto eines eingerichteten Zimmers mehrere Meter un- ter der Straße ist eines von 50 „Galileo Big Pictures”. Fröhlicher ist die Aufnahme zweier Kröten in Indien, die nach Hindi-Ritual verheira- tet werden, um den Regen- gott gnädig zu stimmen. Ai- man Abdallah kürt das „Big Picture” des Abends. 20.00 Nachrichten 20.15 Navy CIS: L.A. Zwei Kugeln Krimiserie. Deeks kommt in einem Supermarkt zu einem Raubüberfall und wird ange- schossen. Es stellt sich he- raus, dass Deeks seit län- gerem überwacht wurde und gezielt Opfer eines An- schlags werden sollte. 21.15 Hawaii Five-0 Der Hauch des Todes. Actionserie 22.15 Kerner U.a.: Der erste Kar- dio-Warnhund der Welt! Tie- rische Spürnase soll herz- kranken Gabrijel vorm Ersti- cken helfen / Saufen bis der Arzt kommt: Kinder und Ju- gendliche im Vollrausch  0.00Nachtmagazin 0.20 Rosenstolz – Wir sind Wir Die Erfolgsgeschichte eines Pop-Duos 1.20 Topas Thriller, USA 1969 Mit Frederick Stafford, Karin Dor, John Forsythe Regie: Alfred Hitchcock 3.20 Tagesschau 23.25 Markus Lanz Diskussionsrunde 0.40heute nacht 0.55 Mord und Margaritas Krimikomödie, USA/D/IRL 2005. Mit Pierce Brosnan, Greg Kinnear, Hope Davis 2.25 heute 2.30 Borgia (3/6) Historienserie 23.00 Puzzle Viele Kulturen – ein Land 23.30 Rundschau-Nacht 23.40 KlickKlack Zu Gast: „Flying Steps” (Weltmeis- ter des Breakdance), Vittorio Grigolo (Tenor), Hélène Grimaud (Pianistin) 0.10 on3-südwild Aus Graz 0.00RTL-Nachtjournal Nachrichtenmagazin 0.30 White Collar Kate oder Peter? Krimiserie 1.25 Alarmfür Cobra 11 – Die Autobahnpolizei 72 Stunden Angst 3.05 RTL-Nachtjournal Nachrichtenmagazin 23.00 TV total Comedyshow mit Stefan Raab. Zu Gast: Götz Alsmann (Musiker), Atze Schröder (Comedian), Duran Kabakyer (Erfinder) 0.00Quatsch-Comedy-Club Zu Gast: Dieter Nuhr, Marti- na Brandl, Olaf Schubert 0.35 Quatsch-Comedy-Club 23.45 Navy CIS: L.A. Zwei Kugeln. Krimiserie 0.40Hawaii Five-0 1.35 Richter Alexander Hold 2.20 Richter Alexander Hold 3.00 Richterin Barbara Salesch 3.45 Zwei bei Kallwass 4.40K 11 – Kommissare imEinsatz Ermittler-Doku 6.00 Telekolleg Physik – Elektrizität 6.30 Unsere Sinne 6.45 Unsere Sin- ne 7.00 Anna, Schmidt & Oskar 7.15 Tele-Gym 7.30 Wetterfernsehen 9.00 Tele-Gym 9.15 Sturm der Liebe 10.05 Panda, Gorilla &Co. 10.55Rote Rosen 11.45Stationen.Magazin12.30Planet Wissen13.30CharlesDarwin(5) 13.45 Dienstags ein Held sein 14.15 Pater Florian von Bayern 15.00 Dahoam is dahoam. Der Bergfex 15.30 Wir in Bayern 16.45 Rundschau 17.00 Frän- kische Dorflinden 17.30 Schwaben & Altbayern  / Frankenschau aktuell 18.00 Abendschau 18.45 Rundschau 19.00laVita19.45Dahoamis dahoam 5.10 Verdachtsfälle 6.00 Punkt 6. Infomagazin 7.30 Alles, was zählt 8.00 Unter uns 8.30 Gute Zeiten, schlechte Zeiten 9.00 Punkt 9. In- fomagazin 9.30 Mitten im Leben! 10.30 Mitten im Leben! 11.30 Unse- re erste gemeinsame Wohnung. Paa- re suchen ihr Zuhause 12.00 Punkt 12. Mittagsjournal 14.00 Mitten im Leben! 15.00 Verdachtsfälle 16.00 Familien im Brennpunkt 17.00 Die Schulermittler. Gewalt und Probleme an der Schule 17.30Unter uns 18.00 Explosiv. Das Magazin 18.30 Exclu- siv. Das Starmagazin 18.45RTL aktu- ell 19.05Alles, was zählt 19.40GZSZ 5.15U20–Deutschland, deineTeenies 6.00 Das Model und der Freak – Fal- ling in Love 6.50 Malcolm mittendrin 7.15 Malcolmmittendrin 7.40 The Big Bang Theory 8.10 The Big Bang Theo- ry 8.35 How I Met Your Mother 9.05 How I Met Your Mother 9.30 How I Met Your Mother 10.00 Scrubs – Die Anfänger 10.25Scrubs – Die Anfänger 10.55 Scrubs 11.20 Malcolm mitten- drin 12.20 The Big Bang Theory 13.15 HowI Met Your Mother 14.40Scrubs– Die Anfänger 16.00 Das Model und der Freak – Falling in Love 17.00 taff 18.00 Newstime 18.10 Die Simpsons 19.10Galileo. Wissensmagazin 5.05 K 11 – Kommissare im Einsatz 5.30 Sat.1-Frühstücksfernsehen. Live 10.00 Lenßen & Partner 11.00 Richterin Barbara Salesch 13.00 Britt 14.00 Zwei bei Kallwass 15.00 Richterin Barbara Salesch 16.00 Richter Alexander Hold 17.00 Nied- rig und Kuhnt. Das letzte Abendmahl 17.30 Niedrig und Kuhnt. Kopf oder Zahl 18.00 Das Sat.1-Magazin. The- men des Tages, Reportagen und Hin- tergrundberichte 18.30 Anna und die Liebe 19.00 K 11 – Kommissare im Einsatz. Ermittler-Doku. Intrigan- tenstadl 19.30K 11 – Kommissare im Einsatz. Das Experiment 20.00 Tagesschau 20.15 SF Spezial Reportagereihe. Rund um den Polarkreis (6/6): Ge- schichten vom Rand der Welt 21.00 scobel Neues über Krebs. Zu Gast: Manfred Jung (onkologischer Epigenetiker), Otmar Wiest- ler (Vorsitzender des Stif- tungsvorstands des Deut- schen Krebsforschungszent- rums in Heidelberg), Susan- ne Vössing (Sterneköchin) 22.00 ZIB 2 22.25 Meeresfrüchte Komödie, F 2005. Mit Valeria Bruni-Tedeschi, Gil- bert Melki, Jean-Marc Barr 23.55 10vor10 0.25 Rundschau Globaler Pro- test – Auch der Mittelstand hat genug / Das Klischee der Schweiz – Wie Auslandsre- porter die Schweiz sehen  1.10 €co U.a.: Führen handge- schriebene Rezepte zu verheerenden Fehlern? 5.20 3satbuchzeit extra 6.20 Kultur- zeit 7.00 nano 7.30 Alpenpanorama 9.00 ZIB 9.05 Kulturzeit 9.45 nano 10.15 Nachtcafé 11.45 Schauplatz Gericht 12.15 Rund ist der Genuss 12.30 Zapp 13.00 ZIB 13.15 Zeuge C 14.10 Reporter 14.30 Versunkene Metropolen 15.15 Expedition Wissen 15.45 Kasuai 16.30 Inseln der Hoff- nung 17.15 Vancouver Island. Wilde Schönheit im Pazifik. Dokumentar- film, CDN 2006 18.00 Ländermaga- zin 18.30nano. Folgenreicher Zwist: EU und China kämpfen um Satelliten- Frequenzen 19.00 heute 19.20 Kul- turzeit. Magazin. Zukunft Russland 20.15 Carlos (1/3) TV-Kriminalfilm, F 2010. Mit Édgar Ramírez, Christoph Bach, Ahmad Ka- abour. Regie: Olivier Assa- yas. Im Sommer 1973 trifft sich Ilich Ramírez Sánchez in Beirut mit Wadie Haddad. Mit diesem Treffen beginnt die terroristische Karriere von Carlos, einem der berüchtigtsten Terroristen des Kalten Krieges. 21.55 Carlos (2/3) TV-Kriminalfilm, F 2010. Mit Édgar Ramírez, Christoph Bach, Ahmad Kaabour Regie: Olivier Assayas 23.40 Tracks U.a.: Darth Vader: Die dunkle Seite der Macht! / Kriegskünstler: Gefahrenkitzel als Inspirationsquelle! / Egyptian Lover: Der Senior des Elektrofunk  0.35 Global 1.05 Snowman’s Land Komödie, D 2010 5.00 Lounge Remix 6.00 Vivica Ge- naux 6.45 Karambolage 7.00 Global 7.30 Kleider und Leute 8.00 Der Traum vom großen Geld 8.45X:enius 9.10 Deva 10.10 Amerikas verletzte Seelen. Das Leben nach dem Krieg. Dokumentarfilm, F 2010 11.50 Zapping international 12.15 Global 12.45Arte-Journal 13.00360° – Geo Reportage 14.00 Schwesternbande 14.45 Die Reise des Schmetterlings 15.40 Durchschaut: Das Rätsel der Gesichter 16.45 360° – Geo Repor- tage 17.35 X:enius 18.05 Geheimnis- volle Völker (4/4) 19.00Arte-Journal 19.30 Mit dem Zug durch ... (3) 9.50 Verliebt und Ausgeflippt. Ko- mödie, USA 2010 11.20 Girls Club II – Vorsicht bissig! TV-Komödie, USA 2011 12.55 Mirrors II. Horrorfilm, USA 2010 14.30 Scott Pilgrimgegen den Rest der Welt. Actionkomödie, USA/GB/CDN 2010 16.25 Dinner für Spinner. Komödie, USA 2010 18.20 Männer die auf Ziegen starren. Komö- die, USA200919.55Kinopolis 20.10 Zapping20.15Die Legende der Wäch- ter. Animationsfilm, USA/AUS 2010 21.50 Jerry Cotton. Krimikomödie, D 2010 23.30 Kinopolis 23.45 Takers. Actionthriller, USA 2010 1.30 Death Race II. TV-Actionfilm, USA 2010 5.00Wissenshunger 5.10Menschen, Tiere und Doktoren 6.05 Die Chaos- familie 7.05 Die Nanny 7.35 Die Nan- ny 9.05 Wildfire 10.00 Heartland 11.00 Nachrichten 11.05 McLeods Töchter 12.00 McLeods Töchter 12.55 Wohnen nach Wunsch  – Das Haus 15.00 Endlich Zuhause! 16.00 Menschen, Tiere und Doktoren 16.55 Menschen, Tiere und Doktoren 18.00 Mieten, kaufen, wohnen 19.00 Das perfekte Dinner 20.00 Prominent! 20.15 The Day After Tomorrow. Ac- tionfilm, USA 2004 22.30 Snakes on a Plane. Actionfilm, D/USA/CDN 2006 0.20Nachrichten 0.40Snakes 6.10Street Football 6.35Street Foot- ball 7.00 Street Football 7.25 Joyce Meyer  – Das Leben genießen 7.55 Missionswerk Karlsruhe 8.00 Home- shopping 12.30 Mission Erde 13.20 Smallville 14.15 Stargate 15.10 Star Trek – Das nächste Jahrhundert 16.10 Mission Erde 17.10 Smallville 18.10 Stargate 19.05 Star Trek  – Das nächste Jahrhundert 20.15 Star Trek – Das nächste Jahrhundert 21.15 Stargate Atlantis 22.10 Akte X – Die unheimlichen Fälle des FBI 23.10 Star Trek – Das nächste Jahrhundert 0.10 Stargate Atlantis 1.00 Stephen King’s DeadZone. Todeines Freundes 5.15 Unsere kleine Farm 6.00 Un- sere kleine Farm 6.55 Infomercials 11.00 Unsere kleine Farm 11.55 Unsere kleine Farm 13.00 Bill Cosby Show 13.30 Bill Cosby Show 14.00 Two and a Half Men 14.25 Two and a Half Men 14.55 Meine wilden Töchter 15.20 Meine wilden Töchter 15.50 What’s up, Dad? 16.15 What’s up, Dad? 16.45 News 16.55 Two and a Half Men 17.20 Two and a Half Men 17.50 Abenteuer Leben 18.50 Fußball. Europa League. 3. Spieltag: AEK Larnaca  – FC Schalke 04. Live aus Larnaca (ZYP) 20.45Fußball. Eu- ropa League. 3. Spieltag: Hannover 13.00 ZIB 13.15 Frisch gekocht mit Andi und Alex 13.40Wege zumGlück 14.25 Herzflimmern – Die Klinik am See 15.10 Sturm der Liebe 16.00 Die Barbara-Karlich-Show 17.00 ZIB 17.05 Heute in Österreich 17.40 Herbstzeit 18.30 Konkret 18.51 Infos und Tipps 19.00 Bundesland heute 19.30Zeit imBild19.49Wetter 19.55 Sport 20.05 Seitenblicke 20.15 Die Rosenheim-Cops 21.05 Universum 22.00ZIB 2 22.30€co 23.00Ein Fall für zwei 0.00Drei Engel für Charlie – Das Geheimnis im Sumpf. TV-Krimi- nalfilm, USA 1976 1.05 Kommissar Rex 1.50Kommissar Rex. Krimiserie 6.30 Turbo 7.00 Poker. EPT Series 7 PCA (4) 8.00 Teleshopping 10.30 Turbo. Das Automagazin 11.00 Te- leshopping 12.00 News 12.15 Tele- shopping 12.30 Teleshopping 13.00 News 13.15Teleshopping13.30Shop- 24Direct 14.00 Teleshopping 14.30 Sport-Quiz 17.30 Trau dich doch! (3). Freaks amLimit 18.30Bundesliga ak- tuell 19.00Poker. EPT Series 7 Berlin (2) 20.00 Poker. EPT Series 7 Berlin (3) 21.00 Basketball. Euroleague. 1. Spieltag: BroseBaskets Bamberg–KK Zagreb. Live aus Bamberg 23.00Trau dich doch! (4). Freaks am Limit 0.00 Sport-Clips – Countdown (4) 8.30 Tennis. Mats’ Point – Die Tennis-Personality-Show mit Mats Wilander 9.00 Tennis. Kremlin Cup: 3. Turniertag, Achtelfinale 10.50 Champions Club. Das Europapokal- Magazin 11.00 Tennis. WTA Premi- er Tour. Kremlin Cup: 4. Turniertag, Achtelfinale. Live aus Moskau (RUS) 14.45 Champions Club 14.55 Speed- way 15.55 Speedway 16.55 Billard Artistique 17.55 Champions Club 18.05Tennis 18.30Tennis. WTA Pre- mier Tour. Kremlin Cup: 4. Turnier- tag, Achtelfinale. Live aus Moskau (RUS) 20.15 Kampfsport 22.15 The Battle 23.15 Kraftsport 0.15 Tennis 5.15 Sonnenschein am Meeresgrund 2 6.10 Telebörse 14.30 News Spezi- al 15.15 Ratgeber – Geld 15.40Tele- börse 16.05 Abgetaucht – U-Boot im Einsatz 17.05 Hells Angels 18.20 Te- lebörse 18.35 Ratgeber – Test 19.05 PS  – Das Automagazin 20.05 Die US Navy SEALs 21.05 Flugzeugträ- ger – Schwimmende Giganten 22.03 Zerlegt! Ein Flugzeug in Einzelteilen 22.45 Telebörse 23.05 Vier gewinnt 23.35 125 Jahre Auto: Erfolgsge- schichte Mercedes 0.15 PS – Das Au- tomagazin 1.05 Take Off – Das Aben- teuermagazin 1.30Sonnenschein am Meeresgrund (1). Reportage Stündl. Nachrichten 5.15 Kein Ent- kommen 12.45 Börse am Mittag 13.05 Drei-Schluchten-Damm 14.05 Autopsie XXL 15.05Wissen 16.05Der Wal, der explodierte 17.05 Die wahre Geschichte: Jurassic Park 18.15 Börse am Abend 18.25 Wissen 19.05 son- nenklar.tv 20.15 Die wahre Geschich- te: Jagd auf Roter Oktober 21.15 Der geheime Krieg (1) 22.15 Der gehei- me Krieg (2) 23.10 Studio Friedman 23.40 N24 Zeitreise mit Stefan Aust 0.30 Die wahre Geschichte: Jagd auf Roter Oktober 1.20Der geheime Krieg (1) 2.05 Der geheime Krieg (2) 2.50 Wissen 3.10In geheimer Mission 5.45 Durch Australien in legendären Zügen 6.30 Südamerikas Traumrou- ten 7.15 Bedrohte Paradiese 8.00 Schmutzige Schokolade 8.45 Aktuel- les 9.00 Deutscher Bundestag 12.00 Herbstprognose der Bundesregierung 18.00 Das System Wiesenhof 18.30 BedrohteParadiese19.15Schmutzige Schokolade 20.00 Tagesschau 20.15 Geheimnisvolle Orte 21.00 Geheim- nisvolle Orte 21.45 Arbeiten bis zum Umfallen 22.15 Phoenix-Runde 23.00 Der Tag0.00Phoenix-Runde0.45Der 8. Kontinent – Die Eroberung Sibiri- ens (1/3) 1.30 Der 8. Kontinent – Die Eroberung Sibiriens (2/3) 10.30 buten un binnen 11.00 Hallo Niedersachsen 11.30 Expeditionen ins Tierreich 12.15 In aller Freund- schaft 13.00 Der Hafen (1/4) 13.30 Brisant 14.00 NDR aktuell 14.15 Bilderbuch Deutschland 15.00 NDR aktuell 15.15 Schlesische Märchen- schlösser 16.00 NDR aktuell 16.10 MeinNachmittag17.10Panda, Gorilla & Co. 18.00 Regional 18.15 Typisch! 18.45 DAS! 19.30 Regional 20.00 Tagesschau 20.15 mare-TV 21.00 mare-TV 21.45 NDR aktuell 22.00 Utta Danella – Liebe mit Lachfalten. Liebesdrama, D 2011 23.30 Kojak  – Einsatz in Manhattan 0.20Beckmann 15.00 Wissen macht Ah! 15.25 Vom Ahorn bis zur Zwiebel 15.30 nano 16.00 Alpha-Campus 16.30 on3- südwild 17.30Schwaben &Altbayern aktuell 18.00 Telekolleg Physik  – Elektrizität 18.30Die Tagesschau vor 25 Jahren 18.45 Rundschau 19.00 Schatten des Todes  – Die Geschich- te der Seuchen (1/6) 19.30 Talstati- onen 20.15 Alpha-Forum. Zu Gast: Elisabeth Sandmann (Verlegerin) 21.00 Bahnorama 21.45 Planet Wis- sen 22.45 Musikgeschichte mit Bob Ross 23.00 Bergauf, bergab 23.30 Länder – Menschen – Abenteuer 0.15 Immer wieder Abschied nehmen 10.00 Lokalzeit 10.30 Aktuelle Stun- de 11.10 Elefant, Tiger & Co. 12.00 Eisbär, Affe & Co. 12.45 WDR aktu- ell 13.00 Servicezeit 13.30 In aller Freundschaft 14.15 Stille Gewalt  – Schülermobbing im Internet 15.00 Planet Wissen 16.00 WDR aktuell 16.15 Daheim und unterwegs 18.00 Lokalzeit 18.05 Hier und heute 18.20 Servicezeit 18.50 Aktuelle Stunde 19.30 Lokalzeit 20.00 Tagesschau 20.15Tatort. TV-Kriminalfilm, D2005 21.45 WDR aktuell 22.00 Frau-TV 22.30 Menschen hautnah 23.15 Zeu- gen unerwünscht. Dokumentarfilm, D/F/CH 2008 0.40 Hier und heute 12.45Inaller Freundschaft 13.30Drei teuflisch starke Frauen. TV-Komödie, D 2005 15.00 Planet Wissen 16.00 Landesschau aktuell BW 16.05 Kaffee oder Tee 17.00 Landesschau aktuell BW 17.05 Kaffee oder Tee 18.00 Lan- desschau aktuell BW 18.15 SWR in Aktion(3) 18.45SWRLandesschauBa- den-Württemberg 19.45 Landesschau aktuell BW 20.00 Tagesschau 20.15 Zur Sache Baden-Württemberg! 21.00 Marktcheck21.45Landesschauaktuell BW22.00Odysso 22.30Deutschland, deine Künstler 23.15 Nachtkultur 23.45 Literatur im Foyer 0.15 Gene- ration HipHop 1.40 Odysso. Magazin 11.20 Tierisch, tierisch 11.45 MDR um zwölf 12.35 Klinik unter Pal- men – Mexiko (3/6) 14.00 Dabei ab zwei 14.30 LexiTV 15.30 Thüringen Spezial  – Reportage 16.00 Hier ab vier 18.00MDR aktuell 18.07 Brisant 18.50 Unser Sandmännchen 18.55 Wetter für 3 19.00 Regional 19.30 MDR aktuell 19.50 Familienrummel (1/5) 20.15 Escher 21.00 Hauptsa- che gesund 21.45 MDR aktuell 22.05 artour 22.35 Letzter Ausweg: Rom! 23.05Der Maler Max Beckmann–Von Angesicht zu Angesicht 23.35 Franz Liszt. Dokumentarfilm 0.35 Brisant 1.15 Escher 2.00 Reisebilder Island 12.00 Panda, Gorilla & Co. 12.40 In aller Freundschaft 13.30 Hessische Hoheiten 14.15 mare TV 15.00Eisen- bahn-Romantik 15.30 Von der Sonne verwöhnt 16.00 Abenteuer Namibia 16.45 Hessenschau kompakt 17.00 Giraffe, Erdmännchen & Co. 17.50 Hessenschau kompakt 18.00 Main- tower 18.20 Brisant 18.50 Service: Gesundheit 19.15 Alle Wetter! 19.30 Hessenschau 20.00 Tagesschau 20.15 Insel des Lichts. TV-Drama, D 2008 21.45 Einfach gesund! 22.30 Hessenschau kompakt 22.45 Haupt- sache Kultur! 23.15Schwarz greift ein 0.00Firma Hesselbach 12.10 Rote Rosen 13.00 rbb aktu- ell 13.05 Schloss Einstein 13.30 In aller Freundschaft 14.15 Planet Wissen 15.15 Hessisch-badische Grenzgeschichten 16.00 rbb aktuell 16.05 Buffet 16.50 kurz vor 5 17.00 rbb aktuell 17.05 Elefant, Tiger & Co. 17.55 Unser Sandmännchen 18.00 rbb um 6 18.25 rbb wetter 18.30 ZiBB 19.25 rbb wetter 19.30 Abend- schau / Brandenburg aktuell 20.00 Tagesschau 20.15Glücksbringer. TV- Drama, D/A 2011 21.45 rbb aktuell 22.15 Stilbruch 22.45 In Berlin. Ein Porträt der Stadt. Dokumentarfilm, D 2009 0.20 Berlin – Arm, aber sexy 5.05 Ortszeit 6.23 Wort zum Ta- ge. Pfarrer Lutz Nehk 9.07 Ra- diofeuilleton 9.07 Thema 9.33 Kritik 9.55 Kalenderblatt. Vor 150 Jahren: Der Publizist und Schauspieler Maximilian Har- den geboren 10.07 Feuilleton- pressegespräch 10.33 Kritik 10.50 Profil 11.07 Thema 11.33 Kritik 12.07 Ortszeit 12.40 In- ternationales Pressegespräch 12.50 Politisches Feuilleton 13.07 Länderreport. Über Aus- schreitungen in deutschen Fuß- ballvereinen 13.30 Kakadu. Rauskriegtag für Kinder. U. a. Minigolf im Dunkeln 14.07 Ra- diofeuilleton 16.50 Elek- tronische Welten 17.07 Ortszeit 18.07 Weltzeit. Argentinien vor der Präsidentenwahl 18.30 Da capo 19.07 Fazit am Abend 19.30 Forschung und Gesell- schaft. Abrieb des Alltags. Was die Soziologie am Müll der Men- schen abliest 20.03 Konzert. Beethoven: Leonoren-Ouverture Nr. 3 C-Dur op. 72a; Haydn: Sin- fonie Nr. 86 D-Dur; Tschai kow- ski: Violinkonzert D-Dur op. 35 (Joshua Bell, Violine; DSO Ber- lin, Leitung: Yutaka Sado) 22.00 Chormusik. Franz Liszt als Kir- chenkomponist 22.30 Ortszeit 23.05 Fazit 0.05 Klangkunst. Spinoza und der Fisch 1.05 Nachtgespräche 2.05 Tonart 6.05 Morgen echo 6.55 Kirche. Landessuperintendent Martin Dutzmann 9.05 ZeitZeichen. 20. Oktober 1401: Der Todestag des Seeräubers Klaus Störtebeker 9.20 Tagesgespräch 10.05 Neu- gier genügt 10.15 Reportage 10.58 Ein Gedicht 11.05 Rede- zeit 11.50 Service: Reisen 12.05 Scala. Darin: Zufluchtsort und Menschenfalle. Eine Komödie über das „Hotel Lux“ in Mos kau 12.57 Ein Gedicht 13.05 Mittags- echo 14.05 Lilipuz. Klicker / Magazin / Die Unsinkbaren Drei 15.05 LebensArt. Live mit Höre- rInnen und Experten. Rübezahl und Richmodis – regionale Sa- gen und Märchen 16.05 Leo- nardo – Wissenschaft und mehr 16.50 Service 17.05 Westblick. Das Landesmagazin 18.05 Pro- fit. Wirtschaftsmagazin 18.30 Echo des Tages 19.05 Politikum. Da rin: Warum hat „Die Linke” in diesen Krisenzeiten nicht mehr Zulauf? 19.30 Bärenbude. Die Suppe auslöffeln 20.05 WDR 5 Stadtgespräch. Ener giewende in Nordrhein-Westfalen. Wie viele Windräder verträgt das Land? 21.05 Scala – Aktuelles aus der Kultur (Wh. von 12.05 Uhr) 22.05 Leo nardo (Wh. von 16.05 Uhr) 23.05 Spaß 5 23.30 Berich- te von heute 0.05 Nachtaktiv – Wiederholungen vom Tage 5.05 Informa tionen 6.35 An- dacht. Pfarrer Ulrich Haag 9.05 Kalenderblatt. Vor 150 Jahren: Der Publizist Maximilian Harden geboren 9.10 Europa heute. In- formationsmagazin 9.35 Tag für Tag 10.10 Marktplatz. Die Haus- rat- und Haftpflichtversicherung 11.35 Umwelt und Verbraucher 12.10 Informa tionen am Mittag 14.10 Deutschland heute 14.35 Campus & Karriere. Schulreform im NRW-Landtag 15.05 Corso 16.10 Büchermarkt. U.a.: Maurice Maeterlinck: „Das Leben der Bie- nen” 16.35 Forschung aktuell. Aus Naturwissenschaft und Technik 17.05 Wirtschaft und Gesellschaft. Informationsma- gazin 17.35 Kultur heute 18.10 Informa tionen am Abend 18.40 Hintergrund 19.05 Kommentar 19.15 DLF-Magazin 20.10 Stu- diozeit. U.a.: „Die Gallier kom- men!”. Eine Ausstellung in Paris räumt mit alten Vorurteilen auf 21.05 Spannungen. Musik im Kraftwerk Heimbach 2011. Ros- sini: Duo für Violoncello und Kontrabass D-Dur; Beethoven: Klaviertrio G-Dur op. 1 Nr. 2; Watkins: Trio für Violine, Horn und Klavier; Trio für Klarinette, Viola und Klavier (UA) 22.50 Sport 23.10 Das war der Tag 0.05 Fazit 1.05 Midnight Blue 2.05 Nachtkonzert Arte, 20.15 Uhr. Kaum einer hielt Polizei und Geheimdienste in den 70er Jahren weltweit mehr in Atem als Ilich Ramirez Sanchez (Édgar Ramirez), bekannt unter dem Pseudonym Carlos. Aufwendig inszeniert zeigt der fünfstündige Dreiteiler Aufstieg und Fall des Terro- risten. (Teil 3 läuft am 21.10. um 20.15 Uhr) Foto: Film en Stock/Canal +/J.-C. Moireau Carlos 1 + 2 Seite 48 / Süddeutsche Zeitung Nr. 242 Donnerstag, 20. Oktober 2011 PROGRAMMVOMDONNERSTAG "!9%2)3#(%3&%2.3%(%. "!9%2. "!9%2. "!9%2. "2+,!33)+ "AKTUELL "2ALPHA © 3 k / k r c u t b c u e r 5chënberg & kandinsky KlangIarben und larbklange Donnerstag | z¡.oj Uhr Am SIarnberger See begegneIen sie sich vor ¡oo !ahren: Wassily Kandinsky war begeisIerI von Arnold Schönbergs Musik und gewann ihn Iür den ¸8lauen keiIer". Line IruchIbare KünsIlerIreundschaII enIwickelIe sich. 8is es zum 8ruch kam - aus poliIischen Gründen. © p lc t y p u s ¡ ç ¡ , quer . durch die Woche miI ChrisIoph Süß Donnerstag | zo.¡y Uhr vom PIarrer zum LsoIeriker? !ürgen llieges Wandlung Zocken miI Lssen: 8anker werden nichI saII llachenIraß: die Lxpansion der GewerbegebieIe Seite 2 / Süddeutsche Zeitung Nr. 242 HF2 THEMA DES TAGES te, dass Europa in der Schuldenkrise zusammensteht und sich die Spekulation gegen den Euro Der Fonds soll dank eines sogenannten Hebels nicht lohnt. Beim Krisengipfel in Brüssel soll der mindestens 1 000 000 000 000 Euro mobilisieren Plan verabschiedet werden, verbunden mit der können – eine Billion als Botschaft für Finanzmärk- Hoffnung, dass diese Billion auch wirklich reicht. Donnerstag, 20. Oktober 2011 Immer abenteuerlicher wirken die Summen, die Europa aufbietet, um die gemeinsame Währung zu retten. Gerade erst hat der Bundestag einer Aufstockung des Rettungsschirms EFSF auf 440 Milliarden Euro zugestimmt, nun wird bekannt: Ein Hebel soll den Euro retten Aktuelles Lexikon Laserpointer Das Bundesamt für Strahlenschutz teilt Laser in vier Klassen ein: von den Lasern zum Scannen der Ware an der Supermarktkasse („unter vorhersehbaren Bedingungen sicher“) bis zu Showlasern für die Bühne („immer gefährlich für das Auge und die Haut“). Laserpointer fallen zumeist in die zweite Kategorie: „Der direkte Blick in den Strahl muss vermieden werden.“ Anders als bei Lichtquellen wie der Glühbirne streut der Laserpointer sein Licht nicht, sondern bündelt es in einem Strahl. Trifft dieser auf die Netzhaut, kann er im schlimmsten Fall ein Loch in die Sehsinneszellen brennen, was zur Erblindung führen kann. Ursprünglich war eine Warnung vor Laserpointern nicht nötig: Sie dienten Vortragenden als Unterstützung, wenn sie mit dem Lichtpunkt auf Details ihrer an die Wand geworfenen Präsentation hinweisen wollten. Doch es häufen sich Nachrichten, wie die kugelschreibergroßen Pointer zweckentfremdet wurden. Vergangenes Jahr meldeten 388 Piloten, sie seien während ihres Fluges von Lasern geblendet worden – eine Verdoppelung gegenüber 2009. Auch Fußballspieler klagen häufiger über Laser-Attacken, so wie beim Champions-League-Spiel am Dienstagabend in Neapel: Als Mario Gomez zum Elfmeter antrat, flackerten über sein Gesicht grüne Farben. Möglich, dass in Stadien Laserpointer jenseits der Klasse zwei benutzt werden. Deren Handel ist europaweit illegal. stk Der Hebel gilt in der Finanzindustrie als Mittel, um aus viel Geld über Nacht noch viel mehr Geld zu machen. Nun greifen auch die Euro-Länder zu dem Instrument. Don Farrall/Getty Images Unruhe im Klub der 17 Berlin und Paris sind vielen zu stark Von Cerstin Gammelin enn zwei Staaten sich etwas ausdenken, heißt das noch lange nicht, dass die 15 anderen zustimmen. Diese Regel gilt für den Klub der 17 Länder, die den Euro als Währung führen, schon immer. In die Praxis übersetzt bedeutet sie, dass es nicht reicht, wenn sich die beiden Schwergewichte in der Währungsunion, Frankreich und Deutschland, auf einen Kompromiss einigen. „Das ist eine notwendige, aber keine hinreichende Voraussetzung“, sagt ein Vertreter eines kleinen Euro-Landes. Natürlich müssen sich Paris und Berlin verständigen, damit überhaupt Beschlüsse im Kreise der 17 Länder gefasst werden können. Aber danach „müssen 15 kleinere Länder davon überzeugt werden, dass der deutsch-französische Weg die richtige Richtung vorgibt“, sagt ein langjähriger Unterhändler. Die Dramatik der Krise hat nun auch dazu geführt, dass immer mehr kleinere Länder auf ihre – in der Theorie gleichen – Verhandlungsrechte pochen. Gerade in den letzten Monaten sei es immer schwieriger geworden, die anderen 15 von den Ideen des deutsch-französischen Duos zu überzeugen, sagt ein Unterhändler in Brüssel. „Wenn man nicht die Sensibilitäten der anderen Länder berücksichtigt, gerät man schnell in Schwierigkeiten“, fügt er hinzu. Wie etwa bei den Verhandlungen um das Kleingedruckte beim erweiterten Euro-Rettungsfonds EFSF. Da hatten sich Paris und Berlin längst grundsätzlich darauf geeinigt, die auf 440 Milliarden Euro Kreditvolumen begrenzten Mittel des Fonds effizienter einsetzen zu wollen, konnten aber ihre Partner zunächst nicht überzeugen mit ihrer Idee zur Umsetzung. Einige Länder plädierten dafür, dem Fonds eine Banklizenz zu geben, andere wollten ihn zu einer Art Versicherungsagentur ausbauen, wieder andere bevorzugten eine „kleine Lösung“, wonach der Fonds nur die Differenz zwischen „erträglichen Risikoaufschlägen“ für neu auszugebende Staatsanleihen und den tatsächlichen Marktzinsen übernehme. Inzwischen läuft es darauf hinaus, dass sich die Finanzminister der Euro-Länder bei ihren Beratungen am Freitag in Brüssel auf die Versicherungslösung einigen, die dann am Sonntag auch die Chefs per- Wundersame Geldvermehrung Eine Versicherung für den Euro: Wie der neue Kredithebel die Wirkung des Rettungsfonds verstärkt Von Claus Hulverscheidt ie meisten Menschen stellen sich unter einem Hebel ein Stück Holz oder Metall vor, mit dem man das Autogetriebe einen Gang höher schalten, das Fenster öffnen oder die Notbremse in der Straßenbahn betätigen kann. In der Finanzindustrie hingegen, jenem geheimnisvollen Universum, das parallel zur Lebenswelt der gewöhnlichen Bürger entstanden ist, versteht man darunter etwas ganz anderes: Ein Hebel ist hier ein Instrument, mit dem man über Nacht aus viel Geld noch mehr Geld machen kann. Investiert man den Betrag dann in ein Geschäft, steigt die Renditechance beträchtlich – das Verlustrisiko allerdings auch. Beispiel: Ein Bankmensch soll eine Million Euro anlegen. Sein Auge fällt auf ein bestimmtes Wertpapier, eine Aktie etwa, von der er sicher glaubt, dass sie im Wert steigen wird. Zusätzlich zu seiner Million nimmt er deshalb noch vier Millionen Euro an Kredit auf, sodass ihm insgesamt fünf Millionen Euro zur Verfügung stehen. Damit hat er sein Kapital um dem Faktor Fünf „gehebelt“. Steigt nun der Kurs des gekauften Wertpapiers um 20 Prozent, streicht der clevere Banker nicht etwa 200 000 Euro als Gewinn ein, sondern eine satte Million. Anschließend gibt er das geliehene Geld zurück. W D Solche Geschäfte waren in der Finanzwirtschaft lange Zeit gang und gäbe – bis es vor einigen Jahren immer häufiger dazu kam, dass aus einem Gewinn- ein Verlusthebel wurde. Verliert nämlich die Aktie jene 20 Prozent, die sie eigentlich gewinnen sollte, wird auch aus einem Schaden von 200 000 Euro plötzlich ein Minus von einer Million. Nach Rückgabe des geliehenen Geldes entsteht dem Händler also ein Totalverlust. Nahezu alle Experten sind sich heute einig, dass Hebelgeschäfte die Finanzkrise von 2008 zwar nicht ausgelöst, ihr Ausmaß aber um ein Vielfaches verschlimmert haben. Es mutet deshalb zunächst wie ein schlechter Witz an, dass die Euro-Staaten ihre nicht enden wollende Schuldenkrise nun ausgerechnet über eine „Hebelung“ des Rettungsfonds EFSF lösen wollen. Hinter der Idee der „Hebelung“ – ein Wort, das es im Übrigen laut Duden gar nicht gibt – steckt der Gedanke, dass die Turbulenzen an den Finanzmärkten so lange anhalten werden, wie die Anleger bezweifeln, dass Europa zur Rettung der Währungsunion im Notfall wirklich jede erdenkliche Summe mobilisieren wird. Die 440 Milliarden Euro, die bisher für Kredite an Krisenstaaten zur Verfügung stehen, reichen jedenfalls nicht – zumindest dann nicht, wenn nach Griechenland, Irland und Portugal auch große EU- Länder wie Italien oder Spanien ins Trudeln geraten sollten. Eine direkte Erhöhung der Kreditsumme kam für die EU-Regierungschefs nie in Betracht, weil einigen der Länder, die für die Rückzahlung der Kredite an den EFSF bürgen müssen, selbst das Wasser bis zum Hals steht, und weil sie den Widerstand ihrer Parlamente fürchteten. So verfiel man auf die „Hebelung“, im Englischen leveraging. Die erste Idee war, die Mittel des Rettungsschirms einfach über Mittel der Europäischen Zentralbank (EZB) zu „hebeln“. Dazu hätte der EFSF die Anleihen, die er von Krisenländern kauft, als Sicherheiten bei der EZB hinterlegt und dafür neues Geld in letztlich unbegrenzter Höhe erhalten. Die Idee scheiterte am erbitterten Widerstand insbesondere von EZB-Chef JeanClaude Trichet und Bundesbankpräsident Jens Weidmann, die fürchteten, dass die Euro-Notenbank am Ende zu einem Selbstbedienungsladen für sparunwillige Regierungen degeneriert wäre. Stattdessen steht nun eine Hebel-Variante im Fokus, die auf eine Idee von Allianz-Vorstand Paul Achleitner zurückgeht. Demnach würde aus dem EFSF eine Art Teilkaskoversicherung, bei der sich private Geldgeber, also Banken, Versicherungen, Investmentfonds und Kleinanleger, gegen den Zahlungsausfall eines Landes versichern können. Beispiel: Die spanische Regierung muss zur Finanzierung ihres Haushalts Staatsanleihen ausgeben, findet aber nicht genügend Käufer, weil diesen das Ausfallrisiko zu hoch ist. Nun springt der EFSF ein und versichert die ersten 20 Prozent dieses Ausfallrisikos. Kann Spanien also die Anleihe eines Tages nicht zurückzahlen und erhält einen Teilschuldenerlass von 40 Prozent, müssen die Gläubiger die Verluste nicht allein, sondern nur zur Hälfte tragen. Das Modell hätte gleich fünf positive Effekte. Erstens würden spanische Anleihen für private Geldgeber wieder attraktiv. Zweitens müsste die Regierung in Madrid geringere Zinsen zahlen. Drittens erhielte der EFSF von den privaten Gläubigern eine Versicherungsprämie. Viertens müsste Spanien – anders etwa als heute Griechenland – dem Kapitalmarkt nicht den Rücken kehren, vielmehr würden alle Anleihen weiter von privaten Finanzhäusern gekauft. Und fünftens der Clou: Der EFSF könnte künftig ein viel größeres Anleihevolumen abdecken. Netto stehen dem Fonds nach Abzug der bereits zugesagten Mittel für Griechenland, Irland und Portugal sowie möglicher Finanzspritzen für schwächelnde Banken vielleicht noch 200 Milliarden Euro zur Verfügung. Wird dieser Wert jedoch mit Hilfe einer 20-Prozent-Teilkasko-Police gehebelt, ergäbe sich eine Bruttosumme von einer Billion Euro. Oder anders ausgedrückt: Indem der EFSF 20 Prozent des Risikos übernimmt, stellt er sicher, dass Privatinvestoren insgesamt fünf Mal so viel Geld zur Verfügung stellen. Allerdings würde der Kaskosatz je nach Land variieren, weshalb sich die Hebelwirkung am Ende nicht genau beziffern lässt. Bräuchte etwa – rein theoretisch – Frankreich Hilfe, würde vielleicht eine Absicherung von zehn Prozent reichen. Dadurch würde das gesamte abgedeckte Volumen – ebenso theoretisch – auf zwei Billionen Euro verzehnfacht. Im Falle Griechenlands hingegen wäre sicher eine Absicherung von 40 Prozent erforderlich. Der Hebel brächte rein rechnerisch also nur eine Erhöhung des EFSFVolumens auf 500 Milliarden Euro. Auch hätte eine Versicherungslösung nicht nur Vorteile. So könnte das Risiko, dass Bürgschaften der Euro-Staaten tatsächlich fällig werden, steigen, weil der EFSF bei Forderungsausfällen ja immer als Erster zur Kasse gebeten wird. Ob also der Achleitner-Hebel die „Big Bazooka“ ist, jene „Riesen-Panzerfaust“ also, die nach Ansicht von Experten notwendig ist, um die Finanzmärkte zu beeindrucken, werden die Euro-Staaten einmal mehr erst dann wissen, wenn die neue Verteidigungslinie tatsächlich steht. Meister der Andeutung Keine Bestätigung, kein klares Nein, keine Fakten: Wolfgang Schäuble bleibt in diesen Wochen vage – und löst damit immer wieder Spekulationen aus Von Stefan Braun und Claus Hulverscheidt Glashaus. Deshalb mag er nicht einen einzigen Stein in die Hand nehmen. Das ist die Interpretation der Wohlgesonnenen, die Schäubles verzwickte Lage als Erklärung heranziehen. Kritiker sehen das anders; Kritiker, die auch in der CSU oder der FDP sitzen, also der eigenen Koalition angehören. Sie ärgern sich über Schäubles besondere Spezialität – seine Andeutungspolitik. Sie halten das für intransparent und gefährlich. Und sie fühlen sich ausgeschlossen – was sie am meisten ärgert. So ist in der zentralen Aufgabe der Regierung eine Vertrauenskrise entstanden. Und das auch noch, ohne dass Schäubles Kampf gegen Spekulationen wirklich erfolgreich wäre. Denn obwohl (oder weil) er auch am Dienstag nur Andeutungen macht, entstehen im Strudel der Interpretationsmöglichkeiten wilde Spekulationen. So meldet eine Zeitung prompt, Schäuble habe einer Hebelung des Rettungsschirms bis zu einer Höhe von einer Billion Euro das Wort geredet. Eine Meldung, die von der Unionsfraktion sofort dementiert wird. Die Zahl aber ist in der Welt, die Fraktionsführung fragt bei allen Abgeordneten nach, ob Schäuble so etwas in einem Zwiegespräch am Rande gesagt haben könnte – und in der Öffentlichkeit wird spekuliert, für welche Notfälle (Italien, gar Frankreich?) hinter den Kulissen ein Schirm gebastelt werde. Schäubles Vorsicht ist so verständlich wie gefährlich: Schon der kleinste Fehler, die kleinste Andeutung zum falschen Zeitpunkt kann dramatische Folgen haben. Gleichzeitig könnten klare Sätze manchmal mehr Sicherheit geben. Schäuble hat’s schwer in diesen Zeiten. Und Schäuble ist schwer zu verstehen für seine eigenen Leute. Das aktuellste Problem in diesem Zusammenhang – die Spekulationen um eine Hebelung des Euro-Rettungsschirms – hat seinen Anfang in der USHauptstadt Washington genommen. Am Nachmittag des 24. Septembers, einem Samstag, sitzt Wolfgang Schäuble in einem Saal des Internationalen Währungsfonds und müht sich, mit möglichst vielen Worten möglichst wenig zu sagen. Neben ihm hat Jens Weidmann Platz genommen, jener jugendlich wirkende TopBeamte, der noch vor kurzem Angela Merkel als Wirtschaftsberater diente, nun aber als Bundesbankpräsident gleichberechtigt auf Fragen der Journalisten antwortet. Schäuble macht das zu schaffen – vor allem auch deshalb, weil Weidmann im Gegensatz zu ihm Klartext redet: Jede Form der Hebelung, bei der die Europäische Zentralbank oder nationale Notenbanken die Zeche zahlen müssten, sei mit ihm nicht zu machen. Die Klarheit provoziert Nachfragen an den deutschen Minister. Alle wollen wissen, warum er nicht eingestehen wolle, dass über eine Hebelung zumindest diskutiert werde – wo doch Weidmann, EU-Währungskommissar Olli Rehn, USFinanzminister Timothy Geithner und dessen französischer Kollege François Baroin längst drüber reden würden? Schäuble windet sich, will schweigen und verschlossen bleiben. Schließlich sagt er auf die Frage, ob er eine Ausweitung des Rettungsfonds EFSF auf Kosten der EZB für denkbar halte: „Es gibt andere Formen der Hebelung.“ Eigentlich ist das ein typischer Schäuble. Keine Bestätigung, kein klares Nein, aber ein Spielraum für Spekulationen. Und damit löst er aus, was er vermeiden wollte: dass unmittelbar vor dem 29. September, dem Tag, an dem der Bundestag über die Erweiterung des Rettungsschirms abstimmt, eine heftige Debatte losbricht, ob der Rettungsschirm nicht schon längst wieder zu klein ist. Immerhin ist es diese Debatte, die Schäuble wenigstens einmal zwingt, konkret zu werden. Als er vor der Abstimmung im Plenum redet, sagt er über den deutschen Garantierahmen von 211 Milliarden Euro, dieser werde „nicht erhöht“ und stehe „nicht zur Debatte“. Sehr klar klingt das – und gilt dann doch nur einige Minuten. Denn wenige Sätze später sagt Schäuble den Satz der Sätze: „Niemand weiß, was die Zukunft bringt; das ist immer so gewesen.“ Es ist der Satz, der ihm alles wieder öffnet. D ie Spitze der Unionsfraktion ist gekommen, um endlich mehr zu erfahren. Sie will Details im Kampf gegen die Euro-Krise. Also sitzt der Vorstand der Fraktion am Dienstagmittag mit Wolfgang Schäuble zusammen. Wie ist die Lage? Was hat es mit den Hebel-Ideen zur größeren Wirkung des Euro-Rettungsschirms auf sich? Überhaupt: Was muss man von den Leitlinien für den Rettungsschirm erwarten, die diese Woche von der EU-Kommission vorgelegt werden? Fragen sind das, die im Parlament und in der schwarz-gelben Koalition alle brennend interessieren. Und was macht der Finanzminister? Er erklärt allgemein, dass alle Banken „hebeln“ würden, um Gewinne zu machen. So gesehen sei das Hebeln etwas ganz Normales. Dann erläutert er, dass die Pläne, mit zusätzlichem Geld der EZB zu hebeln, vom Tisch seien. Schließlich deutet er noch an, dass es aber natürlich Modelle gebe, die man zum Hebeln anwenden könnte. Auf Fragen von Abgeordneten, welche das sein könnten, hüllt sich Schäuble in Schweigen. Der Minister, wie er leibt und lebt. Er redet leise über mögliche Varianten. Aber er nennt keine Fakten – und bleibt so unkonkret, dass niemand behaupten könnte, er wisse, was kommt und was Schäuble genau vorhat. Warum er das macht? Das ist gerade jetzt wieder die große Frage. Und jene, die es gut meinen mit dem Erfahrensten im Kabinett von Angela Merkel, nennen vor allem ein Motiv, das dem zugrunde liegen würde: Schäuble wolle absolut alles vermeiden, was den Bundestag, die Partner in Europa oder die Finanzmärkte verunsichern, verärgern, aufputschen könnte. Also verwendet er selbst in den inneren Zirkeln der Regierung nur Worte, die ungefährlich bleiben. Sollte von Schäubles Worten dennoch eines nach außen dringen, dürfe das weder im Bundestag noch bei den Partnern oder an den Finanzmärkten heftige Reaktionen auslösen. Schäubles Leben ist ein Leben im „Sicher ist nichts, bevor alle unterschrieben haben.“ sönlich auf ihrem Gipfel abnicken sollen. Aber, das betonen die Unterhändler immer wieder, „sicher ist nichts, bevor alle 17 unterschrieben haben“. Selbst Länder, die nicht mit dem Euro zahlen, verfolgen misstrauisch die Verhandlungen im Klub der 17. Sie fürchten, dass der Klub Beschlüsse fassen könnte, die sich auf den gemeinsamen europäischen Binnenmarkt auswirken – und dass ihnen dann keine andere Wahl bleibt, als den Vorgaben zu folgen. Großbritannien versucht daher, sich in den Verhandlungen über die Euro-Rettung und eine engere wirtschaftspolitische Kooperation eine Art Vetorecht zu sichern; man will im Notfall Beschlüsse der 17 blockieren, die sich auf den Binnenmarkt der 27 auswirken, aber nicht im Sinne der Briten sind. Länder wie Polen, die den Euro in den nächsten Jahren einführen wollen, verlangen schon jetzt mehr Mitsprache im Klub der 17. Beschlüsse wie der Euro-Rettungsfonds EFSF wirkten sich schließlich über Jahre hinweg auf nationale Haushalte aus, argumentieren die Polen: „Wenn wir in das gemeinsame Haus Währungsunion einziehen sollen, müssen wir auch an der Innenarchitektur mitarbeiten können.“ SUEDDEUTSCHE ZEITUNG (USPS No. 0541550) is published daily except Sunday and holidays by Sueddeutsche Zeitung GmbH. Subscription price for USA is $ 590 per annum. K.O.P.: German Language Pub., 153 S Dean St, Englewood, NJ 07631. Periodicals postage is paid at Englewood, NJ 07631 and additional mailing offices. Postmaster: Send address changes to: SUEDDEUTSCHE ZEITUNG, GLP, POBox 9868, Englewood, NJ 07631. In der Euro-Krise hat es Finanzminister Wolfgang Schäuble schwer: Jedes Wort könnte die Finanzmärkte in Panik versetzen. Foto: Hans-Christian Plambeck/laif Donnerstag, 20. Oktober 2011 DIE SEITE DREI HF2 Süddeutsche Zeitung Nr. 242 / Seite 3 Was bin ich? Michael „Bully“ Herbig ist der erfolgreichste Entertainer Deutschlands. In den Bavaria-Studios hat er sogar einen eigenen Themenpark. Dabei unterläuft der Münchner immer wieder die Erwartungen. Und jetzt werden seine Fans im Kino ihr blaues Wunder erleben. Von Holger Gertz München – Einen Kosenamen kriegt man nicht geschenkt, man muss die Zuneigung der Leute erobern, erst dann nennen sie einen beim Kosenamen. Etwas muss sich behaglich anfühlen, warm. Cosy, sagen die Engländer. Kein vernünftiger Mensch würde Jörg Pilawa einen Kosenamen geben. Hans-Joachim Kuhlenkampff dagegen nannten alle Kuli, Fuchsberger ist Blacky, es gab Schimmi und Loki. Wem sich der Deutsche nahe fühlt, den adelt er mit einem i. Oder mit einem y. Michael Herbig wird nur noch von seiner Mutter Michael genannt. Alle anderen sagen Bully. Der Bully. Es klingt, als würde man sich schon ewig kennen. Man hat etwas gewonnen, wenn die ganze Welt Bully zu einem sagt. Aber sobald man etwas gewonnen hat, hat man immer auch etwas zu verlieren. Michael Bully Herbig sitzt in seinem Büro in den Bavaria-Filmstudios draußen in Grünwald, Jeans, schwarzes Shirt, die übliche unauffällige BullyKluft. Er ist ein ziemlich kleiner Mann, auch wenn er im Mittelpunkt steht, sieht es immer so aus, als wäre er zufällig vorbeigekommen. Es ist ein warmer Tag im September, gerade haben sie seinen neuen Film, „Hotel Lux“, zum ersten Mal halböffentlich gezeigt, vor einer Handvoll Journalisten. Herbig, der Hauptdarsteller, hat selbst mit im Vorführraum gesessen, aber der Film war noch nicht perfekt gemischt, der Feinschliff fehlte. Es war wie Folter für ihn, „ich würde dann am liebsten reinrufen: Hier kommt das noch! Hier müsst ihr euch das vorstellen! Ist gerade die falsche Musik übrigens!“ Vor dem Abspann ist er raus, um die anderen beobachten zu können, wenn sie aus dem Film kommen. Wenn alle gleich zur Toilette rennen, bedeutet das: Sie haben es sich während der Vorführung verkniffen, dann war es ein guter Film, der einen Sog entwickelt hat. Was stand in den Gesichtern? Erstaunen, sagt Herbig. Erstaunen ist kein schlechtes Zeichen. „Das Schlimmste ist ja, wenn sie rauskommen, und auf ihrem Gesicht steht: War ganz nett. Meine Frau sagt immer: Ganz nett ist der kleine Bruder von Scheiße.“ gegenüber, sein Haar ist zerstrubbelt, Augenringe hinter der Eulenbrille, seine Stimme ist rauer. Die Promotour für „Hotel Lux“ war ziemlich anstrengend. Sie haben die Pressevorführungen hinter sich und die Gespräche mit den Journalisten. Seine Stimmung? Herbig überlegt, dann sagt er: „Ich nenn es mal erleichtert. Jetzt nicht grad euphorisch, aber erleichtert.“ Er hat gegoogelt, was geschrieben worden ist: soweit okay. Einmal war es schwierig, es ging um Zeisig, den ja alle für einen Wahrsager halten. „Da fragt mich eine Journalistin: Können Sie selbst auch wahrsagen? Und ich hab mich dazu verleiten lassen zu sagen, dass wir früher mal, vor 20 Jahren im Radio, das Tageshoroskop auch ein-, zweimal selbst erfunden haben.“ Was aus seiner Antwort gemacht wurde, hat ihn enttäuscht. Er ist nicht Regisseur des Films, er ist der Hauptdarsteller, aber auch der Hauptdarsteller hat ein Verhältnis zu seinem Film, er verteidigt ihn gegen die oberflächliche Sicht der Leute. „Es geht um das Hotel Lux, um Geschichte, um die Frage: Kann man daraus eine Komödie machen? Und als Headline bleibt dann übrig: Bully war früher Wahrsager.“ In einer Woche startet „Hotel Lux“, von da an werden die Zuschauer gezählt, so und so viel am ersten Wochenende. Wenn Herbig den zweiten Teil von Manitu gedreht hätte, würden sich die Leute das Wochenende jetzt schon freihalten, bei „Hotel Lux“ kann das niemand garantieren. Die Unsicherheit ist ein Element jedes Wagnisses. „Sie sind nur ein harmloser Clown“, sagt die schöne Frau zu Zeisig, also zu Herbig. Die Antwort hat er tatsächlich wieder in den Film geschmuggelt, leicht abgewandelt: „Harmlos ist in dieser Zeit durchaus ein Kompliment.“ Bully Herbig grinst. Er zieht jungenhaft die Nase kraus, wenn ihm was Witziges eingefallen ist. Da gibt es am Ende doch eine Verbindung zwischen Winnetouch und Mr. Spuck und dem Boandlkramer und Hans Zeisig. Ihre Liebenswürdigkeit. Die Wärme der Figuren, die natürlich die Wärme von Herbig ist. Er kriegt noch immer hin, dass seine Professionalität sich angenehm unprofessionell anfühlt. Gerade war er bei „Wetten, dass . . . ?“, er hatte das Pech, dass die Sängerin Sarah Connor dicht bei ihm saß, die Sängerin Joss Stone dagegen ein Stückchen weit weg. Es war noch eine weitere Sängerin da, eine mit großen Zähnen. Und Peter Maffay. Und Mister Bean. Das Sofa ist riesig, aber Herbig schien immer weiter an den Rand gedrückt zu werden. 30 Millionen sahen seine Filme: Und das ist am Ende die Währung, die zählt im Betrieb. Michael Bully Herbig ist Regisseur, Autor, Schauspieler. Er hat kleine Sachen fürs Radio gemacht, größere fürs Fernsehen, noch größere fürs Kino. „Der Schuh des Manitu“, „(T)Raumschiff Surprise“, „Lissi und der wilde Kaiser“, „Wickie und die starken Männer“. Alleine „Schuh des Manitu“ – Herbig spielte darin einen heterosexuellen und einen homosexuellen Apachen – haben zwölf Millionen Menschen gesehen, es ist der erfolgreichste deutsche Film. Das (T)Raumschiff hatte fast zehn Millionen Zuschauer, in dem spielte Herbig einen homosexuellen Vulkanier, der Mr. Spuck heißt. Alles zusammengerechnet hat er 30 Millionen Menschen ins Kino geholt, die Zuschauer wollten die Filme sehen, aber vor allem: ihn. Nach dem „Schuh des Manitu“ gab es eine Zeit, in der er nur noch verkleidet aus dem Haus gehen konnte. Er hat zwischendurch wieder kleinere Sachen gemacht, im „Brandner Kaspar“ von Vilsmaier war er der Boandlkramer. Dafür bekam er den Bambi. Die Liste seiner Auszeichnungen bei Wikipedia ist so lang wie bei anderen die gesamte Biographie nicht, zuletzt hat er den Karl-Valentin-Orden bekommen, den haben vor ihm Gottschalk und Adorf gekriegt, allerdings auch Möllemann und Kardinal Ratzinger. Was macht man eigentlich, wenn man längst fertig ist, aber da ist noch jede Menge Leben übrig? Für die Fans, die jeden Dialog in seinen Filmen mitsprechen können, ist das keine Frage. Bei YouTube stellen sie Manitu-Schnipsel ein und schreiben „Bitte macht einen zweiten Teil!“ in die Kommentarspalte. Sie wollen mehr von dem, was sie kennen, wie einen Nachschlag in der Kantine. Sie schreiben nicht: Mach doch mal was anderes, Bully. Spiel einen deutschen Komiker und Stalin-Parodisten, der einen Hitler-Witz zu viel macht. Wer 30 Millionen ins Kino holt, ist einer für alle, aber in diesem Film hat Herbig nicht mitgespielt, um dem Wunsch der Masse zu folgen. Es war sein eigener Wunsch, diesmal ein anderer zu sein. Die Frage ist: Folgt ihm die Masse? Und wenn nicht, wird es dann wehtun? Herbig sucht manchmal nach der Nische zwischen Ja und Nein, er sagt: „Was du machst, machst du ja fürs Publikum, und da wird man doch lieber von diesem Publikum geliebt als in die Tonne gekloppt.“ Harald Schmidt könnte ein trauriges Lied davon singen. Der wollte stets von den Massen statt von den Kritikern geliebt werden – was nie klappte, und heute weniger klappt denn je. In „Hotel Lux“ ist Herbig nun Hans Zeisig, ein deutscher Komiker und Stalin-Parodist, der einen Hitler-Witz zu viel macht. Er muss abhauen, ins Hotel Lux. In der Wirklichkeit war dieses Haus in Moskau Zufluchtsort für exilierte Kommunisten und Falle zugleich. Wehner, Ulbricht, Tito lebten vorübergehend hier. Wer im Lux gestrandet war, denunzierte oder wurde denunziert; lauerte oder wurde belauert. Nachts kamen Stalins Säuberungskommandos. Der Film ist eine Verwechslungsgeschichte, ein Abenteuer. Im Hotel Lux Du musst dich entscheiden, wie Paul Breitner 1974: Bist du der Narr oder der Weltmeister? Nach dem Zeisig wird er den Reporter Zettl spielen, in der Fortsetzung von „Kir Royal“, der Film kommt im nächsten Jahr, Regie Helmut Dietl. Herbig wird der neue Baby Schimmerlos sein. Man formuliert einen Anspruch an sich selbst, allein durch die Wahl seiner Rollen. Irgendwann sagt Bully Herbig, er sagt es eher beiläufig: „Natürlich ist es Quatsch zu sagen: Was im Feuilleton steht, ist egal. Natürlich interessiert es mich, was die schreiben, und es ist manchmal wie eine battle – ich will wissen, ob ich sie kriege.“ Im Bullyversum liegt hinter Glas ein Fußballtrikot, mit einem Werbeaufdruck des FC Bayern. „Wir sind die Bullen“ war deren Slogan in den Achtzigern, er hat dieses Hemd getragen, und weil in Herbigs Fußballmannschaft viele Michaels unterwegs waren, brauchte jeder einen Spitznamen, so wurde Bully aus ihm. Es liegt noch ein anderes Trikot da, Paul Breitner hat es ihm geschenkt. Herbigs (T)Raumschiff ist ja im weiteren Sinne eine Zeitreise, bei den Pressekonferenzen damals war er gefragt worden, wohin seine Lieblingszeitreise ihn führen würde, er hatte gesagt: zum Mittelpunkt der Welt, ins Münchner Olympiastadion, Fußball-WM 1974, Endspiel gegen Holland, der Schiedsrichter pfeift Elfmeter, und er, Bully Herbig, zieht sich Breitners Trikot an und setzt sich die schwarze Lockenperücke auf und haut den Ball rein. Ein Jugendtraum. Paul Breitner hatte es gehört, er fand es rührend, dass jemand davon träumte, er zu sein. Breitner rief bei Herbigs Managerin an: Er hätte da ein Geschenk, wohin er es schicken könne. Kommen Sie doch vorbei, sagte die Managerin, Herbig wusste nichts davon. Irgendwann stand Breitner in seinem Büro, das Trikot in der Hand, Herbig spürte, wie ihm das Blut in den Kopf schoss, es war wie früher. Wupp! „Ich spring auf, renn auf ihn zu und sage: Hallo Herr Breitner, noch mal Glückwunsch zu ’74.“ Sie sind dann noch was trinken gegangen, und Breitner hat ihm die Geschichte von dem Elfmeter damals erzählt. Eigentlich war er als Schütze gar nicht vorgesehen gewesen, er hatte sich den Ball einfach geschnappt, ihn auf den Kreidepunkt gelegt. Er hatte – fast wie jetzt Herbig – mehr zu verlieren als zu gewinnen, aber das Gewicht des Augenblicks war ihm nicht bewusst, als er anlief, alles geschah wie in Trance. Paul Breitner schoss den Ball ins Tor im Sommer ’74. Erst am nächsten Tag, als er die Szene im Fernsehen sah, wurde ihm kotzübel, der Schweiß glänzte auf der Stirn. Er war Weltmeister, genauso gut hätte er ein Clown sein können. Was eben passieren kann mit einem Mann, der etwas wagt. Michael Herbig, 43. Sein Trick: Größte Genauigkeit bei der Arbeit, dabei wirken, als schaue man nur zufällig zur Tür rein. hält man Zeisig für den Leibastrologen Adolf Hitlers, und er lernt, was es heißt, um sein Leben zu spielen. Das erste Drehbuch las sich so, als sollte der Film ein reines Drama werden. Herbig rief bei Günter Rohrbach an, dem Produzenten, um ihm abzusagen. Das war ihm alles zu duster. Rohrbach ist einer der wichtigen Männer bei der ConstantinFilm, vor allem ist er Bully-Fan. Er antwortete: „Sie sagen nicht ab!“ Sie rangen miteinander, am Ende verfügte Rohrbach: „Einigen wir uns darauf, dass Sie nicht zusagen.“ Leander Haußmann, der Regisseur, schrieb das Drehbuch um, es ist jetzt leichter. Keine Tragödie. Keine Komödie. Irgendwie auch keine Tragikomödie. Vielleicht eine Tramödie, wenn es so was gibt. Ulbricht sitzt im Hotel Lux an einem Tisch, er bereitet sich auf die großen Aufgaben der Zukunft vor, aus Zuckerstückchen baut er eine Mauer. „Die Leute brauchen zehn Minuten, bis sie es begriffen haben, und dann lassen sie sich auch drauf ein“, sagt Herbig. Wenigstens hofft er, dass das so sein wird. Irgendwo stand, dieser Film wäre seine größte Herausforderung. Er mag das Wort Herausforderung nicht, „weil das so ambitioniert klingt“. „Hotel Lux“ ist ein spannender Film, man taucht ein in diese Zeit, die Todesnähe ist spürbar, aber auch dieser rätselhafte Hang der Menschen, in größter Gefahr zu kleinen Komödianten zu werden. Herbig spielt den Zeisig so, dass gelegentlich Bully rausschaut, manchmal sieht man einfach einem talentierten Schauspieler zu, der einem bekannt vorkommt. Der Film ist eine Herausforderung für das Bully-Stammpublikum. Gagzähler, Schenkelklopfer, Männer im Podolski-Fantrikot, Fans von tuntigen Indianern könnten im Kino sitzen, so verloren, als würden sie einen alten Freund treffen, der plötzlich in einer fremden Sprache zu ihnen spricht. Bei den Dreharbeiten standen viele Komparsen rum, irgendwann sagte der Regieassistent zu Herbig: Schau dir den da hinten an, der hat den ganzen Tag noch nicht einmal gelacht, der hasst uns wahrscheinlich. „Da sage ich: Jede Wette, ich brauch keine zehn Sekunden. Und dann bin ich hin, und nach fünf Sekunden hatte ich ihn zum Lachen gebracht.“ Es ging irgendwie um Bärte, welcher den dickeren hat oder so, genau weiß Herbig es auch nicht mehr, der zu dem Zeitpunkt ein ausgesprochen dünnes Zirkusdirektorenbärtchen trug. Leicht schwüle Bartwitze funktionieren meistens. Aber im Film kommt die Szene ja nicht vor. Zeisigs Antwort: „Harmlos ist in diesen Zeiten ein großer Luxus.“ Der ist gestrichen worden, aber der Film ist ja noch nicht ganz fertig. Herbig will „mal sehen, ob ich den wieder reinkriege“. Er muss noch rüber in sein Museum, ein Fernsehteam will da mit ihm einige Einstellungen fürs Nachmittagsprogramm drehen. Das Bully-Museum auf dem Bavaria-Gelände hat vor kurzem eröffnet, da gibt es Themeninseln, viel Unterhaltungselektronik, die Zuschauer können das Schlossgespenst Hui Buh befragen – das Schlossgespenst ist imstande, tatsächlich zu antworten. Auch die Glaskästen für das Kleinzeug, das im Leben so hängenbleibt, waren schnell gefüllt, Herbig ist der Typ Mann, der nichts wegwerfen kann. Die Beipackzettel aus den Überraschungseiern nicht, auch nicht die Strahlenschutz-Unterhose aus dem (T)Raumschiff und die Stalin-Autogrammkarten aus dem „Hotel Lux“. Bullyversum heißt dieser Ort, denn Bully ist zwar ein Kosename, aber auch ein Qualitätsbegriff, eine Marke. Da sind auch die Requisiten seines Lebens: Die Schlumpfsammlung. Die Schulhefte. Die Kinderfotos mit dem kleinen Jungen in der Badewanne, der sich einen Vollbart aus Schaum unters Kinn hält. Gefühlt müssten die Bilder aus der Schwarz-Weiß-Zeit sein, so lange scheint es ihn zu geben, aber sie stammen aus der Polaroid-Ära. Er ist erst 43 Jahre alt – und schon historisiert. Herbig ist bei seiner Mutter aufgewachsen, sie sind ein paarmal umgezogen, er musste sich in neuen Schulen an neue Mitschüler gewöhnen. Wenn er an die Tafel gerufen wurde, schoss ihm das Blut in den Kopf. „Es machte Wupp“, dann war das Gesicht knallrot. Er hat irgendwann mitbekommen, dass man die Leute kriegt, wenn man sie zum Lachen bringt. Er ist an der Filmhochschule ab- Foto: Dieter Mayr/herbX film Ein harmloser Clown? Im Film sagt er: „Harmlos ist in dieser Zeit durchaus ein Kompliment.“ Bully Herbig hat mit der „Bullyparade“ im Fernsehen aufgehört, als sie grade gut lief, er hat keine Fortsetzung vom „Schuh des Manitu“ gedreht, er hat aus Sissi einen Animationsfilm gemacht. Er kennt sich mit Bildern so gut aus, dass er weiß: Wenn nie was umgehängt wird, hat man sich am schönsten Gemälde irgendwann sattgesehen. Eine Rolle ist eine Rolle, aber eine Rolle hat immer auch etwas zu tun mit dem, der sie spielt. In „Hotel Lux“ gibt es eine Szene, in der die schöne Widerstandskämpferin Frida van Oorten, gespielt von Thekla Reuten, zu Hans Zeisig sagt: „Sie sind nur ein harmloser Clown.“ Es klingt, als spräche sie ein bisschen auch zu dem Mann, den alle Bully nennen. Er lacht jetzt leise. Kann man so verstehen, klar. „Es gab noch einen Satz, gelehnt worden, also hat er weiter Filme gesehen, Filmbücher gelesen, vieles ausprobiert, vieles verworfen. Herbig war elf, als er mit seinem ersten Zeichentrickfilm anfing. Er zeichnete 23 Bilder, es dauerte fast zwei Wochen, aber für eine Sekunde Film braucht man 24 Bilder. Da hörte er auf. Die Filzstifte waren leergemalt. Seine Filmemacherkarriere war nicht beendet. Sie ruhte nur. Im Museum sieht man, warum er es so weit gebracht hat. Da ist der Klappstuhl aus dem „Schuh des Manitu“, die Schoschonen haben ja keine Streitaxt, die sie ausgraben können. Also graben sie den Klappstuhl aus, er steht bald als Rauchzeichen am Himmel. „Sie haben den Klappstuhl ausgegraben“, sagt Bully Herbig, als Abahachi, und Christian Tramitz als Ranger sagt: „Jetzt drehn’s völlig durch, oder?“ Man muss verrückt sein, um auf so was zu kommen. Man muss ein Gefühl für Menschen haben, um einen schmierhaarigen Schauspieler wie Sky du Mont zu recyceln. Man muss, mit echter Liebe, jede Figur entwickeln, jedes Kostüm entwerfen, jeden Dialog so trimmen, dass das Timing stimmt. Was geht gerade noch, was tut schon weh? Man muss dieses abgedrehte Zeug, das einem eigentlich nur bekifft oder besoffen einfallen kann, nüchtern zum Buch werden lassen, dann zum Film. Einen schwulen Indianer erfinden, der Winnetouch heißt, Zither spielt und auf der zum Beautysalon umgebauten Puder-Rosa-Ranch lebt? Man muss verrückt sein, um auf so was zu kommen, verrückt und, ja, auch ziemlich inspiriert. Ein Tag im Oktober, es ist wieder ziemlich warm, Bully Herbig sitzt draußen in Grünwald auf einer Bank vor den Tonstudios, Jeans, kariertes Hemd, er sieht etwas müde aus, seine Stimme ist rau. Regisseur Haußmann sitzt auf der Bank Seite 4 / Süddeutsche Zeitung Nr. 242 HF2 MEINUNG Donnerstag, 20. Oktober 2011 Sozialismus minus Stasi Von Daniel Brössler Gewohnt, an Widersprüchen zu leiden, haben die Linken in den vergangenen Jahren erleben müssen, dass zweierlei prächtig zusammengeht: die Krise des Kapitalismus und die Krise ihrer Partei. Empörte ziehen vor die Frankfurter Börse, die Linke trottet hinterher. Unzufriedene sammeln sich unter einer neuen Fahne. Es ist jene der Piraten. Das ist so gekommen, obwohl das Siechtum von Euro, Banken und FDP alles zu bestätigen scheint, wovor Gregor Gysi und Oskar Lafontaine schon immer gewarnt haben. Ihren eigenen Niedergang in Umfragen und Wahlen deuten die Linken so, dass ihre guten „Inhalte“ einfach nicht richtig ankommen beim Bürger – sei es verschuldet von der stumpfen Parteispitze aus Gesine Lötzsch und Klaus Ernst oder, noch einfacher, wegen der Missgunst der Medien. Nun wollen sie gegensteuern: An diesem Freitag kommt die Linke zusammen, um sich ein neues Programm zu geben. Es werden sich darin viele Deutungen finden für die Krisen in der Welt. Am Ende wird es aber vor allem eine Krise erklären: jene der Linken. Fast alle in der Partei wissen, dass die Linke eine neue Führung braucht. Doch darum wird es diesmal nicht gehen. Dieser Parteitag führt durch Querelen zu den Quellen. Die Linke präsentiert ihren Wesenskern. Zum Geburtsort ihres ersten richtigen Programms hat sie Erfurt bestimmt. 120 Jahre nachdem die SPD dort die Befreiung des Proletariats postuliert hat, will auch die Linke ein „Erfurter Programm“. Vom Proletariat wird darin keine Rede sein, wohl aber von der Überwindung des Kapitalismus. Die Linke strebt eine „andere, demokratische Wirtschaftsordnung“ an sowie eine Vergesellschaftung von vielem, was groß und wichtig ist in der Wirtschaft. Deutschland soll es, das wird die Botschaft von Erfurt sein, noch einmal versuchen mit dem Sozialismus. Eben jenem Sozialismus also, den sie seit dem Zusammenschluss von SED-Erben (Ost) und SPD-Flüchtigen (West) nicht mehr im Namen führen will. Als „die Linke“ besetzte sie bewusst vage und geschickt jenen politischen Ort, den Lafontaine zuvor als vakant ausgemacht hatte. Ihre Wahlerfolge 2005 und 2009 feierte sie auch als Sprachrohr der Es-warnicht-alles-schlecht-Klientel im Osten und der Uns-ging-es-nie-schlechter-Kläger im Westen. Von der Wiedereinführung des Sozialismus war zumindest auf Wahlplakaten keine Rede. Es trifft zu, dass Oskar Lafontaine den Linkssozialisten in sich entdeckt hat. Die Wähler aber stimmten überwiegend für den Mann, der einmal saarländischer Ministerpräsident war und SPD-Chef und Finanzminister. Nicht für einen Radikalen. Den Wählern der Piratenpartei wird heute nachgesagt, sie wüssten gar nicht genau, wem sie ihre Stimme gegeben haben. Bis zu einem gewissen Grad trifft das auch auf die früheren Wähler der Linken zu. Ostdeutsche waren sich nicht unbedingt im Klaren darüber, wie sehr die Fusion ihre alte Partei verändern würde. Und Anhänger im Westen glaubten womöglich, eine linkere SPD zu wählen. Es war dies ein Irrtum, auf den Gregor Gysi auf seine Weise aufmerksam machte – mit der notorischen Mahnung, die SPD müsse wieder sozialdemokratisch werden. Die Linken wollten Sozialdemokraten stets vor sich hertreiben, aber nicht selber welche sein. Mit der Rückkehr der SPD in die Opposition und der Verschärfung der Finanzkrise ist diese Strategie des Treibens an ihre Grenzen gestoßen. Die Linken müssen nun ihre eigenen Karten auf den Tisch legen. Das Wanken der kapitalistischen Volkswirtschaften hat dabei als Katalysator gewirkt. Schneller und konsequenter als sie es vielleicht sonst gewagt hätte, präsentiert die Linke der Öffentlichkeit eine kompromisslos sozialistische Weltdeutung. Die gegenwärtige Krise wird im geschichtlichen Teil des Programmentwurfs zum geradezu zwangsläufigen Ergebnis der kapitalistischen Entwicklung erklärt. Es gibt demnach keine Fehler im System, das System ist der Fehler. Die Linke attackiert den Kapitalismus, aber sie meint auch die Marktwirtschaft. Sie empfiehlt, verkürzt formuliert, einen Sozialismus plus Mittelstand minus Stasi. Die Neuauflage soll natürlich demokratisch funktionieren und ohne die Auswüchse sturer Planwirtschaft. So werden das die Linken in ihrem Erfurter Programm beschließen. Danach müssen sie nur noch Wähler finden, die daran glauben. So entpuppt sich die Krise, die für eine linke Partei eine Chance sein könnte, als Falle. Sie zwingt die Linke zu grundsätzlichen Bekenntnissen, verleitet sie zu radikalen Antworten und bestärkt sie im Selbstbild als Hüterin der einzigen Wahrheit. Die Abgrenzung von SPD und Grünen wird sie in Erfurt weiter zementieren. Die Linke hat sich für ihr Programm „Haltelinien“ ausgedacht, die ihr eine Beteiligung an Regierungen nur unter strengen Voraussetzungen erlauben würden. Dabei wäre das – zumindest in der Bundespolitik – gar nicht nötig gewesen. Für ein Bündnis mit Sozialdemokraten und Grünen steht die Partei nach dem Erfurter Parteitag nicht mehr ernsthaft zur Verfügung. Es ist stets das natürliche Bestreben der Sozialdemokraten gewesen, die neue Konkurrenz ins Abseits zu drängen. Das erübrigt sich. Die Linke stellt sich bereitwillig selbst hinein. Blick in die Pressse Fatale Entscheidung Den Gefangenenaustausch in Nahost beurteilt die spanische Zeitung El Mundo (Madrid) skeptisch: „Die Freilassung des israelischen Soldaten Gilad Schalit im Austausch gegen mehr als 1000 Palästinenser entfacht eine neue Debatte über den Kampf gegen den Terrorismus. (. . .) Mit dem Gefangenenaustausch verlieh Israel der Hamas den Status eines Verhandlungspartners. Von nun an wird es schwerer sein, die Organisation als eine terroristische Vereinigung zu präsentieren. Es ist ein Fehler, Terroristen mit einem Rechtsstaat auf eine Stufe zu stellen.“ Die polnische Tageszeitung Gazeta Wyborcza (Warschau) schreibt zum selben Thema: Unkontrolliertes Wachstum SZ-Zeichnung: Pepsch Gottscheber „Die radikalislamische Hamas hat den Palästinensern bewiesen, dass sie – anders als Präsident Mahmud Abbas – Wirkung erzielt. (. . .) Gewonnen hat auch Ministerpräsident Netanjahu, der endlich einen Erfolg vermelden kann. Alle anderen, künftige Opfer des palästinensischen Terrors und der israelischen Reaktionen auf die Terroranschläge, geschweige denn die Anhänger der Gerechtigkeit, können bei diesem Gefangenenaustausch nur verlieren.“ Urteil gegen das Leben Ein Hebel und seine Wirkung Die Schuldenkrise kann nur gelöst werden, wenn Bürger und Märkte verstehen, was geschieht Von Marc Beise Es ist noch kein Jahr her, da musste sich Spott gefallen lassen, wer wie selbstverständlich im Stil der Banker vom „Hebeln“ der Finanzprodukte sprach. Heute kommt das Wort schon beiläufigen Fernsehzuschauern locker von der Zunge. Man ist ja dankbar für eine klare Sprache: Hebeln ist griffiger als EFSF oder ESM. „Euro-Staaten hebeln Finanzkrise aus“ – das wäre die Schlagzeile, die in diesen bangen Tagen Hoffnung bringen könnte. Oder aber Furcht einflößt. Ob nämlich der große Hebel gut oder schlecht ist, auf den sich die Staats- und Regierungschefs am Wochenende beim Gipfel der Gipfel verständigen wollen, das hängt sehr davon ab, was genau man unter dem Banker-Begriff verstehen soll. In seiner einfachsten Form bedeutet Hebeln in der Finanzbranche, mit wenig eigenem Kapital viel größere Summen zu bewegen. Das in der Tat könnte aus deutscher Sicht die Quadratur des Kreises ermöglichen. Hat nicht der Bundestag eine Obergrenze für die Euro-Hilfe beschlossen? Und warnen nicht die Experten, dass die für Europa eingepreiste Rettungssumme von 440 Milliarden Euro nicht reichen würde, sollte außer den bekannten Sorgenländern womöglich auch Spanien oder Italien gestützt werden müssen? Mit wenig eigenem Kapital viel größere Summen zu bewegen – das wäre dann die Lösung, einerseits. Andererseits kam das Hebeln zu Recht in Verruf, als Finanzakrobaten komplizierteste Konstruktionen zu einem riesigen Schwindelgeschäft zusammenfügten, das 2008 donnernd zusammenbrach. Angela Merkel und ihre Kollegen haben nun, beraten von wohlmeinenden Praktikern aus der Finanzwelt (die es durchaus auch gibt), eine Rettungskonstruktion gefunden, die noch bis in die Details geprüft werden muss, ehe ein verlässliches Urteil zulässig ist. Jedenfalls müssen am Ende zwei Gruppen zufriedengestellt werden, die gemeinhin als Antipoden gesehen werden: Die Bürger, die das Recht haben zu verstehen, was mit ihrem Steuergeld geschieht. Und die Profis an den Finanzmärkten, die dann hoffentlich den Krisenländern Schonfrist gewähren. Beide Gruppen haben ein feines Gespür dafür, was tragfähig ist oder nicht. Beiden muss die Politik eine Perspektive bieten. Derzeit reden die Krisenmanager nur über Wirtschaft, gar nur über Finanztechnik. Ausgeblendet wird der politische Unterbau, auf dem das Konstrukt ruhen soll. Deshalb müssen die Regierungschefs so schnell wie möglich sagen, wohin der Hebel-Plan führen soll. Steht Europa noch zu Griechenland? Mit wem marschiert Deutschland? Weiter mit Frankreich, auch wenn das Land unter Druck gerät? Brauchen wir mehr Europa oder weniger? Politisch oder nur finanztechnisch? Es können an einem Wochenende nicht die europäischen Verträge geändert werden. Aber die künftige Gestalt Europas muss sich abzeichnen, wenn wieder Ruhe einkehren soll an den Märkten und in den Wohnstuben. Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs, wonach menschliche embryonale Stammzellen nicht für die Forschung patentiert und vermarktet werden dürfen, kritisiert die Frankfurter Rundschau: „Die Resultate dieser Grundlagenforschung in neue Medikamente und Therapien umzumünzen, dürfte nach dem Luxemburger Urteil in Europa schwierig werden. Patienten und Politiker fordern zu Recht, dass neue Erkenntnisse schnell den Kranken zugutekommen. Aber ohne Patentschutz, der die zeitlich begrenzte exklusive Verwertung sichert, wird kein Investor die hohen Entwicklungskosten auf sich nehmen wollen.“ Der Berliner Tagesspiegel hält die Entscheidung für den Ausdruck einer regulierungswütigen Eurokratie: „Der Luxemburger Richterspruch ist kein Urteil für, sondern gegen das Leben. Er ist ein schwerer Schlag nicht nur für die medizinische Forschung in Europa, sondern auch für schwer kranke Patienten. Viele von ihnen setzen ihre Hoffnung auf Therapien aus Stammzellen.“ DEFGH Herausgegeben vom Süddeutschen Verlag vertreten durch die Gesellschafterversammlung Chefredakteur: Kurt Kister Stellvertretender Chefredakteur: Wolfgang Krach Mitglied der Chefredaktion, Innenpolitik: Dr. Heribert Prantl Außenpolitik: Stefan Kornelius; Christiane Schlötzer; Innenpolitik (Stellvertreter): Dr. Alexandra Borchardt, Detlef Esslinger; Seite Drei: Alexander Gorkow; Investigative Recherche: Hans Leyendecker; Nicolas Richter; Kultur: Andrian Kreye, Dr. Thomas Steinfeld; Wirtschaft: Dr. Marc Beise, Hans-Jürgen Jakobs; Sport: Klaus Hoeltzenbein; Wissen: Dr. Patrick Illinger; Gesellschaft und Panorama: Tanja Rest; Wochenende: Gerhard Matzig; Mobiles Leben: Jörg Reichle; Beilagen: Werner Schmidt; München, Region und Bayern: Christian Krügel, Ulrich Schäfer; Peter Fahrenholz, Christian Mayer, Annette Ramelsberger; Bild: Jörg Buschmann; Grafik: Daniel Braun Geschäftsführende Redakteure: Dr. Hendrik Munsberg, Robert Roßmann, Stefan Plöchinger (Online) Chef vom Dienst: Carsten Matthäus Chefkorrespondent: Stefan Klein Leitende Redakteure: Prof. Dr. Joachim Kaiser, Nikolaus Piper, Evelyn Roll Die für das jeweilige Ressort an erster Stelle Genannten sind verantwortliche Redakteure im Sinne des Gesetzes über die Presse vom 3. Oktober 1949. Anschrift der Redaktion: Hultschiner Straße 8, 81677 München, Tel.(089) 21 83-0; Nachtruf: 21 83-7708; Nachrichtenaufnahme: 21 83-481; Fax 21 83-97 77; E-Mail: [email protected] Berlin: Nico Fried; Claus Hulverscheidt (Wirtschaft), Französische Str. 47, 10117 Berlin, Tel. (0 30) 20 38 66 50; Erfurt: Christiane Kohl, Marktstr. 38 a, 99084 Erfurt, Tel. (03 61) 6 01 16 05; Düsseldorf: Bernd Dörries, Bäckerstr. 2, 40213 Düsseldorf, Tel. (02 11) 54 05 55-0; Frankfurt: Helga Einecke, Kleiner Hirschgraben 8, 60311 Frankfurt, Tel. (0 69) 2 99 92 70; Hamburg: Ralf Wiegand, Poststr. 25, 20354 Hamburg, Tel. (0 40) 46 88 31-0; Karlsruhe: Dr. Wolfgang Janisch, Sophienstr. 99, 76135 Karlsruhe, Tel. (07 21) 84 41 28; Stuttgart: Dagmar Deckstein, Rotebühlplatz 33, 70178 Stuttgart, Tel. (07 11) 24 75 93/94 Geschäftsführer: Dr. Detlef Haaks, Dr. Richard Rebmann, Dr. Karl Ulrich; Anzeigen: Jürgen Maukner (verantwortlich). Zurzeit ist die Anzeigenpreisliste Nr. 75 vom 1. Oktober 2011 gültig. Das Abonnement kostet in Bayern monatlich 43,80 Euro, außerhalb Bayerns 46,80 Euro; Studenten zahlen, nach Vorlage einer entsprechenden Bescheinigung, 22,90 Euro, jeweils inkl. Mehrwertsteuer (Auslandspreise auf Anfrage). Bankverbindung: Postbank München 5 54 18 03, BLZ: 700 100 80. Erscheint die Zeitung durch höhere Gewalt oder Streik nicht, besteht kein Anspruch auf Entschädigung. Abonnements können schriftlich mit einer Frist von vier Wochen zum Monatsende beziehungsweise zum Ende eines Vorauszahlungszeitraums gekündigt werden. www.sueddeutsche.de/abo Anschrift des Verlages: Süddeutsche Zeitung GmbH, Hultschiner Straße 8, 81677 München; Großkundenadresse: Süddeutsche Zeitung GmbH, 80289 München. Telefon (0 89) 21 83-0, Telegrammadresse: süddeutsche Anzeigen: Telefax: (0 89) 21 83-7 95. Telefonische Anzeigenaufnahme: Tel. 089/21 83-10 10 (Immobilien-/Mietmarkt), Tel. 089/21 83-10 20 (Motormarkt), Tel. 089/21 83-10 30 (Stellenmarkt, weitere Anzeigenmärkte). 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Die Rechte für vorstehende Nutzungen, auch für Wiederveröffentlichung (Syndication), bietet die Dokumentations- und Informations Zentrum München GmbH (DIZ), Tel. 089/2183-9323 / www.diz-muenchen.de, Rechte für elektronische Pressespiegel die PMG Presse-Monitor GmbH, Tel. 030/28493-0, www.presse-monitor.de Überregionales Pflichtblatt an allen deutschen Börsen. PROFIL ie kennen sich seit Studienzeiten, als sie in Amerika ein College-Zimmer teilten: Der sozialistische Premier Giorgos Papandreou und der konservative Oppositionsführer Antonis Samaras. Aber sie kommen einander nicht näher. Am Dienstagabend trafen sich die ungleichen Zwillinge der griechischen Politik wieder einmal. Es soll laut zugegangen sein. Zuvor gab es Gerüchte, Papandreou werde in seiner Not dem Rivalen eine Koalition anbieten – wie schon im Juni. Damals hatte der 60-jährige Samaras seinem ehemaligen Studienfreund bereits einen Korb gegeben. Nun spottete er nach der Begegnung öffentlich über den Premier, dem bei der Abstimmung am Donnerstag über das aktuelle drastische Sparpaket im Parlament eine Zitterpartie droht: „Ich habe nichts zu bereden mit jemandem, der in Panik ist und jedermann beleidigt.“ Antonis Samaras gibt sich selbstbewusst, seine Partei Nea Dimokratia (ND) fordert bereits Neuwahlen. Umfragen geben ihr einen immer deutlicheren Vorsprung vor den Pasok-Sozialisten – aber keine Mehrheit für eine Alleinregierung. Samaras sieht sich dennoch schon als Premier. Der Mann mit dem exakten Seitenscheitel im leicht ergrauten Haar hatte nach seiner Wahl zum Parteichef im November 2009 versprochen, das Profil der Konservativen zu schärfen. Kurz zuvor hatte die ND die Macht in Athen wieder Abitur schwer gemacht Das Abitur ist eine etablierte pädagogische Marke. Es gehört zu Deutschland wie die Bratwurst und das Brandenburger Tor. Doch eine bundesweit einheitliche Reifeprüfung gibt es nicht, jedes Bundesland hat eigene Regeln, und so war es immer schon. Im 19. Jahrhundert prüften die Schulen in Preußen anders als in Sachsen oder Baden. Mehr als ein Minimalkonsens ist historisch nie zustande gekommen. Im Kampf um einen Studienplatz wird diese föderale Vielfalt zum Problem. Denn von den Noten hängt ab, ob ein Bewerber den gewünschten Studiengang antreten kann. Die Universitäten unterstellen, dass das Abitur überall gleich schwer ist. Das ist es aber nicht. Die Experten des „Aktionsrats Bildung“ schlagen nun ein bundesweites Kernabitur in Deutsch, Mathematik und Englisch vor. Es soll die Reifeprüfung vergleichbarer und gerechter machen. Das mag gut klingen, macht die Sache aber sehr kompliziert. Es würde einen zentralen Test geben, mit dem ein gewaltiger pädagogischer und administrativer Aufwand verbunden wäre. Dennoch würden daneben die herkömmlichen Prüfungen mit den Unterschieden zwischen den Ländern fortbestehen. De facto wären die Abiturienten mit zwei völlig unterschiedlichen Prüfungsblöcken konfrontiert – und der Zugang zum Studium würde nur minimal gerechter werden. Der nationale Testtag soll nur über zehn Prozent der Abiturnote entscheiden. Statt ein ganz neues Abitur-Arrangement zu schaffen, sollten die Länder einen gemeinsamen Pool an Abituraufgaben bilden. Jeder erinnert sich daran, wie aufreibend und fehlerhaft die Umstellung auf das achtjährige Gymnasium (G 8) war. Jede Reform des Abiturs muss jetzt sehr behutsam vorgehen. tvs S Antonis Samaras Griechischer Oppositionschef ohne Kompromissbereitschaft einmal an die Pasok abgeben müssen. Griechenland war da schon von der Schuldenkrise gezeichnet, und SamarasVorgänger Kostas Karamanlis hatte wenig Lust zum Weiterregieren gezeigt. Das war die Stunde für den Wiederaufstieg des Antonis Samaras. Der hatte seine Partei vor 20 Jahren in eine heftige Krise gestürzt und sie 1992 sogar verlassen. Als Außenminister schürte er damals im Streit um den Namen Mazedonien für die benachbarte Balkan-Republik Gold, das nicht nur glänzt Jetzt ist wieder vom goldenen Handschlag die Rede. Verteidigungsminister Thomas de Maizière will Berufssoldaten, die wegen der Verkleinerung der Bundeswehr nicht mehr gebraucht werden, den freiwilligen Abschied schmackhaft machen. Wer jünger ist als 40 Jahre, soll eine Abfindung von 5000 Euro pro geleistetem Dienstjahr kassieren, maximal 100 000 Euro, und das Ganze steuerfrei. Wer im Alter zwischen 40 und 50 Jahren ausscheidet, soll sofort seine bis dahin erdienten Altersbezüge und zusätzlich 5000 Euro pro Dienstjahr erhalten. Über 50-Jährige sollen sogar mit vollen Pensionsbezügen in den vorzeitigen Ruhestand gehen können. Das ist großzügig. Vor allem die Steuerfreiheit der Abfindung wird den Neid manches Schicksalsgenossen aus der freien Wirtschaft wecken. Andererseits mustert die Bundeswehr nun Menschen – ohne deren Verschulden – aus, denen einst lebenslange Arbeitsplatzsicherheit versprochen worden war. Zwar müssen sich Beschäftigte in allen Bereichen der Arbeitswelt darauf einstellen, dass Lebenszeit-Garantien der Vergangenheit angehören. Doch Vertrag ist Vertrag, und ein Vertrag ist eben auch die Übernahme ins Berufssoldatentum. Die vorgesehene Regelung ist deshalb nicht überzogen. 100 000 Euro auf die Hand, das hört sich erst einmal toll an. Bei genauerem Hinsehen sichern sie aber einer Familie nicht das Überleben. Der Ingenieur, der bei der Bundeswehr studiert hat, findet leicht einen Job. Für ihn ist das Geld ein kräftiges Zubrot. Der Diplomkaufmann oder der Pädagoge aber dürften, zumal in einer strukturschwachen Region, schwer zu vermitteln sein. Sie benötigen eine tragfähige Hilfe für den Übergang ins Zivilleben. ble die nationale Hysterie. Als Samaras verlangte, die Grenzen zum Nachbarn zu schließen, wurde er vom konservativen Regierungschef Konstantinos Mitsotakis als Minister entlassen. Die ND verlor bald darauf die Macht und brauchte ein Jahrzehnt, um sie wieder zu erlangen. Samaras gründete in der Zwischenzeit die nationalistische Partei „Politischer Frühling“, die nur einen kurzen Höhenflug erlebte. Vor der Parlamentswahl 2004 bat er bei der ND wieder um Einlass, wurde Europaabgeordneter, 2007 zog er in Athen ins Parlament ein, 2009 war er zehn Monate lang Kultusminister. Sein Aufstieg zum ND-Chef überraschte und zeigte, dass in der griechischen Politik Familienfehden eine große Rolle spielen: Samaras fand seine Unterstützer im rechten Lager der ND und setzte sich so in einer Kampfabstimmung gegen die liberale, deutlich prominentere Athener Ex-Bürgermeisterin Dora Bakoyanni durch – die Tochter von Mitsotakis, dessen Sturz als Premier er einst mitherbeigeführt hatte. Bakoyanni hat er inzwischen aus der ND ausschließen lassen. Samaras selbst stammt aus einer begüterten Familie. Er war griechischer Jugend-Tennismeister, in den USA studierte er Ökonomie. Europäische christdemokratische Parteichefs haben zuletzt versucht, Samaras zu mehr Kompromissbereitschaft zu bewegen. Sie blitzten ab – wie Papandreou. Christiane Schlötzer Auferstehung der Dämonen Die Türkei und die kurdische PKK stehen wieder im offenen Krieg – der alte Konflikt ist nicht gelöst Von Kai Strittmatter Die Zeit der Hoffnung scheint vorbei zwischen Türken und Kurden. Die Türkei wird von ihren Versäumnissen eingeholt. Warum der Anschlag vom Mittwoch? Es wird spekuliert über Fraktionskämpfe innerhalb der Kurdischen Arbeiterpartei PKK. Vertreter des Rebellentrupps hatten sich noch vor kurzem immerhin zu Geheimgesprächen mit der Regierung getroffen. Der tödliche Anschlag aber ist nur der letzte blutige Beleg für einen traurigen Verdacht: Am Steuer sitzen wieder einmal diejenigen, die keinen Frieden wünschen. Die PKK mordet wieder. Und die türkische Regierung? Sie spielt eben diesen Leuten in die Hand. Der Präsident schwört „gewaltige Rache“, der Premierminister äußert sich schon seit Monaten martialisch. Nun beruft er sich auf die „heiligen Seelen der gefallenen Märtyrer“ und schickt seine Soldaten zur PKK-Verfolgung über die Grenze ins Nachbarland Irak. Die Sprache des Krieges und der Rache droht das Reden über Frieden und Reformen zu verdrängen. Und weil in der Türkei schnell vergessen wird und nationalistische Emotionen gerne hochkochen, mag die Rhetorik innenpolitisch kurzfristig ankommen. Tatsächlich aber verbirgt sich dahinter Hilflosigkeit. Fast drei Jahrzehnte lang hält der Kampf zwischen PKK und Armee nun schon an, und heute – fünf Präsidenten, acht Premierminister und neun Generalstabschefs später – droht die Türkei wieder einmal dort hineinzugeraten, wo sie schon so oft war: in eine Spirale von Gewalt und Gegengewalt. Die Schwüre von der „völligen Vernichtung“ der PKK sind ebenso alt wie die Versuche, der Organisation durch grenzüberschreitende Militäraktionen habhaft zu werden. Zum letzten Mal marschierten Anfang 2008 mehrere Tausend türkische Soldaten im Irak ein – und die PKK ist so lebendig wie eh und je. Die Kurdenfrage ist das wichtigste Problem, das die Türkei zu lösen hat. Es war die AKP unter Premier Tayyip Erdogan, die erstmals begriffen zu haben schien, dass die Kurden kein Sicherheitsproblem darstellten. Vielmehr werden hier fundamentale Fragen über die Rechte einer unterdrückten Minderheit aufgeworfen. Die PKK wurde dabei immer nur als Symptom bekämpft. Das eigentliche Problem liegt in der Unterstützung, die diese Kämpfer von großen Teilen der kurdischen Bürger in der Türkei erhalten – weil sie dem türkischen Staat nicht trauen; weil vor allem in den 1990er Jahren ihre Dörfer verbrannt, ihre Kinder getötet, ihre Männer gefoltert wurden. Die Türkei erlebt nun großen Schmerz angesichts der 26 getöteten Soldaten. Was viele Kurden nicht verstehen, ist, dass der Staat bis heute ihren Schmerz nicht anerkennt: 50 000 Tote hat der Konflikt seit 1984 gefordert – 40 000 davon waren Kurden, und die Logik von Gewalt und Gegengewalt ist noch immer nicht durchbrochen. Die AKP, die zunächst ein paar mutige Reformen wagte, ähnelt inzwischen mehr und mehr den alten staatstragenden Parteien. Sie ist verantwortlich für eine beispiellose Welle der Verhaftung von Repräsentanten der linken Kurdenpartei BDP. Es scheint, als unterscheide die AKP zwischen guten (konservativen, frommen) und schlechten (linken, nationalistischen) Kurden, und als wäre ihr Ziel die Zerschlagung der nationalistischen kurdischen Bewegung. Das aber wäre eine große Dummheit: In manchen Städten des Südostens wählen zwei von drei Kurden die BDP. Natürlich steht die BDP der PKK nahe. Genau deshalb ist sie die politische Kraft, mit der Ankara sprechen muss. Nicht anders haben die Friedensgespräche in Nordirland funktioniert. Nach der letzten großen Verhaftungswelle gegen BDP-Politikern kritisierte die Istanbuler Zeitung Hürriyet dies als Schlag gegen die moderaten Kurden und prophezeite: „Die Gewalt wird eskalieren.“ Das ist exakt zwei Wochen her. Falsches Kalkül in Kiew Hat sich die ukrainische Führung selbst ausmanövriert? Oder plante sie von Anfang an, sich mit Moskau zu arrangieren? Pokert sie gar mit dem Kreml, um einen Rabatt für russisches Erdgas herauszuschlagen, dann aber wieder einen Westschwenk vorzunehmen? Sicher ist bei dem Kräftemessen zwischen Kiew, Moskau und Brüssel eigentlich nur, dass es um die künftige Gestalt Osteuropas geht. Wird der Neoimperalist Wladimir Putin die ehemaligen Sowjetrepubliken unter den Schirm Moskaus zurückholen können? Oder bewahrt sich die Ukraine mit Hilfe der EU doch die Chance, ein demokratischer Staat zu werden? Eine Demokratisierung hat der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch, ein früherer Apparatschik, sicherlich nicht im Sinn; doch wäre dies ein Nebeneffekt, käme es zu einer Annäherung an die EU. Ein Teil der hinter Janukowitsch stehenden Industriemagnaten strebt diese Nähe an – die Unternehmer sind auf westliche Technologie angewiesen und wollen sich auf gar keinen Fall von Putin kontrollieren lassen. Allerdings spricht derzeit mehr dafür, dass die Kiewer Führung von der Entwicklung der Dinge getrieben wird als selbst einem Plan zu folgen. Letztlich zahlt sie so einen Preis für die kleingeistige Rachsucht Janukowitschs – sie liegt wohl hauptsächlich dem Strafverfahren gegen seine innenpolitische Rivalin Julia Timoschenko zugrunde. Timoschenko hatte ihn nämlich vor sieben Jahren bei der „orangenen Revolution“gedemütigt. Janukowitsch hat nicht begriffen, dass ihn eine Geste der Versöhnung innenpolitisch stärken würden. Gleichzeitig wäre er in einer viel besseren Position sowohl gegenüber Brüssel, als auch gegenüber Moskau. tu Foto: Bloomberg Zur Herstellung der Süddeutschen Zeitung wird Recycling-Papier verwendet. Bosbach und Hartmann verlangen zudem bundesweit einheitliche Vorschriften für die Überwachung von InternetKommunikation. um das System insgesamt auszuspähen“. noch immer in „weiter Ferne“. Das hatte sich an einer geringen Teilnahmebereitschaft bemerkbar gemacht. Und der örtliche Migrationsrat teilte mit: Bemühungen an Schulen. Demnach liegt das 2008 in Dresden vereinbarte Ziel. Quelle: eigene Recherchen Auf europäischen Rechnern kursiert ein neues Spionage-Programm. sagte aber. Die Auswertung der Opfer. die Computerprogramme in staatlicher Verantwortung zu entwickeln. Damit stünde die Zuverlässigkeit eines der wichtigsten digitalen Sicherheitsmechanismen infrage. bisher kaum nähergekommen. ob es sich um dasselbe Unternehmen handelte. Oktober 2011 POLITIK O O O O HF2 Süddeutsche Zeitung Nr. die bei der Überwachung von Internet-Kommunikation. Das haben die US-Sicherheitsfirmen Symantec und McAffee in der Nacht zum Mittwoch bekanntgegeben und erste Analysen der Software präsentiert. Nähere Details nannte er nicht. Dieses Verbot untersagt es dem Bund weitgehend. der Gruppenbildung entlang der Herkunft entgegenzuwirken. Die Freizeit – etwa mit gewaltverherrlichender Medien – nennt die Studie als Faktor für eine Gewalttäter-Karriere. der sich mit dem Verbreitungsgebiet des Goldschakals deckt – Teile Europas. von der Firma Digitask. der in verständlichen Programmiersprachen geschrieben ist. Die Überwachung von Internet-Telefonaten könne daher „ein Türöffner für OnlineDurchsuchungen sein“. dass es die gleichen Autoren sind. dessen Einsatz der Chaos Computer Club kürzlich aufgedeckt hat. ropa“ gefunden. langfristige Ziele. die in den Jahren 2006 und 2009 geführt worden waren. der Verband Bildung und Erziehung sowie die Opposition im Bundestag bekräftigten am Mittwoch ihre Forderung. haben am Mittwoch dafür plädiert. Bereits bei der Befragung hatte es Kritik an der Studie gegeben. Ein großer Abstand zur bundesdeutschen Lage findet sich in der Rubrik körperlicher Gewalt – in Berlin wurden hier anteilsmäßig doppelt so viele Jugendliche registriert (2. Die Quote lag zuletzt bei 7. Überdies sei die tatsächliche Überprüfung in zwei Fällen daran gescheitert. und Schüler mit starker Bindung an die Schule haben ein geringeres Risiko. wohl um weitere Cyber-Attacken zu starten plexität des Wurms wurden aber israelische und US-Geheimdienste verdächtigt. sich selbst weiterzuverbreiten. Doch von jenem Schwung. Durch das Projekt könne die Polizeistatistik erweitert werden. Bei der Telekommunikations-Überwachung. 20. 1 Befehle erteilen oder O O 1 O 1 1 O1 1 1 O 1 O O O 1 1 O O 1O O O O 1 O1 1 O O 1 OO 11 OO1 OO 1 1 OO O O O 1 O 1 1O O 1 1 O O O O O O O O O O Sachsen spähte Drogendealer aus Richter erlaubt Überwachung von Internet-Telefonaten Dresden – Auch Sachsen hat nun eingeräumt. damit rechnet schon wegen der Finanzkrise niemand. Entscheidungen sind nach Angaben aus Sicherheitskreisen von Bund und Ländern aber noch nicht zu erwarten. Und erst kürzlich beklagte das Kollegium einer Neuköllner Schule in einem Brief „zunehmende Respektlosigkeit“ wie Zerstörungswut und Gewalt auch gegenüber Lehrern. um sich gegen Entdeckung zu schützen. Derzeit engagiert sich die Bundesregierung aber beispielsweise stark beim Ausbau der Hochschulen: Bis 2015 stellt der Bund etwa fünf Milliarden Euro für zusätzliche Studienplätze bereit. Das Expertengremium plädiert für ein „Kernabitur“ in Deutsch. Die Ermittler haben aber eine Überwachungs-Software für die Kontrolle „der mündlichen und schriftlichen Kommunikation mittels des Internettelefonie-Dienstes Skype“ genutzt.Donnerstag.1 Jahre alt. bundesweit liegt das Alter bei 13. um Kindergärten. Duqu enthält anders als Stuxnet offenbar keine Funktion. mehr in Bildung zu investieren und das im Grundgesetz verankerte „Kooperationsverbot“ abzuschaffen. Kinder vor der Einschulung auf ihre Sprachkompetenzen in Deutsch zu testen. sagten sie auch mit Blick auf Bayern. An diesem Donnerstag besucht Merkel eine Schule in Berlin und trifft die Kultusminister der Länder. Bayern) Von Johann Osel Durchschnittlich brutal In Berlin neigt jeder zehnte Jugendliche zu Gewalttaten – nicht mehr als anderswo fünfte Tat in öffentlichen Verkehrsmitteln oder an Haltestellen – andernorts deutlich seltener. Der hatte zuvor den Innenausschuss über die Praktiken bei Ausspäh-Aktionen informiert und nach Angaben der beiden Abgeordneten erklärt. braucht man Detail-Kenntnisse über deren Systemarchitektur. entfernt das 1 1 sich 1 Programm O automatisch. sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock. Dazu müssten klare Regeln in der Strafprozessordnung festgelegt werden. Die Statistik besagt: In Berlin wurden 2009 und 2010 im Schnitt zwölf Prozent aller 14. Die Lehrerverbände reagierten am Mittwoch skeptisch auf einen Vorschlag des „Aktionsrats Bildung“.und Realschulen in Berlin. etwa um Taten. der sogenannten Quellen-TKÜ. fungieren also wie ein Sicherheitsaufkleber. O O von alleine. dass diese und andere Staaten Interesse an Sabotageakten in Deutschland oder Europa haben. sagt der Kriminologe Christian Pfeiffer. dass gerade Verlierer nicht bereit seien. es müssten kurzfristig weitere 50 000 Studienplätze finanziert werden. der die Echtheit eines Produktes bestätigt. Bei den Kindergärten und Schulen liegt die finanzielle Hauptlast dagegen bei den Ländern und Kommunen. Der Vorsitzende des Bundesinnenausschusses. Dabei sei es jedoch ausschließlich um die Überwachung von InternetTelefonkommunikation gegangen. Die Zahl gemeldeter Delikte an Schulen ist laut Senat zuletzt aber um 13 Prozent gesunken. in Deutschland sei nach dem bisherigen Kenntnisstand kein Computer infiziert worden. dass Ermittler des Landes ein Späh-Programm genutzt haben. beim ersten Mal im Durchschnitt 13. Von 40 bis 50 Prozent ist die Rede. sagt der Abgeordnete. Eine „überholte Identitätspolitik“. so dass die dort eingesetzten Zentrifugen Schaden nehmen. werden von speziellen Computern gesteuert. wie oft und mit welchen Mitteln deutsche Unternehmen angegriffen werden. Fertigungsstraßen oder Pipelines. die eigens für ihren Einsatzzweck programmiert werden. 46 Prozent der Schüler haben Migrationshintergrund – bundesweit sind es deutlich weniger. hieß es aus dem Ministerium.9 Prozent sagten. das auch die Staatstrojaner verkauft hat. mit dessen Hilfe sich private Kommunikation über das Internet überwachen lässt. dann müsse es auch möglich sein. Nordafrika. Das Justizministerium war nach einer Umfrage bei allen Staatsanwaltschaften im Bundesland auf diese drei Fälle gestoßen. dazu kommen weitere Milliardenbeträge für die Forschung. Derzeit gibt es etwa zwanzig verschiedene Verfahren. Zu diesem Zweck installiert der Trojaner ein Programm das Tastatureingaben wie Passwörter. mindestens eine Gewalttat begangen zu haben.2 zu 1. die mehr Funktionen haben. will nun von der Landesregierung wissen. „Der Rechtsstaat ist manchmal teuer“. dass die Programmierer Zugang zum Quellcode von Stuxnet hatten. die dazu führe. Bundesweit liegen die Werte auf ähnlichem Niveau. Susanne Höll 1 1 1 1 1 So funktioniert Duqu 1 1 1 1 1 1 Duqu wird auf bislang 1 unbekannte Weise gezielt auf 1 1 1 einen ausgewählten Rechner 1 Nach 36 Tagen 1geschmuggelt. würden durch die Befragung ad absurdum geführt. die weit über das Abhören laufender Internetkommunikation herausgeht. Sandro Gaycken von der Freien Universität Berlin etwa sagt. Die Autoren haben dazu knapp 3200 Berliner Jugendliche der neunten Klasse umfassend zu ihren Erfahrungen als Täter und Opfer befragt und die Ergebnisse in Bezug zu bundesweiten Daten gesetzt. um welche Forschungsorganisation es sich handelt oder welche Unternehmen Opfer des Angriffs geworden sind. ebenso Grüne und Linkspartei. Das ist nach einem Urteil des Landgerichts Landshut und nach Meinung vieler Experten unzulässig. Schulpolitik und Uni-Reform Von Tanjev Schultz München – Zumindest als Schlagwort ist die „Bildungsrepublik“ ein voller Erfolg. Dass sie dort die Auszahlung großer Summen ankündigt. die an U-Bahnhöfen Passanten ins Koma prügeln. die keinen Berufsabschluss haben. Symantec mutmaßt. Und diesen Zielen ist man. setzen die Bundessicherheitsbehörden schon jetzt selbst entwickelte Programme ein. an einen Server in Indien. Für dieses Jahr wird mit einer ähnliche hohen Zahl gerechnet. sondern als Chance. Der DGB. Zudem ereignet sich jede SPD und Gewerkschaften fordern mehr Geld vom Bund und Gesetzesänderungen. bestätigte Justizsprecher Till Pietzker. 1 1 1 1 1 1 1 1 1 O O 1 1 O1 1 O 1 1 5 Kontroll-Server des Angreifers 1 1 1 1 1 O O1 O Über den sogenannten O Command. darunter fallen Delikte aller Art. „gleich noch den Computer zu durchsuchen“. Allerdings geht man in Deutschland nicht davon aus. Allerdings haben die Experten keinen Überblick. München – In der öffentlichen Wahrnehmung ist die Sache eindeutig: Berlin hat ein Jugendgewaltproblem. Fast alle großtechnischen Anlagen. dass der Bund die entsprechenden Programme künftig selbst entwickelt. China und Russland gelten als besonders aktiv. „Die Bildungsrepublik wird zur Fata Morgana“. Beim Bildungsgipfel 2008 und den Treffen der folgenden Jahre hatten die Ministerpräsidenten zwar von Angela Merkel gefordert. getarnt als Bilddatei. die nicht angezeigt werden. Duqu ist ein reines Spionagewerkzeug“. sagte Hartmann. zumal in Bezug auf Kriminalität. heißt es beim LKA. Dort hatten Sicherheitsbehörden bei der Internet-Überwachung mit Hilfe des umstrittenen Trojaners auch Aufnahmen vom Computerbildschirm gemacht. diese könnten dazu dienen. Diesem Ansinnen hat sich die Kanzlerin jedoch verweigert. 17. Die deutschen Sicherheitsbehörden beobachten seit einigen Jahren mit Sorge verstärkt Cyber-Angriffe auf Computer staatlicher Einrichtungen und Unternehmen. dass die Behörden die Digitask-Software zwar strikt kontrollierten. Zugleich erhielt McAffee eine Kopie. Mathematik und Englisch. In Erinnerung ist auch noch der Hilferuf aus der Berliner Rütlischule vor fünf Jahren. Jörg Ziercke. Laut McAffee haben die Angreifer es auch auf die Aussteller solcher Zertifikate abgesehen. Wegen des politischen Streits über die Späh-Aktionen wollen die Innenminister von Bund und Ländern am Donnerstag in einer Telefonkonferenz über das weitere Vorgehen beraten. 2008 waren es 7. Dieses hat am Mittwoch eine repräsentative Studie zur Jugendgewalt im Auftrag des Senats vorgelegt. Nach Angaben des sächsischen Justizministeriums handelt es sich zwar nicht um jenen „Staatstrojaner“. Ratsam seien daher verpflichtende Ganztagsschulen – nicht als „Kinderbewahranstalten“. verwende wird. der Nahe Osten und Südasien. spekulieren Experten. Schlagzeilen machen zum Beispiel Fälle von jungen Männern. Allerdings könnten Hacker zumindest Teile des Codes für die Programmierung von Duqu rekonstruiert haben. Die Urheber von Stuxnet sind nie überführt worden. Stühle und Tische fürs Klassenzimmer sowie das Gehalt der Lehrer müssen die Bundesländer und Kommunen zahlen. Der Gewerkschaftsbund beruft sich auf eine Studie des Essener Bildungsforschers Klaus Klemm. und zwar in einem Raum. etwa. der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach. Der Philologenverband kritisierte. Symantec und McAffee schließen daraus. werde „ein komplexes informationstechnisches System auf den jeweiligen Computer infiltriert“. es reichte deshalb nur für paar vage. sei erfüllt worden. dass man die für die Überwachungszwecke eingesetzte Software eigens von einer Firma habe konfigurieren lassen. Von einem „kleinen Bruder des Stuxnet-Virus’“ ist die Rede. Stuxnet war mit großer Wahrscheinlichkeit entwickelt worden. Vor drei Jahren beschwor Kanzlerin Angela Merkel (CDU) die Vision einer Bildungsrepublik. Auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) würde eine solche Lösung befürworten. aber keinen Einblick in das komplette Computerprogramm hätten. UnionsFraktionschef Volker Kauder hat gerade erst wieder betont. Experten zufolge können solche Reformen das Konfliktpotential mindern. Um solche Steuerungen angreifen zu können. Klarer ist das Bild bei Bundesbehörden. 1 1 mit ist ein O den Kontroll-Server. ist nicht viel geblieben. Bei dem jüngst entschlüsselten Programm bayerischer Sicherheitsbehörden ist das allerdings anders. Daran denO O gehört. sagt ein Behördenvertreter. auf den die Software aufgespielt werde. an den die Informationen gingen. sich an die Normen zu halten. Zu der Frage. Wie schon Stuxnet enthält Duqu Vorkehrungen. um welche Software es sich im Einzelnen gehandelt hat. „dass Jugendliche ihre Freizeit nicht unstrukturiert verbringen“. die Migranten im familialen und sozialen Umfeld vorfinden“: etwa Ressentiments gegenüber Deutschen oder Schwulen. Johannes Lichdi. sei jeweils die Aufklärung von Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz gewesen. sagte ein Behördenvertreter der SZ. von Ladendiebstahl bis schweren Straftaten. Entscheidend seien „die Gegebenheiten.bis 29-Jährigen). dass die Software aus technischen Gründen nicht auf den Computer der überwachten Personen habe aufgespielt werden können. Michael Hartmann. In drei Fällen haben sächsische Richter auf Wunsch der Ermittlungsbehörden bislang die sogenannte Quellen-Telekommunikations-Überwachung („Quellen-TKÜ“) richterlich angeordnet. fügte er hinzu. Foto: Prisma Bildagentur. Der Landeselternausschuss rügte mangelnden Datenschutz und die psychische Belastung von Gewaltopfern. die Aktivitäten auf dem infizierten System verschleiern. Denn insgesamt gehe dort die Schere zwischen Schülern verschiedener Schularten weiter auseinander – eine „ausgeprägtere Winner-Looser-Kultur“. 242 / Seite 5 Trojaner lieber selbst entwickeln Innenpolitiker: Bund soll Software nicht mehr kaufen Berlin – Führende Innenpolitiker von Union und SPD fordern im Bund Konsequenzen aus der in Bayern ausgelösten Affäre um Späh-Software. Einzig das auf dem Bildungsgipfel beschlossene Ziel. Nach den bisherigen 1 verschlüsseltes Archiv Analysen befällt Duqu aber 1 Informationen 1 1 1 1 1 andere Rechner nicht O erbeuteten 1 angehängt. Paul-Anton Krüger und Helmut Martin-Jung München – Auf Computern in Europa ist ein Schadprogramm aufgetaucht. Und im dritten Fall habe sich die Maßnahme erübrigt. darunter sind besonders viele Migranten. Deren Anteil liegt nach wie vor bei mehr als 17 Prozent. Zusätzlich zu den herkömmlichen LänderPrüfungen sollten alle Abiturienten zentral getestet werden. diese habe die Software auf dem Netzwerk einer „Organisation in EuZahl von Organisationen oder Unternehmen betroffenen. den Bildschirminhalt oder Informationen über das Netzwerk aufzeichnet. in denen Behörden die umstrittene Software nutzen wollte. Das Landeskriminalamt berichtete. Andere Experten sind da zurückhaltender. Aufwand und Ertrag stünden beim Kernabitur nicht im richtigen Verhältnis. wollte sie Sprecherin ebenfalls nicht sagen. das große Ähnlichkeiten zu dem StuxnetWurm aufweist und offenbar gezielt Informationen über Industrieanlagen ausspionieren soll. mit weiteren Funktionen aufgerüstet werden. Die Experten im deutschen Cyber-Abwehrzentrum seien informiert und beobachteten die Entwicklung. da die Beschuldigten zuvor festgenommen worden seien. 1 1 1 Der kleine Bruder von Stuxnet Von Susanne Höll. Foto: dapd . den Ländern für Bildungsausgaben einen höheren Anteil an der Mehrwertsteuer zu überlassen. Die Vermutung liegt nahe. Das lasse aber nicht grundsätzlich auf höhere Gewaltprobleme schließen. Mit dem Programm sei es jedenfalls nicht möglich. Keinerlei Fortschritt sieht Klemm zudem bei jungen Erwachsenen (20. Symantec wurde am vergangenen Donnerstag von einer „Forschungseinrichtung mit starken internationalen Verbindungen“ auf Duqu aufmerksam gemacht. Foto: dpa Schüler an der Eberhard-KleinOberschule in Berlin-Kreuzberg: Die „Oberschulen“ sind in der Hauptstadt durch die Fusion von Hauptund Realschulen 2010 entstanden.bis 18-Jährigen polizeilich erfasst. stellte sie klar. könne in anderen Gegenden liegen – etwa im Nahen Osten. 2010 waren es 2108. Der rechtspolitische Sprecher der Grünen im Sächsischen Landtag. eigene Technik für Quellen-TKÜ zu erarbeiten. Auch stimmten religiöse Muslime doppelt so oft „gewaltbejahenden Männlichkeitskonzepten“ zu wie nicht religiöse. „Stuxnet war ein reiner Sabotage-Virus. dass Berlin am allerschlimmsten sei“. Auch begrüßen die Autoren die Fusion von Haupt. Das Programm könne den Rechner nicht durchsuchen. sie seien schon mal beraubt oder geschlagen worden. Dabei kann1 sowohl die er O O1 1 ausspionierten Informationen abrufen als auch dem Schadprogramm O 1 neue Software-Komponenten nachladen.und Täterschaft Berliner Schüler belegt dagegen keine höhere Gewaltbelastung als andernorts. Dass es dem Bund weitgehend untersagt ist. Bislang erwerben die Behörden jene Software. seitdem hat sich der Begriff zum geflügelten Wort entwickelt. aufgrund des Ziels und der Kom- O O O O 1 O 1 1 O 1 1 Duqu 1 1 1 1NetzwerkO O 1 1 eines 1 O 1 1O 1 1 1 1 O 1 O 1 1 O Unternehmens 1 1 1 1 O 1 1 O O O 1O O 1 O infizierter 1 O 1 O Rechner Internet O 1 O 1 O 1 O O 2 Auf dem infizierten Rechner 1 O 3 Zugleich kann die von Duqu 1 O O 1 O auch installiert Duqu ein Programm. Die sogenannten Quellcodes seien das Betriebsgeheimnis der Firma. 1 installierte Softwaredas 1 1 1 4 Der infizierte Rechner schickt 1große weiße O O über dass etwa Tastatureingaben 1 1 54 x 54 Pixel Netzwerk sammeln. Die SPD im Bundestag verlangt gleichwohl zusätzliche Investitionen. Die Firmen legten auf Wunsch ihrer Quelle nicht offen. OO OO 1 1 O OO O SZ-Graphik. Die Studie nennt eine „besondere Struktur der hier aufwachsenden Jugendlichen“: So seien die Familien jedes vierten Befragten von staatlichen Transfers abhängig. Das dürfe nicht an zusätzlichen Kosten scheitern. Konstruktionspläne etwa. Neue Nahrung erhält zudem die Debatte über ein bundesweites Zentralabitur. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung ist bislang höchstens eine niedrige zweistellige „Bildungsrepublik in weiter Ferne“ DGB erkennt keine Fortschritte bei Krippenausbau. Damals verrannten sich Politiker im ewigen Streit zwischen Bund und Ländern. um die Computersteuerung einer Urananreicherungsanlage in Iran zu sabotieren. man könne es auch „mit normaler Industriespionage“ zu tun haben. sagte Pietzker.0 Prozent. Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN). Die angestrebte Halbierung der Schulabbrecher-Quote sei ebenfalls noch nicht zu erkennen. 2009 wurden 1511 Angriffe auf Rechner des Bundes registriert. wurde Ziercke zitiert. Das bayerische Innenministerium ist aber anderer Ansicht und pocht auf ein höchstrichterliches Urteil in dieser Frage. Gegenstand der drei Verfahren. Dazu gehören Funktionen. dass er zu politischen und nachrichtendienstlichen Zwecken eingesetzt wird. „Es gibt positive Befunde und nicht primär Kritisches und Negatives zu berichten. Bosbach und Hartmann sagten. zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Bildung und Forschung auszugeben. Christiane Kohl In Deutschland sei bislang kein Netzwerk infiziert worden. (Seite 4. Als Schlüssel sehen die KFN-Autoren Bildung: Jugendliche mit schlechteren Noten neigen häufiger zu Gewalt. möchten DBG und SPD ändern. Bildung und Forschung würden auch künftig von Einsparungen ausgenommen. Solche Zertifikate weisen Software als legitim aus. dass Bundesbehörden bei Verdacht auf Straftaten oder Terror SpähProgramme eingesetzt haben. sich finanziell und politisch in die Schulpolitik einzumischen. als Recht und Gesetz erlauben.und Control-Server kann der Angreifer mit Duqu kommunizieren. Das eigentliche Ziel einer späteren Attacke.7 Jahren. weil ganze Teile von Duqu mit dem Code von Stuxnet identisch sind oder ihm zumindest stark ähneln. Unterschiede zeigen sich dennoch: So waren die Berliner. Deutsche Sicherheitsbehörden kennen Duqu und gehen davon aus. Die Nachrichtendienste aller größeren Staaten arbeiten mit E-Spionage. Duqu konnte aber über den inzwischen abgeschalteten Server. Bislang gibt es keine Hinweise darauf. Symantec geht von einem gezielten Angriff auf eine „begrenzte Zahl von Organisationen“ aus. Elf Prozent gaben an. weitere Attacken im Stil von Stuxnet vorzubereiten. Damit sei „eine entscheidende Hürde genommen. wollte sich die LKA-Sprecherin nicht äußern.5 Prozent. Schulen und Universitäten zu verbessern. mehr Studienanfänger zu gewinnen. verfestige „rassistische Denkstrukturen“. seien es Chemiefabriken oder Kraftwerke.1 Prozent). in dem Lehrer vor einer Eskalation der Zustände warnten. Auch die FDP ist dafür. Dagegen schöpft Duqu laut den bisherigen Erkenntnissen nur Informationen aus infizierten Netzwerken ab und schickt diese. Auch beim Krippenausbau komme Deutschland nur langsam voran. wie der DGB am Mittwoch bilanzierte. die eine schwere Körperverletzung begangen haben. und der Innen-Experte der SPD-Bundestagsfraktion. Dem Vernehmen nach könnte aber verabredet werden. Bosbach und Hartmann reagierten mit ihrer Forderung auf Äußerungen des Chefs des Bundeskriminalamts (BKA). vor allem aber ein – gestohlenes – echtes digitales Zertifikat einer Computerfirma in Taiwan. mit dem Merkel damals in Dresden einen politischen Bildungsgipfel erklimmen und die Ministerpräsidenten mitnehmen wollte. zu 1 an O Ooder1Bildschirminhalte 1 1 1 InformationenComputer dem Grafikflächen über das Internet der infizierte speichert. das föderale Durcheinander bei den sogenannten Sprachstandserhebungen vor der Einschulung zu begrenzen. Welche technischen Probleme den Einsatz der Software in zwei Fällen letztlich verhindert haben. sich finanziell in die Schulpolitik einzumischen. Für Online-Durchsuchungen von Computern. Laut Symantec hat es Duqu auf Daten von „Organisationen wie Hersteller von Industriesteuerungen“ abgesehen. Eröffnet seinen Online Store Entdecken Sie die unverwechselbare Welt von Ralph Lauren . Eröffnet seinen Online Store Entdecken Sie die unverwechselbare Welt von Ralph Lauren . Auf die Frage. Er trägt einen schwarzen Anzug mit rotem Innenfutter. Die Zahlen beziehen sich auf den Zeitraum 2005 bis 2009. die Programme für Kinder ohne Schulabschluss – die Reparaturkosten an der Gesellschaft. Die ersten Banken haben angekündigt. dass immer jemand kommt. Klaus Keese. „Durchschnittsbürger“ nennt er sich. sagt Kämmerer Tsalastras.“ dapd. Zu viel verlangt? Nicht wirklich. Die Fraktion werde noch beraten. Beide gemeinsam lehnen jedoch die FDP-Vorstellungen ab. dass sie im Fall der Fälle am Sonntagabend Ja sagen würde. die von Generation zu Generation weiter gegeben wird. die schlecht gewirtschaftet haben. Der Grünen-Kandidat. Es müsse auch deutlich mehr parlamentarische Kontrolle geben. Der in Bremen lehrende Professor geht erstens davon aus. Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck bezeichnete es am Mittwoch als „Horrorvorstellung“. glaubt der Tübinger Politikwissenschaftler Hans-Georg Wehling. Die Gründe für die Ablehnung seien Keese noch nicht mitgeteilt worden. Die 34 ärmsten Kommunen erhalten von diesem Jahr an 350 Millionen Euro jährlich aus dem Landeshaushalt. Zweitens betrachtet Rothgang die Pflegeversicherung nicht alleine. 20. Tschechien und die USA. Keese hatte im Juli durch eine Klage vor dem Verwaltungsgericht den Stopp des ersten Besetzungsverfahrens wegen eines Verfahrensfehlers erzwungen. dessen Wort viel gilt in BadenWürttemberg. Die FDP rutscht einen Prozentpunkt auf drei Prozent ab. stelle sich eine Kapitalreserve als ineffizient heraus. Das kündigte sein Anwalt. „Wenn wir immer nur weiter sparen und kürzen und alles dicht machen müssen. Der amtierende OB Otmar Heirich Kandidatin wider Willen Nürtinger Initiative will Kulturfunktionärin als Stadtoberhaupt von der SPD hatte umfassenden Bürgerzorn auf sich gezogen. dass der Kapitalstock missbraucht werden könnte. bis 2020 einen ausgeglichenen Etat aufzustellen. sollte doch so eine kleine OB-Wahl zwanzig Kilometer südöstlich von Stuttgart kein Problem sein. dann kommt das zu spät und ist zu wenig“. Zur Frage. Der CDU-Bewerber hat mit noch umfassenderem Bürgerspott zu kämpfen: Nicht für eine Doktorarbeit. dpa or ein paar Tagen bat Claudia Grau im Nürtinger Gemeinderat um das Wort. unter anderem für Kleinwaffen. die sie vor dem ersten Wahltermin lostraten. Einer der energischsten Befürworter kräftiger Steuersenkungen bis hin zur Abschaffung des Solidaritätszuschlags ist der Parteivize und sächsische Landeschef Holger Zastrow. Lediglich das Ablehnungsschreiben habe er erhalten. dass mit diesen Waffen Menschenrechtsverletzungen begangen werden“. fand er das noch witzig. Aber auch das klappte bisher nicht. der alle Ausgaben. ob in Nordrhein-Westfalen schon griechische Verhältnisse herrschen. Es ist eine Art Fremdherrschaft. sparen und nochmals sparen. Er reagierte damit auf einen Bericht von Amnesty International. Rösler schlug die Erstellung regelmäßiger „Steuerberichte“ an den Bundestag vor. Die Beschäftigten hätten 2011 ordentliche Ohne geht es besser Grüne rücken von Kapitalreserve in der Pflegeversicherung ab – und geben ein zentrales Anliegen auf Von Guido Bohsem Berlin – Fritz Kuhn wirkt ziemlich gelassen. dass man nun die am höchsten verschuldete Stadt Deutschlands betrete. Gegenüber dem Einkaufszentrum Centro. dass er eine Überraschung zu verkünden hat: Seine Partei wolle nicht mehr für den Aufbau einer Kapitalreserve in der Pflege plädieren und damit ein bislang zentrales Anliegen fallen lassen. für Ältere einen verbesserten Anspruch bei der Altersteilzeit. Schließlich befürchtet Rothgang. Unter anderem deshalb hat Gesundheitsminister Daniel Bahr die Vorlage der von ihm und seinem Vorgänger. Bis zum Ende des Jahres will das geheim tagende Gremium über das Geschäft erneut beraten. so der Pflegeexperte. November erwartet. die von reichen Städten wie Düsseldorf in einen Solidarfonds fließen sollen. die Stelle bekommen soll. Köln ist nun per Landesgesetz berechtigt. am Mittwoch in Potsdam an. September zurückgezogen. Was ihn nicht davon abhält. dass nun ausgerechnet ein Mann mit griechischem Namen Kabinett nominiert Range Berlin – Der Celler Generalstaatsanwalt Harald Range. sagt Grau nichts. ist mehr in den Miesen als die Gebäude und Infrastruktur der Stadt bewertet werden. was sich gut macht in seiner zweiten Aufgabe als Kulturdezernent der Stadt. „Diese Waffenlieferungen sind genehmigt worden. ganz so. der bald im Landtag beschlossen werden soll. wonach Deutschland auch Staaten wie Ägypten. dpa Auch der Gesundheitsminister befürchtet. dass es die Menschen möglichst nicht merken. die die Stadt nun erdrücken. Bulgarien. die kürzlich ins Berliner Abgeordnetenhaus eingezogen war. als habe es nie eine Reserve geben. In der ersten Runde der OB-Wahl am 9. Österreich. Sie merken es aber doch. Letzteres kann täuschen. Oberhausen hat mit 1. auf dem Gelände eines ehemaligen Stahlwerkes. Munition und Militärfahrzeuge. „So sparen wir uns zu Tode“. Roman Deininger . dpa Wertzuwächse geschaffen. CSU und FDP über dieses Thema seit Monaten streiten – und das vermutlich noch länger tun werden. welcher der Bundessicherheitsrat Ende Juni bereits zustimmte. Wenn man fast alle städtischen Angestellten entlassen würde. Stattdessen plädieren sie für eine Vorsorge innerhalb der gesetzlichen Pflegeversicherung. In einem Beitrag für das Handelsblatt vom Mittwoch schrieb Rösler. und Aachen darf sich die Kaiserstadt nennen. die Arbeitslosigkeit liegt bei elf Prozent. Piratenpartei legt zu Düsseldorf – Die Piratenpartei legt in der Wählergunst immer stärker zu. parteilose Kulturbürgermeis- Viel Zuspruch: Nürtingens Kulturbürgermeisterin Claudia Grau. rief die Bürger auf. Klaus Herrmann. Angesichts der Größe wachse das Risiko. dann können sie seit dieser Woche eine Art Doppelnamen führen – um darauf hinzuweisen. Zunächst wolle er Akteneinsicht bei der Innenbehörde beantragen. wenn sie gewinnt. Viele dringende Sanierungen können nicht ausgeführt werden. Kritik an Waffenexport nach Nordafrika Berlin – Die Grünen haben ein Verbot von Waffenlieferungen in Länder verlangt. sind also so hoch verschuldet. Jemen. muss man sich dem stellen. Es ist ein Kampf zwischen Arm und Reich.8 Milliarden Euro Schulden mittlerweile mehr Verbindlichkeiten als Vermögenswerte. 40 Prozent. Jahrelang hätten Bund und Land die Aufgaben nach unten durchgereicht und die Städte dafür bezahlen lassen: Ganztagesbetreuung. Niedersachsen und Bremen. Das bedeutete 5. würden zehn Prozent aller Deutschen die Partei wählen. aber angesichts der Haushaltszahlen wenig wahrscheinlich. obwohl das eh jeder weiß. sagt Tsalastras. dass die FDP dabei ist. Es gibt Gemeinden. Hintergrund ist auch die geplante Lieferung von Leopard-2-Kampfpanzern nach Saudi-Arabien. sagte Mathias John. Sozialausgaben. der sogenannten kalten Progression. Ein Gutachten des Pflege-Experten Heinz Rothgang entlarve die aber als Schein-Nachhaltigkeit. sagte John. 242 HF2 POLITIK Donnerstag. um zu erfahren. vielleicht sogar fröhlich. die es erlauben. Libyen und Syrien. warum nicht Keese. Essens Finanzchef hat schon mal vorgeschlagen. Und am Besten noch weitere Informationen. Eine Sprecherin der Senatsinnenverwaltung bestätigte. ob dies nun „Steuerberichte statt Steuerentlastungen“ bedeute. erhielt OB Heirich im ersten Wahlgang. Am Freitag wollen die Parteiund Fraktionsvorsitzenden darüber beraten. den man in diesen Tagen täglich irgendwo hört im Land: Die Frage. als er das Logistikzentrum eines Bekleidungsherstellers erst gegen erbitterten Widerstand durchsetzte und dann die Zusage des Unternehmens verlor. wollten die Stadt ein Internationales Gesund- Die Stadt Oberhausen muss Angesichts ihres gewaltigen Schuldenbergs sparen. Jetzt will zumindest das Land helfen und hat einen „Stärkungspakt Kommunalfinanzen“ entwickelt. Schmalzl hatte seine Bewerbung am 23. die teuer verzinste Gesamtverschuldung abzubauen als auf die Renditen aus der demografischen Reserve zu setzen. Gerade erst wurde er mit bescheidenem Ergebnis zum Vize-Fraktionschef wiedergewählt. dass er eine private Benzinrechnung mit der Tankkarte seines Arbeitgebers bezahlt hatte. dass Hansen Polizeipräsident werden soll.8 Prozent für die Nicht-Kandidatin. für 100 000 Euro aus einem Förderprogramm des Landes. Das Kapital wäre so dem Zugriff des Staates entzogen. Spätestens dann aber sei die Reserve aufgebraucht. die Busse. sie klar zu identifizieren. letztlich sind die Städte aber meistens nicht zur Zusammenarbeit bereit. den NRW-Kommunen keine Kredite mehr zu geben. „Unsere Untersuchung macht erneut deutlich. dass die Solidarität nicht mehr nach Himmelsrichtung verteilt werden dürfe. dass ihnen die übergeordnete Behörde einen Sparkommissar an die Seite stellt. Wir brauchen dringend ein wirksames internationales Waffenhandelsabkommen. wenn sie durch ihre Heimat fahren. dpa Wertzuwächse geschaffen: Stahlkocher bei ThyssenKrupp in Duisburg. „zentral“ seien Entlastungen bei den verdeckten Steuererhöhungen. die von 21 Uhr an schon im Nachtfahrplan unterwegs sind. Frankreich. und Scharfenberg fügte hinzu: „Wenn man so klare Botschaften bekommt. Düsseldorfs Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) will notfalls gegen den Sozialfonds klagen und nicht für die Fehler anderer bezahlen. sich vom Gedanken einer spürbaren Steuerentlastung zu verabschieden. Er hat kurzes dunkles Stoppelhaar und ist seit dem Sommer der Kämmerer von Oberhausen. soll nach dem Willen der Bundesregierung neuer Generalbundesanwalt und damit Nachfolger von Monika Harms werden. Dabei muss gelten: Es dürfen keine Rüstungsgüter geliefert werden. nachdem sich abgezeichnet hatte. In der hundertseitigen Studie untersucht Amnesty Rüstungslieferungen nach Ägypten. Die Tarifverhandlungen beginnen an diesem Freitag in Düsseldorf. Reuters V Gerangel um Polizeispitze Potsdam – Der unterlegene Bewerber um das Amt des Berliner Polizeipräsidenten. wem sie den OB-Job denn eigentlich zutrauten – und stießen auf die beliebte. Der Rebell von Nürtingen und seine Mitstreiter wollten aber nicht nur ein Zeichen des Protests setzen.Seite 8 / Süddeutsche Zeitung Nr. beschloss also. sprach FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle von „einer sinnvollen innovativen Formulierung“ Röslers. Es ist die Frage. Denn für den Staat – und damit auch seine Bürger – sei es günstiger. und deshalb ist die Gelassenheit an diesem Mittwoch echt. dass die Pflege-Reserve von den regierenden Parteien angezapft werde. dass deutsche Waffen zur Niederschlagung von friedlichen Protesten eingesetzt werden. sie müssten ihn auf den Stimmzettel schreiben. die Forderung. ob sie die Wahl annehmen würde. Straßen werden nicht mehr repariert. Das kostet. Von 2014 an gibt 320 Millionen Euro an weitere Kommunen . sagt Tsalastras. dapd Von den 430 Kommunen im Land haben nur acht einen ausgeglichenen Haushalt. Oberhausen hat in den vergangenen 20 Jahren 256 Millionen Euro in der Solidarfonds Ost eingezahlt. Dafür verpflichten sich die Schuldenstädte. eine Motivation“. dass er die Mehrheit im Bundesrat verfehlen würde. 63. Auf Rothgangs Argumente werden sie wahrscheinlich nicht hören. Am Rathaus geht die Uhr im Turm um ein paar Minuten falsch und drinnen kann Apostolos Tsalastras erklären. Die jetzt noch notwendige Wahl Ranges im Bundesrat wird für den 4. sondern nach Bedürftigkeit. der aushilft. Diese Marke sei für Grau dank der neuen Dynamik nicht unerreichbar. Libyen oder den Jemen mit Rüstungsgütern beliefert hat. dann will hier auch niemand mehr leben“. sondern der frühere Chef des Bundesgrenzschutzes Ost. Aber dann ging es ja erst richtig los. werde eine über dreißig Jahr aufgebaute Reserve den Beitragsanstieg nur anfangs verhindern. verletzt oder willkürlich verfolgt haben. Oberhausen müsste 100 Millionen Euro pro Jahr sparen. Man sieht es ihr an. wird rechtliche Schritte gegen die Senatsentscheidung prüfen. Rüstungsexporte künftig genau zu erläutern. mit deren Hilfe Polizei und Militär friedliche Demonstranten womöglich getötet. Oberhausen wiederum könnte die Besucher am Bahnhof mit einem Hinweis empfangen. der Rüstungsexperte der Organisation. Bestenfalls funktioniere das zwei Jahrzehnte lang. Ob sie zur Verfügung steht. ist vielen Nürtingern nämlich herzlich egal: Die 47-Jährige läuft ernste Gefahr. Die wichtigsten Exportstaaten waren außer Deutschland Belgien. Kuhn und auch die grüne Pflege-Expertin Elisabeth Scharfenberg halten den Verzicht auf die jahrelang erhobene Forderung für wohlbegründet. Russland. Seitdem war der Posten des obersten deutschen Strafverfolgers vakant. sagte sie. bei der kein Bewerber eine absolute Mehrheit erreichte. dass der demografische Wandel auf Dauer für höheren Kosten in der Pflegeversicherung sorgen wird. „Wenn jetzt Waffenembargos verhängt werden. war noch so etwas wie ein Spiel. Sie alle sehen eine echte Chance für die Kandidatin wider Willen: 4900 Stimmen. ob das realistisch ist. sich den Zusatz Domstadt auf die Ortsschilder zu schreiben. wie die DDR kurz nach der Wende. Harms war am 30. Bei anderen steigen die Zinsen. sagt Tsalastras. Oberhausen doch mit seiner Stadt zusammenlegen. Nach Angaben von Amnesty hatten Deutschland und 16 weitere Staaten große Mengen Waffen in den Nahen Osten und nach Nordafrika geliefert. Das Bundeskabinett fasste am Mittwoch diesem „einstimmigen Beschluss“. das Programm der Grünen weiter umzukrempeln. Bahrain.“ Oberhausen hat in den vergangenen Jahrzehnten 50 000 Arbeitsplätze in der Stahlindustrie verloren und nur wenige dazugewonnen. Dabei wird Claudia Grau nicht einmal auf dem Wahlzettel stehen. In einem Bericht werden allein deutsche Exportgenehmigungen im Wert von 77 Millionen Euro aufgezählt. Sie hatte etwas klarzustellen: „Nach wie vor“. So wie für alle weniger Geld da ist: Für die Schulen. eine Art bessere Sterbehilfe. wir im Ruhrgebiet haben ein Strukturproblem. Foto: oh terin. Udo Hansen. nun Grau zu wählen. Ein Nürtinger Programmierer. Für einen Kapitalstock spricht sich auch die Union aus. „stehe ich als OB-Kandidatin nicht zur Verfügung. Im Frühjahr wollte sie dann wenigstens die Marktstraße in der Innenstadt sanieren. ble 1. Oktober 2011 Inland Rösler im Rückwärtsgang Berlin – FDP-Chef Philipp Rösler hat ein weiteres Mal angedeutet. Grau betont. Damit legt die Partei in der wöchentlichen Befragung um zwei Prozentpunkte zu und erreicht erstmals einen zweistelligen Wert. Beförderungen und Einstellungen überwacht. die oft so aussieht. argumentierte Kuhn. Ein Kapitalstock sei deshalb ökonomisch unsinnig. die Zuschüsse wurden nicht bewilligt. finanziert durch Kredite. dass der Empfänger damit schwere Menschenrechtsverletzungen begeht. auch die gute alte Hauswurfsendung darf zur Online-Revolution beitragen. Im zweiten Wahlgang dürfen alle Kandidaten des ersten wieder antreten. Oktober. Der zunächst von der Bundesregierung nominierte Stuttgarter Regierungspräsident Johannes Schmalzl (FDP) war am Widerstand der SPD gescheitert. der im ersten Wahlgang gut zehn Prozent erreicht hatte. dass sie an „ihrem“ Wahlkampf in keiner Weise beteiligt sei. Auch Tsalastras arbeitet schon wieder an der nächsten Sparrunde für Oberhausen und steht vor der Aufgabe. dass es weniger Zuschüsse geben wird. Oliver Burkhard. sondern den Gesamtstaat. käme man in etwa auf diesen Betrag. Die Internet-Kampagne. „Es ist ein Anfang. Die vorsichtigen Absetzbewegungen der FDPFührung bleiben in der Partei nicht ohne Widerspruch. „Mittlerweile kann ich das nicht mehr hören“. Weil auch Bahr befürchtet. Andere halten die Hilfen für ungerecht. Schon das löste große Aufregung aus. weniger begeistert die CSU. Für die Grünen war dies bei der Umfrage der niedrigste Wert seit der Atomkatastrophe von Fukushima Mitte März. Doch jetzt ist das Spiel ernst geworden. Nicht nur auf Facebook und in anderen sozialen Netzwerken wird für Claudia Grau geworben. Viele Nürtinger waren ohnehin nicht recht glücklich mit den Kandidaten. um die Nachhaltigkeit im System zu steigern. Sie alle lieferten Waffen. Für die Auszubildenden will die IG Metall die unbefristete Übernahme nach der Ausbildung durchsetzen. Munition und andere Ausrüstung.“ Grau wehrt sich tapfer. IG Metall fordert Lohn-Plus Düsseldorf – Die IG Metall fordert sieben Prozent mehr Geld für die 75 000 Stahlkocher in Nordrhein-Westfalen. dass die Pflege-Reserve missbraucht werden kann. Man habe für die demografische Reserve plädiert. Dennoch sei der Griechenland-Vergleich falsch. obwohl schon damals ein erhebliches Risikos bestand. Das Ruhrgebiet bezeichnet sich gern als eine der größten Metropolen Europas. dass die bestehenden Exportkontrollen nicht ausreichen. Auf diese Forderung in den anstehenden Tarifverhandlungen habe sich die Tarifkommission der Gewerkschaft in Sprockhövel (Ennepe-Ruhr-Kreis) geeinigt. weil sie jene Kommunen belohnen würden. öffentliche Gebäude verkommen. auf deren Grundlage dann Entscheidungen über den schrittweisen Abbau solcher „leistungsfeindlicher“ Elemente getroffen werden könnten. Die Union verharrt bei 31 Prozent. sagte Kuhn. begründete der IG Metall-Bezirksleiter NRW. dass wir die demografische Reserve aufgeben“. die Friedhöfe. angekündigte Pflegereform mehrmals verschieben müssen. Eine Ende ist nicht in Sicht. jeder will sein eigenes Theater und sein eigenes Schwimmbad behalten. Auch andere wichtige Figuren der Stadtgesellschaft erklärten ihre Unterstützung. will er sie über eine private Versicherung aufbauen. Italien. Er muss aber auch den Kulturleuten sagen. Kosten der Zinszahlungen. so zu kürzen. am Sonntag zur Oberbürgermeisterin der 40 000-Einwohner-Stadt gewählt zu werden. sagt Tsalastras. Manche halten den Kommunalfonds deshalb auch für zu klein. aber alles Wehren könnte vergeblich sein. Die Bürger können kein Kreuz hinter ihrem Namen machen. Zum Beispiel ihr aktuelles Amt: Kulturbürgermeisterin. Fast 140 Städte müssen dagegen mit einem Nothaushalt operieren. weil CDU. in denen massiv gegen Menschenrechte verstoßen wird. Jetzt sind immerhin ein paar Spielhallen dort hingezogen. FDP-Chef Philipp Rösler. Andererseits ist es schon ein interessanter Vergleich. weil Oberhausen den Eigenanteil von 20 000 Euro nicht aufbringen kann. stand der Name Claudia Grau – klar identifizierbar – schon auf 709 Wahlzetteln. Die meisten Kommunen sparen und entlassen aber schon seit Jahren. Ihre Anhänger schließen daraus. dass der Fonds zweckentfremdet werde. was denn besonders ist an ihrer Stadt. Am Anfang sagt er. ehe sie überhaupt aufgebaut werden könnte. sagte der Jurist. die eine Subventionsmentalität entwickelt haben. bei allen Parteien in Nordrhein-Westfalen: Den Wunsch. Weil die Kosten aber nicht sinken. die ganzen Wortspiele darüber. Denn die möglichen Einnahmen seien sicherlich niedriger als die Interessant ist Rothgangs Expertise nebenbei auch. Foto: Dominik Asbach/laif heitszentrum gründen. Man hört das überall. Beck forderte von der schwarz-gelben Koalition. wenn das Risiko besteht. Steuerentlastungen ohne einen solchen Bericht seien denkbar. Dann wurde auch noch bekannt. die sich ganz gut eingerichtet haben in dieser Situation. Bei vielen Privatpersonen wäre das der Moment der Pfändung. aber immerhin für einen Leserbrief hat er großzügig von anderen abgeschrieben. „Die Griechen haben über ihre Verhältnisse gelebt. die Rekordschuldenstadt Oberhausen sanieren soll. teilte die IG Metall am Mittwoch in Düsseldorf mit. und der Beitrag steige sprunghaft an. Sie überlegten. Von den 430 Kommunen im Land haben nach Angaben des Innenministeriums nur acht einen ausgeglichenen Haushalt. „Ich gehe aber davon aus. Mit diesem Blick. SPD (26 Prozent) und Grüne (16 Prozent) büßten jeweils einen Prozentpunkt ein und kämen bei einem Bündnis zusammen nur noch auf 42 Prozent. Bisher habe man in der Stadt eine Sparrunde nach der anderen aufgelegt und stand am Ende doch mit immer größeren Defiziten da. Wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Forsa-Umfrage im Auftrag von Stern und RTL hervorgeht.“ Wie also sehen diese Botschaften aus? In seinem Gutachten führt Rothgang im Wesentlichen drei Argumente gegen einen Kapitalstock ins Feld. Es sammelten sich in dem Kapitalstock mit der Zeit mehr als 230 Milliarden Euro an. Großbritannien.8 Milliarden Euro Schulden Oberhausen ist die Stadt mit den höchsten Verbindlichkeiten in Deutschland – wie der Kämmerer die Kommune vor dem Ruin bewahren will Von Bernd Dörries Oberhausen – Wenn die Städte in Nordrhein-Westfalen wollen. für den Sieg reicht aber jetzt eine einfache Mehrheit. stärker die CDU. die Sache selbst in die Hand zu nehmen: Wenn heutzutage anderswo Revolutionen im Internet gewonnen werden. die damit kalkulieren. und ihr Verhältnis zu OB Heirich sei blendend. September nach mehr als fünfjähriger Amtszeit in den Ruhestand verabschiedet worden. wie er ausgestaltet werden soll. Aber nicht einmal Geld für die Schilder wäre wohl vorhanden in Oberhausen. Gemessen jedenfalls daran. warum es so nicht weiter gehen kann in Oberhausen. wie ein Sprecher des Bundesjustizministeriums in Berlin sagte. die ihnen die Parteien präsentiert hatten. Mal stimmte er unverhofft ein Liedchen an. Für Investitionen in den Energiesektor sollen 9. aber sie kommen nicht zur Arbeit. eine gleichzeitige Mitgliedschaft in der Zollunion und der EU sei unmöglich. Er sagt auch nicht. wenn es selbst ket von 52 Milliarden Euro endlich auch umzusetzen. auch viele private Geschäfte blieben erstmals als Ausdruck des Protests geschlossen. Tadic hat seit der Abspaltung der Ex-Provinz vor drei Jahren die Parole „Kosovo und die EU“ verkündet. Zudem sollen 30 000 Staatsbedienstete als „Arbeitsreserve“ nur noch 60 Prozent ihres Gehalts erhalten und nach einem Jahr entlassen werden. Der ehemalige Außenminister Vuk Draskovic erklärte kürzlich in Anspielung auf die unverrückbare Unabhängigkeit Kosovos. Doch es sind nicht die Rekordschulden des drittgrößten EuroLandes. „Ich habe keine besondere Eile. Die Vorschläge der Kommission wurden von Bundeswirtschaftsminister Phillip Rösler zwar begrüßt. Gewalttäter abzudrängen. die Präsenz der EU-Rechtsstaatsmission Eulex in Nordkosovo abzulehnen und das Gebiet erneut unter UN-Verwaltung zu stellen. Moskau verfolge einen langfristigen Plan.2 Milliarden Euro stecken. Pschonka teilte auch mit. über die am kommenden Wochenende auch auf dem EU-Sonder-Gipfel in Brüssel beraten werden soll. unsozial und ineffizient nannte der Chef des Gewerkschaftsverbandes GSEE die geplanten Maßnahmen. Regierung nicht helfen wolle. 20. eine Hinwendung zu Moskau sei eine „Sackgasse“. Finanziert werden soll auch die Beseitigung von Lücken im Netz der Öl. trifft vor allem bei den osteuropäischen Mitgliedsländern auf Skepsis. Enver Robelli Brauchen wir ein neues Transplantationsgesetz? Es diskutieren: Dr. um „Engpässe und Lücken“ zu beseitigen. Generalstaatsanwalt Viktor Pschonka. Die Polizei reagierte mit Tränengas. fürchteten um lukrative Boni. schlimmer als Griechenland“. setzt sich für die Annahme des Ahtisaari-Plans zur Staatswerdung Kosovos ein. der Personenverkehr um 50 Prozent. ein reiches Land. Sie soll mit 230 Millionen Euro aus dem laufenden EUBudget ausgestattet werden. Vor den Pasok-Abgeordneten attackierte er dabei auch die griechischen Banken. Vertreter der serbisch besiedelten Gemeinden stellten am Mittwoch mehrere Forderungen. Chefredakteur des Bayerischen Fernsehens Demonstranten in Athen protestieren am Mittwoch gegen die Sparpläne der Regierung. dass italienische Unterhändler schweigen. erwähnt er nicht. dass „alle“ Europäer im Jahre 2020 einen Internetzugang mit der Mindeststärke von 30 Megabyte (MB) haben sollen. (Bayern) Freie Fahrt: Vom Ausbau des Schienennetzes in Europa würden auch die Hochgeschwindigkeitszüge ICE und TGV profitieren. Schwere Vorwürfe gegen die Regierung und Staatschef Tadic erhebt auch der bekannte Politikexperte Milan Nikolic. Währungskommissar Olli Rehn erhofft sich einen Anreiz für Investitionen von bis zu 4. der praktisch das ganze Land lahm legte. Inzwischen ist die einstige Wertschätzung der italienischen Lässigkeit in einen Albtraum umgeschlagen. unterbieten. deren Geldhäuser dann zur Verstaatlichung anstünden. ihr Programm im Parlament durchzusetzen. Belgrad werde sie weiterhin „politisch und finanziell“ unterstützen. Das heißt: Serbien will EU-Mitglied werden. Dass gerade die Kreditwürdigkeit von zwölf Banken seines Landes herabgestuft wurde. Italien dürfe sich „nicht darauf verlassen. gab bekannt. dass keine zusätzlichen Finanzrisiken für die Mitgliedsländer entstehen. dass die Regierung in Pristina Zöllner an zwei Grenzübergänge zu Serbien stationiert. die Krise zu lösen. sagen Unterhändler in Brüssel. Doch bisher ist nichts geschehen. Der Führer der prowestlichen Oppositionspartei „Front für den Wechsel“. Dieses Paket sei eine „Anzahlung auf die Zukunft“. sofern es sich um Beamte handelt. Vielmehr sprechen Vertreter der serbischen Regierung offen über die Teilung Kosovos. indem er Reformen umsetze und spare. Der sagte nach dem kurzen Treffen. Gemäß einer Studie des Belgrader Zentrums für praktische Politik hat der Staat seit dem Ende des Krieges vor zwölf Jahren mit etwa sechs Milliarden Euro die illegalen serbischen Verwaltungen in Kosovo unterstützt. der Kampf um Kosovo sei nur ein Ablenkungsmanöver. wenn in Brüssel die Kollegen aus allen Ländern um Kompromisse ringen. Der zuständige Kommissar Günther Oettinger will sie vor allem für neue Stromleitungen nutzen. „Die Überlegungen der Kommission gehen hier in die richtige Richtung. Tarifverträge zu Süddeutsche Zeitung Veranstaltungen Belgrad steckte sechs Milliarden Euro in den Erhalt des Kosovo. Jürgen Nehls berichten über ihre Erfahrungen Moderation: Siegmund Gottlieb. wenn ein überzeugender Inhalt erarbeitet ist. verkündet er in Rom. Am Dienstagabend rückte er erneut von seinen eigenen Zielen ab. Laut Nikolic zeigen alle Umfragen. Investoren wie etwa Rentenfonds oder Versicherungsunternehmen sollen damit angelockt werden. Dr. In die Telekommunikation und in die Verbreitung des Internets will die Kommission insgesamt 9. Bisher stehe alles nur auf Papier. müssen die 50 Milliarden aus den bisherigen Einzeletats kommen. Die Schweizer Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey hält diese Schätzungen allerdings für weit überhöht. Auch am Donnerstag soll der Generalstreik fortgesetzt werden. „Der italienische Faktor spielt eine große Rolle am Markt. Erstmals seit 100 Jahren soll die Kündigung von Staatsbeamten gesetzlich möglich werden. Der finnische Friedensnobelpreisträger Martti Ahtisaari hatte weit gehende Autonomierechte für die Serben in Kosovo vorgeschlagen. Mit anderen Worten: Jeder der acht Millionen Bürger Serbiens zahlt pro Sekunde 16 Euro für den Erhalt Kosovos. Noch vor zwei Jahren fand es die Chefetage der Europäischen Kommission „ganz entspannend“.de Ein Wachstumsprogramm für die Wirtschaft? „Ich habe keine Eile“. Lehrer. „Italien ist das Hauptthema des Gipfels“. was schon verloren sei. hat bereits angekündigt. „der nicht alles so wichtig nimmt“. Sogar das eher europaskeptische Großbritannien bringe „mehr konstruktive Vorschläge ein als Italien“. die weiterhin so agiert. Überdies habe Timoschenko Mittel aus dem internationalen Fonds für Emissionsrechte rechtswidrig in die Rentenkasse umgeleitet und einen Großauftrag für Krankenwagen zu überhöhten Preisen unterzeichnet. ein Wachstumsprogramm werde vorgelegt. Energieleitungen und Breitbandkabeln. Kürzlich haben Industrie. Putin hat wiederholt den Zerfall der Sowjetunion Ende 1991 als die „größte geopolitische Katastrophe des 20. wo am Donnerstag über ein weiteres.7 Milliarden Euro sollen Lücken in den europäischen Transportwegen geschlossen werden. In Athen kam es zu heftigen Straßenkämpfen zwischen vermummten Protestlern und Sicherheitskräften. nicht zum Dienst zu erscheinen. Diese war wegen eines 2009 angeblich schlecht ausgeANZEIGE Land im Ausstand In Griechenland kommt es zu den größten Demonstrationen seit Beginn der Finanzkrise Von Christiane Schlötzer München – Die größten Demonstrationen seit Beginn der griechischen Finanzkrise bildeten am Mittwoch den Auftakt zu einem 48-stündigen Generalstreik. wenn es funktionierende „Europäische Netze“ haben will. dass er Zusagen und Fakten auf den Tisch legt.sz-veranstaltungen. dass 70 Prozent der Serben überzeugt sind.Petersburg mit. Besonders umstritten ist eine Änderung im Arbeitsrecht. Thessaloniki. Berlusconi zeigt sich allerdings weiter unwillig. sagt ein hoher EU-Diplomat in Brüssel unmittelbar vor dem am Freitag beginnenden dreitätigen EU-Krisentreffen in der europäischen Hauptstadt. Berlusconi ließ lediglich ausrichten. dass Kosovo verloren ist. Sie verlangen von Belgrad. um die aus Brüssel vorgegebenen Sparziele zu erreichen. (Seite 4) Thomas Urban Straßen. Zuvor hatten einzelne Demonstranten offenbar versucht.bis langfristig Gewinn abwerfen. da nach Meinung der EU-Kommission die Ukraine keine Schritte zur Aufhebung des Urteils gegen die frühere Regierungschefin Julia Timoschenko unternimmt. aber seinen Anspruch auf Kosovo nicht aufgeben. Heute erleben viele Serben das Gedicht nur noch als zynische Eskapade. Die Regierung versuche. warnte. trotz der Drohung von Regierungsmitgliedern. hat die EU-Kommission ein 50 Milliarden Euro schweres Programm für Investitionen in „transeuropäische Netze“ beschlossen. aber Arbeitnehmer können noch vor Gericht dagegen klagen. Man müsse jetzt „die Bedingungen für Wachstum schaffen“. weil die Politiker nicht willens seien. Auch haben mehrere EU-Staaten Belgrad zuletzt ausdrücklich aufgefordert. Kurz vor dem Zerfall Jugoslawiens vor 20 Jahren hatte der Dichter Matija Beckovic in einem Gedicht Kosovo als „das teuerste serbische Wort“ bezeichnet. Banken und andere Branchen ein Manifest mit fünf Punkten für Maßnahmen vorgelegt. die den Euro-Rettern den Angstschweiß auf die Stirn treibt. Die EU-Mitgliedschaft der Ukraine bleibe Ziel von Janukowitsch. „kurzfristig aber Risiken während der Bauphase und den ersten Betriebsjahren“ mit sich bringen. sich „irgend etwas auszudenken“. sagt ein hoher EU-Diplomat. heißt es hinter verschlossenen Türen. dass 20 Prozent ihres Ausfallrisikos über den Projektfonds der EU abgesichert wird. dass seine Partei der Serben ignorieren Ultimatum Extremisten im Nord-Kosovo fordern Nato heraus Zürich . um Verluste aus griechischen Anleihen zu verkraften.Donnerstag. die bereits ankündigte. als auch die Premierminister beider Länder trafen zusammen. den konservativen Oppositionsführer Antonis Samaras zur Unterstützung der Regierung zu bewegen. Damit schrumpft die ohnehin knappe Mehrheit der Pasok noch weiter. Patras und Heraklion in langen Demonstrationszügen durch die Straßen. Beate Merk Bayerische Staatsministerin der Justiz Prof. Arsenij Jazeniuk. ihr Programm durchzusetzen. Damit suchen die serbischen Extremisten bewusst die Kraftprobe mit ausländischen Soldaten. Nach Schätzungen der Kommission muss Europa bis zum Jahr 2020 rund 500 Milliarden Euro in seine Straßen. Dies geschieht in der Praxis zwar schon jetzt häufig. wie sie Putin anstrebt. Die über die sieben Jahre des Finanzrahmens verteilten 50 Milliarden Euro sollen folgendermaßen aufgeteilt werden: Mit 31. Über ein Steuerabkommen mit der Schweiz will Athen einen Teil der Gelder wiederbeschaffen. die Banker. In Serbien wird diese Strategie immer mehr in Frage gestellt. die Neuverschuldung unter die erlaubten drei Prozent. er sei Papandreous Bitte nach einem Gespräch nur gefolgt. Es drohe der Verlust der Souveränität. Dies wäre künftig nicht mehr möglich. Zur Begründung meinte Papandreou. Die Kommission hat sich nämlich schon in einem früheren Beschluss das ehrgeizige Ziel gesetzt. Der Premier müsse versprechen. dass wir das Land im Notfall retten. eine konstruktive Rolle im Kosovo-Konflikt zu spielen. Gleichzeitig ermunterte er die Serben. das reiche aber nicht. Fluglotsen. Nach wie vor sind in Athen auch die Zugänge zu vielen öffentlichen Gebäuden von Protestierenden blockiert. dass die Führung um Janukowitsch keine Revision des Urteils. Wenn Berlusconi an diesem Wochenende zum Krisentreffen in die europäische Hauptstadt kommt. die kleinen Betrieben ermöglichen soll. Da die EU-Staaten den europäischen Haushalt auf keinen Fall erhöhen wollen und ein Sondertopf außerhalb des regulären Budgets unter anderen von Deutschland strikt abgelehnt wird. Der Güterverkehr in der EU werde bis zum Jahr 2050 um 80 Prozent zunehmen. Nach Expertenschätzungen soll es sich bei dem seit März 2010 abgeflossenen Vermögen um rund 200 Milliarden Euro handeln. Verbissen sich seine europäischen Kollegen dort in allzu ernsthafte Debatten. rechnete der für Transport zuständige Kommissar Siim Kallas vor. Der Plan der Kommission.de www. acht der ursprünglich fünfzehn ehemaligen Sowjetrepubliken seien nach der Unterzeichnung eines Abkommens über die Schaffung einer Freihandelszone politisch näher zusammengerückt. Die Unterredungen zwischen Brüssel und Janukowitsch über ein bereits ausgehandeltes Assoziierungsabkommen mit der EU waren abgesagt worden. Deshalb müssten die Politiker dem Volk die Wahrheit sagen. Finanzbeamte und Taxifahrer erschienen nicht zum Dienst. Draskovic. Zudem müsse sich Berlusconi bereiterklären. Jahrhunderts“ bezeichnet. Die Kiewer Tageszeitung Kommersant Ukraina berichtete. Moskau hat bislang Preisnachlässe für die Ukraine vom Beitritt zu einer Zollunion abhängig gemacht. die sofort gestartet werden könnte. Bruno Meiser Leiter des Transplantationszentrums München der LMU Dr. Ohne das Sparprogramm dürfte Griechenland kaum die dringend benötigten weiteren Milliardenhilfen der EU und des Internationalen Währungsfonds erhalten. Mehr als 125 000 Menschen zogen der Polizei zufolge in Athen. Janukowitsch erklärte bei einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Dmitrij Medwedjew in der ostukrainischen Industriestadt Donezk. die kaum zur Beruhigung der Lage beitragen dürften. erst mit dem neuen Finanzrahmen 2014 bis 2020 beginnen kann. Sie sind die hauptsächlichen Nutznießer der Strukturhilfen. Sie habe als Regierungschefin Schulden des früher von ihr geführten Konzerns „Vereinigte Energiesysteme“ in dreistelliger Millionenhöhe aus dem Staatsbudget begleichen lassen. Ein Lokalpolitiker sagte. Da das Programm aber. Oktober 2011 19 Uhr Stadtsparkasse im Tal/ Ecke Sparkassenstraße Eintritt frei www. Andere EU-Diplomaten werden noch deutlicher.stadtforum.und Gaspipelines. die sie als unsozial empfinden. Mitglied der Regierungspartei Pasok. Der Konzern habe auch nach wie vor Schulden beim russischen Nachbarn. dass die italienische Regierung so klar wie möglich ihre finanzpolitische Strategie beschreibt“. ihre Schulden in den Griff zu kriegen und ihre Haushalte zu sanieren. das Freihandels-Abkommen oder die ErdgasVerhandlungen bedeuteten keine Neuorientierung der Außenpolitik. Mindestens zwei Zusagen wollen die Euro-Regierungen Berlusconi an diesem Wochenende in Brüssel abringen. der das alles offenbar egal ist. Häfen und Schienenverbindungen investieren. heftig umstrittenes Sparprogramm der sozialistischen Regierung von Giorgos Papandreou entschieden werden soll. Dabei wird das meiste Geld wohl in den Ausbau der Breitbandkabel fließen.“ Aus diplomatischen Kreisen war aber zu hören. dass das Verschuldungsverbot für die EU eingehalten wird und dass nur solche Projekte gefördert werden. als sei die internationale Krise ein Nebenschauplatz der Politik – und die damit die gesamte Währungsgemeinschaft in Bedrängnis bringt. (Seite 4) Der Oppositionsführer will der Regierung nicht helfen. könne es der Währungsgemeinschaft überhaupt gelingen. Sie klagen darüber. wobei die „Hälfte der Haushalte“ sogar mit über 100 MB versorgt werden sollen. Russische Medien werteten das Abkommen als ersten Schritt zu einer „Eurasischen Union“. Sowohl die Präsidenten. sondern weitere Strafen für Timoschenko in Betracht zieht. Geantwortet hat die Regierung nicht. Wenige Stunden zuvor hatte der russische Premier Wladimir Putin erklärt.und Reformpa- handelten Gasvertrags mit Moskau zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. vorausgesetzt die Mitgliedsländer stimmen ihm zu. ob die Mitgliedsländer sich bei ihren im kommenden Jahr beginnenden Finanzverhandlungen darauf einigen können. Die große Mehrheit der Demonstranten protestierte aber friedlich. Florian Schuller Direktor der Katholischen Akademie in Bayern Roland Kaiser und Dr. nichts tut“. die Straßensperren für die Kfor zu räumen. Die Gewalttäter schleuderten Brandsätze auf die Auffahrt zu dem Gebäude und rissen Zäune nieder. weil Brüssel keine offenen Konflikte importieren will. Alle Beamten sind weiterhin aufgerufen. Oktober 2011 POLITIK HF2 Süddeutsche Zeitung Nr. Jetzt werden die Müllmänner der Hauptstadt dienstverpflichtet. „Wir erwarten. die vermögende Griechen ins Ausland getragen haben. Die Projekt-Bonds sollen nach dem Willen der Kommission wie Risikoversicherungen für Geldgeber funktionieren. beide Seiten stünden kurz vor einer Einigung in dem langanhaltenden Streit über die Lieferung von russischem Erdgas. Das neueste Zauberwort lautet „Abgrenzung“. Serbiens Staatschef Boris Tadic forderte seine Landsleute auf. Dort kam es auch zu den Auseinandersetzungen zwischen maskierten Steinewerfern und Sicherheitskräften. sagt ein hoher EU-Diplomat. Es ist die Regierung in Rom. Dagegen sagte der Abgeordnete Sergej Golowatyj von der Janukowitsch-nahen „Partei der Regionen“. Am Dienstagabend hatte Papandreou vergeblich versucht. Steuerhinterziehung und Korruption ermittelt werde. sagte Kommissionspräsident José Manuel Barroso am Mittwoch bei der Vorstellung von Projekt-Bonds für den Ausbau von Transportwegen. hieß es. einen Berlusconi in der Runde der europäischen Staats-und Regierungschefs sitzen zu haben. Zu den Unterzeichnern gehörte auch die ukrainische Regierung. Versicherungen. den Kampf gegen die Unabhängigkeit Kosovos fortzusetzen. Das ehrgeizige Vorhaben der Kommission hängt nun davon ab. Nach Mitteilung der Presseagentur Interfax wurde die seit Anfang August inhaftierte Timoschenko wegen dieser Anschuldigungen am Dienstag verhört. packte er seine Mitbringsel aus. Foto: Yiorgos Karahalis/Reuters Albtraum Italien Beim EU-Spitzentreffen am Freitag steht Berlusconi im Mittelpunkt – weil er das Sparpaket nicht umsetzt Von Cerstin Gammelin und Andrea Bachstein Brüssel – Der italienische Premier Silvio Berlusconi reiste bisher stets mit leichtem Gepäck zu EU-Spitzentreffen nach Brüssel. zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen. für die eine private Finanzierung nachweisbar nicht möglich sei. Sogar diese positive Entwicklung werde überschattet vom großen Nachbarn Italien. 242 / Seite 9 Kuscheln mit dem Kreml Nach Ärger mit der EU sucht die Ukraine Russlands Nähe Warschau – Einen Tag nach der Ausladung des ukrainischen Staatspräsidenten Viktor Janukowitsch durch die EUKommission in Brüssel hat Kiew die ersten Schritte zur Wiederannäherung an Moskau unternommen. zu drücken. Diese Haltung hat sich als Illusion erwiesen. In einem Interview mit der Zeitung Blic sagte Nikolic. die zwar mittel. also in der Bewertung aller Euroländer“. dass Berlin die Details der Vorschläge noch sehr genau darauf prüfen will. seine Behörde überprüfe. plädiert die Kommission für eine „Pilot-Phase“. man werde keinen freien Reiseverkehr erlauben. Die Partei verfügt über 154 von 300 Parlamentssitzen. Kiew werde dieses Angebot sorgfältig prüfen. ob die Einstellung der früheren Verfahren gegen Timoschenko im Jahr 2005 rechtens gewesen sei. So wolle man verhindern. Seeleute. die eigenen Reihen mit aufrüttelnden Reden zu schließen. dass gegen die Oppositionsführerin wegen Amtsmissbrauchs. um die Versorgungssicherheit in Europa zu verbessern. zu entlassen. Samaras machte aber klar. dessen Partei Teil der Regierungskoalition ist. Am Nachmittag sah die Umgebung des Abgeordnetenhauses aus wie ein Schlachtfeld. ob die Finanzinstitute gerüstet sind. die sich gegen einen umfassenden Schuldenschnitt wehren würden. wie es in einem Papier der Kommission heißt. Anbieten könne man aber eine kontrollierte Öffnung der Straßen für die Nato-Truppen. Italien sei „das größten Problem der Eurozone. zehn Milliarden aus den Strukturmitteln abzuzweigen. Inzwischen wurden auch Müllmänner in Athen dienstverpflichtet.“ 25. wie im Falle Zyperns schon geschehen. Denn nur wenn Berlusconi endlich mithelfe. erwarten seine Kollegen. Teilnehmer solcher Aktionen. das trotz Regierungskrise in den letzten Monaten ein Rekordwachstum hinlegte und demnächst wieder eine richtige Regierung haben wird. ein Gefolgsmann Janukowitschs. der alles Vertrauen der Bürger und der Märkte verspiele. Die frühere Wirtschaftsministerin Louka Katseli. bezogen auf die Wirtschaftsleistung. Allein die Hälfte dieser Summe müsse aufgewandt werden. die Wirtschaft zu fördern. In Kiew verdichteten sich die Anzeichen. sei „nicht da“. Da ist zum Beispiel Belgien. die Mitglieder der russischen Delegation hätten bei den Verhandlungen über ein neues Gasabkommen unverhohlen ihrer Freude über den Konflikt zwischen Kiew und der EUKommission freien Lauf gelassen. gegen die Kriminalität vorzugehen. Damit könnten Investitionen in die Infrastruktur befördert werden. Serbien könne nicht etwas verlieren. etwa von großen Windparks in der Nordsee oder für Energieleitungen durch das Mittelmeer. sagt Berlusconi. Darunter ist der Anschluss der serbisch besiedelten Gebiete in Nordkosovo an Serbien zu verstehen und ein exterritorialer Status für serbische Gemeinden und Klöster in Restkosovo. Endlich mal einer. Die italienische Lässigkeit schmerze längst andere Euro-Partner. Papandreou versucht nun. Medwedjew ergänzte.6 Milliarden schon ab 2012. Foto: Jacques Demarthon/AFP . sie könnten andernfalls von Streikenden oder Demonstranten angegriffen werden. Der ukrainische Regierungschef Mikola Asarow teilte in St.1 Milliarden Euro zur Verfügung stehen. Schienen und Pipelines für Europas Aufschwung Brüssel will 50 Milliarden Euro für die „transeuropäischen Netze“ ausgeben – falls die Mitgliedstaaten dies überhaupt wollen Von Martin Winter Brüssel – Während die Euroländer noch darum ringen. Das Geld. Mit dem Vers wollte er damals das extreme Nationalbewusstsein seiner Landsleute stärken. Dem kamen diese aber offenbar nicht nach – offenbar auch aus Furcht. „Unfair. das im August beschlossenen Spar. die Straßenblockaden zu räumen. die Krise geschlossen zu überstehen. und auch nicht die schwächelnde Wirtschaft. Die größte Kundgebung fand vor dem Athener Parlament statt. weil die Lage in Griechenland „wirklich ernst ist“. mal unterbrach er mit einem Witz – was ihm nicht nur betretenes Schweigen einbrachte.Die Serben im Norden Kosovos lehnen es trotz eines Ultimatums der Nato-Friedenstruppe Kfor ab. Sie folgten damit Aufrufen der beiden größten Gewerkschaftsverbände für den öffentlichen Dienst und den Privatsektor. Für Serbien ist das Kosovo-Engagement sehr kostspielig. So wolle Deutschland sicherstellen. dass sie die Änderung nicht mittragen wird. zu denen auch eine Immobiliensteuer für alle gehört. Romney ist der konservativen republikanischen Parteibasis hoch suspekt. der konservative Ansichten nur vertritt. AFP Die rechte Volkspartei wird wahrscheinlich wieder die meisten Stimmen bekommen. schreibt Edward Kleinbard. Schon in Obamas ersten Amtsjahren lag die Zahl der Abschiebungen um die 390 000. verpuffte der „Fukushimamals die 30-Prozent-Marke zu durchbrechen. Noch interessanter allerdings waren die Zeremonien im Westjordanland. für den selben Lohn Extraschichten einzulegen. dann könnte dies doch eines Tages seine Fortsetzung finden in Friedensverhandlungen. die wir sehen. als zwei Soldaten in den Libanon verschleppt worden waren. hätten die Todesnachricht überbracht. sagte CGTP-Chef Manuel Carvalho da Silva. erst- Wenig Beachtung schenken die Schweizer dem derzeit laufenden Wahlkampf. die ununterbrochen seit 163 Jahren Regierungsverantwortung trägt. Darauf spielte Perry eingangs der Debatte an. er besitze gefälschte iranische Papiere und sei in Washington und dem Camp Ashraf gesehen worden. am 24. strebt in Zürich einen Sitz im Ständerat an. nun schließen sich die anderen Oppositionsparteien im Nationalrat an. Massenvergewaltigungen und Kuppelei gegen Geld gegeben haben. Eine neue Geiselnahme jedoch dürfte verheerende Konsequenzen haben. Die Chance für den Friedensprozess läge dann darin. Zu Beginn der Debatte fielen sämtliche seiner Kontrahenten über Cains sogenannten „9-9-9. Hier hatten die Rivalen von der Fatah seit 2007 alle HamasAktivitäten unterbunden – Demonstrationen waren verboten. Noch im Frühjahr hatte es so ausgesehen. von den Revolutionsgarden als Sprachrohr genutzt. Bislang werden solche Fälle auf Bundesebene von einer Kirchenkommission untersucht. so das Kalkül im Lager Rick Perrys. Die größte DachGewerkschaft des Landes. Tatsächlich reduziert sich das Missvergnügen der Wähler auf ein unbestimmtes Grummeln über die unsichere Wirtschaftslage. Los Angeles. dpa Aufklärung in Österreich Wien – Die Details über Kindesmissbrauch im ehemaligen Wiener Kinderheim Schloss Wilhelminenberg haben in Österreich den Ruf nach einer Bundeskommission laut werden lassen. sagte Perry direkt an Romney gewandt. November zu streiken. Eine Bundeskommission fordern die Grünen schon seit eineinhalb Jahren vergeblich. Deshalb dürfte die Begeisterung für Cain in den kommenden Wochen wieder schwinden. „Wir müssen kämpfen. vom ersten Abendessen mit Schnitzel und Pommes Frites bis zum ersten Spaziergang Gilad Schalits an der frischen. Zum anderen könnte das gestiegene Selbstbewusstsein die Radikalen dazu verführen. bislang mit großem Abstand die zweitstärkste Partei. Und bald schon könnten die Aktien der Hamas noch weiter steigen. der absolute Tiefpunkt wurde 1995 mit 42 Prozent erreicht. Mitt Romney und Herman Cain. CGTP. teilte die Einwanderungsbehörde am Dienstag mit. die neue Mili- Foto: Staff/Reuters USA schieben ab Washington – Die Regierung von US-Präsident Barack Obama geht weiter hart gegen illegale Einwanderung vor. Die Beteiligung liegt hartnäckig bei unter 50 Prozent. Wahlmüde Wohlstandsbürger In der Schweiz wird am Sonntag über ein neues Parlament abgestimmt – doch das Interesse ist gering angesichts fehlender Probleme im Staat Von Wolfgang Koydl Zürich – In hellen Scharen sind die Schweizer schon lange nicht mehr zu Wahlen gegangen. der seinen Vorschlag als „einfach und fair“ verteidigte. vor allem an die SVP. dass man Frieden nicht mit seinen Freunden. Die Proteste haben sich in dem hoch verschuldeten Land bislang anders als in Griechenland aber in Grenzen gehalten. zunehmend aber auch an die jungen Grünliberalen. Arbeiter für sich zu gewinnen. dass man gereizt reagiert. sich auf die Gesetzesbrecher unter den Illegalen zu konzentrieren anstatt auf unauffällig lebende Immigranten. wird dann die Stunde des texanischen Gouverneurs sein. der auf den Feiern zum Empfang der befreiten palästinensischen Gefangenen immer wieder zu hören war. dass die ältere Frau Anfang Oktober von Kämpfern der somalischen Al-Shabaab-Miliz verschleppt wurde. Beste Aussichten bieten sich für die Hamas aber vor allem in Ägypten. allenfalls in einzelnen Bundesstaaten. neue Kraftproben mit Israel zu suchen.und Unternehmenssteuern. dort wie in den USA ist die Gruppe als terroristisch geächtet. Optimisten. Doch die Regierung unter Benjamin Netanjahu wird sich gewiss nicht noch einmal auf ein jahrelanges Gezerre wie im Fall Schalit einlassen. als er sich als „authentischen Konservativen“ empfahl und nicht als „Konservativen aus Zweckdienlichkeit“. der mit diesem Handel nicht nur im palästinensischen Lager. Eine von der „Schweizerischen Volkspartei“ (SVP) initiierte. seien in den zurückliegenden zwölf Monaten aus den USA abgeschoben worden. Im innerpalästinensischen Machtkampf hat die Hamas also mit der Freipressung der Gefangenen enorm viel politisches Kapital gewonnen. kündigte am Mittwoch an. teilte das Außenministerium in Paris am Mittwoch mit. sehen darin ein Hoffnungszeichen für den Friedensprozess. auf deren Verbannung ins Ausland Israel bestanden hatte. Sie schaffen es trotz der wirtschaftlichen Sorgen nicht. der Angeklagte Gholam Shakuri sei „ein wichtiges Mitglied“ der Mudschaheddin. hatte es keinerlei Fortschritte mehr gegeben. dass der meteorhafte Aufstieg des Außenseiter-Kandidaten in der Gunst vor allem rechter republikanischer Wähler seinen Höhepunkt erreicht haben könnte. „Man braucht keine große Analyse. so viele wie nie zuvor. mit denen Frankreich an einer Freilassung gearbeitet habe. Die Entführung sowie weitere Geiselnahmen hatten den Einmarsch kenianischer Truppen ins Nachbarland Somalia ausgelöst. wenn in Kairo die Muslimbrüder an der Macht beteiligt werden. Tatsächlich besteht die Möglichkeit. muss diesmal sogar der Vorsitzende Fulvio Pelli um den Wiedereinzug in den Nationalrat bangen.Plan“ her. dass die Hamas nun zumindest mittelfristig. Coffrini/AFP . China hatte Tibet im Jahr 1951 besetzt und kontrolliert die autonome Region sowie die anliegenden Provinzen. tun sich schwer. Washington betont aber. aus meiner Sicht verlierst du jedes Standing. Anführer wanderten ins Gefängnis. Und als Präsident Mahmud Abbas vor seinem Amtssitz in Ramallah die Heldenparade abnahm. Seine Chancen werden als reell bezeichnet. Sie gilt Iran als einer der wichtigsten Feinde des Regimes. was aber am Widerstand der Republikaner scheiterte. Es melden sich immer mehr Zeugen und Betroffene. In der Schweiz stößt keine einzige dieser Forderungen auf großen Widerhall.Seite 10 / Süddeutsche Zeitung Nr. ging den Ex-Gouverneur Romney so aggressiv an. Mehrwertsteuern gibt es in den USA bisher nicht auf Bundesebene. „Zu diesem Zeitpunkt rechtfertigen die Verarmung des Landes. sagte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums am Mittwoch. die Volksmudschaheddin für Aktionen einzuspannen. lobte den Mut der Menschen. Nach einem Abkommen Anfang Mai. illegale Einwanderer beschäftigt zu haben. Kenia befürchtet massive Einbußen im milliardenschweren Tourismusgeschäft. Es wird vermutet. Danach würde Cains Vorschlag eine massive Umverteilung der Steuerlast von oben nach unten bedeuten. Passanten machten einen großen Bogen um sie. Mehr berief sich auf angebliche „Informationen von Interpol“.“ Am selben Datum vor einem Jahr hat es in Portugal bereits einen Generalstreik gegeben. Die Palästinenser bringen nun sogar Wahlen im nächsten Frühjahr ins Spiel. wenn Ausländer verschleppt werden. selbst wenn er wollte. Zum Ausgleich will Cain eine Mehrwertsteuer von neun Prozent einführen. Cain hatte in jüngsten Umfragen mit dem bisherigen Favoriten Romney praktisch gleichgezogen. offenbar auf Geheimdienstinformationen basierend. Indes war es nicht das erste Mal. „Das ist fiskalischer Hokus-Pokus“. der für Auslandsoperationen zuständigen Spezialtruppe der Revolutionsgarden. Denn zum einen kann sich derzeit Präsident Abbas. um Nachahmer zu erzeugen. Damit wärmte er eine Affäre auf. Reuters gehandelt. vom Terror zur Politik findet. da die Affäre vor eineinhalb Jahren wegen Verfehlungen von Geistlichen und geistlichen Institutionen begann. Wann und wie die Französin ums Leben gekommen ist. Allerdings könnte sich dies ändern. Mehr als 396 000 Menschen. bei Aktionen in der Zürcher Bahnhofshalle oder auf den Marktplätzen der Weiler zwischen Genf und Bodensee: Die Politiker blieben häufig unter sich. die – ohne sein Wissen – Illegale beschäftigt hatte. wenn er sich als rechte Alternative zum Favori- Ein US-Beamter kontrolliert einen aus Mexiko kommenden Pkw. sondern weit darüber hinaus ein dröhnendes Comeback gelungen ist. Auch die Sozialdemokraten (SP). die den schwarzen Selfmademan bisher nicht recht ernst genommen hatten. „Mitt. Iran hat die USA immer wieder beschuldigt. der Romney mehrmals unterbrach und nicht ausreden ließ. allerdings das erste Mal. Im Mittelpunkt der Kämpfe stand zuletzt die südlich gelegene Stadt Afmadow. einer Gruppe der Exilopposition. da verstehe ich schon. ein Steuerexperte an der University of Southern California in ten Romney empfiehlt. Zu den Besonderheiten des Austauschs von 1027 palästinensischen Gefangenen gegen den israelischen Soldaten Gilad Schalit zählt deshalb das Abkommen. sagte der texanische Gouverneur Perry. einst das militärische Hauptquartier der Gruppe in Irak. Dies hoffen zumindest all jene westlichen Politiker von Berlin bis nach Washington. In den vergangenen Monaten hatten sich acht buddhistische Mönche und eine Nonne im Südwesten Chinas aus Protest gegen das Vorgehen Pekings gegen Tibet angezündet. Aber auch der andere Dauerbrenner der inner-schweizerischen Debatte. am Dienstag teilweise scharfer persönlicher Attacken ihrer fünf Rivalen erwehren. Die US-Justiz hatte Shakuri als „hochrangiges Mitglied der Quds-Brigaden“ bezeichnet. das Ausmaß der Rezession und der Arbeitslosigkeit sowie die Ungerechtigkeiten. die sich im französisch-sprachigen Landesteil UDC nennt. die den Gefangenen-Austausch nun begrüßt haben und darin eine Verbesserung der Atmosphäre in Nahost erkennen wollen. weil Du selbst illegale Einwanderer beschäftigt hast“. Die MitteRechts-Regierung will Urlaubsgeld und Sonderzahlungen zum Jahresende für Mitarbeiter im öffentlichen Dienst für zwei Jahre aussetzen. ohne zu zögern und tun. Am kommenden Sonntag werden die beiden Kammern des Parlaments gewählt – 200 Abgeordneten des Nationalrates und 46 Vertreter des Ständerates. Demonstriert wurde das zum einen bei der Siegesfeier im Gaza-Streifen. der nach schwachen Auftritten in den jüngsten Debatten erkennbar Boden wiedergutmachen wollte. pkr Republikanische Hitzköpfe Perry wirft Romney vor. Das. anstatt das Gespräch mit ihren gewählten Vertretern zu suchen. nun war er mit dem Präsidenten auf Augenhöhe. die Romney bereits im Präsidentschaftswahlkampf vor vier Jahren belastet hatte. dass das nicht funktioniert“. den der frühere Chef einer Pizza-Kette als einfache Alternative zum heutigen. in dem die Kantone vertreten sind. Viele halten ihn für einen Opportunisten. Das mittlere Haushaltseinkommen in den USA liegt knapp unter 50 000 Dollar. weil ihn die Hamas dann als Weichling oder Verräter vorführen dürfte. die vor allem die Parteirechte sehr umtreibt. Als nicht besonders hilfreich hat sich für die SP ihr Wahlprogramm erwiesen. in Wahrheit würde er aber die Steuerlast vieler Amerikaner deutlich erhöhen. kommt und womöglich sogar zu einer neuen Konfrontation. der Streit um die Zuwanderung von Ausländern. dass es zu einer Verhärtung Portugal will streiken Lissabon – In Portugal steht aus Protest gegen den Sparkurs der Regierung ein Generalstreik bevor. Die „Dalai-Gruppe“ habe diese Vorfälle „hochgespielt“. zündete diesmal nicht. 20. sondern auch immer wieder zwischendurch anlässlich diverser Volksabstimmungen. Er hatte eine Gartenbaufirma beschäftigt. auf denen sie unterzeichnet werden. Fast ebenso sicher erscheint der weitere Abstieg der einst ruhmreichen Freisinnigen Partei (FDP). Diese Klage finden jedoch auf gleichsam hochalpinen Niveau statt: Den Schweizern geht es noch immer um Längen besser als ihren europäischen Nachbarn. Politologen und Beobachter den Mangel an zündenden Wahlkampfthemen ausgemacht. Denn die sind schließlich die Patenorganisation der Hamas. komplizierten US-Steuerrecht vorgelegt hat. Außerdem gibt es in der Konsens-Demokratie keine dramatischen Veränderungen wie etwa Regierungswechsel: Es sind stets dieselben Parteien. Obwohl es erst im vergangenen Jahr verabschiedet wurde. da musste er sich die Bühne mit dem Hamas-Mitbegründer Hassan Jussef teilen. Im Zentrum aller Szenarien steht die Rolle der Hamas. auf der 250 000 Menschen die Ex-Gefangenen und ihre stolzen Befreier hochleben ließen. Weil aber fast alle Parteien nach dem Reaktor-Unglück in Japan geradezu überstürzt für einen Atomausstieg votiert hatten. die verbale Auseinandersetzung zwischen den beiden könnte in Tätlichkeiten enden. 242 HF2 POLITIK Donnerstag. um herauszufinden. Obama hatte im Wahlkampf 2008 eine Reform versprochen. und will dies künftig verhindern. Seine Heimkehr wird als ein Akt der nationalen Erlösung gefeiert. Dass der starke Frankenkurs auf die Exporte drückt. von der Türkei aufgenommen worden sind. In Lausanne wirbt ein Plakat der rechten SVP. dass die Eidgenossen nicht nur alle vier Jahre an die Urnen gerufen werden. als ob die Energiepolitik den Wahlkampf bestimmen würde. Sie werden aller Voraussicht die größten Gewinner sein mit ihrem im Zeitgeist liegenden Programm aus ökologischem Bewusstsein und ökonomischer Kompetenz. Der gestürzte Präsident Hosni Mubarak hatte klar auf die Fatah gesetzt. weil sie aufgrund des Erfolgs der Tea-Party-Bewegung gerade en vogue sind. Herman Cain dagegen kam das erste Mal ins Visier seiner Konkurrenten. weil die anderen Parteien und der Großteil der liberalen Massenmedien den Köder nicht schluckten und den Vorstoß der Rechtspopulisten schlicht ignorierten. das ebenso wie der Schalit-Austausch von Ägypten vermittelt worden war. was nötig ist. „Das Volk will einen neuen Schalit“ – dies war der Schlachtruf. die sich für die „Sache Tibets“ angezündet hätten. Kurzfristig besteht jedoch im Gegensatz dazu auch die Gefahr. Schließlich gilt das alte Motto. Diese Wahlmüdigkeit wird meist damit erklärt.“ München – Regimenahe Medien in Iran haben einen der Beschuldigten in dem angeblichen Mordkomplott gegen den saudi-arabischen Botschafter in den USA als Mitglied der Volksmudschaheddin bezeichnet. die Abschaffung des Militärs und sofortige Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union. in denen Tibeter leben. hat noch nicht voll auf die Volkswirtschaft durchgeschlagen. Jahrhundert: Die Sozialdemokraten gelobten die „Überwindung des Kapitalismus“. Im Fall Wilhelminenberg soll es in den fünfziger Jahren sogar Todesfälle durch Misshandlungen. Die Verbrüderung begann mit der Gaza-Hilfsflottille im Mai 2010 und wird voraussichtlich nicht damit enden. sein Konterfei ziert T-Shirts und Tassen. zusammen mit den Muslimbrüdern auch die bislang vom Westen ver- Iran: Mudschaheddin plante Mord in den USA US-Präsidentschaftskandidaten greifen sich in Fernsehdebatte persönlich an – Favorit Romney reagiert unsouverän Von Reymer Klüver Washington – Es war der Aufstand der Underdogs. Die Alternative dazu war bereits im Sommer 2006 gewählt worden. 95 Prozent aller Millionäre würden danach jährlich 487 000 Dollar weniger an Steuern bezahlen. wenn das Land wegen des Sparkurses nächstes Jahr in die Rezession abrutscht. ohne Details zu nennen. nächsten Frühjahr wieder ins Spiel gebracht. Nun werden sogar Wahlen im Freudentag im Gaza-Streifen: Palästinenser erwarten bei Rafah ihre freigelassenen Landsleute. dass nun elf der Gefangenen. Bush war sie noch deutlich geringer. Doch ob auf dem Bundesplatz vor dem Berner Parlaments. dürfte eine Untersuchung seines Plans durch das unabhängige Tax Policy Center in Washington sein. Die älteste Regierungspartei der Welt verliert seit mehr als 20 Jahren kontinuierlich Stimmen. Auch außenpolitisch arbeitet die Organisation derzeit auf breiter Front an einer Verbesserung ihrer Positionen. die es auch in Nahost immer noch gibt. auf keine Friedensgespräche einlassen. so wollte er eine Aufenthaltserlaubnis für Kinder illegaler Einwanderer einführen. So habe es sich bei mehr als der Hälfte der Deportierten um verurteilte Straftäter tärführung zeigt sich wesentlich offener gegenüber den Islamisten. Als Grund für dieses matte Interesse haben Politiker. das zwischen Israel und der Hamas geschlossen – und bislang eingehalten – wurde. dass mitunter der Eindruck entstand. mit harter Hand. Neben neuen Chancen birgt die Situation jedoch zugleich auch erhebliche Risiken. Doch vermutlich viel gefährlicher für Cain. Ein solcher Haushalt müsste nach Cains Vorstellungen bis zu 5000 Dollar mehr Steuern zahlen. einheitlich auf neun Prozent gesenkt werden. Die Informanten. Romney reagierte herablassend: „Für Rick sind die letzten zwei Debatten nicht gut gelaufen. Vor allem der texanische Gouverneur Rick Perry. ist ungewiss Von Peter Münch Tel Aviv – Die Regeln werden im Nahen Osten oft mit Blut geschrieben. Der Ministerpräsident der tibetischen Exil-Regierung. sondern mit seinen Feinden schließt – und wenn sich Israel mit dem Erzfeind nun schon auf einen solchen GefangenenAustausch geeinigt hat. freien Luft wird nun jeder Schritt verfolgt. Die Gruppe hatte. Dieses Mal aber scheinen sich die Schweizer Bürger sogar den Wahlkampf ersparen zu wollen. Fk. griff die persönliche Integrität seines Konkurrenten an und warf ihm „Scheinheiligkeit“ in der Debatte über die illegale Einwanderung vor. Ganz Israel hat während der mehr als fünf Jahre dauernden Gefangenschaft unglaublich emotional Anteil genommen am Schicksal des jungen Soldaten. Effekt“ spurlos. das geheime Atomprogramm Irans auffliegen lassen. Die halbamtliche iranische Nachrichtenagentur Mehr. stieg aber stetig an. Diese wandern zunehmend zur SVP ab. unter anderem dank der Bereitschaft vieler Berufstätiger. Zum Empfang der heimkehrenden Häftlinge jedoch wehten plötzlich wieder überall die grünen Fahnen der femte Hamas ins politische Geschäft einzubinden. Reuters Eine neue Geiselnahme dürfte verheerende Konsequenzen haben. Seit Sonntag gehen daher kenianische Truppen zusammen mit somalischen Soldaten gegen Stellungen der AlShabaab-Miliz vor. welche die siebenköpfige Regierungsmannschaft stellen. der Groß-Industrielle Christoph Blocher.“ Höhere Steuern aber sind in den Augen der meisten republikanischen Wähler ein Tabu. Ihr Spiritus rector. berichtet nun. Vor kurzem hatte der selbst noch im Gefängnis gesessen. blieb zunächst unklar. Mit der Türkei werden immer engere Bande geknüpft. so wie die Fatah vor dem Oslo-Friedensabkommen vor fast 20 Jahren. klingt es wie ein Relikt aus der Frühzeit der Arbeiterklasse im 19. Es folgte ein Krieg mit aller Härte. für die drastische Abschottung von der EU. denn Verträge sind meist das Papier nicht wert. dass er erkennbar die Souveränität zu verlieren drohte. Von ihrem selbst gesteckten Ziel. Dennoch wird die SVP wohl auch diesmal wieder zur stärksten Partei werden. In der bisher spannungsgeladensten TV-Debatte der republikanischen Präsidentschaftskandidaten mussten sich die beiden Favoriten in den Umfragen. Unter seinem Vorgänger George W. den Streik“. Bei der FDP hingegen. dass Romney sich der Angriffe seiner Mitbewerber erwehren musste. F. Die Debatte dürfte allerdings ein klares Anzeichen dafür sein. die heute Sätze jenseits der 30 Prozent erreichen können. groß angelegte Plakat-Kampagne „gegen Masseneinwanderung“ ging weitgehend ins Leere – vor allem deshalb. „er wird als Niedrig-SteuerWundermittel präsentiert. Lobsang Sangay. Reuters Schalits fragliches Erbe Die Hamas hat sich durch den Gefangenenaustausch mit Israel profiliert – ob das zu mehr Terror oder mehr Frieden führt. Ankaras Regierungschef Recep Tayyip Erdogan ist ein Volksheld im GazaStreifen. Islamisten. Oktober 2011 Ausland Verschleppte Französin tot Paris – Die auf einer kenianischen Ferieninsel verschleppte Französin ist nach offiziellen Angaben tot. Danach sollen die Einkommens. Grund sei der Haushaltsentwurf der Regierung für 2012. um die festgefahrenen Versöhnungsgespräche wieder in Gang zu bringen. Peking beunruhigt Peking – China hat dem Dalai Lama wegen einer Reihe von Selbstverbrennungen buddhistischer Mönche „Terrorismus in Verkleidung“ vorgeworfen. Voller Selbstbewusstsein bietet sie nun Präsident Abbas ein Treffen an. ist sie freilich schon abgerückt. Perry. Inlandspreise: Festnetz 14 ct/Min. vom Massentourismus weitgehend unberührten Stränden schließen sie ab. nicht aber den Leichnam. Klasse von innen gesehen hat. bei denen Gelder vom Festland investiert würden. wie zu erwarten ist. in ein blaues Tuch eingewickelt. Fotos: Mauritius Images. Die Eltern der kleinen Yue Yue betreiben einen kleinen Marktstand in der Nähe der Unfallstelle – sie hatten das Mädchen vor dem Unfall nur kurz aus den Augen verloren. Die Menschen würden von einem Rimini an der Costa del Sud träumen. von denen aber kein einziger half. Doch die Ärzte stellten fest. Ein weiterer Kleinbus überrollt die Kleine. Ovidio Marras ist in wenigen Wochen zu einer bekannten Persönlichkeit geworden: ein sardischer David. in der silbernen Box lag. Sie suchen vor allem aber den Leichnam eines toten Kindes.Donnerstag. Vermutet wird. dass jemand ein totes Baby stiehlt? Seit einer Woche suchen die Hamburger Asklepios Klinik in Altona und die Polizei nach einer silbernen Kiste. Dann. Es ginge darum. die vor einer Notaufnahme verblutet sind – aus Geldmangel. und die meisten Krankenhäuser behandeln Patienten nur. die das Land einst als Erste besiedelten. Plateaus. Wenn jetzt das Kassationsgericht.000 Jahre alt werden. die Box auf einem Flur ab. Doch nachdem er sie ins Krankenhaus getragen hatte. unter Naturschutz gestellt. Mit Vertretern von Italia Nostra gab es auch schon mal handgreifliche Auseinandersetzungen. steht da etwa zu lesen. die sich am Krankenbett abwechseln. das einen der schönsten Landstriche Sardiniens verschandelt. dass seine Gemeinde keine andere Wahl hat. Der Komplex verstoße gegen eine ganze Reihe von Naturschutzbestimmungen und Gesetze. liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei mehr als 50 Prozent. lag Yue Yue weiter auf der Intensivstation. dann sollte ein Mitarbeiter der Klinik den Leichnam in die Pathologie bringen. Dresden Fotolia/EcoView 3. Henrik Bork Ein Traum – sein Traum: Ovidio Marras. Einen Hund und eine Katze habe man ihm schon vergiftet. Andere erinnern daran. „Sardischer Schafhirte bringt umstrittenes Tourismusprojekt ins Wanken“. wilden Olivenbäumen und kleinen Wäldern aus immergrünen Steineichen. Dünenlandschaften.: 8 – 20 Uhr. stechen halbfertige Bungalows und Reihenhäuser ins Auge. Der Alte sitzt derweil auf einem Schemel vor dem Feuer und reibt sich die von der Gicht knorrig gewordenen Hände. Das zweijährige Mädchen namens Yue Yue war in einem unbeobachteten Moment aus dem Haus seiner Eltern in der südchinesischen Stadt Foshan auf die Straße gelaufen. so etwa die Welwitschia mirabilis. oftmals rötlich schimmernden Namib-Dünen. Und wer? „Na wer wohl?“. die zusammengebrochen war. bis 19.de/leserreisen Persönlicher Kontakt: Hapag-Lloyd Reisebüro. auch ein Journalist des Guardian aus London hat ihn besucht. wie die alten Katen in der sardischen Sprache heißen. damit hier Leute vom Festland Platz bekommen?“ Süddeutsche Zeitung Leserreisen Namibias Wüsten und Nationalparks Das heutige Namibia wird als einer der ältesten Teile der Erdkruste bezeichnet. deshalb will man mich hier weghaben“. gibt dann Gas und begeht Fahrerflucht. zitieren ihn Reporter später. „Stoppt die Apathie“ ist die Überschrift einer Aktion auf dem beliebten Mikroblog-Portal Sina Weibo. November 2012 Im Doppelzimmer Im Einzelzimmer Veranstalter: DIAMIR Erlebnisreisen GmbH. Und natürlich begegnen einem auch die kulturellen Zeugnisse der uralten Nomadenstämme. schnaubt er. die beiden Urteile bestätigt. Auch der zweite Fahrer. würde er in den Original-Ort fahren und nicht an eine Kopie in einem abgelegenen Landstrich Sardiniens.322 68 89. Doch trotz der Trockenheit gibt es hier einen großen Tierreichtum. immer noch brummig. steht indes zum Projekt des Konsortiums. Das Konsortium hatte wohl gedacht. dem inzwischen gekündigt wurde. Die Überwachungskamera der Polizei zeigt einen Kleinbus. 81. Sie sind die Vorboten einer riesigen. „Ovidio. in traditioneller Lehmbauweise errichtete Bauernkaten stehen hier. Offenbar stellte der Mann. „Verantwortlich ist der Zusammenbruch jeglicher moralischer Standards in unserer Gesellschaft“. wo sich das Flüsschen Tuerredda Richtung Meer schlängelt. der in China heute grassiert. der den italienischen Goliath herausgefordert hat. einen sanften Tourismus zu entwickeln. fährt aber weiter. Mobilfunk max. längs der Costa del Sud zum Porto di Teulada.950 € p. „Warum“. Felsformationen und Canyons prägen das Land im Südwesten Afrikas. Zebras. Theatinerstraße 32. der ersten Bewohner Namibias. Die Eltern des Kindes waren in die Klinik gekommen. Es will eine Belohnung von 5000 Euro für Hinweise zahlen. erklärt Maria Paola Morittu von der sardischen Sektion des Verbandes. stützt sich auf seinen Stock und schimpft wie ein Rohrspatz. 80333 München In Kooperation mit . Das will seine Nichte Consolata. Immer wieder berichten Medien von Unfallopfern. Mit einer Ausnahme: Vor einem vereinzelten Forriadroxiu. Swakopmund: Früher war das beliebte Seebad Teil der Kolonie Deutsch-Südwestafrika. Aber es stimmt. Wieder andere erinnern an den ungehemmten Materialismus.) Fax: 0421 . Dass er ein Kind überfahren hat. den sturen alten Bauern. die stellenweise wie eine Mondlandschaft wirkt. kein Hirte. Er hat außerdem eine Klage gegen das Bauprojekt. wohnt nur wenige Schritte vom Strand entfernt allein in der Kate. aber auch Verständnis für die Kritiker zeigt. um Arbeit und ein bisschen Wohlstand in diesen Landstrich zu bringen. „Von wegen Hirte“. krumm wie eine sardische Eiche. keine neue Beschäftigung in die bitterarme Gegend bringen. das heute einer der größten Wildparks Afrikas ist. wehrt sich so gut er kann gegen eine 700 Hektar große Touristensiedlung in seiner Heimatgemeinde Teulada im Süden Sardiniens (Bild oben). aber auch vom italienischen Festland. Etosha-Nationalpark: Vor rund 100 Jahren wurde das Gebiet. Viele Einwohner von Teulada halten Ovidio Marras. Kleine Buchten mit traumhaften. Dieses Projekt sei nur eines von vielen auf Sardinien. Anders als seine Nachbarn hat Ovidio sein Land nicht an das Konsortium verkaufen wollen. was bis heute ein spirituelles Vakuum hinterlassen habe. muss das Konsortium einen Teil seiner Häuser wieder abreißen und den Bauplan ändern. das. Und er würde. sagt der Alte. dass nach Gründung der Volksrepublik China unter Mao Zedong jegliche Religion verboten war. Im Kreißsaal hielten die Eltern ihr Kind noch eine Stunde im Arm. kaum 300 Meter vom Meer entfernten Anlage mit Wohn. 42 ct/Min. einem Hotelkomplex und Serviceeinrichtungen auf insgesamt 700 Hektar Bodenfläche. Elefanten. Der Bürgermeister steht zu dem Bauprojekt: Wo sonst soll das Geld herkommen? In Ovidio Marras’ Kate knistert das Kaminfeuer. Der Diebstahl wurde drei Tage später bemerkt. „Absoluter Horror“. Löwen und Eland-Antilopen beobachten. Rund zehn Millionen Menschen haben dort bereits Kommentare hinterlassen. Das ist der Inhalt eines schockierenden Videos. E-Mail: [email protected] wenn sie bei Einlieferung bar bezahlen. die zum Auffinden des Leichnams führen. Internet: www. steht ein alter Mann. 242 / Seite 11 Bauernschlau Ein 81-jähriger Landwirt kämpft auf Sardinien gegen eine riesige Touristensiedlung – er könnte Erfolg haben „Stoppt die Apathie“ Der tragische Unfall eines Kleinkindes verstört China Peking – Ein zweijähriges Mädchen wird überfahren und liegt blutend auf der Straße. die als Wanderarbeiter in den Städten so hart arbeiten müssen.und Ferien- Brutale Ignoranz: Erst nach sieben Minuten trug eine Frau die schwer verletzte kleine Yue Yue – hier kurz vor dem Unfall – von der Straße. was sich bis heute architektonisch im Stadtbild widerspiegelt. Namib-Wüste: In dieser Wüste. – Fr. heute noch über den Flammen braten. Und ihm dafür einen neuen Weg angelegt. 20. die bei ihm ab und zu nach dem Rechten sieht. und von einer Landzunge bei Capo Malfatano grüßt ein Wachturm aus den Zeiten der aragonischen Besatzung. ohne zu bremsen – und es schließlich überrollt. Das Unternehmen hat in großen Anzeigen in drei Hamburger Zeitungen einen Zeugenaufruf geschaltet. die auf dem Flur eines Krankenhauses verloren ging. dass das Herz des Kindes nicht mehr schlug. Und wenn jemand nach Rimini wolle. halte durch“. Der Umweltschutzverband Italia Nostra unterstützt den bäuerlichen David in seinem Kampf gegen den Goliath Konsortium. Dann würden auch die Gewinne auf der Insel bleiben und nicht wie bei dem Konsortium aufs italienische Festland fließen. der ihre Zukunft bedroht. Mai und 04. indem man etwa die Forriadroxius restauriere und zu Ferienwohnungen umbaue. schimpft ein Chinese mit dem Pseudonym „xxx777“. Zwei umfangreiche Suchaktionen.00 41 13*. in dem sich italienische Großunternehmer wie der Bauriese Caltagirone aus Rom. Diese Pflanze ist häufig das Motiv namibischer Wappen und kann bis zu 2. von denen einige zwar zu dem Mädchen hinschauten. Er sei Bauer. dass die Natur ihr eigentlicher Reichtum ist“. dessen Besitz sich Marras mit der Baugesellschaft teilt. Einige alte. zu der die Traumlandschaft bei Capo Malfatano gehört.de. Sa. 4. Seither ist sie verschwunden. es könne den Kleinbauern. da sei jeder Neubau eine Verschwendung.160 € p. Eine von einem San geführte Wanderung eröffnet einen neuen Blickwinkel auf das Leben in der Wüste im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne. so der Klinik-Betreiber. Der Bauer Ovidio Marras. Die Frau musste das Kind tot zur Welt bringen. Mehr als 600 Wohnungen würden in der Gemeinde leer stehen. bis 20. Sossusvlei: Rund um diese Salz-Ton-Pfanne im Namib-Naukluft-Naturschutzgebiet liegen die riesigen. „